2.6.19 - 36. Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg

Rhein-Ruhr-Marathon: ein Lauf durch den Sommer

von Markus Heidl 

"Viel Spaß!" wünschen die beiden netten Herren bei der Startnummernausgabe. "Tja, es wird wohl heiß werden", erwidere ich. "Da hilft beim Marathon nur eins: schnell anlaufen!" - "genau, denn was man hat, das hat man! Alte Läuferweisheit!". Noch können wir darüber lachen, man darf ja seinen Humor nicht verlieren. Etwas, das nicht nur vielen Marathonläuferinnen und -läufern beim 36. Rhein-Ruhr-Marathon auf den letzten Kilometern schwergefallen sein dürfte. Denn insbesondere für einen Marathon war das Wetter schon morgens früh viel zu heiß. Und obwohl sich auf der Strecke häufig sogar Schatten bot, hatten leider auch viele Halbmarathonis Kreislaufprobleme. Allzu viele Wagemutige waren es nicht, die sich auf die Marathonstrecke wagten. Gerade im Vergleich zum anderthalb Stunden später startenden Halbmarathon, bei dem 618 Läuferinnen und 1280 Läufer ins Ziel kamen, wirkte der Startbereich des Marathons - mit schließlich 548 Finishern - als fehlte die Hälfte.

Eine kurze Predigt vor dem Start. Der Rhein-Ruhr-Marathon bietet auch den Rahmen für die deutschen Kirchenlaufmeisterschaften Breite, sonnige Straßen prägen das Bild des Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg
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Zunächst dachte man, dass noch einige weitere Läuferinnen und Läufer wegen des Marathons gekommen waren. Diese waren für Läufer, die man umgangssprachlich auch gerne mal als Hungerhaken bezeichnet, aber geradezu riesig, mit Muskeln bepackt und im Kreuz sehr breit - sprich: viel zu schwer zum Laufen. Dennoch aber hochkonzentriert! Des Rätsels Lösung war dann einleuchtend. Ebenso im Sportpark Wedau fand ein Kanuten-Wettkampf statt. Der ICF Canoe Sprint World Cup erklärte nicht nur die großen Frauen und Männer mit breiten Schultern, sondern ebenso die vielen Nationaltrikots.

Jetzt ist Sommer!

Obwohl die Startzeit mit 8:30 Uhr recht früh angesetzt war - Frühstück, Anreise etc. müssen bedacht werden - war sie für den Marathon doch schon zu spät, weil die Sonne bereits seit ihrem Aufgehen mächtig einheizte. Hinzu kam, dass die Strecke schon "warmgefahren" war. Zwar mit fast einer halben Stunde Verspätung aber doch noch vor den Marathonis waren die Handbiker und dann auch die Inlineskater auf die Strecke geschickt worden. Sie boten den Zuschauern die erste große Show, sind solche Rennen doch nicht alltäglich und aufgrund ihrer Geschwindigkeiten äußerst beeindruckend. Am schnellsten waren bei den Handbikes Annika Zeyen und Dr. Jonas Van De Steene unterwegs. Auf den Inlineskates fuhren Claudia Maria Henneken und Dr. Jordy Harink vorneweg.

Start frei! Los geht der 36. Rhein-Ruhr-Marathon noch vor den Laufathleten mit den Handbikern und Inlineskatern

Um 8:42 Uhr wurden dann auch die Marathonis mit einer kleinen Verzögerung auf die Strecke geschickt. Die Witterung war dabei die größte Herausforderung. Selbst Nikki Johnstone, Vorjahressieger und Vielstarter, der seine Fähigkeiten aufgrund seiner großen Erfahrung wohl besser einschätzen kann als die meisten der anderen Starter, meinte am Start auf die Frage, ob er wieder gewinnen würde, dass er es zwar versuchen werde, man bei dem Wetter aber nie wisse.

Immerhin: auf der sehr schönen Strecke, die auch an den Hafen, durch Fußgängerzonen und Parks sowie durch die Sechs-Seen-Platte führt und sich somit völlig gegensätzlich zu den Erwartungen an einen City-Marathon im Ruhrpott gestaltet, gibt es immer wieder Schatten. Und auch die Anwohner helfen mit: neben den Getränkestationen, an welchen fleißige Helferhände (insgesamt besteht das Team des Rhein-Ruhr-Marathons aus über 2000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern) die dringend benötigte Flüssigkeit reichen, sind häufig Gartenschläuche installiert, die die Vorbeieilenden wässern und kühlen.

Bonjour ! Michel Descombes war heute, ein paar Stunden nach dem Night Marathon in Luxemburg, mal nicht zu Fuß, sondern mit dem Rad unterwegs Start zur Ekiden-Staffel, die zwei Minuten vor dem Marathon gestartet wird

Wiederholungstäter beim Marathonsieg

Dennoch hilft auch das letztendlich wenig. Bei solch sommerlichen Temperaturen kann man gar nicht genug trinken. Nichtsdestotrotz zeigt Vorjahressieger Nikki ein hervorragendes Rennen, läuft die zweite Hälfte nur drei Minuten langsamer als die erste und macht seiner Startnummer alle Ehre: er wiederholt seinen Vorjahressieg und gewinnt unangefochten mit einer Zeit unter 2h30: nach Netto 2:29:48 Stunden ist der Läufer des LAZ Puma Rhein-Sieg als erster im Ziel und kündigt direkt an, 2020 das Triple zu versuchen: "Ich habe es wieder richtig genossen, in Duisburg zu laufen und komme sehr gerne wieder!".

Ihm folgen Gunnar Diederichs (TuS 82 Opladen) nach 2h43'41 und Cemal Ineci aus Zypern (Lefke Avrupa ÜNi) nach 2h52'13, um das Podest zu vervollständigen und den Stadioneinlauf beim MSV Duisburg zu genießen.

 
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In gewisser Weise passt sogar das Wappentier zu den afrikanischen Temperaturen. Können Zebras Marathon laufen?

Neben der ersten Frau blieben außerdem noch Sebastian Kestner (2h53'11, Fahrrad Magdeburg Trimagos), Joe Kler aus Luxemburg (2h56'54), Robert Wilms (2h58'45, SG Wenden) und Falko Gallenkamp (2h59'19, BUNERT Wuppertal) unter drei Stunden.

Noch ein Interview vor dem Start: Zug- und vor allem Bremsläufer wie hier Ralf Klauke sind bei heißen Temperaturen stark gefragt Vorfreude auf den Marathonstart bei Sonja Vernikov, der späteren Zweitplatzierten und Nikki Johnstone, dem späteren Marathonsieger Aufstellung vor dem Start: Harrou Issa (Nr. 580) und Cemal Ineci (552, der spätere Drittplatzierte) werden von Annika Vössing und Nikki Johnstone eingerahmt

Wie Nikki Johnstone kennt auch die Frauensiegerin bereits das Gefühl, beim Rhein-Ruhr-Marathon als Sieger gefeiert zu werden. Nicht nur das: erst vor zwei Wochen gewann Annika Vössing (Ayyo Team Essen) bereits den Vivawest-Marathon in 2:57:34 h bei ebenso heißen Bedingungen.

Annika hatte es auf dem ersten Renndrittel etwas langsamer angehen lassen als die junge Sonja Vernikov (LAZ Puma Rhein-Sieg), die bei ihrem zweiten Marathon vor allem Erfahrungen sammeln sollte. Sie schlug sich tapfer. Obwohl sie nach etwa 16 km von Annika überholt wurde und fortan, nach anfänglicher, gelegentlicher Begleitung viel alleine laufen musste, verbesserte sie sich auf für die heißen Bedingungen beachtliche 3:02:04 Stunden. Annika konnte ihr zwar enteilen, sie aber nicht "stehen lassen". Mit ihren 2h57'10 wurde sie gesamt-6 und beschreibt den Zieleinlauf als "einmalig". Das Frauentreppchen komplettierte die Kanadierin Andree Paquet (Ausdauerschule by bunert) in 3h08'14.

Die Getränkeversorgung war das A und O

Auch das Halbmarathonrennen wurde natürlich heiß. Der Start um 10 Uhr und die flache und schnelle Strecke scheinen perfekt für gute Zeiten. Schon auf der halben Distanz aber hat die Körperkerntemperatur einen erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Die Getränkestellen waren entsprechend gefragt und aufgrund des dichten Feldes auch hochfrequentiert.

Mit der 3-h-Gruppe startet die spätere Siegerin Annika Vössing (F2001) ihr Rennen

Halbmarathon-Siegerin Michelle Rannacher (DJK Gütersloh) war mit der Versorgung mit Wasser während des Rennens hochzufrieden: "Die Getränkeversorgung war bei dieser Hitze das A und O für uns Sportler. Es gab mehr als ausreichend Stationen, dazu die erfrischenden Wasserduschen an der Strecke. Die Helfer haben wirklich einen super Job gemacht."

Sie war die erste von fünf Frauen unter 90 Minuten: ihren 1h22'54 konnte niemand folgen.

Knapp zwei Minuten länger brauchte Dioni Gorla (LAZ Puma Rhein-Sieg) auf Rang 2: 1h24'39.

 
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Die weiteren Plätze belegten Sophia Rosenberg vom USC Bochum (1h26'20), Katharina Wehr (1h27'48, TV Wanheimerort 1880) und Judith Hacker (1h28'09, SG Wenden).

Auch eine Staffel ist im Rahmenprogramm. Hier bringt Dirk Kietzmann seine Roadrunners auf Kurs Beim Halbmarathon startet eine Spitzengruppe, die sich bald zu Einzelkämpfern zerschlagen haben wird. Mit der Nr. 3003 der spätere Sieger Bernhard Deiß
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Auch bei den Männern waren die Abstände deutlich. Hier blieben fünf Läufer unter 80 Minuten. Bernhard Deiß vom Recklinghäuser LC war mit 1h15'26 der schnellste von ihnen. Er konnte sich gegen den mit Heimvorteil laufenden Jan Neuens (1h17'15, ASV Duisburg) und Uwe Friedrich (1h17'56) vom Chemnitzer PSV durchsetzen. Ihnen folgten mit Karsten Kruck (1h18'36) und Dennis Breuer (1h19'08) zwei weitere Duisburger.

Ein Lauf durch den Sommer

"13 Mal dabei, davon 11 Mal warm bis heiß!" ist ein Fazit, das wie aufs Auge zum 36. Rhein-Ruhr-Marathon passt. Für eine Langstrecken-Veranstaltung ist der Termin vielleicht suboptimal, dennoch lohnt sich ein Ausflug nach Duisburg, wie man an den Reaktionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer merkt: tolle Strecke, top Organisation und ein einmaliger Zieleinlauf!

Bericht von Markus Heidl - Fotos von Svenja Heidl

unter

go4it-foto.de
Ergebnisse www.rhein-ruhr-marathon.de
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