1.6.18 - Weinheim Turnfestlauf und OL-Läufe

Sturm auf die Burg

von Hannes Blank

Der Turnfestlauf in Weinheim machte es aus organisatorischen Gründen schwierig, sofort die Gewinner zu erkennen. Doch irgendwie fühlten sich alle als Sieger - nicht ganz zu Unrecht. Bei diesem Lauf wurde nämlich in Grüppchen mit bis zu 10 Teilnehmern zwischen 17:00 und 19:30 Uhr gestartet.

Die nur etwa 2000m lange Strecke hatte es trotz ihrer Kürze in sich, denn vom Start weg wurde bergauf gelaufen, etwa 100 Höhenmeter waren zu überwinden: "Sturm auf die Burg" nannten die Organisatoren dies passend, denn das Ziel befand sich im mittelalterlich-malerischen Innenhof der Burgruine Windeck hoch über Weinheim. Der Start war - gut sichtbar - unweit der Fußgängerzone der Stadt Weinheim aufgebaut.

 

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Obwohl das gesamte Landesturnfest den breitensportlichen Mitmach-Charakter in den Vordergrund stellt, sparte man in Weinheim nicht an einer leistungsgerechten Technik: Chip in der Startnummer und Bodensensoren beim Start und im Ziel, wie bei vielen 10km-Volksläufen inzwischen Standard, waren auch beim Turnfestlauf in Gebrauch.

Beim Landesturnfest in Weinheim gab es zum Mitmachen unter anderem den "Sturm auf die Burg" – Turnfestlauf zur Ruine Windeck und einen Trimm-Orientierungslauf Auf dem Ziel des Laufs, der Ruine Burg Windeck, wehte an diesem Wochenende die Turnfestfahne Ein typischer Orientierungslauf-Kontrollpunkt, dieser an einem malerischen Teich im Schlosspark von Weinheim
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"Kurz, aber hart" war dann auch das Fazit des Teilnehmers Jürgen Schönbeck, stellvertretend für alle, die mitmachten. Er ist, wie so viele andere Turnfestläufer ein sportlicher Mehrfachtäter. Der "Hobby-Läufer", wie er sich selbst bezeichnete, startete für seinen TV Bretten auch noch beim Turngruppenwettstreit.

 
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Wegen der Gruppenstarts hoch auf die Windeck war zunächst kein Sieger auszumachen. Der Blick in die abschließende Ergebnisliste verriet, dass S. Metzger vom TV Illingen in nur 4:35min zur Burg hochgestürmt war (die Ergebnisliste verschweigt kurioserweise die meisten Vornamen) und damit auf Platz 1 der Liste steht. Bei den Frauen war Franziska Hatzl vom SV Böblingen in 5:53min die Schnellste. Größte Teilnehmergruppe (für die es allerdings keinen Extra-Preis gab) war das Sportzentrum der Katholischen Universität Eichstätt. Fast ebenso zahlreich wie die Theologen aus Oberbayern waren Vereinsmitglieder des TSV Armsheim-Schimsheim (Rheinhessen) und des TB Gaggenau (Mittelbaden) vertreten.

Die ersten Meter des Turnfestlaufs waren ein Treppenlauf
Durchweg gute Stimmung war auf der Strecke bei den Läuferinnen und Läufern zu beobachten,
die gemeinsam die Burg stürmten

Glück für die Läufer war, dass bei etwa 27 bis 28 Grad Temperatur die gut ausgebaute Strecke überwiegend im Baum- und Strauchschatten stattfand. Oben gab es den kleinen Mitmach-Pin für alle erfolgreichen Teilnehmer, leider kein Wasser, jedoch konnte man sich in den wahrhaft gruftigen Bergtoiletten etwas frisch machen. Schön war, das der Turnfestlauf die Teilnehmer etwas aus der Hektik der Weinheimer Fußgängerzone (wo noch viele anderen Turnfest-Veranstaltungen stattfanden) herausnahm und hoch über die Stadt Weinheim entführte, mit tollem Ausblick über diese Stadt ganz im Nordwesten von Baden-Württemberg. Dass sich der Turnfestlauf auch als so eine Art Schnupper-Berglauf erwies, war eine kleine Überraschung, angesichts der kurzen Streckenlänge jedoch kein Problem.

Orientierungsläufe zum Reinschnuppern gut angenommen

Der Orientierungslauf hat in der Region um Weinheim und darüber hinaus nicht viele Anhänger. Ein Angebot, diese Wettkampfform, die irgendwo zwischen Volkslauf und ambitionierter Schnitzeljagd zu verorten ist, gibt es nur selten. Das Landesturnfest hat - zumindest 2018 - diese Lücke erfolgreich mit dem sog. "Trimm-Orientierungslauf" gefüllt: "Das Schnupperangebot wurde gut angenommen", berichtete OL-Organisator Ewald Eyrich. In der Tat: 250 Sportler und Sportlerinnen probierten den Orientierungslauf im schönen Schlosspark der Stadt Weinheim aus. Hierfür reichte die ausgegebene, wetterfeste Landkarte im Maßstab 1:4000. "Profi-Orientierungsläufer" haben auch immer einen kleinen Kompass dabei. Kartenlesen und Kompassgucken, die Orientierung an sich ist also noch ganz "old school", die Technik an den Kontrollpunkten aber nicht, dort muss der mitgeführte Chip an den Sensor gehalten werden. Schade nur, dass bis zum Ende des Landesturnfests keine Ergebnisliste des Trimm-OL veröffentlicht wurde, viele hätten vielleicht gerne gewusst, um wie vieles schneller (oder langsamer) sie als die Konkurrenten waren.

Jürgen Schönbeck vom TV Bretten im Ziel des Turnfestlaufs Belohnung für alle Läufer: Der Blick von der Burg Windeck hinunter auf Weinheim und über die Oberrheinische Tiefebene

Neben dem Schnupperangebot wurden auch reguläre Orientierungslauf-Wettkämpfe angeboten, in Dreier-Gruppen am Freitag und die Einzelstarter am Samstag. Dort kamen neben dem Trimm-OL in Summe nochmals 550 Athleten und Athleten zum Zug. Über 4km (Luftlinie wohlgemerkt, da muss man etwa +50% als tatsächlich gelaufene Strecke dazurechnen) waren die Kösegis (Svenja, Armin und Fabian) vom TV Bad Rappenau unschlagbar, sie siegten mit 9 Minuten Vorsprung vor dem Trio des LSV Ladenburg.

Über 5 Kilometer gab es mit sogar 16 Minuten Vorsprung einen noch souveräneren Sieg des TV Ingersheim mit Thomas Zellwangee, Daniel Nowak und Sven Fritz. In der zweitplatzierten Mannschaft (LSG Weiher) befand sich die Mannheimerin Katharina König. Sie gab Auskunft über den Weinheimer Orientierungslauf: "Es war wegen der vom Schnupper-OL einbezogenen Kontrollpunkte ein eher einfacher Wettkampf", sagte sie. Somit war in Weinheim im Vorteil, wer schnell laufen konnte. Die 20jährige Katharina kommt ursprünglich aus der Leichtathletik: "Die Läufe dort fand ich aber total langweilig", berichtete sie, "aber beim Orientierungslauf hat es mir plötzlich richtig Spaß gemacht!" Sie gewinnt am Tag nach ihrem 2. Platz in der Mannschaft noch den Einzelwettbewerb über 4km.

Siegerehrung für die Orientierungsläufer auf dem zentralen Amtshausplatz in Weinheim Alle erfolgreichen Teilnehmer des Laufs bekamen den "Sturm auf die Burg"-Landesportfest-Pin, bei anderen Wettkämpfen und Übungen konnte man andere Pins gewinnen und so entsprechend Trophäen sammeln
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Die Orientierungsläufer sind Vielstarter, praktisch alle Gruppenwettkampf-Gewinner waren auch noch als Einzelstarter erfolgreich unterwegs, dadurch gab es wieder Siege für den TV Ingersheim und den TV Bad Rappenau. Ausnahme war nur der Sieger über die längste Strecke von 5,9km, dort gewann Philipp Retzbach vom OL-Team Filder.

Turnfestlauf bleibt dem Turnfest erhalten

Beim ersten Landesturnfest des Badischen Turnbundes (Konstanz) im Jahre 2001 gab es noch keinen Turnfestlauf. Dieses Jahr war der Lauf nach der Premiere 2014 in Freiburg zum zweiten Mal dabei. Die schwäbischen Turner sind übrigens lauffaul, bei den "schwäbischen Ausgaben" des Landesturnfest gab es dort bisher keinen Festlauf. In Baden hingegen wurde das Angebot gut angenommen, schon die Voranmeldezahlen waren gut: "Bei Erfolg des Turnfestlaufs - und es sieht ja aktuell so aus - wird er auch beim nächsten Landesturnfest 2022 auf BTB-Gebiet wieder in die Planung genommen", lässt Verena König aus dem Verband wissen. Die 160 Teilnehmer im Jahr 2018 sind zwar keine riesige Anzahl, aber im Reigen der vielen Angebote des Turnfests (sowohl Mitmachen als auch Zuschauen) ein sehr gutes Ergebnis. Der Lauf musste sich nämlich gegen so viele Alternativangebote als Konkurrenz behaupten, dass eine halbwegs lückenlose Aufzählung dieser Alternativen den Rahmen dieses Berichts sprengen würde. Wo dieser Lauf nun 2022 stattfinden wird (das Landesturnfest wird im 4-Jahres-Rhythmus veranstaltet), ist jedoch noch nicht entschieden.

Bericht und Fotos von Hannes Blank

Info www.landesturnfest.de/mitmachen/mitmach-pins/turnfestlauf

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