10.6.18 - 21. Eifelmarathon in Waxweiler

Marathon zwischen den Fluten

von Holger Teusch 

Beim Eifelmarathon konnten rund 500 Teilnehmer am zweiten Juni-Sonntag Natur erleben, wie man sie mag. Viele, die in Orten des Mittelgebirges wohnen, wünschen sich weniger Erlebnis mit der Natur. Auch die Läufer sahen die Auswirkungen von Starkregen und Überschwemmungen.

Echtershausen, ein paar Dutzend Häuser, gut 100 Einwohner, eine schmale Kreisstraße, die zu dem idyllisch gelegenen Ort führt - und dort endet. Unter der Brücke, die das sonst so ruhige Flüsschen Prüm überspannt, gurgelt schmutzig-braunes Wasser. Die Wiesen in Ufernähe sind platt gedrückt. Noch kurz vor dem Eifelmarathon stand das Wasser fast zwei Meter höher. Ein Helfer an der Verpflegungsstation zeigt auf die Ufermauer, in der Steine rausgebrochen sind und auf einen massiven Baumstamm. Der sei mit den Fluten angeschwemmt worden und habe die Mauer beschädigt. "Aber das können wir wieder aufbauen", sagt der stämmige Mann. In der Eifel wird nicht lamentiert, man nimmt die Dinge, in diesem Fall Steine, in die Hand.

Ab in den Wald und Natur erleben heißt es beim Eifelmarathon seit 20 Jahren Der Hof von Schloss Hamm, idyllisch nur wenige hundert Meter vom Bitburger Stausee entfernt gelegen, lernen die Läufer auf den Hauptdistanzen auf Hin- und Rückweg aus beiden Richtungen kennen
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Dass über den Lindenweg, sozusagen die Echtershausener Uferpromenade, kurz vor dem Eifelmarathon noch Wasser floss, kann man sich kaum vorstellen.

Nun suchen die Helfer am Verpflegungsstand den Schatten und die Läufer die Erfrischung. Eine Dusche wird dankend in Anspruch genommen. Auf den langen Tischen gibt's Obst, Salzgebäck, Cola, Wasser und alkoholfreies Bier - und aufmunternde Worte sowieso. Und wer Spezialwünsche hat, kann sich vertrauensvoll an die freundlichen Helfer wenden. Wem geholfen werden kann, dem wird geholfen. In so einem kleinen Eifelort kennt jeder jeden und Fremde kann man kennenlernen. Was niemand ahnt: Keine 24 Stunden nach dem Eifelmarathon geht wieder Starkregen über der Eifel nieder. Das Zentrum ist diesmal noch näher dran, im nächsten größeren Tal, dem der Nims bei Ehlenz.

 

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Fleißige Hände schnippeln an den Verpflegungspunkten Bananen und Äpfel, geben Salzgebäck und natürlich literweise Getränke von Wasser und Cola bis zu (alkoholfreiem) Bier aus Christina Frey aus Bergisch Gladbach nahm kurz vor der Halbmarathon-Marke dankend eine Dusche, um sich in der schwülen Luft abzukühlen

Dass trotz der Wetterkapriolen dieses Frühsommers der Eifelmarathon problemlos über die Bühne geht, überrascht einige. "Im Wald könnte es etwas matschig werden", machte Start-Ziel-Moderator Reinhold Lempges eine nicht allzu gewagte Prophezeiung.

Dass sie dreckige Schuhe bekommen würden, war wohl allen der rund 500 gestarteten Ausdauersportlern (487 Zieleinläufe) klar. Doch der Untergrund war bei dem Landschaftslauf zwar nass, teilweise glitschig, aber belaufbar. Am Bitburger Stausee wurde allerdings noch während die Läufer schon auf dem Weg zur Wendeschleife um das Gewässer waren, die letzten Schlammreste des Regens des Vorabends weggeschafft.
Mehr zu schaffen, als der Untergrund dürfte den meisten Läufern die schwüle Hitze gemacht haben. Sobald die Sonne die letzten tiefliegenden Wolken vertrieben hatte, wurde es ein Lauf mit Dampfbad-Atmosphäre. Zum Glück bot der reichlich vorhandene Wald schattige und kühlere Stellen.

 

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Nach gut 5 km geht es für die Marathon- und Ultramarathonläufer noch mal durch den Start- und Zielbereich in Waxweiler, wo die Läufer begeistert empfangen werden Zwischen dem zweimaligen Eifel-Ultramarathon-Sieger Gert Mertens (gelbes Trikot) und Markus Mey (vorn) entbrannte auf der mehr als 50 km langen Strecke ein harter Zweikampf

Erstaunlich war, dass auf der Marathon- und Ultramarathonstrecke kaum langsamer gelaufen wurde, als 2017. Die Sauerländerin Carmen Otto luchste in 3:35:39 Stunden 42,195-Kilometer-Vorjahressiegerin Hendrike Hatzmann (TV Konzen/3:39:59) den Titel ab. Bei den Männern wiederholte Timo Schmidt aus Saarbrücken in 3:02:50 Stunden seinen Erfolg von 2017. Über 51,4 Kilometer verhinderte der zweimalige Rursee-Marathon-Gewinner Markus Mey aus dem nordrhein-westfälischen Schleiden den dritten Erfolg des zeitweise in Biersdorf direkt an der Eifelmarathonstrecke lebenden Belgiers Gert Mertens. In 3:45:55 Stunden war Mey im Schnitt pro Kilometer nur vier Sekunden langsamer, als Schmidt auf der neun Kilometer kürzeren Strecke. Schnellste Frau auf der Ultradistanz war Diana Hellebrand (Meddys LWT Koblenz) in 4:59:42 Stunden.

Carmen Otto vom Sport Schneider Trail Team trug sich als 21. Siegerin in die Gewinnerliste des 42,195-km-Rennens ein Timo Schmidt aus Saarbrücken war auf der Marathonstrecke der einzige Läufer, dem beim 21. Eifelmarathon die Verteidigung seines Vorjahressiegs gelang Nicht nur Natur, auch Kultur gibt's beim Eifelmarathon. Zum Beispiel mit den Dudelsackspielern am Schloss Hamm

Die Strecke hat es beim Eifelmarathon in sich. Zum einen natürlich die Mittelgebirgslandschaft. Zwar orientiert sich der Parcours am Flüsschen Prüm, wirklich flache Abschnitte sind aber Mangelware.

Es geht bergauf und -ab, über Straßen, aber auch Wald- und Feldwege und manchen Pfad. Das Tückische: Die Marathon- und Ultramarathonläufer starten in Waxweiler, drehen zunächst eine etwa 5 km lange Einführungsschleife nördlich des Orts, bevor sie sich nach Süden richten. Es geht zur Wendeschleife am Bitburger Stausee. Der liegt auf knapp 260 Meter.

 
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Es braucht keine großen mathematischen Künste, um sich auszurechnen, dass eine gute Renneinteilung beim Eifelmarathon das A und O ist.

Vor dem Halbmarathonstart in der Tordurchfahrt von Schloss Hamm stimmen sich einige einheimische Läufer auf die 21,1 km lange Belastung ein Der 27-jähige Robin Marbut aus Trier gewann überraschend den Halbmarathon vom Schloss Hamm um den Bitburger Stausee und dann die Prüm entlang nach Waxweiler

Ein Blick auf die Landkarte genügt: Das Ziel in Waxweiler liegt etwa 70 Meter höher als der Stausee und allein auf dem letzten Kilometer geht es etwa 50 Höhenmeter bergab.

Und diese Höhendifferenz wird auf der zweiten Laufhälfte ja nicht kontinuierlich und einmal, sondern mit dauerndem Auf und Ab überwunden. So kommt man beim 42,195-km-Rennen auf 764, beim 51,4 km langen Ultramarathon sogar auf knapp 1000 Höhenmeter.

 

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Etwas gemein beim Halbmarathon: Der startet im Schloss Hamm, einer Burg, die einst zum luxemburgischen Herrschaftsgebiet gehörte. Beim Klang von Dudelsackspielern gehen die Läufer, die zuvor via Busshuttle von Waxweiler hierher gefahren werden, durch das alte Burgtor auf die Strecke, umrunden den Bitburger Stausee, bevor es nach Waxweiler (wieder durch das Schloss) geht.

Die 51-jährige Claudia Mordas von TUSEM Essen gewann den Halbmarathon vor den jüngeren Konkurrentinnen Die Japanerin Tomika Sudo schaffte es nach Platz zwei 2017 diesmal als Drittplatzierte wieder aufs Halbmarathon-Podium

Die Bergabpassagen, über die sich die Langdistanzteilnehmer freuen konnten, fehlen den Halbmarathonis also. Das erklärt auch ein wenig, weshalb Sieger Robin Marbut aus Trier in 1:30:52 Stunden nicht unter die 90-Minuten-Marke kam. Bei den Frauen siegte mit Claudia Mordas von TUSEM Essen eine Läuferin der Altersklasse W50 in 1:37:27 Stunden vor Sandra Ricke (TSV Korbach/1:39:48). Auf Platz 3 lief die Japanerin Tomoka Sudo (1:47:04), die im vergangenen Jahr Zweite war.

Die Kölner Jennifer Klinkhammer und David Kemper fanden den Eifelmarathon offensichtlich gut Mit Chiranjeevi Kondapaka kam sogar ein indischer Läufer in die Eifel. Im Hintergrund sieht man das braune Wasser des Flüsschens Prüm, das noch am Vorabend drohte Teile der Strecke zu überfluten
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Einen Rekord gab es beim Eifelmarathon dieses Jahr auch. Jule Prins hatte auf der noch weitestgehend über Asphalt führenden 10-km-Strecke kaum Probleme mit rutschigem Untergrund. Die 28-Jährige blieb als erste Frau auf der kürzesten beim Eifelmarathon angebotenen Strecke in 39:42 Minuten unter der 40-Minuten-Schallmauer.

Sieger und Platzierte beim 21. Eifelmarathon

Strecke Frauen: Männer
51,4 km
1. Diana Hellebrand (Meddys LWT Koblenz) 4:59:42
2. Christina Lange (Potsdam) 5:06:59
3. Susanne Loewen (Köln) 5:16:24
1. Markus Mey (Peters Sportteam) 3:45:55
2. Gert Mertens (Belgien) 3:50:29
3. Benjamin van den Bergh (Belgien) 4:08:42
42,195 km
1. Carmen Otto (Sport Schneider Trail Team) 3:35:39
2. Hendrike Hatzmann (TV Konzen) 3:39:59
3. Benia van Asperen-Meler (Niederlande) 3:59:53
1. Timo Schmidt (Saarbrücken) 3:02:50
2. Thomas Ryba (Winterberg) 3:16:27
3. Alfred Hüpgen (Rursee Marathon) 3:33:04
21,1 km 1. Claudia Mordas (TUSEM Essen) 1:37:27
2. Sandra Ricke (TSV Korbach) 1:39:48
3. Tomoka Sudo (Japan) 1:47:04
1. Robin Marbut (Trier) 1:30:52
2. Weldit Weldegebril (SV Waxweiler/Eritrea) 1:34:00
3. Michael Molter (IPConcept) 1:35:08
10 km Jule Prins (Sport Brang Team) 39:42 Lorenz Bell (LG Vulkaneifel/U20) und
Marc Prins (Team Sport Brang) beide 38:36

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.eifelmarathon.de

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