2.6.18 - 3. U.Trail Lamer Winkel

3. U.TLW: von und für Trailläufer

von Markus Heidl 

Schließlich war es Samstagabend und der dritte U.TLW endete damit, dass sich der versammelte Lamer Marktplatz - es waren viele gekommen, um den Traillauf gemeinsam ausklingen zu lassen und die Sieger zu feiern - geschlossen erhob und Beifall spendete. Keinen halbherzigen, sondern ehrlich gemeinten: Stehende Ovationen für die Organisatoren. Verdienter Applaus für alle Rettungskräfte und Helfer. Und ein bisschen Händeklatschen auch für alle Teilnehmer und damit einen selbst. Der gebührende Abschluss für eine tolle Veranstaltung. Vorher war es ein Fest. Ein Fest auf den Trails einmal um Lam herum. Und hinterher gab es das nächste. So manch einer behauptet, die After-Show-Party im Anschluss sei härter als das Rennen selbst. Aber das ist nur Hörensagen.

Auch der Osser Riese vor dem Tourismus-Informationszentrum ist im Trailfieber: das gelbe U.TLW-Stirnband gab es in jedem Starterbeutel Ob Osser Riese über 24 km mit 1200 Höhenmeter oder der König vom Bayerwald mit 54 km und 2600 Höhenmeter, Freude am U.TLW gehört zum Programm
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER
 

Der Name ist Programm

In der Trailszene relativ bekannt ist ein recht großes Rennen um den Mont Blanc. In Kombination mit den angebotenen Ultratrails lautet die Abkürzung UTMB. Und diese Abkürzung wurde patentiert, weshalb beim Rennen im Lamer Winkel ein Punkt ergänzt wurde. Die Abkürzung steht dort entsprechend nicht für "Ultratrail" - obwohl mit der 54-km-Distanz des König des Bayerwalds auch ein Ultra im Programm ist - sondern für You-Trail. Und dieser Name ist Programm: man merkt es den Organisatoren an, dass sie mit Herzblut dabei sind, sich auf das Rennen freuen und breit strahlen, wenn sie die erschöpften, aber glücklichen Teilnehmer im Ziel empfangen können.

Und für ein solches Rennen ist einiges an organisatorischem Aufwand nötig. Die Streckenmarkierungen, die man sich am Donnerstag zu siebt mit jeweils etwa drei-Stunden-Schicht aufteilte, war dabei noch das kleinste Arbeitspaket. Aber es lohnte sich.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Trail Marathon Heidelberg HIER

Es war gerade einmal die dritte Auflage des U.TLW und dennoch ist das Rennen schon so bekannt, dass ganz Trail-Deutschland darüber spricht und die tollen Strecken lobt. Wer es heuer nicht auf die Startliste schaffte (nach Freischaltung der Anmeldung waren die verfügbaren 700 Plätze innerhalb kürzester Zeit vergriffen), gehört zu wahrscheinlich vielen, die den U.TLW noch auf ihrer Bucketlist haben.

Die ganze Region steht hinter dem Event

Von nah und fern

So waren zum langen Fronleichnam-Wochenende viele, die von nah und fern in den Bayerischen Wald reisten. Die Teilnehmer kamen aus zehn unterschiedlichen Nationen und aus allen 16 Bundesländern. Sie dachten dabei nicht an die Glasbläserkunst, ans Skifahren oder ans Wandern in der wunderschönen Natur des Bayerischen Waldes, wobei letzteres dem Traillaufen noch am nächsten kommt. Nein, sie dachten an das bevorstehende Rennen am Samstag und all jene, die man wieder treffen würde. Denn beim Traillaufen ist man eine große Familie. Etwas verrückt zwar, dafür aber umso herzlicher. Wer stürzt, dem wird aufgeholfen. Wer schneller ist, wird vorbeigelassen. Und wenn es hart auf hart kommt werden die letzten Reserven geteilt. Und das ist nicht nur unter den Teilnehmern so. In der ganzen Region um Lam herum brach wieder einmal das Trailfieber aus. Überall hingen Plakate, die das Event ankündigten. Schließlich waren nicht nur 140 Helferinnen und Helfer dabei, sondern auch der Streckenrand war gut besucht: bis hoch auf die Gipfel wurde gewandert, um die Athleten anzufeuern. Da war eine solche Stimmung im Wald, dass man von der fünften Jahreszeit in der Region sprechen konnte.

Das Programm

Los ging das Spektakel bereits am Freitag im Arracher Seepark. Dort gab es die Startunterlagen, eine kleine Expo, einen Kinderlauf und verschiedene Expertenrunden. Alles fieberte schon auf den nächsten morgen hin, wenn es endlich an Ort und Stelle losgehen würde: um acht Uhr würde der König vom Bayerwald, das Rennen über 54 km mit etwa 2600 Höhenmeter, gestartet werden. Vier Stunden später werden dann auch die Osser Riesen (24 km mit etwa 1200 hm) auf die Strecke geschickt. Bis 19 Uhr haben sie alle Zeit um den Marktplatz in Lam zu erreichen, bevor dort dann die Siegerehrung stattfinden würde.

Hier geht es los: nach 3 flachen Kilometern startet der erste Anstieg hinauf ins Eck Die finale Wiese. Wer hier angekommen ist, hat das Ziel fast erreicht

Der Ultra beginnt also im Seepark Arrach, um von dort zunächst über Wiesen zum ersten Anstieg zu gelangen. Nach etwa drei flachen Kilometern geht es dann ins Eck hinauf und von dort entlang des Goldsteiges über 10 Tausender zum Gipfel des Großen Arber auf 1456 m. Wieder hinab geht es dann an den kleinen Arbersee und von dort dann zum Langlaufzentrum Scheiben. Etwa drei Kilometer vor der Scheiben treffen die beiden Strecken zusammen, die "Kurzstreckler" laufen drei ansteigende Kilometer, bevor diese nach links und die Ultras nach rechts hoch zum Langlaufzentrum abbiegen.

Von dort aus folgt der Anstieg zum Zwercheck, der über stark verwurzelte Trails führt. Nach einem steilen Downhill folgt eine fast 5 km lange Schotterstraße, die zum finalen Anstieg hoch zum Großen Osser führt. Es folgt der kleine Osser, dann der letzte Downhill, der nicht zu unterschätzen ist und den Namen Holy Trail trägt. Schließlich ist die letzte Wiese erreicht, über die es dann nach Lam hinein geht.

 

Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Wolfgangseelauf HIER

Und dann folgt, wofür sich alle Anstrengungen lohnen: ein Zieleinlauf besser als bei jedem Marathon oder Ironman. Auf einem roten Teppich geht es durch Zuschauermassen, die jeden, vom ersten bis zum letzten, feiern wie Helden.

Aus dem Wald direkt auf den Wiesen-Trail Das Ende des Holy Trail

Der König vom Bayerwald

Trotz 54 km Trails, die vor den Teilnehmern liegen, beginnt der König vom Bayerwald schnell: Moritz auf der Heide, Matthias Baur und Lukas Naegele stürmen in gerade einmal 43 Minuten zum Eck hinauf. Dort sichert sich mit einem Sprint Moritz die Bergwertung, bevor sich Lukas an der ersten Verpflegungsstation absetzt.

Der Breisgauer, der mit einer Lamerin liiert ist und deshalb die Strecken im Lamer Winkel sehr gut kennt, kommt vom Straßenlauf. Auch bei Städtemarathons sieht man es oft, dass die Entscheidungen an den Verpflegungsstationen fallen. Während also Moritz und Matthias ihre Verpflegung auffüllen, zieht Lukas davon und lässt sich in den folgenden 45 km nicht mehr einholen. Nach 5h01'19 erreicht er schließlich mit mehr als acht Minuten Vorsprung das Ziel: ein perfektes Rennen für ihn.

Lukas Naegele (links) und Moritz auf der Heide jagen zu Beginn Matthias Bauer (rechts aus dem Bild herausgelaufen) Von Bäumen eingerahmt: die spätere Königin des Bayernwaldes Eva Sperger

Seine beiden Verfolger liefern sich dahinter ein hartes Duell, während die beide mit Krämpfen zu kämpfen haben. Nach der Verpflegungsstation am Langlaufzentrum Scheiben stürzt Matthias mit einem Schmerzensschrei, hat dann aber Glück, dass ihm gerade passierende Wanderer beim Dehnen helfen können. Schließlich legt er wieder ein beeindruckendes Tempo beim letzten Downhill vor und wird nach 5h09'41 zweiter. Moritz wird im weiteren Verlauf noch größere Probleme bekommen, kann sich aber noch Rang drei sichern, mit 5h21'15 am Ende aber recht knapp vor Lokalmatador Thomas Wanninger, der keine Minute später auf Rang 4 folgt.

Bei den Frauen ist es Eva Sperger, die von Beginn an vorne läuft und das Rennen nach 5h46'25 souverän gewinnt. Zwei Wochen musste sie nach ihrem 17. Rang bei der WM pausieren, heute hieß es "endlich wieder laufen!". Nach 6h31'19 folgte ihr Anke Friedl vor Kristýna Junková aus dem benachbarten Tschechien.

Der Osser Riese

Bei den Damen wurde es über die kürzere Distanz im Vorfeld schwierig mit Prognosen. Genannt wurde Kerstin Schneehage dennoch, weil sie bereits 2015 zweitschnellste Frau des König vom Bayerwald war. Weil sie nie dieselbe Strecke zweimal läuft, musste dementsprechend der Osser Riese herhalten, und hier schaffte sie einen souveränen Sieg. Nach bereits 2h36'58 konnte sie ihren Sieg feiern, gute fünf Minuten vor Barbara Poxleitner, die nach 2h43'15 zweite wurde. Rang drei sicherte sich Anja Sturm aus Regensburg mit einer Zeit von 2h51'51.

Das Startfeld des Osser Riesen Gut Vorbereitet: das Höhenprofil auf dem Unterarm von Hannes Namberger

Bei den Männern waren dafür die Favoriten umso klarer: wie erwartet lief es auf das Duell von Sebastian Hallmann, seines Zeichens mehrmaliger Deutscher Meister über 5000 und 10000 m und Sieger des Wings for Life Run Deutschland aus dem Jahr 2017, mit Hannes Namberger hinaus. Hannes gewann nicht nur im März den prestigeträchtigen Trail Petit Ballon in Frankreich sondern schlug sich vor drei Wochen auch beim Transvulcania beachtlich. Dort belegte er Rang acht. Zusammen werden sie bei der Berglauf-WM in Polen starten.

Beim U.TLW liefen sie lange gemeinsam vorneweg, bevor sich Hannes schließlich lösen konnte. Als allererster überhaupt blieb er beim Osser Riesen mit 1h59'31 unter zwei Stunden und nahm Sebastian (2h01'27) damit noch fast zwei Minuten ab. Als dritter komplettierte Tomáš Eisner aus Pilsen dahinter das Podest.

Die schnellsten des Osser Riesen Die schnellsten des König des Bayernwalds
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Von und für Läufer

Viel zu schnell war der U.TLW damit dann auch schon wieder Geschichte. Wer Berge liebt, muss Traillaufen und kommt dabei im Bayerischen Wald voll auf seine Kosten. Denn wer einmal über den Großen Osser gelaufen ist, weiß, dass sich der Gipfel vor keinem Trail der Alpen verstecken muss. Überzeugt euch doch einfach selbst!

Bericht und Fotos von Markus Heidl

Ergebnisse www.utlw.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung