7.6.18 - 8. Kölner Leselauf

"Run and Ride for Reading" mit Teilnehmerrekord

Förderung des Lesens durch Sport

Jürgen Mey und Lilo Gerdes siegen über 10km

von Michael Schardt 

Die Beziehung von Laufen und Literatur ist ein altes, ein vielseitiges Thema und omnipräsent spätestens seit Ende der fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Allan Sillitoe mit "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" das Laufen ins Zentrum seiner sozialkritischen Erzählung stellte. Seither haben zahllose belletristische Publikationen das Licht der Welt erblickt, die sich dieses Themas angenommen haben und in der öffentlichen Wahrnehmung und bei der Leserschaft mehr oder weniger große Resonanz fanden. Bedeutende Schriftsteller, etwa Haruki Murakami, der kürzlich verstorbene Günter Herburger, Rohr Wolf, Günter Wallraff oder Matthias Politycki wurden zu Läufern und stellten das Laufen aus unterschiedlichen Perspektiven dar, zogen Parallelen allgemein zum Leben und im Besonderen zu menschlichen Seelenzuständen; oder Läufer wurden zu Autoren, etwa Knut Knipping, LaufReport-Kollege Markus Imbsweiler, Achim Aretz oder Jean Echenoz, und entwickelten in Bezug auf ihre Sportart literarische Plots, differenzierte Figurenkonstellationen und Konflikte.

Der Kölner Leselauf führt durchs Rheinenergiestadion des 1. FC Köln und drum herum. Im linken Bild Henning Krautmacher (Läufer ohne Nummer im roten Shirt), Frontmann der Kölner Band "Die Höhner" (Viva Colonia)
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Literatur und Laufen - Leben und Lesen

Eine andere Facette des Zusammenhangs von Laufen und Literatur wird beispielsweise im Vorfeld des Berlin Marathons sichtbar, wenn der Veranstalter zum - immer gut besuchten - Lesemarathon von ausschließlich Lauf-Autoren einlädt. Oder wenn Laufzeitschriften und -portale eine Rubrik einrichten, die ursprünglich den Lesefeuilletons großer Tageszeitungen vorbehalten war: eine Rezensionsseite für (Lauf-)Bücher, belletristische wie fachliche. Auch die Kabarettauftritte vom früheren Laufass Dieter Baumann dürfen für sich beanspruchen, Teil der Relation von Laufen und Literatur zu sein, ebenso wie zahlreiche Verfilmungen, von denen "Forrest Gump" wohl die populärste ist.

Vor den Läufen fand eine von der Polizei eskortierte Radeltour über 18 km durch Kölns westliche Stadtteile statt. Rund 150 Biker waren dabei. Der Chef der "Höhner" hält noch ein Schwätzchen mit dem polizeilichen Führungsmotorradfahrer

Eine bisher noch eher seltene Komponente der gleichen Sache ist, wenn beide Themen bei einer Laufveranstaltung zusammengebracht werden. Das war in den letzten Jahren einige Male der Fall bei Schülersponsorenläufen, um das Budget der Schulbibliotheken aufzustocken. Auch der Frankfurter Verleger- und Autorenlauf, der während der Buchmesse die schreibende und publizierende Zunft in einem Wettrennen zusammenbringt, gehört dazu. Seit 2011 schließlich gibt es den Kölner Leselauf, von dessen inzwischen achter Auflage hier zu berichten ist.

Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Lesekompetenz und -lust von Schülern zu fördern, indem "alle Startgelder des Kölner Leselaufs zu 100% zur Einrichtung und Erhaltung von Leseclubs an Schulen im Raum Köln-Bonn verwendet werden", heißt es auf der Veranstalterhomepage des Vereins "Run & Ride for Running". Allein in diesem Jahr, so wird dargelegt, seien bereits siebzehn neue Leseclubs an Schulen eröffnet worden, darunter sogar einer in Berlin.

Auch die Radtour führt durchs "FC"-Stadion. Eng wurde es aber an anderen Stellen, wo der Tross auch schon mal sekundenweise zum Stillstand kam

Umsetzung

Mit der Durchführung der Veranstaltung wurde die Kölner Agentur "sportvorort" betraut. Im Angebot ist eine von der Polizei eskortierte Radfahrt mit einer Länge von zirka 18 Kilometern sowie zwei Läufe über fünf (eine Runde) und zehn (zwei Runden) Kilometer, die gemeinsam angeschossen werden. Start der Radtour ist um 17:30 Uhr, der der Läufe um 19:15 Uhr, weshalb man nicht nur für einen der Läufe (19 Euro) melden kann, sondern auch mittels dem vor einem Jahr eingeführten Kombiticket (29 Euro) für beide Formate. Das zumindest für die Läufe vergleichsweise hohe Startgeld hat den Vorteil, die Höhe des Überschusses und damit des Spendengeld für die Leseclubs zu befördern. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung hatte niemand geringeres als NRW-Ministerpräsident Armin Laschet übernommen.

Zwischen Radtour und Lauf wurde das größte Team geehrt, die Diakonie Michelshoven, und der Hauptpreis der Tombola gezogen. Das Gewinnfahrrad durfte Verena von Hugo (blau) in Empfang nehmen, die diesmal beim 5-km-Lauf mitmachte und im nächsten Jahr freilich einen Doppelstart plant (Radeln und Laufen)

Wurde die Radfahrtstrecke in der Vergangenheit immer in der Ostkampfbahn neben dem Rheinenergie-Stadion, der Heimstatt des 1. FC Kölns, gestartet und über die Aachener Straße zum Dom und zurück durchgeführt, musste sie dieses Jahr in Absprache mit der Polizei und dem Ordnungsamt in einen Rundkurs durch die westlichen Stadtteile umgeändert werden. Der Dom, so heißt es zum Trost auf der Website, sei diesmal zwar nicht direkt und in voller Größe zu bewundern, aber mehrfach aus der Ferne. Für die Radtour, die in einem gemütlichen Tempo vollzogen wird, werden die Teilnehmer mit einer "R"-Startnummer ausgestattet, Doppelstarter nehmen mit ihrer Laufnummer teil. An der Tour waren rund 150 Radler beteiligt, die nach gut einer Stunde wieder am Ausgangspunkt ankamen.

Der Fünfer

Start und Ziel des Laufs ist in der Ostkampfbahn im Sportpark Müngersdorf, dann wird eine Runde auf der Laufbahn und um die Stadionvorwiesen (Jahnwiesen) herum absolviert. Es folgt das Highlight der attraktiven Strecke, der Lauf durch die Heimspielstätte des 1. FC Köln, das RheinEnergie-Sadion. Ein zweites Mal geht es dann um die Stadionvorwiesen herum und zum Zieleinlauf zurück in die Ostkampfbahn. Die winkelige Laufstrecke findet auf recht knappem Terrain statt, hat mehrere Wendepunkte und Gegenlaufpassagen, ist nicht vermessen und damit nicht bestenlistenfähig. Schade eigentlich, denn sie ist absolut flach und trotz der Ecken sehr schnell.

Aufstellung für den gemeinsamen Start über 5 und 10 km in der Ostkampfbahn. Mit 2002 Anmeldungen gab es einen neuen Teilnehmerrekord Der Lauf findet auf einem kleinen Terrain statt, weshalb man sich ständig entgegenkommt

Für die beste Tagesleistung sorgte im 5-km-Lauf ein Mann von Bunert, dem Kölner Laufladen. Patrick Schoenball stürmte dem Feld schon bald souverän voraus und fuhr in 15:49min (es werden hier im Bericht nur Bruttozeiten genannt) mit einer Dreiviertelminute Vorsprung einen klaren Sieg ein. Auf Platz zwei und drei fanden sich zwei Läufer ohne Vereinsangabe ein: Christian Steffes (16:33min) konnte sich vor Laurin Winters (16:56min) und Daniel Lorbach (18:22min, 1WordSync) über Silber freuen. - Bei den Frauen gelang es keiner Läuferin, unter der Zwanzig-Minuten-Marke zu bleiben. Schnellste war Beatrix Schippa (o.V.) in 20:47 vor Kathrin Dotzauer von FC Deutsche Post in 20:55min, der vereinslosen Dominique Biela in 22:42min und Patricia Bort (24:45min, 1WorldSync).

Rhythmen durch die Sambagruppe, Erfrischungen vom Helferteam

Von den 569 Finishern des Jedermannslauf waren die Frauen mit 292 Zieleinläufen knapp in der Mehrzahl gegenüber den Männern (277 Läufer). Eine Altersklassenwertung, wie noch im Vorjahr, gibt es nicht. Lediglich das schnellste Mädchen und der schnellste Junge beziehungsweise das schnellste Schulteam werden geehrt. Besonders der Fünfer hat Gemeinsamkeiten mit einem Firmenlauf, denn viele Unternehmen haben mehrere Mitarbeiter angemeldet und gegen Spenden Zelte für ihre Kräfte gemietet, welche vor der Ostkampfbahn als Meetingpoints dienen. Als größte Mannschaft wurde die Diakonie Michaelshoven vor dem Start geehrt.

Entweder ist das die letzte Kurve für die 5-km-Läufer oder das Ende der ersten Runde für die Zehner ... ... entsprechend soll man sich einordnen. Der Blick zum Himmel offenbart noch etwas anders: dicke Wolken und drohender Regen, der dann auch wirklich kam

Bevor es losging, herrschte an der Startlinie Promi-Alarm, denn der Frontmann der Kölner Kultband "Die Höhner", Henning Krautmacher, war erschienen, um die Leseclubidee durch seine Anwesenheit zu befördern. Er werde auch mitlaufen, gab er bekannt, nachdem er eine "Blockade in beiden Füßen" behoben habe. Noch ginge es nicht so gut wie früher, aber immerhin. Ohne Startnummer begab er sich dann auf die Jedermannsstrecke, weshalb keine Laufzeit des beliebten Sängers (Viva Colonia) mitgeteilt werden kann.

Der Hauptlauf

Die Frage des Wetters beschäftigte nicht nur die Läufer, sondern auch das Moderatorenduo am Start. Man hoffe doch, dass die Veranstaltung diesmal trocken über die Bühne gehen werde, nachdem im Vorjahr der große Regen schon während der Radeltour auf die Biker hernieder geprasselt sei und manche mehr schwimmend als radfahrend ins Ziel gekommen wären. Grund zu Befürchtungen gab es genug, denn tagsüber war es in der Rheinmetropole drückend heiß gewesen, am Abend, "rechtzeitig" zur Veranstaltung, zog dichte Bewölkung auf. Die Radfahrer kamen zwar noch trockenen Fußes über die Strecke, aber schon die Fünfer bekamen einige Tropfen ab. Richtig nass wurden nur der hintere Teil der Hauptläufer, bevor die Siegerehrung und das gemütliche Catering ganz vom niederprasselnden Regen betroffen waren.

Über 10 km siegte Jürgen Ley Trosten Trems wird 2. Siegerin des Hauptlaufs: Lilo Gerdes 2. wird Lina-Marie Dück

Das Hauptrennen des Kölner Leselaufs brachte keine überragenden Läufer an die Startlinie, entsprechend bescheiden waren die Siegzeiten, vor allem der Frauen. Da schaffte es mal gerade eine Läuferin, knapp unter 45 Minuten zu bleiben. Das war Lilo Gerdes von der Kölner Justiz, die nach 44:57min als erste finishte. Danach lief Christine Becker vom Team LC Euskirchen ein, jedoch wurde sie nur vierte, denn sie hatte nicht die zweitbeste Netto-, sondern zweitbeste Bruttozeit (- entgegen der Statuten wurde die Bruttozeit für die Platzierung in diesem Rennen nicht herangezogen). So wurde eine weitere Läuferin der Kölner Justiz, Lina-Marie Dück, Vizemeisterin in 45:44min knapp vor der vereinslosen Monika Candan in 45:46min und eben Becker (45:32min).

Bei den Männern stehen zwei Läufer ohne Vereinsangabe ganz vorne in der Ergebnisliste. Jürgen Ley gewann den achten Kölner Leselauf recht sicher in 36:13min. Zweiter wurde Torsten Trems in 36:34min. Jascha Lagoda, ohne Verein, wurde in 37:27min Dritter vor Felix Herrera (38:33min) von Bunerts Laufladen und Martin Schäferkötter (o. V. 38:51min). Nur fünf Läufer blieben unter 41 Minuten.

Ein besonderes Erlebnis: Laufen durchs Marathontor des Rheinenergiestadions Der Zieleinlauf in der Ostkampfbahn
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Zum Schluss

Ein Fragezeichen steht hinter dem neuen Melderekord, die über Mikrophon mit 2002 gemeldeten Teilnehmern angegeben wurde, was eine große Diskrepanz zu den Finisherzahlen ergibt. Denn mit 569 Jedermännern und 379 Hauptläufern (246 Männer, 133 Frauen) kamen nicht einmal die Hälfte, nämlich nur 948, ins Ziel. Rechnet man noch rund 150 Radfahrer hinzu, die nicht erfasst sind, dann bleibt immer noch eine Differenz von über 900 Teilnehmern.

Der Kölner Leselauf war gut organisiert und stimmungsvoll in Szene gesetzt worden. Dass es im Anschluss keine richtige Party mit Bratwürsten und frischgezapftem Kölsch mehr gab, war dem Regen zu verdanken. Dennoch harrten zahlreiche Unerschrockene unter dem Schutz von Bäumen oder Zelten der Sponsoren länger aus und ließen es sich gut gehen. Da die Veranstalter erneut neue, zahlungskräftige Förderer der Leselaufidee fanden, dürfte die Spendensumme vielleicht sogar in Rekordhöhe geschnellt sein.

Das wiederum zeigt: Laufen und Literatur - da geht doch einiges.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse leselauf.de

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