16./17.6.18 - Karlsruhe Fidelitas Nachtlauf

Krämpfe, Kämpfe, Kilometer

Almuth Grüber-Ahl startet mit Sieg ihre Ultralauf-Karriere

von Hannes Blank

In der lokalen Presse wurde am Montag danach das Geschehen beim 40.Fidelitas Nachtlauf über 80km als "kleines Laufdrama" bezeichnet; und das ist durchaus zutreffend. Erfahrene Ultraläufer wissen: Nicht alle kommen durch. Das gilt auch für den Karlsruher Fidelitas Nachtlauf, der zwar mit vielen Verpflegungsstellen aufwartet, soweit sie denn schon geöffnet sind (dazu später mehr), aber die 80km, auch als "Große Schleife durch den Nordschwarzwald" bezeichnet, müssen nun mal bewältigt werden.

Einbruch, Führungswechsel, Überholung

Die Verpflegungsstelle im beschaulichen Mutschelbach ist ein guter Gradmesser für das aktuelle Leistungsniveau des Fidelitas Nachtlaufs. Zudem starten dort Punkt 20 Uhr die Marathonis und laufen die verbliebenen 42,195km bis ins Ziel. Wenn viele 80km-Läufer und -Staffeln die Stelle passieren, bevor der Marathonstartschuss fällt, ist das Niveau hoch. Und tatsächlich kamen neben drei Staffeln auch zwei Läufer vorbei, bevor es soweit war: Einzelkämpfer Marcell Dahringer (LSG Weiher) machte in Mutschelbach einen fitten Eindruck und war schnell durchgerauscht. Etwa dreieinhalb Minuten später kam Vorjahressieger Benedikt Rieker (Post Südstadt Karlsruhe) vorbei, der sich Zeit an der Verpflegungsstelle für die angebotenen Erfrischungen nahm. Machte das vielleicht den Unterschied, war das der Grund für die Verschiebungen auf der zweiten Streckenhälfte?

80 Kilometer Wanderer, Einzel- und Staffelläufer und "Marathonis" ... ... alle erreichen nach Start am Nachmittag bzw. am Abend erst in der Nacht das Zielgelände Post Südstadt Karlsruhe
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Tatsache ist, dass Dahringer fast ausschied, auf jeden Fall einbrach, von Rieker nicht mehr gesehen wurde, bevor der Vorjahressieger plötzlich auf Platz 1 geführt wurde. Der 37-Jährige biss sich durch. "Bei Kilometer 30 hatte ich Krämpfe, aber irgendwann ging es dann wieder", sagte er im Ziel. Doch damit noch nicht Drama genug: Von hinten kam Hannes Jochem ganz stark auf, überholte auch Rieker und gewann die Jubiläumsausgabe des Nachtlaufs in 6:19:02 Stunden. "Die Strecke hat mich unheimlich gepusht", berichtete der Sieger im Ziel und es war zudem sein erster Sieg seiner sportlichen Karriere überhaupt.

Dann musste er für die vielen Fotografen zurück auf die Strecke, aber nur auf die letzten Meter für ein gutes Foto. Der 39-Jährige aus dem nahen Pfinztal hatte in der Vergangenheit nicht am Fidelitas Nachtlauf teilnehmen können, weil er im Verkauf arbeitet und da ist der Samstag nun mal ein wichtiger Tag. Er startete für die Laufgruppe "Chicken Express", deren Trikots man immer wieder in der Region sieht. Benedikt Rieker kam nach 6:22:26h auf Platz 2, Dritter wurde Stefan Hauck (TSV Neuburg) in 6:42:26h.

 

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Bei den Frauen gab es ebenfalls einen Debütsieg in der Ultralauf-Kategorie. In Mutschelbach war Almuth Grüber-Ahl der Konkurrenz schon weit enteilt. Die Heidelbergerin und ehemalige deutsche Triathlon-Vizemeisterin kennt man eigentlich bisher mit guten Halbmarathon-Ergebnissen, beim Ultralauf setzte sie nun ein erstes Ausrufezeichen: Sie gewann den Karlsruher Langstreckenlauf souverän in 7:01:19h. Zweite wurde Natascha Bischoff (LSG Karlsruhe, 7:39:35h) vor Regina Brändle (LT Karlsruhe, 8:19:21h).

Wanderer starteten bereits um 15 Uhr. Michael Schäfer vom TF Feuerbach marschierte 11:02:22 Stunden auf der 80km langen Schwarzwald-Strecke Marcell Dahringer (LSG Weiher) führte lange Zeit beim 80km-Lauf. Wurde am Ende 13. Vorjahressieger Benedikt Rieker (Post Südstadt Karlsruhe) passierte als Zweiter die Verpflegungsstelle in Mutschelbach, dem Startort des Nacht-Marathon

Siegerstaffel schneller als der Verpflegungsstellenaufbau

Die schnellste Staffel des Abends war sogar schneller als der Aufbau der Verpflegungsstellen auf der zweiten Streckenhälfte - Schlussläufer Stefan Fritz bekam zunächst gar nichts und dann schließlich nur Wasser, hier wird sich die Organisation in Zukunft etwas umstellen müssen, falls sie die ambitionierten Quartette nicht abschrecken will. Fritz war Teil der Staffel mit dem etwas umständlichen Namen "KIT-Meisterschaft Orga-Team".

Das rührt daher, dass die Karlsruher Universität am Vormittag des gleichen Tages ihre Meisterschaft über 10km ausgerichtet hatte und ein Teil des Orga-Teams wollte sich mit der Staffelteilnahme quasi selbst belohnen. Das funktionierte sehr gut, Karsten Müller, Sebastian Pieczarek, Peter Raber und Stefan Fritz gewannen in 5:08:43min. Was insofern keine Überraschung war, weil die vier Athleten bei den Volksläufen in der Region oft in der Top10 zu finden sind.

 

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Das weibliche Pendant zum "KIT-Meisterschaft Orga-Team", also die Frauenstaffel, gewann ebenfalls, namentlich Simone Palzer, Lena Zellmann, Johanna Greiner und Clara Strunz. Siegerinnenzeit: 6:28:50h.

Ein Marathonmeister aus Mexiko

Der Nachtmarathon, seit 2010 im Programm, wird von den Organisatoren auch "Landschaftsmarathon" genannt. Völlig zurecht, denn die 42km auf der zweiten Streckenhälfte sind in Summe schöner als der erste Teil. 2018-Marathonsieger Luis Vieyra kann ein Lied davon singen, könnte man sagen: Er machte während seines Siegeslaufs, auf der Strecke selbst ca. ein Dutzend Fotos, die er dem verdutzten LaufReport-Berichterstatter im Ziel präsentierte.

Zweitstärkste Männer-Staffel wird "Wüstenrots Stille Resere": Hier übernimmt gerade Jürgen Michel das Startnummernband und stürmt davon Schnelle Läuferinnen beim Wechsel: Die Staffel "KIT Meisterschaft Orga Team" mit Simone Palzer, Lena Zellmann, Johanna Greiner und Clara Strunz gewinnen die Frauen-Staffel Wertung

Der 41jährige Mexikaner ist ein echter Weltbürger, er arbeitet nämlich als KFZ-Ingenieur in Schanghai und war für eine Woche Urlaub in Deutschland. Er beklagte nur, dass er kein Licht mitgenommen hatte, betonte aber, dass dies allein sein Fehler gewesen sei. Er gewann trotz einiger kurzen Fotografier-Stopps in 3:03:30h.

Auf Platz 2 kam Mit Heiko Notheisen ein Läufer der Region, nämlich einer von "Lußhardtläufer Hambrücken", die jedes Jahr im Sommer den Lußhardtlauf mit Strecken zwischen 5 und 21,1km anbieten, dieses Jahr findet er am 12. August statt. Notheisen macht dabei nicht mit, denn: "Da muss ich helfen", so der 44-Jährige, der 3:06:58h brauchte. Dritter wurde der vereinslose Oliver Irrek in 3:08:51h.

 
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Frauensiegerin wurde die bekennende Trail-Läuferin Susanne Elsässer aus Reutlingen. Die 36jährige Schwäbin machte im Ziel nach 3:32:19h einen erstaunlich fitten Eindruck. "Normalerweise bin ich hier immer mit einer Altherrenstaffel unterwegs gewesen, dieses Jahr waren die aber nicht verfügbar", berichtete sie. Zweite auf der 42,195km-Strecke wurde die vereinslose Petra Gielisch in 3:54:58h vor der Pfälzerin Silke Schütt (Landau Running Company), die 3:56:34h benötigte.

Fazit: Treue ("fidelitas") wird großgeschrieben beim Karlsruher Nachtlauf

Die Jubiläumsausgabe bestach durch ihr großes Rahmenprogramm, dass der Verein Post Südstadt Karlsruhe auf die Beine gestellt hatte. Neben einem Kindertriathlon, Schnuppertraining im Fitnessstudio und der fast obligatorisch zu nennenden Hüpfburg gab es noch Torwandschießen, Basketballwurf und eine Einführung in das Harry-Potter-Sportspiel "Quidditch". Das hat zwar nicht alles mit Laufen zu tun, diente aber dem Sport bzw. der Sportbegeisterung.

Almuth Grüber-Ahl gewinnt den 80km langen Fidelitas Nachtlauf bei den Frauen 80km-Sieger wird "Chicken Express" Hannes Jochem (links). Im Ziel freut er sich gemeinsam mit dem zweitplatzierten Benedikt Rieker (PS Karlsruhe Triathlon) Die Marathonsiegerin Susanne Elsässer läuft für die IGL Reutlingen
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Erstaunlich ist, dass der Fidelitas Nachtlauf immer wieder neue regionale Läufer findet, die die 80km bewältigen wollen. Die Staffeln sind zudem ein gern genutztes Angebot von regionalen Laufquartetten, die vier Teilstücke sind topographisch sehr unterschiedlich, auch unterschiedlich lang (20km plus-minus 3km) und zwischen dem Start um 17 Uhr in der Rheinebene und Mutschelbach drei bis fünf Stunden später (je nach Leistungsniveau) im Schwarzwald bestehen auch klimatische Unterschiede. Ein echte Team-Aufgabe also, und das macht Spaß (der Verfasser dieser Zeilen lief drei Mal selbst in einer Staffel mit).

An den Start an der nicht mehr existierenden Oststadthalle auf dem Messplatz (ein sehr hässliches, altes Ding) kann sich vermutlich kaum einer noch erinnern. Präsenter im Gedächtnis sind da eher noch die Zeiten, in denen der Nachtlauf beim TuS Rüppurr losging und endete, der Verein ist mit Fidelitas-Nachtlauf-Staffel-Teilnehmern (2018: Schnellste gemischte Staffel) und zwei organisierten Volksläufen weiterhin sehr aktiv in der Laufszene.

 

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Wer 1979 beim 1. Fidelitas Nachtmarsch, so hieß er damals noch, gewonnen hat, ließ sich online nicht rauskriegen. Möglicherweise gab es damals noch gar keine Ergebnisliste. Aus diesen historischen Gründen gibt es bis heute das Angebot, die 80km ab 15 Uhr, also mit Start zwei Stunden früher, zu walken oder zu wandern. Der Nachtlauf ist heuer in den lokalen Medien sehr präsent, über die Region hinaus jedoch nicht. Quo vadis, Fidelitas-Nachtlauf?

Bericht und Fotos von Hannes Blank

Ergebnisse www.fidelitas-nachtlauf.de

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