10.6.18 - 49. Melibokuslauf in Alsbach

49. Melibokuslauf - wenn ein Berglauf einfach ein Berglauf bleibt

von Markus Heidl 

Nähme man eine Marketingagentur, mit dem Ziel, den Melibokuslauf populärer und profitabler zu machen, er wäre ganz schnell ein Trailevent. Man spräche von wundervollen Singletrails, von purer Natur, von atem(be)raubenden Anstiegen und von der Einzigartigkeit des Odenwaldes ganz allgemein. Dann ginge es weiter: es gäbe ein Race-Briefing und Pflichtausrüstung, es gäbe eine Fotoagentur, die die Teilnehmer so richtig in Szene setzt, damit diese im Nachgang besser von ihren Heldentaten am Melibokus berichten können.

So macht man das aber nicht, und das ist auch gut so. Der Melibokuslauf ist ein Berglauf, und das bleibt er auch. Dass es dazu hinauf geht und wieder hinab gehört ebenso einfach dazu wie die schönen Waldwege und Pfade, über die ganz selbstverständlich gelaufen wird: Da macht es Spaß zu laufen, auch wenn der Untergrund nicht Trail genannt wird.

Schöne Waldwege und Pfade zeichnen den Melibokuslauf aus
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Der Lauf im schönen Alsbach-Hähnlein wird vom örtlichen Verein mit Liebe organisiert. Da wird die Strecke markiert und werden mitten im Wald Wasserstellen aufgebaut, außerdem gibt es im Start- und Zielbereich die Anmeldung, die Zeitnahme, ein paar Toiletten und Getränke als Zielverpflegung. Und mehr braucht es nicht. Dass der Odenwald schön ist, müssen die Läuferinnen und Läufer schon selbst wissen. Und das wissen sie auch, zumindest die, die immer wieder zum Melibokuslauf kommen. Sie freuen sich auf den Lauf, auch wenn sie wissen, dass es wieder anstrengend werden wird. Bis hoch auf den Melibokus muss erst einmal gelaufen werden. Unterwegs gibt es dafür nur selten Anfeuerung: durch die Helfer natürlich, und durch den ein oder anderen Wanderer oder Mountainbiker. Ansonsten hat man die Natur und den eigenen Herzschlag ganz für sich allein.

Schülerlauf, 5, 10 oder 20 Kilometer

Los geht der Berglaufspaß am Parkplatz am Sperbergrund zunächst mit Kinderläufen im Hirschpark, wo die Bambinis 220 m (der schnellste ist Lukas Klein mit 50 Sekunden) und die Schülerinnen und Schüler 440 m (die schnellsten sind Greta Mihm in 1'35 und Luca Otte in 1'26) laufen. Sobald diese alle glücklich im Ziel sind, werden zunächst die 5-km-Läuferinnen und -Läufer auf die Strecke geschickt, bevor etwa 15 Minuten später die Läufe über 10 und 20 km gemeinsam gestartet werden.

Markus Heidl gewinnt den 20km Lauf Bei den Frauen liegt Annika Pospischil auf der 20km Strecke vorn Dr. Hansjörg Droescher von WUB-Weinheim gewinnt die M75 über 10km in 1:22:57 h

Auch auf den 5 km geht es schon mächtig hoch - und dann wieder hinab. Man könnte es als eine Einführungsrunde in den Odenwald bzw. den Melibokuslauf beschreiben. Wer diese Runde übersteht, kann bereits sagen, ob er den Berglauf liebt… oder lieber im Flachen bleibt.

Für ersteres würde sich sicher Nikolai Ring vom SSG Bensheim entscheiden, der schon mit seinen 14 Jahren den Gesamteinlauf gewann. Und das nicht etwa, weil die Konkurrenz schwächelte: trotz des Anstiegs blieb für ihn die Uhr nach 20:22 min stehen. Über die 5 km folgten ihm Alexander Ring (SSG Bensheim Triathlon) und Rafael Zarza-Berjillo (Alsbach free runners) nach 20'47 respektive 21'21.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info zum Franklin Meilenlauf in Mannheim HIER

Die schnellste Dame des Tages kam mit Tanja Ernst vom TV Lampertheim. Für sie wurden 27'27 gestoppt. Dahinter folgten Catrin Vollhardt (Bubuks neV, 27'43) und Andrea Wilker (Lauftreff Rodau, 28'17) auf den Plätzen zwei und drei.

U23-Sieg und Platz 2 über 20km für Cedric Guthier von der TSG Bad König Michael Obst vom TuS Griesheim gewinnt als 3. die M45 Jürgen Reiser von der LG Odenwald siegt als 4. in der M40

Die 10- und 20-Kilometer-Strecken haben dann noch ein paar Höhenmeter mehr zu bieten. Zunächst verlaufen beide Distanzen für 6 km auf der gleichen Strecke, dann führt die 20er-Runde etwas weiter, während die 10er- einen kurzen, knackigen Anstieg als Abkürzung nimmt. Wieder geht es dann kurz gemeinsam, bevor die 20er ganz hoch auf den Melibokus laufen, während die 10er schon zurück ins Ziel abbiegen.

Über die 10 km waren die Favoritenrollen klar verteilt: Guiseppe Troia (www.halber-heiner.de) hatte bereits im Vorjahr gewonnen und war dem Rest des Feldes auch dieses Jahr wieder bereits früh enteilt. Und auch Irene Bell (LG BSN) wollte ihren Titel aus dem Vorjahr gerne verteidigen und schaute sich am Start selbstbewusst nach Konkurrenz um. Anhand der Startnummern ist leicht zu unterscheiden, wer für welche Strecke gemeldet hat.

Und während Guiseppe wieder, wenn auch einen Hauch langsamer als im letzten Jahr (39'35 im Vergleich zu 40'05), den Gesamteinlauf gewann, tat es ihm Irene gleich: Im letzten Jahr hatte sie eine knappe Minute Vorsprung, in diesem waren es zwei. Sie siegte nach 50'31.

Ihnen folgten Jürgen Weber (42'56), Jörg Kaiser (43'20) und Charly Köhler (45'57) bzw. Jörgs Tochter Chiara nach 52'33, Ute Stamm (LT Ober-Ramstadt, 53'23) und Petra Pitz (SSG Bensheim Triathlon, 53'35).

Jörg Seeger vom LC Michelstadt wird 2. M50 über 20km
Vincent Kirste läuft für den Kraichgau Triathlon e.V. Daniel Kenjeres läuft für "Stabile Bergziegen" Roland Schnir (3. M45) ist für die Bio Runner Rhein-Main unterwegs

Im Vergleich zu diesen bereits früh entschiedenen Rennverläufen war das 20-km-Rennen lange offen, insbesondere bei den Männern. Hier schloss nämlich, nach einem einen Hauch verhalteneren Beginn, Michael Obst (TuS Griesheim) nach etwa 3 km zu den bis dahin Führenden Cedric Guthier (TSG Bad König) und Markus Heidl (www.laufenhilft.de) auf. Lange konnte sich keiner der drei lösen, im ständigen Wechsel lief mal der eine, dann der andere von vorne.

Kurz vor der Streckenhälfte musste Michael dann etwas abreißen lassen. Wenig später, beim steilen Anstieg ganz hinauf auf den Melibokus, ließ Cedric dann Markus stehen, der bald darauf auch von Michael ein- und überholt wurde. Gerade die plötzlichen Rhythmuswechsel schienen dem jungen Orientierungsläufer am besten zu liegen, der im Gelände ständig mit wechselnden Bedingungen zurechtkommen muss.

Im Nachhinein hätte Cedric augenzwinkernd gerne eine Bergwertung eingeführt, denn sein Vorsprung von einer knappen Minute oben auf dem Melibokus sollte nicht reichen. Schon gleich zu Beginn des Bergabstücks war Markus schon wieder an Michael vorbei, der ihm noch ein "den kriegst du noch!" mit auf den Weg gab. Und was sich zunächst als uneinholbarer Vorsprung anfühlte, war schneller getilgt als gedacht. Schon etwa 3 km später war es Markus, der wieder in Führung ging.

Torsten Wambold von der SSG Bensheim Triathlon wird als 5. über 20km 2. der M40 Kevin Jan Schneider gewinnt als 6. die Hauptklasse Laufen gemeinsam bis ins Ziel Stefan Lieblang (2096), 3. M40 und Felix Unterberg 2. M45
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Und er überstand auch den letzten Gegenanstieg, "das härteste Stück der Strecke", weil die Beine vom Bergabrennen wie Gummi sind. Der Anstieg reichte dem eindeutig besseren Bergläufer Cedric nicht, um sich noch einmal heran zu kämpfen. Im Ziel schließlich konnte Markus seine Vorjahressiege aus 2016 und 2017 bestätigen und auch 2018 wieder gewinnen. Von Cedric und Michael gefordert aber deutlich schneller als zuvor: seine 1h17'43 waren fast zwei Minuten schneller als im Vorjahr und fast vier Minuten schneller als 2016. Cedric folgte nach 1h18'44 auf Rang zwei, Michaels 1h19'23 hätten in vielen anderen Jahren auch zum Sieg gereicht.

Bei den Frauen war es Annika Pospischil (EBWR), die nach 1h31'36 gewann. Sie gestand im Ziel, den Sieg gefühlt gar nicht verdient zu haben, weil sie sich gar nicht gut gefühlt habe, schon im flachen nicht. Dennoch war sie die stärkste am heutigen Vormittag, oft ist beim Laufen ja auch der Kopf entscheidend, ob man sich durchbeißt oder aufgibt. Ihr folgten Anna Manzano (MTG Mannheim Triathlon, 1h38'52) und Julian Fröbisch (Ejot Buschhütten, 1h41'46) auf den Rängen zwei und drei.

Auf 49 folgt 50…

…So ist das auch im Odenwald: im nächsten Jahr feiert der Melibokuslauf bereits sein 50. Jubiläum. Auch dann sind es wieder die kleinen Gesten, die zählen. Wie beispielsweise die Anwohner, die jedes Jahr wieder selbstgeflochtene Körbe verschenken, die die Läuferinnen und Läufer auf dem Weg vom Ziel zurück kostenlos mitnehmen können. Er ist eben kein Event, der Melibokuslauf, sondern ist und bleibt ein Berglauf. 2019 zum 50. Mal.

Bericht von Markus Heidl - Fotos von Svenja Heidl

Ergebnisse www.melibokuslauf.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung