24.6.18 - 33. Aletsch Halbmarathon

Robbie Simpson und Sarah Tunstall sorgen für britischen Doppelsieg

von Winfried Stinn

Den 33. Aletsch-Halbmarathon, der zu den schönsten Gebirgsläufen in Europa zählt und bei idealen äußeren Bedingungen ausgetragen wurde, gewannen Robbie Simpson und Sarah Tunstall. Beide waren als Top-Favoriten gestartet und beide sorgten mit ihren Erfolgen für einen britischen Doppelerfolg.

2850 Meldungen konnten die Veranstalter registrieren. 2293 Läuferinnen und Läuferinnen erreichten das Ziel. "Wir hätten 1000 Teilnehmer mehr annehmen können, aber wir müssen eine Grenze festlegen, mehr geht von der Logistik her nicht", äußerte sich Toni König, Geschäftsführer des Aletsch Halbmarathons.

 
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Nach fünf Kilometer wird mit dem traumhaft gelegenen Bettmersee der erste landschaftliche Höhepunkt der Strecke erreicht. Von hier, auf einem recht flachen Streckenabschnitt, kann man die Viertausender des Wallis genießen Wenige Minuten vor dem Ziel der "Gletscherblick". Der mächtige Aletschgletscher begleitete die Läufer auf ihrer Halbmarathonstrecke
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Der Start des Aletsch Halbmarathons war unmittelbar bei der Bergstation der Bettmeralpbahn. Der autofreie Ort Bettmeralp ist nur mit der Seilbahn von Betten (Talstation) aus erreichbar. Die Bergstation ist Dreh- und Angelpunkt des Laufes, hier erhält man auch die Startunterlagen und hier wird am Sonntagmorgen gestartet. Der Start liegt auf einer Höhe von 1950 Meter, das Ziel auf knapp 2700 Meter.

Den Startschuss gab diesmal Ski-Olympiasieger Ramon Zenhäusern. Der im nahegelegenen Visp lebende Skistar hatte bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen PyeongChang die Goldmedaille im Team Wettbewerb und die Silbermedaille im Slalom gewonnen. "Ich trainiere oft am Berg, das ist für die Kondition ideal, daher habe ich auch einen speziellen Bezug zu den Bergläufen. Aber wettkampfmäßig habe ich noch nie an einem Berglauf teilgenommen". Für Stimmung, vor dem Start, auf der Strecke und bei der Siegerehrung sorgte die Gruppe "Challenclub" aus Oberwald/Wallis mit Kuhglocken.

Die Stars des 33. Aletsch Halbmarathon Robbie Simpson ... .... Ski Olympiasieger Ramon Zenhäusern und Maskottchen "Gletschi" ... ... und Sarah Tunstall

Vom Start ging es zunächst einen Kilometer durch die Ortschaft, vorbei an der Kapelle "Maria zum Schnee", ein beliebtes Postkartenmotiv, zum Skigebiet. Der Murmeltierlehrpfad wurde gestreift, ehe nach fünf Kilometern mit dem Bettmersee der erste landschaftliche Höhepunkt erreicht wurde. Die Strecke führte durch ein Meer von Alpenrosen entlang des Bettmersees. Hier hat man atemberaubende Blicke auf die Viertausender des Wallis wie Dom, Täschhorn, Weißhorn und das Matterhorn. Bis hierhin war es eher gemächlich, mussten doch auf den ersten fünf Kilometern lediglich 150 Höhenmeter überwunden werden.

Nach einigen Flachpassagen ging es bis nach Riederalp sogar nochmals bergab, ehe ein leichter Anstieg zur legendären Villa Cassel, in der heute das Zentrum der Naturschutzorganisation "Pro Natura" untergebracht ist, folgte. Das Riederhorn wurde umrundet, danach begann ein steiler Anstieg zur 2335 m hoch gelegenen Hohfluh und weiter zur Moosfluh mit Blick auf den 23 km langen Aletschgletscher. Es folgte nun oberhalb des Gletschers der schönste Streckenabschnitt.

 

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Für Stimmung sorgte die Gruppe "Challenclub" aus Oberwald/Wallis mit ihren Kuhglocken
Olympiasieger Ramon Zenhäusern gab den Startschuss und war begehrter Interview-Partner

Der Schlussanstieg ist besonders hart und wer bis hier hin seine Kräfte nicht richtig einteilt hatte, musste dies bitter bereuen. Auf den letzten zwei Kilometern waren nochmals 300 Meter Höhenunterschied zu bewältigen. Ein 360 Grad Rundumblick war dann der Lohn für die Mühe. Beim Ziel konnte man fast die gesamte Strecke, mit ihren Höhepunkten, wie Bettmersee, Villa Cassel und das Riederhorn überblicken. Auch die schon auf der Strecke sichtbaren Viertausender mit dem Matterhorn in ihrer Mitte waren von oben, wenn auch diesmal teilweise von Wolken umhüllt, nochmals zu sehen. Wenige Meter vom Ziel ist ein Aussichtspunkt mit Blick auf den Aletschgletscher.

Die Veranstalter werben mit dem Slogan "Schönster Halbmarathon Europas". Nun ist es nicht außergewöhnlich, das Veranstalter gerne mit Superlativen operieren. Doch beim Aletsch Halbmarathon kann man den Slogan unterstreichen. Der Lauf findet in der 2002 von der UNESCO zum Welterbe ernannten Aletschregion statt. Laufen entlang des längsten Alpengletschers, schmale Bergpfade, atemberaubende Ausblicke auf die schneebedeckten Viertausender, kleine, reizvolle Bergseen, all das, was das Herz eines Berglauf-Fans höher schlagen lässt.

 

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Alpenrosen, spiegelnde Bergseen, Aletschgletscher und begeisterte Läufer auch beim 33. Aletsch Halbmarathon

So schwärmte auch Christoph Seiler, Präsident des Schweizer Leichtathletikverbandes, der anlässlich des Jubiläumslaufes 2015 vor Ort war: "Der Aletsch Halbmarathon ist längst DER Berg-Halbmarathon der Schweiz, der keinen Vergleich zu scheuen braucht. Ich bin überzeugt, dass die Erfolgsgeschichte Aletsch Halbmarathon weiter gehen wird. Es war sehr gut spürbar, wie viel Herzblut in diesen einzigartigen Lauf gesteckt wird." Und auch Marathon Europameister Victor Röthlin, der im Vorjahr mitlief, war begeistert. "Die Strecke ist toll mit super Ausblicken, unglaublich schön. Das hat richtig Spaß gemacht hier zu laufen. Es ist tatsächlich der schönste Halbmarathon Europas."

Spannende Rennverläufe gibt es vom 33. Aletsch-Halbmarathon nicht zu berichten. Zu dominant waren die beiden britischen Sieger. Robbie Simpson, der Vize-Europameister im Berglauf von 2014 und Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaft von 2015, legte von Beginn an des Rennens ein hohes Tempo vor und setzte sich gleich an die Spitze des Feldes. Nach fünf Kilometer erreichte Simpson als Erster den Bettmersee. Mit einem Rückstand von einer Minute folgte Benjamin Riddell (Frankreich). Dahinter auf Sichtkontakt liefen die Schweizer Matthias Kilchör, Timon Amstutz und Stefan Müller. Vorne lief der Brite ein einsames Rennen und gewann in 1:33:15 Stunden.

Knapp 3000 Laufbegeisterte wollten beim 33. Aletsch Halbmarathon dabei sein

"Es war ein toller Lauf, eine super Strecke. Ich konnte die Ausblicke auf den Gletscher und die Berge genießen. Hart waren erst die letzten beiden Kilometer. Für den letzten Kilometer habe ich acht Minuten gebraucht", so der Sieger, der zum ersten Mal beim Aletsch Halbmarathon gestartet war. "Der Lauf ist auch eine gute Vorbereitung für mein nächstes Ziel. In zwei Wochen will ich beim Zermatt Marathon mitmachen", führte Simpson, der sich seit vier Wochen auf einem Höhentrainingslager in Crans Montana aufhält, weiter aus. Aber dass Simpson nicht nur in den Bergen stark ist, hat er schon bei einigen Marathonläufen, wie zuletzt bei den Commonwealth Games, gezeigt. Bei einem Hitzerennen gewann er in 2:19:09 Stunden die Bronzemedaille.

Der Schweizer Timon Amstutz läuft auf Platz zwei ... ... gefolgt von seinem Landsmann Stefan Müller auf Rang drei ... ... und Benjamin Riddell aus Frankreich auf Rang vier

Mit einem Rückstand von fast zehn Minuten belegte Timon Amstutz in 1:43:14 Stunden den zweiten Platz. Dritter wurde in 1:44:28 Stunden Stefan Müller aus Luzern vor dem Franzosen Benjamin Riddell und dem Schotten Joe Symonds.

Bei den Frauen feierte die Siegerin Sarah Tunstall auch einen Start-Ziel-Sieg, wenn auch nicht so überlegen wie Simpson. Tunstall siegte in 1:48:54 Stunden und feierte damit ihren dritten Sieg auf Bettmeralp. "Ich bin jedes Mal wieder begeistert von der Strecke", so die Siegerin, die im Vorjahr nach ihrem Sieg auf Bettmeralp bei der Berglauf-Europameisterschaft in Kamnik/Slowenien die Silbermedaille gewann.

Die Berglauf-Weltmeisterin von 1988 und 1989 Fabiola Rueda-Oppliger gewinnt die Klasse W55. Sie läuft auf Rang 33 Michela Segalada läuft auf Platz zwei bei den Frauen Karen Schultheiss wird 3. Frau

Zweite wurde die Schweizerin Michela Segalada in 1:50:43 Stunden. "Ich bin überrascht über den zweiten Platz und überglücklich. Gegen Sarah hatte ich keine Chance." Mit Karen Schultheiss, Mirijam Niederberger, und Melanie Gobiet gingen auch die Plätze drei, vier und fünf an Schweizer Läuferinnen. Als beste deutsche Läuferin platzierte sich Christine Sigg-Sohn aus Esslingen auf Rang 15 und erreichte als Zweite in der W50 die einzige Podestplatzierung deutscher Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Halbmarathon-Distanz. Im Vorjahr war Sarah Kistner aus Kronberg hinter Sarah Tunstall Gesamtzweite.

Bei den Altersklassen gab es mit Fabiola Rueda-Opplinger eine prominente Siegerin. Sie war 1987 und 1988 Berglauf-Weltmeisterin und gewann beim Aletsch Halbmarathon die Klasse W55. Die Siegerehrung nahm Olympiasieger Ramon Zenhäusern vor. Er zeigte sich beeindruckt von den Leistungen der Bergläufer: "Vor allem der Sieger ist eine Superzeit gelaufen."

Vom Start weg bis aufs Podest - das britische Siegerpaar Robbie Simpson und Sarah Tunstall
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Die Veranstalter zogen auch diesmal wieder ein positives Fazit. Vize-Präsident Geri Berchtold: "Für uns ist erst einmal das Wichtigste, das es keine nennenswerte Unfälle gab. In der ersten Euphorie nach der Veranstaltung kann ich nur ein positives Fazit ziehen. Es hat alles gepasst, das Wetter war gut, die Temperaturen für die Läufer ideal, die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Sicherlich werden wir in der Nachbesprechung den Tag differenzierter betrachten. Auch der Geschäftsführer des Aletsch Halbmarathons Toni König war rundum zufrieden. "Wunderschön", war sein erster Kommentar, "wir hatten optimale Verhältnisse. Es war zwar nicht ein so strahlend blauer Himmel wie im vergangenen Jahr, aber die Temperaturen waren für die Läufer ideal. Die hohen Teilnehmerzahlen freuen uns natürlich und zeigen, dass wir ein tolles Event bereitstellen."

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

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Ergebnisse www.aletsch-halbmarathon.ch
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