3.6.17 - 25. Schwanheimer Pfingstlauf in Frankfurt

Pfingstlauf in den Schwanheimer Tropen

von Markus Heidl

Für die meisten steht Pfingsten, am 50. Tag der Osterzeit, nicht nur für die Entsendung des Heiligen Geistes, sondern ebenso - durch den Montag als Feiertag - für ein verlängertes Wochenende.

In der Rhein-Main-Region hat sich derweil herumgesprochen, dass dieses lange Wochenende perfekt in Schwanheim begonnen werden kann, wenn am späten Nachmittag zunächst (5 oder) 10 Kilometer gelaufen werden, um den Tag dann in geselliger Runde auf dem Sportplatzgelände ausklingen zu lassen. Für Verpflegung ist gesorgt, während quasi nebenbei die Sieger geehrt werden.

 

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Die Luftfeuchtigkeit ist mit Händen zu greifen beim 4. Wertungslauf des Rosbacher Main-Lauf-Cup, dem Schwanheimer Pfingstlauf
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Normalerweise wird Pfingsten, weil recht mittig im Jahr gelegen, bereits mit Sonne und warmen Temperaturen assoziiert. In diesem Jahr sahen die Prognosen allerdings nicht besonders rosig aus: zwar mit etwa 24 °C recht warm, aber Gewitter ab 14 Uhr bis in die Nacht. Während mancher sogar unkte, der Lauf müsse eventuell abgesagt werden, sah es vor Ort gar nicht mal schlecht aus, nur vereinzelt gab es Regentropfen. Der erste große Guss war bereits durch, der nächste würde erst in der Nacht kommen.

Laut einschlägiger Wetterapp hat es in den letzten 30 Jahren 22 von 30 Mal am heutigen 03. Juni geregnet. Vom Rekordniederschlag mit 27,4 mm im Jahr 1992 war man zwar weit entfernt, dennoch war die Luftfeuchtigkeit sehr hoch und sorgte am Start für beschlagene Brillen. Immerhin hatte der Regen für etwas Abkühlung gesorgt, was einigen Teilnehmern ganz recht war, nachdem es vor einer Woche in Steinberg bereits am frühen Morgen sehr warm geworden war. Dennoch fühlte man sich auf der Strecke, im Schwanheimer Wald, wie in den Tropen.

Carsten Goldhammer präsentiert ein "Retro"-Trikot von Spiridon Frankfurt Fritz Liederbach verlässt sich nicht nur auf die Getränkestellen Der Schwanheimer Besenwagen kehrt auch an Feiertagen

Der Volkslauf in Steinberg ist an dieser Stelle deshalb erwähnenswert, weil auch jener Lauf zum Mainlaufcup gehört. Steinberg war in diesem Jahr die dritte Station, der Pfingstlauf demzufolge bereits die vierte. Bei insgesamt 10 Wertungsrennen können Punkte gesammelt werden, sodass sich spätestens jetzt die Sieganwärter herauskristallisieren. Während meist zwischen zwei Distanzen gewählt werden kann, misst sich die Konkurrenz in Schwanheim ausschließlich auf den 10 Kilometern. Die vorher ausgetragenen Läufe über einen und fünf Kilometer werden nur für die Schüler gewertet.

Als die heißesten Sieganwärter wurden im Vorfeld vor allem Tilahun Babsa (Spiridon Frankfurt), Aaron Bienenfeld (SSC Hanau-Rodenbach) und Tania Moser (Spiridon Frankfurt) gehandelt, die in diesem Jahr schon sehr starke Leistungen gezeigt hatten. Die letzteren zwei ließen die Bühne heute aber für andere frei: Aaron wollte zeitgleich in Pfungstadt eine schnelle Zeit über 1500 m und Tania trat mit ihren Vereinskolleginnen bei den hessischen Hindernismeisterschaften in Baunatal an. Nebenbei bemerkt hatten beide Erfolg.

Tilahun Babsa läuft auch in Schwanheim neuen Streckenrekord Ilyas Iman (links) zieht seinen Vereinskameraden Lorenz Rau

So gingen Punkt 17 Uhr 456 Teilnehmer auf die Strecke, um wieder einmal Tilahun zu folgen. Die vorher ausgetragenen kürzeren Strecken hatten den Weg geebnet. Gewonnen hatten den Bambinilauf Julien Schröter (3'33, Germania Schwanheim) und Aminata Sebor (3'43, TGS Niederrodenbach), beim 5 km Lauf waren Scott McClymont (17'06, Spiridon Frankfurt) und Tabea Kiefer (20'13, SC Steinberg) die schnellsten.

Über die 10 km stürmte nun wieder einmal Tilahun vorne weg. Den ersten Kilometer absolvierte er in unglaublichen 2:48 min und untermauerte damit seine Ambitionen, den von ihm selbst im Vorjahr aufgestellten Streckenrekord erneut zu unterbieten. Bereits am vergangenen Wochenende hatte er mit zwei Streckenrekorden in Höchst und Steinberg gezeigt, dass sein Wille, schnell zu laufen, ungebrochen ist.

Christoph Weigel wird Vierter im Gesamteinlauf Das Duell der Vereinskameraden entscheidet Manuel Schermer (rechts) gegen Niko Schenk für sich Alexander Ott (Nr. 423) nach einer Laufpause zurück im Wettkampfgeschehen

Auch bei den Frauen wurde schnell gestartet: Svitlana Smitiukh (TB Wiesbaden) meldete gleich auf den ersten 500 m große Ambitionen an und lief mit Lorenz Rau und Ilyas Iman (beide LG Fulda), die immerhin 33 Minuten als Endzeit anstrebten. Ilyas, selbst schon mehrfacher Hessenmeister, sollte dabei als Hase für Lorenz dienen. Überhaupt war vorne bei den Männern die Dichte an Pacemakern recht hoch. Auch Christoph Weigel vom USV Erfurt, der nach Lorenz und Ilyas die nächste Gruppe anführte, war "nur" Begleitung für seinen Vereinskameraden Thomas Hegenbart, der unter 35 Minuten laufen wollte.

Vielleicht hatten sie alle zu sehr auf das Pfingstversprechen gesetzt, weil es im Lukasevangelium (Lk 24,49) doch heißt, dass der Gottesgeist als "Kraft aus der Höhe" herabkommen wird. Fakt war, dass den Wetterbedingungen Tribut gezollt werden musste. Unglaublich war dennoch, dass zwei neue Streckenrekorde erreicht wurden. Tilahun "rettete" nämlich eine 31'08 ins Ziel - er hatte kräftig Federn lassen müssen und war von den letzten beiden Wettkämpfen noch etwas müde, war dennoch aber ein paar Sekunden schneller als im letzten Jahr. Hinter ihm waren auch Lorenz und Ilyas etwa eine Minute langsamer als geplant und liefen 34'35, dann folgte Christoph, der seinem Schützling auf den letzten drei Kilometern davongelaufen war. Für ihn wurden im Ziel 35'16 gestoppt. Zwischen ihm und Thomas (35'41) lief noch Markus Heidl (Spiridon Frankfurt) ein. Dessen Vereinskamerad Stephan Audersetz folgte nach 36'19, bevor als Gesamtachte bereits die Frauensiegerin einlief.

Tinka Uphoff gewinnt die Frauenkonkurrenz Lena Becker, die zweite Frau, in einer Gruppe von Begleitern Petra Wassiluk wird Dritte bei den Frauen

Tinka Uphoff (Spiridon Frankfurt) gelang trotz der Schwüle wieder ein sehr guter Wettkampf, ihre 36:25 min bedeuteten eine neue Rekordmarke bei den Frauen. Nachdem ihr Frühjahrsmarathon in Düsseldorf für sie eine Enttäuschung war, hat sie sich schnell rehabilitiert: bereits über 5000 m auf der Bahn lief sie schon die Quali für die deutschen Meisterschaften. Jetzt folgte also ein Rekordlauf in Schwanheim. Ihr nächstes Ziel ist der Chase-Lauf in Frankfurt, den sie bereits drei Mal gewinnen konnte.

Auf Rang zwei folgte ihr Lena Becker vom TGV Schotten (39'13) vor Petra Wassiluk (Team Mainlaufcup), die nach vorsichtigem Start noch auf 40'26 kam. Svitlana wiederum hatte den Spurt am Start wohl etwas zu sehr ausgereizt, sie wurde bis auf Rang fünf durchgereicht und lief schließlich 41'53.

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Im Ziel herrschte dann großer Andrang am Zelt von Krombacher, die den Mainlaufcup stets mit reichlich Flüssigem unterstützen. Wer weiß, vielleicht ersetzt das fröhliche Zusammensein nach dem Schwanheimer Pfingstlauf gar irgendwann den Wälchestag? Schließlich ist der Dienstag nach Pfingsten schon seit den 1990er Jahren nicht mehr arbeitsfrei. Gegrilltes, Kuchen und Getränke wurden vom TG Schwanheim gestellt, die in ausreichender Anzahl vorhandenen Bänke und Tische standen im Schatten der beeindruckenden Schwanheimer Eiche.

Bericht und Fotos von Markus Heidl

Ergebnisse www.volkslauf.de - Infos www.tg-schwanheim.de

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