11.6.17 - 8. Saar-Hunsrück-Steig Wandermarathon Perl

Auf dem Saar-Hunsrück-Steig
im "Grenzenlosen Dreiländereck"

von Axel Künkeler

Bereits zum achten Mal fand Mitte Juni der Wandermarathon "Grenzenloses Dreiländereck" statt. Veranstaltet von der Gemeinde Perl und der "Saarschleife-Touristik" der Gemeinde Mettlach zog der Wander-Event erneut mehr als 1.000 Teilnehmer an. Exakt 1.082 Wanderer machten sich bei herrlichem Sommerwetter auf die drei angebotenen Strecken von 18 bzw. 32 oder 42 Kilometer.

Das Logo des Saar-Hunsrück-Steigs war das perfekte Leitsystem für die Wanderer Die Gemeinde Perl liegt idyllisch an der Mosel, direkt an der Landesgrenze zu Luxemburg
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Schon ganz früh waren die ersten am Start. Bereits um 5.30 Uhr hatte das kleine Meldebüro an der Bushaltestelle direkt neben dem Schengen Lyzeum in Perl geöffnet. Von dort ging es mit Bussen zu den drei verschiedenen Startorten in Britten, Mettlach und Tünsdorf. Bei den zu erwartenden hoch-sommerlichen Temperaturen wollten viele die frühen Startzeiten nutzen. Der offene Start für die klassische Marathon-Distanz war bereits zwischen 6.00 und 7.00 Uhr in Britten, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Losheim am See.

Der Start für die 32km-Strecke erfolgte in Mettlach an der Saar Zunächst ging es am Hauptsitz der weltberühmten Keramik-Fabrik Villeroy & Boch vorbei

Unter die Wanderer mischten sich hier auch etliche Läufer, die aus dem Wandermarathon einen 42km-Trail-Run machten. Unter ihnen auch der saarländische Ultra-Läufer Hendrik Dörr und einige Lauffreunde vom HartfüsslerTrail e. V. Am letzten Sonntag im August (27.) richten sie den 6. Hartfüssler Trail durch den Saarkohle-Wald rund um Saarbrücken aus. Diesmal nutzten sie die ebenso hervorragende Infrastruktur und Organisation des Wander-Marathons im nördlichen Saarland für einen lockeren Trainingslauf. Den "Spaß an der Freud" sah man den gut gelaunten sechs Läufern und Läuferinnen richtig an.

Im Park des V&B-Gebäudes gab es ein Kunstobjekt von André Heller zu bewundern Nach einem Kilometer durch Mettlach wurde die Saar überquert

Den hatten aber auch die Wanderer, die aus dem Hochwald an der Saar ankommend bei Schloss Ziegelberg ihre erste Verpflegungsstelle vorfanden. Kurz danach stießen sie bei KM 10 auf die Wanderer, die die 32km-Strecke in Angriff nahmen. Deren Startort war zwischen 7.45 und 8.45 Uhr am Brauhaus in Mettlach. Von dort ging es zunächst entlang der Saar am Hauptsitz der weltberühmten Keramikfabrik Villeroy & Boch vorbei durch den angrenzenden Park Richtung Ortsmitte. Mettlach ist aber nicht nur bekannter Unternehmens-Sitz, sondern vor allem durch seine Lage an der Saarschleife - DEM Wahrzeichen des Saarlandes - mit dem Aussichtspunkt Cloef und weiteren Sehenswürdigkeiten wie Schloss Ziegelberg, die Alte Abtei oder die Burg Montclair ein touristischer Anziehungspunkt.

Von nun an ging's bergauf: Direkt hinter der Saar begann der Anstieg zur Cloef Wandern mit Trail-Charakter über Stock und Stein, Fels und Wurzeln

Nach einem Kilometer durch Mettlach wurde die Saar überquert, direkt hinter der Brücke begann der Anstieg zur Cloef. Auf rund fünf Kilometern mussten nun über 200 Höhenmeter bewältigt werden. Dabei ging es zunächst auf breiten Waldwegen bergan, dann aber mehr und mehr über Wurzel-Trails, steinige Abschnitte, die an Wege aus der Römerzeit erinnern und einige echte Felsbrocken.

Die Ruhebank mit Blick ins Saartal wurde von den meisten ignoriert Den Ausblick von der Cloef auf die Saarschleife wollten aber einige in Ruhe genießen

Zwischendurch immer wieder erste Ausblicke ins Saartal oder hinüber zur Cloef mit dem markanten Aussichtsturm des neuen Baumwipfelpfades. Der Weg zur Cloef ist einer der besonders schönen Abschnitte auf dem Saar-Hunsrück-Steig, der aber auch insgesamt als naturnaher Weg bekannt und als Premium-Wanderweg vom Deutschen Wanderverband zertifiziert ist.

Kurz danach die erste Labe-Station am Atrium Orscholz, die von Banane bis Wasser gut bestückt war

Am Baumwipfelpfad vorbei durch den Kurpark ging es auf die nächste Etappe

Der insgesamt 410 Kilometer lange Wanderweg führt auf 27 Etappen von Perl an der Mosel durch die Mittelgebirgslandschaften Saar-Hochwald und Hunsrück über Idar-Oberstein bis nach Boppard am Rhein, sowie auf einem Abzweig auch nach Trier. Im Jahr 2009 wurde der erst zwei Jahre zuvor konzipierte Steig bereits zu Deutschlands schönstem Fernwanderweg gewählt. In diesem Jahr wird das zehnjährige Bestehen des Saar-Hunsrück-Steigs gefeiert. Zu dem umfangreichen Festprogramm, das auf der Website www.saar-hunrueck-steig.de zu finden ist, gehört der "Grenzgänger", ein 24-Stunden-Wanderevent im Dreiländereck, das am 30. September zum zweiten Mal stattfindet. Und natürlich der 8. Wandermarathon auf dem Saar-Hunsrück-Steig, der einmal in Rheinland-Pfalz am Erbeskopf, sonst aber stets am saarländischen Teil des Stegs stattgefunden hat.

Wie Ingo Plehwe (709) bewältigen einige die klassische Marathon-Distanz laufend Ultra-Läufer Hendrik Dörr nutzte die 42km-Strecke ebenfalls zum lockeren Trainingslauf Gleich sechs 42km-Läufer stellte das Team der saarländischen Hartfüssler

Nachdem der Anstieg zur Cloef bewältigt ist, eröffnet sich der traumhafte Ausblick auf die Saarschleife. Die meisten genießen ihn vom traditionellen Aussichtsplateau, einige nutzen aber auch die Gelegenheit des freien Eintritts zum 1.250 Meter langen Baumwipfelpfad, der in 23 Meter Höhe bis zu dem 42 Meter hohen Turm führt. Von hier aus bietet sich eine echt grandiose Aussicht weit über die Saarschleife hinaus in die Landschaft des Naturparks Saar-Hunsrück, das Saartal und - bei klarer Sicht - sogar bis in die Vogesen.

Neben anderen lief auch Günter Singer (1100) die 32km-Distanz Im Archäologiepark Villa Borg war die nächste Verpflegungsstelle erreicht

Direkt neben dem Zugang zum Baumwipfelpfad befindet sich das Cloef-Atrium mit seiner außergewöhnlichen Architektur aus Holz und Glas. Das Tagungs- und Besucherzentrum im heilklimatischen Kur-Ort Orscholz, einem Ortsteil der Gemeinde Mettlach, bietet den Rahmen für die nächste Verpflegungsstelle, die mit Bananen, Riegel und Laugengebäck sowie Wasser durchaus gut bestückt ist.

Weiter auf Feldwegen über den Moselgau Richtung Perl

Nach der Stärkung geht es weiter im ständigen Auf und Ab, auch wenn der kräftigste Anstieg bewältigt ist, über die Höhen des Moselgaues - über Feld-, Wald- und Wiesenwege, aber stets auch durch schattige Waldpassagen. Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen, die sich gegen Mittag der 30-Grad-Marke nähern durchaus erfreulich für die inzwischen teils schon etwas müden Wanderer. Vorbei am Startort der 18km-Wanderer, die sich zwischen 9.15 und 10.30 Uhr in Tünsdorf auf den Weg machen, geht es weiter zum Archäologiepark Villa Borg. Die 2000jährige römische Vergangenheit der Region, die im Perler Ortsteil Nennig den größten erhaltenen Mosaik-Fußboden nördlich der Alpen aufweist, wird hier erlebbar.

Feld-, Wald- und Wiesenwege führten durch die sommerliche Landschaft

Das Freilichtmuseum im Ortsteil Borg mit der freigelegten und rekonstruierten Villa, einer der größten römischen Gutshöfe im Saar-Mosel-Raum, bietet samt Gärten und Taverne vielfältige Einblicke ins römische Landleben. Den Teilnehmern des Wandermarathons ermöglicht die europaweit in ihrer Art einmalige Anlage bei freiem Eintritt aber vor allem eine weitere Stärkung. Diesmal sogar mit Rezepturen aus römischer Zeit - aber auch mit Laugen, Riegeln sowie Wasser und alkoholfreiem Bier.

Kurz vor dem Ziel gab es noch einmal "Wasser gratis" plus Weinverkostung Dann begann schon der Abstieg ins Moseltal mit Ausblick ins Luxemburger Land

Danach stehen die letzten 13 Kilometer zum Ziel in Perl an. Neun hätten auch gereicht, wäre da nicht noch eine "4-km-Schikane" vom Veranstalter eingeplant worden. Doch der Umweg lohnt sich wie selbst diejenigen einräumen müssen, die am liebsten direkt ins Ziel gelaufen wären. Auf gut zwei Kilometern geht es in Serpentinen bergab durch die Moselberge. Das grenzenlose Dreiländereck wird nun Wirklichkeit - neben herrlichen Ausblicken ins Moseltal schweift der Blick nun von Deutschland aus nach Frankreich und Luxemburg.

Der Umweg hat sich gelohnt: im Gänsemarsch über einen herrlichen Trail bergab
Hoppla, mit Hund über die Treppenstufen geht's dann doch nicht ganz so einfach

Spätestens hier, aber schon einige Kilometer zuvor bei einer spontanen Weinverkostung am Wiesenweg durch einen örtlichen Bio-Winzer wurde im Gespräch der Unterschied von Saar-Wein und saarländischem Wein erklärt. Auch mit den regionalen Gegebenheiten nicht ganz so Vertraute, sahen es nun mit eigenen Augen: der im saarländischen Perl angebaute Wein ist ein Mosel-Wein. Natürlich gibt es auch Saar-Wein. Der aber wird etliche Kilometer weiter nördlich an dem Teil der Saar angebaut, der durch Rheinland-Pfalz fließt. Saar-Wein ist daher kein saarländischer Wein.

Auch die Belgierin Monika Nober genoss den herrlichen Ausblick im Dreiländereck zwischen Deutschland, Luxemburg und Frankreich Im Barockgarten von Nell in der saarländischen Moselgemeinde Perl war das Ziel des Wandermarathons erreicht
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Wein oder Bier, dazu Gegrilltes oder Kaffee und Kuchen gab's dann reichlich im Angebot als die Wanderer, ob nach 18 oder 32 oder 42 Kilometer dennoch das gleiche Ziel erreichten - den Barockgarten von Nell im Ortszentrum von Perl. Die Gemeinde zählt nur etwas über 8.000 Einwohner in 14 Ortsteilen, doch nicht nur ihre römische Vergangenheit belegt die geschichtliche Bedeutung des Standorts und nicht nur der Status als einzige saarländische Weinbau-Gemeinde und die landschaftlich reizvolle Lage an der Obermosel gegenüber von Schengen und Remich in Luxemburg sowie Apach in Frankreich den touristischen Stellenwert der Gemeinde. Perl im moselfränkischen Teil des Saarlandes ist nicht nur für Wanderer eine Reise wert.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Weitere Infos www.shs-wandermarathon.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.