24.6.17 - 29. Möhnesee-Pokal-Lauf in Möhnesee-Günne

Gelungene Generalprobe vor dem dreißigsten Jubiläum

Tolle Läufe auf wunderschönen Strecken

Tillmann Goltsch mit zweitbester je gelaufener Zeit

von Michael Schardt

Wenn man die 29. Auflage des Möhnesee-Pokallaufs als Generalprobe für das im nächsten Jahr anstehende runde Jubiläum auffassen will, dann war diese in jeder Beziehung gelungen. Unter der bewährten Regie der veranstaltenden LG Deiringsen gingen etwas später im Juni als gewohnt in stimmungsvoller Manier fünf Wettbewerbe von 1000 Meter für die Jüngsten bis dreißig Kilometer für Langlaufveteranen über die Bühne. Neben der familiären Atmosphäre des Events schätzen die Teilnehmer, von denen viele Wiederholungstäter sind, die schöne Landschaft am Möhnesee und in den Arnsberger Wäldern, auch wenn die anspruchsvollen Strecken einige hundert Höhenmeter in den Weg stellen.

Laufen auf schöner Naturstrecke, das ist der Möhnesee-Pokal-Lauf in Günne Da ist großer Spaß garantiert
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Besonders gelobt wurde von zahlreichen Teilnehmern die freundliche Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfern, die im Ziel und auf der Strecke eine perfekte Infrastruktur schaffen. So kam nach dem Zieleinlauf des 30-km-Laufs die Zweitplatzierte Moni Döking-Goerke spontan auf Orgachef Dieter Schenzer begeistert zugelaufen und bedankte sich für die gelungene Ausrichtung. "Ganz toll, was ihr wieder auf die Beine gestellt habt", lobte die Teutoläuferin die Veranstaltung. "Ganz große Klasse, auch die Arbeit der Helfer im Wald. Auch denen ein herzliches Dankeschön. Wir mit unserem Team kommen nächstes Jahr bestimmt gerne wieder."

Laufen statt Boxen

Es mögen Äußerungen wie diese sein, die Cheforganisator Dieter Schenzer zusätzlich motivieren, den Möhneseelauf Jahr für Jahr mit gleichbleibender Qualität auszurichten - und das von Anfang an. Für ihn ist es keine Frage, dass er auch beim dreißigsten Jubiläum 2018 der Veranstaltung vorstehen und sich dann etwas ganz Besonderes für die Läufer ausdenken wird. Daneben aber lässt er durchblicken, dass er sich langsam auch nach einem Nachfolger umsehen muss. Er werde schließlich bald sein siebtes Lebensjahrzehnt beenden, da sei es langsam an der Zeit.

Der Blick auf den Möhnesee Logistikzentrum ist das Heinrich-Lübke-Haus, benannt nach dem ehemaligen Bundespräsidenten, der in dem nicht weit entfernten Brilon das Gymnasium besuchte. Das Haus beherbergt u. a. das Ferien- und Bildungszentrum der katholischen Arbeitnehmerbewegung

Noch aber hält Schenzer die Fäden fest in der Hand, übernimmt viele Aufgaben selbst und lässt sich selbst bei der umfangreichen Siegerehrung, die er obendrein noch moderiert, nicht assistieren. Schenzer hat sich in der Leichtathletik viele Meriten verdient, als Trainer und Vorsitzender der LG Deiringsen, als international tätiger Streckenvermesser, und schließlich auch als Läufer. Dreimal konnte er den New York Marathon schon finishen, über hundert Halbmarathonläufe hat er schon erfolgreich hinter sich gebracht, und er ist einer von nur wenigen, die seit 1982 alle Silvesterläufe von Werl nach Soest bestritten haben. Letzteres ist für ihn Ehrensache, denn Soest ist seine Geburtsstadt, und dort, im Soester Ortsteil Deiringsen, betreut er seine LG.

Früher, vor dem Laufen, da habe er sich dem Boxsport hingegeben, gesteht er. Er habe im Mittelgewicht so alles geboxt, was Rang und Namen in Deutschland gehabt habe, und den ganz Großen als Sparringspartner gedient. Durch seinen Beruf und den Sport konnte er sich nicht nur vor Ort, sondern bundesweit und teils sogar international vernetzen. Das hilft ihm auch beim Möhneseelauf. "Wenn ich irgendwo anrufe, bei einem Sponsor", sagt er, "dann klappt das meistens auch."

So steht die Veranstaltung auf soliden Beinen und kann neben wertvollen Sachpreisen für die ersten fünf Läufer und Läuferinnen aller Wettbewerbe auch Sieg- und Platzierungsprämien zahlen.

Rahmenwettbewerbe

All das - die wunderbare Strecke, die tolle Organisation, die guten Rahmenbedingungen - könnten positiver kaum sein, und doch hakt es an einer Stelle, nämlich am Zuspruch der Läufer. Nur rund zweihundert hatten vorangemeldet, wovon ein knappes Fünftel nicht antrat beziehungsweise nicht ins Ziel kam. So ist die Bilanz mit 163 Finishern für einen so großen organisatorischen Aufwand recht mager, weiß auch Schenzer.

Seit 29 Jahren organisiert Dieter Schenzer federführend den Lauf. Vor der eigenen Laufkarriere war er Boxer im Mittelgewicht. Nebenher fungiert er als international zertifizierter Streckenvermesser Alle fünf Distanzen sind als Wendepunktstrecken angelegt. Von hier haben alle Läufer nur noch ein Kilometer vor sich Für einen Blick auf den Möhnesee haben nur die wenigsten Akteure einen Sinn

Aber das Problem geringer Resonanz scheint in der Soester Region nicht allein auf den Möhneseelauf beschränkt, wenn man einem Eintrag auf der Homepage des TV Flerke vom selben Tag Beachtung schenken will. "Die LG Deiringsen machte wie gewohnt einen super Event aus ihrer Veranstaltung", heißt es da. Und weiter: "Wie bei allen anderen Laufveranstaltungen in unserem Umkreis waren eigentlich zu wenig Läufer nach Günne gekommen. Da werden von den einheimischen Laufvereinen Läufe in allen Varianten angeboten ..., aber es gelingt nicht, mehr Läufer zu animieren. Da müssen wir, die Laufveranstalter, anscheinend am Wendepunkt Farbbeutel in die Hand nehmen und die Läufer damit bewerfen!", verweist der Autor vom TV Flerke auf die überspannten Erwartungen der Läufer, mahnt aber auch an: "Natürlich wäre der Startpreis dann nicht 6 oder 8 Euro, sondern 30 Euro."

Der TV Flerke selbst war mit zahlreichen Aktiven am Möhnesee dabei, auch bei den beiden Schülerläufen über einen und zwei Kilometer, allerdings mit dem Sieg hatten die Flerke-Kids nichts zu tun. Über ein km siegte bei den Jungs Lars Franken von DJK GW Werl in 3:19min vor Carlo Crochmore von LG Deiringsen in 3:29min und bei den Mädchen Colin Sorge vom Marathonclub Menden in 3:37min vor Kiana Hinners in 3:51min.
Beim Lauf über die doppelte Distanz konnten besagte Lars Franken und Colien Sorge erneut gewinnen. Der Junge in 7:23min, das Mädchen in 8:06min. Auch der zweite Junge ist aus dem ersten Lauf bekannt: Lukas Eisele wurde in 8:11min Vizemeister. Zweites Mädchen wurde Antonia Bach vom ESV Eisschnellauf Möhnesee in 9:07min.

Start des Laufs über 15 km Der belebte Zieleinlauf

5km: Hendrik Pörschke mit Streckenrekord

Über fünf Kilometer kann der Möhnesee-Pokallauf mit einer selten zu findenden Besonderheit aufwarten. Denn der Streckenrekord der Frauen über fünf Kilometer stand bis zur jetzigen Austragung besser als der bei den Männern. Heike Bienstein von der LGO Dortmund war 2008 die Zeit von 17:10min gelaufen, während der mehrmalige Sieger Dirk Rabe (Zoll Paderborn) als schnellste Marke 17:14min aus 2012 zu Buche stehen hat. Diese Besonderheit ist von nun allerdings Geschichte, denn Hendrik Pörschke (M20, ohne Verein) stellte bei seinem Sieg in 17:04min einen neuen Gesamtbestwert auf. Auf den zweiten Platz kam Ludger Schröer (M45) von der LG Deiringsen in 18:01min vor dem mehrfachen Sieger und Vereinskamerad Georg Kott (M55) in 18:38min.

Bei den Frauen gab es eine klare Entscheidung. Hier siegte die vereinslose Petra Franken (W40) deutlich in 21:05min mit über eine Minute Vorsprung vor Gabi Kleinschmidt (W50) von Marathon Soest in 22:14min und Katharina Zander (W20) von der LG Deiringsen in 23:24min.

Die Strecke des 5-km-Schnupperlaufs ist wie alle Distanzen als Wendepunktstrecke konzipiert. Sie weist aber - im Gegensatz zu den beiden längeren Strecken - kaum Höhenunterschiede auf und verläuft fast durchgängig auf asphaltierten Radwegen. Die Strecke ist auf den ersten 2,5 km und letzten 2,5 km identisch mit den Langdistanzen.

Über 15 km siegt Andreas Schewalje Rang zwei für André Fischer Drei Sekunden fehlen dem dritten, Simon Meier, an einer Zeit unter einer Stunde Franz Kosler gewinnt die M65er-Klasse

15km: Weltmeister im 14-Kampf siegt

Was die Teilnehmer der beiden Langdistanzen besonders gefreut haben mag, war, dass die äußeren Bedingungen sehr günstig waren. Bei knapp zwanzig Grad und einem erfrischenden Wind war die Hitze der Vortage glücklicherweise verschwunden. Und: obwohl dunkle Wolken am Himmel standen, blieb es bis zum Abschluss aller Wettbewerbe trocken. Erst am Abend setzte dann ergiebiger Regen ein. Dennoch sollte es für die Akteure anstrengend genug werden.

Denn die Strecke hat es durchaus in sich. Immerhin 310 Höhenmeter sind auf der 15 km langen Pendelstrecke zu überwinden, die die Hauptläufer (30km) zweimal zu durchkreuzen haben. Zunächst führt der Kurs über eine kleine Schleife um das Heinrich-Lübke-Haus herum, wo Start und Ziel liegen, um auf die Hauptstrecke am Ufer des Möhnesees und den Arnsberger Wald zu kommen. Nach knapp drei Kilometern wendet sich die Strecke vom See weg in den Wald und damit auch vom asphaltierten Untergrund auf die Naturstrecke. Von dort führt die Strecke über welliges Terrain weitgehend bergauf zum Wendepunkt und recht genau die gleiche Strecke zurück. Dadurch haben die Läufer ihre Konkurrenz im Blick, wenn sie sich entgegenkommen.

Katrin Walter dominiert die Frauenkonkurrenz über 15km Sabine Tillmann holt Platz 2 Sabine Kneer freut sich über Rang 3

Der 15-km-Lauf wird anderthalb Stunden nach dem Dreißiger gestartet, zu einem Zeitpunkt also, zu dem einige der Langstreckler ihre erste Runde beenden. Der Starter muss daher einen günstigen Augenblick erwischen, um die 15-km-Läufer auf die Strecke zu schicken, ohne dass ein Dreißiger in seinem Lauf gestört wird.

Als Sieger gingen in der Männer- und Frauenkonkurrenz Läufer hervor, die am Möhnesee noch nie ganz oben auf dem Treppchen standen: Andreas Schewalje (M20) vom TuS Breckerfeld und Katrin Walter (W35) von der LG Hamm. Schewalje siegte in der guten Zeit von 57:21min und erlangte nicht nur durch seine läuferischen Qualitäten die Beachtung der zahlreichen Zuschauer im Ziel, sondern mindestens ebenso durch die Mitteilung des Moderators, dass er ein echter Weltmeister sei, und zwar im 14-Kampf, einer außergewöhnlichen Variante des leichtathletischen Zehnkampfs, den freilich nicht sehr viele Erdenbürger betreiben.

Triathlet Tillmann Goltsch war mit dem Rennrad von Dortmund angereist, gewann das 30 km-Rennen souverän und fuhr auf seinem Bike die gut 50 km nach Hause zurück Deutscher Meister im 6-h-Lauf ist Lokalmatador Christoph Marquardt. Auf seiner Heimstrecke wird er zweiter Rang drei für Matthias Borgelt 4. und Sieger M50: Norbert Feldhaus

Als zweiter Läufer, der unter einer Stunde blieb, konnte sich André Fischer (M30) vom JK Running-Team in die Annalen eintragen. Nur um drei Sekunden verfehlte der Drittplatzierte die Stundenmarke. Das war Lokalmatador Simon Meier (M20) von der LG Deiringsen, der 60:03min brauchte und sich schon etwas ärgerte, dass es nicht ganz reichte zur Wunschzeit. Der Streckenrekord dürfte einer für die Ewigkeit sein, gehalten von Ejob Solomun in 50:41min (2015).

Zusammen mit Solomun sorgte 2015 auch seine Freundin Mealot Yemane, beide von der SG Wenden, für einen kaum zu schlagenden Streckenrekord bei den Frauen in 61:03min. In der diesjährigen Konkurrenz war Katrin Walter aus Hamm das Maß aller Dinge. Die hagere 36-Jährige fuhr einen Start-Ziel-Sieg in 66:51min ein, was hinter fünf Männern Rang sechs in der Gesamtwertung bedeutete. Platz zwei ging an Sabine Tillmann (W45, SuS Günne) in 69:16min vor Sabine Kneer (W30) von Marathon Soest in 73:46min. Der Fünfzehner war mit 67 Finishern der teilnehmerstärkste Lauf.

Heike Stille vom TV Lemgo gewinnt bei den Frauen Auf den zweiten Platz kommt Moni Döking-Goerke (rechts) vor Kerstin Peller-Tölle Die jüngste im Frauenfeld, Mira Küllmar, wird 4.

Vor dem Frankfurter Ironman Sieg am Möhnesee

Fünf Frauen und vierundzwanzig Männer haben den 30-km-Lauf am Möhnesee erfolgreich beendet. Sie erreichten dabei Zeiten zwischen 1.55 und 3:14h. Eine besondere Bedeutung hatte der Möhnesee-Pokallauf dabei für Tillmann Goltsch vom LT Bittermark Dortmund. Der Triathlet möchte in zwei Wochen beim Ironman von Frankfurt starten und dachte sich, dass es eine gute Vorbereitung sein könnte, von Dortmund mit dem Rennrad anzureisen, den Dreißiger besonders forciert zu bestreiten und abschließend die gut 50 km nach Dortmund wieder auf dem Rad zu absolvieren.

Im Rennen drückte Goltsch mächtig aufs Tempo und war schon nach wenigen hundert Metern allein an der Spitze. Bei rund 57 Minuten ging er erstmals durchs Ziel, in der zweite Runde wurde er kaum langsamer. So siegte er in 1:55:57h, der zweitbesten je gelaufenen Zeit, seit 2008 die Streckenführung geändert werden musste und eine neue Rekordliste besteht. Schneller war bisher nur 2010 Thomas Braukmann in 1:53:13min. Zweiter wurde Lokalmatador Christoph Marquardt von der LG Deiringsen (M45), der 2:03:59min brauchte und Matthias Borgelt (M20, o. V., 2:16:51h) und Norbert Feldhaus (M50, LAC Rhede, 2:22:24h) auf die Plätze verwies.

Reich gedeckt am Möhnesee ist der Gabentisch für die Sieger Die Riege der Geehrten im Hauptlauf
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Eigentlich, so Sieger Goltsch nach dem Rennen, sehe er sich mehr als Läufer denn als Triathlet. Auf den Triathlon wolle er aber auch nicht verzichten, da er in der letzten Disziplin, dem Laufen, eben Vorteile habe und es Spaß mache, Konkurrenten einzusammeln, die im Schwimmen und Radfahren besser seien. Mit seiner Marathonbestzeit von 2:31h hadert er aber noch etwas, denn von den Werten der Unterdistanzen (10km - 33min; HM 1:11h) müsste er dort besser sein. Vor elf Jahren, als Jungspund, sei er schon einmal beim Möhnesee-Pokal-Lauf dabei gewesen, damals aber über 15 km, als es den langen Kanten noch nicht gab. Auf einen Treppchenplatz konnte er damals nicht kommen. "Da war ich einfach noch nicht so gut."

Bei den Frauen kamen die ersten vier unmittelbar hintereinander ins Ziel. Es siegte mit fünf Minuten Vorsprung Heike Stille (W55) vom TV Lemgo in 2:42:38h vor den beiden zeitgleichen Freundinnen Moni Döking-Goerke (W50, Teutorunners) und Kerstin Peller-Tölle (W45, o. V.) in je 2:47:31h und Mira Küllmar (W30, o. V.) in 2:48:17h.

Für das Jubiläumsjahr 2018, da dürften sich Organisatoren und Läufer einig sein, kann alles so bleiben wie im Jahr der Generalprobe. Außer dass mehr Läufer kommen müssen, am besten gleich mehrfach so viele wie heuer.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

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