24.6.17 - 22. Ludwigshafener Stadtlauf

Stadtlauf mit Alkoholverbot

Innenstadt gehörte für einen Tag den Läufern

von Hannes Blank

Volk und Elite - so könnte man den Ludwigshafener Stadtlauf in aller Kürze beschreiben: Die Veranstaltung besteht aus einem sehr schnellen Elitelauf mit einem kleinen Feld und dem viel größeren Volkslauf mit heuer 421 Teilnehmern. Davor tobten sich Bambini und Schüler auf dem 1200m langen Rundkurs durch die Ludwigshafener Innenstadt aus: Ab Bismarckstraße am Berliner Platz lief man etwa im Quadrat die Dammstraße, dann die Berliner Straße am Theater "Pfalzbau" vorbei und dann in die Wilhelmstraße, bevor es wieder auf die Zielgerade ging. Teilnahmestärkste Lehranstalt war übrigens die Brüder-Grimm-Schule Ludwigshafen.

Die Elite lief 8 Runden (9,6km), die Volksläufer bewältigten 6 Runden (7,2km). Die Startschüsse für die beiden wichtigsten Läufe des Nachmittags erklangen um 16:30 Uhr (Globus Elitelauf) und um 17:45 Uhr (BASF Volkslauf).

Volk und Elite beim Ludwigshafener Stadtlauf
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Globus Elitelauf: Frauen bekommen drei Minuten Vorsprung

Beim Elitelauf starteten zuerst elf Frauen und 3 Minuten später 20 Männer. Für den Zuschauer war also fast immer etwas los, auch wenn die Eliteläufer selten allein, sondern oft und gerne in Grüppchen liefen. Bei den Männern blieb das Feld ein ganze Weile kompakt, bis Mengistu Zelalem das Zepter in die Hand nahm, das Tempo forcierte und bald nur noch vier Mitstreiter hatte, außer dem Ukrainer Yukhymchuk allesamt Kenianer und Äthiopier. Vor allem in Runde 7 drückte der Vorjahressieger Zelalem auf die Tube, diese Runde lief er in 3:19min, während bei seinem Rest eine Runde zwischen 3:25 und 3:35min dauerte.

Vor Elite- und Volkslauf finden in Ludwigshafen auch Schülerläufe statt und deren Sieger werden dann zentral auf der Start- und Ziellinie geehrt Größter Fan des Globus-Elitelaufs: Maskottchen "Globu"

Im Ziel zeigte sich der alte und neue Sieger entspannt, etwas anderes als einen Sieg hatte er nicht geplant gehabt: "My preparation was good", so der 24-jährige Äthiopier, der auch schon den Citylauf in Kaiserslautern gewonnen hat. Zweiter wurde der Kenianer Patrick Ereng (15 Sekunden langsamer als Zelalem), vor dessen Landsmann Emmanuel Kiprono, der nur zwei Sekunden nach Ereng ins Ziel kam. Bester deutscher Läufer war Simon Stützel (Team Memmert / TSG 08 Roth) auf Platz 5. Mit einem Knieproblem ausscheiden musste der kurzfristig angemeldete Eritreer Kibrom Issac von der LG Kurpfalz, Vielstarter in der Region Nordbaden/Pfalz.

Nach der ersten Runde war das Männerfeld des Elitelaufs dicht beieinander - der spätere Sieger Mengistu Zelalem aus Äthiopien (Nr. 1) hält sich noch zurück. Paul Ereng (Nr. 3) aus Kenia wird 2. , der Ukrainer Mykola Yukhymchuk (Nr. 4) wird 4., direkt hinter ihm der Deutsche SimonStützel, der 6. wird

Bei den Frauen hielt sich Vorjahressiegerin Melat Kejata zunächst noch zurück - die Kenianerin Brendah Kebeya und die Ukrainerin Nastassia Ivanova machten Tempo. Doch wie sie später berichtete, bereiteten ihr die kürzlich erfahrenen Hüftschmerzen an diesem Tag wenig Probleme. Sie erhöhte auf der dritten Runde deutlich ihr Tempo und konnte sich auf diese Weise souverän an die Spitze setzen. Die 24jährige Äthiopierin, die für den PSV Kassel startet, war im Ziel die strahlende Siegerin, 11 Sekunden schneller als Ivanova und sogar über eine halbe Minute schneller als Platz 3, Betty Chepkwony aus Kenia. Kejeta nahm am folgenden Tag sogar noch am Citylauf in Kaiserslautern teil und wurde dort über 5000m Dritte. In Ludwigshafen konnte ihr jedoch keine folgen, leichtfüßig lief sie zum Sieg und auf die erste Stelle des Podests.

Vorjahrenssiegerin Melat Kejeta setzte sich früh ab und lief leichtfüßig zum Sieg Das Trio Nastassia Ivanova, Betty Chepkwony (re.) und Brendah Kebeya (27) blieb der Siegerin auf den Fersen und belegte in dieser Reihenfolge die Ränge 2 bis 4 Die deutsche Lauf-Connection mit Fabienne Amrhein, Tinka Uphoff und Melina Tränkle (von links)

Eine deutsche Lauf-Connection gab es mit dem Trio Fabienne Amrhein (MTG Mannheim), Tinka Uphoff (Spiridon Frankfurt) und Melina Tränkle (LG Region Karlsruhe), die sich auf den Rängen 5 bis 7 aufhielten. "Ich hatte das Gefühl, dass meine Mitstreiterinnen langsamer wurden", berichtete Amrhein über ihr Bauchgefühl während des Rennens. Das bedeutet meistens, dass der oder die dieses Gefühl Schildernde sich von der Gruppe absetzt. So war es auch bei der 25jährigen Fabienne Amrhein, die dieses Jahr schon drei Halbmarathon-Wettbewerbe gewonnen hat (Wien, Mainz und Oxford). Tinka Uphoff sprang Amrhein nicht hinterher, behauptete sich aber auf Platz 6 mit großen Abstand nach hinten. Gesundheitliche Probleme mit einem angeschwollenen Bein bekam Melina Tränkle: Sie kämpfte sich anfangs zwar noch weiter, musste dann aber nach 6 der 8 Runden aussteigen.

BASF Volkslauf: Doppelsieg für den ABC Ludwigshafen

Beim abschließenden Volkslauf über 7,2km gab es einen Doppelsieg für den Leichtathletikverein ABC Ludwigshafen: Ungefährdet lief dort die ABC-Läuferin Annika Hock zum Sieg: Nach einer schnellen ersten Runde war die 32jährige Architektur-Bachelorette quasi allein unterwegs. "Dieses Jahr war etwas wenig los", berichtete Hock. Ihre jungen Klubkolleginnen Jasmin Koser (Platz 2) und Kyra Hochdörfer (Rang 3) kamen deutlich später an.

Fabienne Amrhein und Tinka Uphoff freuten sich sehr über ihre Plätze 5 und 6 im hochkarätigen Feld des Elitelaufs der Frauen Die Teilnehmer des BASF Volkslaufs scharen mit den Füßen und wollen vor zur Startlinie - dort gab nämlich Bürgermeisterin Eva Lohse ein kurzes Interview - pünktlich gestartet wurde trotzdem

Der ABC Ludwigshafen war auch bei den Männern des Volkslaufs erfolgreich: Lange Zeit duellierten sich dort der Vorjahressieger und Ludwigshafener Feuerwehrmann Lars Kegler und der junge Nils Steißinger (ABC Ludwigshafen). Der 19jährige Abiturient Steißinger suchte nach einer Pause seine alte Form für Wettkämpfe auf der Bahn über 800 und 100 Meter - und fand sie beim Ludwigshafener Stadtlauf: "Ich will wieder richtig fit werden für die Tartanbahn", so Steißinger. Auf der letzten Runde setzte er sich dank seiner Sprintstärke ab, Lars Kegler musste sogar noch Lennart Nies vom TC Mutterstadt vorbeilassen. Alle drei kamen jedoch noch innerhalb eines 30-Sekunden-Zeitrahmens an. Nach insgesamt einer knappen Stunde und weiteren 418 Läuferinnen und Läufer war dann Schluss mit dem Ludwigshafener Stadtlauf.

Annika Hock vom ABC Ludwigshafen war schnellste Teilnehmerin des BASF Volkslaufs Das Volkslauf-Siegertrio mit Gewinner Nico Steißlinger in der Mitte, Platz 2 für Lennart Nies (1324) und Platz 3 für Lars Kegler (1225)

Genehmigungen Routine, Programm gestrafft

"Wir sind mit allen Behörden ein tolles Team", konnte Organisationschef Thomas Gerling melden. Die Genehmigungen für einen Rundkurs in einer Innenstadt sind ja bekanntlich nicht immer die niedrigsten Hürden, bis die Läufer dann auch tatsächlich an der Startlinie stehen dürfen. Für 2017 hatte sich die Organisation bemüht, das Programm zu straffen. Tatsächlich gab es kaum Pausen zwischen den Läufen und den dazugehörenden Siegerehrungen, das Moderatoren-Duo Manuel Scriba und Jürgen Schultz war fast ununterbrochen im Einsatz.

Das kostenlose Parken im nahen Parkhaus "Walzmühle" klappte übrigens problemlos, schon bei Abholung der Startunterlagen wurden die Läufer darauf angesprochen, ob sie ein Ausfahrticket benötigen. Und dieses Ticket war nicht nur funktionstüchtig, es musste zuvor nicht einmal in einen Kassenautomat gesteckt werden.

Eines der vielen Teams beim Stadtlauf sind die Ludwigshafener "Sandbox Warriors" des Vorjahressiegers Lars Kegler (ganz rechts) Kurios: Stadtfest mit Plakaten zum Alkoholverbot
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Ein guter Tag für den Berliner Platz

Der Berliner Platz in Ludwigshafen, zentraler Ort des Stadtlaufs, genießt nicht den besten Ruf. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass die Polizei nicht die immer gleichen Meldungen ausgeben muss: Meist sind es Schlägereien unter Alkoholeinfluss. Seit vielen Jahren gibt es eine Art offizielle Sperrzone auf dem Berliner Platz und in den angrenzenden Straßen, in der das "Konsumieren alkoholischer oder alkoholhaltiger Getränke" verboten ist, und zwar Donnerstag, Freitag und Samstag, nur nicht im Winter. Diese Sperrzone ist mit vielen großen Plakaten, die das Verbot verbalisieren und grafisch darstellen, ausgestattet. Auch direkt an der Start- und Ziellinie des Stadtlaufs steht ein solches Plakat, das anzeigt, dass auf dem Berliner Platz nicht immer eitel Sonnenschein ist. Doch an diesen Tag des Ludwighafener Stadtlaufs war auf dem Platz tatsächlich Sonnenschein und von unter Alkoholeinfluss stehenden Gewalttätigen war weit und breit nichts zu sehen. Der Stadtlauf bedeutete also einen guten Tag für den weitläufigen, leicht verwinkelten Platz - es wäre schön, wenn noch mehr Tage dort so wären wie der des Stadtlaufs.

Bericht und Fotos von Hannes Blank

Ergebnisse www.br-timing.de
Info www.ludwigshafener-stadtlauf.de

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