15.6.17 - 7. Linden Leihgesterner Volkslauf

Sonne heizt bei der Läuferparty der TSG Leihgestern wieder mächtig ein

von Helmut Serowy

"Leihgestern" liegt südlich von Gießen. Wie aber kam es zu seinem Namen? Die Sage erzählt von einem Dorf "Hainchen", das früher in der Nähe von Leihgestern lag - an einer Stelle, die heute "Hainbrunnen" heißt. Dieses Dorf soll einst von einer Kriegerhorde innerhalb eines Tages so vollständig zerstört worden sein, dass anschließend keinerlei Spuren mehr zu sehen waren. Als am folgenden Tag zwei Reiter an dem zerstörten Ort vorbeikamen, schauten sie sich verwundert und ungläubig um. "Schau nur. Da lag`s gestern", sagte schließlich der eine zu seinem Begleiter.

Angeboten werden bem Leihgesterner Volkslauf Rennen für Bambini über 400 m und Schülerläufe über 1,2 Kilomete und für die Großen Rennen rüber 10 Kilometer, 5 Kilometer und Walking über 5 Kilometer
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Eine interessante Erklärung. Der in zahlreichen Varianten überlieferte Ortsname ist aber möglicherweise aus dem fränkischen "Leita" und dem lateinischen "castra" zusammengesetzt und taucht als "Letkestre"(Leihgestern) erstmals im Jahre 805 in einer Schenkungsurkunde im Lorscher Codex auf.

Wichtige vorgeschichtliche Bodenfunde zeigen, dass die fruchtbare Gegend bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war. In der Nähe läuft der römische Limes vorbei. Zur wechselvollen Geschichte des Dorfes zählen die Pest-Epidemie während des Dreißigjährigen Krieges (1628), der fast ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fielen und eine Feuersbrunst im Jahre 1796, durch die 94 von 163 Gebäuden niederbrannten. Versprengte französische Truppen hatten das Dorf in Brand geschossen und die Bewohner anschließend am Löschen gehindert.

Auch beim 7. Leihgesterner Volkslauf loderte es wieder

Offensichtlich hatten die rührigen Veranstalter ihren Pakt mit dem Wettergott um ein weiteres Jahr verlängert, denn wie von den bisherigen Läufen gewohnt brannte die Sonne wieder unbarmherzig vom strahlend blauen Himmel auf das weitläufige Sportgelände mit seinen zahlreichen Zelten und Verpflegungsständen herunter. Glücklicherweise führen die Laufstrecken über 5 und 10 Kilometer weitgehend durch den schattigen Lindener Forst, der ein für die Witterungsverhältnisse noch recht angenehmes Laufen ermöglichte.

Das Trio Moritz Weiß, Felix Pinter und Dawit Gebremichael (v.li) führt das 10-km-Feld in den Lindener Forst Noch gemeinsam unterwegs: Franziska Rachowski (re) und Ann-Kathrin Müller (li)

Die Läufer und Walker der TSG Leihgestern klinkten sich 2011 mit ihrer Laufveranstaltung in den seit über 20 Jahren erfolgreich etablierten "Familientag" des Stammvereins an Fronleichnam ein - die konsequente Ergänzung eines Sporttages, der sich mit Wandern, Radfahren und Nordic-Walking ohnehin den Breitensport auf die Fahne geschrieben hat. Die gerne und überall propagierte "Win-Win"-Situation bringt dem Familientag neue Impulse, die Läufer erwartet ein in dieser Breite selten zu findendes Angebot an Essen und Trinken über das übliche Kuchenbüfett hinaus. Zudem spricht die familiäre Atmosphäre zahlreiche Freizeitsportler an, die sonst eher selten bei Wettkämpfen anzutreffen sind.

Angeboten werden bei der Laufveranstaltung die Rennen über 10 Kilometer und 5 Kilometer, Walken über 5 Kilometer, Schülerläufe über 1,2 Kilometer und der Bambini-Wettbewerb über 400 m. Erneut zählte der Hauptlauf über 10 Kilometer zur Serien-Wertung um den Mittelhessen-Cup.

Mit einem starken Finish spurtet Moritz Weiß über 10km zu einem weiteren Erfolg Als Zweiter ist Dawit Gebremichael erneut flott unterwegs Dichtauf sicherte sich Felix Pinter als Dritter "Gold" in der M30 Vom Springreiter zum Siegläufer in der M50 umgesattelt: Stefan Kopp

Auch wenn die Streckenrekorde von Moritz Lange (33:36 min - 2012) und Melat Yisak (35:36 min - 2014) recht flott sind, finden die Starter in Leihgestern nicht den Hochgeschwindigkeits-Kurs - dafür aber eine abwechslungsreiche und schön zu laufende Waldlauf-Strecke. Einige langgezogene Steigungen bremsen Übereifrige etwas ein. Wer sich das Rennen sorgsam eingeteilt hat, kann auf den beiden letzten Kilometern über beide Langstrecken nochmal richtig angreifen.

 

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Mit insgesamt 355 Finishern konnte bei der 7. Laufveranstaltung in Leihgestern zwar nicht ganz an die Zahl der Vorjahre angeknüpft werden - bei hochsommerlicher Witterung und einem enorm dichtgedrängten Wettkampf-Programm im Juni durften die Organisatoren mit der Beteiligung dennoch sehr zufrieden sein.

Übrigens: Sieger und Platzierte wurden mit Obst überrascht. Statt Bronze-Medaillen erhielten die Dritten Kokosnüsse, statt "Silber" durften die Zweiten eine Ananas mitnehmen und die Sieger konnten den kleinen Durst mit einer Melone stillen.

Schnellster B-Jugendlicher über 10 km ist beim Hitzerennen Nils Peppler Hans Bichler vom SV Schlickeralm mischt immer wieder die M65-Konkurrenz in Mittelhessen mit schnellen Zeiten auf Weiter in der Erfolgsspur befindet sich Otto Jatsch in der M70 In der M75 liegt Hans Walter vorne

10 Kilometer

Mit Vorjahres-Sieger Moritz Weiß vom LAZ Gießen, Dawit Gebremichael vom Team Naunheim und Felix Pinter vom LC Diabü Eschenburg setzte sich über 10 Kilometer schnell das favorisierte Trio aus dem Feld der 206 Finisher ab. Kontinuierlich baute die Spitzengruppe ihre Führung aus.

Mit einem leichten Vorsprung erreichte Moritz Weiß das Sportgelände "Mühlberg". Auf der finalen Runde im idyllisch gelegenen Waldsportplatz ließ er nichts mehr anbrennen, zog voll durch und siegte sicher in 34:55 min. Sein ärgster Konkurrent der letzten Wochen - Dawit Gebremichael - blieb ihm auch in Leihgestern wieder auf den Fersen und sicherte sich mit 35:07 min den zweiten Rang. Dichtauf folgte Felix Pinter - Sieger des Jahres 2015 - nach 35:12 min, der sich mit dem Erfolg in der M30 schadlos hielt.

Etwas ruhiger ließ es David Schön vom TSV Krofdorf-Gleiberg angehen. Nach 38:02 min lief er als Vierter in der Hauptklasse zu "Bronze". Bei dem übervollen Terminkalender teilte sich auch Patrick Brandenburger vom Team LaufStil Sinn seine Kräfte sorgsam ein, lief gemütlich an um dann mit 38:31 min noch bis auf den fünften Rang und zum Sieg in der M35 nach vorne zu rennen.

Franziska Rachowski - begleitet vom Vereinskollegen Oliver Sadegholwa (Zweiter M50) - holte sich über 10 km den Siegerpokal bei den Frauen Nach längerer Pause wieder stark zurück, die Zweite und W45-Siegerin Ann-Katharin Müller Silke Lauf läuft als Dritte zum zweiten Platz in der W45 Platz vier und Erfolg in der W40 verbucht Karin Hahnfeld

Stark trumpfte auf Platz sechs Stefan Kopp vom Reit- und Fahrverein Laubach auf. Der frühere Turnierreiter ist nach seinem Umstieg auf das Laufen längst eine konstante Größe bei den Senioren und dominierte die M50 in 38:38 min vor Oliver Sadegholwad vom TSV Krofdorf-Gleiberg (39:24 min). Zur Sekunden-Entscheidung entwickelte sich das Rennen um die Medaillen in der M45, das schließlich Roman Berg von der LG Ettingshausen/Laubach mit 41:02 min vor Christoph Tillack vom TV Großen-Linden (41:03 min) gewann. In der M55 hatte Peter Wessendorf vom TSV Krofdorf-Gleiberg mit 42:05 min die Nase vor Mehmet Tanriverdi vom MTV Gießen (42:24 min).

Auf die weiteste Anreise konnte Hans Bichler vom SV Schlickeralm Stubai verweisen - er bestach zugleich aber auch mit einer exzellenten Leistung. Die zähe 10-km-Strecke mit ihren 200 Höhenmetern schaffte der Sieger der M65 in hervorragenden 42:52 min und einem Riesenvorsprung. Damit war er auch noch etwas schneller als die M60-Cracks Gerhard Schulze-Velmede vom TSF Heuchelheim (43:22 min) und Günter Lowack von der LGV Marathon Gießen (44:32 min).

Einmal mehr überzeugt W50-Siegerin Michaela Wolf auf dem sechsten Rang im Gesamtklassement der Frauen Petra Schladitz ist der erste Platz in der W60 nicht mehr zu nehmen Die A-Jugendlichen führt Laura Bareth an Im Nacken ist ihr die schnellste B-Jugendliche Sophie Schindler

In der M70 dreht Otto Jatsch vom Team Naunheim nach seinem dritten Rang beim Marathon in Gelsenkirchen weiter auf und zeigte mit 48:36 min erneut dem Serien-Sieger Wendelin Häusler vom TV Großen-Buseck (49:20 min) die Hacken. Weitere Senioren-Siege verbuchten Hans Walter vom TV Pohl-Göns mit 56:56 min in der M75 und Bodo Heil vom Lauf-Treff Butzbach nach 1:03:15 Stunden in der M80.

Nils Peppler vom TSV Krofdorf-Gleiberg lag in der U18-Konkurrenz mit 44:06 min in Front.

Zur Wiederholung des Duells um den Erfolg bei den Frauen trafen in Leihgestern Franziska Rachowski vom LAZ Gießen und Ann-Kathrin Müller vom Team Naunheim aufeinander. Nachdem sie das Rennen gemeinsam aufgenommen hatten, setzte sich Franziska Rachowski bald ab und verteidigte ihren Titel mit 39:24 min erfolgreich. Ann-Katharin Müller war nach langer Krankheitspause und dem Einstieg beim Halbmarathon in Gießen-Wieseck mit bereits überraschend schnellen 1:24:43 Stunden mit ihrem zweiten Rang in 40:16 min hochzufrieden. Die Wertung der W45 konnte sie damit überlegen vor Silke Laun vom ASC Licher Wald für sich entscheiden. Mit 42:36 min unterstrich Silke Laun als Gesamt-Dritte aber ebenfalls ihre starke Form.

M80-Sieger Bodo Heil (Mitte, Nr. 1077) hat eingangs des Rennens zahlreiche Begleiter gefunden Helga Born - durch Sehbehinderung gerade auf der holprigen Waldstrecke stark gefordert - liegt in der W65 in Front

Karin Hahnfeld vom MTV Gießen schloss das Rennen durch den Wald um Leihgestern mit dem vierten Platz im Gesamteinlauf ab. In der W40 behielt sie mit 43:24 min die Oberhand. Als Fünfte und Sechste bestätigten die stärksten Läuferinnen der W30 und der W50, Kristina Jago aus Wetzlar mit 44:17 min und Michaela Wolf vom Team Naunheim mit 45:42 min, ihre Ergebnisse der letzten Wochen.

Die W60 kontrollierte einmal mehr Petra Schladitz vom TV Kesselbach in 54:14 min. Helga Born vom Team Naunheim - durch ihre Sehbehinderung auf dem Kurs über Stock und Stein besonders gehandicapt - gewann die W65 in 63:58 min.

Bei den jüngsten Läuferinnen freuten sich Sophie Schindler vom TuS Eberstadt (51:52 min) und Laura Bareth vom TSV Krofdorf-Gleiberg (51:27 min) über die Siege bei den B- und A-Jugendlichen.

Über 5 km macht Michael Wiener (li) die Pace Im Finish schiebt sich Sarah Haustein noch an Michael Wiener vorbei M65-Geher Werner Mink hat die Konkurrenz der Walker über 5 km unter Kontrolle Ihre gute Form münzt bei den Walkerinnen Ursula David zum Gewinn um

5 Kilometer

Michael Wiener von der LG Friedberg-Fauerbach und die 3:04-Marathon-Läuferin Sarah Haustein vom Team Naunheim übernahmen beim Rennen über 5 Kilometer die Initiative.

Nach der großen Runde durch den Wald erreichten sie gleichauf das Sportgelände. Hier zog Michael Wiener das Tempo nochmals an und löste sich auf der Runde um den Rasenplatz leicht. Im Finish konnte Sarah Haustein allerdings nochmals kontern und heranlaufen. Sie Finish dann mit 18:59 min einen Schritt vor ihrem Mitstreiter, der zeitgleich die Männer-Konkurrenz für sich entschied.

Bei den Männern folgten Benjamin Griell aus Wetzlar (M35 - 19:46 min) sowie die mit 22:13 min zeitgleichen Thomas Guber und Thomas Schmidt vom Team Naunheim (M45). Gottfried Pöllmitz von der LG Asslar-Werdorf gewann die M80 in 32:56 min.

Katharina Lenhart von der TSG Leihgestern (W35 - 23:54 min) ließ sich beim Heimspiel für ihren zweiten Rang feiern. Das Duell um den dritten Rang gewann bei Zeitgleichheit Sabina Vogel aus Leihgestern (W45 - 25:14 min) vor Ann-Christin Weis vom Team Naunheim (W30).

Die Schülerinnen und Schüler werden auf ihrem 1.200-m-Kurs gleich mehrfach vom Publikum auf der Zielgeraden angefeuert Erfrischende Preise nehmen die Siegerinnen und Sieger beim 7. Leihgesterner 10-km-Lauf in Empfang
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Walking

12 Walkerinnen und Walker nahmen beim 7. Leihgesterner Volkslauf die 5-Kilometer-Strecke in Angriff. Angeführt wurden sie bei den Männern vom M65-Geher und früheren Hindernis- und Mittelstrecken-Spezialisten Werner Mink von der LG Asslar-Werdorf (34:36 min) und Ursula David vom Treiser LWT (36:56 min), die sich auf der nicht leicht zu gehenden Strecke wacker schlugen.

Schüler - Bambini

Vor einer begeisterten Kulisse stürmten 88 Schüler und Bambini innerhalb von drei Rennen über die 400-m-Runde auf dem Sportgelände in Leihgestern. Neben einer Medaille winkte den Kindern ein etwas außergewöhnlicher Preis - sie erhielten nach dem Zieleinlauf auch noch einen Pfannkuchen zur Wegzehrung.

Vor heimischen Fans liefen bei den Bambini Adrian Stankovi und Alina Laureen Ivens von der TSG Leihgestern als Schnellste nach 400 m über die Ziellinie.

Über 1.200 m siegten in der U8 Tobias Beuer von der TSG Leihgestern (4:47 min) und Aurelia Vogel (4:51 min).

Die 40 Läuferinnen und Läufer der Jahrgänge 2006 - 2009 führten Elias Vogel mit 4:19 min und Luna Pitzki von der TSG Leihgestern mit 5:03 min an.

Bericht und Fotos von Helmut Serowy

Ergebnisse www.tsg-leihgestern.de

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