16.6.17 - 14. Laatzen Leinelauf

Schöner Landschaftslauf an Weinfest gekoppelt

10km: Gwendolyn Mewes und Haftom Weldaj siegen

Teil der größten deutschen Laufserie

von Michael Schardt

Hochbetrieb herrschte am dritten Juniwochenende unter den Laufveranstaltern der Region Hannover. Wer wollte, konnte gleich vier Mal an den Start gehen. Beim Zoolauf Hannover am Donnerstag, beim Leinelauf in Laatzen am Freitag, beim Burgberglauf in Gehrden oder beim KKH-Lauf um den Maschsee am Sonntag. Das machte tatsächlich wohl niemand, aber Doppelstarts wurden durchaus registriert. So zum Beispiel von Gwendolyn Mewes, die den Burgberglauf in neuer Streckenbestzeit dominierte und tags zuvor auch in Laatzen erfolgreich war. Oder von Haftom Weldaj, der nach seinem Sieg in Laatzen noch bei einem Bahnlauf über 3000m zweiter wurde.

Nur kurz führt die Strecke des Leinelaufs vom Start weg durch die Ortschaft Laatzen ... ... überwiegend handelt es sich um einen schönen Landschaftslauf durch die Flussauen
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Vielstarter haben in und um Hannover aber nicht nur an diesem Wochenende Hochkonjunktur, sondern das ganze Jahr über. Dafür sorgt allein schon die wohl größte Laufserie der Republik, die Sparkassen-Laufserie, die aus nicht weniger als vierzig Veranstaltungen besteht und nicht nur mit einer Gesamt- und Altersklassenwertung aufwartet, sondern auch Bonuspunkte für besondere Leistungen beispielsweise über die Marathon- oder Halbmarathonstrecke vergibt. Wer es nicht auf einen vorderen Platz im Ranking abgesehen hat, der kann Läufe sammeln und bei fünfundzwanzig erfolgreichen Starts den Goldstatus, bei zwanzig Starts den Silberstatus oder bei fünfzehn Starts den Bronzestatus erwerben. Zur Registrierung gibt es einen Laufpass, in dem je die erfolgreiche Teilnahme abgestempelt wird. Auch der Leinelauf von Laatzen gehört zu dieser Serie.

Wein und Lauf

Der Leinelauf wurde dieses Jahr zum vierzehnten Mal veranstaltet, durchgeführt von der Stadt Laatzen in Zusammenarbeit mit der Spielvereinigung Laatzen von 1894. In den Anfangsjahren führte die Strecke durch die Häuserschluchten der zehn Kilometer südlich von Hannover liegenden, vierzigtausend Einwohner zählenden Stadt. Das hatte allerdings nicht sehr viel Charme, wie ein Sprecher des Organisationsteams mitteilte. Deshalb sei die Idee entstanden, den Lauf im schöneren Ortsteil Alt-Laatzen anzusiedeln und durch die Leineauen zu führen. Dabei bot sich an, das alte Rathaus als Start- und Zielpunkt zu wählen mit dem kleinen Stadtpark nebenan. Außerdem hatte man die Idee, den Lauf an das jährliche Weinfest anzubinden, welches schon viel länger existierte.

Vor Beginn des 14. Laatzen-Leinelaufs versammelten sich im Zielbereich Helfer und Streckenposten zur Lagebesprechung ... ... währenddessen nimmt gleich nebenan das jährliche Weinfest Fahrt auf

Ob das gelingen würde, war durchaus unsicher, so die Organisatoren, denn die ausstellenden Winzer mussten Eingeständnisse machen. So etwa, dass zumindest am Lauffreitag auf dem Winzerfest auch Bier und andere Getränke ausgeschenkt werden dürfen, da Läufer (nach der Anstrengung zunächst) mehr an etwas Durstlöschendem interessiert wären als an Wein. Zuletzt stellte sich die Zusammenlegung als Win-Win-Situation heraus. Das Weinfest hatte bereits am Auftakttag mehr Besucher und der Lauf mehr Zuschauer. Für alle Starter ist im moderaten Startgeld sogar ein Gutschein für ein Glas Wein inkludiert, was viele Langstreckler zum längeren Verweilen veranlasst und den Winzern höheren Umsatz einbringt. Da das Ziel unmittelbar vor dem Festplatz liegt, können die Besucher von ihren Sitzbänken aus den Einlauf bestens mitverfolgen.

3,5km: AK-Europameister Thomas Ruminski siegt

Bei den letzten Auflagen kam der Leinelauf immer auf über fünfhundert Teilnehmer, diesmal finishten allerdings nur gut vierhundert Läufer. Vermutlich war die Konkurrenz anderer Laufveranstaltungen an diesem Wochenende zu groß. Besonders ungünstig gestaltete sich die Situation beim Bambinilauf, zu dem sich nur zwei Kinder vorangemeldet hatten und sich am Veranstaltungstag so kurz vor den Sommerferien auch keine weiteren mehr hinzugesellten. Notgedrungen ließ man den Lauf für die Jüngsten ausfallen, der sonst den Reigen von fünf Wettbewerben eröffnet.

Start der Kurzstrecke über 3,5 km Nach 1500 Metern wird die Leine erstmals überquert Siegerin über 3,5 km wurde die 14-jährige Caroline Stanienda von Trias Hildesheim

Mit kurzer Verzögerung, da noch parkende Autos auf der Strecke standen, wurde der Lauf über 3,5 km um 17:30 Uhr als erstes gestartet, mit dabei viele Schüler und Jugendliche. Bei den Männern erreichte Lokalmatador Nils Büthe (MJA) als erster das Ziel und fuhr für den Veranstalterverein den einzigen Sieg des Tages ein. Er benötigte 12:17min. Den Erfolg teilte er sich mit dem zeitgleichen sechsfachen Altersklasseneuropameister Thomas Ruminski vom SVE Hiddestorf, der vierzig Jahre älter als sein junger Konkurrent ist und schon der M55 angehört. Auf dem Bronzerang landete Sven Förster (M50) aus Langenhagen in 12:37min.

Bei den Frauen gewann die 14-jährige Caroline Stanienda von Trias Hildesheim klar in 15:36min. Sie holte damit die erste Medaille ins Haus Stanienda, denn später sollte die Mama im Hauptlauf gleichfalls noch auf das Treppechen gerufen werden. Erst zehn Jahre alt ist Birte Marie Klar aus Laatzen, die in 15:53min Rang zwei belegte vor Franziska Johannes (WHK) vom Triathlonteam Braunschweig in 15:58min. Knapp achtzig Läufer und Läuferinnen hatten die Kurzstrecke in Angriff genommen.

Start über 6,5km

Raphaela Koch und Jonas Krüger siegen über 6,5km

Nach einem recht warmen Donnerstag war das Wetter am Lauftag recht günstig gewesen, von drückender Luft keine Spur. Bei etwa achtzehn Grad gingen am Freitagabend rund 120 Mittelstreckler auf den Rundkurs. Zwar hingen dichte Wolken über dem Veranstaltungsareal, aber es blieb die ganze Zeit trocken. Der kräftige, phasenweise auch böige Wind blies auf der ersten Hälfte von hinten, machte den Läufer aber später, wenn sie wieder in Richtung Ziel unterwegs waren, einige Probleme.

Recht klare Erfolge brachte die Mittelstrecke über 6,5 km. Bei den Männern konnten sich drei erfahrene Läufer aus der Region Hannover durchsetzen. Jonas Krüger (M30) dominierte dabei die Konkurrenz nach Belieben und bog als erster auf die Alte Rathausstraße, der Zielgeraden, ein. Der Mann von Hannover 96 kam nach 22:28min über die Zielmatte gelaufen, über eine halbe Minute vor dem M40er Dirk König vom Det's Race Team, der 22:59min benötigte. Bronze ging an den gleichaltrigen Timo Schertl vom TSV Victoria Linden, der nach 24:36min finishte.

Sieger über 6,5km wurde Jonas Krüger von Hannover 96 Zieleinlauf für die Mittelstreckler Bereits der W50er-Klasse gehört Siegerin Raphaela Koch an

Hinter elf meist deutlich jüngeren Läufern kam Raphaela Koch (W50) als Gesamtzwölfte ins Ziel. Die vereinslose Läuferin aus Hannover hatte am Ende über zwei Minuten Vorsprung vor der weiblichen Konkurrenz und finishte in guten 27:03min. Ebenfalls der W50er-Klasse gehört die zweite an, Iris Jeep von Det's Race Team. Sie blieb in 29:12min noch klar unter einer halben Stunde. Das gelang auch der Bronzemedaillengewinnerin Sina Seubert (W30), die für "Unter Freunden" an den Start ging. Ihre Zeit: 29:37min. - Beim Walkingwettbewerb über die gleiche Distanz siegten unter sechzehn Teilnehmern Marion Knoop-Wente (W45) von der TK Hannover in 43:41min und Carsten Senk (M45) vom BSV Gleidingen in 43:59min.

Hauptlauf ohne Überraschungen

Die Streckenführung der drei unterschiedlichen Distanzen ist so angelegt, dass der 3,5km-Lauf auf dem Parcours des 6,5km-Laufs liegt und dieser auf dem des Hauptlaufs (10km). Nachdem alle Strecken aus Alt-Laatzen hinausgeführt sind, queren sie über die gleiche Brücke die Leine und laufen linksseitig Richtung Süden, nutzen aber je unterschiedliche Brücken, um wieder auf die Ausgangsseite und nach Alt-Laatzen zurückzukehren. Der Hauptlauf ist als Naturstrecke flach und schön. Etwa zwei Drittel verlaufen in den Flussauen auf Schotterwegen, der Rest, in Ortsnähe, auf Asphalt. Die Wassernähe ist ein Charakteristikum aller Strecken. Die Läufer der beiden längeren Distanzen kamen in den Genuss einer musikalischen Bespaßung, etwa drei Kilometer vor dem Ziel. Recht genau die Hälfte aller Teilnehmer waren beim Hauptlauf unterwegs, nämlich 204 Läufer, davon ein Drittel Frauen.

Start des Hauptlaufs über 10km Die Strecke ist nicht amtlich vermessen, hat aber dennoch die exakte Länge

Als klarer Favorit über zehn Kilometer war der 26-jährige Haftom Weldaj vom TSV Pattensen, einem Nachbarort von Laatzen, anzusehen. Der aus Eritrea stammende Läufer, der eine Bestzeit von gut 31 Minuten stehen hat, musste nicht an die Grenzen gehen, um in 33:05min zu gewinnen. Sicher kontrollierte er seine zwei ärgsten Konkurrenten Steffen Lang (M30) von den Hannover Athletics und Philipp Heide (M30) vom SV Aegir 09. Lang wurde für seine gute Leistung in 33:24min mit Silber belohnt, während Heide sich ziemlich lang machen musste, um den dritten Platz in 35:38,1min sicherzustellen. Denn Jörg Kleinholz-Mewes hielt im Spurt dagegen und verpasste nur um drei Zehntelsekunden (35:38,4min) einen Podestplatz. Als Grund für seinen Lauf mit angezogener Handbremse nannte Weldajs Betreuer einen zweiten, "wichtigeren" Start beim Bahnwettbewerb im nahen Sarstedt, wo er über 3000 Meter anzutreten gedenke. Dort erreichte der gebürtige Ostafrikaner am nächsten Tag in 8:50:21min hinter Carsten Krüger aus Berlin den zweiten Platz.

Mitte in den Leineauen spielt diese Kapelle fetzige Blasmusik W60erin Marlies Rohde-Löschner wollte knapp unter einer Stunde bleiben. Sie schaffte es punktgenau in 59:59,9min

Punktgenau

Wie Weldaj, so war auch die Siegerin des Hauptlaufs, Gwendolyn Mewes (W30), am Wochenende gleich zweimal am Start. In Laatzen blieb die Vorzeigeathletin des Det's Race Teams in 37:53min als einzige Frau unter vierzig Minuten, womit sie hinter sechs Männern auf Gesamtplatz sieben kam; am Folgetag war sie beim welligen Burgberglauf in Gehrden gleichfalls siegreich in 38:46min. Damit konnte sie ihren Titel erfolgreich verteidigen und den eigenen Streckenbestwert deutlich steigern. Beim Laatzener Leinelauf hatte Mewes keine ernsthafte Konkurrenz, denn die Vizemeisterin Bianca Stanienda (W45), Mutter der 3,5km-Siegerin Caroline Stanienda, brauchte über zwei Minuten länger und verpasste etwas unglücklich in 40:01min eine Zeit mit einer "3" vorne denkbar knapp. Enger ging es beim Kampf um Bronze zu. Da konnte sich Sabrina Jaeger (W35) von den Maschsee-Sharks Hannover in 40:29min gegen die A-Jugendliche Elisa Mesenbrink aus Garbsen (4. in 41:23min) durchsetzen.

Das Siegertrio im Hauptlauf v.l.: Philipp Heide (3.), Sieger Haftom Weldaj und Steffen Lang (2.) Die schnellsten Frauen v.l.: Bianca Stanienda (2.), Siegerin Gwendolyn Mewes und Sabrina Jaeger (3.)
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Mit einer ganz anderen Zielsetzung als die Spitzenfrauen war Marathon- und Ultraläuferin Marlies Rohde-Löschner beim Leinelauf angetreten. Wie sie unterwegs dem Laufreporter erzählte, habe sie gemerkt, dass sie immer langsamer werde, wenn sie nur auf langen Strecken unterwegs sei. Deshalb, und auch, um eventuell den Goldstatus im Laufpass zu erlangen, stelle sie sich auch ab und an der Herausforderung einer kürzeren Strecke. Das Tempo sei zwar deutlich ungemütlicher als beim Marathon, sagte die 62-Jährige, aber es bringe letztendlich auch was. Sie habe sich zuletzt etwa verbessern können, während eine gleichaltrige Läuferin, die früher schneller war, nun länger bräuchte. Sie, die sonst knapp viereinhalb Stunden für den Marathon benötige, habe sich in Laatzen eine Zeit "von knapp unter einer Stunde" vorgenommen, was vermutlich nur für Platz vier in W60 reiche.

Mit der Zeit von 59:59,9 unterbot Rohde-Löschner die Stundenmarke um genau eine Zehntelsekunde. Das bedeutete - zur Belohnung - dann doch den nicht erwarteten Rang drei in ihrer AK, auch wenn in Laatzen aus Platz- und Zeitgründen nur die Gesamtsieger aufs Treppchen gerufen werden.

Insgesamt ging die Veranstaltung ohne Einschränkung sehr gut über die Bühne.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse leinelauf.de

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