24.6.17 - 8. X-Trail Run Breitnau

Deutschlands härtester Halbmarathon

Stefanie Doll gewinnt zum dritten Mal hintereinander im Naturpark Hochschwarzwald

Florian Gall gewinnt vor Tilo Minges

von Winfried Stinn

Breitnau im Hochschwarzwald, nur wenige Kilometer von Hinterzarten und 30 km von Freiburg entfernt, war zum achten Mal Austragungsort des "Salomon-X-Trail-Run". Zur Gemarkung von Breitnau gehört auch die Ravennaschlucht mit der berühmten 37 Meter hohen und 144 Meter langen Ravennabrücke. Mit rund 1700 Einwohnern ist Breitnau eher ein kleiner Ort, doch durch die internationalen Erfolge von Benedikt Doll, der in diesem Jahr Biathlon Weltmeister wurde und dem Mannschaftsweltmeister in der Nordischen Kombination Fabian Rießle, ist Breitnau weit über die Grenzen des Schwarzwaldes hinaus bekannt geworden. Der X-Trail Run ist Teil des Nordic-Walking-Gipfels, der einen Tag später mit Distanzen über 21 km, 16 km und 10 km fortgesetzt wurde. Auch dabei ging es durch den Naturpark Südschwarzwald, die Ravennaschlucht und andere reizvolle Ziele im Hochschwarzwald.

Deutschlands härtester Halbmarathon beim X-Trail Run im Naturpark Hochschwarzwald Breitnau
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Veranstaltet wird der X-Trail Run von der Skizunft Breitnau mit dem früheren Weltklasse-Bergläufer Charly Doll und Streckenchef Tobias Bach an der Spitze. Auf dem Programm standen Halbmarathon (21 km/ 900 m HD), Funstrecke (10km/ 350 m HD) und der Schülerlauf (4km/ 100 m HD). Start und Ziel waren nun zum dritten Mal nicht mehr im Fun-Park, sondern in der Ortsmitte bei der Kirche und in unmittelbarer Nähe zur Kultur- und Sporthalle. Hier war die Startnummernausgabe, hier konnte man sich noch einmal stärken und entspannen, hier fanden die Siegerehrung und das traditionelle "Nudelessen" statt. "Dass wir nun Start und Ziel in der Ortsmitte haben und damit auch die Kultur- und Sporthalle nutzen können, hat sich bewährt. Der Aufbau des Zeltes im Naturpark war mit einem hohen Kosten-und Zeitaufwand verbunden", so Charly Doll.

Breitnau - Austragungsort des X-Trail Run Breitnau - Heimat der beiden Weltmeister Benedikt Doll und Fabian Rießle

Die äußeren Bedingungen waren gut. Nach den extremen Hitzetagen, wo selbst im Hochschwarzwald das Thermometer über 30 Grad Celsius anzeigte, wurden am Veranstaltungstag Temperaturen von rund zehn Grad weniger gemessen.

Beim Halbmarathon, den die Veranstalter als härtesten Deutschlands bezeichnen, führte die durch Abwärtspassagen und zwei extreme Steilpassagen recht anspruchsvolle und landschaftlich reizvolle Strecke nach dem Start über den Höhenzug "Wirbstein", bevor es dann steil bergab durch die Ravennaschlucht mit ihren Trails, Steigen, Brücken und Treppenstufen bis hinunter zur berühmten Ravennabrücke ging. Durch die Brücke gelangen die Läuferinnen und Läufer zum Hofgut Sternen, der ein beliebter Treffpunkt für Touristen ist.

 

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Vor allem Inder haben das Hofgut Sternen als eine typische Schwarzwälder Landschaft entdeckt. Auch Johann Wolfgang von Goethe war hier 1779 zu Gast. Neben dem Goethehaus, dem Zollhaus, Andenkenläden mit Kuckucksuhren befindet sich hier eine Glasbläserei, die auch die Siegerpokale herstellten.

Der Vorjahreszweite Florian Gall gewinnt diesmal Der Vorjahressieger Tilo Minges wird Zweiter 3. Sascha Roming

Weiter führte der Streckenverlauf von hier zur Posthalte mit dem ersten steilen Anstieg. Über einen drei Kilometer lange, schmalen Panoramatrail ging es in Richtung Hinterzarten. Ein erneuter Abstieg führte durch das Löffeltal, wieder zum Hofgut Sternen. Hier machte es Sinn sich nochmals an einem Brunnen zu erfrischen und an der Verpflegungsstelle nochmals zu trinken, denn es folgte ein steiler Anstieg. Auf nur einem Kilometer mussten 350 Meter Höhenunterschied zum Piketfelsen gemeistert werden, ehe es wieder zum Ziel ging.

Bei den Männern durfte man auf das Duell des Vorjahressiegers Tilo Minges (Winden) und Florian Gall (Stuttgart) gespannt sein. Tilo Minges hat seine derzeit gute Form beim LGT Marathon in Liechtenstein unter Beweis gestellt, wo er als bester Deutscher auf Platz sieben kam. Florian Gall ging das Rennen sehr schnell an und hatte schon nach wenigen Kilometern auf den Abwärtspassagen in der Ravennaschlucht und beim Hofgut Sternen einen recht großen Vorsprung auf Tilo Minges. Als es bergauf ging, vor allem auf den letzten fünf Kilometer, schmolz der Vorsprung immer mehr.

Stefanie Doll gewinnt zum dritten Mal hintereinander 2. Binka Derkmann 3. Nicole Jäckel

Es schien nicht mehr ausgeschlossen zu sein, dass Tilo Minges seinen Vorjahressieg wiederholen kann. Doch Florian Gall konnte seinen Vorsprung bis ins Ziel retten und mit der Zeit von 1:32:19 Stunden gewinnen. "Ich bin bewusst so schnell angegangen, da ich weiß, das Tilo beim Bergauflaufen stärker ist als ich. Im Gegensatz zum Vorjahr ist meine Taktik aufgegangen. Aber ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, ob ich meinen Vorsprung halten kann." Von der Strecke schwärmt der Sieger: "Es ist ein toller Lauf, eine super Strecke, es macht Spaß hier zu laufen."

Das Goethehaus Erfrischung in einem Brunnen beim Hofgut Sternen bevor es nochmlas bergauf geht

Mit der Zeit von 1:32:58 Minuten verpasste Tilo Minges als Zweiter den Sieg um rund eine halbe Minute. "Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber es hat nicht ganz gereicht. Mit Platz zwei bin ich aber auch zufrieden." Wie im Vorjahr wurde Sascha Roming (TTC Köndringen) vor Sebastian Radecker und Frank Todt (SV Fridingen) Dritter. Matthias Arlt (AHS Freiburg), Christoph Steinbacher (KTV Bütschwil) und Patrick Metzger belegten die Plätze sechs, sieben und acht.

Über die Ravennabrücke fährt die Hölllentalbahn ... ... die Trailläufer laufen drunter hindurch

Schon auf Platz neun kam mit Stefanie Doll (SZ Breitnau) die Frauensiegerin ins Ziel. Sie feierte einen überlegenen Start-Ziel-Sieg und gewann in 1:41:47 Stunden. "Der XTrail Run gehört zu den härtesten Läufen, die ich kenne. Der ständige Wechsel zwischen bergauf und bergab ist schon sehr belastend." Spannender ging es um Platz zwei zu. Zunächst lief die Vorjahreszweite Svenja Sochart (AHS Freiburg) auf Platz zwei. Doch den zweiten Platz musste sie bei den Bergauf-Passagen wieder abgeben.

Ehrung der Schüler und Schülerinnen durch Charly Doll

Unauffällig kämpfte sich Nicole Jäckel /Tübingen) von Platz acht auf Platz zwei vor. Sie wechselte sich mit Binka Derkmann (TSF Tuttlingen) ab. Auf den letzten drei Kilometern lief dann Binka Derkmann wieder an Nicole Jäckle vorbei und sicherte sich in 1:48:32 Stunden, nach Platz fünf im Vorjahr, diesmal den zweiten Platz "Ich freue mich über Platz zwei. Mit den Temperaturen hatte ich keine Probleme. Zwischenzeitlich ging noch ein angenehmer Wind." Auf Platz drei kam Nicole Jäckel. Svenja Sochart wurde Vierte: "Mir liegt das Bergablaufen. Bergauf bin ich zu schwach, deshalb konnte ich meinen zweiten Platz nicht halten." Sandra Boschetti-Kist (TV Bühlertal) kam auf Platz fünf.

Die in der Glasbrennerei hergestellten Siegerpokale

Den 10 km Lauf gewann der noch zur Jugendklasse gehörende Marvin Kornhaas (Spraitbach) in 42:07 Minuten vor dem Norweger Sondre Michler (43:03) und Björn Pollu (SZ Breitnau). Bei den Frauen erreichte Katja Hog (SZ Breitnach) nach 2015 zum zweiten Mal als Siegerin das Ziel. Sie gewann in 48:01 Minuten. Zweite wurde Johanna Mattay (AHS Freiburg) in 49:44 Minuten. Lara Ketterer (SC Hinterzarten) kam auf Platz drei.

Die Gesamtsieger Halbmarathon Stefanie Doll und Florian Gall Die Gesamtsieger über 10 km Katja Hog und Marvin Kornhaas Der Chef des X-Trail Run Charly Doll
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Rund 400 Läuferinnen erreichten das Ziel, davon alleine 300 über die Halbmarathonstrecke. Damit wurde erneut ein Teilnehmerrekord verzeichnet. "So sehr ich mich über die hohen Teilnehmerzahlen freue, ich glaube, dass wir an einer Limitierung nicht herum kommen. Die Wege sind zu schmal für solche großen Teilnehmerzahlen. Aber bei einem Trail sollten die Wege auch schmal sein", so Doll, der insgesamt wieder ein positives Fazit zog. "Die extrem hohen Temperaturen in den vergangenen Tagen haben mir im Vorfeld schon viel Kopfschmerzehn bereitet. Deshalb bin ich froh, dass die Temperaturen heute nicht mehr so hoch waren. Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist und dass die Rückmeldungen von den Läuferinnen und Läufer positiv sind. Die Strecke kommt bei den Trail-Fans gut an."

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

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Ergebnisse www.sz-breitnau.de
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