09.06. - 10.06.17 - Bieler Lauftage - 59. 100-km-Lauf von Biel

Alles hat wunderbar geklappt

Rolf Thallinger veredelt seine Erfolgsserie

Ornella Poltéra läuft beim zweiten Start zum Sieg

von Constanze & Walter Wagner

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Viele weitere Bilder in den Foto-Impressionen im LaufReport HIER

Nach der 59. Austragung des 100 km Laufs von Biel stehen Ornella Poltéra und Rolf Thallinger erstmals in der Siegerchronik. Beide sicherten sich damit den Schweizer Meistertitel im 100-km-Lauf. Im letzten Jahr musste die 26jährige Poltéra bei ihrer Erstteilnahme die Führungsposition nach 92 Kilometern an Romy Sandra Roulet abtreten, die Sieg und Titelgewinn nach Hause brachte. Mit ihrem zweiten Platz setzte sie aber ein Ausrufezeichen. Ihr Sieg in 8:27:44 h könnte der Auftakt einer langjährigen Erfolgsserie sein, zumal es im Bereich der Ambitionierten einen Mangel an Nachwuchs gibt.

OK-Präsident Jakob Etter führt die Bieler Lauftage mit dem Original 100 Kilometerlauf in die 59. Runde
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Ein großes Kapitel seiner Lebensgeschichte ist für den Seeländer Rolf Thallinger der Bieler Hunderter. 40 Jahre wohnte er direkt an der Strecke und verfolgte wie viele in der Region aufmerksam das Geschehen.Dass seine zwölfte Teilnahme, bei regelmäßigen Platzierungen in den Top10 und bei noch keinem einzigen Rennabbruch, nach 7:28:42 h mit dem Sieg endete, dürfte ihn am meisten freuen. Doch auch an und auf der Strecke gönnten ihm viele diesen verdienten Sieg von Herzen. Freilich als Geschenk gab es den ersten Platz nicht. Nach dem er die Spitze übernommen hatte, gaben sich seine Gegner längst nicht geschlagen.

Helmut Urbach und seine Vereinskollegin Rosi Bahls vor ihrem Start. 7-mal gewann Helmut Urbach den 100km Lauf von Biel. 6:58 h war seine beste Zeit. 1966 war er das erste Mal dabei, wurde 4., ein Jahr darauf 1967 gewann er. 2016 erreichte er noch nach 18:33 Stunden als 23. der M70 das Ziel. Heute ließ es der 74jährige nach der 2. Teilstrecke bei 56,1km in 9:21 gut sein. Wäre er für den 56km langen Ultramarathon Wettbewerb gemeldet gewesen, wäre er 2. der M75 geworden.
Willy Fürst vor seiner 50. Teilnahme. Der AK65 Läufer hat eine Bieler Bestzeit von 9:58 Stunden, heute lief er nach 15:33 h ins Ziel, damit war er gut 2 Stunden schneller als 2016 (17:45). Seine Familie samt Kinder und Enkel kam mit eigens für dieses Ereignis kreierten Shirts an die Strecke Erich Wenzel, Veranstalter des Sparkassen Alb Marathon Schwäbisch Gmünd, einer der Wertungsläufe zum Europacup der Ultramarathons, in dem auch der Bieler 100km- und 56km-Lauf gewertet werden. Heute steht er vor seiner 20. Teilnahme und erreichte das Ziel nach 16:36:54 als 11. der M70. Jacqueline Keller, Siegerin des Swissalpine K78 1993 und 3x beim Schwarzwald Marathon. Ihre 100km Bestzeit steht bei 9h16, gelaufen 2010 in Biel. Heute, bei ihrer 6. Teilnahme an den Bieler Lauftagen, wird sie gemeinsam mit ihrem Bruder Bruno Werder die Mixedwertung des 100-km-Partnerlauf in 8:35:58 gewinnen

Viel mehr als kürzere Strecken sind Ultramarathonläufe geprägt von Niederlagen. Biel, nach der 100 Kilometer langen Runde als Erster zu erreichen, dafür kommen keine zehn Männer und noch weniger Frauen in Frage. Selbst diese sind sich am Start nicht sicher, die Distanz überhaupt zu schaffen. Und sogar langjährige Erfolgsserien enden überraschend mit einem vorzeitigen Abbruch, trotz sorgsamer Renntaktik, verhaltener Herangehensweise und umfangreicher Erfahrung. Es sind diese kleinen persönlichen Dramen, denn letzten Endes geht es ja nur um einen Lauf, die Kapitel für Kapitel zur Legende Bieler Lauftage beitragen, die 2017 erstmals ohne den Gründer Franz Reist stattfanden, der im Frühjahr verstorben war.

Mit dem Erlebnislauf starten die 59. Bieler Lauftage. Die Bienna Jets, ein schweizerischer American Footballverein aus Biel, führen die Teilnehmer die ersten Meter auf die erlebnisreiche 13,5 Kilometer lange Strecke von Biel direkt nach Aarberg

1998 hatte Oberst Reist im 40. Jahr als OK-Präsident mit dem Wechsel zu den Bieler Lauftagen die Geschicke in die Hände von Beat Müller gegeben. Am Hunderter, mit über 4000 Startern seinerzeit weitaus besser besucht als die teilnehmerstärksten Marathonläufe weltweit, nagten zunehmend Konkurrenzveranstaltungen. Mit Alternativdistanzen galt es die Gesamtteilnehmerzahl wieder zu erhöhen. Aus dem Sinkflug kam der Lauf über 100 km dadurch aber nicht und so manche Bemühung verlief im Sande. Anders als etwa beim Rennsteiglauf, kam es nicht einmal beim Marathon zu nennenswert großen Teilnehmerfeldern. 2006 fand der damalige Vereinspräsident Beat Müller mit Jakob Etter einen lauferfahrenen OK-Präsidenten. Mit ihm sollte der Weg aus der Talsohle führen, da waren sich viele langjährige Helferinnen und Helfer sicher.

Teilnehmer aus Deutschland kommen gern in die Schweiz zum legendären Lauf durch die Nacht. Für Sonja von Opel, der diesjährigen 3. des 73,5km langen Rennsteiglauf Supermarathon, ist es das erste Mal Auch Carsten Stegner, Deutscher 100km Meister von 2015, ist Biel-Debütant Bereits zum zweiten Mal versucht der in Kenia lebende Deutsche Ralf Klug die 100 Kilometer von Biel rückwärts in Angriff zu nehmen. Vor vier Jahren hatte er es bereits versucht, musste aber bei Kilometer 66 aufgeben. Diesmal erreichte er das Ziel nach 21:20 Stunden

Jakob Etter steht weiter zur Verfügung, wenn man ihn braucht, doch ist eine Staffelübergabe zur 60. Auflage kein Geheimnis. Und Jakob Etter weiß das Feld gut bestellt. Die Legende lebt, wenngleich manche liebgewonnene Nuance Vergangenheit bleiben wird. Vor allem ist es ihm gelungen ein fein abgestimmtes Programm zu installieren, das zur Belebung auf der 100 km Runde führt. Auch das niederschwellige Angebot des Erlebnislaufs wird sehr gut angenommen. Zum teilnehmerstarken Nachthalbmarathon scheint es auch dauerhaft zu gelingen, die zweite Ultramarathondistanz über 56 km auszubauen. Die Gesamtattraktivität ist mit etwa 3000 Finishern hoch, mit Kindern stieg die Zahl der Ergebniseinträge auf über 3600. Verschmerzen lässt es sich so leichter, dass es nur 719 Zieleinläufe beim klassischen Hundertkilometerlauf gab. Weitere 188 Teilnehmende begnügten sich mit einer offiziellen Teilstrecke, dazu kommen diejenigen, die stillschweigend den Parcours verlassen.

Start zum 100 km Lauf um 22.00 Uhr. Die Favoriten Rolf Thallinger (in Weiß) und Fabe Downs (in Grün) führen das Feld über eine 3 km lange Runde durch die Bieler Innenstadt an
Die zwei "Mega Joule" Athleten Markus Camenzind (46) und Marco Witzel (90) laufen lange gemeinsam, am Ende wird Camenzind 5. in 8:06:20 und Witzel 9. in 8:33:31. Links im hellen Trikot läuft Andreas Zinni aus Aarberg, wohin die Strecke die Läufer bei km 18 führt. Zinni wird 3. der M55 in 8:49:11

Bei 21 Grad Celsius gingen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 44 Nationen auf eine der Strecken an den Start. Nur gemächlich sank die Temperatur ohne dass es kalt wurde. Schwierigkeiten bereitet die Startzeit von 22.00 Uhr. Die Verpflegung davor - als auch die Getränke- und Nahrungsverwertung während des Laufs, gestaltet sich bei vielen als problematisch. Nicht immer gelingt es gut die Müdigkeit zu überwinden, wenngleich die relativ kurze Nacht und früh einsetzendes Vogelgezwitscher die Aufgabe erleichtern. Auch blieb die Nacht niederschlagsfrei.

Ulrich Aeschlimann (62) aus Gippingen, der schon vielmals erfolgreich den Bieler Hunderter bestritten hat, gewinnt wie letztes Jahr die M65, diesmal in 9:50:31
Draga Zbontar (mit Stirnlampe) aus Slowenien gewinnt als 14. Frau die W50, ihre Landsfrau Sanja Vebster wird 9. und 3. der W40 Der hell erleuchtete Zentralplatz verabschiedet die Läufer auf die nächsten Kilometer zunächst in die Dunkelheit

Eigentlich sehr gute Bedingungen, ohne jene entmutigen zu wollen, die es dennoch nicht schafften. Während es Willy Fürst zum 50. Mal gelang, der in 15:33 h sogar zwei Stunden schneller war als im letzten Jahr, ohne seine PB von 9:58 h zu gefährden, war für den siebenmaligen Sieger Helmut Urbach bei der 34. Teilnahme nach der 2. Teilstrecke (56,1 km) Schluss. Dabei hätte er im nächsten Jahr als 75jähriger gern zu jener Minderheit aufgeschlossen, die für 35 erfolgreiche Teilnahmen geehrt werden. Noch früher musste Sonja von Opel bei ihrem Biel-Debüt die Segel streichen. Die Dritte des Rennsteiglaufs gestand: "Ich habe eigentlich alles falsch gemacht, was man dann so auf die Schnelle noch falsch machen kann."

Gemeinsam mit den 100km Läufern gestartet, taucht Ultra-Marathon Läufer Raphael Josef als Erster auf der alten Holzbrücke von Aarberg bei km 18 auf. Er wird am Ende 6. des 56km Wettbewerbs
100km Läufer Fabe Fabe Downs und 56km Läufer Kay-Uwe Müller (gelbe Nummer) sind die ersten Verfolger Weiter folgt Gilles Champion aus Biel, er wird 2. im 56km langen Ultra-Marathon werden. Neben ihm eine Erlebnisläuferin, deren Feld bald von den 1 Stunde später gestarteten und zudem mit einer Stadtrunde belasteten Langstrecklern aufgerollt wurde

Ein Lehrstück und solches mit ihrem Einverständnis hier aufgezeigt: "Pizza um 18.00 Uhr, schlug auf den Magen. Schuhwahl noch drei Mal über den Haufen geworfen. Viel zu schnell angegangen… viel zu schnell… Anstatt 5:20 min/km war es auf den ersten 20 Kilometern ein Kilometerschnitt von 4:40 Minuten. Nach 26 Kilometern regelrecht geschockt, die Beine taten furchtbar weh, ich wollte nichts mehr zu mir nehmen und musste ständig in die Büsche. Noch 74 Kilometer weiterlaufen, nicht zu schaffen. Bei Kilometer 38 raus gegangen." Und Sonja weiter: "Zu den Anfängerfehlern kam die Tatsache, dass mein Saisonhöhepunkt dann wohl der Rennsteig war und mein Körper danach in die Pause ging, obwohl mein Kopf noch weiter wollte. Bin natürlich enttäuscht, aber es ist nur Laufen und ich weiß, dass ich die 100 Kilometer drauf hab. Nächstes Jahr probiere ich es wieder und vielleicht hab ich vorher die Distanz dann schon mal im Hellen absolviert, um ein bisschen mehr Erfahrung mitzubringen."

Sonja von Opel führt in Aarberg bei km 18 vor Ornella Poltéra das 100km Frauenfeld an
Schon an 3. Stelle folgte Marianne Okle Auf Position 4 Britta Giesen und ihr Lebens- und Laufbegleiter Frank Giesen

Vier Mal hatte ich selbst 100 km Läufe absolviert und noch keinen Lauf je abgebrochen. 1990 wagte ich mich erstmals nach Biel, dürfte aus der Erinnerung eine ähnliche Fehlerkonstellation (Currywurst mit Pommes frites) aufweisen, hatte mich noch rasch in den Elite 1 Block einsortieren lassen, raste los und stieg nach 40 Kilometern enttäuscht ins Auto. Die Strafe, ein Jahr Wartezeit bis zum ersten Biel-Finish. Constanze hatte immerhin zwei Mal das Ziel erreicht, als sie bei der dritten Teilnahme ebenfalls nach 40 km im Bus-Shuttle vorzeitig Platz nahm. Die Folge war eine dreijährige Pause, erst danach ihr erster Sieg in Biel.

Stimmungshoch in der Nacht auf der alten Holzbrücke von Aarberg
Ursula Herger aus Gurtnellen gewinnt in 9:52:56 als Achtplatzierte Frau die W60

Zu den Rennen

Das Start-Ziel-Areal vor dem Kongresshaus hat die Erinnerung an die alte Eissporthalle verdrängt, wo für Jahrzehnte der Dreh-und-Angel-Punkt des Bieler Hunderters war. Zweifellos hatte der Platz am Stadtrand seine Vorteile, war vor allem für Camper bestens geeignet, doch nun geht es gleich mit Stadtlaufatmosphäre los und die ersten Kilometer, zuschauergesäumt und mit viel Applaus, lassen leicht Unvernunft aufkommen. Vorentscheidend sind die ersten 17 Kilometer bis Aarberg aber nur im negativen Sinne. Bis hierher werden Teilnehmende am 13,5 km langen Nacht-Erlebnislauf aufgerollt, die mit früherem Start und ohne Zusatzrunde in Biel nach Aarberg aufgebrochen waren.

Nach der Brücke führt das Restaurant zur Brücke auf den Stadtplatz in Aarberg
Aarberg und Publikum gratulieren schon hier zur tollen Leistung Der erste Halbmarathonläufer Mohammed Boulama aus Biel erreicht nach 1:11:36 mit großem Vorsprung das Ziel in Aarberg

Der gemeinsame Start mit dem 56 km Ultra-Marathon verführt darüber hinaus zu einem schnellen Renntempo. Zur farblichen Unterscheidung der Startnummern tragen die "Kurzstrecken-Ultras" ein 56 km Schild auf dem Rücken. Ein Stimmungshöhepunkt erwartet alle Teilnehmer, die über die1557 erbaute Holzbrücke auf den historischen Stadtplatz einfallen. Hier ist das Ziel des Nacht-Erlebnislaufs und des Halbmarathons, der in Biel um 22:30 mit Zusatzrunde gestartet wurde. Zur weiteren Belebung des Marktplatzes, die gar nicht erforderlich wäre, sorgt der erste Wechsel der 100 km Fünfer-Stafetten. Wer hier noch einigermaßen Kontakt zur Spitze hält, mit dem ist weiterhin zu rechnen. Andersherum sagt eine gute Platzierung in Aarberg noch längst nichts aus.

Der Stadtplatz in Aarberg um Mitternacht ist gut besucht - hier befindet sich das Halbmarathonziel und der erste Wechsel für die 5er-Stafetten
Der Sehbehinderte Anton Luber vom Tandemclub Franken in Basel erreicht mit seinem Guide nach 10:33.43 Stunden das 100km Ziel in Biel

Über Lyss geht es ins Limpachtal und weiter nach Oberramsern. Hier wird nach 38 Kilometern die Nacht zum Tag. Erstes offizielles Teilstreckenziel, zweiter Stafettenwechsel, Zwischenzeitnahme. Fabe Downs führt mit 2:35:47 h bei den Hundertern vor Carsten Stegner 2:44:46 h und Rolf Thallinger 2:46:49 h. Für die prominenten Starter Bernhard Eggenschwiler, Sieger des Jahres 2015, und Lokalmatador Matthias Klotz ist hier nach 2:51:45 bzw. 2:52:06 bereits Schluss.

Wie hier in Kirchberg bei km 56 sind alle Versorgungsstellen reichlich bestückt
Steffi Häberlin lief vor 2 Jahren mit 17 Jahren das erste Mal die 100km von Biel in einer Zeit von 13:20. Heute war die Studentin der Gesundheitswissenschaften als Helferin dabei. Gemeinsam mit OK-Mitglied Markus Wenger, selbst 8facher Teilnehmer der 100km von Biel mit einer PB von 8:11 h, präsentiert sie den 56km Ultra-Marathonsieger Kay-Uwe Müller aus Deutschland

Als erste Frau erreicht Ornella Poltéra Oberramsern nach 3:04:28 h, gefolgt von Marianne Okle (W45) 3:07:54 h, Britta Giesen (W45) 3:11:09 und Kathrin Schichtl in 3:13:30 h. Sonja von Opel läuft hier nach 3:12:50 h ins Teilstreckenziel.

Der kleine Ultra-Marathon

Großer Bahnhof ist in Kirchberg, wo am Ortsrand die 56 km Ultra-Marathon-Teilnehmer ins Ziel laufen und die 100 Kilometerläufer nur noch etwas mehr als einen Marathon vor sich haben.

In Kirchberg bei km 56 führt noch immer Fabe Downs mit komfortablen Vorsprung ...
... vor Carsten Stegner und ... ... knapp dahinter Rolf Thallinger Auf Platz 4 hat sich Matthias Christen positioniert

Nach 3:47:03 h läuft Kay-Uwe Müller von der TSG Schwäbisch Hall als Sieger in Kirchberg ein. Für ihn sind die 100 km kein Thema, obwohl er schon sieben oder acht Marathons in diesem Jahr gelaufen ist. Bereits eine knappe Woche später startet er über 39km an der Zugspitze. Es war sein erster Nachtlauf und taktisch ging alles gut. Man muss ihn beim Europacup der Ultramarathons auf der Rechnung haben, denn starten will er auch beim Monschau Ultramarathon und beim Albmarathon in Schwäbisch Gmünd. Mit 2:28:06 h beim Vienna Citymarathon hat er seine Marathonbestzeit im April um wenige Sekunde gesteigert. Ihm folgten Gilles Champion aus Biel nach 3:51:43 h und Daniel Rhyner aus Thun in 4:05:54 h ins Ziel. Raphael Josef aus Winterthur, der über die Aarberg-Brücke noch führte, wurde Sechster in 4:13:01 h.

Das deutsche Ultra-Marathon Siegerpaar über 56 km in Kirchberg - Branka Hajek, die 2010 den 100km Lauf in 8:46 h gewann und Kay Uwe-Müller, der die Bieler Laufnacht das erste Mal unter seine Füße nahm
Kurzer Zwischenstopp in Kirchberg von Matthias Vettermann aus Deutschland und seiner Fahrradbegleitung. Matthias gewinnt bei seiner 15. Teilnahme in 9:06:51 die M60. Vor einer Woche lief er beim Dämmer Marathon in Mannheim einen Vorbereitungslauf für die Nacht der Nächte. Auch in Mannheim gewann er die M60 Walter Pieper aus Bochum und Begleiter auf dem Weg zum nun folgenden Emmendamm - nach Kirchberg verläuft die Strecke ca. 10 km im Stockdunklen auf dem legendären "Ho-Tschi-Minh-Pfad", einem anspruchsvollen "Trail"

Zum gefürchteten Tag der Deutschen sollten die 59. Bieler Lauftage nicht werden, doch zunächst war es Branka Hajek, die für das LAZ Salamander Ludwigsburg in 4:39:07 h den Sieg über 56 km bei den Frauen einfuhr. 2010 gewann sie den Hunderter in Biel in 8:46 h. Da sie zwei Wochen nach Biel an den Deutschen Meisterschaften im 100 km Lauf teilnehmen will, passte ihr die Distanz bestens in die Vorbereitung. Wieder hatten zwei Schweizer das Nachsehen. Es folgte Nicole Berner aus Müntschemier in 5:01:31 h vor Sandra Duisburg aus Oftringen in 5:08:06 h.

Bei den Frauen liegt bei km 56 Ornella Poltéra weit voraus und allein in Führung
Marianne Okle hat noch immer Position 2 inne Zu Britta Giesen hat sich Kathrin Schichtl (rechts) gesellt. Britta Giesen bzw. ihr Begleiter Frank muss hier in Kirchberg eine Zwangspause einlegen - da wird natürlich gewartet bis es weiterlaufen kann

Ornella Poltéra passiert Kirchberg nach 4:35 Stunden

Sollte es Ornella wie im Vorjahr ergehen, als sie nach eigener Einschätzung mit Null-Erfahrung die Führung noch auf den letzten zehn Kilometern abgeben musste? Die 26jährige Outdoor-Personaltrainerin aus Domat/Ems nahe Chur im Kanton Graubünden kommt vom Skilanglauf, hat bereits mehrmals am Engadiner Skimarathon teilgenommen. Laufen war schon immer im Training enthalten. Im April verbesserte sie sich bei ihrem siebten Marathon auf 2:58:51 h und war damit beim Vienna Citymarathon 17. und beste Schweizerin. Beim K78 Swissalpine wurde sie 2014 Dritte in 8:33:38 h und siegte 2015 beim K42 in Davos. Ihre Teilnahmen entscheidet sie kurzfristig und abhängig von ihrem Beruf www.polteratraining.ch. So stand ihr Start in Biel drei Wochen davor noch nicht fest. "Das Flache, Schnelle ist auch mal gut, vor allem da in den Bergen oftmals Schnee liegt", meint sie zu Biel.

Stets beliebt der Brunnen in Büren an der Aare - zum Waschen, Trinken oder Abtauschen - so erfrischt ist das Ziel bald in Sicht

Ornella Poltéra baute über den Emmendamm nach Gerlafingen und weiter bis Bibern nach 75 Kilometern ihren Vorsprung aus und ließ auch in der Folge nichts mehr anbrennen. Nach 8:27:44 h wurde sie von Jakob Etter im Ziel als Siegerin der 59. Austragung in Empfang genommen und als Schweizer Meisterin geehrt.

Marianne Okle aus Köniz lag für den LCA Bern schon lange auf dem zweiten Platz, doch den Abschnitt bis Bibern absolvierte Kathrin Schichtl schneller, für die der Emmendamm zur Erholung wurde. Dann wieder auf Asphalt, schmerzhaft und für die Trailläuferin ungewohnt, war Marianne Okle wieder schneller und verteidigte Rang 2 mit 8:48:25 h bis ins Ziel. Es war ihr 100km-Debüt, so die 44jährige viermalige Mutter, die mit 18 Jahren mit dem Laufsport begonnen hatte und nach eigener Aussage diesen Sport mit jedem Kind ambitionierter betrieb. "Den zweiten Platz verdanke ich meiner ganzen Familie und meinem Velobegleiter", so die W45-Siegerin, die im Training bis 82 km gelaufen war und bereits 2015 beim K78 in Davos in 8:02:34 Sechste wurde. "Die Strecke hat magische Momente, das Laufen durch die Nacht ist wunderschön, himmlisch. Es hat sich gelohnt", zog Marianne Okle ihr persönliches Resümee.

Bei den Frauen gewinnt bei ihrer 2. Teilnahme in Biel die Vorjahreszweite Ornella Poltéra den 100km Lauf und die Schweizer Meisterschaft
Marianne Okle aus Köniz folgt bei ihrem ersten Hundertkilometerlauf auf Platz 2 3. wird die Österreicherin Kathrin Schichtl (im goldenen Podestplatz-rikot). Dafür wird sie von ihrer Freundin Barbara Gönitzer, die die 56 km in 5:32:11 als 8. beendete kräftig geherzt

Kathrin Schichtl aus dem österreichischen Hohenems wurde in 8:55:12 h Dritte und W35-Siegerin. Es war ihr dritter Hunderter, aber ihr erster flacher. Sie räumte ein, dass sie doch mehr in den Bergen zuhause ist. Dass ihr der Emmendamm besonders gefiel, "wunderschön", obwohl er leicht abwärts führt, lag am trailligen Geläuf.

In Kirchberg fiel eine Frau auf, die lange, aber ungeduldig vor der Toilettenkabine wartete. Auf dem Abschnitt bis Bibern wird ihre Zwischenzeit nur als 8-beste angegeben. Doch Britta Giesen vom Laufwerk Hamburg war nicht eingebrochen, sie wartete auf ihren Lebensbegleiter und lief mit ihm zusammen - wie seit 30 Jahren im Leben - das Rennen ordentlich zu Ende und kam als Vierte und 2. W45 in 9:12:43 h ins Ziel. Ihr folgten Virginie Bagnoud als W40-Siegerin in 9:20:28 h und als Sechste Beatrice Odermatt in 9:31:17 h. Auf Einlaufrang 8 bereits die W60-Beste Ursula Herger in 9:52:56 h.

Seit 30 Jahren sind Britta Giesen und Frank Giesen aus Hamburg ein Paar. Oft auch in dieser Konstellation bei Laufwettbewerben unterwegs. Trotz zwischenzeitlicher "Ehekrise" bei km 56 läuft Britta Giesen bei ihrer ersten Teilnahme in Biel auf Platz 4 in 9:12:43 bei den Frauen. Frank, ebenfalls Biel-Debütant, wurde zeitgleich 7. der M45. 100km Läufe haben sie schon mehrere auf ihrem Konto (ihre pB 8:42, seine pB 8:51) - aber "…einmal muss man doch nach Biel", so die Aussage des glücklich Finisher-Paares
Die Zweitplatzierte Marianne Okle aus Köniz im Kreise ihrer Familie und Velobegleiter. Alle 4 Kinder, Ehemann und Eltern waren bei ihrem 100km-Debüt dabei. Erfahrung auf der ultralangen Distanz hat sie allerdings schon beim Swissalpine K78 in Davos gesammelt, bei dem sie 2015 in 8:02:34 auf Rang 6 bei den Frauen lief. Der Lauf durch die Nacht von Biel nach Biel war für sie wunderschön: `die Strecke hat magische Momente´

Rolf Thallinger mit ganz langem Anlauf zum Erfolg

Er ist ein wahrer Fan der Bieler Lauftage. Die Sorge wegen der rückläufigen Teilnehmerzahl bewegte ihn zum Handeln. Im Seeland gemeinsam mit Matthias Klotz als Trainer und mit dem Vortrag "100 km Biel - die Legende lebt" konnte man ihn buchen. So begeisterte er 2014 auch beim HVB CityLauf Forum in Aschaffenburg. Seine Mission, das was er erleben durfte, will er anderen nicht vorenthalten. Dabei war er zwar immer in die Top-Ten gelaufen und musste nie vorzeitig aufgeben, doch über zwei zweite Plätze hinaus hatte es nicht gereicht. Nun im zwölften Anlauf entwickelte sich das Rennen ganz zu seinen Gunsten.

OK-Präsident: Jakob Etter und Geschäftstellenleiterin Heidi Schlatter in gespannter Erwartung auf den Sieger des 59. 100-km-Lauf von Biel
Rolf Thallinger aus Utzenstorf gewinnt bei seiner 12. Teilnahme das erste Mal in Biel und holt sich auch den Titel des Schweizer 100km Meisters

Fabe Downs aus St. Gallen dominierte die erste Hälfte des Rennens, hatte schon in Oberramsern 11 Minuten Vorsprung auf Thallinger und 9 Minuten auf Carsten Stegner aus Nürnberg, dem deutschen 100km-Meister des Jahres 2015. Die eigenen Kräfte richtig einteilen, sich nicht mitreißen lassen von den anderen, das lehrt Rolf Thallinger auch in seinem Vortrag als die richtige Devise. Zwar hat der in Biel geborene Kommunikationsberater und PR-Fachmann seinen Wohnsitz nach Utzenstorf verlegt, doch dies ist unweit des Originalkurses, etwa in der Mitte des Emmendamms und dort trainiert er auch viel.

Zweiter wird der lange in Führung liegende 100km-Lauf-Debütant Fabe Downs aus St. Gallen
Auf Rang 3 folgt der Nürnberger Carsten Stegner Über Platz 4 beim Original und der letzten Zeit unter 8 h freut sich Matthias Christen aus Burgdorf Für seinen Sieg beim 59. Bieler 100km-Lauf bekam Rolf Thallinger von OK-Präsident Jakob Etter das goldene Leader-Trikot übergestreift

Für Fabe Downs lief es nach 40 km schlechter, aber der 31jährige Lehrer für Englisch, Sport und Naturwissenschaften an einer internationalen Schule, für den es der erste 100km Lauf war und der bis zu 180 Wochenkilometer investiert hatte, gab nicht auf. Zwischen Biberist und Bibern musste er die Führungsrolle abgeben. Thallinger und Stegner hatte eine Zeitlang die Aufholjagd gemeinsam gestalten können, nun setzte sich Rolf Thallinger routiniert ab und wurde im 12. Anlauf mit seinem Sieg nach 7:28:42 h auch Schweizer Meister. Den zweiten Platz behauptete der St. Gallener Fabe Downs in 7:37:50 h.

Bis km 95 verläuft die Strecke am Nidau-Büren-Kanal entlang. Thomas Buchser aus Kappelen, Stefan Schwab aus Walperswil und Steffen Thomas aus Berlin (von rechts) erreichen alle das Ziel in Biel knapp über 11 Stunden
Michael Münch aus Trier erreicht Biel nach 11:11 Stunden. Vor 2 Wochen lief noch als 4:30 Tempomacher beim ING Night Marathon Luxembourg. Dort war es allerdings noch dunkel als er das Ziel erreichte

Carsten Stegner überquerte nach 7:41:24 h die Ziellinie am Kongresszentrum als Dritter. Die Strecke war zu Fuß schwerer als erwartet und von den geplanten 7:20 h war er ein gutes Stück entfernt. Doch der Polizist, derzeit noch im Genuss einer 30prozentigen Freistellung, hatte keinen Grund unzufrieden zu sein. Die 100 km war er drei Wochen zuvor mit dem Rad abgefahren: "Da bin ich beinahe erfroren." Dennoch hatte er den Lauf leichter eingeschätzt. Bei seinem 100-km-Debüt wurde er 2015 in St. Leon-Rot sogleich Deutscher Meister. Dass es nicht immer so gut läuft, lernte er danach. Auch im Hinblick auf den Nachtlauf in Biel räumte er Fehler ein. Er wollte sich mit vielen Nachtschichten besonders gut einstellen, doch kam ein Hin und Her heraus und er fühlte sich schon vor dem Rennen müde und gar nicht ausgeruht. Mit 41 Jahren ist der Läufer des TSV Katzwang sechs Jahre jünger als Rolf Thallinger und es bleiben dem sympathischen Nürnberger weitere Versuche in Biel noch höher auf das Treppchen hinauf zu steigen.

Idyllisch gelegen ist Büren an der Aare und nach Sonnenaufgang gibt es auch schon ein paar neue Zaungäste, die sich zu den Nachtschwärmern gesellt haben. Für Zuschauer gibt es Rösti und Kaffee, für Läufer ein umfangreiches Versorgungspaket

Mit Matthias Christen schaffte es noch ein Teilnehmer unter 8 Stunden zu bleiben. Der M35er aus Burgdorf wurde zudem Dritter der Schweizer Meisterschaft in 7:57:16 h und verdrängte Markus Camenzind aus Altdorf aus den Medaillenrängen, 2. M35 in 8:06:20 h. Schon als Zwölfter kam M50-Sieger Denis Maquire aus Riehen in 8:38:15 h ins Ziel. Starke Leistung auch von Matthias Vettermann aus Bobenheim-Roxheim in der Westpfalz, M60-Sieger in 9:06:51 h und vor dem Schnellsten der M55, Anton Kühne aus Egliswill in 9:22:28 h.

Die schnellste 100-km-Stafette sind die LCA Bärn in 6:30:22 Stunden
Nachdem die sub-10h-Läufer im Ziel sind kehren wir noch einmal zurück an die Strecke nach Büren an der Aare bei km 88 wo uns die Skulptur "Schwerelos" von Jürg Frei zu den nicht mehr ganz so leichtfüßigen Athleten führt, die um die 12 h brauchen werden

Beliebte Einstiege - 100km-Stafette und 100km-Partnerlauf

630 Stafettenläufer waren erfolgreich, angeführt von den LCA Bärn, einer Männerstaffel in 6:30:22 h. Police Cantonale Valaisanne war in 6:41:30 h die schnellste Militär-Stafette. Das Frauen-Team La Gruyére siegte in 7:54:14 min. Gemischt waren die Biel Athletics in 6:59:53 reif fürs Podium.

An der historischen Holzbrücke von Büren an der Aare vorbei winken die letzten 12 Kilometer, auch für Sylvie und Olivier Wilt aus dem französischen Saverne, die das Ziel nach 12:10 h gemeinsam erreichen werden

Halbmarathon-Streckenrekord

567 Halbmarathon Finisher übertrafen knapp das Teilnahmeinteresse am Erlebnislauf. Sportlich überragte der in Biel lebende Marokkaner Mohammed Boulama in 1:11:40 h das Rennen durch die Nacht und siegte mit sechs Minuten Vorsprung. Bei den Frauen war Karin Jaun aus Untersee in 1:31: 40 h am schnellsten. Auch die W45-Läuferin hatte einen deutlichen Vorsprung herausgelaufen.

Musikalisch motiviert eine Alphornbläserin am Wegesrand für die letzten Kilometer
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Fazit

Mit 768 Kindern, die bereits am Donnerstag die Bieler Lauftage eröffneten kamen über 3600 Läuferinnen und Läufer in eine der Ergebnislisten. Bei den 60. Bieler Lauftagen, die vom 7.-9. Juni 2018 ausgetragen werden, sollte der runde Geburtstag wieder an die 5000 Finisher bringen, zumal sich das OK mit einer fehlerfreien Vorstellung empfohlen hat und man sich eine besondere Erinnerung ausdenken wird. Eine Sondermedaille war zudem im Gespräch, doch konkretisieren wollte das Organisationskomitee Einzelheiten noch nicht. Wer sich magische Momente nicht entgehen lassen will, sollte den Termin vormerken. Noch immer stimmt: Irgendwann musst Du nach Biel. Da kann der Laufkalender noch so aus den Nähten platzen.

Direktlink zum Porträt von Werner Sonntag (Irgendwann musst Du nach Biel - Bieler Juni-Nächte)
zum Anlass seines 90. Geburtstags am 22.6.2016 im LaufReport HIER

59. Bieler Lauftage 2017: Innehalten - Reise in innere Erfahrungswelten
Wenn Dein Kind dich morgen fragt, wonach Du lebst und handelst - was werde ich antworten? Innehalten und nachdenken: Wonach streben wir? Was trägt uns? Um diese Fragen kreisten meine Gedanken schon einige Zeit vor dem Lauf in diesem Jahr.
Vorweg: Ich habe die Strecke das zehnte Mal erfolgreich absolviert - ein kleines Jubiläum. Nach Biel war ich wieder mal übermüdet gefahren. Die Nacht zuvor unruhig geschlafen, wenig Erholung. Vorstartspannung schon viele Stunden vor dem Start. Ich reiste an mit etlichen guten Wünschen von lieben Menschen. Kurz vor dem Start: Ehrung für Jubilare: 20 Jahre, 25 Jahre - bis zur fünfzigsten Teilnahme. Ein Blick in die Runde: Anerkennung auf Augenhöhe, Respekt und Annahme des Menschen, der vor mir steht. Ob das erste Mal oder wie oft auch immer. Ganz anders als häufig im Alltag erlebt: Selbstgefällige Meinungen und Urteile. Vorverurteilungen, ohne Erfahrungswissen und meist auch ohne Faktenkenntnis.
Laufen als Spiegel der Seele
von Rüdiger Schaller im LaufReport HIER

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

Foto-Impressionen im LaufReport HIER
Ergebnisse www.100km.ch
Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

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