18.6.17 - 32. Aletsch Halbmarathon

Bilderbuchwetter beim 32. Internationaler Aletsch Halbmarathon

Shaban Mustafa und Sarah Tunstall gewinnen - Sarah Kistner läuft auf Platz 2

von Winfried Stinn

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Den 32. Internationalen Aletsch-Halbmarathon, an dem sich auf Bettmeralp im schweizerischen Wallis rund 2500 Läuferinnen und Läufer beteiligten, gewannen bei strahlendem Sonnenschein, hohen Temperaturen und wolkenlosem Himmel, der Bulgare Shaban Mustafa und die Britin Sarah Tunstall. Damit setzten sich die Favoriten durch. Den Veranstaltern war es gelungen mit dem Marathon-Europameister von 2010 Viktor Röthlin und der Weltmeisterin über die Berglauf-Langdistanz von 2015 Martina Strähl zwei absolute Top-Stars zu verpflichten. Martina Strähl war zwar auf Bettmeralp, doch musste sie krankheitsbedingt ihren Start kurzfristig absagen.

Das mehrstündige Laufevent begann mit dem Murmeltierlauf für die Kinder. Danach ertönte der Startschuss für den Aletschhalbmarathon. 21,1 km bei rund 1000 Höhenmetern mussten gelaufen werden. Vom Start bei der Bettmeralpbahn auf einer Höhe von 1950 Meter ging es zunächst durch die Ortschaft, vorbei an der Kapelle "Maria zum Schnee", eines der beliebten Postkartenmotive. Dabei war das Ziel, die Bergstation der Bettmerhornbahn, schon immer vor Augen. Über das Skigebiet und dem Murmeltier-Lehrpfad ging es zum Bettmersee. Die Strecke führte entlang des Sees mit spektakulären Aussichten auf die Viertausender des Wallis wie Dom, Täschhorn, Weißhorn und das Matterhorn.

Bettmeralp Austragungsort des Aletsch Halbmarathons Nach fünf Kilometer wird mit dem traumhaft gelegenen Bettmersee der erste landschaftliche Höhepunkt der Strecke erreicht. Von hier, auf einem recht flachen Streckenabschnitt, kann man die Viertausender des Wallis genießen
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER

Beim Blick aufs Matterhorn hat der eine oder andere sicherlich schon an das nächste Highlight im Wallis, dem Zermatt Marathon, der am 1. Juli stattfindet, gedacht. Bis zum Bettmersee war es eher gemächlich, mussten doch auf den ersten fünf Kilometern lediglich 150 Höhenmeter überwunden werden. Nach einigen Flachpassagen ging es bis nach Riederalp sogar nochmals bergab, ehe der erste richtige Anstieg auf Riederfurka zur legendären Villa Cassel, heute Zentrum der Naturschutzorganisation "Pro Natura", erfolgte.

Nach der Umrundung des Riederhorns gab es einen steilen Anstieg zur 2335 m hochgelegenen Moosfluh zu bewältigen. Hier hatte man einen wunderschönen Blick auf den Aletschgletscher, den mit 23 km längsten Alpengletscher. Es folgte nun, entlang des Gletschers und mehrerer kleiner Seen, in dem sich Berge, Gletscher und Läufer spiegelten, der wohl schönste Streckenabschnitt.

Der Murmeltierlauf für die Kinder eröffnete das mehrstündige Laufevent des 32. Aletsch Halbmarathon An Bergstation der Bettmeralpbahn fällt der Startschuss zum Halbmarathon

Der Schlussanstieg war besonders hart und wer bis hier hin seine Kräfte nicht richtig eingeteilt hatte, musste dies bitter bereuen. Auf den letzten zwei Kilometern waren bis zum Ziel bei der 2643 m hoch gelegenen Bergstation der Bettmerhornbahn, nochmals rund 350 Meter Höhenunterschied, und das in der prallen Sonne, zu bewältigen. Ein 360 Grad Rundumblick war dann der Lohn für die Mühe.

Beim Ziel konnte man fast die gesamte Strecke, mit ihren Höhepunkten, wie Bettmersee, Villa Cassel, das Riederhorn überblicken und immer wieder im Blickpunkt, die schneebedeckten Viertausender des Wallis. Wenige Minuten vom Zieleinlauf entfernt, der Gletscherblick mit Lehrtafeln über die Entstehung des Gletschers. Einige Läuferinnen und Läufer hatten noch Kraft und Muße und erklommen in rund 30 Minuten den Gipfel des Bettmerhorns auf 2872.

Der Bettmersee bei km 5 passiert Nach acht Kilometer wird die legendäre Villa Cassel in Riederalp erreicht

Nun aber zum Rennen

Der Bulgare Shaban Mustafa präsentierte sich, nur eine Woche nach seinem Sieg beim LGT Marathon in Liechtenstein, erneut in blendender Form. Nach 1:34:49 Stunden erreichte er als Erster und neuer Sieger das Ziel unterhalb des Bettmerhorngipfels. Damit hat der Vierte der Weltmeisterschaft über die Langdistanz von 2015 und Sieger des Jungfraumarathon von 2015 mit dem LGT Marathon und dem Aletsch-Halbmarathon innerhalb einer Woche zwei Berglauf-Klassiker gewonnen.

Spiegelnde Bergseen und der mächtige Aletschgletscher begleiten die Läufer

Den zweiten Platz belegte der Walliser Martin Anthamatten, der nach zwei dritten Plätzen nun zum dritten Mal beim Aletsch Halbmarathon aufs Podest lief. Martin Anthamatten, der 2015 beim Matterhorn Ultraks den 46 km Lauf gewann, lief 1:38:24 Stunden. "Mit Platz zwei hatte ich schon ein wenig spekuliert. Mit der Hitze hatte ich keine Probleme, da ich viel getrunken habe." Dritter wurde Dominik Rolli (Schweiz) vor dem Franzosen Benjamin Riddell und dem Schweizer Romeo Imhof.

Läufer und Zuschauer bevölkern die Strecke des 32. Aletsch Halbmarathon

Viktor Röthlin, der im Vorfeld verkündet hatte, dass er ohne Ambitionen an den Start gehen wird, belegte Platz neun und war nachdem Rennen total begeistert von der Strecke. "Die Strecke ist toll mit super Ausblicken, unglaublich schön. Das hat richtig Spaß gemacht hier zu laufen. Da ich mir weder einen bestimmen Platz noch eine bestimmte Zeit vorgenommen habe, konnte ich den Lauf auch so richtig genießen. Natürlich wollte ich auch nicht nur einfach hoch joggen. Ganz ohne Ehrgeiz ging es dann doch nicht. Mit Platz neun bin ich sehr zufrieden", so der frühere Marathon-Europameister, der ein Jahr vor Ende seiner Karriere 2013 beim Jungfrau Marathon mit einer sehr guten Zeit dritter geworden war.

Shaban Mustafa aus Bulgarien gewinnt den 32. Altesch Halbmarathon Martin Anthamatten aus zermatt wird 2. Ebenfalls aus der Schweiz kommt der Drittplatzierte Dominik Rolli

Bei den Frauen war nach der Absage von Martina Strähl der Weg frei für die Britin Sarah Tunstall. Die Dritte der Berglauf-Weltmeisterschaft von 2009 hatte 2015 beim Jubiläumslauf mit 1:47:12 Stunden einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Recht schnell lag sie vorne und gewann mit der sehr guten Zeit 1:47:17 Stunden. Damit verpasste sie ihren Streckenrekord, trotz großer Hitze, nur ganz knapp.

"Ich bin glücklich, dass ich erneut gewonnen habe. Bei den hohen Temperaturen habe ich nicht damit gerechnet, so nahe an meine Bestleistung heranzukommen. Ein neuer Streckenrekord war heute gar nicht drin. Vielleicht greife ich die Bestzeit im nächsten Jahr nochmals an", sagte die Siegerin nach dem Rennen.

Frauensiegerin wird die Britin Sarah Tunstall Auf Platz 2 läuft die deutsche Berglaufmeisterin Sarah Kistner Emma Pooley aus der Schweiz wird 3.

Einen ausgezeichneten zweiten Platz belegte die U20-Weltmeisterin vom Vorjahr und frischgebackene Deutsche Berglaufmeisterin Sarah Kistner (MTV Kronberg). Sie lief 1:52:16 Stunden und war damit knapp fünf Minuten langsamer als die Siegerin. "Das war ein sehr harter Lauf. Ich hatte mit der Hitze und der Höhe schon schwer zu kämpfen. Während des Laufs konnte ich auch kaum die traumhafte Landschaft genießen. Das konnte ich erst nach dem Rennen. Mit dem zweiten Platz bin ich sehr zufrieden."

Der Franzose Benjamin Riddell Chamonix Mont Blanc wird 4. Michela Segalada aus Winterthur wird 4. bei den Frauen Platz 9 für Marathonass Viktor Röthlin

Auch auf Platz drei platzierte sich mit der mehrfachen Duathlon Welt- und Europameisterin Emma Pooley aus Großbritannien eine weitere Top-Athletin. Neben ihren Erfolgen im Duathlon gewann sie 2008 bei den Olympischen Spielen die Silbermedaille im Einzelzeitfahren. Auf die Plätze vier und fünf kamen mit Michaela Segalada und Theres Leboeuf zwei Schweizerinnen.

Aus deutscher Sicht, sieht man von Sarah Kistners hervorragendem zweiten Platz ab, gibt es wenig zu berichten. Lediglich noch Sabine Gliem (MTV Kronberg) gelang als Zweite in der W55 noch der Sprung aufs Siegerpodest.

Zwei Läufergenerationen: der frühere Marathon Europameister Viktor Röthlin gratuliert der U20 Weltmeisterin des Vorjahres und Zweitplatzierten des Aletsch Halbmarathons Sarah Kistner Auch dieser Alpenblick konnte dieses Jahr bei strahlend schönem Wetter von der Strecke aus bestaunt werden

Die Aletschregion, die 2001 von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnet wurde, präsentierte sich mal wieder von ihrer besten Seite. So wurde der 32. Aletsch Halbmarathon wieder zu einem traumhaft schönen Lauf bei Bilderbuchwetter in einer Bilderbuchlandschaft. Nicht ohne Grund werben die Veranstalter mit dem Slogan "Schönster Halbmarathon Europas". Und das ist sicherlich nicht übertrieben. Der Lauf findet in der einmaligen Landschaft der Aletschregion statt. Laufen entlang des Gletschers, schmale Bergpfade, atemberaubende Ausblicke auf die schneebedeckten Viertausender, kleine, reizvolle Bergseen, einer in voller Blüte stehenden Alpenflora, all das, was das Herz eines Berglauf-Fans höher schlagen lässt.

Blick von Zielnähe auf den Bettmersee, Bettmeralp und die Walliser Alpen

Nach einem solchen Tag fiel es OK-Präsident Adi Imhof nicht schwer ein positives Fazit zu ziehen. "Das Wichtigste für uns ist zunächst einmal, dass trotz der großen Hitze es keine nennenswerten Zwischenfälle gab. Mit dem Verlauf können wir rundum zufrieden sein. Die Rückmeldungen von den Läuferinnen und Läufer waren nur positiv. Die Teilnehmerzahl mit rund 2500 ist wieder sehr hoch, und auch in der Spitze hatten wir ein gutes Feld. Dass Viktor Röthlin und Martina Strähl da waren, hat die Veranstaltung aufgewertet."

Nur wenige Minuten vom Ziel der Gletscherblick mit Lehrtafeln Zielbereich
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Der nächste Aletsch Halbmarathon findet am Sonntag, 24. Juni 2018 statt. Anmeldungen sind ab Oktober 2017 möglich."

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

Foto-Impressionen im LaufReport HIER
Ergebnisse www.aletsch-halbmarathon.ch
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