5.5.19 - 19. Heilbronner Trollinger Marathon u. Halbmarathon

Perfekte Marathonbedingungen

Wieder drei afrikanische Siege in den Hauptwettbewerben

von Günter Krehl 

2019 war für Teilnehmer des 19. Trollinger Marathons in jeder Hinsicht ein besonderes Jahr. Ohne großen Aufwand ließ sich parallel zur sportlichen Betätigung nach dem Ende der Veranstaltung noch ein Besuch der Heilbronner Bundesgartenschau anschließen. Allerdings mussten sich die mit dem Auto angereisten Sportler erstmals mit fünf Euro das Parken in der Theresienstraße erkaufen. 2020 wird dies aber wieder umsonst möglich sein.

Wohl noch nie in den vergangenen zwei Jahrzehnten herrschten so gute Wetterbedingungen wie an jenem 5. Mai 2019. Eine alte Weisheit lautet: "Wenn man nicht fröstelnd am Start eines Marathonlaufes steht, kann man keine Bestzeit laufen!" Etwa 5° und Sonnenschein bei nahezu Windstille waren um 8.45 Uhr beim Start der Marathonläufer perfekte Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wettkampf.

 
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Der Heilbronner Trollinger Marathon - ein Landschaftslauferlebnis in der größten Rotweinregion Deutschlands
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Noch immer ist Gustav Jenne, der "Vater des Trollinger Marathons" federführend in der Organisation beteiligt. Der ehemalige Mittelstreckler und Mehrkämpfer zeigt sich mit seinen 83 Jahren weiterhin voller Tatendrang und hat in der M80 noch an Wettbewerben im Kugelstoßen und Diskuswerfen teilgenommen. Am Start staunte auch er nicht schlecht, als er einen leichtbekleideten kräftigen Athleten mit einem schweren Baumstamm stehen sah. So hatte sich der Veranstalter seinen Aufruf zur Kostümierung der Teilnehmer sicher nicht vorgestellt, aber der folgende Kraftakt wurde dann doch zu einem der herausstechenden Merkmale dieser Veranstaltung.

 
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Die Brems- und Zugläufer stehen bereit für einen perfekten Marathontag Gustav Jenne, der "Vater" des Trollinger Marathons Mehmet Topyürek mit seinem auffallenden Laufutensil zuversichtlich am Start

Den Speed auf der romantischen Badstraße machten natürlich andere. Schon nach 800 Meter hatte sich Patrick Reischle von einem achtköpfigen Verfolgerfeld deutlich abgesetzt. Der Startläufer des Teusser-Teams der TSG Heilbronn vergrößerte seinen Vorsprung kontinuierlich bis auf annähernd 150 Meter. Bis Kilometer fünf lief ein Quartett mit den Schnellsten des Vorjahres Seite an Seite: Dickson Kurui (1.), Kay-Uwe Müller (2.) und Richard Schumacher (3.).

Dazu hatte sich noch der Halbmarathonsieger von 2017, Joseph Dapal, gesellt. Schumacher war dann der erste, der seine Mitstreiter Meter um Meter davonlaufen sah. Zwei weitere Kilometer später verlor auch Müller den Anschluss und der enteilte Staffelläufer Reischle wurde von den beiden Kenianern regelrecht aufgesogen. Der Heilbronner hat immerhin eine 10 Kilometer Bestzeit von 31:42, die er allerdings schon vor 10 Jahren gelaufen ist. Bei Kilometer acht übernahmen die Afrikaner die Gesamtführung und machten schließlich den Sieg unter sich aus.

 
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Start Marathon. Staffelläufer Patrick Reischle nach 800 m schon deutlich in Front Prisca Kiprono setzt sich schon auf dem ersten Kilometer klar an die Spitze des Frauenmarathons

Dickson Kurui gewann mit 2:28:31 zum dritten Mal in Folge und verbesserte seine persönliche Heilbronner Zeit um 2:44 Minuten. Der Kenianer ist auf schnelleren Strecken mindestens schon eine 2:19 gelaufen und hat unter anderem die Rennen in Bonn und Dresden gewonnen. Der Trollingerrekord von 2:20:16 seines Landsmanns Evans Kipkorir Taiget aus dem Jahre 2013 ist allerdings noch eine andere Leistungskategorie.

 
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Bis Kilometer fünf bleiben die vier Erstplatzierten des Marathons dicht beieinander (v.l. Joseph Dapal, Richard Schumacher, Dickson Kurui und Kay-Uwe Müller Kurz vor Kilometer acht wird der enteilte Staffelläufer Patrick Reischle von den beiden Kenianern Dickson Kurui und Joseph Dapal überlaufen

Joseph Dapul (1. M30) folgte mit 2:30:20 vor den beiden Dauerbrennern Kay-Uwe Müller (TSG Schwäbisch Hall/2:32:41/1. M40) und Richard Schumacher (Sparda Team Rechberghausen/2:36:28/1. M35). Knapp dahinter folgte die hochkarätig besetzte Siegerstaffel der TSG Heilbronn mit 2:36:47, die sich um nahezu 6 Minuten gegenüber dem Vorjahr steigern konnte.

Neben Reischle liefen im Team die bekannte Spitzenläuferin Veronica Hähnle-Pohl (Marathonsiegerin 2016 und 2017, damals mit dem noch heute gültigen Streckenrekord von 2:49:28), der vielfache Baden-Württembergische Meister Holger Freudenberger und die frischgebackene Bronzemedaillengewinnerin bei der DM in Düsseldorf, Isabel Leibfried. Insgesamt stehen 80 Staffeln in der Ergebnisliste und verhalfen den 545 Marathonläufern noch zu weiteren 320 Mitstreitern.

 
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Kay-Uwe Müller als 3. Marathonläufer Sieger der M40 Richard Schumacher wird 4. im Gesamteinlauf und 1. M35 Verfolgertrio Marco Diehl (7./1. M50), Florian Scholl (9./2. M35) und Kevin Schumacher (5./2. M30)

Ins Marathonziel kamen noch weitere fünf Läufer unter 2:50 Stunden ins Ziel: Kevin Schumacher (2:46:56/2. M30) lag vor Timo Striegel (2:46:48/3. M30). Mit Marco Diehl (2:47:51) belegte ein früherer Seriensieger Platz sieben und gewann nun schon in der M50. Adrian Hüttl (2:48:02/1. M) und Florian Scholl (2:49:47/2. M35) belegten die weiteren Plätze.

Bei den Frauen eilte Prisca Kiprono den Konkurrentinnen weit voraus. Die Halbmarathonsiegerin des letzten Jahres lief nun auf der doppelten Distanz 2:52:30. Rang zwei belegte überraschenderweise die Siegerin der W50, Anja Karau (TSV Kusterdingen), die 3:18:00 benötigte. Dritte wurde Sybille Mai (TG Viktoria Augsburg/3:21:43/2. W35) vor Elisabetta Cantarella (3:22:06/3. W35) und den beiden polnischen Läuferinnen Magdalena Bednorska (3:24:40/1. W30) und Dorota Chmielewska (3:26:27). Dicht hintereinander und noch unter 3:30 Stunden belegten die Plätze sieben bis neun Sylvia Schaedler (3:29:03/1. W45), Elisabeth Hering (3:29:22/1. W) und Sylvia Ellwanger (VfL Winterbach/3:29:43/2. W50).

 
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Nach Prisca Kiprono erreicht Elisabetta Cantarella als 2. den Haigern, am Ende wird sie Vierte Anja Karau auf dem Haigern an 3. Stelle, wird am Ende Gesamtzweite und 1. W50 Sybille Mai verbessert ihre Zwischenposition 5 noch auf den 3. Platz

Die Halbmarathonläufer starteten um 10.15 Uhr. Zwischenzeitlich waren Wolken aufgezogen und kaum merklich frischte der Wind etwas auf. Auf dem Haigern, kurz vor Kilometer 10, wo der unverwüstliche Siegfried Reichert seit 19 Jahren die Sportler am Ende der brutalen Steigung per Megaphon begeistert motiviert, kam Benard Koech schon mit mehr als zwei Minuten Vorsprung vorbeigeflogen. Die folgenden Läufer waren dem Laufreporter allesamt unbekannt. Patric Meinike steht für die LG Olympia Dortmund unter anderem mit 30:54 über 10 Kilometer in der Leistungsdatenbank, Ergebnisse über die längeren Strecken finden sich allerdings nicht. Auch Francesco Ballistreri hat für den TV Zell hauptsächlich Mittelstreckenergebnisse aufzuweisen, lief jedoch auf der wesentlich schnelleren Karlsruhe Strecke schon 1:15:11. Die weiteren Verfolger bretterten relativ dicht hintereinander die lange Downhillstrecke nach Talheim hinab.

Auf dem Haigern, kurz vor Kilometer 10, motiviert der unverwüstliche Siegfried Reichert seit 19 Jahren die Sportler am Ende der brutalen Steigung per Megaphon Der Haigern ist überwunden

Am Ende lief der Kenianer mit 1:09:16 einen klaren Sieg nach Hause. Patric Meinike (1. M) hielt sicher Rang zwei mit 1:14:10. Auch Francesco Ballistreri (1:15:17/2. M30) konnte seine Position behaupten, während Tobias Gärtner (TSV Degmarn/1:15:39/3. M30) sich noch um vier Plätze nach vorn schob. Die weitere Reihenfolge lautete: Christian Wiesenmayer (1:15:45/1. M40), Florian Hochuli (Tri-Team Heuchelberg/1:16:14/2. M), Markus Häcker (TSG Heilbronn/1:16:20/1. M35), Marco Holzwarth (1:16:25/2. M35) und Fabrizio Concina (1:16:36/3. M35).

Halbmarathonsieger Benard Koech schon mit mehr als zwei Minuten Vorsprung bei Kilometer 10 vorbeigeflogen Gesamtzweiter Patric Meinike bei Kilometer 12 Francesco Ballistreri hält seinen dritten Gesamtplatz bis ins Ziel

Auch bei den Frauen gab es mit Jasmin Klotz eine überlegene Siegerin. Die in Läuferkreisen nicht gerade bekannte Athletin beeindruckte mit 1:25:11 und annähernd 3 Minuten Vorsprung. Als erfolgreiche Fußballspielerin ist ihr eine zweite glänzende Karriere im Laufbereich durchaus zuzutrauen. Immerhin spielte sie 3 Jahre beim TSV Crailsheim in der 2. Bundesliga. Auch die Gesamtzweite Tatjana Ruf (1:28:01/1. W) findet man in keiner Bestenliste. Ein Zeichen mehr, dass immer wieder neue Talente auftauchen und die Szene beleben. Viele davon haben oder hätten bei entsprechender Motivation noch große Leistungssteigerungen in Aussicht. Die drittplatzierte Hannah Arndt hat diese Entwicklung schon lange hinter sich. Seit einem Jahrzehnt ist sie für den LAC Pliezhausen erfolgreich unterwegs, war schon Landesmeisterin und lief 2016 bei der DM in Bad Liebenzell den Halbmarathon in 1:20:55. In Heilbronn erzielte sie 1:28:39 als 2. W30.

Halbmarathonsiegerin Jasmin Klotz auf dem Weg nach Klingenberg Tatjana Ruf läuft auf den 2. Platz im Halbmarathon Die Gesamtdritte Hannah Arndt ist seit einem Jahrzehnt eine feste Größe im württembergischen Laufgeschehen

Geradezu sensationell muten die 1:29:27 der 58jährigen Katharina Kaufmann an, diese Zeit hätte 2018 zu Rang 4 in Deutschland gereicht. "Versteckt" für Lidl am Start, verbirgt sich die frühere Meisterläuferin der damaligen LG Regensburg, die 1999 im Team den Deutschen Titel geholt hatte. Im Marathon war die Mannschaft noch erfolgreicher und holte mit Kaufmann in den Jahren 1997, 1998, 2001 und 2003 vier Mal die Meisterschaft, wobei die ehemalige Spitzenathletin vor 22 Jahren eine 2:44:26 erzielt hatte.

Nur 4 Sekunden langsamer folgte die immer weit vorn in den aktuellen Listen stehende fünftplatzierte Sylwia Zakrzewski-Heiter (Team Ar Sport/1:29:31/1. W40). Mit geringen Abstand finishten Nicola Bräumer (1:29:39/3. W30) vor Heidi Kleiser-Winterhalder (Team Ar Sport/1:30:06/2. W40) und Sara Stark (1:30:52/1. W35) vom Mitveranstalter TSV Talheim.

Aus der Fülle der guten Seniorenergebnisse möchte ich stellvertretend das Unterländer Urgestein Wolfgang Schütz hervorheben, der die M60 in 1:23:09 mit mehr als 13 Minuten Vorsprung dominierte. Aber auch alle anderen Klassensieger bis zur M80 und W70 lieferten herausragende Leistungen ab. Der anfangs erwähnte Kraftathlet Mehmet Topyürek sei an dieser Stelle auch genannt. Bei Kilometer 12 hatte er noch einige Mitstreiter hinter sich, am Ende belegte er zwar mit 5:49:39 den letzten Platz, sein bewundernswerter Kraftakt sei hier aber mit großem Respekt erwähnt.

Das Unterländer Urgestein Wolfgang Schütz (3301) dominiert die M60 mit mehr als 13 Minuten Vorsprung Kraftathlet Mehmet Topyürek, 5:49:39 mit Baumstamm unterwegs Sieger M50: Matthias Vosseler, der schnellste laufende Pfarrer Europas

Zwar lagerten dieses Jahr bei nun 8° und bewölktem Himmel nur wenige Sportler nach dem Rennen auf dem Rasen des Frankenstadions, das Gras blieb aber trocken und die wenigen verlorenen Regentropfen auf dem letzten Teilstück des Rundkurses dürften die meisten Athleten überhaupt nicht registriert haben.

Nach meiner Bilanz waren an den beiden Sporttagen 6.611 Aktive im Ziel, damit nur 11 weniger als im Vorjahr. Die kühle Witterung hat vielleicht manchen Kälteempfindlichen vom Start abgehalten, dafür gab es kaum kreislaufbedingte Ausfälle. Im Marathon gab es einen kleinen Zuwachs mit 46 Läufern, bei den Staffeln eine Steigerung um 10, also um 40 Aktive. Der Halbmarathon nahm mit 3.776 Teilnehmer nur geringfügig um 22 ab. Beim Walken über etwa 14,4 Kilometer waren die Männern mit 310 gegenüber 808 Frauen wieder deutlich in der Minderheit. Hier dürften die niedrigen Temperaturen für den Rückgang um 119 Marschierer verantwortlich sein. Imponierend bleibt das große Teilnehmerfeld der gehenden Sportler. Überraschend erkannte ich auf der Zielgeraden Teamkamerad Udo, der als treuer Marathoni nach einer kürzlich erfolgten Knieoperation seinem Trollinger auf diese Weise die Treue halten konnte.

Die letzten Kilometer führen durch Heilbronn Kurz vor dem Stadion

Weniger Wetterglück dürften die am Samstag ausgetragenen Kinder- und Jugendläufe gehabt haben. Im ganzen Land herrschten Regen, Wind und bei fallenden Temperaturen in den Hochlagen auch Schneefälle. Umso beeindruckender war die Steigerung der erfolgreichen Nachwuchsläufer von 807 auf 852. Im Minimarathon der U8 über 800 m gab es eine Steigerung um 43 auf 205. Weil die U12 dieses Jahr sinnvollerweise nicht mehr über die doppelte Distanz antreten musste, hatte die 1,5 km lange Strecke einen Zuwachs von 180 Mädchen und Buben auf 411. Natürlich gab es deshalb einen Rückgang von 168 auf 236 Jugendliche der Klassen U14 bis U20 über 3 km.

Noch einmal wird der Startbogen unterlaufen, bevor es links ab ins Stadion geht ... dort erfolgt dann die Medaillenübergabe durch Käthchen(s) von Heilbronn
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Auch die 19. Auflage der Veranstaltung bestach durch eine hervorragende Organisation. Freundliche Helfer und eine gelassene Routine erzeugten bei Teilnehmern und Außenstehenden die bekannte Wohlfühlatmosphäre, die immer wieder für eine große Zahl von "Wiederholungstätern" sorgt. Erstaunlicherweise erschienen mir die zahlreichen Hügel bei den angenehm kühlen Temperaturen nur halb so hoch wie in heißen Vorjahren. Trotzdem war ich froh, die Abwärtspassagen auf dem Rad zurückzulegen, diese waren aber im kühlen Fahrtwind so lange und steil wie immer.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

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Ergebnisse www.trollinger-marathon.de
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