10.5.19 - Darmstädter Frauenlauf

Frauenpower im Herrngarten

von Ludwig Reiser 

Landgraf Georg I hatte gewiss nicht im Traum daran gedacht, dass sein direkt hinter dem Residenzschloss im 16. Jahrhundert geschaffener Lustgarten, der im 18. Jahrhundert von der Landgräfin Karoline schließlich nach englischem Vorbild umgestaltet wurde, unter anderem zum Ende des 20. Jahrhunderts als Sportarena einen besonderen Anstrich erhalten würde. Seit über dreißig Jahren veranstaltet nämlich der ASC Darmstadt im Verbund mit dem Darmstädter Lauftreff im Herrngarten einen Lauf für Frauen. Längst sind die internationalen Gazellen beim Darmstädter Frauenlauf Historie, den Ton geben die nicht minder eindrucksvoll für ein hohes Lauftempo sorgenden Läuferinnen vorrangig aus der Region an.

Beim Fliederlauf steht die Bewegung unter Gleichgesinnten im Vordergrund Beim Maiglöckchenlauf stehen die ambitionierten Läuferinnen an der Startlinie
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Auf der knapp 1300 m langen Rundstrecke inmitten der weitgehend von einer Mauer umgebenen "Grünen Lunge" der Darmstädter Innenstadt tummeln sich gemäß dem Konzept der Organisatoren um den langjährigen ASC-Mittel- und Langstreckentrainer und erfahrenen Veranstaltungschef Wilfried Raatz Läuferinnen aller Leistungskategorien und jeden Alters - und haben durchweg (Jahr für Jahr) ihre Freude daran, in diesem herrlichen Parkgelände zwei Tage vor Muttertag mit oder ohne größere Ambitionen zu laufen, schließlich sind die meisten Stammläuferinnen.

 
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"Die Leistung ist eher sekundär", so Wilfried Raatz, "viel wichtiger ist uns dabei, dass Frauen und Mädchen sich nach Herzenslust im Lauf- oder Walkingrhythmus bewegen können!"

Open-Air-Organisation auf dem Karolinenplatz Letzte Instruktionen zum Laufprocedere durch Organisationsleiter Wilfried Raatz

Als über viele Jahre hinweg der Frauentreff just am Muttertag durchgeführt wurde, wurden die wenig Wettkampfcharakter vermutenden Bezeichnungen für die drei Bewerbe Maiglöckchenlauf, Fliederlauf und Pusteblumenlauf kreiert, zudem wurde auf den Startschuss verzichtet.

Geblieben ist die nach Vorgaben der Leichtathletik-Fachverbände für die Aufnahme in Bestenlisten vorgeschriebene exakte Vermessung der Strecke für die ambitionierten Frauen beim Maiglöckchenlauf.

 
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Dieser misst exakt fünf Kilometer und sieht gemäß der Leichtathletik-Ordnung zudem eine Wertung in allen Altersklassen vor. Der Fliederlauf hingegen ist ein Laufangebot für Laufanfängerinnen und Walkerinnen, die Streckenlänge beträgt rund vier Kilometer, notiert wird dabei lediglich die Zeit, Sieger und Platzierte gibt es nicht. Das Startangebot umfasst allerdings auch einen Lauf für die Kids, hier ist die Spanne bis 15 Jahre, gelaufen wird bei diesem Pusteblumenlauf eine Runde über 1300 m.

Spaßfaktor hoch beim etwas anderen Lauf Der Fiederlauf bietet beste Möglichkeiten zum Mitmachen auch für Nordic Walkerinnen

Der Maiglöckchenlauf scheint mehr und mehr zum Laufsteg für die national und international erfolgreichen Läuferinnen des ASC zu werden. Ein Blick in die Historie zeigt unter anderem Alexandra Rechel und Sylvie Müller als zweimalige Gewinnerinnen in den Jahren 2006 und 2007 bzw. 2011 und 2012, die inzwischen bei Cross-Europameisterschaften für Deutschland laufende Lisa Tertsch gewann 2015. Erfolgreichste Starterin ist allerdings Simone Raatz, die 2013, 2016 und 2018 bislang schon dreimal den Maiglöckchenlauf gewinnen konnte.

Maiglöckchenlauf: Spannendes Generationenduell zwischen der 16jährigen Jule Behrens (vorne) und Masters-Topläuferin Simone Raatz Nach ihrem Start beim Gutenberg-(Halb-)Marathon ist Sylvie Müller als Dritte schon wieder flott unterwegs Stark trumpften die W55-Tops Marion Peters-Karbstein als Vierte … … und Stefanie Hock als Fünfte auf

Diese Bilanz wusste die 43jährige nun am Freitagabend um einen Sieg auszubauen. Mit insgesamt zwölf deutschen Meistertiteln ist die gebürtige Karlsruherin längst ein Garant für Spitzenleistungen geworden, dies gilt sowohl für Titelkämpfe auf der Straße, im Cross und am Berg. Allerdings musste sich Simone heuer gewaltig strecken, denn mit der erst 16jährigen Jule Behrens hatte sie eine Vereinskollegin als hartnäckigste Konkurrentin. Zwei Runden lang lief das ASC-Talent mit imponierendem Mut zum Tempo voraus, gefolgt von der routinierten Mastersfrau, die allerdings diese beiden Runden praktisch zum Einlaufen nutzte, denn sie kam erst zehn Minuten vor dem Start am Karolinenplatz an. Die Zeit reichte gerade noch, Laufschuhe anzuziehen und Startnummer zu befestigen. "Diesen Stress kannst du vor einem Lauf nun wirklich nicht gebrauchen, doch ich habe in der Vollsperrung am Walldorfer Kreuz festgesteckt und von Minute zu Minute mehr Panik bekommen, überhaupt noch rechtzeitig nach Darmstadt zu kommen!"

Starkes Trio mit Bettina Seulberger (34), Petra El Alami (im Hintergrund) und Tanja Zehnder (145) Rennentscheidende Phase beim Maiglöckchenlauf: Hinter dem Führungsrad von ASC-Langstreckler Elias Jargon startet Simone mit einer Tempoverschärfung in die dritte Runde

In der dritten von vier zu laufenden Runden übernahm Simone die Führung und legte Meter um Meter zwischen sich und der überaus mutig laufenden Jule. Die Zeiten sind für beide überragend (im Vergleich zu den erzielten Zeiten der Vorjahre): Simone Raatz erreichte nach 17:45 Minuten das Ziel, eine Zeit, die in diesem Jahrtausend (!) noch niemand auf der schnellen Herrngartenstrecke erzielt hatte. Und Jule durfte sich letztlich nach der ersten Enttäuschung über exzellente 18:06 Minuten freuen - auf einer Strecke, die bislang eher abseits ihrer Bahnambitionen mit Starts zwischen 800 m und 3000 m liegt.

Glückwunsch zu starken 5 km-Zeiten bei den Tagesschnellsten Simone und Jule Gesa (links) und Petra laufen auf die Plätze sieben und acht

Hinter diesem reizvollen und überaus spannenden Zweikampf klaffte freilich eine große Lücke, ehe mit Sylvie Müller eine weitere ASC-Läuferin nach 19:31 auf Rang drei einlief, diese allerdings mit dem Handikap, den Halbmarathonlauf beim Gutenberg-Marathon fünf Tage zuvor noch in den Beinen zu haben. Dahinter bereits zwei W55-Läuferinnen, die nicht nur Frauenlauf-Stammläuferinnen sind, sondern auch zu den besten ihrer Altersklasse in Deutschland zählen: Marion Peters-Karbstein im Trikot des TuS Griesheim wurde Vierte in 20:49 Minuten, Stefanie Hock im Trikot des Veranstalters Fünfte in 21:31 Minuten.

Herrliche Laufatmosphäre im Herrngarten Man(n) schaut zu, wenn frau läuft

So spannend und leistungsstark wie an der Spitze ging es auch im weiteren Feld der knapp neunzig Starterinnen weiter: Tanja, Bettina, Gesa, Christiane und Petra… hatten ebenso ihre Freude beim neuerlichen Auftritt im Herrngarten wie Sina, Andrea, Heidi oder Christine. Man(n) feuerte fleißig an und klatschte ausgiebig Beifall - eine besondere Atmosphäre und natürlich auch Erlebnisse, wie sie nur beim intimen Frauenlauf im Herrngarten möglich sein dürften.

Laufangebot für die Jüngsten Mia gewinnt den Pusteblumenlauf der Schülerinnen Mit einer Tüte Eis von Thilda gab es für die schnellsten Kids eine besondere Auszeichnung

Während sich die Tagesschnellsten des Pusteblumenlaufes wie Mia als besondere Dreingabe zur Siegermedaille ein köstliches Eis von der Eisfrau Thilda abholen konnten, gab es für die Siegerinnen der Teamwertung mit drei Läuferinnen in der Wertung, der ASC gewann "natürlich" mit Simone, Jule und Sylvie (55:22) vor TuS Griesheim mit Marion, Gesa und Elke (1:08:34) und Entega AG-Frauen mit Bettina, Anne und Claudia (1:17:19) neben einem Pokal auch einen Fitnesskurs beim Frauenlauf-Partner Amanusa am Ludwigsplatz.

Gute Stimmung beim etwas anderen Lauf Auszeichnung für die Schnellsten in der Mutter-Kind-Wertung
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Auch das ist ein Novum beim Darmstädter Frauenlauf: In der sogenannten Mutter-Kind-Wertung werden die sportlichen Familien quer über die drei Läufe hinweg ausgezeichnet. Tanja Zehnder und die 13jährige Emily durften sich als schnellste Familie in der Wertung Maiglöckchen- und Pusteblumenlauf feiern lassen. Der kleine "Henkelpokal" wird sicherlich in einer Vitrine einen Ehrenplatz erhalten.

Bericht von Ludwig Reiser
Fotos Thomas Laut & Ludwig Reiser

Ergebnisse www.darmstadt-laeuft.de

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