19.5.19 - 14. Dünsberglauf in Biebertal-Fellingshausen

Läufer jagen "Auf den Spuren der Kelten"

von Helmut Serowy 

Über viele Jahre organisierte der Lauf-Treff Biebertal den "Dünsberg-Berglauf" mit dem Start am Fuße und dem Ziel auf dem Gipfel des geschichtsträchtigen Dünsberges.

Anläßlich des 25-jährigen Jubiläums der offiziellen Vereinsgründung im Jahre 2006 hat der "Lauftreff Biebertal e.V." den beliebten Berglauf auf neuer Strecke wieder ins Leben gerufen. Start und Ziel befinden sich jetzt auf dem Sportplatz in Fellingshausen, der Gipfel wird nach 5 Kilometern passiert. Inzwischen richtete die Läufertruppe diese Veranstaltung zum 14. Mal aus und hat sich auch in die Laufserie um den Mittelhessen-Cup eingeklinkt.

Weithin sichtbar ist der Dünsberg mit dem krönenden Fernmeldeturm Andreas Straßner führt die Dünsbergläufer ins Keltenreich
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Nordwestlich von Gießen erheben sich zwei bemerkenswerte Bergkegel aus der weiten Landschaft, auf denen weithin sichtbar die Ruinen der Burgen Vetzberg und Gleiberg thronen. Noch gewaltiger und beeindruckender zeigt sich in unmittelbarer Nähe aber der 497 m hohe, kegelförmige und aus Kieselschiefer bestehende Dünsberg mit seinem hochgereckten Fernmeldeturm. Mit 90 Hektar besiedeltem Areal gehörte der Dünsberg zu den wichtigsten städtischen Zentren der Keltenzeit nördlich des Mains. Während der Bronzezeit - um 800 v. Chr. - siedelten hier die ersten Kelten. Um die Zeitenwende erlangte die Siedlung am Dünsberg ihre bedeutendsten Ausmaße. Organisierte Ausgrabungen und die gefundenen Gegenstände deuten darauf hin, dass am Dünsberg rund 2000 Menschen lebten.

Gut erhaltene Reste von drei mächtigen Ringwallanlagen aus verschiedenen Jahrhunderten der Eisenzeit mit vorgelagerten Spitzgräben und insgesamt 14 Tordurchlässen erinnern noch heute an die Keltenzeit. Der oberste Ringwall, der acht Meter breit ist, stammt wahrscheinlich aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. Möglicherweise wurde bereits wesentlich früher mit seinem Bau begonnen. Es wird vermutet, dass die Kelten mit ihrer Befestigungsanlage auf 500 m Höhe ihre Macht demonstrieren wollten.

Weit zieht sich bereits nach einem Kilometer das Läuferfeld auseinander

Die beiden unteren Ringwälle aus dem 3. und 1. Jahrhundert v.Chr. umschlossen und schützten das 90 Hektar große "Opposium Dünsberg" mit zahlreichen podienartigen Terrassenflächen. Die Länge der drei Ringwälle beläuft sich auf zehn Kilometer. Zu ihrer Errichtung mussten 700.000 Tonnen Erde, Steine und Holz gewonnen, transportiert und verarbeitet werden. Allein für deren Transport wären rechnerisch 1000 Mann ein Jahr lang beschäftigt. Über weite Strecken sind die einst bis zu fünf Meter hohen Wälle noch heute begehbar. Ein Archäologischer Lehrpfad, der am rekonstruierten Tangential- oder Zangentor zu Füßen des Berges beginnt, übernimmt die Führung. Durch das Eisenerz der Region und die Salzgewinnung im heutigen Bad Nauheim erlebten die Kelten am Dünsberg eine wirtschaftliche Blütezeit. Selbst eigene Münzprägungen sind bekannt.

Dass die Kelten am Dünsberg gegen die Römer kämpften, zeigen seit Jahren andauernde Ausgrabungen. Unzählige Lanzenspitzen, Schildbeschläge, Pferdegeschirre lassen auf ein militärisches Aufeinandertreffen (vermutlich um 10 v.Chr.) schließen. Diese Fundausbeute ist bereits bedeutsamer als diejenige von Kalkriese bei Osnabrück, dem mutmaßlichen Ort der Varusschlacht im Jahre 9 n.Chr. Die Kämpfe am Dünsberg haben allerdings nie den Weg in die Geschichtsschreibung gefunden. Die Kelten scheinen danach aber spurlos aus dem Gebiet verschwunden zu sein. Stattdessen errichteten die Römer später nur wenige Kilometer entfernt in Waldgirmes im Lahntal die bisher älteste bekannte römische Zivilsiedlung nördlich der Alpen.

Der Dünsberglauf führt über 4,5 keltische Leugen (10 Kilometer). Nach dem Start auf dem Sportplatz in Fellingshausen (285 m nN) verläuft die anspruchsvolle Strecke mit ihren 270 Höhenmetern Anstieg und Abstieg mit 5-12 % Steigung überwiegend entlang der Ringwälle der ehemaligen Keltenstadt bis zum Gipfel (500 m nN). Über den Elisabethenpfad - auf dem einst die Heilige Elisabeth von Thüringen zum Kloster Altenberg wanderte - vorbei an historischen Ausgrabungsstätten, beeindruckenden Holzskulpturen und der Verpflegungsstelle "Schulborn" geht es zur Gipfelraststätte hinauf und anschließend in teilweise rasanten Abfahrten zurück zum Sportplatz in Fellingshausen.

Große Truppen ziehen friedlich an den Ringwällen vorbei Walker beschließen die Karawane auf dem Weg durch den ergrünenden Wald

Gleichzeitig mit dem Hauptlauf wird als Jedermannlauf ein Rennen über 2,7 keltische Leugen (6 Kilometer) gestartet. Die Starter auf der kürzeren Distanz ersparen sich die heftige finale Steigung zum Gipfel.

"Der Dünsberglauf ist eine Symbiose aus Sport, Natur, Kunst, Kultur und Geschichte", freuen sich die Veranstalter über ihren geschichtsträchtigen und kräfteraubenden Lauf. Zu den Besonderheiten der Strecke zählt nämlich auch der "Kunstweg". Aus mächtigen Eichenstämmen haben hier Künstler mehrere teils keltische, teils moderne Skulpturen geschaffen, deren Thema die uralte Geschichte des Dünsbergs ist. Dazu zählt die "Eule am Eulenkopf", "Der Wächter am kleinen Dünsberg", der "Mächtige Adler", der "Grüne Mann". 180-jährige Eichen hatte die Revierförsterei Königsberg zur Bearbeitung der Skulpturen vorbereiten lassen, die den Dünsberg seither weiter bereichern.

Die rührigen Veranstalter vom Lauf-Treff Biebertal konnten sich mit den Läufern am Sonntagmorgen über herrlichen Sonnenschein und milde Temperaturen freuen. 211 Finisher nahmen die teilweise steilen, aber schön zu laufenden Wege unter die Füße und sorgten damit für eine weitere Teilnehmer-Steigerung.

Andreas Straßner zieht sein Rennen trotz klarer Führung voll durch Stark ist auch Niklas Raffin als Zweiter unterwegs Sein Sturzmissgeschick nimmt der Dritte, David Schön, gelassen hin Als Vierter gewinnt Claudius Pyrlik die M45

10 Kilometer (4,5 keltische Leugen)

Nach zweiwöchiger Erholung stellte sich im großen Pulk der Dünsberg-Angreifer auch der mehrfache deutsche Mannschafts- und Seniorenmeister auf den Langstrecken, Andreas Straßner, der Herausforderung am Berg. Der "Wings for Life World Run"-Sieger von München 2018 und damit zugleich schnellster weltweiter Läufer dieser globalen Benefiz-Veranstaltung hatte vor zwei Wochen den "Wings-Lauf" 2019 in der Hitze von Rio de Janeiro mit 61,25 Kilometern gewonnen und als weltweit viertschnellster Läufer erneut eine Top-Leistung erbracht. Nach langer Vorbereitung auf die Ultra-Strecke war der Dünsberglauf der erst zweite Wettkampf der Saison für Andreas Straßner, der seit dieser Saison für das im Wetzlarer Stadtteil angesiedelte Team Naunheim startet.

Vom Start weg zog er das Rennen zügig durch und setzte sich gleich von der recht starken Konkurrenz ab. "Ich bin auch die Bergab-Passagen kraftvoll durchgelaufen, obwohl da Muskelpartien angesprochen werden, die sonst nicht so gefordert sind", zeigte er sich nach der schnellen Trainingseinheit zufrieden.

Mit beachtlichen 34:27 min schloss Andreas Straßner den Lauf auf der anspruchsvollen Strecke ab. Zugleich gewann er überlegen die M40. Schnell unterwegs war auch der immer stärker auftrumpfende Nachwuchsathlet Niklas Raffin vom TSV Krofdorf-Gleiberg, der mit 35:49 min ein TSV-Trio anführte. Unglücklich verlief das Rennen für den drittplazierten David Schön, der eine Kurve zu schnell ansteuerte, stürzte und damit den Anschluss verlor. Mit 36:40 min siegte er in der M30. Triathlet Claudius Pyrlik lief dahinter mit 37:22 min zum Erfolg in der M45.

Die M50 führt Thomas Förster an In der M55 ist Carsten Bock ungefährdet Hans-Peter Schäfer feiert den Erfolg in der M60 Einmal mehr liegt Günter Lowak in der M65 in Front Die M70 gewinnt Lothar Barth

Auch die Zweiten der M40 und der M30, Christoph Kahn vom Tuspo Hörbach (37:40 min) und Sören Plag vom LC Mengerskirchen (37:52 min) blieben als Fünfter und Sechster noch unter der Siegerzeit des Vorjahres. Hinter Johannes Sören Gärtner vom TSV Krofdorf-Gleiberg (40:16 min) sicherte sich Tobias Klingelhöfer vom RSV Wommelshausen (40:39 min) den Erfolg in der M35.

Weit vorne landete der M50-Sieger Thomas Förster vom TV Wetzlar nach 41:46 min. Weitere Goldmedaillen erliefen sich bei den Senioren Carsten Bock vom Treiser LWT (44:16 min) in der M55, Hans-Peter Schäfer vom MTV Gießen (46:59 min) in der M60, Günter Lowak von der LGV Marathon Gießen (45:52 min) in der M65, Lothar Barth aus Kirchvers (55:20 min) in der M70, Kurt Felde von der LGV Marathon Gießen (1:03:03 Stunden) in der M75 und der vielfache hessische Seniorenmeister auf den Langstrecken bis hin zum Marathon, Helmut Scholtz vom TSV Krofdorf-Gleiberg (1:01:20 Stunden), in der M80.

Als erste Läuferin erreichte über die 4,5 Leugen Katja Mergenthal (Team Delta Bike) den Dünsberg-Gipfel mit seinem hoch aufragenden Fernmeldeturm. Ihren Vorsprung verteidigte sie erfolgreich bis zum Zieleinlauf vor dem Sportlerheim in Fellingshausen. Mit herausragenden 40:47 min holte sie sich zudem "Gold" in der W40. Überragend war aber auch wieder die Leistung von W45-Siegerin Silke Lauf vom ASC Licher Wald, die sich an die Fersen von Katja Mergenthal heftete. Nur sieben Sekunden zurück schaffte sie mit 40:53 min den zweiten Rang. Die Vorjahres-Siegerin steigerte sich damit um gleich 2:45 Minuten.

Ausgezeichnet schlägt sich Frauensiegerin Katja Mergenthal Ihr an den Fersen hängt allerdings bereits die W45-Siegerin Silke Laun Daumen hoch: Kristina Jago siegt als Dritte in der W30 Vierte und W30-Zweite wird Vorjahres-Zweite Veronika Wesp

Hochzufrieden war auf dem dritten Rang auch Kristina Jago (Praxis für Osteopathie Ben Griell), die nach einem Halbmarathon und dem Firmenlauf in Gießen den dritten Wettkampf innerhalb einer Woche in 42:28 min abschloss und die W30 anführte. Zweite der W30 wurde die Vorjahres-Gesamtzweite Veronika Wesp aus Marburg, die nach 44:41 min den vierten Platz erreichte.

Auf den Plätzen fünf und sechs folgten die Schnellsten der W35 und der Frauen-Hauptklasse, Tina Feix von der LG Asslar-Werdorf (47:48 min) und Lisa Marie Bürgel vom ASC Weißbachtal (48:17 min). Hinter Sonja Gabriel vom ASC Dillenburg (49:16 min) gewannen Sam Franken von der LGV Marathon Gießen (49:36 min) die Jugendwertung und Bettina Zenelji vom Team Naunheim (50:27 min) die W50. Die W55 führte Elke Rudel-Alber von der LGV Marathon Gießen (53:59 min), die W60 Rosi Hausner vom Treiser LWT mit starken 52:19 min, die W65 Ilse Hammer (1:03:10 Stunden), die W70 Charlotte Kraushaar vom ASC Licher Wald (1:00:49 Stunden) und die W75 Noelia Pohl vom Stadt-Lauf-Treff Gießen (1:22:19 Stunden) an.

6 Kilometer (2,7 keltische Leugen)

Die gemeinsam mit den Langstrecklern gestarteten "Jedermänner und -frauen" sowie Walker und Nordic-Walker erwartete eine ebenfalls fordernde Berglauf-Strecke. Nach drei Kilometern - an der Verpflegungsstelle Schulborn - durften sie allerdings geradeaus weiter in Richtung Ziel laufen. Sie hatten nur noch einen kürzeren Anstieg zu bewältigen, während hier für die Langstreckler auf einer Wendepunkt-Strecke zum Gipfel die härteste Steigung folgte.

Über 6 km läuft Christian Köhler weit vor der Konkurrenz her Die Frauenwertung gewinnt Stephanie Schreiber Bis zum Zielstrich kämpfen die Walker Günther Seefeld und Jürgen Viehl um die Krone

Christian Köhler von der Gießener Rudergesellschaft erarbeitete sich hier mit 24:10 min einen Riesenvorsprung. Eng wurde dagegen die Entscheidung um die Silbermedaille. Steffen Moritz aus Butzbach wehrte sich auf der abschließenden Sportplatz-Runde erfolgreich und hielt mit 26:37 min den ebenfalls für die Gießener Ruderer startenden Ulrich Köhler (26:47 min) in Schach.

Von den Zuschauern gebührend gefeiert wurde als Gesamt-Vierter der U12-Schüler Hendrik Kahn vom Tuspo Hörbach, der noch recht locker nach 32:49 min seine finale Runde abschloss.

Gemeinsam im Gehschritt unterwegs, die Walkerinnen Uschi David (332) und Heidi Kremzow (334) Siegerehrung über 4,5 Leugen (10 km): 2. Niklas Raffin, Sieger Andreas Straßner und 3. David Schön (v.li)
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Ungefährdet gewann auch Stephanie Schreiber vom Team Naunheim nach 31:09 min die Frauen-Konkurrenz vor der W40-Läuferin Viktoria Hofmann vom SV Kirchvers (31:40 min). Im Kampf um "Bronze" fing Anna Langstroff aus Butzbach (35:09 min) auf der Zielgeraden noch Elke Kovacs (W55 - 35:12 min) vom SV Kirchvers ab.

Die Walker führte das verbissen bis zur Ziellinie kämpfende Duo Günther Seefeld (Laufteam nie daham, M70) in 40:38 min und Jürgen Viehl (Dexion-Walkingtreff, M65) in 40:40 min vor M70-Geher Werner Mink (LG Asslar-Werdorf, 42:51 min). Mit Uschi David (46:18 min), Heidi Kremzow (beide Treiser LWT, 46:57 min) und Larissa Seefeld vom Laufteam nie daham (47:42 min) lagen bei den Frauen drei W65-Starterinnen in Front.

Bericht und Fotos von Helmut Serowy

Ergebnisse www.lt-biebertal.de

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