12.5.18 - 13. ING Night Marathon Luxembourg

Nachtmarathon: Immer größer - immer bunter
von Michael Schardt 

Nobody Mark Kangogo siegt mit Streckenrekord - nur eine Frau unter 3h

Es ist von mehreren Superlativen zu berichten, was die dreizehnte Auflage des ING Night Marathons Luxemburg vom 12. auf den 13. Mai betrifft. Mit 16.000 Anmeldungen hatte man rund 1000 Teilnehmer mehr am Start als im Vorjahr und damit eine Rekordbeteiligung erreicht.

Auch das Rahmenprogramm, ein akustisches wie optisches Spektakel in Festivalatmosphäre, wurde mit 300 Sambatrommlern, rund fünfzig Musikgruppen und DJs sowie Zehntausenden von stimmungsfreudigen Zuschauern größer aufgezogen denn je.

 
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Das sportliche I-Tüpfelchen setzte der kenianische Außenseiter Mark Kibiwot Kangogo nach rund zwanzig Kilometern Sololauf mit einem bemerkenswerten neuen Streckenrekord auf dem anspruchsvollen Kurs in 2:12:10 Stunden. Damit war er 47 Sekunden schneller als der zweimalige Gewinner John Kipkorir Komen 2016, der sich diesmal in 2:13:35h mit dem zweiten Platz zufrieden geben musste.

Der Luxemburg Marathon bietet Kontraste. Bei einer Startzeit um 19 Uhr und Zielschluss weit nach Mitternacht bleiben Hell-Dunkel-Effekte als prägende Wahrnehmung in Erinnerung
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Weniger imposant hingegen waren die Leistungen im Frauenmarathon. Da lief die marokkanische Mitfavoritin Fatima Achlafta nur den Halbmarathon und wurde dort fünfte, während die äthiopische Topathletin Lakelesh Feysa Dera zu schnell anging, später einbrach, aber in der eher enttäuschenden Zeit von 2:51:33h dennoch klar gewann, weil keine weitere Läuferin unter drei Stunden blieb. Weit vom bestehenden Streckenrekord entfernt blieb auch die deutsche Siegerin Anna Herzberg im Halbmarathon sowie der Männersieger Sempere Fsehatsion aus Eritrea.

Mit 1271 Finishern im Marathon wurde der beste Wert seit zehn Jahren erreicht; im Halbmarathon wurde sogar mit 7529 erfolgreichen Zieleinläufen ein neuer Rekord aufgestellt, der die bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr fast um 1000 Teilnehmer steigerte.

Auf dem ersten Streckenabschnitt wird das Europaviertel umkurvt. Glas, Stahl und Beton bilden hier, bei km 2, die Kulisse Die Veranstaltung wird von Jahr zu Jahr immer beliebter

Grenzen ausloten

Sieht man sich die Finisherzahlen über die dreizehn Jahre des Bestehens des Nachtmarathons an, dann fällt auf, dass in der Königsdistanz kein Entwicklungspotential zu stecken scheint. Seit 2009 liegt die Finisherzahl konstant bei 1150 bis 1200, darunter immer nur ein verhältnismäßig kleiner Anteil von Frauen. Schnell war die anfängliche Euphorie zurückgegangen, als es nach der Premiere 2006 mit 2025 Zieleinläufen bei der zweiten Auflage nur noch 1666 Läufer ins Ziel schafften und diese Zahl erneut im dritten Jahr auf 1338 Finisher fiel. Grund für die ernüchternden Zahlen dürfte vor allem der schwierige Kurs mit den vielen Höhenmetern sein, der vermutlich eine abschreckende Wirkung auf die Teilnehmer ausübt. Da nutzte es in den letzten Jahren auch nur wenig, das Unterhaltungsprogramm speziell für die Marathonis immer mehr auszubauen. Belebung auf der Marathonstrecke wurde durch die Einführung des Staffelwettbewerbs erreicht, an dem bei der neuesten Auflage 700 Teams mit 2800 Läufern und Läuferinnen teilnahmen.

Ganz anders sieht es hingegen beim Halbmarathon aus, der auf einem zwar welligen, aber gut zu belaufenden Kurs abgewickelt wird. Hatte man im Premierejahr 2329 Läufer ins Ziel gebracht, steigerte sich die Zahl Jahr um Jahr kontinuierlich und erreichte 2017 den damaligen Rekordwert von 6669 Finishern. Jetzt, bei der 13. Edition, konnte man erneut ein Topergebnis feiern, denn 7529 Starter kamen ins Ziel, davon 2346 Frauen (31,5 Prozent).

 
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Die Führungsgruppe des Marathon bei km 5 sowie die Verfolger mit dem Führenden im HM, Semere Fsehatsion (weiße Startnummer) Derweil "versteckt" sich die führende Marathonfrau, Lakelesh Feysa Dera aus Äthiopien, in einem Männerpulk

Herausforderung

Der Nachtmarathon war - wie schon in den letzten Jahren - bereits Wochen vor dem Termin ausgebucht - und zwar für alle Strecken (Marathon, HM, Teamstaffel, Minimarathon und Miniminimarathon). Man hatte die Obergrenze pauschal jährlich um 1000 Teilnehmer erweitert und 2018 den Deckel bei 16.000 Meldungen zu gemacht. Die Vergrößerung der Veranstaltung läuft damit kontrolliert ab und soll sich demnächst an die Grenze von 20.000 Teilnehmer herantasten. Eine logistische Kraftanstrengung ist die Durchführung des Laufs bei der besonderen Topographie der Stadt und ihrem engen Stadtkern schon jetzt; in Zukunft wird die Veranstaltung eine weit größere Herausforderung für die Organisatoren werden und vielleicht bald an ihre Grenzen stoßen.

Für die Startnummernausgabe, die Pastaparty und die Kleiderbeutelabgabe stehen die großzügige Expohallen "The Box" zur Verfügung und bieten genügend Platz. Eng hingegen kann es schon jetzt während der gemeinsamen Startaufstellung der Marathonis, Halbmarathonis und Teamplayer auf dem Außengelände der Messehallen werden und auf der Strecke an engen Stellen im Stadtpark oder im Zentrum, solange die Masse der Halbmarathonis noch auf Kurs ist. Zu Gedrängel kommt es spätestens, wenn der große Pulk der Hobbyläufer das Ziel in der Expohalle erreicht und sich durchs Läuferbuffet schlängelt hin zum eigenen Kleiderbeutel oder zum Ausgang. Da ist zuweilen etwas Geduld gefragt.

Gegenlaufpassagen gibt es mehrere Verdursten musste bei recht schwülem Klima niemand. Wasser und Iso flossen oft und in Strömen

Festival der Sinne

Bis es soweit ist, erleben die Halbmarathonis, besonders aber die Marathonis auf der Strecke ein Festival der Sinne. Schon bei der Startaufstellung, die in Form eines großen "U"s erfolgt, beginnt der einmalige Rausch mit ohrenbetäubender Musik, inspirierender Moderation in mehreren Sprachen und bunten Konfettiböllern beim Startschuss (19 Uhr). Mehr als zwanzig Minuten dauert es, bis alle 11.000 Akteure über die Startmatte gelaufen sind. Zuvor (18:10 Uhr) war bereits ein Rahmenwettbewerb mit Inklusionscharakter angeschossen worden, der sogenannte Roll&Run-Bewerb über 4,3 beziehungsweise 8,6 km. Eine Dreiviertelstunde später werden der Minimini-Marathon über 1000m für Kinder unter zehn Jahre auf die Strecke geschickt (19:40 Uhr), der Minimarathon über 4,2km für Kinder ab zehn Jahre (19:45 Uhr) sowie der Run for Success (20 Uhr) über fünf Kilometer für Dreiermannschaften.

Von allem Nachfolgenden bekommen die Marathonis und Halbmarathonis nichts mit, denn diese umkurven zur gleichen Zeit auf breiten Straßen das schicke, überwiegend aus Glaspalästen bestehende Europazentrum auf dem Kirchberg, wo noch verhältnismäßig wenig Zuschauer stehen. Die Strecke hat auf den ersten acht Kilometern einen überwiegend abfallenden Charakter, wenn sie über die Rout Bréck und durch den Ortsteil Limpertsberg verläuft und schließlich zum Stadtpark gelangt. Noch bevor die Staffelmarathonis bei km 8,8 ihre erste Wechselzone anlaufen, wandelt sich die Stimmung an der Strecke schlagartig. Von nun an werden die Läufer von Zuschauermassen frenetisch angefeuert, werden in einen Sog launiger Feierstimmung gezogen und vergessen zuweilen, dass sie gewisse Anstrengungen noch vor sich haben.

Charmante Streckenteilung bei km 14,7 Das Sambafestival von Luxemburg beginnt schon am Vortag und setzt sich während des Laufs an vielen Streckenpunkten fort

Hell und Dunkel - Auf und Ab

Eine solche stellt beispielsweise die erste längere Steigung bei km neun dar. Es folgen nach der 10-km-Marke abwärtsführende Kilometer hin zum und durch den idyllischen Stadtpark. Im Stadtzentrum, auf dem Place d'Armes, erwartet die Läufer erneut ein Jubelsturm der enthusiastischen Zuschauer und die Rhythmen der großen Sambagruppen. Bei km 14,7 trennen sich die Marathonis von den Halbmarathonis. Während die Halben sich über die Rout Bréck wieder Richtung Messegelände und zum Ziel bewegen, erwartet die Läufer der Königsstrecke ein abwechslungs- und kurvenreiches Auf und Ab durch die Kapitale, bis sie sich bei km 29 auf engem Weg hinab ins Petrusstal begeben. Wer eher im hinteren Feld unterwegs ist, wird diesen dann stockfinsteren Abschnitt ganz vorsichtig absolvieren, wenn er nicht, wie einige Läufer mit Ortskenntnis, mit einem mobilen Licht ausgestattet ist.

Im Tal unter dem Viadukt wird der Marathoni dann einen der stimmungsvollsten Passagen erleben zwischen km 29 und 31. Hier, wo er an einem Skaterpark vorbeikommt, liegt die eigens installierte Lichterstadt. Phantasievolle Figuren und Laternen leuchten in die Nacht, die mächtigen Pfeiler der Überführung sind eindrucksvoll illuminiert, die mittelalterlichen Wehranlagen bunt angestrahlt. Dazu heizt das Publikum unvermindert an. Für die Marathonis beginnen hernach die harten Kilometer mit vielen Höhenmetern und der Talüberquerung über die Passarelle unmittelbar unterhalb der Viaduktbögen. Noch einmal geht es durch die erstrahlte Metropole, vorbei an der Kathedrale und am herrschaftlichen Palais und schließlich hinauf zur Messehalle, wo die Finisher ein weiteres Lichterspektakel beim Zieleinlauf auf dem orangefarbenen Teppich erwartet.

Vorbei am Skaterpark zwischen km 29 und 31 ... ... geht es auch für Marathonclown Michel aus Frankreich im Petrusstal

Der Halbmarathon

Als die Läufer um 19 Uhr ins Rennen starteten, zeigte das Thermometer zwar läuferfreundliche 23 Grad an, doch war die Luft drückend und schwer. Es waren keine einfachen Bedingungen zu Beginn, und auch im Laufe der Stunden, als die Dämmerung hereinbrach, wurde es nicht viel angenehmer.

Einer, dem das offenbar gar nichts ausmachte, war ein aus Eritrea stammender Mann, der für die LG Rhein-Wied startet und einen eigenen Betreuer mitgebracht hatte: Semere Fsehatsion. Der 34Jährige war am Anfang noch als einziger Halbmarathonläufer mit der Marathonspitze mitgelaufen, konnte diese aber nicht lange halten. Dennoch hatte er hernach noch zwei, drei Begleiter aus der Marathonverfolgergruppe, bis er ab km 10 als Solist unterwegs war. Fsehatsion, der möglicherweise vorhatte, den Streckenrekord des Dänen Steffen Falck (2016, 1:10:20h) zu verbessern, siegte in der Zeit von 1:11:29h mit knapp zwei Minuten Vorsprung vor seiner europäischen Konkurrenz.

Das Verhältnis von Marathon- und HM-Läufern ist 1:6. Es lässt sich an den Rückennummern recht gut ablesen 69 Hier wird die Straßenreinigung einiges zu tun haben

Hinter ihm hatte sich sehr bald eine etwa zehn Läufer umfassende, stabile Verfolgergruppe gebildet, zu der auch Jan Knutzen von der LG Akquinet Lemwerder, bei Bremen gelegen, gehörte. Erst in der Schlussphase des Rennens wurde die Gruppe durch einen Antritt des Luxemburgers Yannick Lieners gesprengt. Lieners wurde unter dem Jubel der Einheimischen in 1:13:16h zweiter und verwies den aus Marokko stammenden Franzosen Hissam Aissa (1:13:36h) auf Rang drei. Hinter einem weiteren Luxemburger (Christophe Kass, 1:13:51h), aber vor dem zweiten Franzosen (Kamel Daouadji, 1:14:21h) belegte Knutzen in 1:14:18h einen guten fünften Rang.

Nicht leicht einzuschätzen ist, ob die HM-Strecke von Luxemburg ähnlich schwer ist und gute Zeiten verhindert wie der Marathon. Dass könnte man vermuten angesichts der Tatsache, dass noch kein Läufer unter siebzig Minuten blieb - eigentlich eine gute Frauenzeit. Nimmt man das Beispiel Jan Knutzen, ein Läufer, der den Marathon in Hamburg schon unter 2:30h gelaufen ist und unlängst in Hannover den HM in 1:08h herunterspulte, dann scheint dies ein Beleg dafür zu sein, war er doch hier sechs Minuten langsamer als noch vor sechs Wochen. Andererseits hat der Lux-HM keine bösen Steigungen, überhaupt nur einige Dutzend Höhenmeter und ist insgesamt - auch bei einigen Ecken und Winkeln - gut zu laufen. Im Männerbereich scheinen jedenfalls noch einige Steigerungen möglich.

HM-Sieger Semere Fsehatsion aus Eritrea. Er startet für einen deutschen Verein (LG Wied) Die Platzierten im HM v.l. (vordere Reihe): Yannick Lieners (2., LUX), Jan Knutzen (5., GER), Christophe Kass (4., LUX), Hissam Aissa (3. FRA), Kamel Daoudji (6., FRA)

HM: Anna Herzberg zum zweiten

Etwas anders als bei Knutzen sieht es bei der deutschen Siegerin Anna Herzberg aus Frankfurt aus. Deren persönliche Bestzeit von 1:20:03h, aufgestellt in Frankfurt, liegt nicht so weit entfernt von ihrer Leistung in Luxemburg, wo sie mit 1:22:01h souverän und nach 2015 bereits zum zweiten Mal siegte.

Die frühere Gewinnerin des Helsinki Marathons setzte sich sofort an die Spitze und passierte die Marke von 10 km nach gut 37 Minuten. Da betrug ihr Vorsprung bereits rund neunzig Sekunden. Im Ziel war der auf über vier Minuten angewachsen. Herzberg erreichte gegenüber ihrer ersten Siegzeit (1:24:27h) eine deutliche Steigerung von knapp 150 Sekunden. Wie bei den Männern, kam auch bei den Frauen eine Einheimische auf den Silberrang. Liz Nepper benötigte dafür 1:26:18h und hatte ihrerseits ebenfalls vier Minuten Vorsprung vor zwei weiteren Läuferinnen aus Deutschland: Michelle Bauer (3. in 1:30:27h) und Marina Wierz (4. in 1:30:40h), beide der Frauenhauptklasse angehörig und für den LT Schweich laufend, hatten Teamarbeit geleistet und waren von ihrem Trainer gezogen worden. Schon in den beiden vergangenen Jahren gab es durch Lisa Hahner zwei deutsche Siege, wobei sie 2016 in 1:17:04h den noch heute gültigen Streckenrekord aufstellte. (Wie der 5. Rang der für Marathon gemeldeten Fatima Achlafta aus Marokko (1:30:54h) in der HM-Liste zu werten ist, ist noch offen.)

HM-Siegerin Anna Herzberg aus Deutschland Liz Nepper (LUX) wird 2. Michelle Bauer aus Schweich (in Rot) wird 3. Auch die 4. kommt aus Schweich: Marina Wierz

Der Halbmarathon ist zwar nicht der namensgebende Wettbewerb in Luxemburg, im Leistungsbereich wohl auch hinter dem Marathon zurückstehend, aber durch die Teilnehmermassen wohl doch als Hauptwettbewerb zu verstehen. Diesen Eindruck hatte auch Athletenmanager Volker Wagner aus Detmold, dessen Athletin Lakelesh Dera später den Marathon gewinnen würde. Auf den drei Leinwänden im Zielbereich habe man sich überwiegend den Halbmarathonlauf ansehen können und die Zeiten der gerade einlaufenden 21,1-km-Läufer, was vielleicht nur für die Betroffenen interessant sei. Dera habe er leider kaum zu Gesicht bekommen.

Marathonsiegerin Dera bricht ein

Was Wagner dann aber zu sehen bekommen hätte, hätte ihn sicher nicht erfreut. Die erst tags zuvor aus Äthiopien eingeflogene Neunzehnjährige, die mit zwei Marathonsiegen in China mit großen Vorschusslorbeeren versehen war, ging offenbar viel zu schnell an und brach auf der zweiten Streckenhälfte recht deutlich ein. Bei zehn Kilometern war sie in 36:57min durchgegangen, die Halbmarathonmarke passierte sie bei 1:20:12h. Damit lag sie auf dem von Wagner erhofften Niveau, denn nur eine Endzeit von etwa 2:40h würde das Unterfangen wirtschaftlich machen. Doch Dera, die viel alleine laufen musste, bekam zunehmend Probleme und verlor auf der zweiten Streckenhälfte über zehn Minuten. Sie hatte offenbar nicht mit den dreihundert Höhenmetern gerechnet, die die profilierte Strecke aufweist. "Es ging immer rauf und runter, das hat das Rennen erschwert. Wenn es nicht so viele Anstiege gegeben hätte, wäre ich mit einer besseren Zeit ins Ziel gekommen", sagte sie, etwas in Erklärungsnot, hinterher. "Aber ich bin zufrieden und komme gerne wieder nach Luxemburg."

Die Marathonsiegerin Lakelesh Feysa Dera (ETH) blieb als einzige Frau unter drei Stunden Die Polin Karolina Wasniewska wird 2. Platz 3 für die Luxemburgerin Isabelle Hoffmann Tania Arensdorf (LUX) gewinnt als 4. die W45

Dera hatte bei ihrem Sieg in 2:51:33h ziemlich Federn lassen müssen und einen hohen Flüssigkeitsverlust erlitten, so dass die Dopingprobe extra lange dauerte und der Bewegungsapparat gar nicht mehr recht funktionieren sollte. Mit über dem Kopf gezogenen Handtuch saß sie später vor der Expohalle und musste lange warten, bis sie ins Hotel gebracht werden konnte. Die Straßen waren nämlich nach Mitternacht noch lange gesperrt, weil der letzte Marathonläufer erst um 1:16 Uhr ins Ziel kam.

Keine weitere Läuferin blieb unter drei Stunden, da die angekündigten Topläuferinnen nicht angetreten oder nicht ins Ziel gekommen waren. Die Polin Karolina Wasniewska (3:06:52h) durfte sich über Platz 2 freuen und die Luxemburgerin Isabelle Hoffmann (3:25:16h) über Rang 3. Beste Läuferin aus Deutschland war Patricia Rolle vom Team LG Nord Berlin Ultra, die in 3:31:10h sechste wurde.

Promis im Staffelmodus

Eine nette Geste zelebrierte der Nightmarathon bereits vor dem Start. Da wurden alle Geburtstagskinder aus den 111 teilnehmenden Nationen namentlich genannt. Darunter war auch der deutsche Spendensammler Dietmar Mücke, der gerne im Pumucklkostüm auftritt und den Marathon oft barfuß absolviert. Der hatte zuvor allerdings noch ein rechtes Abenteuer zu bestehen, um zum Start zu kommen. Denn der Busverkehr von seinem Hotel in der Nähe des Airports war schon zweieinhalb Stunden vorher ohne Vorwarnung eingestellt worden. Er und einige Mitstreiter warteten vergeblich an der Haltestelle, wo ebenso keine Infos zu erhalten waren wie im Internet oder über ein eingerichtetes Onlineportal. So blieb ihm nichts anderes übrig, als zum Flughafen zu gehen, über Umwege mit einem anderem Bus in die Stadt zu gelangen und den Rest zu Fuß zu erledigen. Andere Läufer wateten umständlich zur Tram und hofften kurz vor knapp noch auf einen Transport zur Expo. Mücke muss es noch rechtzeitig zum Start geschafft haben, weil von ihm Zwischenzeiten dokumentiert sind. Eine Wertung hat er allerdings nicht erhalten, denn er hat in 6:24h die Sollzeit überschritten und wurde disqualifiziert.

Die Marathonstaffel gewinnt das Promiteam 2 aus Deutschland, hier mit Startläuferin Anna Hahner, sowie Timo Bracht, Irina Mikitenko und Thomas Dold So nehmen die Marathonis und Teamplayer km 30 und 31 in der Lichterstadt wahr. Die zuvor abgebogenen Halbmarathonis erleben die Illuminationen nicht

Keiner der letzten drei ING Night Marathons ging ohne eine der deutschen Langlaufzwillinge Lisa oder Anna Hahner über die Bühne. 2016 und 2017 hatte Lisa den Halbmarathon gewonnen, heuer gehörte Schwester Anna zur Prominentenstaffel aus Deutschland. Anna hatte für ihr Quartett den Startpart (8,8km) übernommen und wusste in Vorzeigetriathlet Timo Bracht, Ex-Marathonqueen Irina Mikitenko und Treppenstürmer Thomas Dold schnelle Mitstreiter nach sich. Tatsächlich schaffte es dieses Mixedteam, alle Männerteams in Grund und Boden zu laufen und in 2:43:53h den Mannschaftswettbewerb knapp zu gewinnen vor "Spider Blue". Ein weiteres gemischtes, länderübergreifendes Promiteam erreichte in 2:52:25h als 5. einen vorderen Platz. Dieses war mit den Luxemburgern Pol und Martine Mellina sowie Annette Sergent aus Frankreich besetzt.

Wenn die Nacht bereits über die Veranstaltung hereingebrochen und die Spitze schon im Ziel ist, erreichen die "normalen" Läufer das beleuchtete Petrusstal mit dem angestrahlten Viadukt. Manch einer (rechts) hat sogar eine eigene Beleuchtung mitgebracht

Mark Kangogo nicht zu stoppen

Damit hatte wohl keiner gerechnet, die Organisatoren wohl am wenigsten: ein neuer Streckenrekord von einem anderen aufgestellt als dem Doppelsieger von 2015 und 2016 und Vizemeister aus dem Vorjahr: John Komen. Wenn einer eine neue Bestzeit erreichen würde, dann könne es nur der fast vierzigjährige Kenianer sein, dachten viele. Seinen zehn Jahre jüngeren Landsmann Mark Kangogo, dem dieses Unterfangen überraschend und deutlich gelang, hatte wohl keiner auf dem Schirm. Er trat mit der zwöftbesten Vorleistung an und bekam entsprechend auch die Zwölf auf die Startnummer.

Zusammen mit drei, vier anderen Afrikanern passierte der Nobody die 10-km-Marke in schnellen 30:17min, den Halbmarathon - dann schon allein - in 1:03:40h. Auch wenn die erste Hälfte leichter ist als die zweite sein mag, war das doch sehr ambitioniert und deutete auf eine aberwitzige Endzeit von knapp 2:08h - eine kaum mögliche Leistung bei diesem Profil. Dass Kangogo runter vom Tempo musste, war Beobachtern klar, ebenso, dass er - wie die schnellste Frau - Fehler in der Geschwindigkeitsgestaltung gemacht hatte. Immerhin aber brachte er das Rennen in sehr guter Manier zu Ende und toppte in 2:12:10h die alte Bestmarke um beachtliche 47 Sekunden. Der um den Streckenrekord beraubte Komen wurde erneut Zweiter in guten 2:13:35 vor dem dritten Kenianer Hosea Kipkemboi (2:17:11h) und dem Äthiopier Gezaw Megerssa (2:21:02h). Bester Europäer wurde der Franzose Clement Gries als 7. (2:24:06h); bester Luxemburger auf Platz 9 Frazer Alexander (2:43:15h), bester Deutscher als 23. Matthias Geistor (CSL) in 2:59:44h.

Marathonsieg mit neuem Streckenrekord für den kenianischen Außenseiter Mark Kibiwot Kangogo Rang 2 für den zweimaligen Sieger John Kipkorir Komen aus Kenia Auf den dritten Rang läuft ebenfalls ein Kenianer: Hosea Kipkemboi

Der bisher mit drei HM-Siegen in Erscheinung getretene Sieger Kangogo sagte bei der Siegerehrung: "Ich bin so glücklich, denn es war eine Strecke voller Anstiege und Kurven, aber ich habe mein Bestes gegeben". Er habe schon am Vorabend so ein "Gefühl" gehabt, ergänzte er dann, dass es was zu feiern geben könnte. Als Marathonläufer war er bisher in San Sebastian 2017 nur auf dem zweithöchsten Treppchen gelandet. Diesmal durfte er noch eine Stufe höher klettern. Nach dem Zieleinlauf war ihm zunächst der Kreislauf weggegangen, bald war er aber wieder auf den Beinen. Beim Weg aufs Treppchen brauchte er schon nicht mehr gestützt werden.

Der Jubel der Zuschauer ist auch nach über vier Stunden im Lichtertal ungebrochen Über die Passerelle gelangen die Läufer wieder in die Innenstadt
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Fazit

Was die Faszination ausmacht, die der Luxemburg Marathon auf die Teilnehmer in immer höherem Maße ausübt, kommt in einigen Statements deutscher Läuferinnen und Läufer bestens zum Ausdruck. "Unglaublich", staunt die HM-Dritte Michelle Bauer, "wie einen die Zuschauer ins Ziel tragen". Ins gleiche Horn stößt der Trierer Oliver Ewen: "Die Stimmung war überragend, deshalb ist Luxemburg ein Muss".

Dem braucht nichts hinzugefügt werden.

Thomas Linnemann

Bericht von Michael Schardt - Fotos von Thomas Linnemann

Michael Schardt
 unter Sportonline-Foto.de
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