9.5.18 - Köln 15. GALERIA Kaufhof Nachtlauf

Der Lauf mit dem besonderen Etwas

Für eine Hetzjagd viel zu schade

Sonja Vernikov siegt mit Streckenrekord

von Michael Schardt 

Am Mittwochabend vor Christi Himmelfahrt war in Köln wieder Nachtlaufzeit - bereits zum fünfzehnten Mal. Hierzu hatte einmal mehr der rheinische Vorzeige-Leichtathletikverein ASV Köln zusammen mit dem Titelsponsor Galeria Kaufhof in den Tanzbrunnen, das rechtsrheinische Veranstaltungsgelände im Stadtteil Deutz, eingeladen.

Seit 2004 findet hier der - wenn man so will - "Lauf mit dem besonderen Etwas" statt. Dies bezieht sich vornehmlich auf die einmalige Kulisse, die die Strecke bietet: viermal wird über Rheinbrücken gelaufen, fast immer mit Blick auf Kölns mächtigen Fluss und lange auch auf den majestätisch wirkenden Dom, der zur Abendzeit prächtig beleuchtet ist.

 
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"Atemlos durch die Nacht" sollte man beim Galeria Kaufhof Lauf zu Köln nicht nach Bestzeiten hetzen. Erstens kann die Strecke nicht als sehr schnell eingeschätzt werden; zweitens ist das Panorama der City so prickelnd, dass man es mit angezogener Handbremse genießen und auf sich wirken lassen sollte Rhein, Dom und Hohenzollernbrücke, die später überlaufen wird, bilden die Kulisse des Kölner Nachtlaufs
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Nachtlaufzeit, das bedeutet in Köln auch Gutelaunezeit und Feierstimmung. Schon neunzig Minuten vor dem Rennen verbreiten die ASV-Cheerleader durch Tanzeinlagen gute Laune; fröhliche Stimmung schlägt den Sportlern auch von der großen Bühne des Tanzbrunnens entgegen, wo sich zehn Helfer um die Entgegennahme und Sortierung der Kleiderbeutel kümmern und dabei immer wieder in den Tanzmodus verfallen. Aus den Lautsprechern dröhnen rheinische Schunkellieder oder das obligatorische "Atemlos durch die Nacht", was wie das maßgeschneiderte Motto des Events erscheint.

Vom nostalgischen Oldibus des ASV herab moderiert der laufaffine, aus dem Fernsehen bekannte "Nightwash-Gastgeber" Knacki Deuser launig die Veranstaltung, seines Zeichens langjähriges ASV-Mitglied, Marathonläufer und durch die gesamte Republik tourender Comedian. Er half auch lautstark dabei, die Mitglieder des stärksten Teams (Galerie Kaufhof) zum Fotoshooting an die Rheinterrassen zu lotsen.

 
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Das Veranstaltungsgelände "Tanzbrunnen" im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz bietet ideale Bedingungen für das Start-Ziel-Areal und die spätere After-Race-Party Unübersehbar ist der Bus-Oldtimer des Veranstaltervereins ASV Köln, auf dem der aus dem Fernsehen bekannte Comedian Knacki Deuser, selbst Marathonläufer des ASV, den Lauf moderierte und auch Alexandra Wester interviewte, ASV-Olympiateilnehmerin im Weitsprung

Während sich die Läufer und Läuferinnen bereits lange vor dem Startschuss im Swingschritt in die Boxen einreihen, bekamen zwei Athleten des ASV besonders viel Beifall, die Weitsprungasse Alexandra Wester und Alyn Camara, die Deuser im Gespräch vorstellt. Wester, mit einer Bestleistung von 6:95m ausgestattet, wird später auch bei der Siegerehrung assistieren; Camara erläutert, dass er nach langer Verletzung nun bald wieder Höchstleistungen anstrebt. Seine PB steht bei 8,29m. Beide zollen den Langstrecklern großen Respekt, haben sie selbst doch noch nie die zehn Kilometer in Angriff genommen und trauen es sich auch nicht zu.

Zur Freude von Aktiven und Zuschauern spielte bei der 15. Auflage auch das Wetter mit. Nach einem langen, schönen Sonnentag war es zur Startzeit mit etwa 25 Grad fürs Laufen noch recht warm, doch trocken und nahezu windstill.

 
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Um eine neue Bestzeit aufzustellen, kommt ohnehin kaum jemand zum Nachtlauf, so dass die Temperaturen überwiegend als angenehm und nicht hinderlich empfunden worden sein dürften.

Rheinische Fröhlichkeit zelebrieren bereits die Helfer bei der Kleiderbeutelabgabe Die ASV-Cheerleader waren an mehreren Stellen der Strecke im Einsatz

Aus eins mach zwei

Von 2004 bis 2015 bestand der Galeria Nachlauf in Köln nur aus einem Wertungsrennen, dem Zehner. Der Lauf war immer sehr beliebt und oftmals ausgebucht. Bis zu 3000 Startplätze wurden jeweils vergeben, die Anzahl der Finisher schwankte, je nach Wetterlage, jährlich in der Regel zwischen 2000 und 2400 Läufern. Einen Minusrekord gab es 2008, als "nur" 1909 erfolgreiche Zieleinläufe registriert wurden; Spitze war das Jahr 2011 mit 2556 Finishern. Als die Teilnehmerzahl nach einigen sehr guten Jahren 2015 auf unter 2100 absank, beschloss der ASV die Einführung einer zweiten Wertungskategorie: der Jedermannslauf über fünf Kilometer. Das bot sich an, da der Zehner aus zwei Runden besteht und man die Jedermänner gut nach einer Runde ins Ziel laufen lassen konnte.

Der Effekt war, dass ab 2016 rund ein Fünftel aller Teilnehmer auf die Kurzstrecke wechselte, der Zehner seither aber eine entsprechend geringere Beteiligung hat. Das Jahr 2016 brachte kurzfristig die Gesamtzahl zwar etwas in die Höhe (2218), diese ging aber 2017 erstmals wieder seit fast einer Dekade auf unter 2000 zurück (1923) zurück. Ein ähnliches Bild wie 2017 ergibt sich jetzt auch für die neueste Auflage: 1930 Finisher weist das Ergebnisprotokoll aus, von denen 1478 auf den Hauptlauf entfallen und 452 auf den Jedermannslauf. Der Frauenanteil war bei dem Nachtlauf schon immer überdurchschnittlich hoch und beträgt auch 2018 gut 41 Prozent. Beim Jedermannslauf waren die Frauen (262) sogar deutlich stärker vertreten als die Männer (190).

Die größte Gruppe der Teilnehmer kam wieder einmal vom Titelsponsor Galeria Kaufhof, der mit rund 300 Läufern an den Start ging

Reizvolle Streckenführung

Geeignet, um Bestzeiten zu laufen, ist die Strecke - wie bereits erwähnt - nicht, denn vier Brückenquerungen und eine teils eckige Streckenführung kosten einige Sekunden. Hinzu kommt, dass vor der Hohenzollernbrücke pro Runde rampenartig 44 Treppenstufen hochzulaufen sind, die Kraft und Zeit kosten.

Der Start erfolgt am Kölner Tanzbrunnen, von wo nach einem kurzen Schwenk direkt am Fluss unter der Eisenbahnbrücke her (km 1) in Richtung Süden zur Deutzer Brücke gelaufen wird. Man überquert dann den Rhein auf der Deutzer Brücke, so wie es die Teilnehmer des Kölner Marathons schon seit Jahren kennen. Hinter der Brücke führt die Strecke nach einer 180 Graddrehung (km 2) hinunter zum Rhein, wo die Läufer nun in Höhe der Altstadt Richtung Norden zur Hohenzollernbrücke (Eisenbahnbrücke) laufen.

Aufstellung zum gemeinsamen Start der 5- und 10-km-Läufer Um 21:15 Uhr werden die Läufer in die Kölner Dämmerung entlassen. Das Zielbanner zeigt an, dass die Jedermänner nach einer Runde ins Ziel laufen und die Hauptläufer sich in die zweite Runde nach links begeben sollen

Dann stellen sich die 44 Stufen in den Weg (km 3). Während die Deutzer Brücke einige Höhenmeter bietet, ist die Hohenzollernbrücke vollkommen flach bzw. führt sogar etwas abwärts. Wieder auf der schälen Sick (Kölns rechtsrheinische Stadtgebiete, die von den linksseitigen Bewohnern immer schon etwas ironisch augenzwinkernd mit "scheel" bezeichnet wurden), kommt man zur Köln Messe, die schon seit längerem die RTL-Mediengruppe beherbergt (km4). In einem großen Bogen begeben sich die Akteure dann zum Ausgangspunkt zurück, nachdem sie noch eine kleine Treppe abwärts zu laufen haben.

Der Galeria Nachtlauf ist also vollkommen mit Kölns mächtigem Fluss verwoben. Entweder es geht direkt an seinen Ufern entlang oder über ihn hinweg. Atemberaubend ist dabei einerseits der Blick von der Deutzer Brücke aus auf die beleuchtete Silhouette der Altstadt, des Konzertsaales, des Bahnhofs und des Kölner Doms, und - andererseits - von der Eisenbahnbrücke auf die Skyline der Messe und der Bürogebäude in Deutz. Diese Aussichten elektrisierten die Läufer offenbar schon von Anbeginn an dermaßen, dass die Veranstaltung bereits bei ihrer Gründung mit über 2000 Startern eine große Nummer war.

Ob bei km 3 die Läufer den Kölner Dom fest im Blick haben, oder doch lieber ihren Blick nach unten richten, während sie die Stufen hoch zur Eisenbahnbrücke laufen, ist vornehmlich eine Frage des Sicherheitsbedürfnisses. Eine besondere Anstrengung ist es allemal

5km: Sonja Vernikov mit Rekord - Daniel Singbeil zum zweiten

Bezüglich der Leistung von Sonja Vernikov, der Siegerin über fünf Kilometer, kann man vielleicht von so etwas wie einem Streckenrekord sprechen. Denn im Gegensatz zum Zehner wurde bei allen drei Austragungen die gleiche Strecke gelaufen, auch wenn über die genaue Länge unterschiedliche Angaben kursieren. Der Veranstalter spricht von einer Distanz von fünf Kilometern und fünfzig Zentimetern (bzw. zehn Kilometern und einem Meter), die er wenige Tage vor dem Event noch ermittelt habe, allerdings nicht nach DLV-Maßgaben. Der offizielle DLV-Streckenvermesser Detlev Ackermann hingegen hatte sich 2017 das Vergnügen gemacht, die Strecke am Folgetag "professionell und privat nach den IAAF-Regularien" zu vermessen, wie es in einer seiner Veröffentlichungen heißt. Dabei ergab sich "eine Länge von 4,917 km. Zwei Runden ergeben 9,835 km. Als Grundlage galt die von den Teilnehmern genutzte Streckenführung, die im Rahmen des Wettkampfes komplett auf Video aufgezeichnet wurde".

Wie auch immer: Sonja Vernikov (WU18) von Skikeller Kaulhard Schroiff lief die Strecke in 18:23min und war damit schneller als Vorjahressiegerin Lisa Jaschke (18:31min) und Claudia Schneider 2016 (19:08min). Letztere (W40) war es auch, die hinter Vernikov nun zweite wurde in 18:36min und für Bunert, den Kölner Laufladen, die Vizemeisterschaft einfuhr. Auf Rang drei lief Magdalena Krosch (WHK, ohne Verein) in 21:07min.

Sehr warm war es bei der 15. Edition des Laufes, trotz des späten Starts. Da war eine Erfrischung stets willkommen Der Sieger des Hauptlaufes, Markus Mey, freut sich. Er blieb als einziger unter 34 Minuten

Die schnellste bisher in Köln erzielte Zeit über 5km erreichte im letzten Jahr Clemens Bleistein von der LG Stadtwerke München mit 14:58min. Ein Jahr zuvor hatte der Kölner Daniel Singbeil in 15:45min gewonnen. Singbeil (MHK, Bunert) wurde auch 2018 seiner Favoritenrolle gerecht und gewann klar in genau sechzehn Minuten. Es folgten Valentin Schimpf (MHK) vom TV Konstanz in 16:51min und Lukas Schommers (MHK, Bunert) in 17:05min. Leer ging der Niederländer Laurin Winters (MHK) aus, der für den ASV Köln startet und in 17:28min 4. wurde.

10km: Markus Mey und Nadja Gaws

Die Geschichte des Hauptlaufs ist freilich etwas umfangreicher als die des Jedermannslaufs, die Streckenführung und Distanz variierte besonders in den ersten Jahren deutlich, wie auch die Siegzeiten bei Männern und Frauen vermuten lassen. Phasenweise war die Länge wohl 10,5 km oder gar mehr, vereinzelt dürfte sie auch deutlich unter 10,0 km gelegen haben. Dazu nur ein Beispiel: Als Carsten von Kuk bei der Premiere 2004 gewann, war seine Siegzeit 30:11min, als er zwei Jahre später erneut siegte 35:40min. Seit etwa 2012/13 aber hat sich die Distanz auf die auch jetzt gelaufene Länge eingependelt und die Zeiten damit einigermaßen vergleichbar gemacht.

Über fünf Kilometer gewann Sonja Vernikov (rechts) vor Claudia Schneider Das Siegertrio über 5km v. l.: Valentin Schimpf (2.), Sieger Daniel Singbeil, Lukas Schommers (3.)

Bei den Frauen kam Nadja Gaws, nachdem sie 2015 schon einmal den Galeria Nachtlauf gewonnen hatte, jetzt zu ihrem zweiten Sieg. Die W35erin vom ASV Köln hatte schon in Runde eins (18:56min) einen erheblichen Vorsprung vor ihrer Vereinskameradin Alice Lüchtefeld (WHK) herausgelaufen und vergrößerte diesen in Runde zwei auf mehr als drei Minuten. Gaws gewann in 38:51min vor Lüchtefeld (41:53min) und der vereinslosen Gina Purschke (W35) in 43:39min.

Von Peters Sportteam kommt der Sieger des Männerhauptlaufs, der M45er Markus Mey. Die erste Runde hatte der Favorit in 16:47min zurückgelegt, gut zwanzig Sekunden schneller als Marian Bunte (MHK) vom Kölner Laufladen Bunert. In der zweiten Runde wurde Mey zwar geringfügig langsamer und Bunte um sechs Sekunden schneller, aber zu einem Positionswechsel an der Spitze reichte das nicht aus. Mey gewann in 33:51min vor Bunte (34:11min). Dritter wurde Sebastian Linden (MHK, Bunert) in 34:45min. Die Spitzenkräfte hatten es in der zweiten Runde nicht immer einfach, da ungewöhnlich viele Akteure länger als eine Stunde unterwegs waren (zzgl. Startverzögerung am Anfang) und sie sich im Slalom durch die Masse der Überrundeten schlängeln mussten. Einen gesonderten Zielkanal für Finisher gibt es nicht.

Die schnellsten drei Frauen über 10km v. l.: Alice Lüchtefeld (2.), Siegerin Nadja Gaws, Gina Purschke (3.) Das Treppchen bei den Männern über 10km v. l.: Marian Bunte (2.), Sieger Markus Mey, Sebastian Linden (3.)
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Fazit

Überblickt man die letzten Jahre des Nachtlaufs, dann ist zu bemerken, dass der Run auf die Startplätze sehr groß ist, aber nicht mehr so groß wie früher. Im Leistungsbereich ist tendenziell auch ein leichter Rückgang zu bemerken. Vor allem Frauen, die unter vierzig Minuten blieben, waren zuvor häufiger vertreten gewesen als heuer. Nichts eingebüßt hat der Lauf an organisatorischer Qualität, an vorbildlicher Versorgung oder an der fröhlichen Stimmung der Teilnehmer, welche auch durch Bands an der Strecke angeheizt wird. Im Vergleich zu früheren Jahren ist der Zuschauerzuspruch - so scheint es - sogar gewachsen, vor allem am Rheinufer und entlang der Altstadt. Alles in allem kann man also von einer runden Sache sprechen bei einem der schönsten Läufe in der Domstadt.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.asv-koeln.de

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