6.5.18 - 18. Heilbronner Trollinger Marathon u. Halbmarathon

Sonne pur, Wind und grüne Traumlandschaft

Simone Raatz und drei kenianische Athleten dominieren die Hauptläufe

von Günter Krehl 

2011 führte mich mein Navi bei der Anfahrt in die Irre. Dieses Mal fand dessen Nachfolger die herrliche Theresienstraße ohne Probleme. Dass der Marathonlauf leider nicht mehr Hauptdisziplin beim Trollinger ist, hat sich seit Jahren herauskristallisiert. Heuer gab es mit 420 Männern und 81 Frauen im Ziel erneut einen Teilnehmerrückgang von 555 auf 501.

So war eine Stunde vor dem ersten Start auf dem weitläufigen Gelände eine wohltuende Ruhe. Das Gras war noch nass aber alle Stationen mit den freundlichen und kompetenten Helfern bereits besetzt. Unermüdlich wurden die Neuankömmlinge übers Mikrofon begrüßt. Ohne Stau konnte man seine Startnummer und sein persönliches Fläschchen Wein abholen.

Landschaftlich sind die Strecken des Heilbronner Trollinger Marathon mit viel Grün, Wasser und Wein-Bergen wirklich großartig
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Um 8.15 Uhr zeigte das Thermometer noch angenehm frische 15° im Schatten. Dankenswerterweise hatte mir Holger Braun vom Organisationsteam ein Schild für die freie Durchfahrt zukommen lassen, so dass ich als Rad-Laufreporter bis zum Stadioneinlauf hautnah mit den Athleten mitfahren konnte.

Nach einer ersten kleinen Radrunde kam ich zurück zum Startgelände und staunte über die Gelassenheit der Athleten. Im roten Eliteblock standen nur wenige Sportler. Zu meiner Freude konnte ich Gustav Jenne, den "Vater des Trollinger Marathons" begrüßen, der selbst im vorgerückten Alter noch immer sein Organisationstalent einfließen lässt.

 

Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Bottwartal Marathon HIER

Ohne Stau konnte man seine Startnummer und sein persönliches Fläschchen Wein abholen Start des Marathonlaufes

Auf der schattigen Badstraße zwischen Sportgelände und Neckar wurde wie immer um 8.45 Uhr gestartet. Schon nach 300 Meter hatte sich Attila Berolo (Lidl) deutlich von seinen Verfolgern abgesetzt. Das waren Holger Freudenberger und Simone Raatz (ASC Darmstadt). Dicht dahinter folgte die Gruppe mit den späteren Erstplatzierten.

 

Banner anklicken - informieren
LR-Info zum Brixen Dolomiten Marathon HIER

Bei Kilometer drei hatte Holger Freudenberger die Spitze erobert. Noch hatte ich nicht registriert, dass er als Staffelläufer des in 2:42:46 siegreichen Teusser Teams der TSG Heilbronn unterwegs war. Erstmals hatten die Staffelläufer 4 statt 3 Mitglieder, die sich das Rennen in etwa gleichgroßen Abschnitten teilten. Mit 70 Mannschaften dürfte der Veranstalter vorerst zufrieden sein, zumal dieser Wettbewerb die lange Strecke etwas auffrischen kann. Sollten sich mehr ambitionierte Athleten zusammenfinden, so könnten die Staffeln durchaus auch den afrikanischen Solokünstlern Paroli bieten.

Staffelläufer Holger Freudenberger noch in Führung bei km 6 Marathonis Richard Schumacher, Kay-Uwe Müller und Dickson Kirui (von links) als Verfolgertrio bei Kilometer 6

Attila Berolo lag nun nur noch wenige Meter vor einem flotten Trio, das bald an ihm vorbeistürmte. Zwischen Sontheim und Flein näherten sich diese drei, Dickson Kurui (Kenia), Kay-Uwe Müller (TSG Schwäbisch Hall) und Richard Schuhmacher (Sparda-Team Rechberghausen) dem Führenden Freudenberger.

 

Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Schwarzwald Marathon HIER

Timo Striegel (Team Silla Hopp) passierte Berolo, der auch von Altmeister Marco Diehl (DVAG-Marathon) überlaufen wurde. Am Ende kam der Schnellstarter als 95. nach 3:38:33 ins Ziel.

Richard Schumacher, Kay-Uwe Müller und Dickson Kirui (von links) haben in Flein die Führung übernommen Die Marathonführende Simone Raatz kurz nach Flein Marco Diehl, Marathonseriensieger früherer Jahre, wird heute 6.

Am Ortsausgang von Flein war das Trio dem Staffelläufer überraschend schon davongeeilt. Mit dem Rad ist der steile Anstieg zum Haigern vor Talheim eine ordentliche Anstrengung, besonders wenn man sah wie leichtfüßig die schnellen Läufer die Steigung hochflitzten. Beeindruckend flog die Führende bei den Frauen an den Weinbergstöcken vorbei nach oben. Simone Raatz hatte sich schon einen großen Vorsprung erlaufen. Bis Kilometer 26 ging es ihr blendend. Auch dieses Jahr trieb der liebgewordene Alphornbläser die Wettkämpfer die letzten Meter der Steigung nach oben.

 

Banner anklicken - informieren
LR-Info Alb Marathon Schwäbisch Gmünd HIER

Bewundernswert auch Altmeister Siegfried Reichert, der noch immer schwindelfrei auf seiner ungesicherten Leiter per Megaphon die Läufer begrüßte und anfeuerte. Siggi leitet noch immer als Talheimer Urgestein seine Lauftreffler an, seine Wettkampferfolge in diversen Altersklassen sind Legende.

Altmeister Siegfried Reichert aus Talheim feuert schwindelfrei mit Megaphon die Läufer am Haigern an Traditionell bläst das Alphorn die Läufer den Haigern hoch

Noch brutaler als der Anstieg dürfte die steile Abwärtspassage nach Talheim für müde Oberschenkel gewesen sein. Mit dem Rad war es eine Freude, zumal der Fahrtwind herrlich kühlte. Trotzdem war höchste Konzentration angesagt, besonders weil heutzutage das Laufen auf der Ideallinie bei einem Großteil der Läufer nicht mehr praktiziert wird.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Trail Marathon Heidelberg HIER

Bei Kilometer 15 in Lauffen wird der Neckar überquert. Nun hieß es von den Marathonis Abschied nehmen, denn um 10.15 waren die Halben ins Rennen gegangen. 2011 konnte ich nur noch das hintere Feld mit der Kamera erwischen, hatte ich mich doch den Marathonläufern bis km 29 in Neipperg entgegengewagt. Wie bergig das Unterland ist, konnte ich auf der Fahrt nach Nordheim feststellen. Meinem Plan nach wollte ich um 10.45 Uhr wieder beim Haigern in Talheim sein. In Klingenberg fand ich die Weiche beider Strecken und überquerte den Neckar entgegen der Laufrichtung. In Horkheim verfehlte ich eine Abzweigung, kam auf die Straße nach Talheim, vermisste die Kilometerangaben und merkte bei mäßigem Autoverkehr, dass es knapp werden könnte, die Halbmarathonspitze noch rechtzeitig zu erreichen. Auch in Talheim fand ich nicht auf Anhieb die Strecke, schaffte es aber dann doch, fünf Minuten vor dem ersten Läufer am Fuße des Haigern zu stehen.

Maria Magdalena Veliscu stürmt den Haigern hoch und wird 2. Marathonfrau Conny Scholze (3. Frau beim Marathon) bei km 16 in Lauffen

Deutlich unter 32 Minuten hatte Jonah Kiplagat Kemboi den Haigern und die Zehnkilometermarke passiert. Dass wir hier den Sieger gesehen hatten, war mir in diesem Augenblick klar. Gefühlt eine Minute später, in Wirklichkeit sicher deutlich weniger, kam nur unmerklich langsamer sein kenianischer Landsmann Emmanuel Kiprono an uns vorbeigehuscht. Einer der Zuschauer meinte: " Die bremsen bergab nicht!" Nachdem sich in den nächsten drei bis vier Minuten nichts tat, äußerte sich ein anderer Beobachter: "Ich glaube, da machen nur zwei mit!"

In Lauffen geht es am Neckar entlang Laufen in Lauffen am Neckar Beim Neckarsteg in Klingenberg müssen weitere Höhenmeter gemeistert werden

Aber insgesamt haben 2.763 Männer und 1.035 Frauen mitgemacht, gerade mal 78 weniger als im Vorjahr. Der erste Weiße war der vereinslose Marius Puchta, den ich allerdings unter Grün-Weiß Kassel als passablen Mittelstreckler in der Läuferdatenbank finden konnte. Relativ dicht beieinander lagen an der gleichen Stelle Francesco Ballistreri (Lidl), Oliver Stoll (Audi) und Christian Wiesenmayer (Thera Running Team). Auf idyllischen, teilweise wunderbar schattigen Radwegen wurde Horkheim erreicht. Auf der großen Neckarbrücke kam die führende Frau, Prisca Kiprono, mit großem Vorsprung an mir vorbei. Wenige Meter später mussten die Läufer den schwankenden Bogensteg über den Neckararm überqueren, ehe sie nach einem kurzen Auf und Ab bei Kilometer 16,5 auf der Theodor-Heuss Straße auf die Marathonstrecke trafen.

 

Banner anklicken - informieren
LR-Info Gornergrat Zermatt Marathon

Deutlich unter 32 Minuten passiert der Halbmarathonzweite Jonah Kiplagat Kemboi Kilometer 10 auf dem Haigern Halbmarathonsieger Emmanuel Kiprono bei Halbzeit noch deutlich zurück auf Rang zwei Der Halbmarathondritte Marius Puchta hat schon bei Streckenhälfte diesen Rang inne

Auf der breiten Ludwigsburger Straße befanden sich viele Erfrischungsstellen. Inzwischen war der Läuferstrom stark angewachsen, trotzdem verlief die Fahrt neben den Sportlern problemlos. Das änderte sich erst wieder in Heilbronn, bei manchen Engstellen musste mit Bedacht "gearbeitet" werden. Auf dem letzten Kilometer musste der Fluss noch ein weiteres Mal überquert werden. Dann ging es durch den Startbogen und links weg durch das abfallende Marathontor. Auf dem Kunststoffoval wurden die letzten hundert Meter mit starker Unterstützung des unermüdlichen Sprechers zurückgelegt.

Florian Hochuli (11.), Wolfgang Gauss (10./1. M50) und Patrick Essig (9.) bei km 15 des Halbmarathonrennens Altmeister Wolfgang Schütz (1. M55) auf dem Neckarsteg in Klingenberg

Schon lange im Ziel war der Marathonsieger Dickson Kirui. Mit 2:31:15 war er genau eine Sekunde schneller als bei seinem Vorjahressieg gewesen. Kay-Uwe Müller sicherte sich mit ausgezeichneten 2:31:51 Platz zwei. Richard Schumacher, bei Halbzeit noch mit dem Sieger gleichauf, büßte auf der zweiten Hälfte noch 4 Minuten ein. Seine 2:35:46 sind in Anbetracht der doch stark aufkommenden Wärme und dem zwar kühlenden aber oft kräftigen Gegenwind ein außergewöhnlich gutes Ergebnis. Unter 3 Stunden blieben auch Timo Striegel (2:50:00), Frank Zocher (2:53:56), Marco Diehl (2:54:35) und Fabrizio Concina (2:57:26).

Prisca Kiprono, die Halbmarathonsiegerin überquert den Neckar Die Halbmarathonzweite Hannah Arndt nimmt in männlicher Begleitung den Neckarsteg in Klingenberg in Angriff

Simone Raatz bekam im letzten Drittel Probleme mit ihren Zehennägeln. Angesichts ihres großen Vorsprungs biss sie die Zähne zusammen und siegte deutlich, wenn auch die 3:03:28 ihren hohen Ansprüchen nicht ganz gerecht wurden. Seit der Geburt ihrer Tochter hat die Darmstädterin eine erstaunliche Reihe großartiger Erfolge vorzuweisen. Platz zwei belegte wie im Vorjahr Maria Magdalena Veliscu aus Rumänien in 3:10:05. 2017 war sie bei besseren Laufbedingungen im Regen gute 3 Minuten schneller gewesen. Conny Scholze (GENO-Runnerst) wurde in 3:18:29 Dritte. Unter 3:30 blieben noch Natascha Bischof (3:24:14), Sylwia Zakrewski (3:28:29) und die Polin Magdalena Bednarska (3:29:35).

Verpflegungsstelle auf der schnurgeraden Ludwigsburger Straße in Heilbronn Auf dem letzten Kilometer wird der Neckar noch einmal überquert

Nur etwa 4 Minuten nach dem Marathonsieger lief der Gewinner der Halbdistanz ins Frankenstadion ein. Es war aber nicht der bei Halbzeit führende Kemboi, sondern der Vorjahreszweite Emmanuel Kiprono, der sich gegenüber 2017 um 2:25 Minuten auf herausragende 1:05:03 steigern konnte. Sein Landsmann Jonah Kiplagat Kemboi lag mit 1:07:48 unerklärlich weit zurück. Marius Puchta konnte seine Position bis ins Ziel halten und lief 1:15:42. Auch Francesco Ballistreri (1:16:21) hielt seinen vierten Rang, während Christian Wiesenmayer (1:16:34) und Oliver Stoll (1:16:37) noch die Plätze tauschten. Heiko Schneider vom VfB Stuttgart kam wie seine Ballkollegen in der 2. Hälfte noch mächtig auf und belegte in 1:16:43 Position 7.

Angenehm schattig wird der Startbogen unterlaufen, bevor es links ab ins Stadion geht Die letzte Kurve vor dem Stadion steht bevor

Prisca erledigte mit 1:21:49 den zweiten Kiprono Halbmarathonsieg des Tages. Die Vorjahresdritte Hannah Arndt (run2gether) steigerte sich in 1:29:20 um einen Rang, war aber annähernd 2 Minuten langsamer. Die nächsten Plätze belegten Katharina Kaufmann (1:32:55), Beatrice Latz (1:35:26), Marina Müller (1:36:14), Korina Körner (1:36:26) und Jessica Blech (1:36:35).

Noch einmal leicht bergab durchs Marathontor ehe die letzten 100 Meter auf der Kunststoffbahn folgen

Eigentlich möchte ich mich selbst nach 7 Jahren nicht wiederholen. Mein Resümee fällt aber ähnlich aus. Beim "Trollinger" muss man sich einfach wohlfühlen. Ich habe es mit meinen 42,2 Radkilometern, 479 Höhenmetern (deutlich mehr als die Läufer) und der bescheidenen Nettozeit von 2:15 auf jeden Fall getan. Das Frankenstadion und seine Umgebung bleibt ein idealer Austragungsort für eine Veranstaltung dieser Größenordnung. Wenn ich recht gezählt habe, so sind insgesamt 6.622 Menschen sportlich aktiv gewesen, die Radreporter nicht mitgezählt. Über die am Samstag ausgelagerten Kinder- und Jugendläufe kann ich leider nichts berichten. Immerhin waren 807 junge Menschen in Bewegung gewesen: 800 m (162), 1,5 km (231) und 3 km (414). Ich finde die Verteilung auf zwei Tage wirklich sehr gut, da Eltern und Großeltern ihre Schützlinge viel besser anfeuern können, wenn aufgeregte und sich warmlaufende Individuen nicht im Wege sind. Zudem sind die Spielmöglichkeiten auch am Sonntag für die begleitenden jungen Familienmitglieder hervorragend gewesen. Erstaunlich war die hohe Anzahl der Walker mit 337 Männern und geradezu sensationellen 899 Frauen.

Eine erfrischend Dusche für überhitzte Athleten gibt es im Stadion Und wunderbares Lagern im Gras des Frankenstadions nach getaner Arbeit
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Landschaftlich sind die Strecken bei so viel Grün, Wasser und Wein-Bergen wirklich großartig. Für einen, der bei seinen 118 Marathonläufen jede Brücke und jede noch so kleine Erhebung gehasst hat, erscheinen im Alter die unendlichen Hügel und Gefällstrecken geradezu gigantisch. Meine Hochachtung vor allen Finishern stieg am heutigen Tag wieder einmal, besonders, als das Thermometer gegen Mittag auf 24° kletterte. Zwar habe ich einst mit Schwarzwald-, Hornisgrinde- und Schurwaldmarathon von der Schwierigkeit her ebenbürtige Rennen bewältigt, dort aber weit mehr Einsamkeit erfahren. Die Mischung aus Landschaftspassagen und Ortsdurchläufen ist ideal und die Freundlichkeit und der Einsatz der zahlreichen Helfer sucht seinesgleichen. Den Halbmarathon in einer ordentlichen Marathonzeit im sportlichen Gehen zu absolvieren, spukt seit heute in meinem Hinterkopf, ich meine etwa 2:10 Stunden, wenn ich von einer ordentlichen Marathonzeit spreche.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

Foto-Impressionen im LaufReport HIER

Ergebnisse www.trollinger-marathon.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

LaufReport ist für Leser gratis. Finanzierbar werden die Reportagen dank der eingefügten Bannerwerbung.
Hier im Überblick alle Werbeflächen dieses Beitrags im Miniaturformat direkt zum Anklicken:

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung