26.5.18 - 21. Greifenstein Berglauf Ehringshausen-Katzenfurt

Dudelsack-Spieler blasen Bergläufern den Marsch

von Helmut Serowy 

Weithin sichtbar liegt oberhalb des Dilltales - am Rande des Westerwaldes - die Burg Greifenstein mit ihren markanten Doppeltürmen. Die Burg wurde 1228 erstmals urkundlich erwähnt. Die charakteristischen Türme der heutigen Burg - einer mit Spitzhaube und einer mit Kugelhaube überdacht - stammen aus dem 14. Jahrhundert. Im Jahre 1415 kam die Burg in den Besitz der Linie Solms-Braunfels. Sie wurde ab 1602 zur stärksten Wehranlage im Westen des Deutschen Reiches ausgebaut. Dementsprechend überstand sie alle Angriffe während des 30-jährigen Krieges unversehrt. Unterhalb der Burg Greifenstein siedelte Graf Wilhelm Moritz 1685 in Daubhausen und Greifenthal glaubensflüchtige Hugenotten an.

1693 starb die Linie der Grafen von Solms-Braunfels aus. Graf Wilhelm Moritz verlegte daraufhin seine Residenz nach Braunfels. Die Burg Greifenstein blieb unbewohnt zurück und verfiel. Erst drei Jahrhunderte später - 1969 - erwarb der Greifenstein-Verein e.V. die Burganlage. Seitdem wurde die Anlage restauriert und ein Glockenmuseum eingerichtet. Heute ist die Glockenwelt Burg Greifenstein mit fast 100 Glocken die in ihrer Art bedeutendste Glockensammlung Deutschlands. Neben dem spannenden Rundgang durch ein Jahrtausend Glockengeschichte lädt die prächtige Barockkirche zum Besuch ein. Vom weitläufigen Burghof, erst recht aber vom begehbaren Turm, bietet sich zudem eine herrliche Aussicht weit über das Land.

 

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Im Dilltal starten die Läufer zum 21. Greifenstein-Berglauf Kommen die Burgtürme in Sicht, fordert die langgezogene finale Steigung vor Greifenstein nochmals alle Kräfte
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Um in den Genuss der beeindruckenden Ausblicke über das Dilltal zu kommen, haben die Bergläufer allerdings einen beschwerlichen und schweißtreibenden Weg zurückzulegen. Sie starten über die 5,3-km-Distanz außer Sichtweite der Burg Greifenstein im Dilltal im Ehringshausener Ortsteil Katzenfurt. Auf der welligen Landstraße durch das Tal nach Edingen haben sie anfangs Gelegenheit, sich über 2,5 Kilometer "einzurollen". Ein verführerischer Einstieg, der zu einem etwas zu flotten Tempo einlädt.

Ernst wird es erst in der Ortsmitte von Edingen. Nach einer scharfen Linkskurve stehen die Läufer unvermittelt vor einer 17%-Steigung und müssen ihren Laufrhythmus schlagartig umstellen. Bis zum Burghof sind nun über eine Distanz von 2,8 Kilometer insgesamt 260 Höhenmeter zu bewältigen. Der ersten heftigen Partie durch Edingen folgt eine etwas ruhigere Phase durch das freie Feld, eine weitere kräftige Herausforderung durch ein Wäldchen und ein kurzes Flachstück zum Erholen. Die Burgtürme und damit das Ziel bereits vor Augen, fordert die langgezogene finale Steigung vor Greifenstein dann nochmals alle Kräfte. Auf einem weiteren Flachstück im Ort heißt es dann, Schwung zu holen für die Rampe vor dem Burghof.

 

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Zahlreiche begeisterte Zuschauer vor und entlang der Strecke durch Greifenstein beflügeln und setzen die letzten Reserven frei. Zwei Dudelsack-Spieler sorgten für Abwechslung. Im steilsten Streckenabschnitt empfingen sie die bereits fix und fertigen Läufer und spielten auf. Erstaunlicherweise war das einigen gar nicht bewusst geworden.

Am Berg zieht sich die Läuferschlange weit auseinander Dudelsack-Spieler sorgen am steilsten Streckenabschnitt für Abwechslung

60 Läufer starteten beim ersten Greifenstein-Berglauf der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Dill. Die stetig steigende Beliebtheit zeigte sich bei der 20. Veranstaltung. Über 350 Meldungen und 323 Finisher registrierten die rührigen Veranstalter der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Dill im letzten Jahr.

Der kurze, aber anspruchsvolle Berglauf bietet sich den Breitensportlern als Erlebnislauf an, fordert aber auch ambitionierte Bergläufer heraus. Immerhin hat der ukrainische Bergläufer Serhiy Oksenyuk im Jahre 2002 den Streckenrekord auf 19:40 min geschraubt und Lea Bäuscher von der LG OVAG Friedberg-Fauerbach führt als deutsche Top-Läuferin seit 2014 die Frauenwertung mit 24:26 min an.

 
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Ein rühriges Organisationsteam sorgt zudem für eine familiäre und dennoch professionell durchorganisierte Veranstaltung - angefangen von der abwechslungsreichen Streckenführung, dem beeindruckenden Zieleinlauf auf dem Burghof, Moderation, proppenvollem Festzeit mit umfangreicher Siegerehrung und Tombola für alle Finisher.

Die Sonne heizte den Bergläufern in Greifenstein zusätzlich kräftig ein Nach dem Burgtor liegt das Ziel vor Augen

Nach dem erfolgreichen Jubiläumslauf hat sich der langjährige Cheforganisator Dieter Schulz - der mit seiner Crew viel Herzblut in die Veranstaltung steckte - aus zeitlichen Gründen zurückgezogen. Dem neuen Organisationsteam mit Markus Pelinka von LaufStil Sinn an der Spitze steht er aber weiterhin beratend zur Seite.

In bewährter Manier führte das neue Team die beliebte Veranstaltung fort. Über 300 Starter zeigten einmal mehr das Interesse an diesem Event, das immer mehr Freizeitsportler anzieht. Kurzfristig hatten die Veranstalter zudem ein Kinderrennen zur Burg in ihr Programm aufgenommen. Die Sonne heizte den Bergläufern in Greifenstein zusätzlich kräftig ein. "Wir sind hochzufrieden", freute sich Mitorganisator Uwe Keller während der Siegerehrung, "es lief alles rund. Und erfreulicherweise musste trotz der heftigen Hitze der Rettungsdienst nicht in Aktion treten."

 

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Yibrah Gidey Kahsay verteidigt seinen Titel erfolgreich Über den zweiten Rang freut sich Shako Rahmandour Als Dritter gewinnt Marc Feusser die M35 Christoph Kahn erreicht als Vierter das Ziel und holt "Silber" in der M35

Männerlauf

Im letzten Jahr hatte der erst kurze Zeit in Deutschland lebende äthiopische Flüchtling Yibrah Gidey Kahsay vom ASC Breidenbach dem fünffachen Sieger des Greifenstein-Berglaufs Christoph Bergmann vom LC Diabü Eschenburg und dem Extrem- und Ultraläufer Tim Dally vom Schneider-Sport Trail Team Paroli geboten. In der letzten Steigung vor dem Dorf lief er sich einen kleinen Vorsprung heraus und verteidigte diesen mit 21:01 min vor Bergmann (21:12 min) und Dally (21:17 min) erfolgreich bis ins Ziel.

Bei seinem zweiten Start schüttelte er eine kompakte Spitzengruppe deutlicher ab. Das Hitzerennen gewann er in 21:30 min. Dahinter bahnte sich in der Entscheidung um die weiteren Podestplätze ein Duell zwischen seinem Vereinskollegen Marc Feussner und dem aus Nürnberg angereisten und für die LG Asslar-Werdorf startenden Shako Rahmandour an. Die meisten Körner hatte schließlich Rahmandour, der sich nach 21:53 min "Silber" sicherte.

Marc Feussner verteidigte seinen dritten Rang vor den Verfolgern und lief mit 22:19 min zum Sieg in der M35. Dicht auf den Fersen war ihm da aber der Vierte, Christoph Kahn vom Tuspo Hörbach, mit 22:26 min. Zehn Sekunden zurück belegte Felix Grabolle vom Team TVE Netphen (22:36 min) den dritten Platz in der Männer-Hauptklasse.

Markus Riefer hat die Läufer der M50 unter Kontrolle. Hinter ihm Nils Wagner, der die M40-Konkurrenz anführt In der M45 siegt Lokalmatador Oliver Debus erneut Stark unterwegs ist in der M55 Chris Fröhlich Von der Schlickeralm nach Greifenstein - Hans Bichler ist in der M65 im Vorteil

Ein Sieger-Quartett führte der Spitzenreiter der M30 - Sören Plag vom LC Mengerskirchen (23:01 min) - an. Als Schnellster der M40 steigerte sich Nils Wagner vom TuS Naunheim auf 23:44 min. Er schob sich im Finish noch am Deutschen Berglaufmeister der M50, Markus Riefer vom SSC Hanau-Rodenbach (23:50 min), vorbei. Oliver Debus von der ausrichtenden LG Dill verteidigte seinen Vorjahres-Erfolg in der M45 trotz Verletzungsproblemen in der Vorbereitung mit 24:03 min erfolgreich.

Weit vorne im Gesamteinlauf platzierte sich auch M55-Sieger Chris Fröhlich vom Running Team Bad Ems mit 24:57 min. Er verwies damit den letztjährigen Sieger Frank Forster von der LAG Siegen (25:22 min) und Stefan Kopp vom TSV Krofdorf-Gleiberg (26:01 min) auf die Plätze. Die M60 gewann Walter Fiedler vom LC Diabü Eschenburg (30:00 min) vor Joachim Hackler vom SC Rückershausen (30:33 min).

Bergspezialist Hans Bichler vom SV Raiba Stubai lief in der M65 mit ausgezeichneten 28:21 min dem mehrfachen hessischen Seniorenmeister Robert Blum vom TuS Weilmünster (31:27 min) auf und davon. Otto Jatsch vom Team Naunheim überzeugte in der M70 mit 31:36 min. Kurt Felde lag mit 36:47 min wieder in der M75 an der Spitze. Der frühere Senioren-Berglaufweltmeister Werner Schanne vom Team Naunheim wollte sich vor dem Rennen nicht unter Druck setzen: "Ich werde den Lauf ruhig angehen. Es ist ja mein erster Wettkampf in dieser Saison". Mit 35:59 min sicherte sich der M80-Sieger dennoch einen erstaunlichen Mittelfeld-Platz.

Locker und dennoch flott unterwegs ist die Frauensiegerin Anna-Katrin Müller Carolin Schermuly liegt als Zweite in der W40 in Front W60-Siegerin Monika Donges erkämpft den dritten Rang im Gesamteinlauf

Frauenlauf

Anne-Katrin Müller vom Team Naunheim - die bereits 2015 den Greifenstein-Berglauf in 26:17 min gewann - hatte sich am Vorabend mit einem überlegenen Sieg beim Frauenlauf durch den Schiffenberger Wald in Gießen warmgelaufen. Auf dem Weg zur Burg steigerte sie sich um elf Sekunden auf glänzende 26:06 min. Die W45-Siegerin schaffte damit trotz der leistungshemmenden Hitze eine der schnellsten Zeiten auf der Strecke. Als Zweite und W30-Siegerin lief Carolin Schermuly vom LC Mengerskirchen nach 28:27 min auf den weitläufigen Burghof hoch über dem Dilltal.

Seniorin Monika Donges von den Aarsee-Runners schloss ihre "englische Woche" mit den starken Leistungen beim Kaps-Halbmarathon in Oberbiel und beim 10-km-Pfingstlauf in Krofdorf-Gleiberg mit einem weiteren erstaunlichen Ergebnis ab. Die W60-Läuferin überraschte beim dritten Rennen innerhalb einer Woche mit dem dritten Rang im Gesamtklassement der Frauen in 29:24 min.

Petra Kölsch gewinnt die W50 und holt ihren fünften Sieg in Folge Eine Bank in der M80 ist der frühere Senioren-Berglaufweltmeister Werner Schanne Im Feld, Kurt Felde, der die M75 gewinnt

Auf den Plätzen vier und fünf folgten Vorjahres-Siegerin Bianca Roos vom SC Oberlahn als Schnellste der W40 in 29:28 min und Tina Feix von der LG Asslar-Werdorf, die mit 29:30 min die W35 gewann. Sonja Gabriel aus Herborn lag als Sechste mit 29:42 min in der Frauen-Hauptklasse in Front.

Petra Kölsch vom ASC Weißbachtal setzte in der W50 ihre Erfolgsserie fort. Nach 30:36 min feierte sie bereits ihren fünften Seniorinnen-Sieg in Folge in Greifenstein. Sie hielt damit die aufkommende Elke Frank vom TSV Niederkleen (30:51 min) in Schach. Die W55 führte Susanne Lühring von der LG Asslar-Werdorf vor der Vorjahressiegerin Susanne Hein vom TV Kredenbach-Lohe (35:53 min) an. Marianne Domes von SV Dodenhausen brillierte in der W65 mit 31:59 min. Hannelore Friedl vom TV Großen-Buseck (55:17 min) siegte in der W75. Jüngste Siegerin war erneut Melina Eisenkrämer vom ASC Dillenburg in 34:45 min.

Noch eine letzte Rampe und der Burghof in Greifenstein ist eingenommen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Kinderlauf

Kurzfrist hatte das neue Organisationsteam des Greifenstein-Berglaufes ein Kinderrennen in das Programm aufgenommen. Während sich unten die "Großen" noch auf ihrem Weg zum Gipfel durch das Dilltal schlängelten, stürmten 15 Nachwuchsathleten bereits das Ziel auf dem Burghof und durchliefen dieses lange vor den Arrivierten.

Bericht und Fotos von Helmut Serowy

Ergebnisse lg-dill.de/start/berglauf

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