21.5.17 - 18. Schafberglauf in St. Wolfgang

Andrea Mayr gewinnt zum dritten Mal in Serie

Daniel Rohringer feiert zweiten Sieg beim "Mensch gegen Maschine"

von Winfried Stinn

St. Wolfgang im Salzkammergut, weltberühmt durch die Operette "Im weißen Rössl am Wolfgangsee", hat auch in der Laufszene, über Österreichs Grenzen hinweg, einen guten Ruf. Im Oktober steht der Klassiker "Rund um den Wolfgangsee" und jetzt im Mai der Schafberglauf in Österreichs Laufkalender. Dazwischen liegen noch einige weitere Laufveranstaltungen.

Den 18. Schafberglauf, der zum aus sechs Läufen gehörenden Salzkammergut-Berglaufcup und zum österreichischen Berglauf-Pokal gehört, gewannen Daniel Rohringer und Andrea Mayr. Auf nur 5,83 km galt es 1190 Höhenmeter zu bewältigen. Die Strecke führt vom Start bei der Talstation der Schafbergbahn entlang der Bahntrasse über die Schafbergalm zum Ziel bei der 1730 Meter hoch gelegen Bergstation. Der Schafberglauf findet in zwei Bundesländern statt. Der Start ist im oberösterreichischen St. Wolfgang. Das Ziel liegt auf der Gemarkung von St Gilgen und gehört zum Salzburger Land.

Blick über den Wolfgangsee auf St.Wolfgang mit dem Schafberg im Hintergrund Beim Schafberglauf geht es von der Talstation der Schafbergbahn in St. Wolfgang bis zur Bergstation auf der 1730 Meter hoch gelegenen Schafbergspitze
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Die Strecke bietet alles, was das Herz der Berglauf-Fans höher schlagen lässt: steile, schmale Pfade, Serpentinen, Almwiesen, Felsen, Geröll und bei guten Witterungsverhältnissen (so wie im Vorjahr) gibt es immer wieder und vor allem im Zielbereich traumhafte Ausblicke auf die Seen des Salzkammerguts und die Bergwelt. Zwar herrschten diesmal für die rund 230 Läuferinnen und Läufer gute Laufbedingungen, doch Bilderbuchwetter, wie im Vorjahr gab es nicht. Dichte Wolken und Nebel beeinträchtigten die sonst so grandiose Aussicht.

Der Schafberglauf, mit Start an der Talstation der Schafbergbahn und Ziel bei der Bergstation auf der 1730 Meter hoch gelegenen Schafbergspitze, fand 1983 zum ersten Mal statt. Von Anfang an steht der Wettkampf unter dem Motto "Mensch gegen Maschine". Das heißt, die Läufer versuchen schneller als die Dampflok der Schafbergbahn zu sein. Wie es zu dieser Idee kam, weiß Franz Zimmermann, der sowohl den Wolfgangseelauf, hier war er auch Premierensieger, und den Schafberglauf initiierte, zu berichten.

Der Wolfgangsee und das berühmte Weisse Rössl

"In den Fünfzigerjahren war ein gewisser Philipp Leitner bei der Schafbergbahn als Heizer beschäftigt. Damals gab es nur Dampfloks. An einem arbeitsfreien Tag startete Leitner zu Fuß hinter dem Zug Richtung Schafbergspitze. Er war fest entschlossen, das Ziel gleichzeitig mit dem Zug zu erreichen. Der Versuch gelang. Im Wirtshaus erzählte er in seinem Freundeskreis von dieser Leistung, doch niemand wollte das glauben. Schließlich setzte die Runde eintausend Schilling auf die Wette, dass Philipp im Kampf gegen die Maschine verlieren wird. Es kam der Tag der Wahrheit. Auf der hinteren Plattform des Wagons standen die Wettfreunde und beobachteten mit gemischten Gefühlen, wie sich Philipp abrackerte, zurückfiel und wieder aufholte, bis er schließlich mit dem Zug den Bahnhof auf 1780m erreichte. Die Maschine war besiegt, die Freunde und alle Fahrgäste applaudierten. Philipp hatte angeblich nicht lange etwas von seinem Wettgewinn, denn im Schafberghotel wurde auf Kosten des Siegers groß gefeiert", so Zimmermann. "Diese Geschichte brachte mich auf die Idee, im Jahr 1983 den Schafberglauf zu gründen", führt Zimmermann weiter aus.

So kam es dann, dass der Schafberglauf nicht nur zu einem "normalen" Rennen wurde, sondern dass auch der Kampf "Mensch gegen die Maschine" eine Rolle spielte. Für die Schafbergbahn, die 1893 in Betrieb genommen wurde, auch ein besonderer Werbegag. Doch die Zeiten haben sich geändert. Brauchte die Dampflok damals eine Stunde, so benötigt sie heute nur noch 45 Minuten. Allerdings werden bei den Schafbergläufen keine Dampfloks, sondern Dieselloks eingesetzt. Die Dieselloks brauchen nur 35 Minuten, das schaffte natürlich kein Läufer. Zum Vergleich: Der Streckenrekord von Helmut Schmuck steht bei 43:03 Minuten. .So wird als Messlatte die Zeit von 45 Minuten eingesetzt. Wer schneller ist, hat gegen die Maschine gewonnen. Dies gelang bislang nur Helmut Schmuck, Helmut Stuhlpfarrer, Christian Hoffmann und als einzige Frau Andrea Mayr.

Diesen Blick vom Schafberg konnte man dieses Jahr nach Zielankunft leider nicht genießen

Den Premierenlauf, bei dem 69 Läufer/innen das Ziel erreichten, gewannen Kurt Mayer und Bernadette Steinböck (beide Österreich). Neben Hobbyläufern zieren die Ergebnislisten einige in der Berglaufszene klangvolle Namen. Mit Helmut Stuhlpfarrer, der 1985 bei der ersten Berglauf-Weltmeisterschaft (damals noch Weltcup) die Silbermedaille gewann und diesen Erfolg noch zweimal wiederholte, gewann 1984,1985 und 1986 dreimal hintereinander einer der weltbesten Bergläufer.

2007 stellte der zweifache Bergauf-Weltmeister Helmut Schmuck mit 43:03 Minuten den noch heute gültigen Streckenrekord auf. Er verbesserte die Bestmarke von Stuhlpfarrer um eine Sekunde. Bei den Frauen gewann die österreichische Staatsmeisterin im Berglauf von 2010 Margit Egelseder zwischen 2007 und 2012 sechsmal hintereinander. Mit Anke Molkenthin (Siegerin 1993), die 1988 den Swiss Alpine Marathon in Davos gewann, und dem Premierensieger des Zermatt Marathons Stephan Tassani- Prell (Sieger 2009) stehen auch zwei deutsche Namen in den Siegerlisten.

Doch überragt werden alle von der mehrfachen Berglauf-Welt- und Europameisterin und zweifachen Olympiateilnehmerin Andrea Mayr. Sie gewann 2015 mit der sensationellen Zeit von 44:40 Minuten und verbesserte damit den Streckenrekord von Marlies Penker um "sage und schreibe" neun Minuten. Nur zwei Männer, Helmut Schmuck (2007/43:03) und Helmut Stuhlpfarrer (1986/43:0, 1985/ 43:12 und 1984/44:28) waren schneller als Andrea Mayr. Und noch ein Novum: Andrea Mayr siegte an diesem Tag vor allen Männern. Als erster Mann erreichte Andreas Trockner, Sieger von 2012 und 2013, eine halbe Minute später als Andrea Mayr das Ziel.

Daniel Rohringer siegt zum zweiten Mal Raimund Reindl belegt Platz zwei Alexander Brandner belegt Platz drei Emanuel Zeppetzauer belegt Platz vier

Im Vorjahr wiederholte Andrea Mayr ihren Sieg und gewann in 45:10 Minuten Bei den Männern gewann Christian Hoffmann in 44:58 Minuten und war damit nur zwölf Sekunden schneller als Andrea Mayr. Mit dabei auch Skisprung-Olympiasieger Andreas Goldberger
Die äußeren Voraussetzungen für die Läuferinnen und Läufer waren gut, wobei jedoch dichte Wolkenfelder und Nebel die sonst so grandiose Aussicht auf die Seen des Salzkammeguts und die Bergwelt stark beeinträchtigte.

Bei den Männern gewann Daniel Rohringer, Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft im Skibergsteigen in 45:51 Minuten. Schon nach 800 Meter übernahm Rohringer, der 2014 bereits gewinnen konnte, die Führung und gab diese bis zum Ziel nicht mehr ab. "Dieser Sieg hat einen hohen Stellenwert für mich. Mit der Zeit bin ich sehr zufrieden. Ich war fast eine Minute schneller als bei meinem Sieg vor drei Jahren." Mit einem Rückstand von nur knapp acht Sekunden wurde Raimund Reindl (RC Trumerseen) in 45:59 Minuten Zweiter vor Alexander Brandner (SC Bischofshüten). Emmanuel Zeppetzauer (SC Bischofshofen) belegte Platz vier. Lukas Gärtner, der Sieger von 2015, wurde Fünfter.

Andrea Mayr (SVS Schwechat), die nun schon seit mehr als zehn Jahren die Berglaufszene nach Belieben beherrscht, gebührt bei jedem Berglaufstart die Favoritenrolle. In dieser Saison hat sie bereits mehrmals beweisen, dass sie wieder auf eine Top-Saison hoffen kann. Schon zu Saisonbeginn hat sie ihre umfangreiche Medaillensammlung mit dem Weltmeisterschaftsgewinn im Skibergsteigen und zwei Titelgewinnen bei den österreichischen Staatsmeisterschaften (Cross und Halbmarathon) ausgebaut.

Andrea Mayr gewinnt zum dritten Mal bei den Frauen Marlies Penker, die Siegerin von 2014 wird Zweite und Siegerin der W40 Irmi Kubicka, die Siegerin von 2013 wird Dritte und gewinnt die W50 Anna Glack läuft auf Platz 4

Von Beginn an des Rennens ließ Andrea Mayr an ihren Siegeswillen keinen Zweifel aufkommen und lief dem Frauenfeld auf und davon. Nach 49:30 Minuten passierte sie zum dritten Mal hintereinander als Siegerin die Ziellinie auf dem Schafberg. Damit erreichte sie, wenn man sich der Fußballersprache bedient, ein "lupenreines Hattrick".

Wer eine zufriedene Siegerin erwartet hatte, sah sich getäuscht. Trotz ihres erneuten Erfolges war die ehrgeizige Läuferin mit ihrer Leistung unzufrieden. "Die Zeit ist völlig indiskutabel. Ich war rund zehn Prozent langsamer als in den beiden vergangenen Jahren. Ich bin zwar vor einer Woche mit dem Rad gestürzt, aber da ich mich dennoch für einen Start entschieden habe, erwarte ich auch eine bessere Leistung von mir", so Andrea Mayr selbstkritisch.

Immer den Bahnschienen folgen Daniela Karigl wird 5. Frau Andreas Stitz (vorne) gewinnt die M50

Hingegen rundum zufrieden war die Zweitplatzierte Marlies Penker, die 2014 einen neuen Streckenrekord lief, den sie dann ein Jahr später an Andrea Mayr verlor. "Wenn Andrea Mayr startet ist der erste Platz von vorne herein vergeben. Daher muss ich mit Platz zwei mehr als zufrieden sein. Der Schafberglauf ist eine tolle Veranstaltung. Die Strecke, die Atmosphäre und die Organisation gefallen mir sehr gut. Zudem ist für mich der Schafberglauf eine optimale Vorbereitung für den Ironman Anfang Juli." Dritte wurde die Siegerin von 2013 Irmi Kubicka (LG Pregarten) vor Anna Glack (Union Neuhofen) und Daniela Karigl (LC Sicking).

Aus deutscher Sicht ist lediglich ein Podestplatz zu vermelden. Alois Stöger (MRRC München) belegte in der M70 Platz drei. Hannes Hillebrand und Josef Wimmer vom Veranstalter LG St. Wolfgang zogen ein positives Fazit. "Mit dem Verlauf des 18. Schafberglaufes sind wir mehr als zufrieden. Die Rückmeldungen von Seiten der Läufer sind durchweg positiv. Die etwas geringere Teilnehmerzahl gegenüber dem Vorjahr ist sicherlich dem schlechten Wetter und den schlechten Prognosen geschuldet. Zudem hatten wir im Vorjahr eine Landesmeisterschaft." Die Siegerehrung fand im 1862 erbauten Hotel Schafbergspitze, dem ersten Berghotel Österreichs statt.

Am 15. Oktober findet der 46. Int. Wolfgangseelauf mit Salzkammergut Marathon statt
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Nach weiteren Läufen in der Wolfgangseeregion kommt es dann am 15. Oktober in St. Wolfgang mit dem 46. Internationalen Wolfgangseelauf zum abschließenden Höhepunkt der Laufsaison.

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

Ergebnisse www.schafbergbahn.at

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