6.5.17 - 36. Internationaler Kandel-Berglauf in Waldkirch

Favoritensiege durch Yossief Tekle und Melanie Noll

von Winfried Stinn

Beim 36.Internationalen Kandel-Berglauf in Waldkirch setzten sich mit dem Junioren-Weltmeister von 2010 Yossief Tekle (LG Reichenau-Zusamtal) und der Deutschen Berglaufmeisterin von 2012 Melanie Noll (TuS Heltersberg) die beiden Top-Favoriten durch. Mit dem vom SV Waldkirch veranstalteten Kandel-Berglauf wurde bislang traditionell die Berglaufsaison im Schwarzwald eröffnet. Doch in dieser Saison startete diese bereits in Zell am Harmersbach, mit dem Trail21. So ist der Kandel-Berglauf diesmal der zweite von sechs Wertungsläufen zum Schwarzwald Berglauf Pokal.

Über 12,2 km führt die Kandel-Berglaufsrecke vom Waldkircher Marktplatz über die Kandel-Fahrstraße zum Ziel auf die über 1200 Meter hohe Passhöhe zum Kandel-Gipfel
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Der Start für die 12,2 km lange Strecke war auf dem Waldkircher Marktplatz. Von dort ging es über die Kandel-Fahrstraße zum Ziel auf die über 1200 Meter hohe Passhöhe. Dabei galt es 940 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Eine Strecke, die auch immer wieder gute Straßenläufer anzieht. Schon von Beginn an war der Kandel-Berglauf nicht nur für Hobbyläufer eine feste Adresse. Auch die besten deutschen Bergläufer/innen zog es immer wieder nach Waldkirch. Den Streckenrekord bei den Männern hält der frühere Weltklasse Bergläufer Wolfgang Münzel, der 1986 in unglaublichen 48:39 Minuten auf den Kandel lief. Selbst die besten deutschen Bergläufer kamen nicht annähernd an diese Klassezeit heran. Bei den Frauen stellte die frühere Marathonläuferin Claudia Lokar 2002 mit 58:21 Minuten eine neue Bestmarke auf.

Trotz guter Besetzung waren die Streckenrekorde auch diesmal nicht in Gefahr. Dafür waren die äußeren Bedingungen, mit Dauerregen und Nebel auf den letzten Kilometern zum Ziel, auch zu schlecht. Aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse waren auch nur rund 250 Läuferinnen und Läufer am Start.

Die Spitzengruppe bei Kilometer 2 mit dem Sieger Yossief Tekle ganz rechts, dem Zweiten Bruno Schumi (Nr.28) dem U20 Sieger Julius Hild (234) und dem Vierten und U18 Sieger Marius Abele (links) Kevin Götz führt eine weitere Verfolgergruppe an

Bei den Männern bildete sich recht schnell eine mehrköpfige Spitzengruppe, zu der u.a. der späteren Sieger Yossief Tekle, Bruno Schumi (LG Brandenkopf), Marius Abele, Julius Held (beide SSC Hanau Rodenbach), Alexander Grigo (LT Pfohren) und Maximilian von Lippe (LT Metlangen) gehörten. Dahinter versuchten Markus Jenne (USC Freiburg), der zwischen 2008 und 2012 dreimal den Kandel-Berglauf gewinnen konnte, und Marcel Schmid (LSG Schwarzwald-Marathon) Anschluss zu halten. Eine weitere Verfolgergruppe wurde von Kevin Götz (SV Waldkirch) angeführt.

Bei Kilometer drei fiel dann die Vorentscheidung. Yossief Tekle verschärfte das Tempo und setzte sich damit von der Spitzengruppe ab. Von da an lief er die weiteren neun Kilometer alleine dem Ziel entgegen und passierte nach 2015 zum zweiten Mal das Ziel auf der Kandel-Passhöhe als Sieger. Mit der Zeit von 52:48 Minuten war er um mehr als eineinhalb Minute langsamer als bei seinem Sieg über Benedikt Hoffmann (TSG Heilbronn) vor zwei Jahren. "Die Zeit spielte heute keine Rolle. Bei guten Bedingungen traue ich mir eine Zeit von unter 50 Minuten zu", sagte Tekle, der vor drei Jahren aus Eritrea nach Deutschland kam und in Augsburg lebt. Als Asylbewerber darf er Deutschland nicht verlassen, so kann er nur bei deutschen Bergläufen starten.

"Ich würde gerne an den internationalen Bergläufen die zum Grand Prix gehören teilnehmen", führt Tekle weiter aus. Sein Trainer und Betreuer Franz Herzgsell sieht kaum Chancen, dass sich an seinem Status etwas ändert. So wird sich Tekle wohl weiterhin auf Läufe in Deutschland beschränken müssen.

Der Junioren Weltmeister von 2010 Yossief Tekle aus Eritrea gewinnt wie 2015 überlegen den Kandel-Berglauf Der amtierende Schwarzwald Berglauf Pokalsieger Bruno Schumi wird wie im Vorjahr Zweiter Maximilian von Lippe wird wie im Vorjahr Dritter

Wie im Vorjahr erkämpften sich Bruno Schumi und Maximilian von Lippe die beiden noch übrigen begehrten Podestplätze zwei und drei. Bruno Schumi, der im Vorjahr Gesamtsieger des Schwarzwald Berglauf Pokals wurde, war mit 53:44 Minuten rund eine halbe Minute schneller als im Vorjahr. "Mehr als Platz zwei war nicht drin. Deshalb bin ich sehr zufrieden mit der Platzierung. Da ich keine Chance hatte auf Yossief aufzulaufen und auch der Abstand zu den Nächstplatzierten recht groß war, brauchte ich nicht ans Limit zu gehen. Dass ich trotzdem bei den widrigen Witterungsverhältnissen schneller war als im Vorjahr, freut mich besonders", so Schumi, der seinen Pokalerfolg verteidigen möchte. Maximilian von Lippe lief als Dritter 54:26 Minuten.

Schon als Vierter platzierte sich mit dem erst 17jährigen Marius Abele der U18-Sieger ganz weit vorne. Überhaupt wartete der Nachwuchs mit überzeugenden Leistungen auf. Denn auf den Plätzen fünf und acht kamen mit Marcel Schmid, der Junioren-Sieger (U23), und mit dem deutschen U18-Meister über Hindernis und Cross Julius Hild, der U20-Sieger, zwei weitere Nachwuchstalente unter den besten zehn ins Ziel. Das wird Kurt König, Berglaufberater des Deutschen Leichtathletikverbandes, freuen. Der mehrfache Deutsche Vizemeister Markus Jenne wurde diesmal Sechster und Sieger der M40. Der Auftaktsieger des diesjährigen Schwarzwald Berglauf Pokals Alexander Grigo belegte Platz sieben.

Die Mannschaftswertung gewann die gastgebende Mannschaft des SV Waldkirch mit Kevin Götz, Marco Thoma und Armin Bernhard vor dem LT Unterkirnach und dem AHS Freiburg.

U18 Sieger Marius Abele wird 4. Der 5. Marcel Schmid wird Schnellster der U23 Markus Jenne, der Sieger von 2008, 2009 und 2012 wird sechster und gewinnt die M40 Marius Hild läuft als 1. der U20 auf Platz 8

Bei den Frauen ging Melanie Noll als die Top-Favoritin an den Start. Die Deutsche Meisterin von 2012 und Vizemeisterin des Vorjahrs, sowie mehrfache Welt- und Europameisterschaftsteilnehmerin gehört seit Jahren zu den besten deutschen Bergläuferinnen; alles andere, als ein Sieg wäre eine große Überraschung gewesen. Im Vorjahr startete Melanie Noll erstmals beim Kandel-Berglauf und lief als Siegerin mit 59:22 Minuten die zweitschnellste Zeit, die je eine Frauensiegerin beim Kandel-Berglauf erreichte.

Auf den ersten drei Kilometer sorgte zunächst Anja Röttinger (LAC Freiburg) fürs Tempo und lag vorne. Doch auf Sichtweite blieb ihr Melanie Noll auf den Fersen und lief nach dem dritten Kilometer an Röttinger vorbei. Mit der Zeit von 1:01:25 Stunden wiederholte sie ihren Vorjahressieg, war aber rund zwei Minuten langsamer als im vergangenen Jahr. "Mein Ziel war es zu gewinnen. Meine Vorjahreszeit hatte ich dabei nicht im Visier, dafür habe ich noch nicht die Form wie vor einem Jahr. Wichtig war für mich, dass ich mein Rennen gelaufen bin und meinen Rhythmus gefunden habe. Deshalb habe ich mich auch nicht vom hohen Anfangstempo von Anja irritieren lassen."

Die Deutsche Berglaufmeisterin von 2012 Melanie Noll gewinnt wie im Vorjahr überlegen Anja Röttinger wird 2. Susanne Gölz läuft auf Rang 3 Anna Janßen wird 4.

Anja Röttinger verteidigte ihren zweiten Platz und lief 1:04:16 Stunden. Auch wenn sie ihre Erfolge auf der Straße und Bahn erzielte, so hält sie noch heute den Streckenrekord beim Freiburg Marathon über die Halbmarathon-Distanz, ist ihr zweiter Platz keine Überraschung. Immerhin gewann sie bei der Deutschen Berglaufmeisterschaft 2010 in Müllheim die Bronzemedaille. Zwischenzeitlich ist sie zum dritten Mal Mutter geworden und arbeitet als Ärztin in einem Lahrer Krankenhaus. "Aufgrund der privaten und beruflichen Belastung fehlen mir einfach die langen Umfänge im Training. Deshalb konnte ich auch mein Anfangstempo nicht durchhalten. Daher muss ich mit dem zweiten Platz auch mehr als zufrieden sein."

Dritte wurde die diesjährige Zweite des Freiburg Marathons Susanne Gölz (LC Breisgau) in 1:09:37 Stunden. Auf Platz vier kam Anna Janßen (LG Region Karlsruhe) vor der Schweizerin Anita Wetter, die Siegerin der W50-Klasse. Die Plätze sechs und sieben gingen mit Franziska Schmieder (LG Brandenkopf/ 1. U20) und Hanna Bächle (LT Unterkirnach/1. U18) an die beiden schnellsten Nachwuchsläuferinnen.

Die Mannschaftswertung gewann die LG Brandenkopf mit Franziska Schmieder, Rosi Knäble und Sabine Witschel vor dem SV Waldkirch.

U20 Siegerin Franziska Schmieder läuft auf Platz 6 bei den Frauen W50-Siegerin Anita Wetter wird 5. Die Kastelburg, ein Wahrzeichen von Waldkirch
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Für den Veranstalter SV Waldkirch zog Bernhard Hollunder folgendes Fazit: "Auch bei der 36. Ausgabe des Kandel-Berglaufs waren wieder ausgesprochene Spitzenläufer am Start. Auf Grund der instabilen Wetterlage kamen deutlich weniger Nachmelder als in den letzten Jahren. Tatsächlich war es im Zieleinlauf ungemütlich nass und kalt. Aus Organisationssicht sind wir wieder mit dem reibungslosen Verlauf sehr zufrieden und hoffen auf besseres Wetter beim Kandel-Berglauf Ende April 2018."

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

Ergebnisse www.kandelberglauf.de

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