13.5.17 - 38. Volkslauf des TF Feuerbach (Stuttgart)

"Rund um die Mammutbäume"

von Günter Krehl

Feuerbach sollte man nicht nur alle 16 Jahre besuchen. So endete meine Laufreportage über den 35. Lauf im grünen Stuttgarter Stadtteil im Jahre 2014. Nun nach 3 Jahren fand ich nach einer Fahrt durch Wolkenbruch den Wilhelm-Braun-Sportpark am Triebweg wieder. Über die namensgebenden Mammutbäume hat Laufreport 2016 ausführlich berichtet und ich hatte vor drei Jahren Rückblick auf 35 Jahre Feuerbacher Volkslauf gehalten. Auch hatte ich von den wunderschönen Wegen geschwärmt, die ich annähernd "rennradtauglich" genannt habe. Nun heuer waren vor meiner Ankunft gewaltige Regenmengen gefallen und hatten die rot gekennzeichneten Markierungspfeile bis auf wenige Fragmente total weggespült. Auch hatten die Veranstalter die Kilometerangaben auf dem Boden markiert, davon war aber nichts mehr zu sehen.

5- und 10 Kilometer-Läufer/innen vereint in grüner Frühlingslandschaft Aufeinandertreffen von Wegstrecken, Streckenposten, Läufern und Publikum zum 1.300 Meter langen Schlussabschnitt
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Als nun langsam trabender Laufreporter wollte ich die Zehnerrunde in "sub 90" vorweg bewundern. Irgendwo nach Kilometer 3,5 verpasste ich die Abzweigung, konnte mich auch an den vorbeirauschenden großen Sanifahrzeugen nicht orientieren und nahm dann einfach einen Weg abwärts Richtung Nordost. So reichte es gerade noch, um 14.00 Uhr rechtzeitig beim Start der Bambini zurück zu sein.

Wie in den letzten Jahren bleibt die Zahl der Nachwuchsläuferinnen und -läufer mit etwa 40 recht konstant. Sie starten wie die Großen auf dem Radweg parallel zur Fahrstraße. Für den 500 Meter langen ebenen Wendepunktlauf wurde wie üblich kein Startgeld verlangt und es gab auch keine Zeitnahme. Ein Radfahrer führte die Kids, die alle mit viel Begeisterung ihr Rennen bestritten. Im Gegensatz zu 2014 waren alle Teilnehmer der Aufgabe gut gewachsen und niemand kam unter Tränen vom Papa gezerrt im Ziel an.

Start der Bambini über 500 Meter Alle Kinder waren gut vorbereitet und erreichten fröhlich das Ziel nach 500 Metern

Nach gut drei Minuten war der Lauf zu Ende und schon drängelten sich die Teilnehmer des Kinder- und Jugendlaufes über 2,5 Kilometer an der Startlinie. Gott sei Dank blieb die gesamte Veranstaltung von weiterem Regen verschont, trotzdem ist es nicht sinnvoll, die Schüler schon mehr als 15 Minuten eingepfercht am Start stehen zu lassen. Dieses Rennen war mit 158 das teilnehmerstärkste des Nachmittags. Doch ohne die Realschule Feuerbach, die alleine mit 134 Mädels und Jungs vertreten war, wäre auch nur ein kümmerliches Häuflein auf die Strecke gegangen.

Noch sechzehneinhalb Minuten bis zum Start des Jugendlaufes Nur wenige Schüler nehmen die Ideallinie durch eine große Pfütze

Es war eine wahre Freude, die Schüler in Bewegung zu sehen. Ihren langjährigen Motor, Rektor Herwig Rust, vermisste ich dieses Jahr in den Ergebnislisten. Im hinteren Feld ging es teilweise zwar gemütlich her, aber Walking im eigentlichen Sinne betreiben doch auch wir Ältere als wohltuendes Bewegen in freier Natur. Auf jeden Fall gebührt der Schulleitung und den verantwortlichen Lehrern ein Sonderlob. Man stelle sich nur vor, 5 weitere Stuttgarter Schulen würden ein ähnliches Engagement zeigen und in Feuerbach müsste der Jugendlauf mit Chip und Startgruppen über die Bühne gehen - träumen dürfen auch Laufreporter.

Den Jugendlauf gewann Zakaria El Haddadi in 8:58 vor Angel Torre Flore (9:33) und Filipe Janz (9:33). Bemerkenswert ist der 5. Platz des achtjährigen Franz Lämmlein mit 10:19. Die schnellsten Mädels waren Pia Schenk (10:44), Julia Schimpf (10:58) und Caroline Bleicher (11:03).

Der neunjährige Adam Lämmlein wird als Gesamtelfter noch von der Siegerin Pia Schenk (in Grün) überholt Die 2. Hälfte des Jugendlaufes geht angenehm abwärts zum Ziel

Dem Regen geschuldet, mussten die Teilnehmer dieses Jahr auf Kilometerangaben verzichten, was das Einteilen des Rennens sicher für Ortsunkundige erschwerte. Die fehlenden Pfeile ersetzten freundliche Streckenposten, die an allen Weggabelungen den Athleten die Richtung wiesen. Oft waren sie die beträchtlichen Steigungen zu ihrer Position mit dem Rad hochgefahren. Dem Waldboden hatte der Starkregen wenig zugesetzt. Insgesamt war der Untergrund etwas weicher aber nie matschig, sieht man von wenigen Stellen ab, an denen der Regen Schlamm auf den Asphalt geschwemmt hatte. Der Nachmittag gestaltete sich noch recht sonnig, was den Läufern bei der aufkommenden Schwüle nicht nur Freude bereitete.

Um 15.00 Uhr starteten die Meilenläufer (89 im Ziel, davon 14 Frauen), vor drei Jahren waren es noch 168 gewesen. 20 Minuten später machten sich die "Kurzstreckler" (149 im Ziel, davon 47 Frauen) auf die Reise, auch hier war ein Rückgang von 62 zu beklagen. Die Startzeiten haben zur Folge, dass beide Sieger etwa zur gleichen Zeit das Ziel erreichen, 2014 traf das auf die Sekunde zu. Heuer waren die ersten Athleten der Zehnerstrecke aber deutlich schneller. Heutzutage ist diese Tendenz bei vielen Veranstaltungen gewünscht. Ob das Vermischen von Halbmarathon-, Marathon- 10-Kilometerläufern und teilweise sogar von Walkern auf der Zielgeraden der Übersichtlichkeit für die Zuschauer und der Fairness gegenüber den Besten der jeweiligen Strecke dient, würde ich bezweifeln.

Der drittplatzierte Meilenläufer Andreas Keller hat auf den ersten Kilometern einen kleinen Vorsprung herausgelaufen Florian Gall belegt den 2. Platz über 10 Meilen Janosch Kowalczyk liegt hier locker laufend noch an 3. Stelle. Am Ende gewinnt er den Meilenlauf mit 15 Sekunden Vorsprung Manuel Hekel wird Gesamtvierter über 10 Meilen

Da in den heutigen Ergebnislisten die Angabe von Leichtathletikvereinen so gut wie keine Rolle mehr spielt, will ich in diesem Bericht ausnahmsweise darauf verzichten. Bei Kilometer dreikommafünf hatte sich Andreas Keller einen kleinen Vorsprung erarbeitet, er wurde später mit 59:46 Gesamtdritter und 1. M30 über 10 Meilen. Er war damit genau 1 Se-kunde langsamer und einen Platz "schlechter" als vor 3 Jahren. Florian Gall folgte an Position 2, konnte später Keller passieren, musste aber Janosch Kowalczyk aufschließen lassen. Die beiden lagen dicht beisammen, als sich etwa 1,3 Kilometer vor dem Ziel die Strecken wieder vereinten. Auf dem schnellen Schlussstück konnte sich Janosch Kowalczyk (59:01) als Sieger noch deutlich von Florian Gall (59:16/1. M40) absetzen. Kowalczyk steigerte sich gegenüber 2014 um 2:38 Minuten und drei Plätze. Auch bei den folgenden Läufern gab es nur wenige Verschiebungen während des Rennens. Die Positionen 4 bis 6 belegten mit schon beträchtlichem Rückstand Manuel Hekel (1:04:17/2. M30), der laufende Pfarrer der Stuttgarter Stiftskirche, Matthias Vosseler (1:07:40/2. M40) und Klaus Glück (1:08:43/3. M40).

Verfolgergruppe im Meilenlauf nach 3 Kilometern Klaus Glück (6. Meile/3.M40/1058) bei der "Weiche" noch zusammen mit Lars Empacher (7. Meile/1. M50/1075) Der einst "schnellste Pfarrer Europas", Matthias Vosseler, bei seinem Comback als 5. der Meilenläufer ist berufsbedingt meist an Samstagen am Start

Bei den Frauen lag Annette Bleibtreu vor Andrea Schlotz und Monika Pflieger in Front. Während Bleibtreu (1:21:00/1. W30) einem ungefährdeten Sieg zustrebte, musste Schlotz verletzungsbedingt ausscheiden. So konnte sich Monika Pflieger (1:26:08/1. W40) als Zweite vor Conny Klingel (1:27:43/2. W40), Claudia Proske (1:32:04/2. W30), Uta Matthis (1:32:44/1. W50) und Dagmar Megerle (1:36:58/3. W40) positionieren.

Monika Pflieger, die Gesamtzweite über 10 Meilen, bewältigt die ersten Anstiege mit einem Lächeln Uta Matthis, Gesamtfünfte und Siegerin der W50, verbreitet beste "Meilenlaune" Annette Bleibtreu mit fast 5 Minuten Vorsprung als Siegerin im Ziel der 10 Meilen

Auch über 10 Kilometer war die Vorentscheidung bald gefallen. Heiko Schneider lag bei der Wende für die gleichzeitig gestarteten fünf Kilometerläufer schon deutlich in Front. Er siegte nach 36:23 als 1. M45 mit fast einer Minute Vorsprung. Auch Jochen Scheele hielt während des Rennens seinen 2. Platz, den er mit 37:20 (1. M30) am Ende gerade noch gegen den heranstürmenden Reiner Deininger (37:29/1. M40) verteidigen konnte. Dieser hatte sich auf der zweiten Hälfte an Benjamin Bermayer (37:49/1. M35) und Felix Raab (38:58/2. M35) vorbeigekämpft. Sechster wurde Thomas Schuster (39:15/2. M30).

Heiko Schneider siegessicher 1.500 Meter vor dem Ziel Jochen Scheele (2./10 km) vor dem letzten Kilometer Rainer Deininger verpasst am Ende nur knapp Platz 2 (10 km), hier hat er Benjamin Bermayer passiert

Friederike Ruf beherrsche mit 44:53 (1. W30) das Frauenfeld eindeutig. Sabine Schreck wurde mit 47:27 (1. W) sichere Zweite. Auf den Rängen folgten Stefanie Fetzer (48:37/2. W), Sarah Wüst (50:43/1. W35), Susanne Reißner (51:11/1. W55) und Claudia Schubert (51:35/1. W40).

20 Susanne Reißer (5./1. W55/10 km) am Ende der kurzen Asphaltphase nach Kilometer 2 Anna-Maria Scholz (3. W30/10 km) mit viel Power und Freude auf dem letzten Kilometer

Der Einsteigerlauf über 5 Kilometer wurde gemeinsam mit der doppelten Distanz gestartet. Nach 2,5 Kilometer informierte der "Wendepunkt" auf einem kleinen Asphaltsträßchen jeden Läufer mit der Ansage: "Zehn-Kilometerläufer geradeaus, Fünf-Kilometerläufer hier zurück!" Alexander Hummel (21:35) und Sabine Benz (25:43) waren die schnellsten. Nur 2 Frauen und ein Mann waren als Walker unterwegs, 2014 sind es noch 8 gewesen.

Sabine Schreck 2./10 km mit raumgreifenden Schritt kurz vor der Wende der "Fünfer", die sich teilweise schon auf dem Rückweg befinden Friederike Ruf gewinnt mit mehr als zweieinhalb Minuten Vorsprung den Zehner Heidrun Frank-Begoihn (8./1. W50/10 km) läuft locker dem Ziel entgegen

Einige Leistungen der älteren Sportler seien an dieser Stelle genannt. 10 Kilometer: Die M55 gewann als Gesamtneunter der seit vielen Jahren in seinen jeweiligen Altersklassen ganz vorne laufende Marian-Jan Olejnik (39:56). Salvatore Gangi als Sieger der M65 war mit 45:07 nur 55 Sekunden langsamer als vor 3 Jahren. 1. M50 wurde Markus Menter (40:58), Heidrun Frank-Begoihn gewann die gleiche Klasse bei den Damen als Gesamtachte in 52:15. Ein Wiedersehen gab es mit Horst Kersten. Der frühere Spitzenläufer musste sich in der M70 nach 57:50 allerdings Erwin Mack (54:51) geschlagen geben. Ältester Teilnehmer war mit achtzig Jahren Stammteilnehmer Robert Baumstark (1:15:34). Die 77jährige Gine Weißmann war als 1. W75 nur 38 Sekunden langsamer als 2014. 10 Meilen: Der Gesamtsiebte Lars Empacher gewann die M50 in 1:08:59 und Ingrid Scior die W60 mit 1:39:56.

Raus aus dem Wald und die letzten 500 Meter romantisch auf dem Radweg ins Ziel Salvatore Gangi (1. M65/10 km) schnell und guter Laune
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Bei Kaffee und Kuchen auf dem liebevoll mit Tischen und Bänken hergerichteten Kleinspielfeld und wenigen Tropfen von oben, kamen dem Laufreporter wehmütige Gedanken. Nach weiterem Teilnehmerverlust bleibt die Erinnerung an drangvolle Enge im Sportpark und leistungsdichte Felder früherer Jahre. Was kann ein Veranstalter noch mehr bieten? Ein gutes Preis-Leistungsangebot, herrliche Naturstrecken, jede Menge engagierter freundlicher Helfer, eine exzellente Bewirtung und eine würdige Siegerehrung - Läuferherz was brauchst du mehr. Wehmut auch, dass die Tage alter "Schlachten" im Feuerbacher Wald Vergangenheit sind und ein Mitmischen in der jetzigen Läuferszene nicht mehr möglich ist. Sind heutzutage zwar Volkslaufsiege und vordere Plätze wesentlich leichter zu erringen, tauschen mit der alten Zeit und der hochkarätiger Konkurrenz möchte ich trotzdem nicht.

Wie 2014 schreibe ich: Den Volkslauf in Feuerbach sollte man nicht nur alle 16 Jahre besuchen, am besten sogar jährlich. Dem Veranstalter und uns wünsche ich aber, dass wir die Veranstaltung in 16 Jahren noch immer besuchen können.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

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