7.5.17 - 18. Gutenberg Marathon Mainz

"Meenzer" trotzten dem Regen

Mainzer "Babaryka-Festival"
von Constanze & Walter Wagner

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

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Ein seltenes Ereignis traf ein. Das hatte man in Mainz fast nicht mehr erwartet. Nicht, dass es endlich regnete, was ein Segen für die Natur war, die Rede ist auch nicht vom Unentschieden der 05er gegen den Hamburger SV, das noch für beide Teams den Klassenerhalt ohne Relegationsspiele offen ließ. Es geht vielmehr darum, dass der 18. Gutenberg-Marathon in der Ergebnisliste einen Marathon-Finisher mehr ausweist, als im Jahr davor, nämlich 873. Seit mehr als 10 Jahren, das erste Plus. Es sei denn, noch bekanntwerdende Korrekturen würden diese Erfolgsmeldung zu einer Fake-News machen.

Tradition hat die Athletenvorstellung am Tag vor dem Marathon auf der Marathonmesse durch Ralf Peterhanwahr von der Pressestelle der Stadt Mainz. In diesem Jahr konnte er mit Fabienne Amrhein eine der ganz schnellen deutschen Frauen für die Halbmarathonstrecke vorstellen und für den Marathon zwei Mainzer Serienstarter begrüßen. Ivan Babaryka aus der Ukraine vor seiner 6. Teilnahme und Rio-Olympiateilnehmer Roman Prodius aus Moldawien (links) vor seiner 4. Teilnahme
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Doch selbst dann, wäre dies kein Anlass, mit der 18. Austragung unzufrieden zu sein. Die Anmeldezahlen hinkten lange und deutlich hinter dem Üblichen her, entsprechend waren die Erwartungen ausgerichtet. Ein Hitzeereignis wie im Vorjahr, hätte eventuell mehr abschreckt, als das prognostizierte Regenwetter. Was für den aktiven Marathoni zutrifft, gilt nicht für den Passivsportler, der kommt nicht gern auf die Gass`, wenn es tröpfelt.

Unterm Strich kratzten die Mainzer schlussendlich immerhin knapp an 10.000 erfolgreich Teilnehmenden, die bevorzugt die halbe Distanz (5.707 Finisher) oder eine Teilstrecke im Team bewältigten (3124 inkl. Schüler-Ekidenlauf). Komplettiert wurde die Zahl mit dem auf 250 limitierten neuen Kinder-Fun-Lauf.

In der Fastnachtshochurg Mainz erwartet Bürgermeister und Sportdezernent Günter Beck den Start des 18. Gutenberg Marathon
OK-Chef und Rennleiter Dieter Ebert packt immer mit an, wo es nötig ist Maskottchen MaraThoni, Sportdezernent Günter Beck und Moderator Klaus Hafner, der Kult-Stadionsprecher des FSV Mainz 05, sind bereit, die Läufer loszulassen

Sportlich hielt man am Konzept fest, keine Einladungen an die überlegenen afrikanischen Berufsläufer auszusprechen. Geringe Unterstützungen erhielten weiterhin Eliteläufer aus Europa und bevorzugt jene seltenen Pflänzchen aus Deutschland, nach denen sich dutzende Renndirektoren die Finger lecken. Ein homogenes Spitzenfeld auf die Strecke zu schicken, mit einer großen Chance auf spannende Rennverläufe, so ist die Ausrichtung in Mainz. Es gelang 2017 teilweise ganz gut, allein über Halbmarathon waren die Siegerin und der Sieger schon früh sehr weit der Konkurrenz enteilt.

Josef Pollauf, Ansprechperson im Organisationsteam des Mainzer Gutenberg Marathon für Eliteanfragen, macht aus seiner Herangehensweise kein Geheimnis. Bevorzugt werden deutsche Athleten. Die könnten sogar der osteuropäischen Übermacht die Nase vor der Tür zuschlagen, wenn sie denn kämen. "Ich schreibe ein paar Dutzend Vereine an und offeriere deren Stars und Sternchen Unterkünfte, Reisekosten und Spesen, doch auf eine Antwort warte ich meist vergebens", so der Österreicher im Orga-Team.

Versteht sich von selbst: Beim Gutenberg Marathon laufen Maskottchen MaraThoni, und Schwellköpfe mindestens 11 Meter mit

Daniel Schmidt aus Remscheid, der im Trikot der LG Vulkaneifel startet, war überrascht, wie perfekt seinem Interesse in Mainz zu starten begegnet wurde: "Der Rückruf auf meine Anfrage im April erfolgte sofort." Wie in Essen beim Marathon rund um den Baldeneysee fühlte er sich gleich in besten Händen. Zwar konnte er nicht wie bei Gerd Zachäus auftrumpfen, wo er 2012 sowie 2014 siegte, in den letzten beiden Jahren jeweils Zweiter wurde und sich dabei auf 2:22:18 h steigerte. Doch dies könnte bei einer nächsten Teilnahme des diesjährigen Mainz-Debütanten anders werden, da er nun die Strecke kennt und die Mainzer Gastfreundschaft ihn überzeugte.

Teilnehmer des Schüler-Ekidenlaufs scharen schon mit den Füßen, nach dem Marathonstart müssen sie noch eine halbe Stunde ausharren
Erfrischungs- und Verpflegungsstellen, Applaus und Zuspruch, wie hier am Gutenbergplatz, gab es noch oft auf der Marathonstrecke. Erfrischungen gab es in diesem Jahr auch von oben

Am Samstag kamen bei der Athletenpräsentation die Karten auf den Tisch. Mit der Titelverteidigerin, zunächst nicht gemeldet, war kurzfristig wieder gerechnet worden und nun kam doch das Dementi. Eine Einigung mit Kateryna Karmanenko hatte man angeblich nicht erzielen können, wurde aus Managerkreisen gemunkelt, wobei sich in Mainz alles um das nicht geringe Preisgeld dreht und zusätzliche Leistung sich eben auf die Unterstützung hinsichtlich Unterkunft, Verpflegung und anteilige Reisekosten beschränkt.

Nach Zeiten gestaffelt gibt es bis zu 4.000 Euro für den 1. Platz, mindestens aber 1.500 Euro. Dazu lagen im Jackpot für eine Streckenrekordverbesserung weitere 1.500 Euro sowohl für Männer als auch für Frauen. Freilich galt die Zeit von Susanne Hahn als ungefährdet, denn ihre 2:29:35 h aus dem Jahr 2008 lag nicht im Bereich der diesjährigen Kontrahentinnen.

Gutenbergplatz: hier thront auf der einen Seite das Staatstheater mit seiner gläsernen Kuppel und gegenüber grüßt die Bronzestatue von Johannes Gutenberg, der berühmte Sohn der Stadt und Namensgeber des Marathons

Vielmehr zeigte es sich aber im letzten Jahr, wenn auch bei großer Hitze, dass frau mit etwas Glück 1000 Euro auch mit einer Zeit von über 3 Stunden kassieren kann. Eine vertragliche Vereinbarung wie bei vielen anderen Marathonveranstaltungen braucht es in Mainz nicht. Wer die Kriterien erfüllt, bekommt die Dotierung auch ausbezahlt. Doch scheinen dies keine lockenden Beträge für deutsche Läuferinnen und Läufer zu sein, die man in Mainz so gern hofiert. Da sich das internationale Elitefeld an einer Hand abzählen lässt, meist nicht alle Favoriten gut durchkommen, bietet der Gutenberg-Marathon eigentlich gute Möglichkeiten für Deutsche, noch einen der dotierten vorderen fünf Ränge zu erreichen, vor allem bei den Frauen.

Dass das Interesse eines mit der Athletenverpflichtung betrauten Organisators entsprechend erlahmt und man auch in Mainz die immer weniger leistungsorientierte Herangehensweise ähnlich großer deutscher Marathons diskutiert, erstaunt nicht. Dennoch, die Dotierung will man beim Gutenberg Marathon auch in absehbarer Zukunft nicht streichen. Dabei kamen jetzt zwei hervorzuhebende Resultate beim Halbmarathon zustande. Dieser findet schon immer ohne Geldpreise seine Teilnehmer, die zahlenmäßig sogar um ein Mehrfaches jene des Marathons übertreffen.

Haben die Läufer den 1000-jährigen Mainzer Dom passiert, tauchen sie ein in die schmucke Mainzer Altstadt. Dieses Jahr waren die Kopfsteinpassagen durch den Niederschlag rutschig und mussten mit erhöhter Aufmerksamkeit belaufen werden

Dies war nicht immer so. Aus dem Angebot nach halber Distanz mit Zeitnahme wenigstens gelistet zu werden, hatte sich immer mehr ein eigenständiger Wettbewerb über 21,1 km entwickelt. Längst warten auf die schnellsten Halbmarathonteilnehmer die Medienvertreter im Ziel. Was teils grotesk anmutete, wenn mehrere Marathonläufer die Ziellinie passiert hatten und sich längst auf ihrer zweiten, nicht identischen Runde befanden, während vor der Rheingoldhalle plötzlich einer die Arme hochriss und die Siegesovationen als Halbmarathonsieger entgegennahm. Die Macht der Gewohnheit und getrennte Ziel- bzw. Durchlaufkanäle erleichtern die Akzeptanz. Bei der 18. Austragung konnten sich die Zuschauer obendrein darüber freuen, dass beide, Siegerin und Sieger des Halbmarathons, deutlich vor ihren vermeintlichen Gegnern im Marathonfeld lagen.

Rennleiter Dieter Ebert kündigt mit Halbmarathonläufer Alexandr Babaryka den ersten Läufer an
Mit Abstand folgt das Marathon Spitzenfeld der Männer, angeführt von Halbmarathonläufer Adam Konieczny

Fabienne Amrhein rückte nach und in den Fokus

Um 9:30 Uhr nahm auch Fabienne Amrhein Startaufstellung. So war es eigentlich nicht vorgesehen, denn nach einem Höhentrainingslager in Flagstaff startete sie 14 Tage davor in Wien, um beim Vienna City Marathon über Halbmarathon die Norm zur Teilnahme an der Universiade zu erfüllen. Zwar siegte sie dort in persönlicher Bestzeit von 1:14:43 h, verpasste aber bei ungünstigen Bedingungen die Qualifikation für die Studentenweltmeisterschaft von 1:13:30 h deutlich. Mit der Vermutung, der Wechsel von der Höhe wäre für Wien zu kurzzeitig gewesen, ging sie nun doch recht zuversichtlich in Mainz an den Start. Zwei Tempomacher sollten die 24jährige Athletin der MTG Mannheim unterstützen, doch der Trainingskollege Kim Abel musste erkrankt passen. Es blieb Matthias Müller, der über einige Erfahrung als Tempomacher verfügt.

Fabienne Amrhein eilt in ihrem Halbmarathonrennen hinter Tempomacher Matthias Müller her. Begleitet wird sie bei ihrer flotten Fahrt auch noch von den Marathonläufern Daniel Schmidt (links) und Maciek Miereczko (rechts), sowie HM-Läufer Raoul Jankowski (gelbe Nummer)
Kerstin Stephan weiß dass ihre Siegesserie beim Halbmarathon reißt. Die schnellste der W40 wird 5. und verliert ihren Streckenrekord. "Nun habe ich wenigsten nicht mehr die Verpflichtung, in Mainz zu laufen nur um die Serie fortzusetzen", äußerte die fünffache HM-Siegerin vom LC Olympia Wiesbaden sich schon vor dem Rennen, als sie von der Teilnahme von Fabienne Amrhein erfuhr Julia Galuschka von der LG Telis Finanz Regensburg läuft auf Platz 2 im Halbmarathon

Glücklicherweise gesellten sich weitere Läufer zu diesem Duo, denn als Matthias Müller nach 15 Kilometern die Segel strich, übernahmen Daniel Schmidt und Maciek Miereczko die Aufgabe, die Masterstudentin für Molekular Biowissenschaften im hohen Tempo zu begleiten. Trainer Christian Stang wurde zunehmend aufgeregter, als die Qualifikation für Taipeh greifbar schien.

Unter großem Applaus schaffte es Fabienne Amrhein und verbesserte in 1:13:13 h den seit 2014 von Kerstin Stephan gehaltenen Rekord (1:19:09) gehörig. Dies bedeutete auch den Sieg bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft.

 

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Katrin Köngeter HS Furtwangen wird 3. über Halbmarathon und zudem 2. bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften
Tania Moser von Spiridon/Puerta del Sol e.V. läuft auf Rang 4 Julia Kümpers von der Uni Bonn wird 6. und 3. der Deutschen Hochschulmeisterschaften

Auf den zweiten Platz lief in der Zeit von 1:19:57 h Julia Galuschka ins Ziel. Die bei Wetzlar beheimatete W35-Läuferin startet für die LG Telis Finanz Regensburg und hat eine persönliche Halbmarathon-Bestzeit von 1:16:08 h. Dritte wurde Katrin Köngeter für die Hochschule Furtwangen, die in 1:21:24 wiederum den Silberrang der Hochschulmeisterschaften erreichte und sich gegenüber dem Vorjahr um über drei Minuten verbesserte. Julia Kümpers, Medizinstudentin an der Uni Bonn, konnte ihren Titel nicht verteidigen. Sie erzielte auf Rang 6 in 1:23:24 h Bronze bei der Deutsche Studentenmeisterschaft. Noch vor ihr kamen Tania Moser (1:22:22 - Spiridon Frankfurt) gefolgt von Kerstin Stephan (LC Olympia Dortmund und W40-Siegerin in 1:22:39 h) ins Ziel.

Aleksandr eröffnete das Babaryka-Festival

"Der schmierige Asphalt und mehr noch das glitschige Kopfsteinpflaster hat ein paar Minuten gekostet", vermutete der Sportbürgermeister, der ansonsten die Bedingungen für Läufer als sehr gut einschätze. Nun beim Halbmarathon war dieser Zeitverlust nicht zu belegen, denn auch Aleksandr Babaryka strauchelte auf seinem 21,2 km langen Weg nicht. Seine persönliche Bestzeit von 1:06:06 h, ist drei Sekunden besser als der Mainzer Uralt-Rekord aus dem Jahr 2002 von Michael Ngaseke. Den schien der Ukrainer, Marathondritter im Vorjahr, im Blick zu haben. Allein auf sich gestellt flog er förmlich über die Pfützen und schaffte ein organisatorisches Problem, denn schon bald war es alleine er, der das Führungsfahrzeug vor sich herjagte. Die Folgenden lagen weit zurück. Ein zweiter Vorausfahrer wurde eingeschoben, das Pressemotorrad der Stadt Mainz übernahm das Geleit der Marathonführenden.

Alexandr Babaryka aus der Ukraine gewinnt den Halbmarathon
2. wird der Pole Adam Konieczny vor seinem Landsmann Szymon Halcak Raoul Jankowski von der Uni Hannover läuft als bester Deutscher auf Rang 4 und wird Deutscher Hochschulmeister

Aus dem Stadtteil Weisenau zurück, hatte auch Aleksandr Babaryka einen soliden Vorsprung, wenngleich nicht mit dem Ausmaß, den die Frauensiegerin Amrhein herausgelaufen hatte. Im Ziel nach 1:06:42 h musste der Sieger über drei Minuten auf seinen besten Verfolger warten. Das Podium komplettierten die beiden Polen Adam Konieczny in 1:09:55 und Szymon Halczak, eine Sekunde dahinter auf dem dritten Rang. Die Deutsche Studentenmeisterschaft wurde eine klare Angelegenheit für Raoul Jankowski, der auf dem vierten Einlaufrang in 1:12:53 h den Titel für die UNI Hannover holte vor Tobias Pöhnl (UNI Hohenheim - 1:18:14) und Peter Raber (HS Karlsruhe - 1:18:26).

Eine fünfköpfige Gruppe führt kurz vor Halbzeit das Marathonfeld an
Die Marathonläufer Daniel Schmidt (links) und Maciek Miereczko haben nach Verlust des persönklichen Tempomachers bei km 15 die Tempoarbeit für Fabienne Amrhein übernommen und begleiten sie bis ins Halbmarathonziel

Die Strecke

Traditionell fällt der Startschuss für den Marathon, Halbmarathon und Staffellauf gemeinsam um 9.30 Uhr. Vor der Rheingoldhalle geht es los und dort enden auch die Bewerbe an gleicher Stelle. Die Strecke, die nach den Richtlinien des Deutschen Leichtathletik-Verbandes vermessen ist, besteht aus zwei Runden. Die erste Halbmarathonrunde führt in den Norden bis Mombach, auf dem Rückweg durch die Altstadt hinaus nach Weisenau ganz in den Süden der Stadt und nach einer Wende auf direktem Weg zurück zur Rheingoldhalle ins Ziel.

Nach ihrer unvorgesehenen Tempoarbeit für Fabiennen Amrhein passieren die Marathonläufer Daniel Schmidt (links) und Maciek Miereczko die Halbmarathonzwischenzeitmatte und gehen gemeinsam auf die restlichen 21,0975 km
Fabienne Amrhein von der MTG Mannheim gewinnt den Halbmarathon in Streckenrekordzeit von 1:13:13 und neuer persönlicher Bestzeit Trainer Christian Stang (links) und Pacemaker Matthias Müller freuen sich mit Fabienne Amrhein neben dem Streckenrekord im Halbmarathon und dem Titel der Hochschulmeisterschaft vor allem über die Qualifikation für die Universiade in Taiwan im August 2017

Für Marathonläufer schließt nun die zweite Runde an, die sogleich über die Theoder-Heuss-Brücke über den Rhein nach Hessen führt. Kurz nach dem östlichsten Punkt führt die Strecke vorbei an Kilometer 25 wieder zurück an den Rhein. Hier versuchte man früher mit der ausgeschriebenen 2/3-Strecke den Weg zum ganzen Marathon zu ebnen, doch wurde die Distanz kaum angenommen. Wieder stellt sich den Marathonläufern die Wölbung der Theoder-Heuss-Brücke in den Weg. Zurück in Rheinland-Pfalz folgt die bekannte Strecke nach Mombach, von dort, etwas verkürzt, geht es wieder auf den stimmungsvollen Altstadtabschnitt und nach dem Römischen Theater auf der Rheinstraße direkt Richtung Ziel. Der in den Anfängen zweite Ausflug hinaus nach Weisenau bleibt den Marathonläufern erspart.

Einweisung auf der Rheinstraße im Start- Ziel- und Durchlaufbereich für Halb-, Staffel- oder Marathonläufer

Starkes Marathon Sextett machte es beim Marathon spannend

Bei der Athletenvorstellung munkelte die Fachwelt, dass Ivan Babaryka zu gut aussehen würde und keinen austrainierten Eindruck mache. Auf Roman Prodius aus Moldawien hätte man eher gesetzt, wären Wetten auf den Rennausgang angenommen worden. Aber es gab ja einen erweiterten Favoritenkreis und tatsächlich bildete sich dem Wunsch der Organisatoren entsprechend eine mehrköpfige Spitzengruppe. Das Tempo war vielleicht auch nicht ganz so hoch, wie man es sich gewünscht hatte und für die Erfüllung diverser nationaler Qualifikationsnormen erforderlich gewesen wäre. Für das Publikum, das bei dem anhaltend leichten Regen dennoch an die Strecke kam, wenngleich nicht in dem Maße wie bei der hochsommerlichen letztjährigen Austragung, war der fesselnde Rennverlauf aber viel interessanter, als ein allein vorauseilender Eliteläufer und sei er auch fünf Minuten schneller unterwegs.

Die Marathonspitze zurück aus Hessen: bei km 28 noch immer ein Fünferfeld mit dem Moldawier Roman Prodius vorn, Daniel Ybekal Berye (dem späteren 4.) vom PSV Grün-Weiß Kassel (in Grün), Mohammed Hassi aus Marokko (Nr.. 7) der 3. werden wird, dem Spanier Jaouad Boulame BenBouchta (er wird am Ende 6.) und dahinter Ivan Babaryka

Die Halbmarathonmatte wurde nach 1:09:45 überlaufen. Erst nach 35 Kilometern zerbröckelte die Führungsgruppe zusehends und die beiden bereits genannten Athleten Prodius und Babaryka sollten das Rennen nun unter sich ausmachen. Roman Prodius hatte sein bestes Ergebnis in Mainz 2010, als er in 2:12:31 h Zweiter wurde. Dies ist noch immer die Bestzeit des zweifachen Olympiateilnehmers, 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro. Ivan Babaryka war sogar schon zweimal in Mainz Zweiter, 2008 und 2009, und Sieger des Halbmarathons 2014 und 2015. Dass seine Frau Tatiana Vilisova bereits zweimal den Gutenberg-Marathon gewonnen hatte (2012 und 2014) könnte ihn angestachelt haben. Als russische Staatsangehörige ist die in der Ukraine lebende Läuferin von der Sperre russischer Athleten betroffen.

Maciek Miereczko hat sich von Daniel Schmidt abgesetzt. Mit einer Aufholjagd wird er noch prämierter Fünfter werden
Daniel Schmidt von der LG Vulkaneifel wird als 11. ins Ziel kommen M40-Sieger Stefan Groß von der SG Wenden läuft auf den 13. Platz Karsten Müller (KIT Karlsruhe) wird 14. und Deutscher Marathon Hochschulmeister

Nach 36 Kilometern begann Babaryka seinem Gegner, mit dem er sich zwischenzeitlich locker unterhielt, mit Temposteigerungen zuzusetzen. Auf dem 39. Kilometer gelang es ihm dann sich endgültig zu lösen und einen sicheren Sieg in 2:19:34 h herauszulaufen. Roman Prodius folgte in 2:20:01 h als Zweiter vor dem Marokkaner Mohamed Hassi, der Dritter in 2:21:16 h wurde. Das ‚erweiterte' Rennen um den besten Deutschen entschied Daniel Berye Ybekal für PSV Grün-Weiß Kassel in 2:23:07 als Gesamtvierter für sich. Stark auf kam noch Maciek Miereczko vom VFB Erftstadt. Nach der ersten Hälfte in 1:13:12 h steigerte er sich noch auf 2:24:06 und wurde Fünfter. Sein Marathon-Debüt beendete der Spanier Jaoud Boualame BenBouchta in 2:25:59 h als Sechster. Unter 2:30 h schaffen es auch noch der 7. Belachew Kifle (2:27:09 - SG Egelsbach) und der 8. Demeke Wosene (2:27:41 - LG Rüsselsheim).

Kurfürstliches Schloss zu Mainz, Christuskirche und Deutschhaus, in dem der rheinland-pfälzische Landtag sitzt, lassen die Läufer auf ihrem Weg über die Theodor-Heuss-Brücke nach Hessen hinter sich

Daniel Schmidt finishte in 2:32:00 als Elfter und konnte nicht ganz das Tempo der ersten Hälfte halten. Damit war der Gesundheits- und Krankenpfleger, der nach dem Studium der Sozialarbeit Vollzeit bei der Verwaltung der Stadt Remscheid arbeitet, nicht allein, denn auch Giro Tola Brhan vom LAC Quelle Fürth ließ Federn und lag im Ziel nur noch 17 Sekunden vor ihm. Dennis Klusmann kam für LAZ Puma Rhein-Sieg mit konstanterem Verlauf in 2:32:09 auf Rang 12 vor Stefan Groß. Der 42jährige von der SG Wendel wäre gern an die 2:30 heran gelaufen. Mit 2:36:11 h gewann er klar seine Altersklasse.

In den Sonderwertungen platzierten sich bei den Hochschulmeisterschaften Karsten Müller (KIT Karlsruhe - 2:39:30) vor Marcel Bischof (DHBW Mosbach - 2:42:07) und Lukas Döbereiner (Hochschule Coburg - 2:44:55). Mainzer Marathon-Stadtmeister wurde Michael Chromik in 2:44:05.

Wem Marathon zu lang ist, der teilt sich die 42,195 km lange Strecke. So dachte auch Hermann Welzel, der Marathonläufer mit einer persönliche Bestzeit von 2:50 Stunden und brachte seine laufunerfahrene Famile damit zum ersten Marathonlauf. 8 Personen zählt der Familienhaushalt, das macht 2 Staffeln à 4 Personen. Die 6 Kinder zwischen 20 bis 27 dafür aus ganz Deutschland zusammen zu bekommen, ist alleine schon eine Leistung. Papa Hermann schaffte mit der Staffel "Vater und Söhne" eine 3:19:25, die"Mutter und Töchter"-Staffel erreichte das Marathonziel nach 4:11:42 Stunden
Mainzer "Babaryka-Festival": die Brüder Ivan (links) und Alexandr Babaryka gewinnen beim 18. Gutenberg Marathon Mainz den Marathon und den Halbmarathon

Frauen - sie wankten aber fielen nicht

Die mit Jaoud Boualame BenBouchta verheiratete Marokkanerin Aicha Bani, sie lebt in Spanien, lag in Führung und passierte die Halbmarathonmatte nach 1:18:25 h. Damit war sie im Bereich ihrer Bestzeit von 2:40:56, gelaufen 2016 in Rabat. Anderthalb Minuten zurück folgte Vira Ovcharuk aus der Ukraine. Weitere fünf Minuten danach hatte auch die Italienerin Mauricia Cunico den Weg auf die zweite Runde begonnen. Alle drei sollten auf den zweiten 21 Kilometern rund sechs Minuten länger brauchen und somit ihre Plätze halten können. Es siegte Aicha Bani in 2:44:46, der dritten Preisgeldkategorie und mit 2500 Euro um 500 Euro weniger auf der Habenseite als der Marathonsieger. Das in fünf Klassen abgestufte Dotierungssystem ist bei Männern und Frauen gleich hoch.

Im Marathon-Frauenfeld führt die Marokkanerin Aicha Bani von Beginn an
Vira Ovcharuk aus der Ukraine folgt auf Rang Zwei Die Italienerin Mauricia Cunico wird Dritte knapp vor ... ... der Polin Monika Kazmarek Schnellste Deutsche und 5. Frau wird Laura Opt Eynde

Vira Ovcharuk konnte in Mainz nicht an ihre stärksten Rennen vor einer Babypause anknüpfen, so lief sie 2010 in Rom ihre Bestzeit von 2:37:49 h. Nach 2:46:35 h war sie als Zweite im Ziel, konnte lediglich verhindern, dass der Abstand zur Siegerin auf der zweiten Hälfte weiter zunahm. Mauricia Cunico rettete den dritten Rang in 2:56:39 h ins Ziel, kam an ihre Bestzeit von 2:47:54 aus dem Vorjahr nicht heran. Nicht belohnt wurde das gleichmäßigere Renntempo der Polin Monika Kazmarek. Sie kam zwar bis auf 10 Sekunden an die Dritte heran, blieb aber in 2:56:49 Vierte. Bis zur Fünftplatzierten, der Deutschen Laura Opt Eynde mussten die Presseleute noch einige Momente warten, sie kam mit der Zeit von 3:07:05 ins Ziel. Mit dem sechsten Rang schließlich, den Rebecca Werking in 3:14:04 einnahm, war auch die Mainzer Stadtmeisterin ausfindig gemacht. 50 Frauen blieben unter vier Stunden.

Die Marokkanerin Aicha Bani führt auch nach 28 Kilometern das Frauenfeld im Marathon an
Bei den Mainzer Marathon-Meisterschaften liegt Rebecca Werking als 6. Frau an 1. Stelle

Was noch?

Die Siegerehrungen konnten vor der Rheingoldhalle auf der SWR-Bühne durchgeführt werden, soweit spielte das Wetter mit, doch ganz so einladend um den Sonntagmittag am Rhein ausklingen zu lassen, war es eben nicht und der Regen nahm sogar später zu. Wenig spektakulär war der 18. Gutenberg Marathon für die Ordnungshüter, die die übliche Zahl an Abschleppungen nannten, dabei versucht man in Mainz solche Maßnahmen zu umgehen. Aus dem Bericht der Rettungskräfte, 139 waren eingesetzt, sind 75 Hilfeleistungen und 9 Klinikverbringungen zu melden, alle nach ärztlicher Einschätzung undramatisch und ohne eine Reanimation.

Ivan Babaryka aus der Ukraine gewinnt bei seiner 6. Teilnahme den 18. Gutenberg Marathon in Mainz
Aicha Bani aus Marokko gewinnt den 18. Gutenberg Marathon Mainz bei den Frauen

Die giftgrünen Handschuhe, das Teilnehmerpräsent, wird man hoffentlich erst im Spätherbst häufiger sehen - oder doch gleich an den Eisheiligen? Sie erinnern an den 19. Gutenberg Marathon, der am 6. Mai 2018, eine Woche vor dem Muttertag um 9:30 Uhr gestartet werden wird. Dann wird wieder das kleine, verlässliche Marathonteam mit rund 1000 Helfern den Marathon stemmen, mit einigen Besonderheiten immer ein lohnender Termin in der sportbegeisterten Domstadt.

Dreh- und Angelpunkt vor und nach dem Gutenberg Marathon ist der Rathausplatz mit Blick auf den Hohen Dom St. Martin zu Mainz
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Noch lange formierten sich die Staffeln zum gemeinsamen Zieleinlauf, begleitete Joey Kelly seine Teamleute auf den letzten Metern ins Ziel, angefeuert von Klaus Hafner, dem gewichtigen Moderator, der seinen Einsatz trotz gesundheitlicher Probleme nicht absagte. Schließlich musste Joey dann doch zum Auftritt der Kelly Family im Fernsehgarten, sonst wäre er wohl noch lange weiter die Rheinstraße hin und her gelaufen. Überall glückliche Gesichter, jetzt noch ein Sieg in Hamburg… - Unentschieden, geht noch!

P.S.: Keine Fake News: Marathonfinisher auf 876 gestiegen!

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

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