27.5.17 - 12. ING Night Marathon Luxembourg

Heiße Sambarhythmen, heißes Pflaster, heiße Rennen

Käfighaltung, Brutkasten, riesiges Polizeiaufgebot

von Constanze & Walter Wagner

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Viele weitere Bilder in den Foto-Impressionen im LaufReport HIER

Der ING Night Marathon Luxembourg verträgt Hiobsbotschaften in den Überschriften. Das Dutzend ist voll und eine Meldung wiederholte sich ständig und wird absehbar auch 2018 wieder kommen: Wir sind ausgebucht. Eng wird es im historischen Zentrum, wenn sich Tausende von Zuschauern in die schmalen Straßen und auf die illustren Plätze beidseits der Strecke drängen, um den Nachtmarathon zu zelebrieren, alle Läuferinnen und Läufer mit lautstarker Unterstützung ein Stück gen Ziel tragen. Da wird das Helfen von außen für Läufer beinahe zur Qual, denn die ersten, die in den Gehschritt verfallen, werden zurück zur Flugphase gebrüllt. Wird die Stadt zum Hexenkessel und gesellt sich dazu mediterranes Klima, dann weiß man, dass sich die Bezeichnung ‚Gibraltar des Nordens' nicht nur auf die allgegenwertigen Felsen, sondern ebenso auf das stimmungsvolle Leben in der internationalen Europa- und Landeshauptstadt mit einem Ausländeranteil von rund 70 Prozent bezieht. Selbst in der Nacht wollte das Quecksilber in der Säule nicht fallen und verharrte noch lange bei 27 Grad Celsius.

Zahlreiche Helfer spielen am Marathonwochenende mehrere Stunden Wegeinweiser, das geht weniger in die Beine, dafür aber in die Arme. Neben Startnummern werden auch Give-aways der Sponsoren verteilt. Diese finden vor allem beim Publikum reißenden Absatz. Aber auch Laufteilnehmer mit Sombrero und Tamburin wurden auf der Strecke gesichtet
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Luxembourg feiert auch bei Regen seinen Marathon, doch bei den Temperaturen der 12. Auflage hielt es kaum einen daheim. Sambarhythmen in allen Gassen und kein freies Plätzchen in den unzähligen Straßenkneipen zu ergattern. Bei der aufgeheizten Ausgelassenheit die Massen im Zaun zu halten und die Strecke für die Läufer jederzeit frei zu halten, das war die Aufgabe vieler Helfer und der Polizei, die im großen Aufgebot mobil, aber auch punktuell fix zum Einsatz kamen. In schwierigen Zeiten, in denen Großveranstaltungen immer mit einem besonderen Risikofaktor belegt sind, kann man nur lobende Worte für alle Beteiligten finden. Freundlich, aber bestimmt, mit dem richtigen Händchen eingreifend oder zulassend. Bedenkt man, dass es Streckenabschnitte gibt, die nur einen schmalen Pfad für Zuschauer lassen und teils ganz den Läufern vorbehalten bleiben müssen, kann man sich vorstellen, welche Sisyphusarbeit von den Ordnern abverlangt wurde.

Das Kirchberg-Plateau im Rücken geht es über die Pont Grande-Duchesse Charlotte ins Zentrum. Kilometer 8 erreichen die schnellen Elitemänner im Dutzend Halbmarathonmänner in der Verfolgung mit dem Franzosen Hissam Aissa in der Mitte, der 2. im Halbmarathon werden wird. Sein Landsmann Florian Leon (links in Gelb) wird 24., der Deutsche Jan Knutzen gibt auf

Um einen Marathonkurs in dieser Stadt abzustecken, bleibt kaum eine Straße ausgespart. Für Zuschauer reicht es oft, lediglich einen Straßenzug weiterzuziehen um erneut an die Strecke zu gelangen. Dass dies vielfach genutzt wird, liegt auf der Hand. Es wird zudem von einem kostenfreien Busshuttle befeuert, der entferntere Positionswechsel, etwa zu den Staffelwechseln erleichtert und in sehr kurzen Zeitabständen bis weit nach Mitternacht aufrecht erhalten bleibt. Zunächst gilt es, den Anlauf von der Luxexpo auf dem Kirchberg-Plateau bis ins Zentrum zu meistern. Dies ist für Zuschauer mit dem Shuttle-Bus ein Leichtes, vor allem wenn auf das allerdings erlebenswerte Startprocedere verzichtet wird. Kommt man in die Stoßzeit lässt sich schon im Bus die Käfighaltung üben, der man später im proppenvollen Zentrum nicht entgehen kann.

Zahlreiche Zuschauer heißen die Teilnehmer am Champ du Glacis zwischen km 8 und 9 willkommen. Zahlreiche helfende Hände gewähren bei brütender Hitze ausreichende Versorgung. Mit dem "Tiger im Läufertank" rennt es sich doch gleich leichter weiter

Ein Gedanke sei noch vorweg geschickt. Oft ist in den Medien die Rede von der hervorragenden Stimmung bei einer Laufveranstaltung, die wird gern mal besonders hervorgehoben, obwohl sich nur eine Guggenmusik an die Strecke gewagt hat oder ein DJ zur Beschallung gewonnen werden konnte. Was Veranstaltungsdirektor Erich François mit seinem erfahrenen Team bietet, ist allemal hauptstadtwürdig. Vielleicht sogar einmalig. Ein Superlativ, dessen Prüfung sich der ING Night Marathon Luxembourg aber gar nicht stellen muss. Zum Staunen brachte er wieder viele, die an ‚einem der stimmungsvollsten Marathons Europas' dabei waren, bei dem es, sollte es überhaupt einen Mangel geben, dieser keinesfalls die Kreativität betreffen wird. Der ING Night Marathon Luxembourg in dieser von Schluchten durchfurchten mit Festungsanlagen übersäten geschichtsträchtigen Altstadt ist an sich ein unübertreffliches Gesamtkunstwerk, doch Erich François und sein Team gibt keine Ruhe um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen.

Der schnellste Luxemburger im Halbmarathon wird Christophe Kass auf Rang 4 Der Kenianer Cosmas Mutuku Kyeva läuft keinen Marathon und als Erster beim Halbmarathon ins Ziel Der Deutsche Sebastian Hallmann läuft auf Platz 3 und gewinnt zudem die M40

Die Wetterbedingungen waren 2017 so vorhergesagt. An eine Rekordjagd war also nie gedacht, als sich um 19.00 Uhr über 10.000 Läuferinnen und Läufer für ihr Langstreckenlauf-Abenteuer in Bewegung setzten, bei dem es für die Meisten in erster Linie um gesundes Ankommen ging. Auf 15.000 Startplätze hatte man aufgestockt, diese waren wie erwartet schon alsbald im Januar restlos vergeben. Dass das größte Kontingent für den Halbmarathon Verwendung findet, daran wird man vorerst nichts ändern. Würde man diesen extra deckeln, käme es am Ende zu einem verstärkten Wechsel vom Marathon zum Halbmarathon, die Strecken trennen sich erst nach 14,9 Kilometern und ‚Marathon-Abbrecher' werden im Halbmarathonziel gewertet.

Lisa Hahner gewinnt allein auf weiter Flur den Halbmarathon Mit Yvonne Engel läuft eine weitere Deutsche auf Rang 2 (1. W40) Die Luxemburgerin Pascale Schmoetten gewinnt als 3. die W45

Wie verzaubert verwandelt sich schon Stunden vor dem Start das Stadtzentrum in eine große Sportarena. Es kommt Bewegung in die Straßen, Werbemittel werden verteilt und finden reißenden Absatz. Orangefarbene Spitzhüte bestimmen plötzlich das Straßenbild. Mit Rasseln und weiteren Werbeutensilien sind die Marathonfans eindeutig erkennbar. Diverse Kopfbedeckung des ING Night Marathon Luxembourg werden teils übereinander getragen und selbst am Sonntag noch in der Stadt gesichtet. Am schweren Gang sind jene beim Sightseeing auszumachen, die am vorabendlichen Wettbewerb teilgenommen hatten.

Seit 12 Jahren dirigiert Jo Schindler, Renndirektor des Frankfurt Marathon, als Vorausfahrer beim Luxemburg Marathon die Marathonspitze. Er führt ... ... noch immer eine mehrköpfige Spitzengruppe in den Kinnekswiss Parc auf den Streckenabschnitt km 13 bis 14 In der Innenstadt eingangs der Grand Rue die fünfköpfige Spitzengruppe der Marathonfrauen mit der Äthiopierin Tsehay Gebre Getiso (F26) und der späteren 3. Jane Chelagat (F24) aus Kenia in Führung. Beji Geletu Bekelu (links dahinter in Blau) aus Äthiopien wird 2. werden

Mit 6842 Finishern, davon 2133 Frauen, beim Halbmarathon wird der Marathon leider deutlich übertroffen, der 1146 Finisher, davon 198 Frauen, zur Bilanz beisteuerte. 677 Viererstaffeln, also 2708 erfolgreiche Teilnehmer am Team Run, belebten zusätzlich die Marathonstrecke. Weiter wurde ein 5K Run for Success, Mini- (4,2 km) und Mini Minimarathonläufe (1 km) für Kinder angeboten und die Premiere des Roll & Run, einer Möglichkeit der Teilnahme auf Rollen. Insgesamt waren 116 verschiedene Nationalitäten aus 42 Ländern am Start.

Die Rennen

Im letzten Jahr feierte man die Verbesserung gleich von drei Streckenrekorden. Zu einer Verbesserung auch nur eines Rekordes sollte es bei Backofentemperaturen in diesem Jahr nicht kommen. Sportliche Bestleistungen sind durchaus willkommen, doch macht die gleichzeitige Teilnahme von Spitzen- und Hobbysportlern diese Veranstaltung aus. Es sind auf dem eher schwierigen Kurs selbst persönliche Rekorde kaum zu erwarten.

John Komen hatte im Vorjahr die Streckenbestzeit beim Marathon auf 2:12:57 h gesteigert, angesichts der abverlangten Höhenmeter, des streckenweise ziemlich winkeligen Parcours und der Kopfstein gepflasterten Passagen ein Höllentempo. Der Kenianer, dem nach zwei Siegen in Folge einige einen lupenreinen Hattrick zutrauten, war gewillt dies nicht unversucht zu lassen.

KM 14,9: auf dem Place Guillaume II, dem sogenannten Knuedler, trennt sich der Halbe vom Ganzen

Auffallend vielzählig war die Armada afrikanischer Läufer, die es darauf anlegten, John Komen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Auch eine gute Handvoll afrikanischer Läuferinnen starteten im Pulk auf die ersten Kilometer. Sie schafften es aber nicht, wie die Männer, die Gruppe lange zusammen zu halten.

Während sich das Marathonrennen erwartungsgemäß zu einer rein afrikanischen Ausscheidung entwickelte, war beim Halbmarathon Streckenrekordhalterin Lisa Hahner ohne gleichwertige Gegnerinnen klar Favoritin. In einem ganz besonderen Kräftemessen stand Zwillingsschwester Anna in einer der Prominentenstaffel im Fokus, als einsamer Zwilling im Team Run mit den Drillingen Lily, Liina und Leila Luik aus Estland. Einen überraschenden Ausgang fand der Halbmarathon der Männer, denn der ging unplanmäßig an einen afrikanischen Berufsläufer, dem der Anschluss an die Spitzengruppe sichtlich schwer fiel und der sich an der Weiche bei Kilometer 14,9 auf den direkten Rückweg machte.

Nach dem Knuedler geht es für die Halbmarathonläufer durch weitere Teile der Altstadt auf die letzten 6 Kilometer

Mehrere kleine Streckenänderungen waren aufgrund von Baustellen erforderlich geworden. Für das Elitefeld zuständig ist in Luxembourg kein geringerer als der Frankfurter Renndirektor Jo Schindler. Er radelt vor der Spitze her und bleibt mit den Schnellsten ständig in Kontakt. Sorgen bereiteten ihm, dass etwa der dritte Elitetrupp auf die gewohnten Pfade ausbrechen könnte. Allerdings war die Strecke so präpariert, dass dies eher auszuschließen war. Cosmas Mutuku Kyeva mit der Startnummer 6 war als Marathonläufer auch von vorne erkennbar. Um die beabsichtigte Teilnahme Verfolgern aufzuzeigen, hatten die Läuferinnen und Läufer des Halbmarathons eine Rückennummer mit der Angabe 21 KM.

Im Val de la Pétrusse nach 30 Kilometern die Spitzengruppe der afrikanischen Marathonmänner noch immer zu siebt. Der spätere Sieger Edwin Kibet Kiptoo zurückhaltend und in Blau Schnellster Deutscher und schnellster Europäer beim Marathon: Martin Husen wird 9. Bester Luxemburger wurde mit Rang 13 Bertil Muller

Die Weichen sind ebenfalls vorbildlich mit großen Schildern und viel Manpower ausgestattet, lassen beinahe zwangsläufig keine Fehler zu. Allerdings darf man nie vergessen, dass auf dem Place Guillaume II die Medienpräsenz ablenkt, zudem Sambabands, jede Menge Zuschauer und leider noch immer Bauzäune um das berühmte Reiterstandbild Wilhelm II. Die Halbmarathonläufer verlassen nach einer Schleife auf dem Platz denselben an gleicher Stelle, während den Marathonläufern die ganze Aufmerksamkeit schon auf dem Place d´ Armes alleine zukommt, in den sie nach einer kurzen Hauspassage eintauchen. Auch hier ist hinter den Absperrgittern kaum mehr ein freies Plätzchen zu ergattern.

Bei km 30 erreichen die Marathonläufer das paradiesische Val de la Pétrusse und den Eingang zum LEO Light Village. Direkt unter dem Viadukt gibt es seit dem Sommer 2016 mit dem Skatepark Petruss auch ein Paradies für Akrobaten auf rollenden Brettern

Die Medienausstrahlungen nutze Erich François zum Aufruf an die Bewohner an der Strecke nicht mit Wasser zu geizen, worauf nicht wenige ihre Sprinkleranlage gen Straße ausrichteten. Freilich gibt es in den Außenbezirken auch einige ruhigere Passagen, doch beim Halbmarathon bleibt dafür nur noch der Rückweg über den Kirchberg zur Luxexpo. Auf diesem Abschnitt ist der Bau einer Straßenbahnlinie bereits im zweiten Jahr prägend. Aufgewertet wurde dieser Teil der Rennstrecke mit dem verstärkten Einsatz von Musikgruppen, die die Läuferinnen und Läufer musikalisch ins Ziel weiterreichten.

Halbe Sachen: Früher im Ziel - weniger gesehen

Schon sehr früh wurde deutlich, dass Lisa Hahner selbst dann ihren Vorjahressieg wiederholen würde, sollte eine Eliteläuferin aus der Marathonspitze fliegend wechseln. Als wolle sie die Bedingungen nicht akzeptieren und gegen alle Vernunft ihren Rekord von 1:17:04 h angreifen, stiefelte sie hinter Zwillingsschwester Anna und Thomas Dold her, denen aber nur der erste Staffelpart über 8,8 km bevorstand. Dass dieses Vorhaben keineswegs aussichtlos war, zeigt die Laufzeit von 1:18:14 h trotz der über 30 Grad im Schatten.

Tsegay Gebre Getiso bei km 30 allein in Führung Schnellste Europäerin wird die Franszösin Nikita Thiebaut auf Platz 6 Auf Rang sieben finisht Fabienne Gehlen, die schnellste Luxemburgerin Schnellste deutsche Marathonläuferin wird Victoria Berg mit Rang 19

Ähnlich wie im Vorjahr war der große Abstand zu den nächsten Verfolgerinnen. Yvonne Engel (LT Schweich - 1.W40), die im Vorjahr in 1:25:56 h Dritte war, rückte nun mit 1:28:29 h auf den zweiten Platz vor. Die Luxemburgerin Pascale Schmoetten vervollständigte das Podium mit 1:29:45 h (1.W45), eine Leistung, mit der sie sich aufgrund der Bedingungen sehr zufrieden zeigte.

Bei den Männern waren die Würfel gefallen, als Cosmas Mutuku Kyeva fliegend auf die halbe Distanz wechselte. Der Kenianer schnappte sich mit der Zeit von 1:11:05 h den großen Siegerpokal mit fast einem Kilometer Vorsprung auf den Franzosen Hissam Aissa (1:13:51). Der Münchener Sebastian Hallmann zeigt sich nach Beendigung seiner Laufbahn als Spitzenathlet gern auf längeren Distanzen und absolviert mit Spaß auch die Marathondistanz. In Luxembourg überließ er dies allerdings seiner Freundin und begnügte sich mit dem Halbmarathon. Nach 1:14:59 h beendete er diesen auf dem dritten Gesamtrang und siegte in der M40.

Bunt illuminierte und künstlerisch gestaltete Figuren führen die ING Night Marathon Läufer durch das LEO Light Village

LEO Light Village gibt es nur für Marathonläufer

Nicht nur die doppelte Distanz steht den Marathonläufern bevor, sie dürfen zudem eintauchen in die Ville basse von Luxembourg, genauer ins Tal der Petruss und später natürlich wieder hinauf auf die auf Felsen gebaute Ville haute, die Oberstadt. Die noch immer existierende Gruppe an der Spitze dürfte wenig von den kunstvoll gebastelten Lampions und der Lightshow mitbekommen haben, denn einerseits ging es für sie auf die entscheidenden letzten zehn Kilometer. Andererseits waren sie einen Tick zu schnell und die Dämmerung noch nicht weit genug fortgeschritten, um die Farbenpracht zur Entfaltung kommen zu lassen. In der LEO Light Village hatten es die langsameren Teilnehmer viel besser getroffen.

Die Team-Runner "Marian II" aus Frankreich laufen für Think Pink Luxembourg Asbl nach 2:41:48 als Erste ins Marathonziel Stephane Ries nahm mit seinen Töchtern Barbara und Louise das erste Mal in Luxemburg und an einem Staffelrennen teil. Eigentlich sollte der Sohn das 4. Teammitglied stellen, da dieser aber verhindert war, sprang Rachel Reicher, eine Freundin der Familie ein. Sie kamen nach 4:43:07 Stunden Laufzeit für Iles de Paix, einem Projekt für wohltätige Zwecke ins Ziel Die Promi-Staffel, bestehend aus Anna von den Hahnertwins und den Drillingen Leila, Liina und Lily Luik laufen mit 2:43:35 die zweitschnellste Zeit im Team-Run Bewerb

Bei den Frauen bahnte sich im Tal der Petruss bereits eine Vorentscheidung an. Der Abstand zwischen der führenden Läuferin zu den Verfolgerinnen war bereits deutlich und ohne Einbruch konnte sie auf den letzten zehn Kilometern kaum mehr eingeholt werden. Doch der Rückweg ist ein stetiges Bergauf. Zunächst muss man zurück in die Oberstadt und dann hinauf auf das Kirchberg-Plateau, vorbei an d´ Coque, dem Centre National Sportif et Culturel, wo bei den ersten Austragungen der ING europe marathon noch sein Zuhause hatte. Hier verlässt die Strecke die Avenue John F. Kennedy um noch 2 Kilometer im modernen Geschäftsviertel abzuspulen, bevor es in die Messehalle hinein zum stimmungsvollen Finale geht.

Verabschiedet mit Applaus von den Gästen der Pop up Party aus dem verzaubernden Val de la Pétrusse hinaus

John Kipkorir Komen wirkte im Tal der Petruss sehr stark und schien seine Kontrahenten zu kontrollieren. Doch einer hielt sich permanent zurück und dieser zehn Jahre jüngere Landsmann zeigte sich in bester Form. Mit einer Bestzeit von 2:11:24 h aus dem Jahr 2016, ein Jahr zuvor lief er über Halbmarathon 60:11 min, war Edwin Kibet Kiptoo dennoch kaum zuzutrauen den erfahrenen Doppelsieger mit einer Marathonbestzeit von 2:07:13 h ernsthaft fordern zu können, der die Strecke bestens kannte. Aber der 29-Jährige hatte seine Kräfte geschont und dominierte die ‚Schlussetappe'. Nach 2:16:57 h war er zwar weit von den letzten Siegzeiten entfernt, aber angesichts der Bedingungen schlug er sich beachtlich. Er löste John Kipkorir Komen ab, der nach seinen Siegen 2015 und 2016 nun ein Vierteljahr vor seinem 40. Geburtstag Zweiter in 2:18:56 h wurde.

Bei km 35 eine Runde um den Place de la Constitution laufen und sich richtig feiern lassen

Einen dreifachen kenianischen Erfolg verhinderte Alex Chesakit aus Uganda als Dritter in 2:19:18 h, als auch sein Landsmann Peter Kibet, der in 2:22:06 h Vierter wurde, mit Jahrgang 1994 der Jüngste im Eliteklassement. Nur noch drei weitere Läufer blieben unter 2:30 Stunden, allesamt aus Kenia und Äthiopien. Als bester Europäer wurde der Deutsche Martin Husen aus Essen Neunter in 2:42:14 h. 16 Läufer kamen vor Ablauf von drei Stunden ins Ziel.

Die Zuschauer in den Altstadtgassen harren aus und werden nicht müde die Nachtläufer anzufeuern

Tsehay Gebre Getiso aus Äthiopien, Jahrgang 1992, baute ihren Vorsprung noch ein wenig aus und siegte in 2:46:09 h. Ihre Landsfrau Beji Geletu Bekelu, gar sieben Jahre jünger, setzte sich in 2:51:28 h gegen Jane Chelagat aus Kenia durch, die nach 2:52:56 h Dritte wurde. Die beiden nächsten Plätze gingen wieder an Athletinnen aus Äthiopien. Aregu Lechis Awaki schaffte es in 2:58:01 unter drei Stunden, dann dauerte es über eine Viertelstunde bis Urge Dechasa Eresa ins Ziel kam (3:14:26).

Das Samba-Festival des Vorabends setzt sich in der Marathonnacht ekstatisch fort

Nikita Thiebaut aus Frankreich kam als Sechstplatzierte die Ehre zu, beste Europäerin zu sein. Mit 3:19:50 h war sie einen Platz und nicht weit vor der besten Luxemburgerin, Fabienne Gehlen, die in 3:21:07 h zudem die W45 gewann. Nach Nettozeiten schafften es 26 Frauen unter 4 Stunden ins Ziel zu kommen. Darunter auch Victoria Berg als beste Deutsche in 3:49:35 h (brutto). Vor allem die Elitefrauen belegen, wieviel Zeit die extremen Verhältnisse gekostet haben, denn ihre persönlichen Marathonbestzeiten sind erheblich schneller.

Auf den letzten 2,5 Kilometern durften gogoGirls oder gogoBoys ihren Marathonläufer begleiten Wird gern zelebriert - auf den letzten Staffelteilnehmer warten und gemeinsam als Team-Runner in die Halle der LUXEXPO einlaufen

Könnte man meinen, bei solch einem Hitzespektakel müssten Klagen laut werden, sah man sich getäuscht. Begeisterung äußerten gleichermaßen ambitionierte und Freizeitläufer. Sebastian Hallmann mit einem Augenzwinkern: "Es war wahnsinnig. Von der Stimmung her besser als München." Was er alles als Halbmarathonteilnehmer verpasst hatte, erfuhr er gleich von seiner Freundin. "Den muss ich nachholen", entschied er spontan. Bei der ‚Goldenen 13' am 12. Mai 2018 ergibt sich die nächste Gelegenheit. Nur allzu lange darf man mit der Anmeldung nicht zögern.

Wie im Flug verlaufen die letzten Meter in die Messehalle der LUXEXPO

Dirk Pretorius und Michael Münch brachten in 4:28:09 Stunden den Job als Tempomacher für 4:30 h bestens ins Ziel. "27 Grad bei Kilometer 34, das war schon hart", so Dirk aus Erftstadt nachdenklich: "Die Stimmung ist einzigartig."

Die 4:29 Pacemaker Dirk Pretorius (rechtes Bild, links) und Michael Münch brachten ihre Gruppe zeitgerecht ins Ziel. Die beiden "Profi"-Tempomacher für das hintere Feld haben ihre Dienste schon auf zahlreichen Marathonveranstaltungen angeboten

Für 648 Läufer in 216 Teams bot der 5K Run for Success eine sportliche Alternative zu den Langstrecken. So mancher begnügte sich mit dem Halbmarathon oder machte bewusst langsamer. "Zum ersten Mal habe ich wegen der Hitze gelitten", sagte der Minister für nachhaltige Entwicklung des Großherzogtums, François Bausch, der bereits zweimal den Marathon gelaufen ist, diesmal aber die halbe Distanz bevorzugte. Und weiter: "Aber die Stimmung war wie immer toll. Man wird von den Tausenden Zuschauern in der Stadt getragen."

Vater + Sohn liefen gemeinsam in 4:26:40 den Marathon: Friedemann und Christoph Jähnig aus Deutschland Sandra Mastropietro aus München läuft nach 4:14:05 locker ins Ziel. Sebastian Hallmann ist nach seinem 3. Platz beim Halbmarathon nochmal auf die Strecke gelaufen um seine Freundin auf den letzten Kilometern sozusagen als gogoBoy ins Ziel zu begleiten Die Firma LEO bestromte nicht nur das Light Village, auch deren Mitarbeiter haben Energie, so wie Romain Decet, der gemeinsam mit "seinem" gogoGirl das Marathonziel nach 4:42:30 erreichte

Renndirektor Erich François, empfing um 1.17 Uhr den letzten Läufer. Traditionell überreicht er diesem eine Flasche Sekt. Der Anerkennung des Initiators der ersten Stunde können sich alle Läuferinnen und Läufer sicher sein, der in einem ersten Statement den Startern großen Respekt zollte: "Es war im wahren Sinne ein heißes Rennen. Ich bin den vielen Tausend Zuschauern sehr dankbar, aber auch den Anwohnern, die ihre Gartenschläuche herausgeholt und den Sportlern eine willkommene Dusche geschenkt haben. Allein am Limpertsberg gab es mehr als 20 solcher spontanen Abkühlungspunkte."

Das war die Luxembourg Story zum 12. ING Night Marathon Luxembourg - die Fortsetzung folgt am 12. Mai 2018
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Der ING Night Marathon Luxembourg mitten im Herzen Europas zählt mit 300 Höhenmetern zu den anspruchsvollsten Stadtmarathons des Kontinents. Der Lauf in die Nacht hinein wird getragen von stimmungsvollen Sambarhythmen, Lichteffekten, Beats und den rund 100.000 begeisterten Zuschauern, die die Nacht zum Tag machen. Die abwechslungsreiche Strecke durch die imposante Altstadt und durch das moderne Banken- und EU-Viertel endet auf der Ziellinie mitten in den Messehallen. Noch lange wird dort gefeiert. Der letzte Shuttle-Bus in die Innenstadt fährt erst um 3.00 Uhr. Für die unzähligen Helfer und eine Heerschar städtischen Personals ist allerdings erst Feierabend, wenn die Stadt für den sonntäglichen Ansturm der Touristen aus aller Welt gerüstet ist und die Spuren der Hitzeschlacht beseitigt sind. Gut, dass die Luxembourger ihre Stadt und ihren ING Night Marathon lieben.

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

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