20.5.17 - 20. Greifenstein Berglauf

Greifenstein Berglauf mit Start in Ehringshausen-Katzenfurt

Herrliches Wetter lockt zum Läuferfest auf dem Burghof

von Helmut Serowy

Rückblick

"60 Teilnehmer begeistert vom 1. Greifenstein-Berglauf" titelte die Lokalzeitung im Jahre 1998, als die in der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Dill zusammengeschlossenen Vereine erstmals den Berglauf mit dem Start im Dilltal und dem Ziel neben der hoch über dem Tal thronenden Burg Greifenstein ausrichteten.

Bis dahin hatten lediglich aus einer Bierlaune heraus einmal einige junge Männer den finalen Anstieg von Edingen nach Greifenstein in Angriff genommen und das Unternehmen "Berglauf" galt seitdem als wahrer Husarenstreich.

Ziel des Greifenstein-Berglaufes ist der Burghof in Greifenstein
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER

Im Vorfeld rührten die eifrigen Veranstalter kräftig die Werbetrommel, animierten die Bevölkerung der an der Strecke liegenden Dörfer Katzenfurt, Edingen und Greifenstein, während des Rennens die Gartenstühle hervorzuholen und Bier kalt zu stellen, um mit Fahnen und Trompeten die Bergläufer zur Burg hinaufzutreiben. "Strahlender Sonnenschein und die gute Organisation ließen die Läufer nach Ankunft auf dem Burghof der Burg Greifenstein schnell die Strapazen des Extremlaufes vergessen, der von den Läufern die Überwindung von 315 Höhenmetern auf den letzten 2,8 Kilometern der insgesamt 5,3 Kilometer verlangte," heißt es weiter. (die Höhenmeter wurden inzwischen deutlich auf 260 nach unten korrigiert). Als einer der 60 Starter beim Premierenlauf erinnert sich der Schreiber dieser Zeilen noch gut und gerne an die damalige Aufbruchstimmung sowohl bei den stolzen Ausrichtern, den ehrfürchtigen Zuschauern wie bei den Läufern, von denen sich viele erstmals einer solchen Herausforderung stellten.

In Katzenfurt starten rund 350 Läufer zum Jubiläums-Berglauf nach Greifenstein Am Berg zieht sich die Läuferschlange unendlich in die Länge

Selbst der Bürgermeister der Gemeinde Ehringshausen, Eberhard Niebch, reihte sich damals interessiert in das Starterfeld ein und finishte die Strecke als Eleve in recht ordentlichen 32:22 Minuten. Ruben Welsch vom CVJM SG Dillenburg erreichte als erster Sieger des Greifenstein-Berglaufes den weitläufigen Burghof nach 21:52 min und wurde vom damals noch nicht bundesweit bekannten Laufmoderator Artur Schmidt aus dem benachbarten Herborn entsprechend gefeiert. Den Pokal für die schnellste Läuferin erhielt Birgit Stepperger vom ASC Ströher Dillenburg.

Die Jubiläums-Veranstaltung

Mit dem 20. Greifenstein-Berglauf feierte das Organisationsteam der LG Dill um die aktuellen "Motoren" Dieter Schulz und Uwe Gimbel nun ein Jubiläum - sie erreichten zwar noch nicht die "klassische" Zahl 25, aber doch einen bemerkenswerten Meilenstein.

Aus den kleinen Anfängen hat sich der Lauf inzwischen längst zu einem der beliebtesten Lauf-Events in Mittelhessen entwickelt, zu dem sich jährlich über 300 Läuferinnen und Läufer melden. Hier kämpfen ambitionierte Bergläufer um Pokale und Medaillen, suchen aber auch die Breitensportler ihre Herausforderung und den Erlebnislauf.

Yibrah Gidey Kahsay hat den Siegerpokal fast sicher Das Duell der beiden Verfolger gewinnt Christoph Bergmann (M40, vorne) vor Tim Dally Als Vierter dominiert Sedric Steffen Haus die M35 M50-Sieger Lars Breuer erreicht als Sechster ein Top-Ergebnis

Die familiäre Atmosphäre der Gründerjahre hat sich der Greifenstein-Berglauf bewahrt. Markenzeichen bleiben weiterhin die reizvolle Strecke mit dem befreienden und gefeierten Zieleinlauf auf dem Burghof - von dem sich anschließend ein weiter Blick über das Dilltal mit dem Rothaargebirge, dem Dünsberg und dem Vogelsberg am Horizont bietet - die umfangreiche und kurzweilige Siegerehrung im proppenvollen Festzelt, die Tombola für alle Starter, das obligatorische Berglauf-Shirt …

Lohn für die Anstrengungen der Veranstalter war ein erneutes Riesengetümmel auf dem Start- und Zielgelände und am Berg. Über 350 Startwillige und rekordverdächtige 323 Finisher, dazu herrlicher Sonnenschein und angenehme Laufbedingungen sorgten für eine rundum gelungene Jubiläums-Veranstaltung.

Die Strecke

Die Strecke des Greifenstein-Berglaufes führt über 5,3 Kilometer. Wenn ein zufällig vorbeikommender Spaziergänger das Läufergewusel vor dem Start in Katzenfurt beobachtet, wird er allerdings schwerlich auf die Idee kommen, dass hier Bergläufer auf ihren Einsatz warten. Verwundert wird er vielleicht feststellen, dass die Läufer mit Bussen angekarrt werden. Und dass sie ihre überzähligen Klamotten in Rucksäcke und Plastiktüten stecken, die in einem kleinen Transporter verschwinden.

Bianca Roos (W40) holt sich überraschend den Siegerpokal in der Frauen-Konkurrenz Im Spurt erkämpft sich Brit Neunzerling erneut den zweiten Rang Sarah Füssl lag lange auf der Silber-Position, zeigte aber auch als Dritte eine gute Leistung Die Vierte, Eva-Maria Reichmann, sichert sich Rang drei in der Hauptklasse

Auf den ersten 2,5 Kilometern führt der Kurs durch das Dilltal nach Edingen - über eine etwas wellige, aber dennoch verhältnismäßig flache Landstraße. Eine verführerische Strecke, die zu einem flotten Tempo einlädt. Viele Starter haben daher oft bereits auf der ersten Streckenhälfte wertvolle "Körner" verpulvert, die später schmerzlich vermisst werden. Der eigentliche Berglauf beginnt schließlich erst in der Ortsmitte von Edingen. Über 2,8 Kilometer müssen jetzt 260 Höhenmeter bis zum Ziel auf dem Burghof überwunden werden.

Wenn die Läufer in Edingen die Hauptstraße in einer scharfen Linkskurve verlassen, stehen sie urplötzlich vor einer regelrechten "Mauer". Eine langgezogene S-Kurve mit 17 Prozent Steigung bremst den Elan unvermittelt. Unterschiedliche Steigungsgrade mit einigen äußerst anspruchsvollen Abschnitten folgen, nachdem die Läufer den Ort verlassen haben. Die Burg als Ziel bereits vor Augen, müssen schließlich in einer mächtigen Kurve vor Greifenstein und auf dem Anstieg zum Ortseingang die letzten Reserven mobilisiert werden. Dafür werden die Läufer von einer großen Zuschauerkulisse vor der finalen Rampe zum Ziel auf dem Burghof empfangen, angefeuert und gefeiert.

Die Streckenrekorde in Greifenstein sind hochklassig und hielten auch in diesem Jahr dem Ansturm stand. Immerhin lief der ukrainische Berglauf-Spezialist Serhiy Oksenyuk hier bereits im Jahre 2002 beachtliche 19:40 min. Die mehrfach im Nationaltrikot gestartete Lea Bäuscher (LG Friedberg-Fauerbach) schraubte den Rekord bei den Frauen im Jahre 2014 auf ebenfalls starke 24:26 min.

Gemeinsam kämpfen sich Oliver Debus (li, M45) und der Jugendliche Sven Lorenz zu
Klassensiegen
Frank Forster - Schnellster der M55 - führt eine große Truppe den Berg hinauf Michael Scholze (in Weiß) liegt bei der M60 in Front Einem weiteren Erfolg in der M70 strebt Wendelin Häusler entgegen Unermüdlich in der M75 unterwegs: Kurt Felde

Yibrah Gidey Kahsay enteilt Christoph Bergmann und Tim Dally

Zu den Favoriten des Jubiläumslaufes in Greifenstein musste man den fünffachen Sieger Christoph Bergmann vom LC Diabü Eschenburg sowie den Extrem- und Ultraläufer Tim Dally vom Schneider-Sport TrailTeam - den Sieger des Jahres 2015 - zählen.

Zu ihnen gesellte sich allerdings ein in der Szene noch nicht so bekannter Läufer - der erst seit Ende Dezember in Deutschland lebende äthiopische Flüchtling Yibrah Gidey Kahsay. Mit Unterstützung seiner Trainingskameraden beim ASC Breidenbach arbeitet sich dieser allmählich an seine Bestzeiten heran. Beim Halbmarathon in Hannover schaffte er bereits 1:12:36 Stunden und den Dillenburger Stadtlauf gewann er kürzlich in 34:04 min.

 

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Den ausgewiesenen Bergläufern Christoph Bergmann und Tim Dally bot das Leichtgewicht auch am Berg Paroli. In der letzten heftigen Steigung vor dem Ortseingang - die markanten Türme bereits vor Augen - hatte er sich leicht von dem Duo abgesetzt. Den Vorsprung verteidigte er erfolgreich bis ins Ziel vor der historischen Folterkammer. Nach 21:01 min holte er sich den Siegerpokal.

Melina Eisenkrämer gewinnt die weibliche Jugendklasse Petra Kölsch glänzt in der stark besetzten W50 und siegt in Greifenstein zum vierten Mal in Folge Susann Hein läuft in der W55 vorne weg Verteidigt ihren Vorjahres-Erfolg in der W65: Helga Born

Spannend blieb die Entscheidung um den zweiten Rang. Christoph Bergmann, der in der finalen Steigung das Tempo bestimmte, nahm schließlich die letzte Rampe zum Burghof fünf Sekunden vor Tim Dally in Angriff und erweitere seine umfangreiche Medaillen-Sammlung des Greifenstein-Berglaufes nach 21:12 min um eine Silbermedaille sowie den Erfolg in der M45. Tim Dally verbuchte neben dem dritten Rang nach 21:17 min noch den Klassensieg in der M30. Ungefährdet folgte als Vierter und Schnellster der M35 Sedric Steffen Haus vom LC Diabü Eschenburg in 22:26 min vor dem Vorjahres-Sechsten und Zweiten der M30, Sören Plag (22:42 min).

Stark präsentierte sich als Sechster der M50-Sieger und Organisationsleiter des Brechener Straßenlaufes, Lars Breuer von der LG Brechen, mit beachtlichen 22:53 min. Lokalmatador Oliver Debus von der LG Dill bestätigte seine Form, indem er erneut mit 23:45 min Platz acht im Gesamteinlauf erreichte und seinen Titel in der M45 verteidigte. Jugendsieger Sven Lorenz vom ASC Dillenburg schrammte wie im letzten Jahr mit 24:19 min als Zwölfter knapp an der Top-Ten-Platzierung vorbei.

Wie immer setzten sich die erfahrenen Senioren in Greifenstein in Szene. Mit dem 13. Rang überzeugte in der M55 Frank Forster von der LAG Siegen mit 24:20 min. Michael Scholze vom TuS Deutz setzte sich mit 29:06 min in der M60 durch. Eine Klasse für sich war wieder in der M65 Hans Bichler vom SV Schlickeralm Stubai mit herausragenden 27:10 min - für den der Lauf in den Mittelgebirgsausläufern natürlich keine Herausforderung darstellt.

Eine mächtige Kurve zwingt viele zum gehen Hinter der Stadtmauer erwarten zahlreiche begeisterte Zuschauer die abgekämpften Läufer Müde, aber glücklich marschieren einige die letzte Rampe zum Ziel herunter, während andere die letzten Reserven herauskitzeln um diese zu erklimmen

"Urgestein" Wendelin Häusler vom Stadt-Lauf-Treff Gießen mischte die M70 in 31:56 min auf. Der ebenfalls nimmermüde Kurt Felde von der LGV Marathon Gießen überzeugte in der M75 mit 36:32 min und Heinz Wagner vom VfL Wehbach schaffte in der M80 die Strecke in beachtlichen 35:33 min.

Bianca Roos überraschte beim Frauen-Rennen

Ein flottes Rennen zeigte Bianca Roos vom LC Oberlahn beim 20. Greifenstein-Berglauf, dass sie auch unbeirrt bis zum Ziel durchzog. Ihr mutiger Einstieg wurde mit 28:01 min und dem im Vorfeld eigentlich nicht erwarteten Gesamtsieg belohnt. Zugleich führte sie damit die W40 mit fast fünf Minuten Vorsprung an.

Offen blieb dagegen lange die Entscheidung um die weiteren Medaillen und Platzierungen, für die sich zahlreiche Läuferinnen bewarben. Sarah Füssl vom AS LahnLaender Lahnau, die zuletzt aussichtsreich auf dem zweiten Rang lag, konnte schließlich das Finish der anstürmenden Brit Neunzerling vom LC Diabü Eschenburg nicht mehr abwehren. Mit 28:50 min eroberte Brit Neunzerling erneut Rang zwei und den Siegerpokal in der Frauen-Hauptklasse vor der knapp geschlagenen Sarah Füssl (28:52 min).

Für die Anstrengungen werden die Läufer mit einem herrlichen Ausblick belohnt Mächtige Glocken erwarten die Besucher im Glockenmuseum
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Eva-Maria Reichmann vom LC Diabü Eschenburg hielt mit 29:20 min die W45-Siegerin Christiane Ermert von der RSG Montabaur (29:31 min) in Schach. Diese wiederum erreichte nur vier Sekunden vor der stärksten W35-Läuferin Dinah Mattay vom ASC Marathon Friedberg (29:35 min) das Ziel. Nach ihrem Hattrick in der W45 erkämpfte sich Petra Kölsch vom ASC Weißbachtal als W50-Siegerin in glänzenden 30:02 min in Greifenstein den vierten Sieg in Folge. Sie verwies damit die ebenfalls starken Claudia Göbel (30:49 min) und Christina Dintelmann (31:08 min) aus der Truppe des LC Diabü Eschenburg auf die weiteren Medaillenränge.

Die W30 gewann Rebekka Fischer vom TV Herborn (30:31 min). Weitere Spitzenplätze sicherten sich die Seniorinnen Susanne Hein (33:08 min) vom TV Kredenbach-Lohe in der W55, Christa Siller (33:19 min) vom VfL Wehbach in der W60 und erneut Helga Born (41:38 min) vom Team Naunheim in der W65. Die A-Schülerin Melina Eisenkrämer vom ASC Dillenburg freute sich über den Jugendsieg in 35:08 min.

Bericht und Fotos von Helmut Serowy

Ergebnisse lg-dill.de

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