12.5.17 - Darmstädter Frauenlauf

Herzschlagfinale im Herrngarten

Entscheidung fällt erst im Zielsprint

von Reinhold Daab

Bereits drei Tage vor ihrem eigentlichen Festtag hat sich das weibliche Geschlecht beim Frauenlauf im Darmstädter Herrngarten wieder einmal selbst beschenkt und konnte sich am folgenden "Muttertag" ohne Unterbrechung voll und ganz der Familie widmen. Die im vergangenen Jahr aufgrund einer Parallelveranstaltung erforderlich gewordene Vorverlegung von Sonntag auf Freitag hatte sich bewährt und fand auch die überwiegende Zustimmung der Teilnehmerinnen, so dass dieser Termin beibehalten wurde.

Organisationsleiter Wilfried Raatz begrüßt als erstes die Teilnehmerinnen des Fliederlaufs, ein Schnupperlauf für Laufanfängerinnen, die eine 4 km lange Strecke durch den Herrngarten meistern
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Das hatte sowohl Vor- als auch Nachteile, denn der Ort des Geschehens, der beliebte Darmstädter Herrngarten, war um diese Zeit noch von Radfahrern und Spaziergängern dicht bevölkert. Entgegen der sonntäglichen Austragung fand die Veranstaltung dadurch aber eine viel größere Resonanz bei den Zuschauern, viele blieben stehen und schauten dem Treiben zu. Es war nicht einfach, die amtlich vermessene und 1.300 m lange Laufstrecke durch den Herrngarten für die Läuferinnen halbwegs frei zu halten. Aber mit der gebotenen Rücksicht auf beiden Seiten kam es zu keinen ersthaften Problemen.

Am Nachmittag ging über Darmstadt ein heftiges Gewitter mit Hagelschauern nieder. Zum Glück für den Veranstalter hatte es sich frühzeitig entladen, so dass zu Beginn der Wettbewerbe gute äußere Bedingungen herrschten, obwohl es noch ziemlich schwül war. "Nur eine größere Wasserpfütze konnten wir nicht beseitigen, da müsst ihr aufpassen, dass ihr keine nassen Füße bekommt", erklärte Wilfried Raatz schmunzelnd bei der Begrüßung der Teilnehmerinnen.

Beim Pusteblumenlauf über 1,3 km dürfen ausnahmsweise auch Jungen mitlaufen. Jakob Werner (158) gewinnt den Pusteblumenlauf mit großem Vorsprung (1. M11) Zweite und somit schnellstes Mädchen beim Pusteblumenlauf wird Elena Sigl (1. W13)

Völlig entspannt ging es für die Teilnehmerinnen beim ersten Laufwettbewerb des Tages zu. Der "Fliederlauf" über 4.000 m war als reiner Schnupperlauf für Läuferinnen und Walkerinnen ausgelegt, also ohne jeglichen Wettkampfcharakter und Wertung. "Ihr werdet hier nicht abgeschossen, es gibt wie eh und je keinen Startschuss. Wir zählen von fünf herunter und dann geht's los", erläuterte Raatz das Startprozedere. 24 Frauen nutzen diese Gelegenheit, um teilweise in kleinen Grüppchen oder auch mal ganz für sich alleine den schönen Darmstädter Park zu umrunden.

Das war beim nächsten Lauf, dem "Pusteblumenlauf" für Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 2002 und jünger, schon wieder ganz anders. Noch während Wilfried Raatz die Regeln erläuterte, sprinteten die ersten Kinder los. Sie konnten wieder zurückgeholt werden und durften wenige Augenblicke später gemeinsam die 1.300 m lange Runde in Angriff nehmen.

Lauf Nummer 3 ist gestartet: der Maiglöckchenlauf über 5 km

Einzig und alleine bei diesem Lauf waren männliche Teilnehmer zugelassen, trotzdem tummelten sich unter den 30 Teilnehmern nur 7 Jungs. Auch hier hatten die Mädchen eindeutig die Überhand, was bei einem Frauenlauf ja eigentlich auch normal ist. Dem Sieger des Schülerlaufs war das letztlich egal, Jakob Werner vom ASC Darmstadt (1. M11) gewann den Schülerwettbewerb in sehr guten 4:33 min. und mit großem Vorsprung. Direkt hinter ihm kam mit Elena Sigl von der SKG Ober-Ramstadt das schnellste Mädchen ins Ziel und blieb mit 4:50 min. (1. W13) als einzige noch unter fünf Minuten.

Mit der Nummer 1 Vorjahressiegerin Simone Raatz im Duell mit Iris Rautenberg Die Startnummer ist gleichbedeutend mit der Platzierung für Emma Waßmer Sina Marlene Berger läuft auf Rang 4 Die 14-jährige Jule Behrens wird Fünfte (1. W14)

Kurz vor dem Höhepunkt des Tages, dem "Maiglöckchenlauf" über 5.000 m, erblickte ich die Favoritin und Vorjahressiegerin Simone Raatz. Sie machte einen etwas hektischen Eindruck und erläuterte mir kurz, dass sie auf der Anreise aufgrund eines Unfalls länger im Stau stand und erst um 19h in Darmstadt eingetroffen sei. Daher die hektische Betriebsamkeit vor dem Start, es blieb ihr nur wenig Zeit für die Startvorbereitungen. Wilfried Raatz stellte noch weitere Teilnehmerinnen vor, darunter die Frauenlaufsiegerin von 2010 Stefanie Hock sowie die überaus erfolgreiche Altersklassenläuferin Karin Risch, die in diesem Jahr erstmals am Frauenlauf teilnahm. Mit 113 Läuferinnen war das Teilnehmerfeld fast genauso groß wie im Vorjahr.

Die W50-Siegerin Stefanie Hock hat den Frauenlauf bereits 2010 gewonnen, direkt hinter ihr kommt Marion Peters-Karbstein als Zweite der W50 ins Ziel Sylvia Erkel gewinnt die W45 Petra Seibert gewinnt die W55 Marlies Spiegel gewinnt die W60

Sofort nach dem Start setzte sich die Favoritin Simone Raatz an die Spitze und es war interessant zu sehen, ob ihr eine Läuferin folgen konnte. Im vergangenen Jahr war dies die mehrfache Frauenlaufsiegerin Alexandra Rechel, die jedoch urlaubsbedingt nicht am Start war, aber von ihrer Tochter Jule sehr gut vertreten wurde. Nach der ersten von vier Runden lag Simone Raatz weiter in Führung, aber mit Iris Rautenberg saß ihr eine hartnäckige Konkurrentin im Nacken, die sich einfach nicht abschütteln lassen wollte. Auch nach der dritten Runde war das Bild unverändert, Raatz machte das Tempo und Rautenberg folgte in ihrem Windschatten. Der Abstand zu den weiteren Verfolgerinnen war so groß, dass diese mit dem Rennausgang nichts zu tun hatten. Die Entscheidung musste in der letzten Runde fallen.

Bei ihrer ersten Teilnahme am Frauenlauf gewinnt Karin Risch die W70. Sie will auch bei der Deutschen Berglaufmeisterschaft ein Wörtchen um den AK-Sieg mitreden Dalia El Alami (1. W10) ist bei weitem die jüngste Teilnehmerin am Frauenlauf und schlägt sich als Gesamt 39. sehr beachtlich W75-Siegerin Rosemarie Rock ist mit Jahrgang 1939 die älteste Teilnehmerin beim Frauenlauf

"Ich habe mehrmals erfolglos versucht, mich von ihr abzusetzen, weil ich ahnte, dass ich im Sprint kaum eine Chance haben würde", erzählte mir Simone Raatz nach dem Rennen. So kam es dann auch, beide Läuferinnen bogen gleichzeitig auf die etwa 100m lange Zielgerade ein und setzten zum alles entscheidenden Endspurt an. Die fast 20 Jahre jüngere Iris Rautenberg verfügte über die besseren Spritqualitäten und konnte sich auf den allerletzten Metern in 18:03 min. den Sieg beim Frauenlauf sichern (1. F, Spiridon Frankfurt). Titelverteidigerin Simone Raatz musste sich in 18:05 min. (1. W40, ASC Darmstadt) diesmal mit Platz zwei begnügen.

Aus der Sicht der glücklichen Siegerin sah das so aus: "Ich habe mich eigentlich schwächer als Simone eingeschätzt und wollte so lange wie möglich an ihr dran bleiben. Die 10 km sind meine Spezialdisziplin, heute wollte ich es mal über die Hälfte versuchen". Rautenberg hat im letzten halben Jahr eine deutliche Steigerung hingelegt und sich über 10 km um über 3 Minuten auf knapp unter 37 Minuten verbessert. Kein Wunder also, dass sie nicht locker gelassen hat. Nach einem Becher Weinschorle war auch der Ärger bei Simone schnell wieder verraucht und sie konnte das Ergebnis akzeptieren. Gegen eine so viel jüngere und stark laufende Konkurrentin zu verlieren, ist schließlich keine Schande. Simone hatte zuletzt mit überraschenden Erfolgen bei Bergläufen auf sich aufmerksam gemacht und wird an den Deutschen Berglaufmeisterschaften teilnehmen.

Entscheidung im Zielsprint, Iris Rautenberg gewinnt den Frauenlauf hauchdünn vor Vorjahressiegerin Simone Raatz Die Laufstrecke beim Frauenlauf führte in einer Runde durch den beliebten Herrngarten, der am Freitag Nachmittag aber den laufenden Frauen vorbehalten war
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Dass der Lauf gut besetzt war, lässt sich daran erkennen, dass noch vier weitere Läuferinnen die 20-Minuten-Marke unterboten, und zwar in der Reihenfolge: 3. Emma Waßmer (19:16 min., 2. F, ASC Darmstadt), 4. Sina Marlene Berger (19:17 min., 3. F, Rennschnaken-SKG Stockstadt), 5. Jule Behrens (19:30 min., 1. W14, ASC Darmstadt) und 6. Nicole Wagner (19:50 min., 2. W40, TuS Griesheim).

Weitere Altersklassen-Siege gingen in der Reihenfolge des Zieleinlaufs an: W50 Stefanie Hock (20:43 min., ASC Darmstadt), W35 Kathrin Witteborg (21:28 min., TuS Griesheim), W45 Sylvia Erkel (22:13 min., Radteam Neu-Isenburg), W30 Maya Scharnagl (22:13 min.), W55 Petra Seibert (23:11 min., Spiridon Frankfurt), WJU20 Paula Leisurs (24:04 min., DSW Darmstadt), W70 Karin Risch (24:58 min., SV algemarin Traisa), W60 Marlies Spiegel (29:05 min., Darmstadt), W65 Rita Friedrichs (32:38 min., SG Arheilgen-Triathlon) und schließlich an die älteste Teilnehmerin in der W75, Rosemarie Rock aus Darmstadt, die nach 34:25 min im Ziel war.

Nach gut drei Stunden Laufspektakel hatten die Darmstädter ihren beliebten Herrngarten wieder ganz für sich alleine und wurden nicht mehr durch laufende Frauen bei ihren Freizeitbeschäftigungen gestört.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
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