28.5.17 - 29. Hohenneuffen-Berglauf

Stark in der Spitze, leicht rückläufig in der Breite

von Wilfried Raatz

Hochsommerliches Wetter in Beuren am Albtrauf mit mehr als 30°, die Panorama Therme in der unmittelbaren Nachbarschaft eine wirkliche Alternative zur 29. Auflage des Beurener Hohenneuffen-Berglaufs. Wem wäre hier die zweitbeste, weniger Leistung fordernde Lösung anzukreiden?

Blick auf Beuren und das Laufziel Burg Hohenneuffen ...
... bei der im Burghof das steile Schlussstück des 9,3 Kilometer langen Berglaufs beginnt
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Zudem eine nicht wegzudiskutierende (Konkurrenz-)Veranstaltung mit dem Lichtenstein Trail mit zwei attraktiven Laufangeboten und einem vorgeschalteten Trail-Camp, sodass Veranstaltungsleiter Frank Klass eine eher gespaltene Bilanz ziehen musste. "Mit 400 Teilnehmern hätten wir eine zufriedenstellende Resonanz beim Hohenneuffen-Berglauf erreicht, doch mit etwas mehr als 300 können wir nicht recht zufrieden sein. Ein gewisser Ausgleich kommt durch die starke Beteiligung bei den Schülerläufen zustande. Top ist natürlich die Spitze besetzt, da sind spannende Entscheidungen um die ersten Ränge vorprogrammiert!"

35 Jahre Unterschied auf gleicher Höhe: Der 17jährige Bjarne und der 52jährige Volkmar Kerk Alessandro's Bruder Salvatore tut sich merklich schwerer Sascha hat offensichtlich seinen Spaß!

305 Finisher über die 9,3 km lange Berglaufstrecke vom Bahnhof Linsenhofen zur Burg Hohenneuffen mit 438 Höhenmetern stehen rekordverdächtige 123 Schüler über 1,5 bzw. 3,2 km gegenüber. Nüchternes Zahlenspiel für Frank Klass, der sich übrigens gerne unter die Bergläufer mischte und die Ablauf-Parameter "von innen" begutachten konnte - und so nebenbei als 23. des Gesamteinlaufs und Rang vier in seiner Altersklasse mit knapp 47 Minuten Laufzeit noch ein gutes Sonntagstraining absolvieren durfte. Da in der Regel Jubiläumsläufe unter einem besonderen Fokus in der Läuferszene stehen, ist im kommenden Jahr mit der dreißigsten Auflage eine eher wieder stärkere Resonanz zu erwarten.

Wie im Vorjahr: Und der Sieger ist Yossief Tekle Joseph Katib sorgt für eine kleine Überraschung Jonas Lehmann bleibt nur Rang drei Mit der Startnummer 2 auf Rang vier: Daniel Noll

Blicken wir zum Hitze beeinträchtigten Rennen, bei dem viele der Ambitionierten unter ihren Erwartungen (bzw. den bislang erreichten Resultaten) zurückblieben. War im Vorjahr Yossief Tekle nach einer Operation mit 37:44 keineswegs in Topform, so zeigte der frühere U20-Vize-Weltmeister heuer einmal mehr seine läuferische Klasse, wenngleich er lediglich zu Anfang gefordert wurde. So sehr sich auch ein überraschend starker Joseph Katib oder ein in guter Laufform befindlicher Jonas Lehmann ins Zeug legten, der Schützling von Franz Herzgesell war in jeder Phase einige Schritte schneller. Jonas konnte seine bekannten Bergqualitäten nur bedingt ausspielen, denn immer wieder ging es auf der in der Tendenz nur aufwärts führenden Strecke auch einige hundert Meter flach ins Gelände, wo Joseph mit seinen Bahnqualitäten den Abstand wieder vergrößern konnte. Mit 36:35 Minuten lag der gebürtige Eritreer im Trikot der LG Reischenau-Zusamtal fast auf dem Niveau von 2015, als er in 36:03 Minuten siegreich war.

Triathlet Marc Dülsen starker Fünfter Alessandro Collerone wird Sechster und Masterssieger Im Run2gether-Shirt: Michael Leibfarth auf Platz 7 Stefan Rabausch nutzt den Heimvorteil und gewinnt die M45 als 8.

Joseph Katib folgte nach 37:31 Minuten, konnte sich jedoch nicht richtig über seinen starken Auftritt freuen ("Es lief wirklich gut!"), denn einerseits möchte er auch in diesem Jahr den 5000 m Priorität geben, andererseits reizt ihn nicht zuletzt nach diesem Erfolg ein Start beim Muttersberglauf und ggf. auch bei den Deutschen Berglauf-Meisterschaften in Bayerisch Eisenstein in zwei Wochen. "Beides geht sicherlich kaum, schon alleine wegen der zu kurzen Erholung. Aber was ich so gehört habe, liegt mir die Strecke in Bayerisch Eisenstein nicht so recht. Ich muss allerdings morgen oder spätestens übermorgen eine Entscheidung treffen!" Der Überraschungsmeister von Bühlertal dürfte nach den vorliegenden Informationen vom DM-Parcours am Großen Arber wenig Chancen für einen neuerlichen Coup à la 2015 haben.

Peter Buchmann ist der schnellste Jugendliche bei der 29. Auflage Michael gewinnt die Familienwertung der Buchmänner und zugleich die M50 Günter Lang gewinnt die M60 (daneben Daniel Buck/20)

Anders hingegen sieht dies Jonas Lehmann. "Ich wollte heute noch einmal aus dem Training heraus eine schnelle Belastung haben. Und das ist gelungen. Natürlich kann ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Joseph Katib hätte ich schon gerne geschlagen, aber er war in den Flachpassagen zu flott unterwegs!" Für den Heltersberger zählen nun die Deutschen Meisterschaften, die er derart gewissenhaft angehen möchte, wie dies nur möglich ist. So wird der Pfälzer schon eine Woche vor den Titelkämpfen in den Bayerischen Wald anreisen und die Strecke inspizieren. Zusammen mit dem Freiburger Benedikt Hoffmann und auch Sebastian Hallmann gilt er als Favorit, wenngleich junge Läufer wie Maximilian Zeus oder Aaron Bienenfeld nicht zu unterschätzen sein werden.

Der Chef läuft mit: Frank Klass Journalistenkollege Nico Elsäßer läuft auf Rang 12 des Gesamteinlaufes Wenn Handballer fremd gehen: Thomas läuft in 50 Minuten zur Burg Leichtfüßig: Michael Erdlenbruch wird M55-Zweiter

Nur unwesentlich langsamer als im Vorjahr war mit 39:10 hingegen Daniel Noll auf Rang vier. Der 31jährige im "run2gether"-Dress des TSV Glems war zuletzt stets unter den Top 3, musste sich diesmal allerdings mit dem ersten Platz neben dem Podest zufriedengeben. "Unser Nachwuchs (Silas ist gerade einmal vier Monate alt) raubt einem schon den Schlaf, sodass ich derzeit auch nicht die Form habe. Aber ich kann mit der Laufzeit wie auch mit der Platzierung gut leben!"

Mit Marc Dülsen stellte sich ein leistungsstarker Triathlet der Berglauf-Konkurrenz und zeigte sich nicht zuletzt dank seiner Kraftausdauer der Herausforderung bestens gewachsen. Der 32jährige startet für das österreichische Pro Team Mohrenwirt mit Basislager Fuschl am See. Als Gewinner des Ironman Wales 2016 und Topplatzierungen bei den Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii (Dritter der Altersklasse 25-29) und Rang sieben bei den Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt im Jahre 2014 kann Marc hier schon einiges vorweisen. Als Fünfter am Hohenneuffen konnte er namhafte Läufer wie Alessandro Collerone oder Michael Leibfarth hinter sich lassen.

Gewinnt wie 2015 die Frauenwertung: Monika Pletzer
Zweite, aber zufrieden: Schluchseelauf-Siegerin Katrin Köngeter Bettina Spannowski wird Vierte und W50-Erste Sonja Huber wird fünftschnellste Frau

Und bei den Frauen? Im Vorjahr gewann die als Nachmelderin kurzfristig ins Feld gerückte Brendah Kebeya aus Kenia in 44:05 vor Katrin Köngeter (45:14) und Monika Pletzer (45:35) aus dem benachbarten Frickenhausen. Bei der 29. Auflage fehlte ein derartiger Überraschungsgast, sodass es zum Duell zwischen Katrin und Monika kam. "Ich habe schnell feststellen müssen, dass ich gegen Monika keine Chance habe. Im Prinzip ist dies heute mein erster Berglauf der Saison", sagte die 22jährige Katrin Köngeter, die mit Rang zwei bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Rahmen des Gutenberg-Marathon und dem Sieg am Schluchsee allerdings auf anderen Terrain vorzügliche Resultate einfahren konnte. "Allerdings muss ich auch sagen, dass ich nach dem Tod meiner Oma am vergangenen Mittwoch auch nicht recht bei der Sache war!"

Kampf am Berg - das Ziel ist nah Sie haben gut lachen: Yossief Tekle (mitte), Alessandro Callerone (rechts) und Yossiefs Coach Franz Herzgesell
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Mit 47:14 lag sie sicherlich unter Einbezug dieser Umstände deutlich zurück hinter Monika Pletzer, die sich bereits 2015 in die Siegerlisten eintragen konnte. Als schnelle Bahnläuferin mit gerade vor wenigen Tagen bei der langen Laufnacht in Karlsruhe erzielten 17:00,16 Minute über die 12 ½-Runden-Distanz war sie auf der schnellen Strecke eine Klasse für sich und durfte mit 45:01 sogar noch eine nette Zeitprämie einstreichen.

Auf den weiteren Plätzen hinter Monika und Katrin folgten mit merklichem Rückstand Nicole Jäckel als W40-Siegerin in 53:27 vor Bettina Spannowsky als W50-Siegerin in 54:00 und Sonja Huber als W40-Zweite in 55:50 Minuten.

Bericht und Fotos von Wilfried Raatz

Ergebnisse www.tsv-beuren.de/berglauf

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