HVB Citylauf Aschaffenburg - Historie

Ein krisenfreies Bankprodukt

HVB CityLauf Index

HVB Citylauf
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
Erwachsene
488
510
733
792
881
899
1174
1247
1427
1456
1456
1734
1848
1901
2019
2106
2090
2215
2351
2277
Schüler
0
299
851
1117
1732
1889
1618
1854
1881
1938
1801
1986
2098
1971
1877
2008
2046
2199
2331
2315
*Gesamt
488
809
1584
1909
2613
2788
2792
3101
3308
3394
3257
3720
3946
3872
3896
4114
4136
4414
4682
4592
*bis 2000 Gesamtzahl einschließlich VIP-Lauf

Auf die ersten 14 Jahre des HVB CityLaufs in Aschaffenburg warf Ralf Klink den Blick zurück. Was im Jahr 2010 zur Jubiläumsauflage im LaufReport erschienen ist, bleibt unverrückbar in den Chroniken landauf, landab. Kaum zu glauben, dass wir nun bereits vor der 20. Austragung des noch beliebter gewordenen Stadtlaufspektakels stehen. Eine gute Gelegenheit um mit dem Block 15. bis 19. HVB CityLauf die Jahre 2010 bis 2014 in der Laufhistorie nachzutragen.

Der 15. HVB CityLauf wurde quasi überschattet von Ereignissen, die nicht in Unterfranken stattfanden. Die Welt schaute nämlich nach Island. Dort spuckte der Vulkan Eyjafjallajökull Asche und sorgte für Luftraumsperrungen in Teilen Europas. Selbst Nordspanien und der Norden Portugals waren über den Luftweg nicht mehr erreichbar. Der Laufabend in Aschaffenburg war nicht durch Asche getrübt. Das Wetter spielte aber nicht wirklich mit und ein paar Plusgrade mehr hätte man sich schon gewünscht.

Beim B-Lauf startet die weibliche Elite gemeinsam mit den ambitionierten Läufern. Von links Joan Aiyabei (3.), Gladys Kipsoi (2.), Veronica Cheboi (4.) und die Siegerin Caroline Chepkwony Die Verfolgerinnen mit v.l. Veronika Ulrich (10.), Eva Tomankova-Vail (12.), Olga Firsova (11.) Anna Hahner (8.) und Jenny Schulz (9.)

Von 2763 gemeldeten Erwachsenen wurden schließlich 2026 im Ziel erfasst. Ein neuer Rekord. Gemeldet waren zudem 2357 Schülerinnen und Schüler. Mit ‚nur' 1877 Zieleinläufen beim Nachwuchs scheiterte der erwartete Finisherrekord dann aber doch, wenn auch knapp.

An der Spitze der Eliteläufe das gewohnte Bild. Afrikanerinnen und Afrikaner machten die bestdotierten Plätze unter sich aus. Vorjahressieger Paul Kipkorir war wieder nicht zu schlagen, jedenfalls blieb Chebii zeitgleich um einen Hauch zurück und auch Charles Wachira Maina ließ mit einer um eine Sekunde längeren Laufzeit nicht lange auf sich warten.

Kenianischer Fan begrüßt den Sieger Paul Kipkorir mit Nationalflagge Die Hahner-Twins urteilten: "Genial" Mit Prämien kehren nicht nur die Eliteläufer heim: Große Siegerehrung im Festzelt

Bei den Damen siegte Caroline Chepkwony überlegen zum dritten Mal in Aschaffenburg. Das wiederum rein kenianische Siegertreppchen komplettierten Gladys Kipsoi und Joan Jepkorier Aiyabei.

Beste Deutsche Vertreter waren Manuel Stöckert und Anna Hahner.

2011

Es ist das Jahr der Autofahrer, denn seit nunmehr 125 Jahren war das Kraftfahrzeug auf Erden und erleichterte den Bewegungsmuffeln das Fortkommen. Aschaffenburg hat seinen Anteil an dieser Geschichte. 1904 wurde in der unterfränkischen Stadt die erste Autolenkschule Deutschlands eröffnet, die aber zwei später bereits wieder schloss. Länger hält der Atem der HVB CityLauf Organisation, denn mit dem Aufruf zur 16. Auflage war klar, nach dem Jubiläum war längst noch nicht Schluss. Organisationsleiter Günter Guderley, nun Bankdirektor im Ruhestand, konnte sogar verkünden, das alles besser geworden sei: das Wetter, die Stimmung, die Teilnehmerzahlen.

Viola Schäffer von der LG Erlangen läuft tapfer im Elitelauf der Frauen mit, rutscht aber noch knapp aus den Top Ten raus und landet auf Platz 11 Die Afrikanerinnen Monica Jepkoech (Nr. 30) und Eunice Chebichii haben sich vom Rest des Elitefeldes abgesetzt Jenny Schulz von Skills 04 Frankfurt läuft als beste Deutsche im Elitefeld der Frauen auf Platz 6

Im HVL Forum hatte der Triathlet der Weltklasse, Faris Al-Sultan, schon vorab ein Glanzlicht gesetzt. Fotowünsche vieler Ausdauersportlerinnen mit dem Top-Athlet erfüllte er zudem gern. Ob der Vortragsabende in Zukunft für einen höheren Frauenanteil beim HVB CityLauf sorgen wird? 4.104 Finisher waren am Ende des Lauftages in den Ergebnislisten erfasst. Davon fast 2000 Erwachsene und hiervon wiederum über 1600 Männer. Für das ‚starke' Geschlecht bietet die Aufteilung in A, B, C und D Lauf aber auch eine größere Bühne. "Wer vorne weg rennt, der hat mehr vom Leben", könnte das Motto lauten, dem Günter Guderley alljährlich entgegenwirken muss. Es gibt sie aber immer wieder, die Ausreißer, die in den nach Leistung gestaffelten Gruppierungen lieber ein, zwei Klassen herunter melden, um sich im Applaus für den Führenden aalen zu können.

Monica Jepkoech schrieb ein weiteres Erfolgskapitel. Der Kenia-Express war wieder nicht zu schlagen, doch an der Streckenrekordzeit aus dem Jahr 2001 von Caroline Kwambai wurde nicht gerüttelt. Die Zeit der Siegerin war fast identisch mit der Zeit, mit der Petra Wassiluk seit dem Jahr 2000 die Liste der schnellsten Deutschen anführt. Zwei weitere Kenianerinnen sicherten Monica Jepkoech nach hinten ab. Eunice Chebichii wurde vor Veronica Cheboi Zweite. Mit etwas mehr Abstand folgte die Weißrussin Aleksandra Duliba auf Rang vier. Hinter Oksana Melzayewa aus der Ukraine kam Jenny Schulz als Sechste und schnellste deutsche Teilnehmerin ins Ziel.

Der spätere Sieger Collins Kibet vor dem 4. Jonathan Koilegei (21) und dem 3. Richard Chepkwony (14) Manuel Stöckert wird 8. und bester Unterfranke. Er lässt den Ukrainer Ruslan Pechnikow im Ziel noch zwei Plätze hinter sich Große Verfolgergruppe mit v.l. im blauen Trikot Tobias Hegmann (15.), 24. u. 2. MJA Jan Weiland (161), 18. u. 1. MJA Patrick Fiederling (66) und 23. Johannes Moldan (67)

Collins Kibet, 2006 hinter einem Siegerpärchen Dritter, landete nun endlich auf dem obersten Podest. Der Rennverlauf war wieder ganz nach dem Geschmack der dicht gedrängt stehenden Zuschauer und der Ausgang war erst auf der Ziellinie entschieden. Timutai Dickson folgte mit einer Sekunde Rückstand als Zweiter. Weitere 2 Sekunden danach war an Richard Chepkwony der dritte Platz vergeben. Hinter sieben Kenianern kam Manuel Stöckert wieder als Sieger der Unterfrankenwertung ins Ziel

Die Sieger wurden im vollbesetzten Festzelt geehrt, das bei nun doch noch einsetzendem Regen aus allen Nähten platzte. Doch die Stimmung blieb prächtig.

2012

Der Ansturm auf die Startplätze nimmt weiter zu. So erklärt sich auch, dass rund 23 Prozent der 5384 Angemeldeten dann doch nicht starteten. Mit 4136 im Ziel, davon 2091 Erwachsenen, konnte man sich dennoch über eine hervorragende Beteiligung, ja sogar einen Teilnehmerrekord freuen. Dieser liegt nur unwesentlich über der alten Höchstmarke aus dem Vorjahr. Aber ohne Eingriff der Regie läge der längst weit darüber. So wurden allein 300 Kinder abgewiesen, denn die kurze Runde hätte einfach nicht noch mehr Läuferinnen und Läufer verkraftet. Man deckelte die Kinderläufe großzügig, was 2045 Einträge in die Ergebnisse belegen.

Der 3. Platz bei der Männerelite geht an Eliaz Kiptoo aus Kenia Beim Überrunden wird´s schon mal eng, vor allem wenn man überraschend die Spur wechselt. Der Kenianer Charles Wachira Maina rempelt auf seinem Weg zum 2. Platz fast mit Thomas Lindner von der TSG Kleinostheim zusammen Jacob Kendagor setzt sich schon früh im Rennen ab und gewinnt trotzt Regen auf glattem Asphalt in neuer Streckenrekordzeit den 17. HVB CityLauf Aschaffenburg

Unwetterwarnungen mit Starkregen und Hagel näherten sich der Unterfrankenregion. Alles schon mal dagewesen und ein gut Teil der Veranstaltungschronik. Die Kinder trocken über die Bühne zu bekommen, damit hat man mehr als die halbe Ernte eingefahren. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als würde mal wieder alles Unheil an Aschaffenburg vorbeiziehen und Einheimische verkündeten: "Da kommt nix!" Das stimmte zwar nicht, aber Regen allein, davon lässt sich in Aschaffenburg niemand vom HVB CityLauf abhalten, schon gar kein Läufer.

Von 33 Grad am Nachmittag hatte es rapide abgekühlt. Doch der nasse Asphalt war für das Streckenrekordvorhaben des Kenianers Jacob Kendagor Gift. Nach 21:49 h hatte er dennoch Richard Mutai entthront, der elf Jahre zuvor mit 21:54 min die bisherige Bestmarke aufgestellt hatte. Einen Sprintentscheid erlebten die Zuschauer aufgrund des hohen Tempos diesmal nicht. Weder Charles Wachira Maina als Zweiter in 22:26 noch die folgenden kenianischen Landsleute Eliaz Kiptoo (22:51) und Henry Cheruiyot Kosgei (22:54) konnten ihrem schnellen Landsmann Paroli bieten. Manuel Stöckert war einmal mehr der schnellste Unterfranke.

Fate Tola, Siegerin beim Vienna City Marathon 2011 und 2012, setzt sich auch auf der relativ kurzen Distanz von den Kontrahentinnen ab Mit der Nr. 19 Aleksandra Duliba aus Weißrussland wird 4. bei den Frauen. Marianne Wangari Wanjiru (21) wird 2. und Chelangat Sang (15) 3. (beide Kenia) 5. Frau mit Schmetterling(en) a(i)m Bauch wird die Weißrussin Alena Berasniova

Keine kenianische Siegerin, dies wäre eine seltene Überschrift gewesen, hätte man die Gelegenheit nutzen wollen. Die Äthiopierin Fate Tola lief mit dem zweitbesten Resultat der HVB CityLauf Geschichte zum Sieg. Marianne Wanjiru als Zweite und Chelangat Sang vertraten die kenianischen Farben auf dem Siegerpodest. Die Weißrussinnen Aleksandra Duliba und Alena Berasniova folgten als beste Europäerinnen.

Alle Wetter in ‚Aschebersch', so endete die 17. Austragung und mit der Zusage, dass es in Aschaffenburg weiter gehen wird.

2013

Hatte man mehr Anmeldungen angenommen oder hatten einfach mehr als sonst ihr Startrecht auch wahrgenommen? Mit 4414 Finishern feierte man wieder einen neuen Rekord. 2199 Kinder wurden auf der Ziellinie erfasst und 2215 Erwachsene. Mit viel Mühe schafften es die Männer, 19 Finisher mehr über die gesamte Strecke zu bugsieren.

Bei den Kindern sind 2199 Teilnehmer im Ziel ein belegter Wert. Alle laufen mit Startnummer und werden im Ziel mit ihrer Laufzeit erfasst. Über Rekordmeldungen so mancher "Mitbewerber" rümpft Guderley etwas die Nase: "Da werden Zahlen an die Medien gegeben, die auf reiner Schätzung basieren und dann ungeprüft veröffentlicht werden." Auch 2215 erwachsene Finisher sind neuer Rekord. Dabei schafften es die Männer nur mit Mühe 19 Seelen mehr ins Ziel zu bugsieren. Anders die Damen, die legten um 89 auf 645 Finisher zu, ein Plus von über 16 Prozent.

Vorjahressieger und Streckenrekordhalter Jacob Kendagor war für einen Start beim Big 25 Berlin vorgesehen, wo er am Sonntag Dritter wurde. Er ließ sich aber zur Freude von Günter Guderley nicht davon abhalten, als Zuschauer beim 18. HVB CityLauf Aschaffenburg dabei zu sein Deutsche Teilnehmerinnen im Elite-Lauf: Jenny Schulz von Skills 04 Frankfurt (links) ist zum 8. Mal dabei und Katharina Heinig gibt ihr Debüt beim Elite-Lauf, war früher schon bei den Schülerinnen gestartet 18. HVB CityLauf mit dem Direktor der Niederlassung Aschaffenburg Patrick Gehres und OK-Chef Günter Guderley am Mikro: ".. dann kann es ja losgehen!"

Jacob Kendagor ist wieder da, aber diesmal nur als Beobachter. Auch Wolfgang Heinig und Katrin Dörre-Heinig haben ihre Augen auf die Teilnehmenden gerichtet, denn Tochter Katharina Heinig, die schon einige Male bei den Schülerrennen gestartet war, stellte sich nun den Großen.

Für spannende Rennen sorgten wieder einmal die Afrikaner. Um ein Haar hätte Jacob Kendagor erlebt, wie Isaac Mwangi seinen Rekord überflügelt. Mit 21:53 min verpasst er dessen Rekordmarke nur um vier Sekunden. Zweiter wird Patrick Mugur Ereng und Hosea Tui sorgt als Dritter wieder für ein für Kenia perfekt besetztes Podium. Als bester Deutscher verbesserte Manuel Stöckert den von ihm gehaltenen Unterfrankenrekord um gleich 39 Sekunden auf 22:53 min.

Isaac Mwangi ist schnellster Läufer des 18. HVB CityLauf Cynthia Kosgei siegt bei den Frauen Katharina Heinig wird mit Platz 6 schnellste Deutsche

Mit Cynthia Kosgei aus Kenia gab es auch wieder einen kenianischen Doppelsieg. Mehr noch, auch ein komplett von dieser Läufernation besetztes Siegertreppchen. Zweite wurde Gladys Kiprotich und als Dritte kam Nancy Koech ins Ziel. Es folgten zwei weitere Kenia-Frauen, dann kam schon Katharina Heinig über die Ziellinie geflogen und distanzierte Jenny Schulz und die noch immer nicht müde werdende Veronika UIrich.

Geldkuverts gibt es auch in den Altersklassen, etwa für M85-Sieger Josef Syndikus und W80-Siegerin Lore Berger. Das Wetter spielte diesmal ebenfalls mit und es gab auch sonst keine Katastrophen zu melden.

2014

Hinter dem Erfolgsrezept steckt ein Trick. Der führte erneut dazu, dass der Deckel vorzeitig den Anmeldetopf versiegelte. Eventagenturen aufgepasst: Hoch ist der Kinderanteil mit 2328 Finishern geblieben. Kinder laufen kostenfrei und erhalten dennoch Präsente. Dazu durften sich zur 19. Auflage 2970 Erwachsene einschreiben. Auch diese tragen mit ihrer Startgebühr nur einen Teil der Kosten. Nun gilt es für die ungedeckten Kosten Sponsoren zu gewinnen und für die investierte Manpower eine 'Marge' zu erzielen. Fertig! Für den Citylauf in Aschaffenburg interessieren sich eine ganze Reihe von Unternehmen und unterstützen die HVB Aschaffenburg.

Kompaktes Frauenfeld mit der späteren 2. Loice Kiptoo (ganz rechts) und der 3. Chelangat Sang (die auch die passende Nummer 3 trägt) und der 5. Betty Murungi (Nr. 36) in Front Das Männerfeld führen bereits Elisha Rotich (Nr. 24) und Patrick Ereng (Nr. 2) an

Die Krone würden sich auch 2014 afrikanische Läufer aufsetzen können, dies war vorhersehbar und bald auch abzusehen. Brust an Brust führten Hillary Maiyo, Elisha Rotich, Gilbert Kipkosgei und Patrick Ereng den Elitelauf an. Eine Entscheidung fiel, wenn auch nur bedingt. Aus dem Quartett filterte sich ein Duo heraus, doch Elisha Rotich oder Patrick Ereng als alleinigen Sieger zu erklären, das war nicht möglich und so bekamen beide das Preisgeld und wurden mit Streckenrekordzeit an die Spitze dieser Aufzeichnung gesetzt.

Von links die drei schnellsten Deutschen: Kerstin Straub-Bertsch - Tinka Uphoff - Jenny Schulz Der schnellste Deutsche im Männerrennen Manuel Stöckert holt die schnellsten Deutschen im Frauenrennen ein

Weitaus unspektakulärer verlief das Rennen der Frauen. Cynthia Chepchirchir Kosgei gewann überlegen in 25:47 min und wiederholte ihren Vorjahreserfolg. Loice Kiptoo wurde in 26:15 min Zweite vor Chelangat Sang (26:44 min). Alle Podestplätze gingen somit an das Läuferland Kenia. Dabei fällt es am Ende eines langen Laufabends leicht deren Überlegenheit zu akzeptieren. Und wer weiß, vielleicht stehen am Ende des 20. HVB CityLauf andere Nationen auf der Bühne.

Text von Walter Wagner- Fotos: LaufReport.de

HVB Citylauf im Internet www.hvb-citylauf.de

LaufReport über den 21. HVB CityLauf in Aschaffenburg 2017 HIER

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

HVB Citylauf Aschaffenburg - Historie

Ein krisenfreies Bankprodukt

von Ralf Klink vom 1. bis zum 14. HVB Citylauf Aschaffenburg 2009

Trotz Finanzkrise, schlechten Erfahrungen mit windigen Produkten und dank Zockermentalität verbranntem Geld werden viele natürlich trotzdem sofort wieder hellhörig, wenn von einem Bankprodukt die Rede ist, bei dem sich die Ergebnisse innerhalb nur eines guten Dutzends Jahre seit seiner Einführung praktisch verzehnfacht haben. Doch wer nun glaubt, dass jetzt auch noch in LaufReport Tipps zur Geldanlage ausgesprochen werden, um die Gier nach immer höheren Kontoständen zu befriedigen, ist auf dem Holzweg.

Es geht hier nicht um Renditen sondern um den außergewöhnlichen Erfolg des Aschaffenburger Stadtlaufs. Denn auch der ist eigentlich ein Bankprodukt und wäre ohne die HypoVereinsbank nicht denkbar. Zwar wird als offizieller Veranstalter immer der HypoVereinsbank Club, die firmeninterne Sportgruppe, genannt. Doch natürlich war und ist das Unternehmen sowohl in Bezug auf Organisation wie auch auf Finanzierung stark eingebunden.

Und was im Jahr 1996 mit ungefähr fünfhundert Teilnehmern begann, hat sich längst zu einer Großveranstaltung mit viertausend Startern – je zur Hälfte Schüler und Erwachsene – entwickelt. Ein Zuwachs von siebenhundert Prozent, um es einmal mit den in der Wirtschaft üblichen Größenordnungen auszudrücken. Sowohl im weiteren Rhein-Main-Gebiet wie auch im unterfränkischen Raum, an deren Nahtstelle Aschaffenburg liegt, gibt es inzwischen höchstens noch eine Handvoll Läufe mit ähnlichen Dimensionen.

Was im Jahr 1996 mit ungefähr fünfhundert Teilnehmern begann, hat sich längst zu einer Großveranstaltung mit viertausend Startern - je zur Hälfte Schüler und Erwachsene - entwickelt

Auf den kurzen Distanzen ist man sowieso praktisch konkurrenzlos, denn zumeist handelt es sich dabei – selbst wenn das Beiprogramm meist überwiegt – zumindest dem Namen nach um Marathons. War man am bayerischen Untermain bei der Erstauflage nur einer von vielen Stadtläufen im Umkreis, hat man den lokalen Mitbewerbern längst völlig den Rang abgelaufen. Eine nahezu ideale Kombination von unterschiedlichen Faktoren hat wohl dazu beigetragen.

So scheint zum Beispiel die Größe von Aschaffenburg mit siebzigtausend Einwohnern fast wie gemacht für eine solche Veranstaltung. In noch bevölkerungsstärkeren Städten gibt es eben in der Regel auch wesentlich mehr Angebote, so dass ein Citylauf in der Menge oft untergeht und wenig Beachtung findet. Doch nach dem Niedergang des inzwischen nur noch fünftklassigen einstigen Fußball-Zweitligisten Viktoria sind die Auftritte der Handballer vom TV Großwallstadt, die einen Teil ihrer Heimspiele in Aschaffenburg austragen, die wichtigsten sportlichen Ereignisse.

Andererseits sind die Stadt und ihr Umland allerdings groß genug, um Potential für sowohl ausreichend Teilnehmer auf als auch entsprechendes Publikum an der Strecke zu besitzen. Und natürlich gibt es deshalb auch noch etliche Unternehmen, die zusätzlich zur namensgebenden Bank als Nebensponsoren auftreten können und damit die wirtschaftliche Seite der Veranstaltung absichern.

Sicherlich auch einen Beitrag zum großen Zuspruch liefert die Tatsache, dass man ausgerechnet kurz vor jener Phase Anfang des neuen Jahrtausends die Szene betrat, in der Laufen seinen bisher größten Boom erlebte und überall neue Veranstaltungen aus dem Boden schossen. Den Effekt, dass ein Lauf durch die „da-will-ich-das-nächste-mal-auch-dabei-sein“-Reaktion seine eigenen Teilnehmer produziert, gab es in Aschaffenburg deshalb selbstverständlich auch.

Aschaffenburg und sein Umland hat Potential, auch für viele Teilnehmer sowie für das entsprechende Publikum an der Strecke

Aber im Gegensatz zu den in dieser Zeit neu ins Leben gerufenen Marathons, denen teilweise langsam schon wieder ziemlich die Startwilligen ausgehen, kann der HVB-Citylauf zwar nun nicht mehr jedes Jahr neue Teilnehmerrekorde aber dennoch seit längerem konstanten Zuspruch vermelden. Mehr als „ausgebucht“ geht eben nicht. Am Untermain gilt es auch weiterhin als „in“ beim Rennen durch die Innenstadt aktiv dabei zu sein.

Dafür scheint die Distanz ideal gewählt. Für Gelegenheitsläufer und Einsteiger sind die 7,9 Kilometer von der Länge her noch zu akzeptieren und bei weitem nicht so abschreckend wie die sonst meist üblichen Zehner. Denjenigen, die regelmäßig an Wettkämpfen teilnehmen, ist die Strecke auf der anderen Seite aber auch nicht zu kurz. Dafür setzt man sich durchaus noch ins Auto und reist aus dem weiteren Umland an.

Doch was wäre der Aschaffenburger Stadtlauf trotz all dieser Argumente ohne Günter Guderley? Einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg dieses Bankproduktes ist nämlich auch mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Person des Organisationschefs zu suchen. Eine Besetzung, wie man sie selbst auf dem Reißbrett eigentlich kaum besser konzipieren könnte.

Denn Günter Guderley, der Vater der Veranstaltung, ist eben nicht nur Leiter der Aschaffenburger HypoVereinsbank-Niederlassung und hat deshalb beste Kontakte zur örtlichen Wirtschaft und Stadtverwaltung. Er ist halt auch ein in der Region seit langem recht bekannter Läufer. Und in kurzen Hosen und Trägerhemd steht man da eben nicht einem Bankchef namens „Herrn Guderley“ gegenüber sondern „dem Günter“, dessen berufliche Position in diesem Moment völlig uninteressant ist.

Einer, den man auch immer wieder einmal auf einem Altersklassen-Treppchenplatz zu sehen bekommen hat, mit einer Marathon-Bestzeit 2:42 ausgestattet. Einer, der nicht nur beim Deutschlandlauf die Republik zu Fuß durchquert, sondern im Training dafür auch einen Tag nach dem Bieler Hunderter noch den Mittelrhein-Marathon absolviert. Einer, der einiges an Erfahrung in den Beinen hat, der schon bei so manchen Rennen dabei war, dabei eben auch viele Ideen zur Organisation von Läufen kennen gelernt und mitgenommen hat.

Einer, der nicht nur bei vielen Volksläufen im Umland die Ausschreibungen höchstpersönlich verteilt sondern eben auch einmal als Zuschauer irgendwo auf den letzten Kilometern eines Marathons mit einem Rucksack voller kleiner Cola-Flaschen steht und alle vorbeikommenden Bekannten fragt, ob sie einen Zuckerstoß benötigen. Einer mitten aus der Laufszene halt. Mit einer Nähe zur Basis, die anderen Veranstaltern oft abgeht.

Günter Guderley mit dem Mikrofon, denn die Ansage beim CityLauf übernimmt der Chef selbst "Herr Guderley" als Gastgeber eines seiner beliebten HVB-Foren im Vorfeld des Citylaufes im feinen Zwirn "Der Günter" als Laufkamerad in Funktionfaser

Und damit steht er nicht einmal alleine, auch einige andere aus dem Orga-Team kennt man. Diese Vielzahl von über Jahre aufgebauten persönlichen Kontakten trägt sicher dazu bei, gleich die Erstauflage des Aschaffenburger Stadtlaufes am 10. Mai 1996 in Teilnehmerregionen vorstoßen zu lassen, von denen andere Veranstaltungen auch nach etlichen Austragungen nur träumen können. Über fünfhundert Meldungen sind eingegangen. Und 470 Namen tauchen schließlich in der Ergebnisliste auf.

Doch abgesehen von einem Prominentenrennen treten diese auch alle in einem einzigen Lauf an. Dieser ist zwar mit 7,85 über fünf Runden verteilten Kilometern ungefähr genauso lang und die Strecke ist auch schon durchaus ähnlich geschnitten wie die inzwischen übliche und nun fast schon traditionelle. Allerdings werden die Läufer an einigen Ecken doch noch ein wenig abweichend geführt. Und nicht nur der Start sondern auch das Ziel findet sich vor dem Gebäude der ausrichtenden Bank.

Diese nennt sich zu jenem Zeitpunkt noch kurz Hypo-Bank. Ganz oben auf der Ausschreibung, die zum „1.HYPO-City-Lauf“ einlädt, ist deren Logo aufgedruckt. Und das Wappenschild mit den blauen Rauten, das im Schriftzug beide Wörter trennt, deutet auf den eigentlichen Ursprung der Bayerische Hypotheken- und Wechselbank hin. Schließlich ist ja auch Aschaffenburg, selbst wenn es am östlichen Ende des Rhein-Main-Gebietes zu finden ist und sich in manchem eher nach Hessen orientiert, bayerisch.

Die zwei Premierensieger bestätigen nahezu perfekt diese Position an der Grenze der beiden Bundesländer. Denn Carsten Schmidt, der in 24:01 den ersten Stadtlauf gewinnt, startet für die LAZ Kreis Würzburg aus Franken. Sein weibliches Pendant Annika Flämig, für die im Ziel 29:24 registriert werden, dagegen für den hessischen ASC Darmstadt. Mit fünfzehn Grad und bedecktem Himmel finden sie – wie auch alle anderen Teilnehmer – für ihre Erfolge nahezu optimale Laufbedingungen vor.

Während man vom Sieger Carsten Schmidt später nicht mehr allzu viel hört, steht dem Läufer der ein ganzes Stück dahinter in 24:48 Zweiter wird, eine große sportliche Karriere bevor. Denn acht und zehn Jahre nach seinem Start in Mainfranken wird Normann Stadler zweimal denn Ironman auf Hawaii für sich entscheiden können. Der dritte Platz geht nach 24:58 mit Helmut Marenholz an einen Athleten, der schon lange Zeit die regionale Szene mitbestimmt.

Die Startunterlagen für den Lauf werden am Bank-Schalter ausgegeben Lokalmatadorinnen und Stammkunden beim CityLauf: Sabine Hock (li.) und Claudia Hille Helmut Marenholz läuft bei der Premiere auf den dritten Platz

Die erste Siegerin Flämig taucht ebenfalls in keiner weiteren Ergebnisliste des Citylaufes mehr auf. Ganz im Gegensatz zu Sabine Hock, die in 30:11 auf Rang zwei bei den Damen einläuft. Denn die Läuferin vom TV Haibach ist eine von zwei Frauen, die bis zum heutigen Tag auf einen Start bei allen Aschaffenburger Stadtläufen zurückblicken können. Und auch nach eineinhalb Jahrzehnten ist sie noch immer für vordere Altersklassenplätze gut und mindestens genauso schnell. Gesamtdritte bei der Premiere wird mit Edith Beierlein nach 31:21 die Erste der W40.

Genau 364 Tage später folgt die zweite Auflage. Und es gibt die ersten kleinen Änderungen im Programm. Nicht nur ein Schülerrennen, das über eine statt fünf Runden führt, hat man dazu genommen. Auch der Hauptlauf ist nun zweigeteilt. Doch nicht etwa nach Zeiten wird zugeordnet. Im ersten Rennen starten alle Frauen, alle Jugendlichen sowie alle Männer über vierzig. Beim zweiten, abschließenden Start treten nur die Läufer der Hauptklasse, der M30 und M35 an die Linie. Eine Aufteilung, die inzwischen aufgrund der fehlenden jüngeren Läufer nicht einmal annähernd mehr gleich starke Felder ergeben würde.

Auch am Kurs hat man etwas gefeilt. Aus „verkehrstechnischen“ Gründen, wie es in der Ausschreibung so schön heißt. Ein wenig kürzer ist sie dabei geworden. Nur noch mit 7,65 Kilometern wird die Distanz angegeben. Aber in jener buchhalterischen Exaktheit, die man von einer Bank im Normalfall auch erwartet, sind die zu unterbietenden Streckenrekorde selbstverständlich ebenfalls herunter gerechnet worden.

Und beide Sieger haben keine Mühe diese Marken deutlich zu unterbieten. Bei den Herren ist nach 22:54 wieder ein Carsten vorne. Doch trägt er diesmal den Nachnamen Arndt und läuft für den SSC Hanau-Rodenbach. Der Sohn des Ultramarathon-Pioniers Harry Arndt hängt dabei den Rest der Konkurrenz angesichts der kurzen Distanz recht deutlich ab. Denn Axel Gürntke vom TuS Wallmerod hat als Zweiter in 23:28 bereits einen Rückstand von über einer halben Minute. Und Enrique Tortell auf Rang drei liegt noch einmal weitere fünfzehn Sekunden zurück.

Die Damen machen es da schon wesentlich spannender. Sabine Hock, die diesmal mit 28:53 auf dem dritten Platz einläuft, fängt sich zwar fast zwei Minuten auf die Erste ein. Der Zweiten allerdings fehlen gerade einmal vier Sekunden zur obersten Stufe des Treppchens. Nicole Mertes vom ASC Darmstadt benötigt 27:09 für die fünf Runden.

Wie Normann Stadler bei der Premiere landet damit eine später ziemlich erfolgreiche Athletin aus dem Langstreckentriathlonlager auf dem Vizerang. Denn nach ihrer Heirat wird sie als Nicole Leder gleich mehrere Ironman-Rennen für sich entscheiden können. Ihr Noch-Nicht-Ehemann Lothar wird beim Aschaffenburger Citylauf des Jahres 1997 übrigens mit 23:45 Vierter bei den Männern.

Der Sieg bei den Frauen geht aber in 27:05 an Claudia Hille. Zu diesem Zeitpunkt noch für Eintracht Frankfurt aktiv wird sie in der Folgezeit im Trikot der TSG Kleinostheim zusammen mit Sabine Hock die Lokalmatadorinen-Position einnehmen. Und nach inzwischen zehn Teilnahmen hat auch Claudia Hille einen garantierten Startplatz und eine für alle Zeiten feste Startnummer.

Einige der vielen Wiederholungstäter: Edmund Schepp Carmen Klenk Sigrid Latzko

Das ist nämlich eines der Details, an dem man die Akribie, mit der man in Aschaffenburg zu Werke geht, erkennen kann. Und eben auch die Erfahrungen, die man in Organisationsteam bei anderen Veranstaltungen gesammelt hat. Gute Ideen darf man schließlich durchaus auch übernehmen.

Denn absolut einzigartig sind solche kleinen Vergünstigungen für Dauerstarter natürlich nicht. Für Südafrika ist die feste Nummer nach zehn Teilnahmen völlig normal. Und bei Schweizer Veranstaltern ist es ebenfalls nicht ungewöhnlich, dass man die Zahl der Teilnahmen von Stammgästen ganz genau kennt.

In Deutschland allerdings ist so etwas eine absolute Ausnahme. Wer auf irgendwelche Ehrungen dieser Art scharf ist, muss die Organisatoren in der Regel schon selbst darauf aufmerksam machen. Und falls es gelegentlich tatsächlich doch irgendwelche Jubiläumsklubs gibt, fordert man dann ziemlich oft die entsprechenden Belege beim Sportler ein, weil man sich nicht die Arbeit machen will oder die alten Unterlagen gar nicht mehr hat.

Die Macher des Citylaufs am Untermain dagegen haben ihre Daten absolut im Griff und führen, wie es sich bei einer Bank auch gehört, exakt Buch. Da muss man sich nicht selbst melden. Ganz im Gegenteil, die feste Nummer liegt bei zehn Starts automatisch bereit. Inzwischen nähert sich die Anzahl dieser Läufer schon der Zweihunderter-Marke.

Es sind eben genau solche positiven Kleinigkeiten, mit denen man die Kundschaft an sich bindet. Zumal es bei regelmäßig völlig ausgebuchten Läufen doch eigentlich gar nicht nötig wäre, auch noch mit irgendwelchen Wohltaten für die Stammgäste um sich zu werfen, um sie auch bloß zum Wiederkommen zu verpflichten.

Rechnet man die Zahlen einmal durch, ergibt sich im Umkehrschluss aber eben auch, dass rund ein Zehntel der Startplätze im Erwachsenenbereich – Schüler haben ja kaum eine Möglichkeit zehnmal dabei zu sein, bevor sie in den Hauptläufen antreten müssen – bereits fest für Läufer reserviert ist, die mindestens zehnmal dabei waren. Eine wahrlich beachtliche Quote von Läufern, die später nicht nur zu „Wiederholungs-“ sondern sogar zu „Serientätern“ werden.

Nicht nur sportlich fallen bei der zweiten Austragung die Rekorde. Auch die Teilnehmerzahlen haben sich nahezu verdoppelt. Ein Zuwachs von einhundert Prozent innerhalb eines Jahres scheint selbst bei den angeblich „innovativsten“ und damit eben auch risikoreichsten Erzeugnissen der Finanzbranche eigentlich undenkbar. Die Aschaffenburger Hypobank hat mit dem Citylauf auf einem ganz anderen Gebiet dann aber doch ein solches Produkt kreiert.

Den Schülern und Schülerinnen ist ein Großteil des Wachstums zu verdanken

Neben den Erwachsenen sind bei der zweiten Austragung nun auch rund dreihundert Schüler am Start. Ihnen ist sogar der größte Teil des Wachstums zu verdanken. Ein Wert, mit dem man sich in Windeseile auf eine der regionalen Führungspositionen katapultiert. Schon 1998 wird dieser Lauf dann genau wie der bei den Erwachsenen zweigeteilt. Wie bei den Großen nach Alter. Erst laufen die Acht- bis Elfjährigen, danach alle zwischen zwölf und fünfzehn.

Nicht nur die Zahl der Läufe verdoppelt sich dadurch, auch die der Läufer selbst wird deutlich höher. Über achthundert Kinder und Jugendliche – und damit fast dreimal so viele wie im Jahr davor – absolvieren die sechzehnhundert Meter lange Runde durch die Aschaffenburger Innenstadt. Damit sind sie sogar zahlreicher als die in der Ergebnisliste auftauchenden Einträge in den Haupt- und Seniorenklassen. Ihr Start ist auch weiterhin kostenlos. Ein zusätzlicher Anreiz, der Wirkung zeigt. Es ist das letzte Mal, dass zwei Rennen für den Nachwuchs ausreichen werden.

Doch auch die Beteiligung im A- und B-Lauf lässt die Organisatoren strahlen. Denn mit 708 im Ziel registrierten Teilnehmern wird auch in diesem Bereich erneut ein deutlicher Zuwachs verzeichnet. Wieder ein wenig länger als beim zweiten Aschaffenburger City-Rennen ist dabei die Distanz. Das Ziel ist auf den Platz vor Schloss Johannisburg gewandert. Damit ist der auch heute noch immer übliche Kurs endgültig gefunden.

Der Renaissance-Palast der Mainzer Erzbischöfe, die lange über die Stadt am Untermain herrschten, ist das Wahrzeichen Aschaffenburgs. Seine markanten Türme zieren auch unverkennbar das erste Logo des Citylaufes. Der davor gezeichnete Laufschuh wirkt allerdings nicht gerade wie eines der allerneuesten Modelle. Sechsmal wird die Ausschreibung damit bedruckt sein.

Doch ein wenig anders als die ersten beiden Male sieht es auf dem Heft von 1998 schon aus. Auf dem Laufschuh wird diesmal nämlich ausdrücklich vermerkt, dass es ein Gesamtpreisgeld von zehntausend Deutschen Mark – für die Jüngeren und Vergesslichen sei erwähnt, dass das einmal eine Währungseinheit war – ausgeschüttet wird.

Und prompt wird das Spitzenfeld internationaler. Laufprofis aus Polen und Kenia stehen an der Startlinie, um sich die ausgelobten Prämien zu sichern. Deshalb werden auch die beiden Streckenrekorde aus dem Vorjahr deutlich unterboten. Obwohl die Strecke wieder länger ist, muss dazu nicht einmal zurück gerechnet werden.

Schloss Johannisburg, der Renaissance-Palast der Mainzer Erzbischöfe, die lange über die Stadt am Untermain herrschten, ist das Wahrzeichen Aschaffenburgs. Ab 1998 ist das Ziel ist auf dem Platz am Schloss Johannisburg

Die 22:22, des Ostafrikaners Francis Mbiu sind auch so deutlich flotter als die letzte Siegerzeit. Noch größer ist die Verbesserung sogar bei den Frauen, wo Angelina Kanana in 26:02 vor der wie sie ebenfalls aus Kenia stammenden und 26:06 benötigenden Elizabeth Onyambu gewinnt.

Drei Namen, die man auch in den Siegerlisten größerer deutscher Marathons entdecken kann. Kananas Erfolg in Aschaffenburg liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen ihren beiden ersten Plätzen in Köln und Frankfurt. Gleich zweimal stand sie zuvor sogar in Hamburg auf dem obersten Treppchen. Die später in Deutschland verheiratete Elizabeth Onyambu wird zwei Jahre später die Premiere des Mainzer Marathons gewinnen, Francis Mbiu die zweite Auflage des gleichen Rennens im Jahr darauf.

Auch Rang drei im Frauenfeld geht ins Ausland. Und zwar in 26:32 nach Polen. Wioletta Uryga heißt die Läuferin, deren dritter Platz in Mainfranken ebenfalls genau zwischen ihre beiden vermutlich größten Erfolge im Marathonlauf fällt. Denn sowohl 1997 wie auch 1998 kann sie das Rennen im slowakischen Košice für sich entscheiden. Und das ist – obwohl hierzulande ziemlich unbekannt – immerhin der nach Boston am zweithäufigsten ausgetragene Marathon in der Welt.

Bei den Herren landet ihr Landsmann Zbigniew Murawski mit 22:49 auf der dritten Treppchenstufe. Doch zwischen dem Polen und dem Kenianer steht ein Läufer aus der Region. Allerdings ist das so ganz überraschend nun auch wieder nicht, zählt Steffen Brandis vom ASC Darmstadt, der gerade einmal zwei Sekunden vor Murawski ins Ziel einläuft, zu diesem Zeitpunkt doch zu den stärksten deutschen Hindernisläufern.

Der strahlend blaue und fast wolkenlose Himmel über den Läufern steht in krassem Gegensatz zu den Wetterkapriolen, die den Stadtlauf bei seinen späteren Austragungen meist prägen. Witterungsbedingungen, die OK-Chef Günter Guderley auch schon mal zu dem launigen Ausspruch veranlassen, der Regen sei kein Zufall sondern bei Petrus extra bestellt, denn er gehöre zum Rennen durch die Aschaffenburger Innenstadt einfach fest dazu.

Ab 1998 gibt es Preisgeld und prompt wird das Spitzenfeld internationaler

Eigentlich nicht wirklich schlechter sind die äußeren Bedingungen auch bei der vierten Auflage der Veranstaltung. Ganz im Gegenteil, es ist sogar so warm, dass die auf der Strecke angebotenen Schwämme guten Absatz finden. Wieder ist die Zahl der Läufe größer geworden. Denn nicht nur die Schüler verteilen sich jetzt auf drei Rennen, bei denen man mit elf und vierzehn in die jeweils nächsthöhere Startgruppe rutscht. Auch bei den Erwachsenen fallen nun – abgesehen vom auch weiterhin bestehenden VIP-Lauf mit der lokalen Prominenz – drei Schüsse vor der Schalterhalle des nach einer Fusion nun HypoVereinsbank heißenden Kreditinstituts.

Nicht mehr nach Altersklassen sondern nach den zu erwartenden Zeiten sind diese bestückt. Wer länger als fünfundvierzig Minuten für zehn Kilometer braucht, darf im C-Lauf als erstes ran. Wer dagegen schneller ist als 37:30 soll sich doch bitte im A-Lauf mit den Besten messen. Frauen allerdings – auch die Spitzenathletinnen unter ihnen – sind davon ausgenommen. Die dürfen im B-Lauf mit dem Mittelfeld antreten, bekommen so ihre Bühne und gehen nicht irgendwo im Pulk unter. Ein Konzept, dass sich durchaus bewährt und das deshalb auch zehn Jahre später noch immer Verwendung findet.

Nun bekommen die Damen auch das gleiche Preisgeld wie die männlichen Kollegen. Immerhin tausend Mark sind für den Sieg ausgelobt. Für die Senioren über vierzig und die schnellsten Unterfranken werden ebenfalls ordentliche Sieg- und Platzprämien ausgeschüttet und zwar ebenfalls für beide Geschlechter in gleicher Höhe.

So ist es dann auch wenig erstaunlich, dass an der Spitze der Rennen wieder ordentlich die Post abgeht. Der Streckenrekord bei den Herren wird zwar knapp verpasst, doch die Kenianerin Judy Kiplimo – wie ihre Vorgängerin Kanana taucht sie ebenfalls in der Siegeliste des Kölner Marathons auf – zaubert als erste Frau eine 25:26 auf den Aschaffenburger Asphalt. Die Ungarin Anikó Javos, die mit 26:01 trotzdem ebenfalls noch knapp unter der alten Bestmarke bleibt, kann da nicht mehr mithalten. Elizabeth Onyambu-Schröder, nach ihrer Heirat nun mit Doppelnamen, bleibt nach 26:44 diesmal nur Rang drei.

Der Sieger bei den Herren trägt einen Nachnamen, den man – zumindest aus heutiger Sicht – eigentlich auch eher bei den Frauen ganz vorne erwartet hätte. Und zwar nicht ganz zufällig, denn Alexander Mikitenko vom TV Gelnhausen ist der Ehemann jener Irina, die zuletzt zweimal nacheinander die Marathon Majors Serie für sich entscheiden konnte. Gegen die eine Million Dollar, die sie sich damit verdient, wirken die tausend Mark Prämie, die sich Alexander in Aschaffenburg sichert, allerdings wie jene von einem Bankmanager – wohlgemerkt keinem der HypoVereinsbank – in den deutschen Wortschatz eingeführten „Peanuts“.

Beim B-Lauf startet die weibliche Elite gemeinsam mit den ambitionierten Läufern. Von links Caroline Chepkwony und Selly Kaptich, Jenny Schulz und Claudia Hille (Siegerin 1997), Loise Kangogo und Pauline Githuka Wanjiru

Zwölf Sekunden Vorsprung läuft der in 22:32 siegreiche Mikitenko auf Martin Jones von der Turnerschaft Herzogenaurach heraus. Dennoch ist er keineswegs ein Franke sondern ein waschechter Engländer, den seine Tätigkeit für einen Sportschuhhersteller ins Aurachtal gebracht hat. Und zudem kommt mit ihm ein früherer Sieger der damals noch World Trophy genannten Berglaufweltmeisterschaften nach Aschaffenburg. Sogar zweimal stand er bei diesen Titelkämpfen ganz oben. Zusammen mit dem 23:16 benötigenden Polen Tomasz Wilczynski sind beim vierten Stadtlauf die Siegertreppchen also so international besetzt wie nie zuvor.

Fast schon natürlich schnellen auch die Teilnehmerzahlen weiter nach oben und nähern sich nun schon der Grenze von zweitausend, wobei die 1117 Schüler den größten Anteil am Kuchen haben. Doch auch 750 Erwachsene können sich mehr als sehen lassen. Nach nur vier Austragungen ist der Premierenwert schon ziemlich genau vervierfacht. Ein Wachstum, das den Machern angesichts der begrenzten logistischen Möglichkeiten langsam Angst macht und sie ernsthaft über Alternativen nachdenken lässt.

Der fünfte Citylauf soll deshalb nach dem Willen von Günter Guderley auch der letzte in dieser Form werden. So lässt er zumindest in der von der lokalen Zeitung Main Echo kostenlos verteilten Belage zum Rennen vor dem kleinen Jubiläum verlauten. Mit zweitausend Teilnehmern sei man am absoluten Ende der Fahnenstange angekommen. Mehr ginge eigentlich nicht mehr. Eine neue Strecke, ein anderer Austragungstag müsse nun einfach die logische Folge des Wachstums sein.

Dass sich manchmal – man ist geneigt zu sagen „zum Glück“ – auch die Meinungen von Führungskräften ändern können, zeigt ein Blick auf das noch immer nahezu unveränderte Konzept des Aschaffenburger Stadtlaufes. Und dass mit zweitausend auch noch lange kein Grenzwert bei der zu bewältigenden Teilnehmerzahl erreicht ist, wie der gründliche und vorsichtige Bankchef beim ersten kleinen Jubiläum wähnte, zeigen die inzwischen doppelt so langen Ergebnislisten. Mit routinierter und weiter optimierter Organisation lässt sich auch das noch bewältigen.

Und das ist schon im Jahr 2000 massiv gefragt. Denn alleine bei den Kindern und Jugendlichen explodieren die Zahlen noch einmal regelrecht. Unglaubliche 1752 Zieleinläufe werden am Ende registriert. Sechs Läufe sind dafür nun nötig. Drei Stunden liegen zwischen dem ersten und dem letzten Start des immer länger werdenden Abends. Im unverändert dreigeteilten Rennen der Erwachsenen wird es ebenfalls etwas enger. Denn mit 860 gestoppten Zeiten legt man auch dort noch einmal um mehr als hundert Personen zu.

Bei den Kindern- und Jugendläufen explodieren die Teilnehmerzahlen

Es ist wieder einmal ein Lauf der Rekorde. Zumal zudem erneut eine neue Streckenbestzeit aufgestellt wird. Die beiden Erstplatzierten aus dem Vorjahr stehen zwar am Start. Doch diesmal haben sie gegen den Kenianer Thomas Omwenga nicht den Hauch einer Chance. Auf 22:06 drückt der Ostafrikaner die neue Marke.

Nur in diesem einen Sommer tingelt der Sieger auf deutschen Straßen. In den nächsten Jahren wird er dagegen hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent starten, wo die Preisgeldtöpfe noch wesentlich besser gefüllt sind. Und zudem wird Omwenga bald auf längere Distanzen umschwenken, wo er unter anderem dann zweimal den Vancouver Marathon gewinnen kann.

Obwohl Alexander Mikitenko seine Zeit aus dem Vorjahr um vier Sekunden verbessert, muss er sich um einige Zehntel dem ebenfalls aus dem kenianischen Hochland stammenden Julius Maritim geschlagen geben. Immerhin kommt er noch aufs Treppchen, für den mit der Startnummer zwei angetretenen Martin Jones bleibt dagegen nur Rang sieben.

Langsam beginnt sich die wachsende Dominanz der von Stadtlauf zu Stadtlauf durch Europa tingelnden afrikanischen Laufprofis abzuzeichnen, denn auch Platz vier geht in 22:45 durch Masa Kipkemboi nach Kenia. In Zukunft wird sie noch wesentlich größer werden und Alexander Mikitenko wird der bisher letzte deutsche Aschaffenburg-Sieger im Männerbereich bleiben.

Bei den Frauen kann Petra Wassiluk als Gewinnerin diesen Effekt zumindest noch einmal hinaus zögern. Mit ihrer Zeit von 25:29 bleibt sie nur knapp über dem bestehenden Rekord. Nur zwei Wochen später wird sie sich auch ihren zweiten deutschen Meistertitel über 10.000 Meter sichern und im September über diese Distanz auch die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen von Sydney vertreten. Mit der Ukrainerin Vera Ragulina in 25:44 und der Russin Olga Kosel in 26:18 folgen ihr zwei Osteuropäerinnen auf den Plätzen.

Die sechste Auflage des HypoVereinsbank Citylaufes wartet wieder mit einer Neuerung auf. Und diese ist eben, dass es erstmals keine echte Änderung am Programm gibt. Nach längeren Diskussionen im OK-Team – das gibt man in den Vorankündigungen auch ganz offen zu – hat man sich trotz aller Ideen dann eben doch zur Beibehaltung des Konzeptes durchgerungen. Und erst einmal scheint nun auch die Zahl der Läufe ausreichend. Sechs Schüler- und drei Erwachsenenläufe hat man wieder eingeplant. Und natürlich bekommt man sie auch wieder voll.

Genau neunhundert Namen umfasst die Einlaufliste der Hauptläufe diesmal. Erneut eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr, allerdings eine in einem nicht mehr wirklich spektakulären Rahmen. Doch auch ansonsten ist der sechste Citylauf wieder einmal rekordträchtig. Denn sowohl bei den Damen als auch bei den Herren wird so schnell gelaufen wie noch nie auf dem Aschaffenburger Pflaster.

Bei der sechsten Auflage des HypoVereinsbank Citylaufes gibt es erneut eine Steigerung auf Aschaffenburger Pflaster

Und in beiden Fällen werden markante Grenzen geknackt. Denn mit dem Sieger Richard Mutai aus Kenia und dem Zweiten Daniel Andreas Sipe aus Tansania bleiben gleich zwei Läufer unter zweiundzwanzig Minuten. Im verbissenen Kampf um den inzwischen mit fünfzehnhundert Mark dotierten ersten Platz treiben sie sich gegenseitig zur neuen Streckenbestzeit.

Am Ende trennt gerade einmal eine halbe Sekunde die beiden Ostafrikaner voneinander. Die Zeitnehmer messen im Ziel exakte 21:54,7 und 21:55,2 heraus. Ein halber Schritt, der einen Unterschied von fünfhundert Mark ausmacht. Zum letzten Mal werden die Prämien in dieser Währung ausgezahlt, knapp acht Monate später beginnt das Euro-Zeitalter.

Erstmals gehen am Untermain alle Treppchenplätze nach Afrika. Mit Benjamin Itok kommt nämlich nach 22:25 ein weiterer Athlet aus Kenia als Dritter auf den Schlossplatz. Zur Komplettierung des Erfolges für die Läufernation Nummer eins sichert sich Caroline Kwambai im zuvor ausgetragenen Rennen auch noch den Sieg bei den Frauen.

Und durch ihre im Alleingang erzielten 24:24 pulverisiert sie die nun wahrlich alles andere als schlechte Marke, die Judy Kiplimo zwei Jahre zuvor aufgestellt hatte, regelrecht. Um mehr als eine volle Minute ist sie schneller als der alte Rekord. Gerade einmal acht Männer tauchen in der kombinierten Gesamtliste aus allen Läufen noch vor ihr auf.

Wie gut diese Zeit ist, zeigt die Tatsache, dass in den acht folgenden Austragungen keine ihrer Nachfolgerinnen auch nur annähernd an sie heranreichen kann. Genauso lange steht auch das Ergebnis ihres männlichen Gegenparts Richard Mutai nun schon in den Büchern und wartet auf eine Verbesserung. Jedoch ist diese Zeit nicht ganz so in Stein gemeißelt und gerät in der Folge zumindest ab und zu in Reichweite.

Doch an diesem 4. Mai 2001 stimmt von den Bedingungen her scheinbar alles. Schließlich laufen mit 25:03 und 25:05 auch die Ungarin Beata Rakonczai sowie die Tschechin Petra Drajzatlova als Zweite und Dritte weit unter dem alten Rekord. Sie stoßen dabei zudem in Bereiche vor, an die später in Aschaffenburg bei den Damen niemand mehr auch nur annähernd heran kommen wird.

2002 beim siebten Citylauf hat das alte Turnschuh-Logo ausgedient, nun läuft eine strahlende junge Dame vor dem stilisierten Schloss über eine genauso stilisierte Straße Frauen zieren nicht nur das neue Logo vom Aschaffenburger CityLauf, auch der Anteil an laufenden Teilnehmerinnen wird immer höher Einbruch der Dämmerung oder mal wieder Unwetterankündigung, die Kulisse ist allemal eindrucksvoll

Mit Temperaturen, die auch nach Einbruch der Dämmerung, in die man bei einem Start im A-Lauf unweigerlich hinein rennt, noch immer fast die Zwanzig-Grad-Marke erreichen, ist das Wetter allerdings auch wirklich wie gemacht für eine solche Veranstaltung. Welch ein Kontrast erwartet da Teilnehmer und Zuschauer im Jahr darauf. Denn kaum die Hälfte dieser Gradzahl kommt 2002 zusammen. Dazu regnet es auch noch, und zwar zumeist eher mehr als wenig. Im verflixten siebenten Jahr scheint Petrus seinen Vertrag mit den Machern des HypoVereinsbank Laufs aufgekündigt zu haben.

Und ausgerechnet diesmal gilt es sogar noch etwas länger auszuhalten. Denn die Veranstaltung ist um einen vierten Lauf für die Erwachsenen erweitert worden, um den langsam zu voll werdenden C-Lauf zu entzerren. Es ist die Zeit, in der Laufen endgültig „chic“ zu werden beginnt und immer mehr Menschen sich an Veranstaltungen beteiligen, zu denen sie sich noch einige Jahre zuvor nie getraut hätten. Die Felder werden deshalb dann auch hauptsächlich hinten dichter.

Das neue Rennen nennt sich deshalb auch nicht D- sondern C2-Lauf und ist genau wie das nun C1 heißende Original für eine Endzeit von über siebenunddreißig Minuten vorgesehen. Um allen geltungsbedürftigen Selbstdarstellern, die obwohl von eigentlich deutlich besserer Leistungsklasse immer wieder einmal in langsameren Läufen vorneweg rennen und sich präsentieren müssen, gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist allerdings auch festgelegt, dass die Zeitnahme erst nach fünfunddreißig Minuten beginnt.

Eine ganze Stunde mehr hat man für diesen zusätzlichen Start eingeplant. Und da eine weitere Verschiebung nach hinten unweigerlich dazu führen müsste, dass ausgerechnet die Eliteathleten bei völliger Dunkelheit über das Pflaster der Fußgängerzone hetzen, eröffnen die Schüler den Aschaffenburger Stadtlauf nun schon um siebzehn Uhr. Was gerade einmal sechs Jahre zuvor mit einem einzigen Rennen begann, dass in einer Stunde abgewickelt war, nimmt inzwischen den ganzen Abend ein. Bis der Letzte im Ziel das Ganze abschließt, zeigen die Uhren immerhin bereits mindestens halb zehn.

Fast fünf Stunden muss deshalb Günter Guderley mit dem Mikrofon in der Hand aushalten. Denn die Ansage übernimmt am Untermain der Chef selbst. Und auch wenn es an der Organisation nun wirklich überhaupt nichts zu mäkeln gibt, ist die Rolle des Streckensprechers von all seinen verschiedenen Aufgaben vielleicht sogar diejenige, die Guderley wirklich perfekt auf den nicht gerade umfangreichen Leib geschneidert ist.

Nicht nur Günter Guderley hat Spaß an seiner Rolle als Streckensprecher Jugendlauf wird groß geschrieben beim HVB CityLauf Zwei schnelle Schüler: Egmatollah Hussaini (1742) und Anusan Rajeentan

Denn hierbei ist eben wieder einmal zu merken, dass die Macher des Citylaufs sowie eben auch und insbesondere deren Teamleiter mitten aus der Szene kommen. Praktisch ohne Blick auf die Startliste reiht Guderley mit bewundernswertem Gedächtnis zu den Vorbeikommenden Namen an Namen, Anekdote an Anekdote, frühere Erfolge an aktuelle Bestleistungen oder gerade gewonnene Titel. Und zwar nicht nur zu den Athleten im Vorderfeld sondern auch zu den vielen Teilnehmern der anderen Läufe.

Selbst wenn Guderley als „Amateur“ nur in Aschaffenburg den Kommentator gibt, gehört er damit sicher zu den Besten dieser Zunft. So manchen der anderen Sprecher, die gegen gute Bezahlung Woche für Woche irgendwo zum Mikro und dabei mit ihren Aussagen gelegentlich auch einmal ziemlich ins Fettnäpfchen greifen, stellt der Bankchef jedenfalls mit solchen Plaudereinlagen locker in den Schatten.

Noch etwas anderes ist neu beim siebten Citylauf, nämlich das Logo. Der alte Turnschuh hat endgültig ausgedient. Nach den Ratschlägen der Sportartikelindustrie hätte er nach so langer Zeit ohnehin schon längst entsorgt gehört. Nun läuft da eine strahlende junge Dame vor dem stilisierten Schloss über eine genauso stilisierte Straße.

Unter ihren realen Entsprechungen ist bei strömendem Regen diesmal ausgerechnet eine Marokkanerin die Schnellste, von der man doch eigentlich erwartet hätte, dass sie eher mit trockener Wärme zu Recht kommen würde. Meryem Boucetta kann sich in 25:57 gegen die sechs Sekunden langsamere Anikó Kálovics aus Ungarn durchsetzten.

Die für eine Spitzenläuferin recht hochgewachsene Magyarin nimmt zwar in Sydney, Athen und Peking dreimal über zehntausend Meter auf der Bahn an Olympischen Spielen teil. Doch eigentlich ist sie doch eher eine Straßenspezialistin, die bei etlichen Läufen auch im deutschsprachigen Raum ihre Spuren in den Ergebnislisten hinterlassen hat. Gegen die sich eher auf kürzeren Strecken zu Hause fühlende Nordafrikanerin kann sie aber zum Schluss doch nicht mehr mithalten.

Dritte wird nach 26:52 mit Alena Mocariova eine Läuferin, die nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal in Aschaffenburg dabei ist. Fast noch mehr als die Ungarin tingelt die Slowakin, die gerade einmal eine Sekunde vor der Kenianerin Lilian Chelimo liegt, von Citylauf zu Citylauf. Meist gemeinsam mit Zwillingsschwester Jana Bauckmannova, die im Gegensatz zu ihr allerdings für Tschechien startet und beim Aschaffenburger Rennen 2002 drei Plätze hinter Alena ins Ziel kommt. Dazwischen schiebt sich nämlich auch noch Tabitha Tsatsa aus Zimbabwe.

Genauso international wie das Frauenrennen ist auch die Spitze bei den Männern besetzt. Sieben verschieden Länderangaben finden sich unter den ersten fünfzehn. Und obwohl durch gleich sechs Eintragungen Kenia die mit Abstand häufigste unter ihnen ist, steht sie überraschend nicht ganz oben. Es ist der Pole Michael Bartoszak, den die Zeitnehmer zuerst im Ziel erfassen. In einem engen Dreikampf setzt er sich in 22:31 gegen die 22:34 und 22:35 benötigenden Kenianer Kiplagat Kosgei und Nasary Kichwen durch.

Musikbegleitung, Anfeuerungsbegleitung und Radbegleitung - viele Läufe, viel Programm

Es ist zumindest bei den Männern allerdings das letzte Aufbäumen der Osteuropäer, die nach dem Fall des eisernen Vorhangs ungefähr ein Jahrzehnt lang gut in der Stadt- und Straßenlaufszene vertreten waren und an der Spitze mitmischten, nun aber die Führungsrolle endgültig der Übermacht aus Afrika überlassen müssen. Bei allen weiteren Aschaffenburger Stadtläufen wird bis zum heutigen Tag ein Kenianer die schnellste Zeit abliefern.

Die Restlaufzeit der alten Haudegen ist eben auch in Polen, Ungarn und Tschechien langsam erreicht und überschritten. Dazu geht – wohl auch aufgrund der sich doch deutlich verbessernden wirtschaftlichen Lage und der verändernden Sozialstrukturen – im Osten des Kontinents ebenfalls der Nachwuchs aus. Man kann sein Geld inzwischen dort halt auch anders als mit Sport verdienen. Die jungen, hungrigen Ostafrikaner haben diese Alternative nicht. Für sie haben die 750 Euro, die es nun und in Zukunft – eine weitere Anpassung nach oben erfolgt nämlich nicht mehr – am Untermain zu gewinnen gibt, einen ganz anderen Wert.

Bester Deutscher wird nach 22:41 und hartem Kampf auf Rang vier Oliver Mintzlaff. Trotz durchaus ansehnlicher sportlicher Folge wird er eigentlich erst als Betreuer, Manager und Tempomacher von Sabrina Mockenhaupt stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit kommen. Zwei Sekunden dahinter landet Namensvetter Oliver Dietz auf den sechsten Platz. Zwar fehlen beim siebten Stadtlauf die Bestzeiten, doch so eng wie mit sechs Athleten innerhalb von zwölf Sekunden war es an der Spitze zuvor noch nie.

Selbst wenn die sportlichen Marken nicht in Gefahr geraten, gibt es trotz widriger Wetterbedingung einen neuen Rekord. Denn mit fast zwölfhundert Zieleinläufen ist die Teilnehmerzahl jetzt auch bei den Erwachsenen deutlich vierstellig. Dass davon die Frauen bereits ziemlich genau ein Viertel stellen, lässt die Wahl des neuen Logos als gar nicht einmal unpassend erscheinen.

Um ihren Anteil an der Veranstaltung weiter aufzuwerten, werden bei der achten Auflage erstmals auch die Erwachsenenrennen nach Geschlechtern getrennt. Nach C- und B-Lauf, die nun die Bezeichnung M1 und M2 tragen, folgt ein separater Wettkampf für die weiblichen Starterinnen bevor dann wie üblich der Lauf der Leistungsläufer den Abend abschließt.

Noch immer treten dort nicht nur Spitzenathleten sondern auch die eher leistungsmäßig orientierte regionale Läuferschaft an. Anderswo sind die Eliterennen gelegentlich zu reinen Zirkuswettkämpfen geworden, in denen sich ein gutes Dutzend Profis ums Preisgeld balgen, während sämtliche lokalen Cracks lieber bei den Breitensportlern starten. Dort bekommen sie den gewohnten Applaus, der ihnen beim Kampf um das Vermeiden der Überrundung am Ende des Feldes der Asse oft versagt bleibt.

Die 8. Auflage 2003 mal wieder im Regen: Florence Chepkurui muss das Rennen nach einem Sturz auf dem nassen Asphalt aufgeben Abraham Tandoi gewinnt

Oliver Dietz wird 3., ein Jahr zuvor war er noch auf Platz sechs gelandet

Altmeisterin Katrin Dörre-Heinig (Nr.1) gibt ein Gastspiel, wird 5. und gewinnt klar die Masterswertung, muss allerdings die beste Platzierung einer Läuferin aus der Region Veronika Ulrich überlassen

In Aschaffenburg verhindert man dieses Ausweichen auch dadurch, dass ansonsten Zeiten unter zweiunddreißig Minuten einfach nicht gewertet werden. Und davon fallen beim achten HypoVereinsbank-Lauf immerhin knappe zweihundert. Sechzehn davon gehen auf das Konto des Frauenlaufes, in dem das Leistungsgefälle dann vielleicht doch etwas zu groß ist.

Denn die Langsamsten in diesem Rennen brauchen rund doppelt so lange. Nicht nur einmal sondern gleich doppelt werden sie von der Spitze dabei überrundet. Die dadurch entstehende Unübersichtlichkeit und die Störungen, mit denen sich die Eliteathletinnen im Kampf um die Preisgelder in den engen Gassen dabei abfinden müssen, geben den Ausschlag dazu, es bei einem einmaligen Experiment zu belassen. Ab dem nächsten Jahr starten die Damen wieder nach Leistungsvermögen gemeinsam mit den Männern.

Drei Afrikanerinnen machen das Rennen bei erneut recht bescheidenen und feuchten äußeren Bedingungen unter sich aus. Vor den Kenianerinnen Viola Bor (26:40) auf Rang drei und Ann Wambui (25:58) als Zweite – ihre Kollegin Florence Chepkurui musste das Rennen nach einem Sturz auf dem nassen Asphalt aufgeben – überquert allerdings eine Läuferin aus einem Land die Ziellinie, das ansonsten nicht unbedingt als Sportnation in Erscheinung tritt.

Vom kleinen Malawi, aus dem Catherine Chikwakwa stammt, haben vermutlich sogar die wenigsten je gehört. Noch nicht einmal achtzehn Jahre alt ist das zierliche Persönchen, das in 25:42 den Aschaffenburger Stadtlauf 2003 gewinnt. Und doch war sie als Aushängeschild der malawischen Leichtathletik bereits drei Jahre zuvor in Sydney bei Olympia dabei. Es ist in dieser Saison nicht ihr erster Sieg auf deutschen Straßen und es wird auch bei weitem nicht ihr letzter sein.

Hinter den Läuferinnen aus Ostafrika gibt mit Startnummer eins Altmeisterin Katrin Dörre-Heinig ein Gastspiel. Dreimal siegte die längst im nahen Odenwald ansässige gebürtige Leipzigerin unter anderem in London, dreimal in Frankfurt, je einmal in Berlin und Hamburg. Auf der für eine Marathonspezialistin doch recht kurzen Distanz gewinnt sie auf Gesamtrang fünf auch nach ihrem Abschied vom Hochleistungssport mit 27:54 klar die Masterswertung, muss allerdings die beste Platzierung einer Läuferin aus der Region der 27:22 laufenden Veronika Ulrich überlassen.

Vier Kenianer auf den ersten fünf Plätzen ergeben auch bei den Männern das längst gewohnte Bild. Doch immerhin mischt ein Deutscher gut vorne mit und verhindert, dass alle Treppchenplätze nach Ostafrika gehen. Oliver Dietz, der zwar im Trikot der LG Braunschweig startet, aber eigentlich Unterfranke ist. Ein Jahr zuvor war er noch auf Platz sechs gelandet. Diesmal reicht praktisch die gleiche Zeit – Dietz läuft 22:49 – für den Bronzerang. Soweit vorne wird sich nach ihm kein Einheimischer mehr in der Ergebnisliste finden.

Vor dem kommenden Deutschen Doppelmeister über fünf- und zehntausend Meter des Jahres 2004 schiebt sich in 22:32 mit Wilfred Kigen ein Athlet, den es bald darauf auf die Marathonstrecke ziehen wird. Dreimal wird er in Folge den Frankfurter Lauf gewinnen, dreimal in Hamburg Zweiter werden und dabei seine persönliche Bestzeit auf 2:07:33 schrauben.

Bei weitem nicht so gut gelingt der Umstieg auf die Marathondistanz für den Sieger des HypoVereinsbank-Laufes Abraham Tandoi. Über eine tiefe 2:13 kommt der im Spitzenfeld ziemlich auffällig lange Schlacks nicht hinaus. Eine Zeit, die ihm in Deutschland einen Platz in der Nationalmannschaft garantieren würde, die jedoch für einen kenianischen Laufprofi nicht einmal mehr Dutzendware ist. Dennoch ist er über viele Jahre einer der bekanntesten und beliebtesten Fixgrößen im deutschen Straßenlaufzirkus.

2004: Katrin Dörre-Heinig verliert knapp gegen die Ukrainerin Olga Nevkapsa den 4. Platz und wird erneut Fünfte Doch dafür ist Tochter Katharina mit Abstand Schnellste bei den Schülerinnen v.l. 4. Noah Talam, 1. Joel Kiplimo, 2. Nicolas Cheboi

Bei der eigentlich im Widerspruch zur veranstalteten Ausdauersportart stehenden Schnelllebigkeit der Szene gehört er zu den wenigen Konstanten. Nicht immer ganz vorne, aber fast immer vorne dabei liefert Tandoi in der Regel eine ziemlich solide Leistung ab. Meist ohne allzu groß aufzufallen. Eine Fähigkeit, die ihm dann gelegentlich auch einmal den Part des Edelhasen auf den langen Strecken einbringt. Diesmal kann er sich nachdem er sich relativ frühzeitig von seinen Konkurrenten gelöst hat aber nach 22:20 den Sieg sichern.

Wieder einmal gilt es in Aschaffenburg jedoch neue Teilnehmerrekorde zu vermelden. Neben über achtzehnhundert Kindern und Jugendlichen zählt man bei den Erwachsenen 1270 Läufer im Ziel. Auf weit über dreitausend Starter sind die Zahlen inzwischen gestiegen. Und dennoch werden auch diese Marken nicht länger als zwölf Monate Bestand haben. Noch immer zeigt die Kurve für den Citylauf stetig nach oben.

Denn im Jahr 2004 muss man schon 1427 Namen lesen, wenn man die Ergebnisliste der Hauptläufe komplett durcharbeiten will. Bei den Schülern endet die Aufzählung sogar erst nach 1881 Einträgen. Dabei ist das Wetter auch diesmal überhaupt nicht mit den Mainfranken. Erneut hat der Himmel seine Schleusen geöffnet. Die Regenschirme sind entlang des fünfzehnhundert Meter langen Rundkurses fast ständig und überall geöffnet.

Zurückgekehrt ist man zur alten Regelung der Zeitläufe. Allerdings wird der C-Lauf nun ebenfalls weiter nach Leistungsfähigkeit auseinander gebröselt. Für „Einsteiger“ und „Hobbyläufer“ sind die Rennen gedacht, bei denen man die Bezeichnung „D-Lauf“ im offiziellen Sprachgebrauch noch immer vermeidet und lieber „C1“ und „C2“ benutzt.

Auf einundvierzig Minuten ist die Grenze zwischen beiden festgelegt. Ab einer Zeit von siebenunddreißig Minuten soll man sich dann lieber im B-Lauf austoben, in dem auch die schnellen Damen wieder unterwegs sind. Und wer zweiunddreißig oder weniger Minuten benötigt, hat weiterhin im A-Lauf mit den Assen anzutreten.

Gleich eine ganze Handvoll Kenianer zieht dort an der Spitze ihre Kreise. Doch zwischen ihnen hält der Ukrainer Michail Yveruk tapfer mit. Und als am Ende die Post dann im Spurt richtig abgeht, kann er sogar drei von ihnen hinter sich lassen. Als Dritter in 23:10 hat er allerdings nur einen einzigen Schritt Vorsprung vor Noah Talam.

Doch auch nach vorne sind die Abstände kaum größer. Nicolas Cheboi wird auf Rang zwei nämlich mit 23:07 gestoppt. Und der Sieger Joel Kiplimo Kemboi ist in 23:03 nur um weitere vier Sekunden enteilt. Fast ist es ein Déjà-vu zur Austragung zwei Jahre zuvor, denn wieder sind innerhalb von zwölf Sekunden die sechs mit Preisgeldern dotierten Plätze vergeben.

Auch ein Profiläufer ist irgendwann mal Feierabend Der älteste Teilnehmer, der mittlerweile in der M85 laufende Josef Syndikus wird nicht müde beim CityLauf dabei zu sein

Bei den Frauen ist die Vorjahreszweite Ann Wambui mit 26:50 am schnellsten. Obwohl sie dieses Mal fast eine Minute langsamer läuft als im Jahr zuvor, kann nur eine einzige Konkurrentin einigermaßen dagegen halten. Doch ist das eine Athletin, die in der Region recht gut bekannt ist. Sieben Sekunden hinter der Kenianerin kommt Veronika Ulrich von der LG Neu-Isenburg/Heusenstamm als Zweite ins Ziel.

Auf Rang drei läuft nach 27:45 ziemlich unangefochten die Russin Elena Tihonova ein. Dahinter unterliegt Katrin Dörre-Heinig in 28:34 knapp gegen die 28:31 benötigende Ukrainerin Olga Nevkapsa und wird erneut Fünfte. Doch dafür ist Tochter Katharina mit Abstand Schnellste bei den Schülerinnen und lässt mit ihrer Zeit bis auf einen auch alle Jungs hinter sich. Schon ein Jahr zuvor war ihr das gleiche Kunststück gelungen.

Selbst wenn man wieder einmal Pech mit dem Wetter hat, bringt die inzwischen ziemlich eingespielte Organisation die neunte Austragung 2004 mit viel Routine mehr als gut über die Bühne. Nun kann das Jubiläum kommen. Und dieses wird erstmals nicht in der ersten Maihälfte ausgetragen sondern einen Monat später. Diesmal wird am 3. Juni gelaufen. Aufgrund der wandernden Feiertage des Frühlings und den sich daraus ergebenden Terminkollisionen mit anderen Veranstaltungen in der Umgebung sowie die bayerischen Ferien, lässt sich kein anderes Datum finden.

Wie üblich kann man sich ab dem 7. Januar anmelden. Doch wer glaubt, damit hätte man nun auch für die Meldung einen Monat länger Bedenkzeit, liegt daneben. Schließlich wird schon in der Ausschreibung daran erinnert, dass zuletzt die Läufe immer frühzeitig ausgebucht gewesen seien. Natürlich ist das auch beim zehnten Aschaffenburger Stadtlauf nicht anders.

Anmelden kann man sich übrigens schon seit einigen Jahren nicht mehr mit einem Brief, einem Fax oder gar einem Anruf. Nur noch was über das Meldeportal im Internet eingeht, wird akzeptiert. Auch in diesem ziemlich erfolgreichen „Nebengeschäftszweig“ der Bank hat sich die elektronische Abwicklung inzwischen voll durchgesetzt.

Der früher der Ausschreibung zum Ausfüllen beiliegende Bogen ist ohnehin schon länger verschwunden. Die hat sich in ihrem Aussehen zum zweiten Mal deutlich verändert. Nicht nur dass sie nun nicht mehr im üblichen DIN-A5 sondern im doppelt so großen A4-Format daher kommt. Auch die Läuferin auf dem Logo hat sich aus dem Staub gemacht. Nur noch die an das Aschaffenburger Schloss erinnernde Konturlinie mit der auf sie zuführenden kurvigen Straße ist übrig geblieben.

Quer darüber ist der neue Name HVB CityLauf gedruckt, wohlgemerkt wieder mit jenem in der Werbebranche so beliebten aber eigentlich jeder Rechtschreibenorm widersprechenden Großbuchstaben in der Mitte, den man auch schon bei HypoVereinsbank bewundern durfte. Das im Schriftzug nun ein wenig verkürzte Kreditinstitut ist übrigens das letzte Mal als eigenständige Bank für die Veranstaltung zuständig. Nur wenige Wochen nach dem Rennen wird nämlich die geplante Fusion mit der italienischen UniCredit Group – man beachte den zentralen Großbuchstaben – offiziell verkündet.

Auch in Bezug auf die Witterung scheinen die Aschaffenburger Macher zum Jubiläum irgendwelche Sonderkonditionen ausgehandelt zu haben. Fast könnte man sogar von Insider-Geschäften sprechen. Denn drüben auf der anderen Mainseite jenseits der nur wenige Kilometer entfernten hessischen Grenze zeigt heftiges Wetterleuchten das niedergehende Unwetter an. Der bayerische Teil der Region bleibt während des Stadtlaufes dagegen trocken. Petrus hält sich dabei anscheinend klar an die politischen und nicht an die sprachlichen Grenzen.

Das Siegertrio 2005 v.l.: 1. Stanley Kipkosge Salil, 2. Witaliy Schafar und 3. Patrick Kimeli im Ziel Zum Jubiläum hat sich die Läuferin auf dem Logo aus dem Staub gemacht. Nur noch die an das Aschaffenburger Schloss erinnernde Konturlinie mit der auf sie zuführenden kurvigen Straße ist übrig geblieben Ether Tuwei wird Siegerin der 10. Auflage

Denn der am Untermain übliche Dialekt ist dem Südhessischen deutlich näher als dem Fränkischen, von dem die Region durch den mehr oder weniger direkt hinter der Stadt beginnenden Spessart topographisch klar getrennt ist. Wegen dieser Randlage spielen in den Ballsportarten die Vereine aus dem Aschaffenburger Raum dann in der Regel auch in hessischen Ligen mit, woraus sich die seltsame Konstellation ergibt, dass eine Hessenmeisterschaft gelegentlich auch einmal nach Bayern geht.

Natürlich sind dann auch wieder etliche Läufer aus dem benachbarten Bundesland unter den 1456 Erwachsenen und 1938 Schülern, die bei der zehnten Austragung des Rennens durch die Innenstadt ins Ziel kommen. Fast wäre man angesichts dieser für Aschaffenburger Verhältnisse geringen Zuwachsrate geneigt, schon von einer Stagnation des Produktes CityLauf zu sprechen.

Doch ist das Ende der Fahnenstange in logistischer Hinsicht nun eben wirklich fast erreicht. Nicht etwa das nicht weiter zu steigernde Interesse begrenzt das Wachstum. Das wäre durchaus vorhanden. Und die inzwischen acht Euro kostenden Startplätze – die Kinder und Jugendlichen sind allerdings auch weiterhin startgeldfrei – wären vielleicht auch zu einem noch etwas höheren Betrag unter die Leute zu bringen. Wobei man – wie andere Beispiele zeigen – allerdings vorsichtig sein muss, den Bogen nicht gar zu sehr zu überspannen, und es deshalb auch zu Recht nicht tut.

Es sind vielmehr die Kapazitäten von Straßen, Umkleiden und Bankräumen, wo nach wie vor die Startunterlagen verteilt werden, die einfach langsam endgültig ausgereizt sind. Eine weitere Ausweitung des Programmes ist mit Rücksicht auf die Aschaffenburger Geschäftswelt kaum noch möglich. Und so bleibt zum Jubiläum dann im Zeitplan auch alles beim Alten. Sieht man einmal davon ab, dass der D-Lauf jetzt tatsächlich D-Lauf genannt wird.

Dafür ist jedoch das im Startgeld enthaltene T-Shirt, das bis zur neunten Auflage aus Baumwolle war, nun aus Funktionsfaser. Und erstmals tauchen auch jene nicht nur aus einer Zahlenkombination versehenen sondern mit „M“ oder „F“ beginnenden festen Startnummern der Stammgäste auf.

Einige Wochen zuvor hat Guderley schließlich mit einer Einladung zum Essen für alle, die sich bereits zum zehnten Mal angemeldet haben, den Jubiläumsclub aus der Taufe gehoben. Auch dieser wird mit den für den Aschaffenburger Citylauf fast schon normalen Prozentsätzen wachsen und seine Mitgliederzahlen innerhalb weniger Jahre vervierfachen.

Schnellste der Läuferinnen mit dem „F“ auf der Startnummer ist wenig überraschend die F1 Sabine Hock, die als Gesamtzehnte wieder einmal die gar nicht schlecht dotierte Unterfrankenwertung gewinnt, an den nun bis zu Platz acht ausgeweiteten allgemeinen Preisgeldrängen allerdings knapp vorbeiläuft. Außer Veronika Ulrich, die in 27:09 Fünfte wird, und der Polin Dorota Ustianowska zwei Ränge dahinter finden sich ansonsten jedoch nur noch Kenianerinnen unter den Top Ten.

2005: Die besten Deutschen 11. Sascha Wingenfeld (173) und 12. Andreas Heilmann Sabine Hock, mit der F1 gewinnt als Gesamtzehnte wieder einmal die Unterfrankenwertung, links neben ihr die 3. der Unterfrankenwertung Claudia Hille und rechts die 2. Sandra Lukaschek Das im Startgeld enthaltene Finisher-T-Shirt, das bis zur neunten Auflage aus Baumwolle war, ist nun aus Funktionsfaser

Von ihnen sieht bis kurz vor dem Ziel Prisca Kiprono wie die sichere Siegerin aus. Aber dann zieht Ether Tuwei mit einem energischen Antritt auf den letzten Metern doch noch hauchdünn an ihr vorbei. 25:56 zu 25:57 endet das Duell, in das die weit zurückliegenden Konkurrentinnen nicht im Geringsten eingreifen können. Eine volle Minute liegt die in 26:58 gestoppte Mercy Kibarus zurück. Viola Bor, auf Aschaffenburger Pflaster schon einmal Dritte, muss sich drei Sekunden dahinter diesmal mit Rang vier begnügen.

Noch deutlicher ist die kenianische Überlegenheit bei den Herren, wo acht der zehn ersten Plätze ins ostafrikanische Hochland gehen. Ansonsten können nur zwei Ukrainer noch in der Spitze mithalten. Bester Deutscher wird als Elfter mit dann schon ziemlichem Respektabstand zu den Profiathleten Sascha Wingenfeld vom TSV Ostheim in der Rhön.

Was bei den Frauen allerdings recht spannend daher kommt, ist bei den Männern eher eine ziemlich schnell und klar entschiedene Solovorstellung. Viel zu groß ist der Vorsprung, den Stanley Kipkosge Salil schon früh im Rennen heraus gelaufen hat. Fast eine Minute nimmt der in 22:14 siegreiche Neunzehnjährige dem Rest des Feldes ab.

Erst nach 23:04 ist der Zweite im Ziel. Und das ist kein Kenianer sondern der Ukrainer Witaliy Schafar, dem damit allerdings endgültig der letzte Treppchenplatz eines Europäers gelingt. Die nächsten vier Auflagen kommen nur noch Kenianer unter die ersten drei. Patrick Kimeli sichert sich in 23:10 das dritte Preisgeld vor seinen Landsleuten Nicolas Cheboi und Collins Kibet.

Nicht nur der große Erfolg des Jubiläums führt dazu, dass der Lauf trotz neuer Konzernleitung nach der Bankenfusion natürlich auch nach zehn Jahren fortgeführt wird. Viel zu groß ist der Werbeeffekt, den die HypoVereinsbank durch den HVB-Lauf – das Kreditinstitut und auch die Veranstaltung behalten weiterhin ihren Namen – längst in der Region erzielt. So geht es dann auch 2006 praktisch ohne große Änderungen dort weiter, wo man 2005 aufgehört hat. Ja, der neue italienische Regionalchef Enrico Quarantiello gibt sogar den Startschuss.

Die wichtigste Neuigkeit ist eine, mit der man nach all den Meldungen über stetigen Aufschwung eigentlich gar nicht mehr so wirklich gerechnet hat. Denn zum aller ersten Mal zeigen die Zahlen nicht mehr bergauf, gibt es keine neuen Rekorde. Auch bei diesem Bankprodukt kann angesichts einer endlichen Welt das Wachstum eben nicht ins Unendliche gehen.

2006: Startaufstellung der Elitefrauen mit v.l. Veronika Ulrich, Monica Otwori, Prisca Kiprono und Milka Jerotich Einer der Sieger Patrick Kimeli (3) und der 7. Walter Cherotich im Ziel des abendlichen Aschaffenburg Starke Jugend im Ziel v.l.: 11. Markus Geiger (2. MJA), 9. Julius Helm und 10. Manuel Stöckert (1. MJA)

Mit ins Bodenlose abstürzenden Börsenkursen ist der Rückgang allerdings nun wirklich nicht zu vergleichen. Im Hauptlauf trifft man das Ergebnis des Vorjahres schließlich in einem extremen Zufall auf den Punkt genau. Bei den Jugendlichen zeigt mit 1801 Zieleinläufen die Kurve allerdings doch unübersehbar nach unten. Und wie die Werte der nächsten Auflage zeigen werden, handelt es sich dabei jedoch keineswegs um eine Trendwende sondern nur um ein kleines Zwischentief.

Dafür lässt sich aber in einer anderen Bilanzposition erneut ein Plus vermelden, wenn man dafür von Seiten der Organisatoren her auch eigentlich eher wenig kann. Zum zweiten Mal in Folge bleibt es nämlich nach drei Regenjahren trocken, wenn sich auch am Himmel immer wieder einmal drohend dunkle Wolken sehen lassen.

Erinnern die äußeren Bedingungen doch ziemlich an die Jubiläumsauflage, scheinen die sportlichen Abläufe diesmal genau spiegelverkehrt zu sein. Bei den Frauen im B-Lauf läuft nämlich Milka Jerotich recht unangefochten vorneweg und kann sogar frühzeitig den Fuß vom Gas nehmen, ohne dass ihr Sieg in 25:41 ernsthaft in Gefahr geraten würde.

Für die 2006 im Spurt nur hauchdünn geschlagene Prisca Kiprono bleibt wieder nur Rang zwei. Diesmal werden 25:54 für sie gestoppt. Monica Otwori macht nach 26:11 den Dreifacherfolg für Kenia klar. Die auch schon mit Streckenkenntnis ausgestattete Polin Dorota Ustianowska als schnellster Europäerin läuft mit 26:39 das vierte Preisgeld heraus, bevor Veronika Ulrich nach 26:58 wieder einmal ihre lokale Führungsposition bestätigt.

Sind für die Damen die Dinge schnell geklärt, machen es nun die Männer wieder spannend. Eine Handvoll Kenianer sowie ein einzelner Marokkaner sorgen an der Spitze ordentlich für Druck und nehmen sogar den nun doch schon etwas angestaubten Streckenrekord von Richard Mutai ins Visier.

Sie scheitern knapp, sowohl an der Bestzeit als auch an der Marke von zweiundzwanzig Minuten. Doch sechs Läufer innerhalb von zwölf Sekunden – wo hat man das denn nur schon einmal gehört – sorgen wieder einmal für beste Unterhaltung bei den Betrachtern am Streckenrand und nun ebenfalls zu Zuschauern gewordenen Teilnehmern der anderen Läufe.

Doch auch wenn sich die Einlaufdichte nun schon zum dritten Mal in Aschaffenburg ergibt, gleich zwei Sieger sind eine absolute Novität. Seite an Seite stürmen Patrick Kimeli und Nicholas Koech in 22:02 über die Linie. Der Gewinner ist nicht festzustellen. Und so werden beide auf den ersten Platz gesetzt und – was für die Berufsläufer vielleicht noch wichtiger ist – auch beide mit der vollen Siegprämie bedacht.

Zwei Sekunden danach ist Collins Kibet als Dritter im Ziel, eine weitere später auch Johnstone Chekwony. Elijah Keitany benötigt auf Rang fünf 22:09. Und der einzige Nord- unter lauter Ostafrikanern Saaid Azouzi rennt mit 22:14 als Sechster eine Zeit, die im Vorjahr zum Sieg gereicht hätte. Als Einzelkämpfer fühlt sich der Marokkaner in diesem Pulk ohnehin ein wenig benachteiligt. Denn obwohl aus verschiedenen Rennställen kommend, arbeiten die Kenianer im Zweifelsfall natürlich lieber mit ihren Landsleuten zusammen, als einem Läufer aus einer anderen Nation den Sieg zu überlassen.

Zwei Jahre darauf wird er es noch einmal in Aschaffenburg versuchen, mit übrigens durchaus vergleichbarem Erfolg. Ohnehin gibt es auch unter den Eliteläufern Athleten, die immer wieder am Untermain an die Linie treten. So stehen mit Abraham Tandoi und Nicholas Koech gleich zwei frühere Gewinner in der Starterliste des Jahres 2008. Auch Collins Kibet gehört längst zu den bekannten Namen beim HVB-Lauf. Und im Frauenrennen ist Vorjahressiegerin Milka Jerotich wieder dabei.

2007: Die Siegerin Caroline Chepkwony im Ziel Musa Roba vom TV Gelnhausen läuft auf Platz 8 und wird 1. MJA Bergläufer Manuel Stöckert (3. MJA) scheint seinen Spaß an der "flachen" Strecke zu haben Abraham Tandoi nach seiner zweiten Teilnahme. Er siegte bereits 2003 beim HVB CityLauf

Dass ein bisschen Kenntnis der Strecke beim Ringen um das oberste Preisgeld nicht schaden kann, lässt sich angesichts des Einlaufes bei den Männern dann sogar fast vermuten. Denn gerade die drei eben aufgezählten Athleten kommen aus dem sieben Köpfe zählenden Kenianerpulk, der sich schnell an der Spitze postiert, am Ende auf den ersten drei Plätzen ein.

Und fast genauso eng wie im Jahr davor ist es auch 2007. Erneut zeitgleich werden Tandoi und Koech gewertet. Mit 22:27 sind beide in der Ergebnisliste notiert. Doch diesmal lässt sich eindeutig erkennen, dass der acht Jahre ältere und deshalb vielleicht auch routiniertere Abraham Tandoi die Brust ein wenig vorne hat. Erstmalig in den zwölf Austragungen taucht damit ein Läufer zum zweiten Mal in der Aschaffenburger Siegerliste auf.

Für Koech bleibt nur das zweite Preisgeld. Zehn Sekunden dahinter wird Collins Kibet knapp vor seinem Teamkollegen Charles Chebet wieder Dritter. Ein Rang, den er ja schon kennt. Hinter sieben Kenianern kommt Musa Roba vom TV Gelnhausen in 23:25 ins Ziel. Schon im Jahr zuvor hatte sich der ursprünglich aus Äthiopien stammende Nachwuchsläufer, der anfangs sogar versucht das Tempo mitzugehen, ziemlich gut verkauft und war in einer ähnlichen Zeit ebenfalls Achter gewesen.

Bei den Frauen kann Milka Jerotich ihren Erfolg dagegen nicht wiederholen. In 25:52 wird sie nur Vierte. Dennoch geht der Sieg auch diesmal fast schon erwartungsgemäß wieder nach Kenia. Und alle Treppchenplätze noch dazu. Vor der 25:41 laufenden Emmah Muthoni Kiruki spurten nämlich noch Alice Kemunto Mogire und Caroline Chepkwony um den Erfolg. Chepkwony hat dabei am Ende mit einer Zeit von 25:22 und drei Sekunden Vorsprung die größeren Reserven.

Als ausgleichende Gerechtigkeit nach drei verregneten Veranstaltungen lassen die drohend dunklen Wolken am Horizont zum dritten Mal hintereinander Aschaffenburg links liegen und regnen sich an anderer Stelle aus. Ob es an dieser positiven Serie liegt oder einfach nur daran, dass man für die einzelnen Läufe noch einmal ein paar Starter mehr als in den Jahren davor zugelassen hat, ist eigentlich nicht wichtig.

Jedenfalls gibt es erneut eine Rekordzahl von Teilnehmern zu verkünden. Mit 1986 Zieleinläufen ist die kurzzeitige Delle in der Erfolgskurve bei den Schülern wieder überwunden. Und die Erwachsenen stehen dem angesichts eines von 1456 auf 1734 gesprungenen Wertes keineswegs nach, sondern setzen eher noch einen drauf. Wer nach dem Vorjahrsergebnis geglaubt hatte, das Wachstum des Citylaufes hätte nun ein Ende, war klar im Irrtum. Die Kurve ist sogar wieder nach oben abgeknickt.

Und auch 2008 lässt sich am Untermain keine Spur von jener Laufrezession, die andere Veranstaltungen längst heftig plagt, entdecken. Ganz im Gegenteil. Denn noch einmal kommen in den Hauptläufen über einhundert Starter mehr auch unter dem Zielbogen am Schloss an als im Jahr zuvor. Bei 1848 steht nun der neue Bestwert über die 7,9 Kilometer.

Und in den Schülerrennen beginnt die vierstellige Endsumme sogar erstmals mit einer zwei. Die Zahl 2098 steht ganz am Ende der Liste. Über Nachwuchsmangel muss man sich in Aschaffenburg nun wirklich nicht beklagen. Doch legt man auch besonderen Wert auf die Jugendlichen, für die auch weiterhin der Start kostenlos möglich ist. Wie wichtig diese kommende Generation in den Augen der Macher ist, kann man daran erkennen, dass seit dem Jubiläum jeweils ein Foto vom Getümmel beim Start eines ihrer Läufe die Ausschreibung ziert.

Das Unwetterjahr 2008 mit Krisenstab: Anita Werner und Silke Kreher informieren sich und andere in den Büroräumen der HVB-Bank über die Unwetterlage Günter Guderley stoppt das nächste Rennen, im Foyer informiert er die Läufer wie und ob es weiter gehen soll Eliteläuferinnen werden schonend darauf vorbereitet, dass es vielleicht heute Abend gar kein Rennen für sie geben wird

Die Marke von viertausend Teilnehmern rückt also beim dreizehnten Stadtlauf in greifbare Nähe. Dafür, dass sie nicht fällt, muss man den Grund wohl hauptsächlich darin suchen, dass Petrus sein dreijähriges Geschäft mit der Bank wieder aufgekündigt hat und den Hypolauf diesmal nicht mehr so verschont wie zuletzt.

Schon im Vorfeld gibt es Unwetterwarnungen für den Lauffreitag. Und nachdem die Schüler trockenen Fußes aber aufgrund der herrschenden Schwüle meist ziemlich feuchten Hauptes ihre Runde absolviert haben, kommt gerade noch der D-Lauf durch. Dann ist das Gewitter da und nichts geht mehr. Die Veranstaltung muss erst einmal und erstmalig unterbrochen werden.

Abergläubische deuten in diesem Moment natürlich sofort auf die Zahlenkombination, die diesmal auf dem Logo zu lesen ist. Na klar, eine dreizehn kann man dort lesen. Und Freitag ist es ja wie immer beim Citylauf auch noch. Allerdings wenigstens der dreißigste Mai und nicht auch dort noch der dreizehnte.

Auf der Suche nach einem schützenden Dach über dem Kopf wird nicht nur das Zelt im Innenhof der Bank, in dem schon seit den ersten Tagen des Stadtlaufes die abschließende Siegerehrung stattfindet, gestürmt. Auch vor der Bank selbst macht die Meute selbstverständlich nicht Halt und sorgt für eine Menschenansammlung wie vermutlich nie zuvor in diesen Räumen.

In einem der nicht zugänglichen Büros tagt der Krisenstab. Das enge Zeitfenster für den Citylauf lässt die noch ausstehenden drei Starts nicht mehr zu. Und einen Moment lang steht sogar alles vor dem völligen Abbruch. Erst kurz bevor diese Entscheidung endgültig fällig wird, bessert das Wetter sich so weit, dass es eventuell weiter gehen könnte. Und da auch keine neue Front mehr im Anmarsch ist, geht es kurz darauf tatsächlich weiter.

Die als Notplan ausgeheckte Lösung lässt den B-Lauf ausfallen und stellt den dort gemeldeten – oder eingeordneten, denn im Zweifelsfall wird von Seite der Organisatoren auch einmal umsortiert – Teilnehmern frei, ob sie in den langsameren C- oder den schnelleren A-Lauf wechseln wollen. In beiden wird es dadurch zwar ungewöhnlich voll. Aber irgendwie bringt man das Ganze doch noch in recht annehmbarer Form über die Bühne.

Das Missgeschick, das Anitha Kiptum unterläuft, wäre ihr aber vielleicht dann doch nicht passiert, wenn sie im B-Lauf vorneweg und nicht im A-Lauf mitten im Pulk gelaufen wäre. Denn klar in Führung liegend biegt sie nach fünf absolvierten Runden nicht nach rechts ins Ziel ab, sondern schwenkt trotz Führungsradfahrer und winkenden Helfern stur nach links zur Absolvierung einer sechsten. Der Sieg ist dahin, das Preisgeld auch. Statt auf Platz eins taucht sie als Fünfzehnte in der Ergebnisliste auf. Na klar, die dreizehnte Auflage.

Das Unwetter hat sich nach einer dreiviertel Stunde ausgetobt und der C-Lauf kann doch noch gestartet werden Die Männerspitze v.l. Elijah Keitany, Wilson Chemweno, Said Azouzi, Dmitrij Dubowski, Kenneth Koros, Matthew Kosgei und der spätere Sieger Nicholas Koech Anfeuerung am Abend, das gefällt auch LaufReporter Thomas Guthmann, wenn er nicht fotografiert sondern mitläuft

Eigentlich recht zufällig kommt deshalb die eigentlich schon abgehängte Milka Jerotich nach 25:54 zu ihrem zweiten Erfolg am Untermain. Dahinter wird mit Vibian Jeplagat in 26:31 wenig überraschend eine weitere Kenianerin Zweite. Doch muss sie sich bis zuletzt der am Ende nur um eine einzige Sekunde geschlagenen Veronika Ulrich erwehren.

Diese startet zwar nun für die LG Regensburg, ist allerdings nach wie vor im Rhein-Main-Gebiet zu Hause und wird natürlich auch entsprechend angefeuert. Als neues Jubiläumsklubmitglied läuft mit der „F15“ Claudia Hille bei ihrem nun elften Start hinter der Russin Ludmila Gurkina und der Kenianerin Sally Boit als Sechste und Siegerin der Unterfrankenwertung ein.

Dramatik pur bietet zum wiederholten Mal das Rennen der Männer, wo sich Said Azouzi erneut mit einem halben Dutzend Kenianer auseinander zu setzen hat. Wieder wird er Sechster und ist wieder nicht wirklich zufrieden mit dem Geschehen unterwegs. Diesmal ist es sogar noch knapper für ihn. Denn gerade einmal sieben Sekunden vor seiner 22:46 sichert sich Nicholas Koech wie sein weibliches Pendant Melka Jerotich seinen zweiten Sieg.

Dahinter folgen praktisch im Sekundentakt Wilson Chemweno, Matthew Kosgei, Elijah Keitany und Kenneth Koros. Zumindest Emmanuel Rutto kann der einzige Marokkaner im Kenia-Express noch um zwei Sekunden hinter sich lassen. Eng war es ja schon mehrfach in Aschaffenburg. Aber sieben Athleten, die innerhalb von neun Sekunden ins Ziel spurten, sind auch ein neuer Rekord. Ziemlich gut verkauft sich als bester Deutscher auch Markus Geiger vom TSV Brendlorenzen, der auf Gesamtrang zehn nur eine gute Minute später im Ziel ist.

Die Abergläubischen mögen sich bestätigt fühlen, die Skeptiker allerdings ebenfalls. Denn auch beim Stadtlauf mit der „14“ auf der Ausschreibung läuft nicht alles völlig nach Plan. So einschneidend wie bei der Auflage mit der angeblichen Unglückszahl sind die Probleme allerdings bei weitem nicht.

Und die meisten bemerken die kleine Panne gar nicht oder hätten sie zumindest nicht bemerkt, wenn Günter Guderley bei der Siegerehrung nicht völlig offen ins Mikrofon hinein plaudern würde, dass gerade niemand greifbar wäre, der einen Schlüssel für den Banksafe hätte, in dem die Preisgelder lagerten, und es eventuell noch etwas dauern könne.

Nicholas Koech nach 2006 nun 2008 wieder als Erster im Ziel Schnellster Deutscher im Elitefeld der Berufsläufer wird Markus Geiger mit Platz 10 Anitha Kiptum, klar in Führung liegend biegt falsch ab, läuft noch eine 6. Runde und wird nur 15.

Spätestens nach den Ereignissen im Jahr zuvor sind der Chef und sein Team allerdings mit einer gewissen Erfahrung im Improvisieren ausgestattet. Und so wird eben auf die Schnelle erst einmal mit Scheckkarten Bares vom Automaten abgehoben, um die Verzögerungen in Grenzen zu halten.

Da atmen dann auch die kenianischen Profiathleten erst einmal durch, die zuvor wieder einmal eine gelungene Schau abgeliefert haben. Schließlich gehört es inzwischen schon zum Standard, dass es beim Citylauf in Aschaffenburg eng zugeht. Und fast genauso normal ist es inzwischen, dass die afrikanischen Asse beim Kampf um die vorderen Positionen weitgehend unter sich bleiben.

Nach einem fünften und zwei dritten Plätzen kann sich Collins Kibet zum ersten Mal über den Sieg und die damit verbundene Prämie freuen. Mit 22:58 hält er im Spurt Stephen Koech nur eine Sekunde auf Distanz. Um die dritte Treppchenstufe sprinten die am Ende in 23:02 zeitgleichen Shadrack Lagat und John Kipkorir Mutai. Lagat ist ein kleines Schrittchen weiter vorne. Doch auch Stephen Mbure Njoroge mit 23:03 und Hosea Tuei mit 23:04 sind bis zum Schluss bei der Entscheidung dabei.

Nach der im Stadtlaufzirkus längst üblichen Taktik wird nämlich auf den ersten Runden das Tempo durch die von einem Rennen zum nächsten tingelnden Berufsläufer nur so hoch gehalten, dass der Rest des Feldes nicht mehr mitkommt. Schließlich muss man mit den Kräften haushalten. Denn ein paar Tage später werden diese beim folgenden Start schon wieder gebraucht. Die Jagd auf immer neue, immer noch schwerer zu knackende Streckenrekorde schenkt man sich deshalb zumeist.

Richtig ans Limit geht es dann erst am Schluss. Da wird dann gespurtet, was die Beine hergeben. So sind auch diesmal in Aschaffenburg wieder sechs Läufer innerhalb genauso vieler Sekunden im Ziel. Der siebte Henry Tororei schafft es in 23:09, also elf Sekunden hinter dem Sieger über die Linie. Manuel Stöckert vom TSV Ostheim ist als Achter zwar nach 23:47 nicht mehr ganz dran aber auch noch nicht völlig abgehängt.

2009: 1. M50 Sebastiano Ilardi vor dem 3. M50 Jerzy Janowicz (16) aus Polen 1. M45 Bernhard Zang 1. M40 Markus Riefer

Kaum anders ist das Bild dann auch bei den Frauen, wenn auch die Abstände ein wenig größer sind. Caroline Chepkwony läuft mit 26:15 die beste Zeit des Tages und zum zweiten Mal nach 2007 zum Sieg vor Pauline Githuka Wanjiru, die mit 26:20 registriert wird. Selly Kaptich (26:28) und Loise Kangogo (26:30) heißen die anderen beiden aus dem Führungsquartett, das lange gemeinsam die Runden abspulte.

Die fünfte Kenianerin Emmily Biwott hat dagegen schnell den Anschluss verloren, kann allerdings deshalb auch schon wieder etwas den Fuß vom Gas nehmen. Ihre 27:39 reichen, um die 27:54 laufende Jenny Schulz von Skills 04 Frankfurt auf Distanz zu halten, die als beste Deutsche beim vierzehnten Hypolauf Sechste wird.

Noch einmal legen die Zahlen beim Hauptlauf zu. Das Bankprodukt „HVB-Citylauf“ steigt sogar in der größten Krise des Kreditgewerbes weiter im Ansehen. Auch die Erwachsenen nähern sich mit 1901 Zieleinläufen nämlich langsam der Zweitausendermarke, unter die man bei den Schülern mit 1971 in der Ergebnisliste auftauchenden Namen allerdings wieder knapp zurück fällt. Zum zweiten Mal in Folge schrammt man deshalb dicht an viertausend Teilnehmern im Ziel vorbei.

Noch einmal tausend mehr sind gemeldet, was eine für eine eigentlich recht kurze Strecke doch ein überraschend hoher Ausstiegs- und Nichtantrittsanteil von einem Fünftel bedeuten würde. Doch muss man sich, um seine Startnummer sicher zu haben, eben auch schon im Winter anmelden. Und die Erfahrung zeigt, dass der Prozentsatz mit der Länge dieser Vorlauffrist immer größer wird.

Dazu hat zumindest für die Hauptläufe wieder einmal der Himmel seine Schleusen geöffnet. Es schüttet zwar nicht so heftig wie im Vorjahr. Doch dafür ist es auch deutlich kälter, also richtig ungemütlich. So mancher kommt angesichts solcher Verhältnisse schon einmal ins grübeln, ob man sich das antun muss.

Zu sechst am Start und eine Klasse für sich waren die Jungs vom TSV Ostheim/Rhön, hier von links der 13. Sascha Wingenfeld (1. M30), 25. Daniel Schmidt, 11. René Stöckert (1. MJA), 31. Sven Perleth. Auch bei der Unterfrankenwertung belegten mit Manuel Stöckert, René Stöckert und Sascha Wingenfeld drei Ostheimer die ersten Plätze Der Kleinostheimer Tobias Hegmann muss sich in der Unterfrankenwertung den drei Ostheimern geschlagen geben Sieger Collins Kibet und der 3. Shadrack Lagat (6) diskutieren im Ziel noch lange über das Rennen

Und nach dem angeblichen – wissenschaftlich natürlich überhaupt nicht belegbaren – Gesetz der Serie wäre es wenig überraschend, wenn es beim fünfzehnten HVB Citylauf Aschaffenburg erneut feucht werden würde. Nach dreimal nass und dreimal trocken müsste eigentlich noch ein drittes Mal nass an der Reihe sein.

Dennoch dürften die Startnummern auch diesmal wieder in Windeseile verteilt sein. Noch ist nicht zu erkennen, dass die Krisenstimmung, die sowohl in der Laufszene wie auch im Kreditgewerbe um sich gegriffen hat, am Untermain ebenfalls zu irgendwelchen Problemen führen könnte. In der Kombination von Bank und Lauf wirkt man vor Einbrüchen gut gefeit. Irgendwo wird die eingespielte Mannschaft um Chef Günter Guderley wohl auch 2010 wieder einen Rekord feiern können. Denn der HypoVereinsbank-Lauf scheint angesichts seiner nun schon eineinhalb Jahrzehnte umfassenden Erfolgsgeschichte ein doch ziemlich risikoloses und krisenfreies Bankprodukt zu sein.

Text von Ralf Klink - Fotos: LaufReport.de

HVB Citylauf im Internet www.hvb-citylauf.de

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