13.4.19 - 17. Engelberglauf in Großheubach

Trotz Kälteeinbruch über 600 Teilnehmer auf dem Engelberg

Carolyn Pfalzgraf sorgt für eine Paukenschlag und verbessert den HM-Rekord um 8 Minuten

von Reinhold Daab 

Samstag Vormittag 9 Uhr - es schneit. Da fällt den ganzen Winter über kein Krümel Schnee und als der Frühling bereits Einzug gehalten hat und alles in voller Blüte steht, fängt es an zu schneien. Verrücktes Wetter. "Wir haben knapp über 600 Voranmeldungen", erzählte mir Willi Hubert vom Orga-Team nach meinem Eintreffen auf dem Engelberg. Man hätte annehmen können, dass der Temperatursturz auf nur noch 5 Grad Celsius am Samstag einige Teilnehmer vom Start in Großheubach abhalten würde. Das war jedoch überraschenderweise nicht der Fall. Unterm Strich wiesen die Ergebnislisten stolze 598 Teilnehmer aus, dazu kamen noch die darin nicht erfassten "Zwerge" sowie die Teilnehmer am Handicap-Lauf, insgesamt also ein Ergebnis weit über 600. Das zeigte einmal mehr, wie beliebt der Engelberglauf ist und dass man sich auch nicht von niedrigen Temperaturen beeindrucken oder gar abhalten lässt.

Acht Starts innerhalb von einer Stunde – von 400 Meter bis 21,1 Kilometer – für die schnelle oder langsamere Gangart – beim Engelberglauf in Großheubach ist das Laufvergnügen ungebrochen
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Acht Starts innerhalb von einer Stunde, das ist eine Herkulesaufgabe und würde so manchem Veranstalter sicher das Letzte abverlangen. Beim Engelberglauf nimmt das der Veranstalter BSJ Bayerische Sportjugend e.V. Kreis Miltenberg gelassen, hat er doch mit TSV und ELT Großheubach gleich zwei Vereine parat, die eine perfekt organisierte Veranstaltung garantieren. Zudem hat man mit "maxx timing" einen professionellen Zeitnehmer an Bord, der den Zuschauern und Teilnehmern am Samstag einen neuen Service bot und die Ergebnisse live auf einem großen Bildschirm zeigte. Obligatorisch waren die eingerichteten Pendelbusse, welche die Teilnehmer von der Guido-Kratschmer-Halle zum Engelberg und später wieder zurück brachten. Am Veranstaltungsort in der Nähe zum Kloster Engelberg stehen nur beschränkt Parkplätze zur Verfügung, daher wurde dieser Service eingerichtet, der gerne und zahlreich angenommen wird.

Zum Austragungsort und Kloster Engelberg führen 612 Stufen, die "Engelsstaffeln" genannt werden. Franziskaner Pater Richard lässt sich das Laufspektakel vor seiner Haustür nicht entgehen

Auch diesmal ließ es sich Franziskaner Pater Richard nicht nehmen, dem Laufspektakel vor seiner Haustür persönlich beizuwohnen. Er sei mit 72 Jahren der Jüngste von drei Patern und einem Bruder, die derzeit ihre seelsorgerische Tätigkeit im Kloster verrichten, erzählte er mir bei einem kurzen Plausch. Auch bei den Franziskanern gibt es große Nachwuchsprobleme und die Zukunft des Klosters ist zum Leidwesen von vielen Pilgern, Gläubigen und Touristen ungewiss. Ich dachte schon, der Veranstalter hätte tatsächlich eine kleine Programmänderung vorgenommen und den Handicap-Lauf um 13:55 Uhr an die erste Stelle gerückt, wie es in der Ausschreibung zu lesen war. "Nein, das war ein Fehler und würde auch gar nicht funktionieren, weil die Handicap-Läufer ansonsten den Halbmarathon Teilnehmern in die Quere kommen würden", klärte mich Klaus Munz schnell über den Lapsus auf. Es blieb also alles beim Alten, auch der 17. Engelberglauf wurde um 14 Uhr mit dem Start zum Halbmarathon eingeläutet und in kurzen Abständen folgten sieben weitere Starts, der letzte um 15 Uhr mit dem Hobbylauf. Der Engelberglauf gehört zum Cordenka-Lauf-Cup und war der zweite von 11 Wertungsläufen.

Der Handicap-Lauf über 8 km für Menschen mit Behinderung ist aus dem umfangreichen Programm nicht mehr wegzudenken Letzter Start des Tages ist der Hobbylauf über 6,5 km

Für die zahlreichen Zuschauer war der Ablauf natürlich äußerst abwechslungsreich und unterhaltsam. Nur für den Berichterstatter wurde es später etwas unübersichtlich, weil gleich drei unterschiedliche Startgruppen fast gemeinsam das Ziel erreichten. Um ein Haar hätte ich die schnellste Halbmarathonläuferin verpasst, aber im letzten Moment erkannte ich die blaue Startnummer, konnte die Kamera hochreißen und erwischte sie noch im Vorbeiflitzen. Zum Glück hatte ich später noch Gelegenheit für ein Siegerfoto.

Schülerlauf 900 m (95 Teilnehmer)

Fast zweistellig und damit nahezu doppelt so groß wie im Vorjahr war die Beteiligung am ersten Schülerlauf über 900 m, an dem 41 Mädchen und 54 Jungen teilnahmen. Der 2-malige Sieger Oskar Deppisch startete in diesem Jahr beim doppelt so langen Jugendlauf, wo er mit Jahrgang 2009 zu den Jüngsten zählte und den neunten Platz belegte (1. MU12). Damit war der Weg frei für seinen Vereinskameraden Henrik Jakob, der die Siegesserie des TV Schweinheim nahtlos fortsetzte und den Schülerlauf in 3:17 min. für sich entschied (1. JM9). Hannah Veith vom TV 1860 Aschaffenburg holte sich den Sieg bei den Mädchen in 3:55 min. (1 JF9).

Sieger beim Jugendlauf über 1,8 km werden Paul Fecher (1. MU16; links) und Vorjahressiegerin Eliese Hohmann (1. FU14; rechts)

Jugendlauf 1,8 km ( 100 Teilnehmer)

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Beteiligung am Jugendlauf mehr als verdoppelt, eine sehr erfreuliche Entwicklung bei beiden Kinderläufen. Zwei Runden waren zu laufen und zur Hälfte lagen Felix Nolting und Paul Fecher gleichauf und klar in Führung. Es war klar, dass einer der beiden gewinnen würde. In der zweiten Runde konnte sich Paul Fecher absetzen und siegte in 6:20 min. (1. MU16, TSV Mainaschaff). Vier Sekunden nach ihm war Felix Nolting als Zweiter (2. MU16, LG Aschaffenburg) im Ziel. Den dritten Platz holte sich Jonathan Busch (6:40 min., 3. MU16, TV Schweinheim).

Vom Start weg eine klare Sache war der Jugendlauf für das schnellste Mädchen. Vorjahressiegerin Eliese Hohmann blieb als Einzige unter sieben Minuten und überquerte nach 6:50 min. als Erste die Ziellinie (1. FU16, LAZ Obernburg-Miltenberg). Auf die Plätze zwei und drei liefen Naomi Buchner (7:10 min., 1. FU14, TV Bürgstadt) und Filiz Brückner (7:19 min., 2. FU16, TV Wasserlos).

Luis Dingeldein gewinnt den Hobbylauf (1. MHK) Eigentlich will Tobias Erbacher gemeinsam mit seinen Kollegen laufen. Doch daraus wird nichts, er läuft schneller und somit beim Hobbylauf auf den zweiten Platz (1. M30) Im Vorjahr hat Franz-Xaver Brunner den Schülerlauf über 1,8 km gewonnen. Die Laufstrecke beim Hobbylauf hat er unterschätzt und wird 3. (1.U20) Ältester Teilnehmer am Hobbylauf ist der 77-jährige Heinz Sitzmann (1. M75)

Hobbylauf 6,5 km (90 Teilnehmer)

Dass der Hobbylauf seiner Bezeichnung nicht immer gerecht wurde, bewies Eseeyas Hadush vor drei Jahren, als er in 21:42 min. einen neuen Streckenrekord aufstellte. Zumindest in dessen Nähe kam seit längerer Zeit wieder der diesjährige Sieger des Hobbylaufs, Luis Dingeldein. Nach 23:52 min. (1. MHK) und mit einer Minute Vorsprung war der Läufer von der LGO/TSG Bad König im Ziel. Ihm folgte auf dem zweiten Platz Tobias Erbacher, der entgegen seiner Aussage vor dem Start, dass er ganz gemütlich zusammen mit Kollegen laufen wolle, doch um einiges schneller unterwegs war (24:56 min., 1. M30, hacon hebetechnik gmbh). Schwieriger als er es sich vorgestellt hatte, war die Laufstrecke für den letztjährigen Sieger des Jugendlaufs, Franz-Xaver Brunner. Er wurde in 26:24 min. Dritter (1. MU20, TV Schweinheim).

Schon weit vor dem Ziel freut sich Birgit Busch über ihren zweiten Sieg in Folge beim Hobbylauf (1. W45) W30-Siegerin Daniela Gehrlich wird Zweite beim Hobbylauf Franziska Dragoun freut sich über den dritten Platz beim Hobbylauf (1. WHK)

Leichter fiel der Sieg bei den Frauen seiner Vereinskameradin und Vorjahressiegerin Birgit Busch (31:15 min., 1. W45). "Ich habe gleich bemerkt, dass ich vorne lag und konnte den Lauf genießen", erzählte mir die Siegerin später. Die vereinslosen Daniela Gehrlich (33:58 min., 1. W30) und Franziska Dragoun (34:10 min., 1. WHK) belegten die folgenden Plätze.

10 km Hauptlauf (176 Teilnehmer)

Vor dem Start begegnete mir der frisch gebackene Deutsche Mannschaftsmeister in der AK M40/45 im Halbmarathon, Ingbert Reinke. Den Titel hat er vor genau einer Woche in Freiburg zusammen mit seinen Vereinskameraden Julius Hild und Thomas Seibert vom SSC Hanau-Rodenbach gewonnen. "Er wolle ein paar Punkte für den Cordenka-Lauf-Cup sammeln", den er im Vorjahr zum wiederholten Mal gewonnen hat, erzählte er mir. Da er auch schon oft in der Siegerliste beim Engelberglauf stand, zählte er natürlich zu den Favoriten.

Den 10 km Lauf gewinnt Sebastian Seidel (1. M35)

Zweiter über 10 km wird M30-Sieger Andreas Tschishakowski Der frisch gebackene Deutsche Mannschaftsmeister in der AK M40/45 beim Halbmarathon Ingbert Reinke wird Dritter über 10 km Die M60 über 10 km gewinnt Hans Schweitzer

Aber gegen Sebastian Seidel hatte am Samstag niemand eine Chance. Mit fast einer Minute Vorsprung auf die Konkurrenten holte sich der Läufer vom TV Goldbach in 36:42 min. erstmals den Sieg beim Engelberglauf (1. M35). Zweiter wurde Andreas Tschishakowski (37:39 min., TV Miltenberg). Als Dritter holte sich Ingbert Reinke (SSC Hanau-Rodenbach) in 37:56 min. den AK-Sieg in der M40 und die erhofften, weiteren Punkte für die angestrebte Titelverteidigung beim Cordenka-Lauf-Cup.

Sehr spannend verlief das Frauenrennen. Am letzten, knallharten Anstieg wenige Meter vor dem Ziel lag die Siegerin von 2017, Erna Hemberger, nur ganz knapp vor Martina Schiel, die aber nicht mehr an ihr vorbeiziehen konnte. So holte sich Hemberger den zweiten Sieg über 10 km in 45:39 min. (1. W45) mit 2 Sekunden Vorsprung vor W30-Siegerin Martina Schiel (TSG Kleinostheim). Esther Lippert von TuS Griesheim lief in 47:08 min. (2. W30) auf Rang drei.

Knappe Entscheidung, Erna Hemberger (1. W45) gewinnt nach 2017 den 10 km Lauf zum zweiten Mal, knapp vor Martina Schiel (1. W30) Dritte über 10 km wird Esther Lippert (2. W30) 34 Jahre Altersunterschied liegen zwischen 10 km U20-Siegerin Lea Kutzner (St.Nr. 1085) und W50-Siegerin Simone Gries (St.Nr. 1042)

Halbmarathon (107 Teilnehmer)

Erst 2012 wurde der Halbmarathon in das Programm des Engelberglaufs aufgenommen, aber genau so alt war der Streckenrekord bei den Frauen, den Katja Friedländer-Tiller beim Debut mit 1:36:41 Std. erzielt hat. Seitdem war dieser Rekord niemals in Gefahr und kaum jemand ahnte, dass sich das am Samstag ändern sollte.

Vorjahressieger Matthias Krah galt als klarer Favorit. Dass er alles daran setzen würde, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen, machte er unmittelbar nach dem Startschuss deutlich, indem er sich sofort an die Spitze setzte. Da ich keine Informationen über den Rennverlauf hatte, wartete ich direkt am Anstieg vor dem Ziel gespannt auf die Läufer.

Matthias Krah (1. M30) gewinnt den Halbmarathon zum zweiten Mal hintereinander in der drittschnellsten je gelaufenen Zeit Timo Tiburski wird Halbmarathon Zweiter (1. MHK) ... ... knapp vor Nico Klötzl (2. MHK), der 8 Sekunden nach ihm auf den dritten Platz läuft Ulrich Amborn gewinnt beim Halbmarathon die M60 und ist überrascht, dass er Gesamtneunter wird

Es waren noch keine achtzig Minuten seit dem Start vergangen, da kündigte das Begleitfahrrad den Halbmarathon-Sieger an. Wenige Meter dahinter stürmte Matthias Krah den letzten Anstieg hoch und holte sich den zweiten Sieg in Folge (1. M30, MainAusdauerShop Niedernberg). 1:18:33 Std. bedeutete die drittschnellste je in Großheubach gelaufene Zeit. Nur Marco Schneider war beim Debut 2012 (1:18:03 Std.) etwas schneller und natürlich auch Timo Zeiler bei seinem fantastischen Streckenrekord von 1:15:35 Std. (2015). Über vier Minuten nach dem Sieger kam Timo Tiburski als Zweiter ins Ziel (1:22:47 Std., 1. MHK, VfL Freudenstadt). Knapp dahinter wurde Nico Klötzl Dritter (1:22:55 Std., 2. MHK, TSG Reutlingen).

Inzwischen hatte ich meinen Beobachtungsposten in das Waldstück etwa dreihundert Meter vor dem Ziel verlegt. Da erst sechs Halbmarathonläufer vorbeigekommen und noch keine 90 Minuten vergangen waren, rechnete ich zu diesem Zeitpunkt keinesfalls mit der schnellsten Frau. Umso überraschter war ich, als ich im allerletzten Moment eine Läuferin mit einer blauen Startnummer erkannte. Da war sie aber schon so nah, dass ich mit der Kamera nur noch einen kleinen Ausschnitt von ihr erwischte, aber immerhin. Carolyn Pfalzgraf sorgte für den Höhepunkt des Engelberglaufs, indem sie in fantastischen 1:28:56 Std. einen überragenden neuen Streckenrekord aufstellte und die bisherige Bestzeit um sage und schreibe acht Minuten verbesserte. Pfalzgraf....., da dämmerte mir etwas, den Namen hatte ich schon einmal gehört und zwar vor fast einem Jahr im Mai 2018. Carolyn war die Siegerin beim Würzburger Halbmarathon (1:25:06 Std.). Später im Ziel konnte ich dann nicht nur ein Foto von der Siegerin machen, ich erfuhr auch etwas über sie. Pfalzgraf hört sich ziemlich deutsch an, tatsächlich ist Carolyn Amerikanerin. Sie arbeitet in Deutschland, ein Kollege hat sie zum Engelberglauf mitgenommen - zum Glück. 2009 hat Carolyn mit Triathlon begonnen und viele erfolgreiche Rennen bestritten. "Ich war Triathlon Halb-Profi", erzählte sie. Ihr Wunsch nach einer Profi Karriere hat sich leider nicht erfüllt, 2017 musste sie aufgrund von massiven Beschwerden im Fuß eine Triathlon Pause einlegen. Aber schnell laufen kann Carolyn immer noch, sehr schnell sogar.

Halbmarathon-Siegerin Carolyn Pfalzgraf schenkt den Veranstaltern des 17. Engelberglauf in Großheubach einen neuen Streckenrekord Nicole Barino wird Halbmarathon-Zweite (2. W30) und bleibt ebenfalls knapp unter dem alten Streckenrekord W45-Siegerin Manuela Scharf wird Halbmaratho- Dritte Der Walker hinter ihr zeigt es an, Sandra Lamprecht wird Vierte beim Halbmarathon und gewinnt die W40
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Bei diesem Paukenschlag gerät die Tatsache, dass die zweitschnellste Frau, Nicole Barino, mit 1:36:32 Std. (2. W30, ELT Großheubach) ebenfalls noch knapp unter dem alten Streckenrekord geblieben ist, leider in den Hintergrund. Auf den dritten Platz lief in 1:43:18 Std. W45-Siegerin Manuela Scharf (Verein zur Förderung der Gesundheit e.V.).

Aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums von ELT Großheubach wurde jeder Läuferin ein Blumenstock überreicht, für die Männer gab es eine Kaffeetasse. Gegen 17 Uhr war das Laufspektakel auf dem Engelberg beendet und am Kloster kehrte wieder Ruhe ein. Derweil wurde in der Guido-Kratschmer-Halle die Siegerehrung durchgeführt, wo weitere schöne Preise auf die Sieger warteten.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
Weitere Fotos unter www.laufsportfotos.de

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Ergebnisse www.engelberglauf.de
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