28.4.18 - 21. Eine-Welt Citylauf - Viernheim läuft fair

Zwei Triathleten setzen sich durch

von Marcus Imbsweiler 

"Ich bin gespannt, welche Überraschung die Stadtplaner 2018 in Viernheim parat haben" - mit diesem Satz endete der letztjährige LaufReport-Bericht über den Eine-Welt-Citylauf Viernheim. Holger Czäczines Frage war berechtigt, schließlich musste die Streckenführung des Hauptlaufs schon öfters geändert werden. Immer wieder gab es Baustellen in der Viernheimer Innenstadt, die zu kleineren Ausweichmanövern oder gleich einer kompletten Kursverlegung zwangen. 2017 wurde das Start- und Zielareal 100m nach Osten verschoben, von der Apostelkirche zur Goetheschule.

Und 2018? Der Vier-Runden-Kurs des Vorjahres konnte beibehalten werden, der Startbogen stand wieder wie in den Jahren vor 2017 zwischen Apostelkirche und Rathaus. Dort fanden auch die zahlreichen Siegerehrungen statt, passenderweise direkt neben einem Bistro mit großzügiger Außenbewirtschaftung. Dass Teilnehmer und Publikum die 21. Auflage des Citylaufs im Freien ausklingen lassen konnten, war allerdings nicht selbstverständlich. Schließlich wurde die Veranstaltung in diesem Jahr um sechs Wochen nach vorne verlegt, vom Juni in den April. Grund dafür war die Kooperation der Stadt Viernheim, die den Lauf ausrichtet, mit dem TSV Amicitia, dem ortsansässigen Triathlonverein. Der TSV sorgte für die dringend benötigten Helfer, dafür musste ein neuer Termin außerhalb der Triathlon-Saison gefunden werden.

Auch wenn sich die Streckenführung in Viernheim schon oft geändert hat: Rund um die Apostelkirche ging es eigentlich immer
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Schöner Nebeneffekt dieses Kompromisses: So konnten auch einige TSV-Athleten am Citylauf teilnehmen, und das mit Erfolg. Übrigens ziehen Stadt und Verein noch bei einem zweiten sportlichen Highlight an einem Strick. Am letzten August-Wochenende findet der Viernheimer V-Card-Triathlon statt, in diesem Jahr durch die Austragung der deutschen Meisterschaften geadelt. Samstags gibt es Einsteigerwettkämpfe inklusive einer Staffel, tags darauf dann den Wettbewerb über die Olympische Distanz.

Aber zurück zum Geschehen in der Viernheimer Innenstadt. Der Nachmittag ist hier den Kinder- und Jugendläufen vorbehalten. Insgesamt neun Mal fällt der Startschuss, über Distanzen von 800m bis 2400m. 335 Finisher finden sich in den Ergebnislisten, aber die Verteilung ist extrem uneinheitlich, von sagenhaften 168 Neun- und Zehnjährigen bis zu lediglich 8 Läufern in der U16. Im internen Geschlechtervergleich hatten übrigens zwei Mal die Mädchen die Nase vorn, und zwar in der U8 (Amie Fischer von der Nibelungenschule) und in der U16 (Annika Leineweber, TSV Amicitia Viernheim).

Viel Betrieb bei der Siegerehrung für Kinder und Jugendliche ... Hier die schnellsten U8-Mädchen mit der Siegerin Amie Fischer

Leider setzte sich der Abwärtstrend, was die Teilnehmerzahlen angeht, bei den Erwachsenen fort. Im Hauptlauf erreichten lediglich 187 Läuferinnen und Läufer das Ziel. Auch wenn die Strecke keine extrem großen Felder verträgt, ein paar mehr hätten es schon sein dürfen. Denn der Viernheimer Kurs hat seine Meriten, er ist komplett flach, hat zwar viele Kurven und Ecken, die aber bis auf eine Wendestelle gut zu laufen sind, und vor allzu großer Hitze ist man an Aprilabenden auch gefeit. Hauptgrund für die schwache Beteiligung war vermutlich das aktuelle Überangebot an Läufen, mit Darmstadt (28.4.), Weinheim (29.4.), Mannheim (1.5.) - von den Veranstaltungen an den Wochenenden davor und danach ganz zu schweigen.

Dem Citylauf 2017 hatte Steffen Ulmrich mit beeindruckendem Sololauf seinen Stempel aufgedrückt. Diesmal setzte sich vom Start weg eine Vierergruppe ab, die sich nach der Hälfte auf drei Läufer reduzierte: Patrick Rakowski (TSV Amicitia Viernheim), der praktisch durchgehend das Tempo machte, Jonas Uster (LG Odenwald) und Lennart Nies (TC Mutterstadt). Diese drei blieben bis zum Schluss zusammen, so dass es der Endspurt richten musste. An besagter Wendestelle 150 Meter vor dem Ziel lag immer noch Rakowski vorn, Uster musste wegen einer Überrundung kurz rausnehmen und kam auf der Zielgeraden nicht mehr heran. In 34:07 min. hatte der Viernheimer Lokalmatador, Jahrgang 1985, einen Vorsprung von zwei Sekunden auf den 12 Jahre jüngeren Odenwälder, Nies folgte weitere sieben Sekunden später.

Läuferschlange in der Karl-Marx-Straße, angeführt von Gerhard Grünewald (SC Güttersbach) Formvollendete Becherübergabe … Die unterschiedlichen Startnummern täuschen: Ronny Friedrich und Tanja Weikert befinden sich im gleichen Lauf - nur dass sie nachgemeldet hat

"Auf den letzten drei Kilometern habe ich gemerkt, da geht noch was", meinte der Sieger direkt nach Zieleinlauf. "Bei Kilometer 8 habe ich dann angezogen. Schade natürlich, dass es mit einer 33er Zeit nicht geklappt hat. Trotzdem bin ich top zufrieden." Weil demnächst die Triathlon-Saison beginnt, wird man Rakowski erst mal nicht so oft bei Volksläufen sehen. Den letzten Termin im 3-Länder-Cup, den Golfparklauf in Rot, hat er sich allerdings dick im Wettkampfkalender angestrichen.

Die Cupserie haben auch Uster und Nies im Blick. Wie Rakowski waren sie beim ersten Lauf in Brühl dabei und belegen nun zusammen mit dem Viernheimer auch die drei ersten Plätze in der Gesamtwertung. Uster trauerte der verpassten Siegchance nur kurz hinterher; immerhin lief er heute persönliche Bestzeit. Sein Heimatverein ist die TSG Bad König, derzeit absolviert er ein duales Studium der Mechatronik in Heidelberg.

Knapp geschlagen, trotzdem zufrieden mit ihrer Zeit: Anna-Lena Pohl (Team Erdinger alkoholfrei), zweitschnellste Frau Eine bravouröse Leistung vollbrachte einmal mehr Ingeborg Lang (stimmel sports): In 49:02 min. war sie in der W70 unangefochten Einer muss die Nachhut bilden: der Viernheimer Besenwagen, unübersehbar

Lennart Nies, der Drittplatzierte, läuft erst seit diesem Jahr konstant im Bereich von 34 Minuten auf 10 km. Er führt dies auf erhöhte Trainingsumfänge zurück: 200 km waren es im vergangenen Monat. Immer noch recht wenig für ambitionierte Läufer, aber Nies ist in diesem Kreis ohnehin eine Besonderheit. Das T in seinem Vereinsnamen steht nämlich für Tennis; beim TC Mutterstadt gehört der 31-Jährige zur Vorstandschaft. Für die weitere Laufsaison hat er sich vor allem die Pfälzer Berglaufserie vorgenommen: "Das ist mein Ding!"

Bei den Frauen hatte zunächst Anna-Lena Pohl geführt, und zwar mit großem Abstand. "So laufe ich immer los", erklärte die Triathletin vom TuS Griesheim im Ziel lachend, "ganz nach Gefühl halt." Lange schien diese Taktik auch aufzugehen, doch von hinten näherte sich mit komplett anderer Renneinteilung die Ettlingerin Claudia Wipfler. Auch sie ist Triathletin und startete wie Pohl für das Team Erdinger Alkoholfrei.

Jonas Uster, im Kampf um den Gesamtsieg nur knapp geschlagen, erklärt, wie das war an der engen Wendestelle 150 Meter vor dem Ziel Die Sieger von Viernheim: Claudia Wipfler (Team Erdinger alkoholfrei) … … und Patrick Rakowski (TSV Amicitia Viernheim)

Als Wipfler die vor ihr liegende Läuferin erst einmal im Blick hatte, bekam sie natürlich einen zusätzlichen Motivationsschub. Zumal die Reihenfolge beim ersten Cup-Wettbewerb in Brühl noch Pohl vor Wipfler gelautet hatte. In Viernheim kam es anders: Eingangs der vierten Runde zog Wipfler, Jahrgang 1989, an der ein Jahr jüngeren Pohl vorbei und siegte in starken 37:32 min. - nur vier Männer waren schneller. Auf Gesamtplatz 7 folgte Anna-Lena Pohl (37:48), die aber in der Cup-Wertung nach wie vor die Nase vorn hat.

Platz 3 sicherte sich, wie in Brühl, Leonie Gieser in 39:22 min. Sie kommt eigentlich von der Bahn, ihre Spezialstrecke sind die 1500m, über die sie im Mai bei den deutschen Hochschulmeisterschaften in Schwäbisch Gmünd an den Start gehen wird. Gieser läuft aktuell für den TV Neu Isenburg, stammt aber aus Südhessen und hat gerade in Darmstadt ihr Lehramtsstudium (Mathe und Sport) beendet. Auch sie wird die 3-Länder-Laufcup-Serie bestreiten.

Das Siegerpodest der Frauen mit (v.l.) Anna-Lena Pohl, Claudia Wipfler und Leonie Gieser Gratulation an Patrick Rakowski, der auch den Titel "Schnellster Viernheimer" gewinnt. Links Jonas Uster, rechts Lennart Nies
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Den vierten Platz bei den Frauen belegte Nina Heidemann vom TSV Amicitia Viernheim, die allerdings in Brühl nicht am Start war (40:02 min.). Dauerbrennerin Josefa Matheis (TSG Eisenberg) folgte 23 Sekunden dahinter. Ihr steckte noch der heiße Zehner von Maximiliansau in den Knochen, ganz zu schweigen vom Weinstraßen-Halbmarathon Mitte April. Tolle Leistungen gab es wieder einmal bei den über 70-Jährigen zu bestaunen: Ingeborg Lang, Jahrgang 1947, blieb deutlich unter 50 Minuten (49:02 min.), und der Schwetzinger Erwin Hube, der nächstes Jahr 80 wird, finishte in 51:30 min.

Fazit: Der Viernheimer Citylauf hätte mehr Teilnehmer verdient. Ob es am neuen Termin lag? Die Organisatoren rund um Sascha Niebler vom Kommunalen Freizeit- und Sportbüro werden es analysieren. Vom Ablauf her gab es jedenfalls nichts zu kritisieren (okay, ein paar mehr Toiletten hätten es sein dürfen), dem bestens organisierten Hauptlauf folgte eine straff durchgeführte Siegerehrung. Und dass sich die Stadt Viernheim rund um das sportliche Ereignis als Fair Trade Kommune in Szene setzt, u.a. mit fair gehandeltem Kaffee als Altersklassenpreis, ist ohnehin zu begrüßen.

Drei-Länder-Laufcup 2018
12. Heini-Langlotz-Lauf in Brüh u. Rohrhof (11. März 2018)
21. Eine-Welt Citylauf-Viernheim läuft fair (28. April 2018)
30. SWEN-Weinbergslauf in Grünstadt (26. Mai 2018)
39. Golfparklauf in St. Leon-Rot (9. September 2018)

Bericht und Fotos von Marcus Imbsweiler

Ergebnisse www.citylaufviernheim.de

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185 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-8392-2128-0, Preis 12,00 €
Marcus Imbsweiler, geboren im Saarland, studierte Germanistik und Musikwissenschaft. Seit 1990 lebt er als freier Musikredakteur und Autor in Heidelberg; Schwerpunkte seiner belletristischen Arbeit sind Krimis sowie Erzählungen rund um das Thema Klassische Musik. 2007 startete er mit »Bergfriedhof« seine Krimireihe um den Privatermittler Max Koller, die sofort eine große Fangemeinde gewann. Der letzte Band der Serie, Abschiedstour, erschien 2015, doch ist Max Koller noch aktiv, so auf der Bühne (»Luna Tours«, 2016) und in den vorliegenden Kurzkrimis.
Laufend neue Geschichten www.marcus-imbsweiler.de

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