8.4.18 - HAJ Hannover Marathon

Hitzerennen in Hannover mit Überraschungssiegern


Agnes Kiprop (KEN) und Seboka Erre (ETH) siegen

Zum LaufReport-Beitrag von Michael Schardt über den HAJ Hannover Marathon HIER

von Wilfried Raatz 

Ungewohnt hohe Temperaturen sorgten beim HAJ Hannover Marathon für merkliche Einbußen in der sportlichen Qualität an der Spitze, sodass die Siegerzeiten zwangsläufig etwas hinter den Erwartungen zurückbleiben mussten. Dennoch erlebte der HAJ Hannover Marathon mit 25.714 Läufern einen Massenandrang auf Rekordniveau und unterstrichen einmal mehr das vorzügliche Ansehen der Laufveranstaltung in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Bei den integrierten deutschen Halbmarathonmeisterschaften gab es durch Karsten Meier (LG Braunschweig) und Franziska Reng (LG Telis Finanz Regensburg) zwei neue Titelträger. Aber auch kräftige Ausfälle, denn von den knapp 1000 DM-Meldern blieben final nur noch 719 übrig. Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre sparte dann auch nicht mit Kritik an der Terminkollision mit dem dank eines ordentlichen Prämiensystems international und auch mit deutschen Läufern gut besetzten Berliner Halbmarathon und an der späten Startzeit um 10.45 Uhr für den Halbmarathon in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Start zur DM beim Halbmarathon-Wettbewerb des HAJ Hannover Marathon Knapp 1000 DM-Starter gingen in zwei Startblöcken auf den Kurs
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"Ich verstehe nicht, weshalb man den Start für die deutschen Halbmarathon-Meisterschaften so spät angesetzt hat. Um 9.00 Uhr hätte dies doch sicherlich ganz anders ausgesehen. Unglücklich ist natürlich auch die Terminkollision mit Berlin, zumal hier eine ganze Reihe von starken Läufern fehlte. Die Athleten kann ich verstehen, schließlich verdienen sie mit Laufen auch ihren Unterhalt…" Katrin Dörre nahm mit ihrer Kritik kein Blatt vor den Mund, schließlich ging es in Berlin und zudem natürlich auch in Hannover um die rechte Position im frühen Europameisterschaftsjahr.

Für die Macher des HAJ Hannover Marathon gewiss eine ernsthafte Aufgabe, denn Stefanie Eichels von der eichels Event GmbH nahm bei der finalen Pressekonferenz Stellung zu einer weiteren Bewerbung für eine deutsche Meisterschaft in Hannover: "Wir haben im Vorjahr einen guten Job gemacht und durften in diesem Jahr wiederum die deutschen Halbmarathonmeisterschaften ausrichten. Für das kommende Jahr sind noch keine Entscheidungen seitens des DLV getroffen worden. Wir werden uns auf jeden Fall wieder bewerben!" An gleicher Stelle wurde allerdings auch bekannt, dass der HAJ Hannover Marathon mit der optimierten Marathonstrecke auch gerne die Titelkämpfe über die längste olympische Laufdistanz in Hannover hätte. Die Vorzeichen jedenfalls stehen nach der meisterwürdigen Event-Organisation keinesfalls schlecht…

 
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Frontläufer an der Spitze mit Jens Nerkamp (links, grünes Trikot) und Karsten Meier (rechts) Die Verfolgergruppe wird von Tim Göhler angeführt

"Ich komme mit der Hitze ganz gut zurecht, deshalb konnte ich das Rennen gut kontrollieren - und bei den Temperaturen mit meinen Kräften etwas haushalten", freute sich Franziska Reng über ihren ersten Titel bei den Frauen.

Mit 1:14:14 Stunden blieb sie zwar deutlich über ihrer eigenen Bestmarke (1:12:33), aber das war letztlich uninteressant, da sie ein Gutteil der Strecke zusammen mit ihrer Teamkollegin Miriam Dattke die Konkurrenz kontrollierte.

 
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Natürlich kam den beiden Regensburgerinnen zupass, dass mit der Titelverteidigerin Sabrina Mockenhaupt und ihrer LG Telis Finanz-Kollegin Anja Scherl zwei schnelle Läuferinnen ebenso fehlten wie die sich für die Marathondistanz entschiedene Fate Tola oder die parallel in Berlin startenden Katharina Heinig und Gesa Felicitas Krause. "Ich bin nach 13 km zu Miriam aufgeschlossen und wir haben dann bis km 19 gut zusammengearbeitet. Natürlich freue ich mich über den Titel, aber letztlich ist es vorrangig der Zubringer für den Marathon in Düsseldorf!"

Julius Scherr auf dem Weg zum U23-Titel
Gruppenarbeit mit v.l. Jonas Koller, Tom Thurley (9122/ 11.), Valentin Harwardt (7862/ 12.) und Patric Meinike (8422/ 15.) Berglauf- und Ultramarathonspezialist Benedikt Hoffmann (8238; vorn) von der TSG 1845 Heilbronn läuft auf Platz 18 in 1:08:37. Hier mit zwei später aus dem Rennen ausgeschiedenen Läufern (links Sebastian Kohlwes, rechts Daniel Götz)

Und gab unumwunden zu, dass die Endzeit nicht das war, was sie sich vorgestellt hatte. "Ich wäre natürlich gerne schneller gelaufen. So war es nur ein solides Rennen. Etwas Zeit hat natürlich auch gekostet, dass wir in das Marathonfeld hineingelaufen waren und mussten oftmals einen weiteren Weg gehen! Nun freue ich mich auf ein tolles Marathonerlebnis in Düsseldorf und will mir die EM-Quali für Berlin sichern!" Hannover war für die 22jährige natürlich die große Chance, ihre Titelbilanz erheblich aufzubessern.

 
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Franziska Reng war zudem der große Abräumer dieser Titelkämpfe, sie durfte nämlich mit zwei Einzel- und zwei Mannschaftstiteln die Heimreise antreten. Neben dem Gewinn der Meisterschaft bei den Frauen und den U23-Juniorinnen gab es zudem mit ihren Trainingskolleginnen auch die entsprechenden Mannschaftstitel.

Am Opernplatz führt Miriam Dattke (hinter M40-Läufer Sven Serke) noch das Frauenfeld an ... ... gefolgt von Franziska Reng …
... und Fabienne Amrhein

Das Thema Marathon ist zwar auch für Miriam Dattke interessant, doch für die 20jährige ist dies eher Zukunftsmusik. "Ich möchte mich für Berlin über 10.000 m qualifizieren, deshalb werde ich natürlich zuerst noch auf den längeren Bahnstrecken bleiben, aber irgendwann reizt mich natürlich die Marathondistanz!" Und bekennt freimütig zum Rennverlauf mit der ungewohnten Führungsrolle: "Ich habe natürlich einen taktischen Fehler gemacht, aber es war letztlich auch erst mein zweiter Halbmarathonlauf. Ich habe mich eher wie auf der Bahn gefühlt!"

Miriam Dattle lag auf der langen Zielgeraden vor dem Neuen Rathaus letztlich nur 22 Sekunden hinter Franziska Reng und schaffte damit den Doppelerfolg für die Schützlinge von Trainer Kurt Ring, die zudem auch in der Sonderwertung U23 die ersten beiden Plätze belegten

 
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. Zusammen mit der auf Position sieben einlaufenden Martina Rappold holten die Blau-Weißen der LG Telis Finanz Regensburg mit 3:47:05 Stunden auch die Mannschaftswertung vor der SG Wenden (4:07:14) und LG Telis Finanz II (4:07:41).

Nur eine kam von diesen Frauen durch: Svenja Meyer (ganz links/ verdeckt, weißes Trikot) wurde Fünfte, während die starken Gesa Bohn (mitte) und Domenika Mayer (rechts) nicht ins Ziel kamen Sandra Morchner auf dem Weg zum W45-Titel und -Rekord Gut begleitet werden Sophia Kaiser (in Rot / 4. U23) und Yvonne kleiner (in Schwarz / 3. W40)

Die als Mitfavoritin gestartete Fabienne Amrhein (MTG Mannheim) kam nach einer gerade überstandenen Erkältung mit 1:15:18 auf Rang drei. Dahinter ging es recht turbulent zu. Die gebürtige Französin Anais Sabrié wurde Vierte vor der Hamburgerin Svenja Meyer und … In Hannover gab es nämlich ein Wiedersehen mit Susanne Hahn, die ihre erfolgreiche internationale Karriere 2014 beendet hatte - und nun als W40-Starterin in ihrer früheren Heimat als Gesamtsechste mit 1:17:43 Stunden die Masterskategorie gewinnen konnte. Hinter der U23-Dritten Marina Rappold holte sich Sandra Morchner als Achte nicht nur die W45-Wertung, sondern zudem auch mit 1:18:29 den deutschen Rekord in dieser Alterskategorie, den bislang Petra Maak gehalten hatte.

Diskussionsbedarf zwischen David Maslon (links) und W40-Zweite Christl Dörschel (ganz rechts) Dichtes Zuschauerspalier am Aegidientorplatz

Andere wie die Vorjahresdritte Corinna Harrer sahen das Ziel nur aus der Zuschauerperspektive. Die Regensburgerin verstand den Tränen nahe die Welt nicht mehr: "Der erste Kilometer war zu langsam, aber es wurde bei mir auch auf den nächsten Kilometern nicht schneller. Ich habe im Trainingslager gut trainiert, mir allerdings eine Erkältung eingefangen. Das hat mich scheinbar doch mehr geschwächt. Für mich hat es heute keinen Sinn gehabt, das Rennen fertig zu laufen! Miri und ich wollen auf jeden Fall zur EM über 10.000 m - das hat jetzt für mich Priorität! Es wäre allerdings schade, wenn wir uns gegenseitig Konkurrenz machen würden…" Aber auch für die starken Quelle-Läuferinnen Gesa Bohn und Domenika Mayer gab es ein vorzeitiges Aus.

Im harten Finish der Schnellste: Karsten Meier… ... knapp vor Jens Nerkamp
Rang drei für den Titelverteidiger Philipp Baar

Spannend war das Halbmarathonrennen bei den Männern, als nach 20 km der in Hannover lebende Karsten Meier mit einem scharfen Antritt die Dreiergruppe mit zudem Jens Nerkamp (PSV GW Kassel) und dem Titelverteidiger Philipp Baar (ART Düsseldorf) sprengen - und wie auch Franziska Reng zum ersten Meistertitel laufen konnte. "Ich bin zwar nicht der Hitzeläufer, konnte mich aber beim DLV-Trainingslager in Flagstaff mit ähnlichen Temperaturen schon einmal auf die vorherrschenden Bedingungen einstellen", so der für die LG Braunschweig startende Karsten Meier, der schon vier Wochen zuvor als Cross-Vizemeister auf sich aufmerksam machen konnte. "Ich hatte aber bis zum Schluss Angst, dass Jens mich noch abfangen könnte!"

Starker Vierter: Tom Gröschel Nach Rang vier im Cross nun Fünfter auf der Straße: Tobias Schreindl Als Mitfavorit gestartet - am Ende nur Sechster: Hendrik Pfeiffer

"Das ist meine erste Einzelmedaille", freute sich Jens Nerkamp, "vielleicht habe ich aber meine Siegchancen vergeben, weil ich bei Karstens Antritt nicht entschieden nachgesetzt habe!" Der Kasseler ist sicherlich einer der auffälligen Läufer des Monats, schließlich wusste er schon beim Paderborner Osterlauf mit Hausrekord von 29:20 als bester Deutscher zu gefallen. Mit 1:05:22 zu 1:05:26 fiel die Entscheidung über Gold und Silber denkbar knapp aus. Philipp Baar folgte 22 Sekunden dahinter auf Rang drei. "Mir hat die Hitze gut zugesetzt", klagte der Vorjahresmeister über die unerwarteten Temperaturen. "Als Vollzeitarbeiter kann ich mir derzeit kein Trainingslager in der Wärme leisten. Wir waren zwar 12 Tage auf Texel, aber dort waren einfach andere Bedingungen!" Der in der Personalberatung in einem Berliner Unternehmen arbeitende 26jährige Philipp Baar grämte sich allerdings wenig über die misslungene Titelverteidigung. "Wir drei sind in etwa auf einem Level, in diesem Jahr ist es eben anders gekommen als vor einem Jahr. Mir hat es nach 20,5 km einfach die Beine weggezogen!"

Nicht richtig Fuß fassen kann das frühere Hindernisass Steffen Uliczka auf der Straße (als Sechzehnter) Enttäuschung: Simon Boch (hier verfolgt von Teamkollege Kevin Key) nicht unter den Top 20

Wie im Vorjahr gab es hingegen Mannschaftsgold für ART Düsseldorf mit eben Philipp Baar, Paul Schmidt und Andreas Straßner, der einmal mehr M35-Meister werden konnte. Dahinter folgte der TV Wattenscheid mit fast zwei Minuten Rückstand vor der LAV Stadtwerke Tübingen, die in der Regel mit Titelambitionen startende LG Telis Finanz Regensburg landete deutlich zurück auf Rang fünf, nicht zuletzt weil Moritz Beinlich als U23-Zweiter noch der Tagesschnellste der Domstädter war.

Der vorjährige Vizemeister Hendrik Pfeiffer kam mit dem Rennverlauf nicht zurecht und lag schon früh hinter der Spitze. "Der Stress mit einer Klausur am Freitag war vielleicht doch etwas viel für mich", gestand Pfeiffer, der in drei Wochen übrigens wiederum auf die Medaillengewinner von Hannover treffen wird, wenn in Düsseldorf die deutschen Meister über die längste olympische Laufdistanz vergeben werden. "Die Sportprüfung war die größere Schlacht am Wochenende. Jetzt ist die Uni erst einmal zweitrangig und ich kann mich in Richtung EM vorbereiten. Ohne Kompromisse!" In Düsseldorf ("Die Rolle ist noch nicht entschieden, schließlich bin ich bisher immer mit Pacemaker gelaufen, möchte aber eher im Pulk lange mitlaufen und dann schauen, was noch geht!") sieht es sicherlich für den Marathonmann im Kampf gegen die zumeist Debütanten auf dieser Strecke wieder ganz anders aus…

Strahlefrau: Franziska Reng wird deutsche Meisterin Die gebürtige Französin Anais Sabrié wird überraschend Vierte Starkes Comeback in der W40 für Susanne Hahn (Gesamtsechste!)

So platzierten sich mit Tom Gröschel und Tobias Schreindl noch zwei Konkurrenten vor Hendrik Pfeiffer, der mit 1:06:59 Stunden sicherlich eher eine mäßige Durchgangszeit für das Marathonrennen in Düsseldorf ablieferte. Kein Bein auf die Straße gelingt dem früheren Hindernisass Steffen Uliczka, der nach seinem Umstieg auf die Straßendistanzen als Sechzehnter in 1:08:34 fernab der Spitzenplätze einlief. Auch Simon Boch hat sich sein Rennen in Hannover gewiss anders als Rang 25. vorgestellt, doch er hat pointiert auch eine erste Erklärung für sein Abschneiden parat: "Ich habe vermutlich im Januar und Februar meine Beine zu viel hochgelegt!" Der deutsche 10.000 m-Meister des Vorjahres hatte nämlich mit einer Blutvergiftung eine Auszeit zu verkraften.

Halbwegs zufrieden zeigte sich jedenfalls Benedikt Hoffmann in seinem Spagat zwischen Berglauf und den Ultradistanzen. "Ich bin zwar im Vorjahr etwas schneller gewesen, aber heute habe ich zumindest einige gute Läufer hinter mir gelassen. Das passt schon!" Der für die TSG Heilbronn laufende Schwarzwälder plant nach Düsseldorf einen Start beim legendären 100 km del Passadore in Florenz, ehe er sich wieder den geliebten Bergläufen zuwendet. "Mein spätes Saisonziel sind die Weltmeisterschaften in Andorra. Da kommt man doch selbst kaum hin…" lachte er verschmitzt im Ziel nach Rang 18 in 1:08:36 Stunden.

Geballte Kompetenz auf dem Podium mit v.l. Miriam Dattke, Jens Nerkamp, Franziska Reng, Karsten Meier, Fabienne Amrhein, und Philipp Baar
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Schnellster Mastersläufer war Valentin Harwardt (VfL Wolfsburg) auf einem unerwarteten zwölften Rang in 1:07:52 vor dem Hamburger Mourad Bekakcha (1:12:08). Jörg Heiner sicherte sich nach 1:11:41 die M45, Miguel Molero-Eichwein die M50 nur wenige Plätze dahinter in 1:12:30. Als 94. gelang dem M55-Sieger Hakim Ouahioune mit 1:17:27 noch der Sprung unter die einhundert schnellsten deutschen Halbmarathonläufer.

Die Erstplatzierten Frauen & Männer bei der Halbmarathon DM 2018 in Hannover
  Frauen Männer
Pl. Name Verein Zeit Name Verein Zeit
1 Reng, Franziska LG Telis Finanz Regensburg 1:14:15 Meier, Karsten LG Braunschweig 1:05:23
2 Dattke, Miriam LG Telis Finanz Regensburg 1:14:37 Nerkamp, Jens PSV Grün-Weiß Kassel 1:05:27
3 Amrhein, Fabienne MTG Mannheim 1:15:19 Baar, Philipp ART Düsseldorf 1:05:49
4 Sabrié, Anaïs LAV Stadtwerke Tübingen 1:15:57 Gröschel, Tom Tc Fiko Rostock 1:06:21
5 Meyer, Svenja Hamburg Running 1:17:26 Schreindl, Tobias LG Passau 1:06:29
6 Hahn, Susanne LG Meckenheim 1:17:45 Pfeiffer, Hendrik TV Wattenscheid 01 1:06:59
7 Rappold, Marina LG Telis Finanz Regensburg 1:18:18 Wernsdörfer, Mario LG Bamberg 1:07:10
8 Morchner, Sandra PSV Grün-Weiß Kassel 1:18:36 Göhler, Timo LAV Stadtwerke Tübingen 1:07:17

Die Siegerinnen in den Altersklassen bei der Halbmarathon DM 2018 in Hannover
Kl. Platz Name Verein Zeit
U23
1
Reng, Franziska LG Telis Finanz Regensburg
1:14:15
2
Dattke, Miriam LG Telis Finanz Regensburg
1:14:37
3
Rappold, Marina LG Telis Finanz Regensburg
1:18:18
W35
1
Weiß, Stephanie LG Wettenberg
1:24:36
2
Josenhans, Katharina Hamburg Running
1:25:21
3
Löhr, Dr. Caprice TuS Deuz
1:27:22
W40
1
Hahn, Susanne LG Meckenheim
1:17:45
2
Dörschel, Christl
SG Wenden
1:21:35
3
Kleiner, Yvonne LG Stadtwerke München
1:22:24
W45
1
Morchner, Sandra PSV Grün-Weiß Kassel
1:18:36
2
Boldt, Constanze SWC Regensburg
1:26:21
3
Boe-Lange, Martina SV Rosche
1:26:24
W50
1
Ramsauer, Christine
LAC Quelle Fürth
1:28:04
2
Reiter, Amanda PTSV Rosenheim
1:28:56
3
Mordas, Claudia TUSEM Essen
1:30:31
W55
1
Schwartze, Alexandra OSC Waldniel
1:28:43
2
Fidjeland, Julika PTSV Rosenheim
1:31:18
3
Möllensiep, Sybille SUS Schalke 96
1:34:25
W60
1
Sachs, Christine LG Mettenheim
1:34:03
2
Wagener, Conny LC Diabü Eschenburg
1:37:57
3
Wietscher, Antje TV Refrath
1:38:19
W65
1
Göttnauer, Margret
LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain
1:47:05
2
Vogl, Gudrun Spvgg. Renningen
1:50:50
3
Heger, Ingrid LG Kreis Verden
1:52:59
W70
1
Vogler, Sibylle SC Kemmern
2:01:12
2
Kluge, Maria-Luise LAC Langenhagen
2:03:08
3
Pithan, Ulrike TuS Deuz
2:03:43
W75
1
Hofmann, Renate 1. WV Wunstorf
2:09:23

Die Sieger in den Altersklassen bei der Halbmarathon DM 2018 in Hannover
Kl. Platz Name Verein Zeit
U23
1
Scherr, Julius TV Wattenscheid 01
1:07:45
2
Beinlich, Moritz LG Telis Finanz Regensburg
1:09:13
3
Valentin, David LG Olympia Dortmund
1:09:19
M35
1
Straßner, Andreas
ART Düsseldorf
1:08:08
2
Wiese, Christian Hannover Athletics
1:11:06
3
Solter, Andreas LAC Langenhagen
1:13:48
M40
1
Harwardt, Valentin VfL Wolfsburg
1:07:55
2
Bekakcha, Mourad Hamburg Running
1:12:11
3
Serke, Sven LSF Münster
1:14:29
M45
1
Heiner, Jörg SG Wenden
1:11:44
2
Schwab, Marco PSV Grün-Weiß Kassel
1:15:00
3
Skopnik, Manuel TV Refrath - Nordrhein
1:18:33
M50
1
Molero-Eichwein, Miguel
Spiridon Schleswig
1:12:32
2
Imbsweiler, Marcus
TSG 78 Heidelberg
1:15:45
3
Lafrenz, Fabian LG Neckar-Enz
1:16:05
M55
1
Ouahioune, Hakim 1963 LG Wettenberg
1:17:34
2
Geissler, Roland Lausitzer- Sportevents e.V.
1:19:57
3
Ghebreselasie, Daniel PSV Grün-Weiß Kassel
1:21:21
M60
1
Hörmann, Hans
FC Ebershausen
1:20:42
2
Walter, Engelbert FC Ebershausen
1:26:00
3
Dietrich, Jörg LC Warndt
1:26:26
M65
1
Zabel, Egbert
Cöthener FC Germania 03
1:24:57
2
Lippold, Günther LG Filder
1:31:36
3
Vemmer, Reiner LC Solbad Ravensberg
1:33:50
M70
1
Graeber, Jürgen SuS Oberaden
1:39:16
2
Johnen, Walter K. LAV Stadtwerke Tübingen
1:39:39
3
Dittberner, Harald LG Buntentor Roadrunners Bremen
1:39:39
M75
1
Strube, Joachim LG Lage-Detmold-Bad Salzuflen
1:45:37
2
Kalweit, Siegfried TSV Viktoria Mülheim
1:45:57
3
Stöcker, Werner lg wittgenstein
1:46:48
M80
1
Kramer, Fokke
Bosauer SV
1:44:32
2
Wittig, Klemens LC Rapid Dortmund
1:50:21
3
Heise, Ulrich DJK Elmar Kohlscheid
1:58:25

Frauen Mannschaftssieger bei der Halbmarathon DM 2018 in Hannover
AK Verein Name Zeit (netto)
Frauen
LG Telis Finanz Regensburg Reng, Franziska 1:14:14
Dattke, Miriam 1:14:36
Rappold, Marina 1:18:15
3:47:05
U23
LG Telis Finanz Regensburg Reng, Franziska 1:14:14
Dattke, Miriam 1:14:36
Rappold, Marina 1:18:15
3:47:05
35-45

SG Wenden
Dörschel, Christl 1:21:32
Linder, Melanie 1:24:24
Hinze-Thüs, Katja 1:28:06
4:14:02
50-90
PTSV Rosenheim Reiter, Amanda 1:28:42
Fidjeland, Julika 1:31:09
Hobmaier, Josefine 1:42:52
4:42:43

Männer Mannschaftssieger bei der Halbmarathon DM 2018 in Hannover
AK Verein Name Zeit (netto)
Männer
ART Düsseldorf Baar, Philipp 1:05:48
Schmidt, Paul 1:07:39
Straßner, Andreas 1:08:07
3:21:34
U23
LG Olympia Dortmund Valentin, David 1:09:17
Gunkel, Leif 1:10:22
Orlowski, Steven 1:10:30
3:30:09
35

Laufclub BlueLiner e.V.

Schrader, Dominik 1:15:27
Radecker, Sebastian 1:17:42
Wilshusen, Matthias 1:21:35
3:54:44
40-45

Rhein-Berg Runners

Fricke, Marc 1:16:46
Gronewold, Lars 1:17:26
Hoerniss, Alexander 1:20:17
3:54:29
50-55
Rhein-Berg Runners Koller, Martin 1:16:36
Schröder, Frank 1:18:01
Schneider, Norbert 1:20:09
3:54:46
60-90
FC Ebershausen Hörmann, Hans 1:20:34
Walter, Engelbert 1:25:52
Löwenhagen, Klaus 1:27:47
4:14:13

8.4.18 - 28. HAJ Hannover Marathon

Hannover Marathon ist größtes Sportereignis Niedersachsens

Agnes Kiprop (KEN) und Seboka Erre (ETH) siegen

Plötzliche Wärme macht vielen zu schaffen, auch Spitzenkräften

von Michael Schardt 

Die positiven Meldungen zum Hannover Marathon wollten in den Wochen vor dem Termin nicht abreißen. Von ständig neuen Rekordmeldezahlen konnten die Organisatoren berichten, von einer Spitzenbeteiligung bei der deutschen Meisterschaft im Halbmarathon, von besonderen Eliteläufern auf der Königsdistanz, von zahlreichen nationalen und internationalen Ehrungen und Auszeichnungen für den Veranstalter - und schließlich von sehr günstigen Wetterprognosen für das Veranstaltungswochenende.

Und tatsächlich: Mit über 25.000 Voranmeldungen und weiteren 700 Nachmeldungen war die Beteiligung noch nie so hoch gewesen wie 2018. Mit 17.700 Sportlern im Ziel und etwa 3500 weiteren Teilnehmern bei den Samstagswettbewerben (Funrun und Kinderläufe) brachte die Veranstaltung auch realiter ein Rekordergebnis, womit sie den längst erworbenen Rang als größtes Breitensportereignisses des Landes manifestierte und weiter ausbaute.

 
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Auch die Beteiligung bei der DM im HM mit annähernd 1000 Meldungen war ein Rekord und lag deutlich über dem Wert des Vorjahres, als im Rahmen des Hannover Marathons erstmals die deutsche Halbmarathonmeisterschaft stattfand - ein deutliches Zeichen, dass die Organisation stimmte und die Teilnehmer qualitativ überzeugt wurden.

Bei fast sommerlichen Witterungsbedingungen fand der 28. HAJ Hannover Marathon statt. Mit 25.700 Anmeldungen bei vierzehn Wettbewerben erreichte er seine bisher höchste Beteiligung. Die Hälfte davon wurde am Vortag durchgeführt, darunter sechs Schülerläufe und der Funrun
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Unter den Auszeichnungen dürften die Klassifikation durch europäischen Leichtathletikverbandes als Fünf-Sterne-Lauf, also der höchsten Kategorie, eine besonders wertvolle sein, auch natürlich die Verleihung des Silberlabels des IAAF, die diese Kategorie weltweit nur noch an sieben Veranstalter verlieh (im Vorjahr wurde sie noch 20 mal verliehen). Außerdem wurde die Veranstaltung bei der Publikumsumfrage eines Laufportals zum beliebtesten im Norden und zum drittbeliebtesten in Deutschland gewählt.

 
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Das Wetter war am Veranstaltungswochenende noch besser als die Voraussagen und lockte Zehntausende Zuschauer an die Strecke und aufs Eventgelände rund ums neue Rathaus. Für die Läufer mag es schon zu viel des Guten gewesen sein, denn nicht wenige hatten mit dem plötzlichen Sommereinbruch so nicht gerechnet und kämpften sich mit hochrotem Kopf über die Strecke, so dass verhältnismäßig viele Einsätze der Rettungskräfte nötig waren. Insgesamt aber geriet die achtundzwanzigste Auflage zu einem einzigartigen Lauffestival, das Organisatoren strahlen ließ, Läufer und Publikum begeisterte und Landespolitiker wie Stadtväter zu Lobeshymnen veranlasste.

Nach dem Start des Inliner-HMs und Handbiker-Rennens (42,2km) wurde der Marathon als erster von vier Laufwettbewerben am Sonntag vor dem futuristischen Aegi-Gebäude angeschossen. Mit dem Rekord von 2017 Finishern wurde der Vorjahreswert (1967) übertroffen

Wermutstropfen bei der Königsklasse

Bei aller positiven Entwicklung im Ganzen waren im Detail auch einige Dämpfer hinzunehmen. Die Qualität des Frauenmarathons hatte nicht das erhoffte Niveau. Wie zu hören war, reduzierte sich das Elitefeld schon Tage zuvor, weil einige Äthiopierinnen Schwierigkeiten mit dem Visum gehabt haben sollen und deshalb nicht antreten konnten. Vorjahressiegerin und Mitfavoritin Fate Tola, die jüngst von Braunschweig nach Hannover wechselte, hatte sich einen leichten Infekt eingefangen, wohl bei der Rückkehr vom Trainingslager in Äthiopien, wie sie bekannt gab. Sie wollte aber trotz dieser Schwächung antreten. Das schmerzliche Aus für sie kam aber schon nach siebzehn Kilometern. Mit dem Ausfall Tolas hatte sich das Elitefeld auf nur noch eine Spitzenkraft, die Kenianerin Agnes Kiprop, reduziert. Sie war schließlich auch die einzige, die in den Genuss eines Preisgeldes kam, denn ein solches wird nur ausgezahlt bei einer Zeit von 2:40h oder darunter. Außer ihr blieb nur eine weitere Frau knapp unter drei Stunden, die Kasachin Akmaral Meirman.

Wohl fünf Dutzend Cheerleader bekamen an mehreren Stellen an der Strecke und im Ziel für ihre Akrobatiknummern viel Applaus Gern gesehener Gast bei Laufveranstaltungen ist Michel aus Frankreich - seit Paderborn am Osterwochenende mit neuem Kostüm Are Birkeli aus Norwegen wird 14. und ist damit bester Skandinavier

Die Anmeldezahl von 2811 Läuferinnen und Läufer für die Königsdistanz war deutlich höher als in den Vorjahren und ließ Hoffnung aufkommen, die Marke von 2000 Finisher übertreffen zu können. Und obwohl weit mehr Marathonis nicht angetreten beziehungsweise nicht ins Ziel gekommen sind wie üblich, übertrumpfte man mit 2017 Finishern das Vorjahresergebnis knapp (1967).

 
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Neben vielen schönen gab es auch dramatische Bilder zu sehen. Mit verzerrtem Gesicht schleppte sich der Pole Henryk Szost ins Ziel. Immer wieder griff er zum hinteren rechten Oberschenkel. Es sah so aus, als habe er sich eine schmerzhafte Muskelverhärtung zugezogen oder gar eine üble Zerrung. Siegerin Kiprop hatte sich völlig verausgabt und kam sehr wackelig, fast torkelnd ins Ziel. Zu denen, die sich kurzfristig nicht mehr auf den Beinen halten konnten, gehört auch der vorjährige deutsche Meister im Halbmarathon, Philipp Baar. Das Bild des Tages lieferte aber der Kenianer Michael Kunyuga ab, dem kurz vor der Ziellinie die Beine wegbrachen und er stürzte. Verzweifelt robbte er die letzten Meter auf allen Vieren Richtung Matte, denn sein Landsmann Duncan Koech kam immer näher. Wie von der medizinischen Abteilung mitgeteilt, wurden bei über einhundertzwanzig Einsätzen zwei Dutzend Läufer ins Krankenhaus gebracht. Einer von den Betroffenen war kurz vor dem Ziel zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden.

Die Spitzengruppe der Männer kurz vor Kilometer 15 An der gleichen Stelle liegen die spätere Siegerin Agnes Kiprop mit ihren Pacemakern (linkes Foto) und die deutsche Vorjahressiegerin Fate Tola (rechts) noch dicht beisammen. Zwei Kilometer später steigt Tola wegen einer Erkältung aus

Frauensieg für Kenia

Läuferinnen aus acht verschiedenen Ländern kamen beim Hannover Marathon 2018 unter die ersten elf, darunter vier Deutsche, eine Kasachin, eine Ukrainerin, eine Russin, eine Dänin, eine Polin, eine Engländerin und nur eine Afrikanerin. Das war allerdings zugleich die Siegerin, Agnes Kiprop. Sie hatte zusammen mit ihren Pacemakern ein flottes Tempo angeschlagen. Über 35:05min (10km) erreichte sie die Halbmarathonmarke bei 1:13:30h. Damit lag sie noch auf Kurs zu einem neuen Streckenrekord, der von Olena Burkovska aus der Ukraine mit 2:27:07h (2013) gehalten wird. Bis zu ihrem Ausstieg bei km 17 hatte Kiprop noch Fate Tola im Schlepptau, danach wurde das Rennen allerdings zu einer One-woman-show, denn dahinter war weit und breit niemand mehr zu sehen.

Ein perfektes Rennen für Marathonsieger Seboka Erre aus Äthiopien. Ihm habe die Hitze nichts ausgemacht, sagte er nach dem Rennen Völlig entkräftet kommt Agnes Kiprop (KEN) als Siegerin ins Ziel. Sie habe zwischenzeitlich schon nicht mehr weiterlaufen wollen, hieß es. Ihr Vorsprung: über 23 Minuten

Im zweiten Teil des Marathons verließen die Kenianerin immer mehr die Kräfte. Ihr Pacemaker sah sich immer wieder nach ihr um, damit sie nicht abreißen lasse. Doch es half nichts. Kiprop wurde immer langsamer, soll sogar mit Abbruchgedanken gespielt haben, hielt aber durch bis ins Ziel und erreichte mit 2:32:35h keineswegs eine Wunschzeit. Auf dem zweiten Platz landete Akmaral Meirman (KAZ) in 2:55:58h vor Aida Stahlhut (W35) vom TuS Niedernwöhren, die sich in 3:03:13h einen Treppchenplatz sicherte. Auch Platz vier und fünf ging an deutsche Läuferinnen. Sabrina Jaeger (W35; Maschsee-Sharks Hannover) wurde in 3:07:24h 4. vor Olja Gaziano (W35, LG Seligenstadt) in 3:13:21h. Der Frauenanteil (390 Läuferinnen) lag bei überdurchschnittlichen 24,8 Prozent.

Männersieg für Äthiopien

Eine deutlich andere Situation ergab sich im Männerrennen. Da formierte sich schon kurz nach dem Start eine etwa zwölfköpfige schwarzafrikanische Führungsriege, worunter sich auch einer der stärksten europäischen Läufer, der polnische Mitfavorit Henryk Szost (Bestzeit 2:07:39h), befand, und auch der eigentliche Favorit Gilbert Kirwa (KEN), der mit der besten Zeit angereist war. Die Gruppe reduzierte sich bis Halbmarathon auf acht, bis Kilometer 30 auf sechs Läufer - der Pole noch mitten drin. Die 10km-Marke wurde nach 30:26min erreicht, die Hälfte hatte man nach 1:04:13h hinter sich. Wie bei den Frauen lag man bei Halbzeit noch auf dem Niveau des Streckenrekords, den Lusapho April 2013 mit 2:08:32h aufgestellt hatte.

Philipp Heide (links) wird in 2:45:34h 13., während für Florian Merz der April offenbar kein Glück brachte. Er musste - wie viele andere - das Rennen aufgeben Pacemakergruppe für 3h

Die Entscheidung über den Sieg fiel im letzten Renndrittel. Die Sechsergruppe reduzierte sich bald nach der 30-km-Marke zunächst auf vier Läufer, später dann suchte der Äthiopier Seboka Erre mit einer Tempoverschärfung die Entscheidung. Ihm kam dabei zugute, dass ihm die inzwischen auf über zwanzig Grad gestiegenen Temperaturen nichts anhaben konnten, wie er nach dem Rennen gestand. Dennoch wurde auch sein Tempo etwas langsamer, so dass der Streckenrekord und auch seine persönliche Bestzeit nicht mehr gefährdet werden konnten. Er siegte in der international beachtlichen Zeit von 2:09:44h und machte im Ziel einen sehr relaxten Eindruck. Er stand gleich für ein Fernsehinterview zur Verfügung und sprach von einem perfekten Rennen und einer voll aufgegangenen Renntaktik.

Auf der Ziellinie deutet sich das Drama schon an. Vorne verliert Michael Kunyuga aus Kenia vor Erschöpfung die Kontrolle über seinen Bewegungsapparat. Sein Landsmann Duncon Koech ist nur zwanzig Meter hinter ihm ... ... unmittelbar vor der Ziellinie stürzt Kunyuga und sichert sich - auf allen Vieren krabbelnd - Platz zwei vor dem heranstürmenden Koech

Kurz hinter ihm stürmten dann im Abstand von etwa fünfzig Metern die beiden Kenianer Michael Kunyuga und Duncan Koech auf die langgezogene Zielgerade vor dem Rathaus. Vielleicht drei Meter vor dem Ziel sah man, wie Kunyuga die Beine erst wackelig wurden und dann wegbrachen. Mit entsetztem Blick nahm er dann seinen Sturz wahr, versuchte aber gar nicht erst, wieder auf die Beine zu kommen, sondern robbte mit hektischen Bewegungen über die Ziellinie, noch bevor der heranstürmende Koech ihn erreichen konnte. Kunyuga wurde in 2:10:16h zweiter und erreichte eine neue persönliche Bestzeit vor Koech (2:10:19h) und Justus Kiprotich (KEN, 2:11:11h). Der lange in der Führungsgruppe mitlaufende Henryk Szost wurde, durch muskuläre Probleme geschwächt, als bester Europäer 5. (2:13:37h). Hinter dem Kasachen Mikhail Krassilov (2:24:24h) finishte Christian Looschen (M35) von BV Garrel in 2:29:18h auf Rang 7. als bester Deutscher. Kirwa, der schnellste Mann im Feld, hatte schon früh Probleme bekommen und aufgegeben.

Zweite im Marathonrennen der Frauen wird die Kasachin Akmaral Meirman. Nur die beiden ersten Frauen blieben unter drei Stunden Schnellster Europäer wird Henryk Szost aus Polen mit Platz 5. Schmerzverzerrt ist sein Gesicht beim Lauf über über die Ziellinie. Er griff sich immer wieder an den linken, hinteren Oberschenkel
Christian Looschen bleibt knapp unter zweieinhalb Stunden und wird als 7. bester Deutscher ... Zweitschnellster Deutscher und flottester Hannoveraner wird auf Platz 9 Steffen Lang

Top-Ergebnisse HAJ Hannover Marathon 2018

Männer Frauen
1. Erre, Seboka Negussa (ETH) 2:09:44
2. Kunyuga, Michael Njenga (KEN) 2:10:16
3. Koech, Duncan Cheruiyot (KEN) 2:10:19
4. Kiprotich, Justus Kipkoech (KEN) 2:11:11
5. Szost, Henryk (POL) 2:13:37
6. Krassilov, Mikhail (KAZ) 2:24:24
7. Looschen, Christian (GER) 2:29:18
8. Škarnulis, Darius (LTU) 2:30:32
1. Kiprop, Agnes Jepkemboi (KEN) 2:32:35
2. Meirman, Akmaral (KAZ) 2:55:58
3. Stahlhut, Aida (GER) 03:03:13
4. Jaeger, Sabrina (GER) 3:07:24
5. Gaziano, Olja (GER) 3:13:21
6. Minarchenko, Nataliia (UKR) 3:15:53
7. Bugrova, Diana (RUS) 3:16:43
8. Schütt Hammer, Lisbeth (DEN) 3:18:01

Rahmenprogramm

Über den langen Kanten von 42,2 km fiel noch eine weitere Entscheidung, bei der besonders bei Firmen, aber auch Vereinsteams gern gebuchten Marathonstaffel. Diese sieht zwar keine nach Geschlechtern getrennte Wertung vor, erfreut sich aber dennoch großer Beliebtheit. Mit fast 700 Voranmeldungen (ausgebucht) und letztlich 600 Staffel im Ziel nahmen daran etwa 3000 Akteure teil. Das Reglement sieht vor, dass man die Staffel mit bis zu sechs Läufern oder Läuferinnen bestücken kann und dass es keine feste Startreihenfolge gibt. Mit Abschnitten von fünf bis knapp zehn Kilometern sind die Laufstrecken für jeden geeignet. Schnellstes Team wurde TuS Bothfeld mit Timo Görtler, Philipp Fahrenholz, Timo Kuhlmann und Eric Iglesias in einer Zeit 2:24:49h. Die ohnehin sehr flache und schnelle Marathonstrecke hatte die veranstaltende Agentur Eichels Event GmbH in Zusammenarbeit mit Athletenmanager Kopp noch vor der diesjährigen Austragung noch einmal unter die Lupe genommen, einige Änderungen eingebaut und weiter optimiert.

Den Staffelmarathon gewinnen v.l. Timo Görtler, Philipp Fahrenholz, Timo Kuhlmann und Eric Iglesias vom TuS Bothfeld Start 10 km. Über 4000 Akteure kamen ins Ziel - Foto Silvia Sprenger

Das war allerdings nicht die einzige Neuerung. Man hatte einen neuen Wettbewerb ins Programm genommen, den Handbiker-Marathon, für den sich 54 Athleten angemeldet hatten. Bei der ersten Austragung siegten Jetze Plat aus den Niederlanden in 1:06:27h (vor Vico Merklein, 1:06:53h) und Jannette Jansen (1:24:07h). Weitere Sieger in den Rahmenwettbewerben waren bei den Inlinern im Halbmarathon Julius Mumme (38:52min) und Sandra Schewe (43:08min), bei den 10-km-Walkern der Spanier Juan Alberto Puentes Puertas in erstaunlichen 50:39min sowie Erika Agula aus Brasilien in nicht weniger beachtlichen 56:54min. Wesentlich gemütlicher ging es bei deren Kollegen mit Stöcken zu, wo Rafael Ott (1:09:19h) und Angelika Körber (1:13:14h) am schnellsten unterwegs waren.

Der Halbe und Zehner im Aufwind

Der Halbmarathon war von den Anmeldezahlen her erstmals fünfstellig (10.049 Läufer). Das schaffen sonst nur Berlin und Köln. Davon kamen immerhin genau 8500 Läufer und Läuferinnen ins Ziel, etwa zehn Prozent davon im Rahmen der deutschen Meisterschaft. Diese Entwicklung ist um so erstaunlicher, als dass am gleichen Tag in Berlin der größte deutsche Halbmarathon über die Bühne ging, ebenfalls mit einer Rekordbeteiligung. Bedauerlich ist diese Parallelität von daher, da einige der stärksten deutschen Läufer nicht bei den Nationalmeisterschaften starteten, sondern der Hauptstadt den Vorzug gaben, so etwa Katharina Heinig und Homiyu Tesfaye oder auch Philipp Pflieger und - bei ihrem ersten gefinishten HM - Hindernisspezialistin Gesa Felicitas Krause. Dass alle vier hier genannten Berlinstarter deutlich bessere Zeiten liefen als der Sieger und die Siegerin in Hannover trübt den Wert des Meisterschaftsrennens doch etwas. Zudem waren im Spitzenbereich die Felder in Hannover durch krankheits- oder verletzungsbedingte Absagen von Julian Flügel, Anja Scherl und Sabrina Mockenhaupt schon stark dezimiert. Andere starke Läuferinnen, wie etwa die Hahner-Zwillinge, fehlten sowieso, weshalb insbesondere das Frauenrennen von Juniorinnen dominiert wurde.

Start des Halbmarathon mit Deutschen Meisterschaften. Bis das gesamt Halbmarathonfeld vollständig über die Startlinie hinweg war, verging mehr als eine halbe Stunde. Es wurde in Wellen gestartet. Angemeldet hatten sich über 10.000 Läufer und Läuferinnen. Mit genau 8.500 Finishern könnte sich Hannover im deutschen HM-Ranking vom bisherigen Platz 4 an Hamburg vorbei auf Rang 3 vorschieben. Nur Berlin und Köln sind größer

Zum LaufReport-Beitrag von Wilfried Raatz über die Deutsche Halbmarathon Meisterschaft HIER

Starke Zuwächse erreichte aber nicht nur der Halbmarathon, sondern auch die kürzeste Distanz über zehn Kilometer. Dieses Rennen beendet traditionell die Veranstaltung und wird erst um 13 Uhr gestartet, während auf der anderen Straßenseite die hinteren Marathonis und Halbmarathonis ins Ziel kommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Sonne den höchsten Stand erreicht und die Temperaturen sich auf etwa 24 Grad erhöht. Über 4500 Läuferinnen und Läufer hatte für das Rennen gemeldet; gut 4000 kamen ins Ziel, knapp die Hälfte davon Frauen.

10km: Tschechen reden ein Wörtchen mit

Unter den ersten sechs Männern konnten sich zwei Läufer der Hannover Athletics und zwei tschechische Teilnehmer aus dem Team der KSM Casting Group GmbH platzieren. Der schnellste war aber kein Lokalmatador aus der Landeshauptstadt, sondern Vit Pavlista (M30) aus Tschechien. Er siegte mit 25 Sekunden Vorsprung in 31:20min vor René Menzel (MHK) aus Hannover in 31:55min. Beide hatten sich offenbar eine ganz besondere Startnummer geben lassen. Auf Pavlistas Brust prangten fünf Einsen, Menzel trug die glatte Nummer 12000. Dritter wurde sein Athletics-Teamkollege Yannick Reihs (MHK), der nach 32:07min über die Ziellinie lief. Der zweite Tscheche, Jan Schulhof (MHK), eroberte sich hinter Maik Willbrandt (M30, BMW-DHfK Leipzig, 32:12min, Rang 4) und Yannik Stubbe (MHK, TV Waldstraße Wiesbaden, 5. in 32:36min) den sechsten Platz in 33:48min.

10km Sieger Vit Pavlista aus Tschechien hat eine perfekte Startnummer
10km Siegerin Katharina Kulenkampff - Fotos(2) Silvia Sprenger

Fünf Frauen blieben über zehn Kilometer unter vierzig Minuten. Die schnellste war Katharina Kulenkampff (W45, ohne Verein) in 37:45min. Dahinter sicherte sich Regina Salinas (WHK) von der Allgemeinen Ratinger Turnerschaft (ART) Düsseldorf Rang zwei in 38:14min. Aus Tschechien von der KSM Castings Group GmbH kommt die dritte im Bunde: Michaela Omova (W35), die 38:42min brauchte. Es folgten Katka vom Dorp (WHK, LG Würm Athletik, 39:03min) und Lena Ritzel (U20, VFL 1860 Marburg, 39:29min).

Fazit

Der HAJ Hannover Marathon wird nicht nur immer größer, sondern immer internationaler. Hatte man im letzten Jahr Läufer aus 99 Ländern zu Gast in der Leinestadt, waren diesmal Sportler aus 101 Nationen am Start. Die größten Gruppen kamen aus Dänemark (333), Polen (120), Tschechien (116) und Großbritannien (80). Die größte Firmenbeteiligung stellte der in Hannover angesiedelte Reifenhersteller Continental mit 1464 Aktiven vor AWO rennt (766). Continental hatte rund 800 Meter vor dem Ziel an der Zehnerstrecke, direkt vor Kröpcke, ein großes, quitschegelbes Areal für den Aufenthalt und die Versorgung der eigenen Läufer aufgebaut - Firmenidentifikation pur. Die größte Beteiligung unter den Sportvereinen kam von Hannover 96 (94 Läufer) und LSF Münster (88).

Reaktionen im Ziel können ganz unterschiedlich sein. Erstmal durchpusten oder unbändige Freude zeigen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Um 15 Uhr wird in Hannover das Tor für alle drei Hauptläufe geschlossen, für den Marathon, den Halben und den Zehner. Die Zeitabfolge ist so getaktet, dass während der letzten anderthalb Stunden Läufer aller drei Rennen parallel ins Ziel laufen, was so manche Studie der Laufstile möglich macht oder auch der Art und Weise zu finishen. Der eine ist erschöpft, der andere in sich gekehrt, der dritte pustet kräftig durch und der vierte freut sich einfach nur riesig.

Laut Angaben von Oberbürgermeister Stefan Schostok bewegte sich die offizielle Zuschauerzahl im Rahmen des letzten Jahres. Er sprach von rund 220.000 Leuten. Und was Cheforganisatorin Steffi Eichel über den Familientag am Sonnabend sagte, nämlich er habe "einen grandiosen Auftakt" geliefert, kann man mit guten Recht auf den Sonntag übertragen.

Der nächste Hannover Marathon findet am 9. April 2019 statt, (fast) garantiert bei schönstem Sonnenschein.

W. Raatz
Berichte und Fotos von Wilfried Raatz & Michael Schardt
Fotos 10km von Silvia Sprenger

Ergebnisse www.marathon-hannover.de

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M. Schardt

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