22.4.17 - Wuppertal Zuckerspiel-Volkslauf

Kein Kinderspiel, aber ein Zuckerschlecken

von Christian Werth

Ein Zuckerschlecken ist die Strecke des "Zuckerspiels" wahrlich nicht, doch wartet die familiäre Veranstaltung in Wuppertal-Sonnborn dafür mit umso mehr süßen Verlockungen auf. So war auch die siebte Auflage von einer tollen Stimmung geprägt und entlohnte die Teilnehmer über 10 und 21,1 Kilometer mit herrlichem Naturgenuss, liebevoller Organisation und einem außergewöhnlichen kulinarischen Angebot für ihre Strapazen. Während auf dem beschwerlichen, mit insgesamt 800 und auf der kürzeren Distanz 350 Höhenmetern gespickten Naturkurs durchs Naturschutzgebiet Burgholz unterwegs Kuchen, Kekse und Weingummi gereicht wurden, erwartete jeden Finisher im Ziel ein kleines Lebkuchenherz.

Das als aller erster in Empfang nehmen durfte 10-km-Sieger Kai-Andre Mehs, der die süße Medaille gentlemanlike sofort an seine anfeuernde Freundin weiterreichte. "Mein zweiter Sieg hier nach 2015. Ich kannte die schwere Strecke und bin sofort nach dem Start vorneweggelaufen", berichtete der Favorit, dass er die Konkurrenz bewusst von Beginn an auf Distanz halten wollte. Der 35-jährige Lokalmatador - gewohnt lässig mit Batman-Shirt und Zweidrittel-Hose unterwegs - hatte einen Sahnetag erwischt und nach starken 38:29 Minuten mehr als eine Minute auf seine Verfolger herauslaufen können. Dies bedeutete zugleich einen neuen Streckenrekord auf dem selektiven, achterbahnartigen Waldkurs.

Start zum Lauf um die Zuckermedaillen
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Mit besonderen Vorfreuden war indes der zweitplatzierte LG Wuppertal Läufer Daniel Buß angetreten und vielleicht grade deshalb besonders motiviert. "Ich werde in den nächsten Tagen Vater", verriet der 29-Jährige und hatte mit 39:44 Minuten trotz kleinem Irrlauf ebenfalls eine Top-Leistung hingelegt. Zufrieden zeigte sich auch der "Oldie" des Siegertrios Andreas Joswig, mit 39:55 Minuten Dritter. "Der Pokal für Platz drei fehlte mir noch in meiner Sammlung", freute sich 52-jährige Ennepetaler und sprach damit den außergewöhnlichen, mit bunten Zuckerwürfeln gespickten Pokal des "Zuckerspiels" an.

Der 10-km-Lauf sollte in diesem Jahr aus sportlicher Sicht den Höhepunkt darstellen und war so gut besetzt wie noch nie. Dementsprechend erschöpft kam auch der Begleitradfahrer ins Ziel und kam im Interview mit Moderator Guido Gallenkamp zu folgender Erkenntnis: "Da wär ich an einigen Stellen lieber gelaufen und wohl schneller gewesen. So steil war es zwischendurch."

Bei den Damen wurde die Dortmunderin Sonja Vogt ihrer Favoritenrolle gerecht und nach klarem Sieg in 45:03 Minuten für ihre weite Anreise belohnt. Auch diese Zeit - übrigens ebenfalls ein neuer Streckenrekord - verdeutlicht, wie schwer die Strecke ist - schließlich läuft die Athletin aus dem Ruhrgebiet die 10-km-Distanz im Normalfall spielend unter 40 Minuten. Hinter der 42-Jährigen folgten die Wuppertalerin Birte Bannert mit 46:14 Minuten und Erika Schoofs aus Weeze mit 49:02 Minuten.

Herrliches Burgholz
Eine von zahlreichen Steilpassagen

Die süßen Verköstigungen auf der Strecke konnten jedoch nicht verhindern, dass so manch ein Halbmarathon-Läufer doch eher sauer das Ziel an der Sporthalle des SV Bayer erreichte. Schließlich waren die meisten Teilnehmer durch die begleitenden, nicht wirklich streckenkundigen Radfahrer fehlgeleitet worden oder hatten sich verlaufen. Später wurde bekannt, dass von den gut 100 Halbmarathonis letztlich nur sieben Teilnehmer den richtigen Weg genommen hatten. "Wir haben die Strecke erst heute Morgen markiert. Da muss wohl jemand aufgeräumt haben", ärgerte sich Organisationschef Guido Gallenkamp und gab zu Bedenken, dass der Lauf vor einigen Jahren schon einmal auf ähnliche Weise beeinträchtigt worden sei.

Da die diesjährigen Irrwege auch das Führungsduo betrafen, kam der vereinslose Wuppertaler Sascha Lange zu einem unerwarteten Sieg in 1:30:31 Stunden. "Mein erster Sieg bei einem Lauf. Allerdings ist der Zweite der wahre Sieger", präsentierte sich der Erstplatzierte als fairer Gewinner. So war Konkurrent David Honscha, ebenfalls ein Lokalmatador, in Führung liegend ausgestiegen und später frustriert ins Ziel getrabt. "Ich bin mehrmals fehlgeleitet worden, nachdem ich schon eineinhalb Minuten Vorsprung herausgelaufen hatte. Danach hatte ich dann keine Lust mehr", erklärte der eigentlich beste Halbmarathoni des Tages.

Kai-André Mehs gewinnt den 10km Lauf
10-km-Siegerin wird Sonja Vogt Die schnellsten 10-km-Läufer mit ihrer Siegtrophäe (v.l.): 2. Daniel Buß, Sieger Kai-André Mehs und 3. Andreas Joswig

Hinter dem offiziell als Zweiten gewerteten Honscha kam Burkhard Weber mit 1:34:02 Stunden als Dritter ins Ziel. Der ursprüngliche Favorit, Lokalhero Marc Walter, war erst gar nicht angetreten und lediglich als Radfahrer gesichtet worden. Der Vorjahressieger musste verletzungsbedingt passen, laboriert an einer Entzündung des Schambeins. Auch 2015-Sieger Nikki Johnstone, mit 1:17:02 Stunden Streckenrekordhalter, war diesmal nicht am Start, hatte dem tags darauf ausgetragenen Brückenlauf in Düsseldorf den Vorzug gegeben. Als erste Frau durfte auf der langen Distanz die Wermelskirchenerin Alexandra Krämer jubeln und war mit 1:35:32 Stunden allein auf weiter Flur. Auf den Plätzen 2 und 3 folgten mit deutlichem Abstand Ursula Korf und Dunja Plesnik, die 1:46:59 bzw. 1:48:09 Stunden benötigten.

Mit insgesamt 318 Startern, davon 40 Kinder, war das einmal mehr stimmungsvolle "Zuckerspiel" etwas schwächer besetzt als im Vorjahr. "Dennoch zufriedenstellend, wobei wohl Viele dem unsicheren Wetter nicht getraut haben", glaubt Guido Gallenkamp, der sich jedoch über letztlich trockene, wenn auch kühle Witterung und einen neuen Teilnehmerrekord beim Kinderlauf freuen durfte. Der außergewöhnliche Name des "Zuckerspiels" resultiert übrigens aus einem Versprecher des Laufinitiators Falko Gallenkamp, der einen Start bei einer anderen anspruchsvollen Laufveranstaltung schlaftrunken weder als "Zuckerschlecken" noch als "Kinderspiel" bezeichnen mochte und so eine ganz individuelle Wortneuschöpfung kreierte.

Halbmarathon-Siegerin wird Alexandra Krämer Halbmarathon-Sieger wird Sascha Lange
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Nachdem der Lauf bei seiner Premiere 2011 noch als privater Lauf ausgetragen wurde, wird er seit nunmehr sechs Jahren auf Initiative des dritten Orga-Manns Jan Römer offiziell vom SV Bayer Wuppertal gestartet und lockt inzwischen sogar Teilnehmer aus ganz Nordrhein-Westfalen ins Burgholz. Der Streckenverlauf durchs herrliche, diesmal ganz besonders ergrünte Burgholz, ganz im Nordwesten der Stadt gelegen und an Solingen angrenzend, steht für die landschaftliche Charakteristik der Schwebebahnstadt. So weist die aktuell rund 350.000 Einwohner zählende Stadt nicht nur außergewöhnlich große Höhenunterschiede auf, sondern zählt mit einem Waldanteil von etwa 29 Prozent zugleich zu den grünsten Städten Deutschlands.

Mit Ronsdorfer Talsperrenlauf und Crosslauf am Freudenberg weist die Universitätsstadt zwei uralte Traditionsveranstaltungen auf, ist allerdings hinter Stuttgart die zweitgrößte deutsche Stadt ohne offiziellen Marathon. So gibt es zwar den naturreichen Eulenkopf-Marathon, doch handelt es sich dabei um einen inoffiziellen Freundschaftslauf. Trotz dieses Nachholbedarfs sind innerhalb der letzten Jahre mit dem 9 km langen Zoolauf sowie dem Schwebebahnlauf über 21,1 km, 10 und 5 km zwei attraktive Veranstaltungen hinzugekommen. Eine weitere spektakuläre Premiere feiert in diesem Jahr der WHEW-Ultra mit Start und Ziel in Wuppertal-Elberfeld und Rahmenwettbewerben über 10 und 5 km. Der 100-km-Hauptauf führt über neu sanierte Bahntrassen zwischen Rhein und Ruhr und verbindet dabei die beiden Regionen Bergisches Land und Ruhrgebiet sowie sieben verschiedene Städte miteinander. Auch diese Strecke dürfte für die Teilnehmer trotz ebenem Trassenverlauf kein "Zuckerspiel" werden.

Bericht und Fotos von Christian Werth

Ergebnisse zuckerspiel.de

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