17.4.17 - Lenneper Osterlauf in Remscheid

Wintereinbruch am Ostermontag

Gleiches Logistikzentrum wie beim berühmten Röntgenlauf

Daniel Schmidt behält weiße Weste - Sina Böhne erstmals vorne

von Michael Schardt

Da mag sich so mancher Läufer die Augen gerieben haben, als er am Ostermontag aus dem Fenster schaute. Der Winter hatte sich über Nacht überraschend zurückgemeldet, zumindest im Sauerland und im Bergischen Land, und hatte das Gelände mit einer Schicht wässerigen Schnees weiß überzogen. Gewundert hatten sich auch die "Röntgenlüöper", als sie um neun Uhr auf dem Veranstaltungsareal eintrafen, wie Orgachef Rolf New mitteilt. Diese bilden die Laufabteilung des TV "Frisch Auf" Lennep und sind für die Durchführung des Lenneper Osterlaufs zuständig.

Die Wetterkapriolen seien für sie aber kein Problem, ergänzt Pressewart Marcus Behnecke, schließlich habe der Osterlauf schon öfters unter extremen Bedingungen stattgefunden. Im letzten Jahr habe ein Sturm gewütet, erinnert er sich, ein anderes Mal habe es wie aus Kübeln gegossen oder ein dichter Nebel die Sichtverhältnisse ziemlich eingeschränkt. Freilich werde der Wintereinbruch einige Teilnehmer kosten, insbesondere aus dem Kreis der Nachmelder, vermutet Moderator Andreas Menz, aber die Remscheider Läuferschaft sei eine eingeschworene Gemeinde und bestens vernetzt, so dass sich der Schwund in Grenzen halten werde.

Kaum zu glauben, dass zwischen den beiden Fotos weniger als vier Stunden liegen. Bei Schnee machten sich die Osterläufer um 11 Uhr auf den Weg. Gegen 15 Uhr präsentierte sich diese hübsche Stadtvilla in Lennep bei schönstem Frühlingswetter
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Mit dieser Einschätzung lag der vielbeschäftigte Mann am Mikrophon genau richtig. Der Hauptlauf über 12 km, der von Schnee, Matsch und Kälte noch am meisten betroffen war, erreichte mit knapp 250 Teilnehmern fast einen Rekordwert. Lediglich der Jedermannslauf, der am frühen Nachmittag schon unter wesentlich besseren Bedingungen stattfand, hatte einen kleinen Verlust hinzunehmen. Zusammengenommen kamen genau dreihundert Läufer und Walker ins Ziel, das nach 2016 beste Ergebnis, als 344 Finisher gezählt wurden.

Klein aber fein

Der Lenneper Osterlauf ist eine noch junge Veranstaltung und fand nun zum achten Mal statt. Man war 2010 erstmals an den Start gegangen, nachdem man 2009 einen Probedurchgang durchgeführt hatte. Der anspruchsvolle 12 km lange Hauptlauf stand von Anfang an auf dem Programm, zusammen mit einem Bambini und einem Schülerlauf. Als sich nach mehreren Auflagen zeigte, dass junge Teilnehmer in den Osterferien nur sehr schwer zu rekrutieren waren, gab man die Kinderläufe auf und schrieb erstmals 2015 den Jedermannslauf über 6,5 km aus. Dabei blieb es bis heute.

Start des Hauptlaufs über 12 anspruchsvolle Kilometer. Rund 240 Läufer und Walker waren dabei Am Anfang führt der Weg nach oben über glitschige Pfade

Der Lenneper Osterlauf gehört zu jenen kleinen Veranstaltungen, die durch eine besonders herzliche, familiäre Atmosphäre aufwarten und sich schnell einen festen, regionalen Läuferstamm erobern. Man schätzt die persönliche Betreuung, freut sich darüber, alte Weggefährten wiederzutreffen und möchte den Organisatoren durch Teilnehme seine Referenz erweisen. So beispielsweise der Remscheider Spitzenläufer Daniel Schmidt, der schon seit Jahren an beiden Läufen teilnimmt und auch dann der Veranstaltung treu blieb, als er zum TV Refrath (2013) und nun zum Verein LG Vulkaneifel (2017) wechselte. Zu diesem sympathischen Gesamteindruck passt, dass der Verein "Frisch auf" zwei Euro pro Teilnehmer vom moderaten Startgeld abgezweigt und karitativen Einrichtungen des Ortes zuführt.

Für diejenigen, die sich vielleicht mit dem Gedanken herumschlagen, einmal am berühmten Röntgen Ultralauf teilzunehmen, bietet der Osterlauf eine gute Gelegenheit, einmal etwas hineinzuschnuppern. Denn das Sportzentrum Hackenberg ist auch das Zielrefugium des Röntgenlaufs, und die letzten Kilometer des Osterlaufs und des großen Röntgen-Landschaftslaufs sind identisch. Und damit sind wir auch schon beim berühmtesten Sohn Lenneps: Wilhelm Conrad Röntgen, der hier 1845 geboren wurde und dessen Strahlkraft, wenn man so will, ungebrochen ist. Das Röntgenmuseum, wo auch der Röntgen-Wanderweg beginnt und auf dem der Röntgenlauf absolviert wird, legt davon ausführlich Zeugnis ab.

Nach wenigen hundert Meter wird es eng. Ein kleiner Stau ist unvermeidlich Zwischen km 2 und 4 kann man es rollen lassen

Daniel Schmidt: achter Sieg im achten Lauf

Wer ins Bergische Land zu einem Lauf fährt, darf nicht mit einer topfebenen Strecke rechnen. Lennep liegt in einer hügeligen Gegend auf 345 Metern Höhe und bietet viel schöne Natur. Die Hauptstrecke beginnt mit einem moderaten Anstieg über glitschige Wiesen und einem Nadelöhr kurz nach dem Start, wo sich im Mittelfeld die Läufer knubbeln und sich nur im Stopp-and-go-Verfahren fortbewegen können. Dann aber kann man es bei einer langen Bergabpassage richtig rollen lassen. Über Asphalt, Waldwege und Schotter führt der Weg - immer leicht hügelig - zur und an der Panzertalsperre vorbei. Am Schluss stehen zunächst zwei kleine, knackige Anstiege im Weg, dann, ab km zehn, sind die Abwärtsmeter vom Anfang bergauf zu nehmen. Eine echte Herausforderung. Zusammen kommen so etwa zweihundert Höhenmeter.

Der Laufuntergrund ist vielfältig. Asphalt, Schotter, Wiese und Naturpfade wechseln sich ab Zwei Verpflegungsstellen gibt es mitten in der Natur

Der Terminator des Lenneper Osterlaufs heißt Daniel Schmidt. Der Lokalmatador gewann den Hauptlauf bei acht Austragungen achtmal. Dies meist, wie jetzt auch, in einer 42er Zeit. Einmal aber brauchte er einige Sekunden weniger. Das war 2012, als er auf seiner Hausstrecke in 41:15min den Streckenrekord aufstellte. Heuer war er eine knappe Minute langsamer und siegte in 42:14min. Immer wieder Schmidt, das hört sich freilich etwas langweilig an, aber der Blondschopf schüttelt den Kopf. Jedes Rennen muss erst einmal gelaufen werden. In Christoph Nicksch habe er einen starken Widersacher gefunden, der lange habe mithalten können. Er habe schon arg kämpfen müssen, um den Titel zu verteidigen.

Mit Bestzeiten von 30:30min über 10 km, 1:04h über Halbmarathon und 2:22h über Marathon ist Schmidt in der Remscheider Laufszene eine Größe für sich. Das bezeugen auch seine vielen Erfolge beim Röntgen-HM. Bei der Deutschen Halbmarathonmeisterschaft in Hannover vor einer Woche, von der Schmidt sehr angetan war ("eine sehr schöne Veranstaltung"), kam er nach 1:09h ins Ziel. Als nächste Großziele hat der Dreißigjährige die Deutsche 10-km-Meisterschaft im Blick und die Teilnahme am Essenmarathon rund um den Baldeneysee, den er 2014 schon gewinnen konnte. Das mache er allein schon wegen dem Organisator Gerd Zachäus, den er mit großem Respekt "als tollen Typ" bezeichnete.

Ein Teil der Strecke führt an der Lenneper Panzertalsperre vorbei Die letzten Meter nach einem längeren Anstieg

Hinten heraus verlor der Kölner Nicksch doch etwa mehr Boden auf Schmidt, als der vermutet hatte und finishte mit 1:40min Rückstand in 43:54min als zweiter. Als Dritter beendete Kai André Mehs von den "cruizin monkeys" das Rennen. Er brauchte 44:36min. Dahinter machte der fünfzigjährige Arnd Bader ein starkes Rennen. Er lief bei seiner ersten Teilnahme 45:55min, wurde Gesamtvierter und gewann die M50. Der Mann, der in jungen Jahren nahe an die 30-Minuten-Grenze über 10 km laufen konnte, startet für den heimischen Remscheider SV.

Knappe Entscheidung bei den Frauen

Der Lauf der Frauen sah zwei Triathletinnen vorne. Die 23-jährige Sina Böhne vom Tri Force Vital Remscheid siegte in 51:10min vor der 28-jährigen Vorjahressiegerin Katharina Aßbeck vom Tri Club Wuppertal in 52:19min und der Ultralaufikone Anke Libuda (W35) vom BSG Springorum Bochum in 56:56min.

Daniel Schmidt hat bisher alle Osterläufe gewonnen. Er siegte auch diesmal Zweimal schon hat sie die Kurzstrecke gewonnen, jetzt erstmals die Langdistanz: Lokalmatadorin Sina Böhne
(2 Fotos: Marcus Behnecke)

Für Titelverteidigerin Katharina Aßbeck gab es keinen Grund zu klagen. Sie sei deutlich schneller gewesen als beim Sieg im letzten Jahr. Darüber könne sie sich nur freuen. Am Anfang sei sie auf Augenhöhe mit der späteren Siegerin gelaufen, habe immer Sichtkontakt gehabt, sie am Schluss aber nicht mehr halten können. Sie komme zwar mehr vom Laufen, habe jetzt als nächstes Hauptziel jedoch einen Langtriathlon in Luxemburg ins Auge gefasst, ließ die Blondine wissen, für den sie jetzt das Trainingsprogramm schmiede.

Böhne ihrerseits war 2015 und 2016 jeweils über die Kurzdistanz gestartet und hatte diese souverän gewonnen. Nun gelang ihr auch auf der Langstrecke der Sprung aufs oberste Treppchen, und dies, obwohl sie gerade erst aus dem Urlaub gekommen war. Offenbar haben sich meine Beine in den zehn Tagen bestens erholt, flachste sie, auch ohne Berge. Mit ihrem Sieg auch den Streckenrekord über den langen Kanten zu erobern, den sie auf der Kurzstrecke in 26:49min (2015) schon hält, gelang ihr jedoch nicht. Denn der steht bei 49:58min. Petra Maak gelang 2011 als erste und bisher einzige Frau, die Marke von fünfzig Minuten zu unterbieten.

Die Läufer der Kurzstrecke gingen auf eine 6,5 km lange Runde und ... ... durften sich über wesentlich günstigere Bedingungen freuen als die Langstreckler

Der Jedermannslauf

Seit 2015 gibt es den Jedermannslauf. Die zu belaufende Strecke folgt auf den ersten und letzten zwei Kilometern der Hauptstrecke, hat somit wie diese anfangs ein abfallendes, am Schluss ein aufsteigendes Profil mit zusammen etwa achtzig Höhenmetern.

Bei den Frauen kam die dreißigjährige vereinslose Leoni Leven hinter zwei Männern bereits als Gesamtdritte ins Ziel und fast fünf Minuten vor der zweiten Frau. In 26:49min stellte sie den Streckenrekord von Sina Böhme (s.o.) ein. Leven, die nach zehn Jahren Laufpause erst im letzten Jahr wieder mit dem Training begonnen hatte und durch eine Fußverletzung zuletzt zurückgeworfen war, hatte sich spontan für eine Teilnahme entschieden. Sie hatte der Veranstalterhomepage entnommen, dass der Lauf um 13:30 Uhr beginne. Das jedoch war eine falsche Angabe, denn tatsächlich wurde der Lauf eine halbe Stunde früher gestartet. Der Fehler auf der Homepage war vermutlich dem Umstand geschuldet, dass diese augenblicklich umgestaltet und schon ein Tag nach dem Lauf in neuer Gestalt erschien (mit inzwischen korrigierter Zeitangabe). So sei sie erst zehn Minuten vor dem Start an Ort und Stelle gewesen, habe sich flugs nachgemeldet und wäre mitgelaufen, ohne sich warmzumachen. Ob bei anderer Vorbereitung eine noch schnellere Zeit mit (echtem) neuen Streckenrekord möglich gewesen wäre, indes bleibt Spekulation.

Über 6,5 km nicht zu schlagen: Leonie Leven, die in Kürze zu TUSEM Essen wechselt
(Foto Marcus Behnecke)
Die schnellsten Frauen über 6,5,km waren v.l.: Kerstin Rudolph (2.), Siegerin Leonie Leven und Charlotte Schulze (3.) Das Männer-Kurszstreckenrennen gewann Florian Warges (mitte) vor Johannes Strasmann (links) und Noah Ben Bader

Auch eine andere (prominente) Läuferin hatte eine Voranmeldung verpasst und war der falschen Zeitangabe aufgesessen: Felicitas Vielhaber, die vermutlich das Frauenrennen mitentscheiden hätte können. Diese war aber noch später als Leven am Nachmeldeschalter erschienen, war aber nicht bereit, dem Feld hinterherzulaufen, ohne sich warm gemacht zu haben wie es einige weitere Spätkommer jedoch taten, auch weil die Nettozeitmessung für sie greift. Vielhaber und Leven hatten sich als zukünftige Vereinskameradinnen im Vorfeld gemeinsam zur Teilnahme entschieden, denn die vereinslose Leven war durch Vielhaber auf den Verein TUSEM Essen aufmerksam gemacht worden, dem sie in Kürze beitreten wird. (Vermutlich hat die falsche Startzeit den Veranstalter noch weitere Teilnehmer des Jedermannslaufs gekostet.)

Über 6,5 km war auch Daniel Schmidt am Start, aber nicht um einen Doppelsieg einzufahren, sondern wohl eher um auszulaufen, wie schon die Jahre zuvor. Man sah ihn zusammen mit dem Jugendlichen Noah Ben Bader plaudernd über die Strecke joggen und Hand in Hand über die Ziellinie laufen. Den dritten Platz überließ er dem (zeitgleichen) fünfzehnjährigen Junior von der LG Remscheid, der sich über den Podestplatz sichtlich freute.

Der Sieg ging an den B-Jugendlichen Florian Warges vom RV Adler Lüttringhausen in 25:10min vor Johannes Strasmann (M35) von der BSG Kox Remscheid in 26:22min. Der Streckenrekord wird von Ewout Hilferink seit letztem Jahr in glatt 23 Minuten gehalten.

Dieser kleine Schneemann hat die Veranstaltung nicht überlebt. Am Nachmittag wurde es, wie hier bei der gut besuchten Ehrung der Hauptlaufsieger, sonnig Orgachef Rolf New war mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden, trotz der Wetterkapriolen
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Zum Schluss

Abseits des läuferischen Geschehens hatte zu Beginn der Veranstaltung jemand das winterliche Intermezzo dazu genutzt, einen kleinen Schneemann zu bauen. Diesen stellte er auf den Versorgungsstand am Ziel. Als Mütze verpasste er ihm - andere Requisiten gab es nicht - einen umgestülpten Trinkbecher. Als die Jedermannswalker gegen 14 Uhr ins Ziel kamen, war von dem kleinen weißen Mann, dem kaum jemand Beachtung schenkte, nicht mehr viel übrig geblieben. Seinen vollständigen Garaus "erlebte" er, als die Aufräumarbeiten zügig begannen und "sein" Tisch ins Trockene gebracht wurde. Am nächsten Ostermontag, bei der neunten Auflage des Lenneper Osterlaufs, darf er - dem österlichen Anlass entsprechend - auf seine Auferstehung hoffen ...

Bericht und Fotos von Michael Schardt
Weitere Fotos von Marcus Behnecke

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