1.4.17 - 19. Sportisimo Prag Halbmarathon

Prager Talentschmiede bringt erste Weltklasseläuferin hervor

Joyciline Jepkosgei schreibt Laufgeschichte mit 4 Weltrekorden

Laufelite aus aller Welt gerne bei RunCzech-Rennen dabei - nur schnelle Deutsche fehlen

von Michael Schardt

Warum nur meiden deutsche Spitzenläufer die renommierten Laufveranstaltungen der RunCzech-Serie wie der Teufel das Weihwasser, während Elitelangstreckler aus fast der ganzen Welt gerne und wiederholt in Prag, Budweis, Olmütz oder Karlsbad antreten und ein ums andere Mal neue persönliche Bestzeiten, Qualifikationszeiten für internationale Meisterschaften und Olympische Spiele oder Landesrekorde aufstellen. Von weit her kommen sie, aus Japan und Lateinamerika beispielsweise, aus den USA und Skandinavien, aus der Ukraine, Italien, Großbritannien und selbstverständlich in großer Zahl aus Ostafrika.

Die Manesuvbrücke überqueren die Läufer gleich zweimal, bei km zehn mit Blick auf das Prager Schloss Hradschin, und kurz vor dem Ziel auf dem Jana-Palacha-Platz Prager Frühling. Besonders idyllisch ließ es sich auf der moldaunahen Uferstraße Edvarda-Benese laufen
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Aber die schnellen Läufer und Läuferinnen aus Deutschland, aus unmittelbarer Nachbarschaft also, die machen sich rar beziehungsweise glänzen durch Abwesenheit. Am Tag des Prager Halbmarathons mag das ja noch erklärlich sein, da am gleichen Wochenende in Berlin der größte Halbmarathon der Republik über die Bühne geht, dazu einige größere Rennen in Bonn, Freiburg und Korchenbroich. Dass aber kein schneller Mann und keine schnelle Frau sich bei den übrigen sechs Läufen (vier Halbmarathons, ein Marathon, ein Grand-Prix-Zehner) blicken lässt, die zwischen Mai und September in verschiedenen Regionen Tschechiens stattfinden, ist schon mehr als merkwürdig.

Spitzenbetreuung für ausländische Spitzenläufer

An der Qualität der Rennen, die allesamt zur RunCzech-Serie gehören, kann es nicht liegen. Sie sind ohne Ausnahme mit dem IAAF-Goldlabel, also dem höchsten Prädikatssigel für Straßenrennen, ausgezeichnet worden, sie werden immer in gleichbleibend herausragender Qualität vom selben Organisationsteam durchgeführt und setzen im weltweiten Vergleich unerreichte Standards. So ist es kein Wunder, dass es nur in Tschechien sieben Rennen mit Goldlabel gibt (zum Vergleich: in Deutschland sind es nur zwei, die Marathonläufe von Berlin und Frankfurt) und der visionäre Organisationspräsident Carlo Capalbo in seinem "zweiten Job" Chairman der IAAF Road Running Commission ist.

Vor dem Rudolfinum, einem herausragenden Konzertgebäude, unweit der Karlsbrücke gelegen, wird gestartet ... ... im Inneren des Prachtbaus können sich die Athleten mental auf ihr Rennen vorbereiten

Die für internationale Athleten zuständige Evgeniia Zhgir macht bezüglich der Verpflichtung deutscher Spitzenläufer fast schon einen etwas resignativen Eindruck. Die Kontakte nach Italien, in die Ukraine, nach Polen, Japan, China und Afrika seien sehr fruchtbar, erklärt sie gegenüber LaufReport, und die Resonanz ließe nichts zu wünschen übrig. Erfreut sei sie besonders darüber, dass jetzt mit Jorden Hasay eine amerikanische Spitzenläuferin nach Prag gekommen sei, um sich auf den Boston Marathon vorzubereiten, und auch der doppelte Olympiamedaillist Galen Rupp (5000m und 10.000m) zugesagt habe und hier gelaufen sei. Aber mit den Deutschen, Evgeniia zuckt mit den Schultern, da sei es bisher zu keiner weiterführenden Zusammenarbeit gekommen, so große Mühe man sich auch gebe.

Carlo Capalbo ist Präsident des Organisationskomitees und bei der IAAF Chairman der Road Running Commission Vor dem Rennen gibt es mehrere Pressekonferenzen und Informationsveranstaltungen. Im Hilton Hotel stehen die beiden kenianischen Favoritinnen Joyciline Jepkosgei und Violah Jepchumba (3. und 4. v.l.) und die US-Amerikanerin Jordan Hasay Rede und Antwort Der HM von Prag war wieder ausverkauft. 11.500 Athleten aus 57 Nationen hatten gemeldet. Tradition bei der RunCzech-Serie hat der "Einmarsch der "Nationen"

Große Mühe, das wäre die falsche Bezeichnung, wäre ein Understatement, wenn man beschreiben wollte, wie die RunCzech-Organisatoren sich bei jeder noch so marginal scheinenden Angelegenheit um die Eliteläufer kümmern. Es gibt ein Fahrdienst rund um die Uhr, jederzeit stehen Ansprechpartner mit entsprechenden Sprachkenntnissen bereit. Man nimmt notfalls die (oft scheuen afrikanischen) Läufer an die Hand, führt sie durch die Schar der anderen Hotelgäste zum WC, liest ihnen die Wünsche von den Augen ab.

Vor dem Rennen wird die Elite separiert und von jedwedem stressigen Einfluss geschützt. In großzügigen Räumen kann sie sich mental auf das Rennen einstellen und in eigenen Zonen warmlaufen. Wenn die schnellen Männer und Frauen dann an der Startlinie stehen, kann man gewiss sein, dass man mehr für sie nicht hätte tun können. Schade nur, dass davon wohl kein deutscher Trainer Kenntnis zu haben scheint und kein deutscher Athlet bisher in den Genuss dieser Betreuung kam.

Schwierige Logistik

Prag ist fraglos eine der schönsten Städte Europas und ein lohnendes touristisches Ziel. Für die Organisatoren einer Laufveranstaltung dieser Größenordnung stellt die tschechische Hauptstadt aber eine besondere Herausforderung dar. Zum einen ist es nicht einfach, eine flache, schnelle Strecke zu finden, da die Stadt in einem hügeligen Gelände liegt. Zudem ist der historische Kern gesät mit schmalen Straßen, verwinkelten Gassen und viel Kopfsteinpflaster. Ein anderes Problem sind die Touristenströme, die sich auch schon Anfang April am Wochenende durch die Altstadt oder über die Karlsbrücke schieben. Von daher gibt es nur eine Option, nämlich eine Strecke diesseits und jenseits der Moldau abzustecken, auch wenn deshalb für einige Stunden vielbefahrene Straßen vollständig gesperrt werden müssen.

Das einzige Rennen des Tages startet um zehn Uhr auf der Krizovnicka in Richtung Altstadt Ein langgezogenes Läuferfeld setzt sich vor historischer Stadtkulisse in Bewegung

Die realisierte Lösung dürfte für Prag das Optimum sein. Man hat mit dem Start am Rudolfinum und dem Jana-Palacha-Platz ein großzügiges Startareal gefunden, das noch sehr nahe an der Altstadt liegt und den unvergleichlichen Charme der Stadt offenbart. Mit der moldaunahen Streckenführung bietet man einen (beinahe) flachen Kurs an, wobei fünf Brückenquerungen und zwei Tunneldurchläufe sowie ca. vier Kilometer Kopfsteinpflaster nicht zu vermeiden sind.

Die Strecke gleicht einer "8" und führt zunächst zehn Kilometer in Richtung Altstadt und später zehn Kilometer stadtauswärts. Recht genau in der Mitte liegt das Start-Ziel-Gelände, das einmal passiert wird. Die abwechslungsreiche Strecke bietet überraschend viel Grün, viel historische Architektur, viel Wasser, aber auch einige lange, etwas eintönige Geraden. Gegenlaufpassagen, die für Kurzweil sorgen, gibt es mehrere. Für musikalische Unterhaltung auf den 21 Kilometern sorgen 21 Rock- und Jazzgruppen bzw. DJ's. Das Zuschaueraufkommen ist sehr hoch, besonders natürlich rund ums Rudolfinum.

Am Anfang, bei km 1 und 2, bieten die Häuser der Altstadt noch reichlich Schatten. Später, auf offener Fläche, war dieser Luxus kaum noch gegeben Die erste von fünf Moldauquerungen führt kurz nach km 3 über die Palackého-Brücke

20.000 und mehr Startwillige

Orgachef Carlo Capalbo, den man in der Karlsstadt Prag auch als "Karl den Großen" des tschechischen Laufsports bezeichnen könnte, möchte die altstadtnahe Szenerie seines Halbmarathons (und auch des Marathons im Mai) unbedingt beibehalten, auch wenn das bedeutet, dass eine Teilnehmerbegrenzung unumgänglich ist. Man könne wegen der engen Verhältnisse deshalb nur 11.000 bis 12.000 Meldungen zulassen, bemerkt Capalbo. Wenn wir den Start draußen vor die Stadt legen würden, so der Orgachef weiter, hätten wir 20.000 oder noch mehr Teilnehmer. Aber eine Verlegung nach auswärts könne man ja nicht wollen. Nicht die Quantität sei ihm wichtig, bestätigt er immer wieder, sondern die Qualität, und zwar nicht nur die im spitzenläuferischen Bereich, sondern im organisatorischen Bereich, in deren Genuss jeder Läufer, auch der Genusssportler, kommen soll. Sprich Verpflegung, Betreuung, medizinische Versorgung, Unterhaltung, sonstige Leistungen.

Von den rund 11.500 gemeldeten Läufern traten wohl über 2000 nicht an und einige Dutzend kamen nicht ins Ziel, sodass das Ergebnistableau knapp 9100 Finisher registriert. Das drittbeste Ergebnis bisher. Der Frauenanteil dabei ist hoch und beträgt 32 Prozent. Deutschland stellt mit 279 Teilnehmern das stärkste ausländische Kontingent, ist aber in der Ergebnisliste unter den fünfzig ersten Männern oder Frauen nicht vertreten. Am günstigsten konnte sich noch die vereinslose Pia Holzer auf Rang 53 in genau 95 Minuten platzieren. Der schnellste deutsche Mann war auf Rang 154 der ebenfalls vereinslose Benjamin Wehle, der nach 81:47min ins Ziel kam.

Zweimal wird das Altstadttor im Hintergrund durchlaufen, am Anfang und bei km 8 Einundzwanzig Musikgruppen verteilen sich gleichmäßig auf einundzwanzig Kilometer

Der denkwürdige Lauf der Joyciline Jepkosgei

Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man die sechstschnellste Halbmarathonzeit der Geschichte erzielt, seine persönliche Bestzeit um fast eine halbe Minute verbessert und beim 10-km-Split sogar sechzehn Sekunden schneller war als Paula Radcliffe bei ihrem Weltrekord über zehn Kilometer - und dann das Rennen doch nicht gewinnt. So jedenfalls ist es der Kenianerin Violah Jepchumba bei der 19. Auflage des Sportisimo Prague Halfmarathon ergangen, die über ihre Niederlage und Entthronung als Streckenrekordhalterin sehr enttäuscht war. Das jedenfalls teilte der Insider und mitgereiste Sportjournalist Elias Makori aus Nairobi am Abend nach dem Rennen im privaten Kreis mit. Zugleich räumte er ein, dass diejenige, die für diese Enttäuschung gesorgt hatte, nämlich die 23jährige Joyciline Jepkosgei, bis vor kurzem in Kenia noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt gewesen sei, auch in Fachkreisen. Denn erstmals hatte sich Jepkosgei international in Szene gesetzt, als sie 2016 in Karlsbad den Halbmarathon in 69:07min gewann. Danach begann in kürzester Zeit ihr fast kometenhafter Aufstieg, der vorerst endete im Februar 2017 mit dem dritten Platz beim HM in Ras-Al-Khaimah in 66:08min.

Die Männerspitzengruppe wird kurz vor km 10 vom späteren Sieger Tamirat Tola angeführt Optimale Witterungsverhältnisse in Prag, aber drei bis vier Kilometer über Kopfsteinpflaster können Probleme machen

Nun also der Donnerschlag von Prag. Jepkosgei lief ein "diabolisches Rennen", wie es in einer Zeitungsmeldung heißt. Sie verbesserte bei ihrem Perforceritt den erst im Februar dieses Jahres im nämlichen Rennen in Ras-Al-Khaimah aufgestellten Halbmarathonweltrekord ihrer Landsfrau Peres Jepchirchir, der auf 65:06min lautete, um 14 Sekunden auf 64:52min. Sie durchbrach damit zugleich als erste Frau die Schallmauer von 65 Minuten. Dass sie dabei auch den Weltrekord über 20 km und 15 km brach, ist bei einem HM-Rennen so ungewöhnlich nicht, zumindest nicht ohne Beispiel. Sensationell mutet es aber an, dass sie bei ihrem Rekordlauf auch den Weltrekord über 10km von Paula Radcliffe verbesserte.

Nach einer höllisch schnellen Zwischenzeit bei 5km (14:53min) passierte Jepkosgei die 10-km-Marke nach 30:05min. Das war sechzehn Sekunden schneller als Radcliffe 2003 (30:21min). Auch Jepchumba unterbot in 30:05min die alte Bestmarke deutlich. Den 15-km-Bestwert von Tirunesh Dibaba (2009) in 46:28min steigerte die Kenianerin auf 45:37min und den 20-km Bestwert von Florence Kiplagat (61:56min) schraubte sie auf 61:25min. Die eigentliche Favoritin Jepchumba hielt bis km 15 mit, wurde dann aber etwas langsamer und in der Weltklassezeit von 65:22min zweite.

Um den Kurs, den man sich als "8" vorstellen kann, im hügeligen Prag so flach wie möglich zu halten, führt er kontinuierlich an der Moldau lang. Brücken und Tunnel machen die Laufstrecke minimal wellig Bei km 10 haben die Läufer das Start-Ziel-Areal fast wieder erreicht und laufen dann stadtauswärts ... ... nachdem sie die Moldau erneut gequert haben

Erklärungsmuster

Die neue Weltrekordlerin war sich unmittelbar nach dem Rennen ihrer Großtat noch gar nicht bewusst. Sie habe zwar gehofft, eine neue persönliche Bestzeit zu laufen, aber ansonsten sei sie ohne große Vorhaben ganz locker an den Start gegangen. Das Körpergefühl sollte ihre Richtschnur für das Rennen sein. Tatsächlich lief die 23-Jährige unbekümmert und unbändig los. Sie ist im Unterschied zu anderen ostafrikanischen Spitzenläuferinnen nicht spindeldürr gebaut, sondern eher fraulich, verfügt über viel Kraft, eine hohe Grundschnelligkeit und überragende Ausdauer.

In diese Richtung argumentierte bei der Nachbesprechung auch Jim Moberly vom Organisationsteam (Internationale Kommunikation), und eben, dass sie noch jung und in der Talentschmiede des vor drei Jahren gegründeten RunCzech-Jungteams ausbaufähig sei. Es sei, ergänzte Capalbo, eines seiner Hauptziele, jungen Talenten eine ökonomische Basis zu geben und ein systematisches Training zu ermöglichen. Weltrekord, das sei für ihn nicht der Bestwert eines/einer Einzelnen, sondern das sportliche Gesamtpaket RunCzech, das sich seit den ersten Anfängen entwickelt habe, als zwei Italiener (einer war Capalbo) in einer Prager Kneipe die spinnerte Idee hatten, in Prag einen Marathon zu veranstalten.

Prags berühmteste Brücke, die Karlsbrücke, die im Hintergrund zu sehen ist, wird nicht überlaufen, weil sich dort die Touristen und Souvenirhändler knubbeln

Jepkosgeis Leistung kamen bei idealen äußeren Bedingungen und vollkommener Windstille zustande. Insbesondere aber ihre 10-km-Zwischenzeit wird Zweifler auf den Plan rufen. Um das vorherzusagen, braucht man kein Prophet sein. Noch stehen das übliche Prüfungsverfahren an und die Auswertung des Dopingtests, bis die vier Weltrekorde in einigen Wochen ratifiziert werden können. Diejenigen, die die Entwicklung der Kenianerin in den letzten Monaten verfolgt haben, sind sich der Rechtmäßigkeit ihrer Leistung sicher. Die Frau sei eine läuferische Urgewalt hieß es, eine Ausnahmekönnerin. Man wird auf ihre kommenden Auftritte gespannt sein.

Nicht nur Jepchumba und Jepkosgei, sondern auch andere Läuferinnen waren schnell unterwegs. Allen voran die Debütantin Fancy Chimotai, die mit einer Zeit von 32:21min über 10 km gelistet ist und nun einen herausragenden 3. Platz in 66:58min erreichte, vor zwei weiteren Landsfrauen. Über eine neue persönliche Bestzeit und einen feinen sechsten Platz durfte sich die US-Amerikanerin Jordan Hasay freuen. Die 25-Jährige hatte den langen Flug nicht gescheut, sich in Prag auf ihr Marathondebüt in Boston vorzubereiten. In 67:55min steigerte sie sich um satte 45 Sekunden und nimmt nun den 3. Platz in der ewigen Rangliste der USA ein. Nur fünf bzw. vier Sekunden fehlten der Blondine am 4. oder 5. Gesamtplatz. Beim leichter zu laufenden Berlin-Halbmarathon am Folgetag hätte ihre Zeit für den Sieg gereicht. Erwartungsgemäß kam Eva Vrabcová in 71:45min als schnellste Einheimische ins Ziel. Sie wurde 11. und war damit schnellste Europäerin. Ihre PB verpasste sie um rund eine halbe Minute.

Die Prager Lokalmatadorin Barbora Jisová schlug sich prächtig und durfte sich über Rang 15 freuen Eine halbe Minute hinter ihrer PB bleibt die schnellste Tschechin, Eva Vrabcová, zurück. Sie wird 11. und damit schnellste Europäerin Gut unterwegs ist der schnellste Tscheche, Jiri Homolac, der nach einem Höhentrainingslager in Kenia einen neuen Landesrekord aufstellt und im starken Feld 17. wird

Männerrennen weit weniger spektakulär

Bei den Männern waren die Leistungen bei weitem nicht so spektakulär wie bei den Frauen, jedoch war für den Sieg gleichfalls eine Weltklassezeit nötig, die sogar leicht schneller war als die von Berlin. Es gab durch den 25-jährigen Tamirat Tola einen äthiopischen Sieger. Tola, angetreten mit der viertbesten Vorleistung (60:06min), siegte in neuer persönlicher Bestzeit von 59:37min, womit er den Streckenrekord von Atsedu Tsegay (58:47min) jedoch um volle fünfzig Sekunden verfehlte. Tola, der eine Marathonbestzeit von 2:04:11h hat, blieb als einziger unter einer Stunde. Platz zwei und drei ging an Kenia. Josphat Kimutai Tanui konnte sich knapp Silber sichern in 60:38min vor Geoffrey Yegon, der drei Sekunden länger brauchte.

Zu Beginn bildete sich eine mehr als 15 Köpfe zählende Spitzengruppe, die die 5-km-Marke nach 14:22min passierte. Bei km 10 und einer Durchgangszeit von 28:31min war diese schon auf zehn Läufer geschrumpft. Zwischen km 10 und 15 suchte Tola dann die vorzeitige Entscheidung, als er durch einen mächtigen Antritt mehr als eine halbe Minute zwischen sich und der sich weiter verkleinernden Spitzengruppe gelegt legte. Er kam bei km 15 nach 42:26min durch und erreichte den zwanzigsten Kilometer nach 56:36min. Am Ende hatte er 61 Sekunden Vorsprung vor dem zweiten.

Der italienische Spitzenläufer Daniele Meucci konnte nach längerer Zwangspause auf Platz 12 als schnellster Europäer überzeugen Zwei Medaillen bei Olympischen Spielen gewann US-Spitzenläufer Galen Rupp bereits. In Prag machten ihm zwar Fußprobleme zu schaffen, er lief aber durch und wurde in knapp 62 Minuten 11. Sein erster Marathonstart in Boston scheint fraglich Jordan Hasay aus den USA nutzte den HM in Prag zur Vorbereitung auf ihren ersten Marathon in Boston in zwei Wochen. Sie lief in 1:07:55h eine neue PB und wurde glückliche 6.

Mit Spannung hatte man den Auftritt des zweifachen Olympiamedaillengewinners Galen Rupp aus den USA erwartet, der allerdings fast anderthalb Minuten hinter seiner Bestzeit (60:30min) zurückblieb und in 61:59min nur 11., aber schnellster Nichtafrikaner, wurde. Ihm hatte schon nach wenigen Kilometern eine Verletzung am Fuß Probleme gemacht, dennoch lief er unter Schmerzen durch und sorgte für ein achtbares Ergebnis. Ob er aber wie geplant am Boston Marathon teilnehmen kann, muss nach Prag als fraglich gelten. Ein starkes Rennen machte nach einer längeren Verletzungspause der Italiener Daniele Meucci, Europameister von Zürich 2014. Nach seinem vorzeitigen Ausstieg beim Marathon in Rio überzeugte der 32-Jährige und landete hinter Rupp in 62:17min auf Rang 12. Damit war er bester Europäer. In diesem Rennen gab es zur Freude der Einheimischen durch Jiri Homolac zudem einen neuen tschechischen Landesrekord, den er von 63:34min auf 63:23min verbesserte. Der immer lockere Homolac zeigte sich nach dem Rennen aber nicht ganz zufrieden. Er hatte eine Zeit von unter 63 Minuten angepeilt, nachdem sein Höhentraining in Kenia so erfolgsversprechend verlaufen war.

Eine schöne Medaille für alle, auch für knapp 300 deutsche Teilnehmer Schrieb Laufgeschichte, die vierfache Weltrekordhalterin und Siegerin Joyciline Jepkosgei aus Kenia, die als erste Frau unter 65 Minuten blieb Ähiopisch-kenianische Freundschaft: die Prag-Sieger Joyciline Jepkosgei und Tamirat Tola
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Fazit

Der Halbmarathon von Prag ist das erste Rennen der 7-teiligen Serie. Für das große Team um Carlo Capalbo gibt es keine Verschnaufpause. Schon im Mai geht es weiter mit dem Prag Marathon, bevor bei den regionalen Halbmarathonläufen in Karlsbad, Budweis, Olmütz und Usti die Angelegenheit ein wenig kleiner und familiärer wird, aber wohl kaum langsamer. Denn auch in die tschechische Provinz zieht es viele Eliteläufer. Dort gibt es dann - im Gegensatz zu Prag - ein sportliches Rahmenprogramm mit Staffelläufen oder den Familienläufen am Vortag. Während das weltberühmte Karlsbad, die Bierhochburg Budweis und das nordböhmische Usti, das an der Elbe und nur 60 km von Dresden entfernt liegt, von Deutschland aus sehr gut zu erreichen sind, ist das prachtvolle Olmütz (Olomouc) die Perle Osttschechiens. In der zweiten Septemberwoche findet zudem der Grand Prix über 10 km in Prag statt. Bei allen Rennen kann man als Serienteilnehmer Punkte sammeln und auf gute Gesamtrankings bzw. Altersklassenplätze hoffen. Eine Homepage in mehreren Sprachen, darunter auch Chinesisch, erklärt die Details.

Bei allen RunCzech-Läufen ist das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut. Inkludiert in ein moderates Startgeld ist - je nach Veranstaltung - die Pastaparty, eine große Medaille, eine Läuferjacke für den Sommer oder vergleichbare Dinge.

Warum also nicht erstmals oder wiedermal beim tschechischen Nachbarn laufen.

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt - Fotos von Thomas Linnemann

Informationen und Ergebnisse www.runczech.com/de

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Thomas Linnemann

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