15.04.17 - 71. Paderborner Osterlauf

Ungebremster Zulauf beim ältesten deutschen Straßenlauf

Als Höhepunkt zwei Streckenrekorde über 10 km durch Kenianer

Auch deutsche 10-km-Läufer überzeugen mit zahlreichen Bestzeiten

von Michael Schardt

Der traditionsreiche Paderborner Osterlauf erlebte am ‚Karsamstag' beim Start in sein achtes Jahrzehnt (!!) eine glänzende Auflage. Bereits zum einundsiebzigsten Mal war die Domstadt an der Pader am Osterwochenende das Mekka der deutschen Laufszene.

Trotz des prognostiziert ungemütlichen Wetters hatten sich exakt 11.659 Läufer und Läuferinnen angemeldet, nur fünfzig weniger als im Rekordjahr 2016, als der Jubiläumsbonus der siebzigsten Auflage die Teilnehmerzahlen hatten anschwellen lassen und die äußeren Bedingungen besonders günstig waren.

 

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Auch sportlich gab es Spitzenwerte, denn beide in die Jahre gekommenen Streckenrekorde über zehn Kilometer überlebten nicht.

Mit 11659 Anmeldungen wurde (bis auf 50 Starter) fast das Teilnehmerergebnis der Jubiläumsausgabe vom Vorjahr erreicht Kein Wunder, dass man die Läufer in Wellen auf die Strecke schicken muss und sich die Straßen der Domstadt mit riesigen Läuferfeldern füllen
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Es waren die kurzfristig an den Start gebrachten jungen Kenianer Gladys Kimaina und Benard Kimeli, die die alten Bestzeiten steigerten und die Herzen der Organisatoren sicher höher schlagen ließen. Die 23-jährige Kimaina war in 31:15min vier Sekunden schneller als Lenah Jemutai Cheruiyot 2002 (31:19min), während der 1995 geborene Kimeli den 1993 aufgestellten Rekord von Carsten Eich (27:47min) regelrecht um fast eine halbe Minute pulverisierte und auf 27:18min steigerte. Auch der Zuschauerzuspruch war trotz des wechselhaft-regnerischen Wetters erneut sehr groß, wenn auch nicht so überwältigend wie sonst bei Sonnenschein.

Großveranstaltung mit familiärem Charme

Der Paderborner Osterlauf hat in den Jahrzehnten seines Bestehens eine mächtige Entwicklung genommen von einem kleinen, ausschließlich ehrenamtlich durchgeführten Volkslauf zu einer von einem Management organisierten, internationalen Großveranstaltung. Dennoch ist den Machern auch in den Jahren des größten Wachstums der Spagat gelungen, Spitzensport und Breitensport in einer gegenseitig sich befruchtenden Symbiose zu vereinen. Elitesportler ziehen Breitensportler und Zuschauer massenhaft an - Spitzenläufer werden durch den Beifall des Publikums zu Höchstleistungen angetrieben. Dabei freuen sich die Hobbyläufer nicht allein auf der Strecke, mit den Großen in einem Rennen laufen zu können, sondern gleichfalls ergibt sich ein freundliches Miteinander schon auf der vorabendlichen Pastaparty, wo im Paderborner Schützenhof einige der Favoriten vorgestellt und wichtige Informationen zum Rennen dargelegt werden.

Gute Laune herrscht kurz vor dem ersten Start bei der Prerace-Pressekonferenz. Rechts neben Stargast Claudia Pechstein, ihres Zeichens fünffache Olympiasiegerin und Starterin im Skaterrennen, freut sich Organisationschef Christian Stork über den großen Zuspruch zum 71. Paderborner Osterlauf Rekordmeldeergebnis bei den Inlineskatern, die erstmals in Paderborn ihre nationalen Meisterschaften im HM austragen. Eisschnelllaufstar Claudia Pechstein wird 4. und Siegerin der W40

Von den deutschen Läufern wurden unter anderem Katharina Heinig und Julian Flügel interviewt. Heinig, die schon zu Kinderzeiten am Bambinirennen teilgenommen und auch den Schülerinnenlauf gewonnen hatte, kommt schon viele Jahre gerne nach Paderborn. Hier hatte sie im vergangenen Jahr ihre persönliche Bestzeit über 10 km auf 33:04min geschraubt und sah ihr Rennen nun als Durchgangsstation zu einem Halbmarathon, wo sie die Zusatzqualifikation für eine Teilnahme bei den Weltmeisterschaften im Marathon erbringen möchte. Schon ihre Mutter Katrin Dörre-Heinig, die sie in Paderborn betreute, hatte in den neunziger Jahren beim Osterlauf gesiegt. Flügel zeigte sich in seinen Ausführungen zuversichtlich, was das bevorstehende Rennen anbelangte. Der Marathonolympiateilnehmer von Rio genoss sichtlich die ihm entgegengebrachten Sympathien.

Das Programm der Pastaparty, zu dem traditionell Tanz- und Musikaufführungen und andere bunte Auftritte gehören, konnte indes nicht in gewohnter Art durchgeführt werden. Es hatte zuletzt Beschwerden gegeben, dass ein solch fröhliches Ansinnen an einem Karfreitag nicht angemessen und auch verboten sei. In einer sehr katholischen Stadt wie Paderborn verwundern religiös motivierte Überlegungen wie diese durchaus nicht und sind ernst zu nehmen.

 
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So führten die Eingaben zu entsprechenden Auflagen für die Veranstalter. Der Stimmung bei der Pastaparty tat dies aber keinen Abbruch.

Wolf-Dieter Poschmann moderiert auch nach seiner Pensionierung beim ZDF weiterhin den Paderborner Osterlauf Der erste Start des Tages gehört den Bambini. Zusammen ... ... mit den Teilnehmern im Schülerrennen bringen es die beiden "Jungläufe" auf über 1800 Starter. Eine Zeitwertung gibt es für sie nicht

Vielfältiges Rahmenprogramm

Die Hauptrennen haben die klassischen Distanzen 5km, 10km und Halbmarathon. Um diesen Kern wird ein facettenreiches Rahmenprogramm gestaltet, das der Gesamtveranstaltung wichtige Akzente verleiht. So gehörte lange schon ein HM-Inliner-Rennen dazu mit Läufen für lizensierte Männer und Frauen sowie Breitensportler. Dann auch die Beteiligung von Special-Olympics bei den Hauptdistanzen mit eigener Wertung sowie ein 5-km-Wettbewerb für Walker und Nordic-Walker. Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich zwei Läufe für Kindergarten- und Grundschulkinder über 1,2 und 1,5km. Allein diese beiden Läufe der Jüngsten, die keine Zeitmessung erhalten und daher nicht in den Finisherlisten auftauchen, brachten es (nach unterschiedlichen Angabe) auf gut 1600 bis 1850 Anmeldungen.

Eine Besonderheit brachte diesmal das Skaterrennen, denn erstmals wurde in Paderborn die deutsche Meisterschaft im Halbmarathon ausgetragen. Mit dabei war auch Eisschnelllaufikone Claudia Pechstein, die als fünffache Olympiasiegerin und vielfache Weltmeisterin als Stargast der Veranstaltung vorgestellt wurde. Dass sie auch beim Skaten eine gute Rolle unter den Spezialistinnen spielen kann, zeigte ihr vierter Gesamtplatz und Sieg in W40. Noch bis zur Halbzeit hielt sie sich in einer zehnköpfigen Spitzengruppe auf, erst danach verlor sie etwas an Boden. Es siegte Katharina Rumpus (43:04min) vor Josie Hofmann (43:05min), Claudia Maria Henneken (43:09min) und eben Claudia Pechstein (43:42min). Bei den Männern gewann Fabian Dieterle (37:45min) vor Philipp Forstner (37:47min) und Markus Pape (38:03min).

Start des 5-km-Laufs. Mit 2324 Finishern gibt es leichte Zuwächse

5km: Kathy Kessler siegt erneut -
Jonas Simon löst Hendrik Pohle ab

Es gibt leider keine Statistik der 5-km-Straßenläufe, aber es kann gut sein, dass der Paderborner Lauf der größte vermessene Fünfer der Republik ist. Immerhin finishten 2324 Läuferinnen und Läufer dieses Rennen, etwa gleich viele Männer und Frauen. Dass der 5-km-Lauf in Deutschland ein Stiefmütterchen-Dasein fristet und in Berichten oft gar nicht erwähnt wird, hängt sicher auch damit zusammen, dass es keine offizielle Wettkampfstrecke für Erwachsene ist. Nur für Schüler werden seitens des Verbandes Bestenlisten geführt. Sieht man sich das Rennen von Paderborn an, dann wäre eine Aufwertung dieser Distanz durchaus angebracht, etwa so wie in den USA.

Der Start des ersten Erwachsenenrennens des Tages verzögerte sich zur Erheiterung von Teilnehmern und Zuschauern gleich zwei Mal. Während Moderator Wolf-Dieter Poschmann noch den Einlauf der Bambini und deren mitlaufenden Eltern launig kommentierte, zählte er pünktlich den Countdown für die Fünfer herunter. Aber bei "null" war kein Schuss zu hören, dennoch liefen einige Läufer los. Die wurden wieder zurückgerufen, und das Procedere begann von neuen.

 

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Der Knall aus der Pistole war wieder nicht zu hören, aber diesmal spurtete niemand voreilig davon. Zum dritten Versuch schließlich war die Pistole beigebracht, und ein ganz entspanntes Läuferfeld machte sich auf die Strecke.

Über 5 km kann Vorjahressiegerin Kathy Kessler ihren Erfolg wiederholen Kim Lassen (rechts) wird 2., knapp vor Malin Bokel Bei den Männern kann Jonas Simon den ersten Platz erringen vor ... ... Vorjahressieger Hendrik Pohle

Bei den Männern bildete sich kurz nach dem Start ein Führungsduo, bestehend aus Hendrik Pohle vom SV Brackwede Bielefeld, dem Vorjahressieger, und Jonas Simon vom LC Paderborn. Nach etwa drei Kilometern forcierte der 20-jährige Paderborner das Tempo merklich und konnte eine kleine Lücke herauslaufen. Er erreichte nach 15:33min als erster das Ziel und ließ sich feiern. Pohle war genau eine halbe Minute langsamer als beim Sieg 2016 und wurde in 15:48min zweiter. Einen feinen dritten Platz erreichte Aron Weldergergis vom Hamburg Runningteam in 16:11min. Blieben diesmal nur zwei Männer unter sechzehn Minuten, waren es im Vorjahr noch sieben gewesen.

Bei den Frauen gab es eine erfolgreiche Titelverteidigerin durch die 30-jährige Kathy Kessler vom Marathon-Club Menden. Sie benötigte 18:36min und damit zwanzig Sekunden mehr als im Vorjahr. Um den zweiten Platz gab es eine beherzt durchgeführte Sprintentscheidung zwischen Kim Lassen vom Hamburg Runningteam und der 15-jährigen Malin Bokel vom LC Paderborn. Lassen hatte zum Schluss noch ein paar Körner mehr und wurde zweite in 18:40min vor Bokel, die zwei Sekunden mehr brauchte. Neun Läuferinnen blieben unter zwanzig Minuten. Die vielen schnellen U18-, U16- und U14-Läufer und -läuferinnen von Paderborn stehen damit zunächst in den Bestenlisten der Altersklassen an der Spitze.

Der Zehner hat sich in den letzten Jahren zum Hauptlauf gemausert. Mit knapp 4000 Finishern wird eine neue Rekordmarke aufgestellt. Ganz links in Blau Katharina Heinig. Sie wird wie im Vorahr, beste deutsche Läuferin werden

10km: Überraschung für Manager und Orgateam

Der Lauf über zehn Kilometer hat in den letzten Jahren dem Halbmarathon schleichend den Rang als Hauptlauf abgenommen. Das gilt schon länger bezüglich der Teilnehmerzahlen, aber mindestens seit dieser Edition auch für die sportlichen Leistungen. Eine natürliche Entwicklung ist dies sicherlich, wenn man die Finisherzahlen betrachtet, denn die Teilnehmer neigen allgemein mehr zum Start auf Unterdistanzen als auf der längsten Strecke. Im sportlichen Bereich scheint es aber zumindest partiell so zu sein, dass die Fokussierung auf den Zehner auch gewollt ist.

Hatte man vor Jahren noch ein Dutzend und mehr afrikanische Männer beim Halbmarathon verpflichtet, sind es jetzt nur noch halb so viele.Bei den Frauen sieht es ähnlich aus. Umgekehrt tummeln sich starke Afrikaner und Afrikanerinnen auf der 10-km-Distanz, dazu auch dort viel mehr starke Deutsche als beim Halbmarathon.

 

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Entsprechend wurde vom Orgateam im Vorfeld die Verbesserung des Frauenstreckenrekords über 10 km als oberstes Ziel genannt. Vor allem käme dafür die Kenianerin Naomi Jebet in Frage, die mit der Empfehlung eines Sieges beim diesjährigen Halbmarathon in Venlo an die Pader gereist war. Bei den Männern hegte man eine solche Erwartung nicht. Athletenmanager Christoph Kopp äußerte sich dahingehend, dass man keine absoluten Spitzenläufer engagiert habe, aber mehrere aus der erweiterten Spitze, die vielleicht nahe an die 28 Minuten würden laufen könnten, mehr aber kaum. Weder erwartet noch erhofft wurde aber die Verbesserung des ewigen Streckenrekords von Carsten Eich (27:47min), der seit 1993 wie in Stein gemeißelt steht. Betrachtete man sich - darüber hinaus - die Leistungen der Athleten, die auf dem kurz vor dem Rennen verteilten Elitelisten stehen, dann war die Einschätzung Kopps realistisch. Ein Läufer und eine Läuferin aus Kenia, die über zehn Kilometer (überraschend) an den Start gehen sollten, waren auf der über 100 Namen enthaltenden Eliteliste jedoch nicht aufgeführt und womöglich auch Kopp noch kein rechter Begriff: die späteren neuen Streckenrekordhalter Gladys Kimaina und Benard Kimeli, die der Talentschmiede Ikaika der Runczech-Laufserie in Prag entstammen. Die beiden waren in Begleitung ihrer Managerin Jana Moberly äußerst kurzfristig eingeflogen worden und sorgten für deren Entzücken.

Der unbekannte Kenianer Benard Kimeli stand nicht auf der zuletzt verteilten Liste der Eliteläufer, war kurzfristig eingeflogen worden und wird zum großen Star der Veranstaltung. Er siegt mit Weltjahresbestleistung und verbessert den 25 Jahre alten Streckenrekord von Carsten Eich gleich um 29 Sekunden
Mit gut einer Minute Rückstand folgen seine Landsmänner Benard Kipkemoi auf Platz 2 ...
... und Emmanuel Kipchirch Kiprono auf Rang 3

10km: Zwei Mal junge Kenianer

Der 21-jährige Benard Kimeli war außerhalb seines Heimatlandes Kenia noch nie gestartet, hieß es. Er brachte vermutlich eine von keinerlei taktischen Erwägungen dominierte Weise zu laufen mit nach Paderborn. Nur sehr kurz hielt er sich in einer mehrköpfigen Spitzengruppe auf. Nach knapp drei Kilometern, im Ortsteil Stadtheide, sucht er ungestüm die Flucht nach vorne und brachte schnell einige Sekunden zwischen sich und seine Verfolger. Bei der zweiten Querung der Nordbrücke, der einzigen nennenswerten Steigung der ansonsten absolut flachen Strecke, hatte er bei km fünf bereits fünfzehn Sekunden Vorsprung (13:48min) vor zwei Landsleuten. Die zweite Hälfte, ohne Steigungen naturgemäß schneller, spulte er noch flotter herunter und siegte in der Jahresweltbestzeit von 27:18min. Das war 29 Sekunden schneller als seinerzeit Carsten Eich, es war fast eine Minute schneller als der zweite Benard Kipkemoi (28:13min) und genau eine Minute schneller als der dritte, Emmanuel Kipchirch Kiprono (28:18min). Zudem ist es die zweitschnellste Zeit aus den letzten fünf Jahren weltweit und, wie Christoph Kopp bilanzierte, der zweitschnellste je auf deutschem Boden gelaufene Wert. Die ersten sechs Läufer des Osterlaufs stammen aus Kenia, fünf von ihnen blieben unter 29 Minuten.

Eine von vier neuen persönlichen Bestzeiten deutscher Läufer geht auf das Konto von Philipp Reinhardt als bester Deutscher Die anderen stellten Jens Nerkamp ... ... der frisch gekürte Halbmarathon-Meister Philipp Baar ... ... und der 1997 geborene Lukas Eisele auf

Einen ähnlichen Verlauf wie das Rennen der Männer nahm das bei den Frauen, nur dass die Siegerin ihrer Konkurrenz nicht ganz so überlegen war wie Kimeli der seinen. Auch die 23-jährige Gladys Kimaina aus Kenia war nur kurze Zeit mit ihren Mitstreitern in einer Gruppe gelaufen. Nach etwa drei Kilometern löste sie sich von ihrer Konkurrenz, genau wie Kimeli, so als ob beide die gleiche Order mitbekommen hätten. Nach fünf Kilometern hatte die Führende knapp zwanzig Sekunden Vorsprung vor der Äthiopierin Sofiya Shemsu Chegen und der eigentlichen Favoritin Naomi Jebet aus Kenia. Kimaina allerdings schwächelte auf der zweiten Hälfte etwas, während die Äthiopierin aufdrehte und ihr noch bedrohlich nahe kam. Einzuholen vermochte sie sie aber nicht mehr. So siegte Kimaina mit neuem Streckenrekord von 31:15, vier Sekunden besser als der alte. Chegen wurde in 31:23min Vizemeisterin vor Jebet in 31:49min. Die weiteren sechs Plätze gingen ebenfalls an Läuferinnen aus Ostafrika.

Ebenfalls mit neuem Streckenrekord über 10 km siegt die Kenianerin Gladys Kimaina. Sie gehört wie der Männersieger zum Talentstall der Runczech Laufserie in Prag Zweite wird die Äthiopierin Sofiya Shemsu Chegen Ihr hatte man die Verbesserung des Streckenrekords im Vorfeld zuallererst zugetraut: Naom Jebet aus Kenia wird 3. 500 Meter vor dem Ziel laufen Jana Sussmann (F15) und Tabea Themann (F16) Seite an Seite. Sie werden hinter Katharina Heinig zweit- und drittbeste deutsche Läuferin

Hervorragende Leistungen der Deutschen

Sehr erfreuliche Dinge kann man von den deutschen Männern und Frauen vermelden, die zahlreiche persönliche Bestleistungen aufstellten. Allen voran der 23-jährige Philipp Reinhardt, der sich hinter acht Afrikanern als 9. und schnellster Europäer platzieren konnte. Er blieb in 29:27min erstmals unter dreißig Minuten und verbesserte sich um satte 46 Sekunden. Anfangs hatte er sich im Windschatten von fünf anderen deutschen Läufern aufgehalten und war in der zweiten Hälfte diesen davongelaufen. Knapp um vier Sekunden konnte sich Jens Nerkamp aus Kassel steigern (29:39min). Der Europameisterschaftsteilnehmer hatte mutig lange Zeit die Führungsarbeit der "deutschen Gruppe" geleistet, bedauerte aber, dass sich dazu - wiedermal - kein anderer bereitfand. Im Team hätte man vielleicht sogar noch schneller rennen können, analysierte er.

Auf die Frage, ob der starke Wind, die Kühle und Nässe nicht hinderlich gewesen seien, antwortete der Schützling von Winfried Aufenanger dahingehend, dass sich die Läufer hierzulande viel zu viele Gedanken machen würden um Nebensächlichkeiten. Das interessiere keinen Kenianer, womit wir Deutschen uns gerne beschäftigen. "Die rennen einfach los und machen ihr Ding." Einen gewissen Respekt habe er aber vor der Brücke gehabt, nachdem er hier schon vielfach gestartet war.

 

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"Beim ersten Mal merkst du die Steigung nicht, aber beim zweiten Mal können die Beine ganz schön müde werden." Daher habe er sich bemüht, in der zweiten Hälfte richtig Tempo zu machen, um nicht langsamer zu werden wie früher.

"Nur" 1580 Finisher beim Halbmarathon. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr (2025 Finisher) Halbmarathonläufer bei km 16 auf der Nordbrücke, die insgesamt vier mal überlaufen werden muss und die einzige Steigung darstellt

Zu den Gewinnern auf deutscher Seite gehörten mit neuen Bestzeiten unter anderem auch Lukas Eisele (29:52min), Philipp Baar und der U18-Läufer Elias Schreml. Baar, der deutsche Halbmarathonmeister von Hannover, hatte bisher eine 30:30min stehen, konnte sich trotz müder Beine auf 29:55min steigern. Und Schreml (31:05min; netto 31:02min) verpasste den deutschen U18-Rekord von Johannes Motschmann (31:01min) nur um eine Sekunde. Der Auftritt von Olympiateilnehmer Julian Flügel hinterlässt Fragezeichen. Noch bei der Athletenvorstellung am Vorabend äußerte er sich, optimal auf den Osterlauf vorbereitet zu sein. Das Rennen lief für ihn jedoch gar nicht. Er blieb mit einer 32er Zeit fast drei Minuten hinter seiner Bestzeit zurück.

Bei den Frauen war erwartungsgemäß Katharina Heinig die schnellste deutsche (und europäische) Läuferin. An ihre persönliche Bestzeit von 33:04min, aufgestellt in Paderborn 2016, kam sie zwar in 33:42min nicht heran und auch nicht an ihre Vorjahresplatzierung (Rang 4), aber für die Top ten reichte es so gerade noch. Zu zwei neuen Bestzeiten langte es hingegen für Jana Sussmann (33:51min gegenüber 34:20min) und Tabea Themann. Die Neuhamburgerin konnte sich sogar von 34:44min auf 33:54min steigern.

 
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Rückgang beim Halbmarathon

1580 Läuferinnen und Läufer finishten 2017 den Halbmarathon. Im Jahr zuvor waren es noch 2025 Teilnehmer gewesen. Damit ist die Langdistanz der einzige Wettbewerb, der einen Rückgang zu verzeichnen hatte, und zwar um mehr als zwanzig Prozent. Beim Halbmarathon handelt es sich um die gleiche Strecke wie beim Zehner, nur ist sie zweimal zu durchlaufen. Auch beim Halbmarathon gab es - wie beim Zehner - zwei kenianische Sieger. Seit vielen Jahren ist es das erste Mal, dass alle Siege der beiden Hauptrennen an einen Kontinent, an ein Land gehen.

Schon kurz nach dem Start des Halbmarathons liegen die späteren Erstplatzierten vorne. Von links: Simion Kiprop Sang (4.), Paul Muchemi Maina (2.), Patrick Kimeli (1.) sowie Dickson Kurui (3.), alle Kenia
Patrick Kimeli (vorne) und Paul Muchemi Maina haben sich im Verlauf des Rennens deutlich abgesetzt Schnellster Deutscher im Halbmarathonrennen wird Jonas Lehmann mit Platz 5

Bei den Männern gab es in der langen Tradition des Osterlaufs noch nie einen Läufer, der die Marke von einer Stunde unterboten hätte. Das war auch 2017 nicht zu erwarten. Für absolute Topleistungen war das Läuferfeld nicht stark, nicht homogen genug. Vier Kenianer setzten sich kurz nach dem Start an die Spitze. Die erste Zwischenmarke bei km 5,5 wurde nach 16:20min passiert. Zu dem Zeitpunkt war der vierte Afrikaner bereits leicht zurückgefallen. Bei der zweiten Zwischenzeit nach gut 16 Kilometern hatte sich das Trio auf ein Duo reduziert, bestehend aus Patrick Kimeli und Paul Muchemi Maina. Mit über einer beziehungsweise über zwei Minuten Rückstand folgten Dickson Kurui und Simion Kiprop Sang.

Die Entscheidung um Platz eins und zwei fiel zwischen km 18 und 19, als Kimeli sich leicht absetzen konnte und in 62:28min siegte. Maina brauchte zwölf Sekunden länger (62:40min). Auf den Folgeplätzen landeten Kurui in 64:37min und Sang in 66:14min. Hinter den vier Kenianern machte Jonas Lehmann ein gutes Rennen. Er wurde in 67:54min hervorragender fünfter. In 70:01min folgte Sebastian Kohlwes, der sich lange in der Führungsspitze der Frauen aufgehalten hatte, als sechster. Der Streckenrekord wurde 2013 von Ghirmay Ghebreslassie mit 60:07min aufgestellt.

Bei Kilometer 4 hat sich de Frauenspitze formiert. Von links: Eunice Mumbua Kioko (2.), Siegerin Tabitha Wambui Gichia und Mary Njoki Wanjiku (3.). Dazwischen Sebastian Kohlwes, der 6. und zweitbester Deutscher wird
Gleichfalls auf Platz 5 und beste Deutsche bei ihrem HM-Debüt wird die bei Andre Pollmächer trainierende Düsseldorferin Svenja Ojstersek Eine Marathonia gibt es in Paderborn auch: Claudia Maria Henneken. Zuerst läuft sie den Inliner-HM und wird DM-3. Wenig später schnürt sie die Laufschuhe und platziert sich auch dort unter den Top ten

Die Frauen

Ganz ähnlich wie bei den Männern sieht das Tableau bei den Frauen aus. Hinter den vier schnellsten Kenianerinnen folgen die besten deutschen Läuferinnen. Dreiköpfig war die kenianische Spitze noch bei der ersten Zwischenzeit, die in knapp achtzehn Minuten passiert wurde. Die vierte Kenianerin, Ivy Kibet, schien zu diesem Zeitpunkt schon hoffnungslos abgeschlagen. Nach 16 Kilometern hatte sich das Blatt etwas gewandelt. Vorne das Duo Tabitha Wambui Gichia und Eunice Mumbua Kioko weit enteilt, dahinter Kibet bereits auf Tuchfühlung zu Mary Njoki Wanjiku. In der Endphase gelang Gichia der entscheidende Vorstoß, so dass sie in 70:08min siegt vor Kioko (70:31min). Kibet (72:50min) ihrerseits gelang es knapp nicht, Wanjiku (72:44min) noch vom dritten Platz zu verdrängen. Sie trennten am Schluss lediglich sechs Sekunden. Den Streckenrekord hält seit 2008 Irina Mikitenko mit 68:51min. 396 Läuferinnen kamen beim Halbmarathon ins Ziel, recht genau ein Viertel aller Teilnehmer.

Auf einen guten fünften Platz lief die Halbmarathondebütantin Svenja Ojstersek, die für den Allgemeinen Ratinger Turnverein (ART) Düsseldorf startet und vom ehemaligen Marathonchampion Andre Pollmächer trainiert wird. Sie war ihr Rennen mutig angegangen und hielt das Tempo hoch. Der 22-jährige Lauffloh aus dem Rheinland erlief einen hervorragenden fünften Platz in 78:37min. Auf dem sechsten Platz landete Manuela Sporleder aus Niedersachsen in 87:45min. Gleich einen doppelten Halbmarathon absolvierte Claudia Maria Henneken. Zunächst wurde sie dritte beim Inlinerwettbewerb. Kaum eine Stunde später ging sie auch bei den Läufern an den Start, um neunte in 89:21min zu werden. Bei ihrem letzten Marathon in Köln im letzten Oktober war sie dritte geworden.

Nicht nur Osterhasen, auch ein farbiges Pferd begleitete die fast 12.000 große Läuferschar beim 71. Paderborner Osterlauf
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Fazit

Zählt man alle in den Ergebnislisten rubrizierten Finisher zusammen, so brachte es der Osterlauf auf 8391 Teilnehmer aus 55 Ländern, darunter 555 aus den Rahmenwettbewerben für Erwachsene. Mit gut 1600 Kindern aus den beiden Jungwettbewerben dürfte die Marke 10.000 in etwa erreicht worden sein. Ein absolut zufriedenstellendes Ergebnis für die Veranstalter nach dem vorjährigen Jubiläum mit Rekordwert.

Organisatorisch lief wieder alles wie am Schnürchen. Längst ist Paderborn ohne den Osterlauf nicht mehr zu denken.

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt - Fotos von Thomas Linnemann

Thomas Linnemann
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Informationen und Ergebnisse www.paderborner-osterlauf.de

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