30.4.17 - 36. SAS Halbmarathon der TSG 78 Heidelberg

Neuer Streckenrekord durch Jochen Uhrig

Das Frauenrennen wird erst auf der Zielgeraden entschieden

von Reinhold Daab

Auf der ganzen Linie ein erfolgreicher Tag in Heidelberg. Diese Aussage trifft sowohl für die Teilnehmer am SAS Halbmarathon wie auch für den Veranstalter TSG 78 Heidelberg zu. Gekrönt wurde die 36. Auflage mit einem neuen, fantastischen Streckenrekord bei den Männern und einem extrem spannenden Duell um den Sieg bei den Frauen, das erst auf die Zielgeraden entschieden wurde.

Wie schon seit vielen Jahren waren die begehrten 3.500 Startplätze innerhalb kürzester Zeit vergeben und das Gros der diesjährigen Teilnehmer wird sich, nachdem die Strapazen vom Sonntag vergessen und die Schmerzen in den Beinen halbwegs abgeklungen sind, sofort nach Öffnung der Anmeldung für den nächsten SAS Halbmarathon in 2018 wieder anmelden. Wer zu lange überlegt, hat den ersten Kampf, den um einen Startplatz, schon lange vor dem eigentlichen Event verloren.

Läuferinnen und Läufer des Heidelberger Halbmarathon erobern die "Alte Brücke" Von der "Alten Brücke" aus genießt man einen wunderbaren Blick auf die Heidelberger Sehenswürdigkeit, das berühmte Schloss, an dem die Läufer auf ihrem Rückweg auch vorbeikommen
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Dabei handelte es sich bei der Laufstrecke, die in dieser Form seit 2002 besteht, wahrlich um kein Zuckerschlecken. Nach dem Start in der Friedrich-Ebert-Anlage verlief die Strecke zunächst durch die Altstadt, bei km 2,5 über die "Alte Brücke" nach Neuenheim. Ab km 7 wurde es dann zum ersten Mal richtig anstrengend und spätestens hier trennte sich dann auch die Spreu vom Weizen. Der etwa vier Kilometer lange Anstieg auf dem berüchtigten Philosophenweg mit dem höchsten Punkt auf 297 m war zu bewältigen. Danach konnte man es weitere vier Kilometer über Ziegelhausen und Schlierbach rollen lassen, bevor bei km 16 noch eine Herausforderung wartete, der Anstieg auf 223 m auf dem Schloßwolfsbrunnenweg. Wer danach noch Muse hatte, konnte im Vorbeilaufen einen Blick auf das berühmte Heidelberger Schloss werfen, bevor es Richtung Ziel auf dem Uni-Platz ging. Insgesamt kamen so etwa 400 Höhenmeter zusammen.

Bei km 2,5 geht es über die "Alte Brücke" Auf dem Philosophenweg werden die Läufer von vielen Zuschauern lautstark unterstützt

Um das Feld etwas zu entzerren, erfolgte der Start in vier Blöcken mit jeweils 5 Minuten Abstand. Für die ersten Fotos hatte ich mich auf der Alten Brücke postiert, der beste Platz für eine Einschätzung über den möglichen Rennverlauf und den Blick auf die Favoriten.

Als erste passierte eine Gruppe mit 6 Läufern die Alte Brücke, zu denen der Vorjahressieger Kibrom Issac, Vorjahreszweiter Kim Abel, sowie Holger Freudenberger, Jochen Uhrig, Semere Gaim und Francesco Peyronel gehörten. Bei den Frauen lag die Vorjahreszweite Julia Bongiovanni in Führung, mit wenigen Sekunden Abstand folgten Lena Berg und Vorjahressiegerin Anna Herzberg. Wenn unterwegs nichts gravierendes passierte, war bereits zu diesem frühen Zeitpunkt klar, dass sich darunter vermutlich die heutigen Sieger befinden würden. Alles andere wäre eine große Überraschung.

Auf der Alten Brücke kündigt eine Armada von Radbegleitern die erste Läufergruppe an Eine Gruppe von sechs Läufern liegt auf der Alten Brücke in Führung, darunter Vorjahressieger Kibrom Issac (St.Nr. 1) und die weiteren Favoriten Kim Abel (St.Nr. 2), Holger Freudenberger (St.Nr. 131) und Jochen Uhrig (zweiter von rechts)

Nachdem der erste und schnellste Läuferblock die Alte Brücke passiert hatte, machte ich mich auf den Weg zum Philosophenweg. Der sog. "Schlangenweg" war mit etwa 500 m natürlich viel kürzer als der Teil, den die Teilnehmer bis dorthin zurücklegen mussten, dafür war er um ein vielfaches steiler und anstrengender und ich kam ordentlich ins Schwitzen. Dafür wurde ich gleich mehrfach mit einem tollen Blick auf die immer noch mit Läuferinnen und Läufern bevölkerte Alte Brücke und das schräg dahinter liegende Schloss entschädigt.

Bei den Frauen hat Julia Bongiovanni die Führung übernommen, ihr folgt ... .... mit wenigen Sekunden Rückstand Lena Berg Die Dame mit der Flagge zeigt einen Pfosten an, aber auch, dass es nach der Alten Brücke links weg nach Neuenheim geht und von dort zum ersten Anstieg auf den Philosophenweg

Oben angekommen konnte ich kurz verschnaufen, bevor auch schon der Führungsradfahrer die ersten Läufer ankündigte. So viel war mir und auch den vielen Zuschauern, die den Philosophenweg säumten und die Teilnehmer lautstark anfeuerten, klar: Es war eine Vorentscheidung gefallen. Jochen Uhrig hatte seine Verfolger am ersten, harten Anstieg abgeschüttelt und einen Vorsprung von über 10 Sekunden auf Holger Freudenberger und weitere 4 Sekunden auf Kim Abel herausgelaufen. Erst nach weiteren 20 Sekunden Rückstand kamen der Vorjahressieger Kibrom Issac in Begleitung von Francesco Peyronel vorbei. Vier Minuten nach dem schnellsten Mann rückte auch schon die erste Frau ins Blickfeld. In einem Pulk von Männern laufend hatte Anna Herzberg die Führung übernommen, mit 20 Sekunden Rückstand folgte Julia Bongiovanni und weitere 10 Sekunden dahinter Lena Berg.

Vorentscheidung auf dem Philosophenweg: Jochen Uhrig setzt sich von seinen Verfolgern ab Holger Freudenberger und ... ... Kim Abel können ihm nicht folgen Auch Vorjahressieger Kibrom Issac und Francesco Peyronel können das Tempo des Führenden nicht mitgehen

Immer mehr Teilnehmer erklommen teils mit fröhlichen Gesichtern, was auch an der auf sie gerichteten Kamera gelegen haben mag, meist aber sehr angestrengt den Philosophenweg. Höchste Zeit für mich, den Rückweg zum Ziel anzutreten. Bergab auf dem Schlangenweg fiel mir das wesentlich leichter. Über die inzwischen wieder fest in Touristenhand befindliche Alte Brücke erreichte ich die Hauptstraße in der Altstadt, die kerzengerade zum Ziel auf dem Uni-Platz führte. Die Innenstadt war prall gefüllt mit vielen Zuschauern und natürlich auch Touristen, die sich aber nur am Rande für das Laufgeschehen interessierten und das sie durch die weiträumige Absperrung ein wenig bei ihren geplanten Besichtigungen störte.

Die führende Frau Anna Herzberg im Männernfeld Julia Bongiovanni und ... ... Lena Berg folgen in Sichtweite mit wenigen Sekunden Abstand und machen das Rennen bis zum Schluss spannend

Der Bambini-Lauf über 1.200 m war bereits abgeschlossen, aber der Henkel-Team-Lauf über 3,1 km noch im vollen Gange. Die Sieger dieses Wettbewerbs hatte ich zwar verpasst, weil Frederic Giloy (10:01 min., engelhorn sports team) und Kathrin Halter nach 11:31 min. als Schnellste bereits im Ziel waren. Aber mit großer Freude konnte ich den weiteren Zieleinlauf von insgesamt 781 Teilnehmern (374 Frauen und 407 Männer), darunter erfreulicherweise auch sehr viele Kinder, verfolgen.

Inzwischen war gut eine Stunde seit dem Start vergangen, die letzten Teilnehmer am Henkel-Team-Lauf kamen gerade ins Ziel und die Spannung erreichte ihren Höhepunkt. Mächtig angeheizt ("Liebe Zuschauer, die Stimmung entspricht noch nicht ganz dem Heidelberger Niveau"), von den beiden Streckensprechern Engelbert Franz sowie Race Director Andreas Wahlster erwarteten die Zuschauer den Halbmarathon Sieger. In der Ferne zeigte das Blaulicht des Polizeimotorrads an, das es nur noch wenige Sekunden bis zu dessen Eintreffen dauern würde. Jochen Uhrig stürmte die Hauptstraße herab und klatschte zunächst in die Hände, bevor er mit hoch in die Luft gerecktem Arm in Siegerpose die Ziellinie überquerte. Was kaum jemand für möglich gehalten hatte, in 1:12:47 Std. (1. M30) unterbot der Athlet von der TSG Weinheim sogar den erst 2015 von Jonas Lehmann aufgestellten Streckenrekord um 28 Sekunden. Eine herausragende Zeit auf dieser anspruchsvollen Strecke.

Jochen Uhrig gewinnt den SAS Halbmarathon mit neuem Streckenrekord Nach seinem "Boston Desaster" freut sich Holger Freudenberger über den zweiten Platz und eine gute Zeit Vorjahressieger Kibrom Issac ist zwar schneller wie 2016, wird aber nur Dritter Eine Erkrankung unmittelbar vor dem Rennen wirft den Vorjahreszweiten Kim Abel zurück, er wird Vierter

Mit zwei Minuten Rückstand erreichte Holger Freudenberger (1:14:51 Std., 1. M40, engelhorn sports team) als Zweiter jubelnd das Ziel. "Nach meinem Boston Desaster vor zwei Wochen (er wurde in 2:35 Std. bester Deutscher) bin ich mit geringen Erwartungen in das Rennen gegangen. Dafür bin ich mit dem zweiten Platz sehr zufrieden und auch die Zeit war gar nicht schlecht", zog er letztlich doch eine positive Bilanz. Kibrom Issac konnte sich in der zweiten Rennhälfte noch auf Rang drei vorarbeiten (1:15:13 Std., 2. M30, Laufteam Sparkasse Heidelberg) und war dabei sogar etwas schneller als bei seinem Vorjahressieg. Dagegen haderte der Vorjahreszweite Kim Abel mit einer Erkrankung, die ihn eine Woche vor dem Rennen ereilte. Auf dem Philosophenweg schwanden seine Kräfte. "Ich schleppte mich irgendwie noch ins Ziel und war echt froh, als es rum war".

Nach einem Jahr Verletzungspause wird TSG 78 Heidelberg-Läufer Christian Bullerkotte von Race Direktor Andreas Wahlster beim Zieleinlauf besonders herzlich begrüßt Großer Jubel für und bei Philipp Weng, dem schnellsten Läufer vom Veranstalter TSG 78 Heidelberg Den Beifall der Zuschauer genießt auch
M50-Sieger und Pressesprecher Marcus Imbsweiler

Der vierte Platz und der Sieg in der M20 in 1:16:35 Std. waren das Ergebnis der Plackerei. Besonders umjubelt wurde bei seinem Zieleinlauf der schnellste Läufer vom Veranstalter TSG 78 Heidelberg. Philipp Weng erreichte als Neunter (1:17:52 Std., 2. MJun) direkt vor seinem 10 Sekunden später eintreffenden Vereinskameraden Tim Ellerhof (4. M20) das Ziel. Das erfolgreiche Abschneiden des Veranstalters rundete dessen Pressesprecher Marcus Imbsweiler als Gesamt 13. und M50-Sieger in 1:18:38 Std. ab.

Hochspannung beim Frauenrennen, erst auf der Zielgeraden triumphiert Anna Herzberg und holt sich nach 2016 erneut den Sieg ... ... ganz knapp vor Lena Berg Wegen einem Sturz kann Julia Bongiovanni nicht mehr in das brisante Duell um den Sieg eingreifen und wird wie im Vorjahr Dritte 4. und schnellste Läuferin im Trikot des Veranstalters wird W20-Siegerin Sophia Möllinger in Begleitung ihres Vereinskameraden Jan Schäfer

So langsam rückte auch die Entscheidung bei den Frauen näher, denn das Führungsfahrrad kündigte die 1. Frau an. Aber ihm folgte nicht nur eine Frau, nein, alle drei Favoritinnen erreichten im Sekundenabstand die Hauptstraße. Ein überaus packendes Finale zeichnete sich ab und fand seinen Höhepunkt auf der Zielgeraden. Unterwegs hatte die Führung zwischen diesen drei Läuferinnen mehrfach gewechselt, auf dem letzten Streckenabschnitt lag Lena Berg vorne und Julia Bongiovanni war durch einen Sturz auf einer bergab Passage leicht gehandicapt. Anna Herzberg konnte schließlich die entscheidende Attacke setzen und wiederholte ihren Vorjahressieg, diesmal in 1:25:30 Std. sogar noch ein paar Sekunden schneller (1. W30, KS-Sportsworld). Mit nur 6 Sekunden Rückstand hatte Lena Berg das Nachsehen und musste sich mit dem zweiten Platz begnügen (1:25:36 Std., 2. W30, TV Schriesheim). Der Sturz hatte Julia Bongiovanni wohl entscheidend zurückgeworfen, so dass sie in dieses Duell nicht mehr eingreifen konnte und wie im Vorjahr Dritte wurde (1:26:04 Std., 3. W30, TV Schriesheim). Auf Rang vier und mit großem Rückstand auf die Podiumsplätze kam die Lokalmatadorin Sophia Möllinger von der TSG 78 Heidelberg als W20-Siegerin ins Ziel (1:32:00 Std.).

Am Henkel-Team-Lauf über 3,2 km durch die Innenstadt beteiligen sich 781 junge und ältere Teilnehmer Vorbei an der Heiliggeistkirche sind es auf der mit Zuschauern dicht bevölkerten Hauptstraße nur noch wenige Meter bis ins Ziel auf dem Uni-Platz
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Nach über drei Stunden Laufspektakel hatten die Touristen die beliebte Heidelberger Innenstadt endlich wieder für sich und konnten sich in aller Ruhe dem Besuch der Attraktionen widmen.

Der Count Down für die 37. Auflage des SAS Halbmarathon 2018 ist eingeläutet.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab

unter

go4it-foto.de
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Ergebnisse www.sashalbmarathon.tsg78-hd.de
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