8.4.17 - 15. Engelberglauf in Großheubach

Großer Andrang beim kleinen Jubiläum

Spannende und knappe Entscheidungen beim Hauptlauf und Halbmarathon

von Reinhold Daab

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

"Wir hatten über 500 Voranmeldungen, hoffentlich reichen unsere Startnummern, Du siehst ja, was hier los ist", mit diesen Worten wurde ich am Samstag in Großheubach von Mitorganisator Willi Hubert auf dem Engelberg empfangen. Der Andrang an der Startnummernausgabe war entsprechend groß und die Schlange vor der Hütte lang. Letztendlich bekam jeder seine Startnummer, auch wenn improvisiert werden musste und einige Startnummern farblich nicht mehr zum jeweiligen Wettbewerb passten. Beim kleinen Jubiläum, es war bereits die 15. Austragung des Engelberglaufs, wurden am Ende des Tages 601 Teilnehmer in den Ergebnislisten erfasst, ohne die "Zwerge" und die Teilnehmer des Handicap-Laufs. Damit konnten die Ausrichter von TSV und ELT Großheubach mehr als zufrieden sein.

Namensgeberin und Austragungsort des Engelberglaufs ist das hoch über Großheubach gelegene Kloster Engelberg, zu dem 612 Stufen führen, die "Engelsstaffeln" genannt werden. Traditionell wird die Veranstaltung mit dem Halbmarathonstart eröffnet
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Das frühlingshafte Wetter trug seinen Teil dazu bei und schon bei der Anfahrt nach Großheubach konnte ich feststellen, dass die Campingplätze am Main entlang längst aus dem Winterschlaf erwacht und schon gut besucht waren. Die Aussichten auf den vom Wetterdienst hinreichend angekündigten sehr warmen Sonntag riefen die Wohnwagenbesitzer auf den Plan, die den Grill schon mal bereitstellen.

Der Engelberglauf hat für alle Laufbegeisterten etwas zu bieten. Sieben Starts innerhalb von einer Stunde, vom Zwergenlauf für die Allerkleinsten bis hin zum Halbmarathon für die Hartgesottenen, für Jeden war etwas dabei. Entsprechend familiär ging es zu auf dem Engelberg mit dem weithin sichtbaren Kloster, das der Veranstaltung seinen Namen gibt. Zum ersten Mal erblickte ich unter den Zuschauern einen Franziskanerbruder, der sich das Spektakel vor der Haustür nicht entgehen lassen wollte und sichtlich Spaß an dem Gewusel auf dem Klosterparkplatz hatte. "Leider habe ich nicht viel Zeit, ich muss gleich zu einer Andacht", erzählte er mir.

Beim Handicap-Lauf können sich Menschen mit Behinderung dem Publikum präsentieren und sind mit großem Eifer bei der Sache Der Zwergenlauf für die jüngsten Teilnehmer ist ein Ereignis für Jung und Alt

Wie immer wurde die Veranstaltung pünktlich um 14 Uhr mit dem Start zum Halbmarathon eröffnet, der seit 2012 zum umfangreichen Programm gehört und bei den Läuferinnen und Läufern trotz seiner Höhenmeter sehr beliebt ist. Kaum waren die Halbmarathonteilnehmer im Wald verschwunden, machten sich auch schon die Teilnehmer am Handicap-Lauf startklar. Leider gibt es kaum Veranstalter, die es Menschen mit Behinderung ermöglichen, sich sportlich zu betätigen und auch noch einem Publikum zu präsentieren. Das ist beim Engelberglauf anders und somit nicht hoch genug zu bewerten. Auch diesmal waren es wieder 15 Teilnehmer, die strahlend unter großem Applaus der Zuschauer die 8 km lange Strecke in Angriff nahmen.

Start zum Hauptlauf über 10 km Auch eine Walkinggruppe gehört wieder zum umfangreichen Programm

Beim "Zwergenlauf" waren die Eltern mindestens genauso aufgeregt wie ihr Nachwuchs. Einige fühlten sich an der Hand von Mama oder Papa sicher, die meisten schafften die 400m lange Runde um den Parkplatz aber schon alleine. Es war toll anzusehen, mit welcher Begeisterung die Kleinen bei der Sache waren, mit der Unterstützung der vielen Zuschauer schafften sie locker auch den harten Anstieg ins Ziel.

Nach den Zwergen und vor den Schülern wurde um 14:30 Uhr der Hauptlauf über 10km gestartet, außerdem gingen zwischendurch auch noch 31 Nordic Walker auf die 8km lange Strecke. Piotr Grzybala war in 52:48 min. der schnellste Walker, bei den Walkerinnen war Christiane Hirsch-Dimaggio nach 1:03:59 Std. als erste im Ziel.

Oskar Deppisch (MJ8) gewinnt den Lauf der Schülerinnen und Schüler. Schnellste Schülerin ist Anna Höfner (FJ9)

Schülerlauf 900m

In diesem Jahr war das Teilnehmerfeld beim Schülerlauf doppelt so groß wie im Vorjahr, 29 Mädchen und 38 Jungs nahmen daran teil. Nach dem Startschuss preschten sie so schnell los, dass ich Mühe hatte, mich nach den Startfotos rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Genauso schnell musste ich mich auf den Weg zum Zielbereich machen, bereits nach wenigen Minuten trafen die Schnellsten dort ein. Es war Oskar Deppisch vom TV Schweinheim, der den Schülerlauf in 3:27 min. für sich entscheiden konnte. Bei den Schülerinnen holte sich Anna Höfner von WSG Kleinheubach in 3:42 min. den Sieg.

Zwei Runden müssen die Mädchen und Jungs beim Jugendlauf über 1.800m absolvieren, das geht sogar mit Gipsarm. Schnellster Jugendläufer ist Marco Schwaab (MU18). Hailey-Jean Hörner (FU12) gewinnt als eine der jüngsten Läuferinnen den weiblichen Part

Jugendlauf 1.800m

Doppelt so lange, nämlich zwei Runden, war die Strecke beim Jugendlauf der Jahrgänge 2000 bis 2007, an dem sich 26 Mädchen und 43 Jungen beteiligten. Die Entscheidung fiel erst auf den letzten Metern, dicht beisammen erreichten Marco Schwaab (WSG Kleinheubach) und Franz-Xaver Brunner den letzten, harten Anstieg. Marco (1. MU18, WSG Kleinheubach) war der älteste Teilnehmer und so war es nicht verwunderlich, dass er auch die größten Kraftreserven hatte. Mit drei Sekunden Vorsprung holte er sich nach 6:19 min. den Sieg beim Jugendlauf vor Franz-Xaver (6:22 min., 1. MU16, TV Schweinheim). Bei den Mädchen siegte Hailey-Jean Hörner vom ETSV Lauda in 7:03 min., sie war eine der jüngsten Teilnehmerinnen (1. FU12).

Hobbylauf 6,5 km

Im vergangenen Jahr hatte eine Gruppe junger Flüchtlinge aus Eritrea beim Hobbylauf für Furore gesorgt. Das unter dem Namen "GERitrea" startende Quartett belegte die Plätze 1-3 und 5 und stellt seit 2016 mit Eseeyas Hadush auch den neuen Streckenrekordinhaber. Dieser hatte den 8 Jahre alten Rekord von Ingbert Reinke auf 21:42 min. verbessert. Damit war in diesem Jahr kaum zu rechnen, unter den 92 Teilnehmern des Hobbylaufs war niemand zu sehen, der diese Zeit auch nur annähernd erreichen konnte. Eine kleine Regeländerung gab es bei diesem Lauf, es wurde keine AK-Wertung mehr durchgeführt.

Beim Hobbylauf über 6,5 km gab es diesmal keine AK-Wertung. Schnellste Frau wurde Simone Janke. Bei den Männern siegte Andreas Stürmer

Inzwischen erreichten immer mehr Halbmarathonläufer und 10km Läufer das Ziel, ich musste daher höllisch aufpassen, den schnellsten Hobbyläufer nicht zu verpassen. Zwischen einigen Läufern entdeckte ich die gelbe Startnummer 306. Dessen Träger war Andreas Stürmer, der Sieger des Hobbylaufs in 26:29 min. (Barbarossalauf Erlenbach).

Mit über einer Minute Rückstand wurde Marco Heßler Zweiter (27:41 min., Team Lachnit), Platz drei ging an Christian Bergmann (28:59 min., TV Schweinheim). Einmal mehr war Heinz Sitzmann vom TV Bad Brückenau mit 75 Jahren der älteste, nicht aber der letzte Teilnehmer im Ziel, das er in 45:13 min. erreichte.

Eine Zeit lang hielt ich mich an der letzten Bergabpassage im Wald gegenüber vom Zielbereich auf. Auf dem Rückweg zum Ziel konnte ich gerade noch die schnellste Frau erfassen. Die strahlend an mir vorbeilaufende Simone Janke gewann den Hobbylauf in 31:39 min. (Westfrankenbahn) vor Heike Doege (33:26 min.) und Simona Schledt-Zahn (32:43 min., TV Großostheim).

Mit der zweitschnellsten je gelaufenen Zeit gewinnt Anthony Hildenbrand den Hauptlauf über 10 km (1. MU20) Steffen Denk konzentriert sich auch in diesem Jahr wieder auf Bergläufe und wird Zweiter über 10 km (1. M35) Der Sieger der MHK, Thomas Tietz, wird Dritter über 10 km
M60-Sieger Richoiwi Przybytiv (Richard Przybylla) wird Vierter über 10 km

Hauptlauf 10 km

Beim Hauptlauf waren die "üblichen Verdächtigen", nämlich die mehrmaligen Sieger Ingbert Reinke und Christian Weis, diesmal nicht am Start so dass Steffen Denk für mich die Favoritenrolle einnahm. Er hat sich inzwischen ganz und gar dem Berglauf verschrieben, so dass ihm das anspruchsvolle Terrain beim Engelberglauf eigentlich entgegenkommen sollte. Auch in diesem Jahr will er hauptsächlich an Bergläufen teilnehmen, wie er mir vor dem Start berichtete. Nach einer guten halben Stunde sollte sich zeigen, ob ich mit meinen Überlegungen richtig lag. Es kam anders, der gerade erst 16-jährige Anthony Hildenbrand vom FC Dörlesberg preschte als Erster die steile Rampe zum Ziel hinauf und holte sich in sehr guten 35:59 min. (1. MU20) den Sieg beim Hauptlauf. Das war die zweitschnellste je gelaufene Zeit beim Engelberglauf, nur Aaron Bienenfeld war bei seinem Streckenrekordlauf 2015 in 35:06 min. noch schneller.

Ebenfalls mit einer guten Zeit und nur wenige Sekunden später war Steffen Denk als Zweiter im Ziel (36:17 min., 1. M35, TV Groß-Zimmern). Dritter wurde Thomas Tietz als Sieger der MHK (36:51 min., Tria TV Bad Mergentheim). Eine ausgezeichnete Leistung zeigte M60-Sieger Richoiwi Przybytiv, den ich bislang nur als Richard Przybylla kannte. Er hatte wohl die polnische Schreibweise seines Namens angegeben, egal, in 38:51 min. wurde der Läufer von LAZ Obernburg-Miltenberg Vierter.

Bei den Frauen gewinnt Erna Hemberger (1. W40) den Hauptlauf über 10 km
Vorjahressiegerin Anne Zöller wird Zweite über 10 km (1. WHK) Mit Musik auf den Ohren läuft Cornelia Wolff über 10 km auf den dritten Platz (2. WHK)

Ebenfalls ziemlich knapp war der Rennausgang bei den Frauen. Vorjahressiegerin Anne Zeller musste diesmal der etwas stärkeren Erna Hemberger den Vortritt lassen, die sich in 46:20 min. (1. W40) den Sieg beim Hauptlauf holte. "Ich hatte sie zwar immer im Blick, aber trotzdem keine Chance, sie einzuholen", erzählte mir Anne Zeller später, die mit nur 11 Sekunden Rückstand auf die Siegerin Zweite wurde (1. WHK, LA-Team Alzenau). Platz drei ging in 48:19 min. an Cornelia Wolff (2. WHK).

Am Hauptlauf über 10 km beteiligten sich 65 Läuferinnen und 149 Läufer, fast genauso viele wie im letzten Jahr.

Halbmarathon

Auf dem Weg zum Kloster Engelberg hatte ich in der Ortsmitte von Großheubach Jürgen Reiser und einen weiteren Läufer "aufgelesen", so dass wir uns im Auto kurz unterhalten konnten. Jürgen ist schon zwei Mal beim Engelberglauf gestartet, 2010 gewann er den 10 km Lauf in Streckenrekordzeit von 36:10 min. und 2014 wurde er beim Halbmarathon Zweiter hinter Timo Zeiler. Er sei recht gut in Form und traue sich eine Zeit um 1:20 Std. zu, erzählte er mir. Die Laufstrecke beim Engelberglauf hat für die Zuschauer den Nachteil, dass sie nichts vom Rennverlauf mitbekommen und die Teilnehmer nur auf den allerletzten Metern vor dem Ziel erleben. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die schnellsten Halbmarathonläufer mitten unter den Teilnehmern des Hobbylaufs und Hauptlaufs ins Ziel kommen. Oft ist die Ankunft der Schnellsten nur am Radbegleiter auszumachen. So war es auch am Samstag.

Am letzten, harten Anstieg ist Jürgen Reiser der Sieg beim Halbmarathon nicht mehr zu nehmen (1. M40) Matthias Krah blieb Reiser dicht auf den Fersen und konnte bergab immer wieder auflaufen, er wird Zweiter im Halbmarathon (1. M30) Gleich geschafft, die 2-malige Cordenka-Lauf-Cup Siegerin Anne Möller gewinnt den Halbmarathon (1. W40) Noch einmal tief Luft holen, Claudia Karl holt sich den W50-Sieg beim Halbmarathon als Vierte

An der Zielrampe lag Jürgen Reiser ganz knapp in Führung, dicht gefolgt von Matthias Krah, den er schon vor dem Start als seinen ärgsten Konkurrenten ausgemacht hatte. Reiser konnte den Vorsprung ins Ziel retten und holte sich den Sieg in 1:20:11 Std. (1. M40, LG Odenwald). "Bergauf konnte ich immer ein paar Meter Vorsprung herauslaufen, aber bergab ist er wieder herangekommen. Ohne die Zurufe der Zuschauer hätte ich am Ende nicht bemerkt, dass Matthias so dicht hinter mir war", berichtete mir der Sieger über die entscheidende Rennphase. Mit nur sieben Sekunden Rückstand lief Matthias Krah auf Platz zwei (1:20:18 Std., 1. M30, Main Ausdauershop Niedernberg). Erst nach weiteren vier Minuten war Andreas Tschishakowski als Dritter im Ziel (1:24:06 Std., 2. M30, WIKA Tri Team).

Wo ist die Startnummer geblieben?- Andrea Carlucci wird trotzdem als W35-Siegerin beim Halbmarathon ausgemacht - beim Engelberglauf geht niemand verloren Marco Heßler, 2. Hobbyläufer beim Engelberglauf, ging dagegen auf Nummer sicher Beistand von oben ist immer willkommen, der Franziskanerbruder war von dem Spektakel vor seiner Haustür angetan
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Eindeutiger war der Rennausgang bei den Frauen, denn die 2-malige "Cordenka-Lauf-Cup" Gewinnerin Anne Möller (1. W40, TV Babenhausen) holte sich einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg mit großem Vorsprung. "In diesem Jahr werde ich nicht beim Lauf-Cup mitmachen, weil ich an anderen Läufen teilnehmen möchte, die sich mit den Cup-Läufen überschneiden", erzählte mir die Siegerin von ihrer Saisonplanung. Nach 1:40:18 Std. hatte die Halbmarathonsiegerin fast fünf Minuten Vorsprung auf die Zweite, Nicole Barino (1:44:59 Std., 1. WHK, ELT Großheubach). Der dritte Platz ging an Sandra Lamprecht vom LC Michelstadt (1:45:50 Std., 2. W40).

Nach gut 2 ½ Stunden war das Laufspektakel am Kloster Engelberg auch schon wieder vorbei. Die Teilnehmer machten sich auf den Weg zur Siegerehrung in der Guido-Kratschmer-Halle, entweder zu Fuß über die "Engelsstaffeln" genannten 612 steinernen Stufen oder bequemer mit dem Pendelbus.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
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