30.04.17 - 14. Skiwiesenlauf in Bad Nauheim / Nieder-Mörlen

Burkhard Guthmann hatte in der "grünen Lunge" der Kurstadt den längsten Atem

von Helmut Serowy

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Im letzten Jahr hatten die Organisatoren des TSV 04 Nieder-Mörlen ihren beliebten "Skiwiesenlauf" schweren Herzens vorausschauend "gekanzelt", da die Frauenwaldhalle in Nieder-Mörlen - das Zentrum der Lauf-Veranstaltung - als Unterkunft für Flüchtlinge vorgesehen war. Unter diesen Voraussetzungen wollten die rührigen Veranstalter um Organisationsleiter Berthold Kalunka das Risiko einer im Raum stehenden, kurzfristigen Absage nicht eingehen.

Erfreulicherweise konnte der abwechslungsreiche Landschaftslauf "durch die grüne Lunge" der Kurstadt Bad Nauheim in diesem Jahr mit der 14. Auflage weitergeführt werden. Das Rennen wurde auch wieder in die "AOK Hessen Laufserie" aufgenommen, bei der hessenweit rund 50 Breitensport-Veranstaltungen gefördert werden. Neben Bonuspunkten für die Läufer durch das AOK-Programm "Bonus fit" gibt es am Ende der Laufserie attraktive Preise zu gewinnen. Zudem spendet die AOK Hessen pro Laufserien-Läufer einen Euro für einen guten Zweck.

Er ist wieder da - der abwechslungsreiche Landschaftslauf "durch die grüne Lunge" - Skiwiesenlauf in Bad Nauheim/Nieder-Mörlen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Die herrlichen Laufstrecken des Skiwiesenlaufes führen durch den Frauenwald und den Waldpark Skiwiese entlang der nordwestlichen Hänge des Johannisberges - überwiegend auf dem früheren Kutschweg der Bad Nauheimer Kurgäste. Die endlich wieder einmal wärmende Sonne bot einen erfreulichen Rahmen für dieses Laufevent mit Start und Ziel neben dem weitläufigen Bad Nauheimer Golfplatz.

Am Fuße des Johannisberges sprudeln unermüdlich Solequellen, deren warmes, salz- und kohlesäurehaltiges Wasser die Geschichte der Stadt Bad Nauheim prägte. Bereits zwischen 500 und 1000 v. Chr .errichteten die Kelten hier entlang der Usa eine der größten späteisenzeitlichen Siedlungen. Die Sole haben sie zur Salzgewinnung in großen Becken vorgradiert. Anschließend wurde sie, in Tontöpfe gefüllt, in Öfen gekocht bis sich feste Salzkuchen bildeten. Während der Römerzeit wurde die Salzgewinnung nicht weitergeführt. Erst im Mittelalter nahmen Söder die Salzsiederei wieder auf.

Nach anfangs ergebnislosen Quellenbohrungen drängte im Dezember 1846 der "Große Sprudel" schäumend und dampfend zutage. Im Sprudelhof wurde 1855 zusätzlich die "Friedrich-Wilhelm-Quelle" erbohrt. Bad Nauheim stieg in der Folge dank der Heilungserfolge zum Weltbad für Herz- und Kreislauferkrankungen auf. Durch das billigere Steinsalz musste allerdings in den folgenden Jahren die Salzproduktion zurückgefahren werden. 1959 wurde die Saline endgültig geschlossen. Die noch teilweise erhaltenen Gradierbauten dienen nur noch der Freiluft-Inhalation.

Kinderläufe von 300 Meter bis 2,4 Kilometer, für die Größeren 5 km und 10 km inklusive Walking, bietet Organisationsleiter Berthold Kalunka in seinem Skiwiesenlaufprogramm

Der Johannisberg ist der Hausberg von Bad Nauheim. Von seinem 268 m hoch gelegenen Gipfel schweift der Blick weit über die fruchtbare Wetterau. Er diente als Kultstätte heidnischen, keltischen und germanischen Brauchtums. Bereits 779 soll hier eine Missionskirche errichtet worden sein. Die Johanniskirche - Tauf- und Mutterkirche der nördlichen Wetterau - wurde allerdings in der Reformationszeit aufgegeben und auf den Grundmauern des Kirchturms ein Aussichtsturm errichtet. Dieser beherbergt seit 1965 die Volkssternwarte. Den zwischen Bad Nauheim und Nieder-Mörlen gelegene Johannisberg entdeckten die Bad Nauheimer Kurgäste für ihre Spaziergänge - angeführt von so illustren Gästen wie Kaiserin Elisabeth von Österreich und Ungarn (Sissi), Zarin Alexandra Feodorowna von Russland, der Deutschen Kaiserin und Königin von Preußen Auguste Viktoria, König Saud von Saudi-Arabien.

Wanderwege führten durch die Wälder, Ein fest ausgebauter Rundweg ermöglichte den hochgestellten Gästen die Fahrt in edlen Pferdedroschken durch die Waldungen. Als Erweiterung des wenige Jahrzehnte zuvor angelegten Bad Nauheimer Kurparkes entstand Ende des 19. Jahrhunderts der Waldpark Skiwiese. Zur Sommerfrische bot sich hier zusätzlich die Möglichkeit, im Winter die Skier anzuschnallen und in den Ausläufern des Taunus dem Wintersport zu frönen.

Los geht es nach dem 10 km Start in einer ersten langgezogenen Steigung auf die "Rundfahrt" in die Wälder des Johannisberg

Nach der nicht geplanten Pause muss sich der Skiwiesenlauf des TSV Nieder-Mörlen jetzt wieder neu im Terminkalender positionieren. Das lange Wochenende und die Einstellung des "Taunus-Cup" - zu dem sich über viele Jahre mehrere Laufveranstalter der Region zusammengeschlossen hatten - beeinträchtigten offensichtlich die Teilnehmer-Zahlen beim Hauptlauf über 10 km durch den Frauenwald zusätzlich.

Auch wenn die Zahl der Starter beim Neu-Einstieg durch den etwas schwächer besetzten Hauptlauf mit 255 Meldungen nicht ganz die Ergebnisse der letzten Jahre erreichte, konnte Berthold Kalunka ein positives Resümee ziehen: "Wir haben es geschafft, sehr viele vereinslose Läuferinnen und Läufer aus der Region anzusprechen. Die ortsansässige Handball-Spielgemeinschaft (HSG) Mörlen konnte durch eine anzahlmäßig sehr starke Präsenz viel Werbung in eigener Sache machen."

Stärker besetzte Schüler- und Bambini-Rennen, ein Rekordfeld beim 5-km-Lauf sowie das Lob von allen Seiten für die perfekte Organisation und Durchführung des Skiwiesenlaufes des TSV Nieder-Mörlen lassen ihn äußerst zuversichtlich der 15. Auflage der Veranstaltung durch den Bad Nauheimer Kurpark entgegensehen. Als Ergänzung des Programms ist bereits neben dem angebotenen 10-km-Walking ein zusätzlicher 5-km-Walking-Wettbewerb geplant.

Die Doppelstarter und Lokalmatadore Ralf Steinert und 5-km-Sieger Michael Schäfer (636) lassen es auf der längeren Strecke vorerst locker angehen Die Nieder-Mörler Stammgäste Christoph Sulzer (li) und Klaus Weirich (re) laufen durch die Serpentinen als Zweiter und Dritter zu den Siegen in der M45 und der M50

Erfreut nahm Berthold Kalunka zur Kenntnis, dass fast alle Aktive zur Siegerehrung zur Frauenwaldhalle strömten, die kurzweilig, kompakt und mit wertigen Preisen durchgeführt wurde.

10 Kilometer

Höhepunkt des Skiwiesenlaufes ist das um 11 Uhr vor der Frauenwaldhalle gestartet 10-km-Rennen. Auf einem asphaltierten Fahrweg führt die Strecke anfangs am Golfplatz vorbei bergan in den Frauenwald. Die "Rundfahrt", auf der einst die Kurgäste in ihren Pferdedroschken durch die Wälder kutschierten, erreichen sie nach knapp 2 Kilometern. Nach 5 Kilometern haben sie schließlich den höchsten Punkt der Strecke erreicht. Sie verlassen kurz darauf die "Rundfahrt" und jagen zur Skiwiese, wo es zügig 500 Meter bergab geht. Nach einer anschließenden, heftigen Steigung wird durch den Frauenwald erneut die Skiwiese angesteuert, bergab überquert und über Wanderwege durch den Frauenwald verlassen.

Elke Frank auf ihrem Weg zum Frauensieg über 10 km Im Windschatten durch den Frauen-Wald: Eva Pfeil läuft als Zweite zum Erfolg in der W40 Auf der Trail-Passage schlängeln sich Diana Ortmann (1. W55) und Bettina Wosch (1. W45) durch die Bäume

Die abwechslungsreich durch Wälder und über Frühlingswiesen führende, sogar mit Trailpassagen gespickte, Strecke bietet insbesondere bei so herrlichem Wetter wie bei der 14. Auflage ein erfreuliches Lauferlebnis. Trotz einiger Steigungen lassen sich auch die Streckenrekorde sehen: Philip Ratz vom TSV Friedberg-Fauerbach erreichte hier 2011 immerhin 34:15 min und Teresa Ebert von Spiridon Frankfurt 2012 die Bestmarke von 39:07 min. Der Bestzeiten-Jackpot (Männer 250 Euro, Frauen 200 Euro) blieb in dieser Saison allerdings erneut verschlossen.

Herausragender Akteur war in diesem Jahr bei seinem ersten Start in Nieder-Mörlen Burkhard Guthmann vom Laufprojekt Büdingen. Weit voraus ließ er nie Zweifel an seinem Erfolg aufkommen und sicherte sich zugleich mit 37:44 min den ersten Rang in der M40.

Zu einem ungefährdeten Gesamt-Sieg stürmt über 10 km M40-Sieger Burkhard Guthmann Christoph Sulzer sichert sich als Zweiter den Erfolg in der M45 Über Rang 3 freut sich der stärkste M50-Starter Klaus Weirich

Ständige Gäste in Nieder-Mörlen sind dagegen Christoph Sulzer vom ASC Marathon Friedberg und der für die Rose-Runners aus der "Rosenstadt" Steinfurth startende Klaus Weirich. Lange machten sie auf den Wanderwegen am Johannisberg als Duo gemeinsame Sache, bevor sich Christoph Sulzer schließlich löste. Nach 38:12 min lief er als Zweiter zum überlegenen Klassensieg in der M45. Der Vorjahres-Zweite Klaus Weirich schaffte mit dem dritten Rang erneut den Sprung auf das Siegerpodest und verteidigte zugleich seinen Titel in der M50 mit 38:40 min locker. Seine jüngeren Verfolger Manuel Tschenscher vom ASC Marathon Friedberg (39:00 min - 1. M35) und Oliver Ott vom TSV Krofdorf-Gleiberg (39:27 min - 2. M40) hielt er souverän in Schach.

Elke Frank vom TSV Niederkleen nutzte ihre gute Form der letzten Wochen und lief beim Skiwiesenlauf - dem früheren "Frauenwaldlauf" - zum überlegenen Gesamtsieg. In der W50 lag sie mit 47:55 min natürlich weit in Front. Unangefochten auf dem zweiten Rang folgte beim "Heimspiel" die schnellste W40-Läuferin Eva Pfeil aus Bad Nauheim, die nach 49:34 min im Ziel begrüßt wurde.

Immer besser in Schwung kommt W50-Läuferin Elke Frank, die im Frauenwald klar die Frauen-Konkurrenz anführt Eva Pfeil sichert sich als souveräne Zweite den Erfolg in der W40 Das Duell um "Bronze" kann die Schnellste der W45, Bettina Wosch, knapp für sich entscheiden Mit einer Sekunde Rückstand gewinnt Marion Walter als Vierte die W35

Bis zur Ziellinie kämpften dagegen Bettina Wosch aus Lampertheim und Marion Walter vom TSV Nieder-Mörlen um "Bronze". Um einen Schritt behielt die W45-Siegerin Bettina Wosch (53:32 min) die Nase vorne. Marion Walter konnte sich als Vierte in 53:33 min aber immerhin mit dem ersten Rang in der W35 trösten. Ihre Vorjahres-Erfolge wiederholten in der W55 Diana Ortmann von den "Mittwochsjägern" mit 54:07 min und in der W60 Roswitha Haub-Depel vom TV Ober-Mörlen mit 58:29 min.

5 Kilometer

Mit 60 Starter beim 5-km-Lauf vermeldete Organisationsleiter Berthold Kalunka einen Teilnehmer-Rekord am Johannisberg.

Bei der Einführungsrunde des 5-km-Laufes entlang der Usa bleiben noch größere Gruppen beisammen Geselligkeit wird im Mittelfeld groß geschrieben

Für die 5-km-Läufer begann das Rennen mit einem lockeren Aufgalopp auf zwei flachen 500-m-Strecken links und rechts des Flüsschens Usa bevor sie eine langgezogene Steigung in den Frauenwald führte. Hartmut Gogol vom RVG Rockenberg sah auf der abwechslungsreichen Strecke lange als sicherer Sieger aus. Die Doppelstarter Michael Schäfer und Ralf Steinert vom ausrichtenden TSV Nieder-Mörlen pirschten sich allerdings heran. Auf den letzten 500 Metern spurtete Michael Schäfer schließlich an die Spitze und siegte mit 19:47 min noch klar vor Hartmut Gogol (19:58 min) und Michael Schäfer (20:11 min).

Bereits als Sechste stürmte die Nachwuchshoffnung Eva Sulzer vom LSC Bad Nauheim nach 21:57 min zum Frauensieg. Die Tochter der 10-km-Zweiten Christoph Sulzer hielt damit Sina Croßmann aus Friedberg (22:48 min) in Schach. Den Kampf um den dritten Rang konnte Nicole Langsdorf vom FSV Maibach mit 27:24 min vor Anja Drees vom TSV Nieder-Mörlen (27:37 min) und den dichtauf folgenden Steffi Klug (27:38 min) und Charlotte Wulf (27:38 min) von der HSG Mörlen für sich entscheiden.

Den Frauen-Sieg über 5 km hat Eva Sulzer bereits vor Augen Marathon-Spezialist Philip Ratz (re) betreut Schüler der Sophie-Scholl-Schule Wetterau über 5 km

Schüler-Rennen

Mit viel Spaß und Leidenschaft stürmten die Schüler über den flachen Rundkurs entlang der Usa. Die Schüler/innen U10 und U12 eröffneten die Veranstaltung um 9.30 Uhr mit dem Rennen über eine Runde mit einer Länge von 1.200 m. Zwei Runden und somit 2.400 m hatten die gleichzeitig auf die Strecke geschickten Schüler/innen U14 und U16 in Angriff zu nehmen.

Im großen Pulk der 54 jüngeren Läuferinnen und Läufer über die 1.200-m-Runde trumpften die Mädels überraschend stark auf. Auf dem langen Rückweg entlang des Golfplatzes duellierten sich die U12-Starterinnen Anna Happel vom TSV Friedberg-Fauerbach und Jutta Blum vom LSC Bad Nauheim um den Sieg. Beim Zieleinlauf vor der Frauenwaldhalle hatte Anna mit 5:17 min knapp die Nase vor Jutta (5:18 min).

Ebenfalls ganz beachtlich schlug sich dahinter als Gesamt-Dritter der jüngste Läufer, Iman Hamidi von der Handball-Spielgemeinschaft Mörlen (U8) mit 5:22 min vor den gleichfalls für die HSG startenden Rieke Bohn (U12 - 5:31 min) und Robert Schöne (U10 - 5:32 min). Als Sechster führte Jonas Voß (U12 - 5:37 min) die große, vom Friedberg-Fauerbacher Marathonläufer Philip Ratz betreute, Truppe der Sophie-Scholl-Schule Wetterau an.

Gemeinsam nehmen die Schüler ihren flachen Rundkurs in Angriff
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17 ältere Läuferinnen und Läufer mussten zweimal die Usa umrunden und 2.400 m zurücklegen. Hier übernahm Laurenz Weirich von den "Rose-Runners" aus Steinfurth - einer vom ebenfalls stark bei der LG Friedberg-Fauerbach engagierten Jochen Rolle umsorgten Truppe - das Heft des Handelns. Der U16-Sieger setzte sich mit 9:21 min überlegen gegen Kamiar Maneshkarimy von der Eintracht Frankfurt (10:03 min) durch. Dahinter gewann Tom Rolle von den Rose-Runners in 10:22 min die U14 vor Philipp Otto von der HSG Mörlen (10:44 min).

Eng wurde es bei den Läuferinnen. Zeitgleich durchliefen die U14-Starterinnen Sophia Gogol vom TuS Rockenberg und Katharina Heller von der HSG Wettertal nach 12:48 min das Ziel. Den dritten Platz schaffte Nele Bartsch vom Lauf-Treff Butzbach in 12:57 min.

Bambini

Viel Aufmerksamkeit finden beim Skiwiesenlauf des TSV Nieder-Mörlen die Bambini, wenn sie ihre 300 m auf der Wendepunkt-Strecke über die Usa-Brücke durchlaufen.

Das Rennen zwischen dem 5-km-Zieleinlauf und kurz vor dem 10-km-Start rückt die Kleinsten ins Zentrum des Frühlingslaufes. Dementsprechend herrscht hier immer wieder Hochstimmung. 35 emsige Nachwuchssportler tobten, von allen Seiten bejubelt, über die Strecke und freuten sich mächtig über Urkunden und kleine Präsente.

Bericht von Helmut Serowy
Fotos von Annegret und Karin Kalunka

Ergebnisse www.volkslauf.de - Info www.tsv-nieder-moerlen.de

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