10.03.19 - 44. Internationaler Bienwald-Marathon in Kandel

41. Nationaler Halbmarathon

Auf die Teilnahme von ‚Eberhard' hätte man gern verzichtet

Starke Leistungen trotz Sturm - Abruptes Rennende nach Kieferbruch

von Constanze & Walter Wagner 

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Von Überraschungsgästen beim Bienwald Marathon kann der TSV Kandel im fünften Jahrzehnt so einiges berichten. Doch mit Eberhard konnte man irgendwie nichts Gescheites anfangen. Wäre er doch besser der Veranstaltung fern geblieben. Immerhin hatte sich Eberhard angekündigt und schon am Start konnten die Teilnehmer informiert werden, dass es möglicherweise zu einem Rennabbruch kommen kann. Als Sturm Eberhard die ersten Bäume umlegte war es dann auch so weit. Von hinten wurden die Teilnehmer abgefischt und ins Ziel verbracht. Da waren bereits die meisten Marathonläufer*innen im Ziel. Die gute Nachricht, es kam niemand zu schaden.

Neben Begrüßung zum Start des 44. Int. Bienwald-Marathon und 41. Nationalen Halbmarathon durch den Bürgermeister von Kandel Günther Tielebörger, gab es auch den Hinweis auf einen möglichen vorzeitigen Rennabruch dank Sturmtief "Eberhard"
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Von sehr guten Bedingungen wie zuletzt im Vorjahr kann 2019 also nicht berichtet werden. Doch lassen persönliche Bestzeiten und viele hervorragende Resultate darauf schließen, dass es einigermaßen gut zu laufen ging, wenngleich es ohne die Böen so manche Sekunde schneller hätte werden können. Eine passende Laufgruppe zu finden, in der man sich auch mal im Windschatten anderer Läufer verstecken konnte, war von großem Vorteil. Doch gerade in den vorderen Rängen muss man viel Glück haben, dass sich eine gewinnbringende Gruppe bildet und gut zusammenarbeitet.

Letzteres ist eine alte Weisheit und der Marathon in Kandel, 1976 erstmals ausgerichtet, bot schon immer die Chancen in einem ‚Zug' zu Bestleistungen zu kommen. Dennoch, die Zeiten sind vorbei, als man im Dutzend auf unter 2:20 unterwegs war oder im Rahmen Deutscher Meisterschaften Streckenrekorde für die Ewigkeit gelaufen wurden. Die sind auf das Jahr 1984 datiert und lauten 2:14:25 (Ralf Salzmann) und 2:38:13 (Susi Riermeier). Bleiben wir kurz in dem Rekordjahr, das jetzt 35 Jahre zurückliegt. 1984 freute man sich in Berlin über unglaubliche 7297 Finisher (Frauenanteil unter 6%), hatte sich in nur zwei Jahren mehr als verdoppelt und schielte auf die 10.000er Hürde, die man im Folgejahr aber letztmalig um 190 Läufer*innen verpasste. Quantitativ steckte man also noch in den Kinderschuhen, aber nach drei Stunden waren 1.261 im Ziel. 85 schafften es gar unter 2:30 Stunden.

Brems- und Zugläufer gibt es in Kandel für Halb- und Marathon

Kaum langsamer war OK-Chef Roland Schmidt auf seiner eigenen Strecke im Wildkatzen-Revier. Den Biewald-Marathon ist er einst in 2:31:33 h h gelaufen. Neben der Organisation des Marathons blieb er bis vor zehn Jahren weiter selbst aktiv. Dementsprechend ist das Wohl des Läufers in Kandel immer oberstes Gebot. Schon 1979 setzte man in Kandel einen Großrechner zur Auswertung ein, aber andernorts gepflegte Tendenzen zu einer Open-Air-Show und zu mehr Spaß als Sport, dem ist man in der Pfalz noch nie gefolgt. Der frühe Termin im Jahr beendet den Outdoor-Sport sowieso nicht selten mit einer jähen Flucht ins Warme.

487 Finisher über Marathon, davon 91 Frauen, und 1329 beim Halbmarathon, davon 361 Frauen, sind im normalen Bereich. Die Läuferinnen und Läufer, die heutzutage schon eifrig im Januar aktiv sind, lassen sich von Wetterkapriolen nicht abschrecken. Dies wird sich bei der 45. Austragung erneut erweisen, bei der Roland Schmidt die organisatorische Oberaufsicht haben wird. Im Hintergrund sind aber jüngere Kräfte bereits langjährig eingearbeitet, so dass der Fortbestand des Bienwald-Marathons in den Händen des TSV Kandel als ungefährdet gelten darf.

 

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Das bunt gemischte Halb- und Marathonfeld läuft über Minfeld alsbald in den Bienwald hinein Hinter dem Führungsfahrzeug "Flotte Biene" wird der erste Läufer Simon Stützel bei km 9 gesichtet

Auch sportlich hat der Halbe dem Marathon ein wenig den Rang abgelaufen, denn die Streckenrekorde sind neueren Datums, genauer, sie wurden erst zum dritten Mal angegriffen. 2016 gelang Lisa Hahner in 1:14:28 h der geforderte Leistungsnachweis für ihre Olympiateilnahme in Rio de Janeiro und Simon Stützel lief in 1:05:14 h auch bei den Männern Streckenrekord über 21,1 Kilometer. Diesen wollte er nun erneut verbessern und hatte sich entsprechend gut vorbereitet. Der Bienwald ist für den Läufer der LG Region Karlsruhe ein gutes Pflaster, denn auch beim Marathon steht er 2017 mit 2:28:51 h in der Chronik der Sieger.

Für sein Vorhaben lief er alsbald alleine vor dem Feld her und war in den ungünstigen Passagen dem Wind ungeschützt ausgesetzt. Zur Motivation begleitete ihn seine Gattin Michelle, der es zeitweise wegen der Böen gar nicht gelang auf gleicher Höhe zu bleiben. Die Pfälzer Zuschauer bedauerten die "aam Fraa" mehr als den Läufer. Mit einer 10 km Zwischenzeit von 31:22 min war der Rekordlauf früh gefährdet und schließlich musste man Simon Stützel attestieren, dass sein Sieg in 1:06:19 h in Anbetracht der Bedingungen für seine Teilnahmen bei den Deutschen Meisterschaften in Freiburg über Halbmarathon und in Düsseldorf über Marathon vielversprechend ist. Etwas enttäuscht wirkte er im Ziel schon, deutete aber an, dass der Rekordlauf dann eben 2020 stattfinden wird.

Simon Stützel ist schnell unterwegs, keiner kann ihm folgen, einzige Begleitung, Ehefrau Michelle auf dem Rad Die 5 Verfolger im Halbmarathonrennen werden die nachfolgenden Plätze unter sich ausmachen: Joachim Krauth, Dustin Karsch, Nicolai Riechers, Hannes Hähnel und Tim Niklas Schwippel (v.r.n.l.)

Hinter dem bald davon eilenden Sieger hatte sich eine homogene Gruppe gefunden, die geschlossen die 10 km Marke nach 32:33 min passierte. Tim Niklas Schwippel (LG Braunschweig), Dustin Karsch (Osnabrücker TB), Joachim Krauth (Aalener Sportallianz), Hannes Hähnel (SC Frankfurt/Oder) und Nicolai Riechers (Osnabrücker TB). Aus diesem Pulk löste sich der 1995 geborene Tim Niklas Schwippel, der 2018 mit zwei Marathonergebnissen in China, wo er studiert, auffällt. Nach seinem Debüt in Beijing im September in 2:31:38 h folgte bereits im November in Shanghai die Verbesserung auf 2:24:34 h bei seinem zweiten Marathon. Nach 1:07:53 h hatte er die Ziellinie im Bienwald-Stadion als Zweiter in persönlicher Bestzeit überquert.

Simon Stützel von der LG Region Karlsruhe, hier bei km 15, gibt die Führung im Halbmarathonrennen nicht mehr ab Tim Niklas Schwippel (LG Braunschweig) folgt auf Rang 2 Joachim Krauth von der Aalener Sportallianz folgt bei km 15 auf Rang 3, ins Ziel läuft er als 4. Dustin Karsch vom Osnabrücker TB führt die Nächstplatzierten an, er läuft noch auf Rang 3 vor. Hannes Hähnel vom SC Frankfurt/Oder hinter ihm wird 5. Nicolai Riechers (ganz hinten) ebenfalls Osnabrücker TB läufft auf Rang 6

Diese gelang auch Dustin Karsch in 1:08:15 h. Er war mit einer 1:08:38 h angereist. Ein letzter Test über 10 Kilometer in 31:28 min verlief gut, seine Bestzeit steht bei 30:56 min. Zudem verbesserte er sich auf Rang drei in Kandel, im Vorjahr war er Vierter. Laufen ist bei Karschs Familiensache, berichtet der Sohn von Jutta Karsch. Seine Mutter ist siebenmalige Deutsche Meisterin und gewann 1988 mit Gabriele Wolf und Bernadette Hudy den nationalen Mannschaftstitel im Marathon. Ihre Marathonbestzeit lief sie im darauffolgenden Jahr in Osaka (2:38:07). Trainiert wird unter der Leitung von Vater Michael, ein Mittelstreckler der erst spät zum Marathon fand. Zwillingsbruder Marvin verfügt über eine 10 km Bestzeit von 31:48 min.

Viel Luft nach hinten hatte Dustin nicht. Denn wie ausgeglichen stark die Gruppe war belegen die weiteren Ergebnisse. Joachim Krauth wurde Vierter in 1:08:19 h gefolgt von Hannes Hähnel in 1:08:25 und Nicolai Riechers, dem Trainingspartner von Dustin, in 1:08:27 h.

 

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Michael Chalupsky von der TSG Heidelberg musste in 1:10:31 h alleine klar kommen, was ihm als M35-Sieger gut gelang. Markus Mössler vom Tübinger Laufladen in 1:12:58 h, Benjamin Wehbring (2. M35) in 1:13:17 h und Karsten Müller (LG Region Karlsruhe) in 1:13:20 h komplettierten die Top Ten. Interessant die in Folge einlaufenden Altersklassensieger Roland Golderer (M40) in 1:16:27 h, Michael Schäfer (M45) in 1:16:30 h und Markus Zerres (M55) in 1:16:34 h.

Gruppe bei km 9 um die Frauenführende im Halbmarathon Aoife Quigly Hinter Vorjahressiegerin Luisa Moroff folgt die Gruppe um "Pacemakerin" Sabrina Mockenhaupt mit Samira Schnüriger vom LC Regensdorf (vorne links), die spätere 5., und Jasmin Klotz (1561). Am Ende der Gruppe im blauem Trikot Katrin Kommer, die Freundin, mit der Sabrina gemeinsam eine 1:24er Zeit angeht

Mockenhaupt aus der anderen Liga

Ein ganz anderes Rennen zeigten die Frauen und der Verlauf war so nicht geplant. Aoife Quigly vom engehorn sports team / TV Schriesheim lag nach 10 Kilometern in 38:22 min in Führung, gefolgt von der Vorjahressiegerin Luisa Moroff (38:43). Die nächsten Läuferinnen lagen gut eine weitere Minute zurück. Sabrina Mockenhaupt, die ihre Lauffreundin Katrin Kommer vom SV Ohmenhausen begleitete, passierte die Zwischenzeitmessung nach 40:05 h. Ziel war eine 1:24 h zu laufen. Doch bei Katrin Kommer, im Vorfeld mit einer Erkältung nicht ganz fit genug, lief es nicht rund und kurzerhand löste sich das Damengespann aus Metzingen auf. Katrin Kommer wurde schließlich Siebte in 1:26:34 h.

Sabrina Mockenhaupt, für LT Haspa Marathon Hamburg am Start, legte den Hebel auf Wettkampfmodus um und schon war sie in ihrer unnachahmlichen Lauflaune. Da gab es kein Halten mehr und selbst ‚Eberhard' verlor jeglichen Einfluss. Es dauerte bis Kilometer 19, dann war auch Aoife Quigly ein- und überholt. 1:20:48 h lautete schließlich ihre Siegerzeit. Ein Rückfall, denn eigentlich zieht sich Sabrina Mockenhaupt gerade vom Leistungssport zurück. Ganz begeistert berichtete sie von ihrer Teilnahme an der RTL-Tanzshow "Let's dance".

 
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Bei km 15 liegt Aoife Quigly im Halbmarathonrennen der Frauen noch immer vorn Katrin Kommer hat ihre Tempomacherin Sabrina Mockenhaupt freigegeben, nun ist der Ergeiz geweckt und Mocki schaltet um auf Wettkampfmodus Vorjahressiegerin Luisa Moroff liegt hier noch auf Rang 3 ... ... wird aber von Jasmin Klotz noch auf den 4. Rang verdrängt

Aiofe Quigli wurde in 1:21:04 h Zweite. Die Dolmetscherin und dreifache Siegerin des Trail-Marathons Heidelberg nahm es gelassen und meinte, Sabrina Mockenhaupt sei eine ganz andere Liga. Als ein Begleiter sie aufmuntern wollte, dran zu bleiben, sagte Aiofe: "Das ist Sabrina Mockenhaupt, ich glaube nicht, dass das funktioniert. Vergiss es", berichtete sie hinterher schmunzelnd. Aber ihr Ziel erreichte sie trotzdem, denn es war für sie Bestzeit und die alte 1:26:40 h war überfällig. Sie läuft eher Trails, als nächstes den Madeira Ultra Trail im Mai. Bleibt also noch etwas Zeit fürs Grundlagentraining auf flachen kürzeren Strecken.

Markus Zerres vom TV Waldstraße Wiesbaden gewinnt die M55 im HM Edmund Schlenker (1980) vom VfL Ostelsheim siegt im HM in der M75, tags zuvor war er in Ingolstadt Deutscher Crosslaufmeister der M75 geworden Ute Schneck vom TV Spaichingen siegt über HM in der W55

Dritte wurde Jasmin Klotz aus Markgröningen, im Oktober 2018 Siegerin des Bottwartal Marathons in 3:04:00 h. Die Beamtin kommt sportlich vom Fußball, spielte in der 2. Bundesliga und verbessert sich beim Laufen in großen Schritten. Nach 1:23:53 war sie für die Ortema GmbH im Ziel und lässt vermuten, dass ihr dritter Marathon wieder mit Bestzeit enden wird. Gar nicht lief es bei Luisa Moroff aus Sindelfingen. Die Triathletin vom Pro Team Mohrenwirt hatte im letzten Jahr in 1:19:48 h den Sieg davon getragen, nun verlor sie den dritten Podiumsplatz drei Kilometer vor dem Ziel, nachdem sie auf der Zwischenzeitmatte nach 10 km noch über eine Minute vor Jasmin Klotz lag. Sie wurde Vierte in 1:24:17 h und suchte nach einer Erklärung. Das Triathlon Trainingslager? "Aber ich fand auch einfach nie Anschluss an eine Gruppe", überlegte sie weiter.

Gut gefüllt ist der Bienwald mit den Zug- und Bremsläufern über Halbmarathon und ... ... Marathon. Hier angeführt vom mehrfachen Brems- und Zugläufer beim Bienwald Marathon, dem Bottwartal Marathon Organisator Gerhard Petermann, der die Wunschkandidaten für 3:30 Stunden sicher ins Ziel brachte

Rang fünf ging an die nur ein Jahr ältere Samira Schnüriger vom LC Regensdorf in 1:25:30 h, gefolgt von Laura Jansen vom SC Heidelberg Triathlon in 1:25:43 h und Katrin Kommer in 1:26:34. Parallele zum Männerrennen war eine beinahe Abfolge von Altersklassensiegen: Sylwia Zakrzewski vom Team AR Sport lief auf Einlaufplatz 9 zum W40 Sieg in 1:29:56 h. Ute Schneck vom TV Spaichingen siegte als Elfte in der W55 in 1:31:09 min gefolgt von der W50-Besten Tanja Volm in 1:31:17 h.

Marathonsieger heißen Jochen Uhrig und Eva Katz

"Wenn man zum Marathonlauf nach Kandel kommt, weiß man, dass man wahrscheinlich alleine sein wird." Da lag der 35jährige Betriebswirt von der TSG 1862 Weinheim mit seiner Vermutung gar nicht falsch, bezieht man es auf sein Leistungsvermögen. Beim Frankfurt Marathon 2016 lief er 2:25:24 h, kommt ursprünglich vom Radrennsport und brachte von daher seine Leidenschaft fürs Alpine mit. Beim Stelvio Marathon mit 2350 Höhenmetern zum Ziel auf das Stifserjoch (2757m) musste er sich als Titelverteidiger 2018 mit Rang 2 begnügen und wird 2019 wieder antreten. Wie erwartet war er nach der Halbmarathonwende auf dem weiteren Weg auf sich gestellt.

Jochen Uhrig (605) von der TSG Weinheim führt das Marathonfeld bei km 9 an. Marathonläufer unterscheiden sich von den Halbmarathonis durch eine rote Nummer Christian Flügel (Nr. 4) vom TSV 1886 Kandel folgt als Zweiter (er wird bis ins Ziel 7 Plätze verlieren). Am Ende dieser Gruppe folgt Richard Schumacher vom Sparda- Team Rechberghausen zunächst auf Rang 3 der Marathonis

Bei Halbmarathon nach 1:14:50 h hatte er 1:16 Minute Vorsprung auf den gleichaltrigen Richard Schumacher vom Sparda Team Rechberghausen. Es hätte also rasch eng werden können, doch Jochen Uhrig hatte auch die bessere zweite Hälfte gepachtet und lief nach 2:28:08 h als Sieger auf der Kunststoffbahn ein. Im Ziel sofort wegen des Wetters befragt, erstaunte seine Antwort: "Es ging eigentlich. Wo Wald war, war es okay." Er berichtete auch von Abschnitten mit brutalem Gegenwind. "Aber über 80% waren gut. Ich konnte meinen Rhythmus laufen und war ja darauf eingestellt, allein zu laufen", so Uhrig. Es war seine erste Teilnahme in Kandel und er fand, es war ein schönes Rennen. Er lief nicht am Anschlag, mehr als Vorbereitung für den Boston Marathon in vier Wochen. Weshalb man ihn 2019 beim Halbmarathon in Heidelberg vermissen wird, wo er die beiden letzten Austragungen gewann und 2017 den Streckenrekord dem Höhenprofil zum Trotz auf 1:12:47 h verbesserte.

Im großen Pulk bei km 9 um Halbmarathon M65-Sieger Peter Beil von der LSG Karlsruhe (in der Mitte, mit der Nr. 2327) befinden sich die führenden Marathonfrauen Eva Katz und Nina Vabic gut versteckt. Die Rumänin Maria Magdalena Veliscu (links; Nr.6) hat sich aus der Deckung gewagt, sie wird am Ende als 4. ins Marathonziel einlaufen Neben der W55-Siegerin im Halbmarathon Ute Schneck (2009) folgt Margit Klockner (SRL Triathlon Koblenz) zunächst auf Rang 4 im Marathonrennen der Frauen

Für Richard Schumacher, dem Sieger von 2016 in 2:30:49 h, blieb zum dritten Mal in Folge nur Rang zwei. Ihn störte es etwas, dass man aufgrund der Bedingungen so unterschiedliche Kilometerzeiten hatte. Im Vorjahr trennten ihn vom Sieger Andreas Straßner (2:33:26) nur 20 Sekunden. 2017 war es Simon Stützel der ihm mit 2:28:51 h die Grenzen aufzeigte, trotz 2:30:32 h. Man hätte ihm mal wieder den Sieg gegönnt, aber 2:33:12 h reichten 2019 leider nicht aufs oberste Treppchen. Er freut sich schon auf den Freiburg Marathon: "Da war ich noch nie", so Schumacher. Ob es allerdings der Marathon wird hängt von seinen Teamkameraden ab. Wenn wir eine Mannschaft für die Deutsche Meisterschaft haben, laufe ich Halbmarathon. 2020 wäre für ihn dann die Gelegenheit bei seiner fünften Teilnahme in Kandel wieder nach den Sternen zu greifen.

Jochen Uhrig erreicht als schnellster Marathonläufer das Bienwaldstadion Der Marathonsieger von 2016 Richard Schumacher macht bei seiner 4. Teilnahme in Kandel das Triple als Zweitplatzierter voll Andreas Sprott vom Running Team Grafenberg freut sich über Rang 3 Der Viertplatzierte Matthias Wagner vom TV Hinterweidenthal gewinnt die M40 und die Pfalzmeisterschaft

Den dritten Rang sicherte sich Andreas Sprott vom Running Team Grafenhausen in 2:40:43 h, der 2018 mit 2:40:14 h in Kandel Vierter wurde. Er kommt ursprünglich aus Stuttgart, doch hat ihn die Liebe vor anderthalb Jahren nach Düsseldorf verschlagen. Der 29jährige ist nicht im Verein, kann aber dennoch siegen. Beim Rhein City Run gelang ihm über den Halbmarathon von Düsseldorf nach Duisburg dieses Kunststück 2018. In Düsseldorf wird er beim Metro Marathon wieder über Halbmarathon starten. Die Deutsche Meisterschaft über Marathon lockt ihn nicht.

Während des Laufs wurde Matthias Wagner von Sprott , der auf den beiden letzten Dritteln schneller war, überholt. Keineswegs ging der Läufer des TV Hinterweidenthal deshalb leer aus. Ihm blieb der Sieg in der M40 und obendrein wurde er in 2:42:03 h Pfalzmeister, schnappte Michael Ohler vom Veranstalter den Titel weg, der in 2:46:16 h Vizemeister und M50 Sieger wurde. Mit dem direkt dahinter auf Rang 9 folgenden Christian Flügel (2:46:42) und Neuzugang Dirk Karl in 2:59:10 h gab es für den TSV Kandel den Pfälzer Mannschaftstitel zu feiern. Die Liste der Männer schließt mit M75-Sieger Uli Teichmann in 5:41:18 h netto. 25 Männer blieben unter drei Stunden.

Geleitet von den 3:14-Brems- und Zugläufern Oliver Lovaszi und Christopher Greenaway hatte Alistair Kealty aus Down Under bei heftigen Böen das unrunde Leder bis ins Ziel fest im Griff ... das ist aber kein Rugby - der noch immer energiegeladene Brems- und Zugläufer Christopher Greenaway hatte sich offensichtlich nicht ganz verausgabt, Liegestütze (statt hinlegen), zeigen seine Begeisterung ob des erfolgreichen von ihm zu bezeugenden Rekordlaufs des Australiers

Sub3 Stunden, das hatte Eva Katz vom RC Vorwärts Speyer auch als Wunschzeit. Die ersten 10 Kilometer lief sie mit Vorjahressiegerin Nina Vabic und Maria Magdalena Veliscu in 42:23 min. Mit 1:29:06 h bei Halbzeit lag sie im Soll und zwischenzeitlich alleine vorn. Doch nach 25 Kilometern traten Probleme auf. Nach 28 Kilometer passierte sie der 3-Stunden-Brems-und Zugläufer David Mild. Immerhin musste sie nicht aufgeben, wie vor 10 Jahren bei ihrer ersten und bis dato einzigen Marathonteilnahme in Kandel. Sie verletzte sich und konnte fünf Monate nicht laufen. Nach 3:02:33 war ihr Sieg unter Dach und Fach, der für die W40-Läuferin auch die Pfalzmeisterschaft bedeutete. "Ich bin nicht so der Titeljäger", beantwortete sie Fragen der Medienvertreter nach dem Wert dieser Auszeichnung. "Mit dem Wetter das ging, ich war oft in einer Gruppe drin", berichtete sie weiter.

Vielleicht schaffe ich es ja mal unter 3 Stunden, war dieses Thema für Eva Katz nicht abgehakt. Nicht so schnell ist der Trollinger Marathon in Heilbronn, den würde sie gern laufen. Auf jeden Fall wieder den Jungfrau Marathon im Herbst, wo sie wegen vorderen Platzierungen vom Veranstalter eingeladen wird. Und im September noch den Berlin Marathon, da war sie schon einmal: 2004. Die Negativerfahrung in Kandel liegt nun hinter ihr. Den Titel im nächsten Jahr zu verteidigen und endlich die 3 Stunden zu unterbieten, das müsst in der Euphorie des Sieges doch einfach nur verlockend klingen.

Eva Katz wird mit dem Gewinn des 44. Bienwald Marathon auch Marathon Pfalzmeisterin Auf Platz 2 folgt Margit Klockner bei ihrer ersten Teilnahme in Kandel Vorjahressiegerin Nina Vabic verliert durch die Positionsverschiebung auf Rang 3 die gute Laune nicht

Margit Klockner aus der Eifel, Jahrgang 1985, hatte von ihrer ersten Teilnahme viel Gutes zu berichten: Super flache Strecke, tolle Organisation, und das Wetter, das konnte sie nicht schrecken. Sie ist Radrennfahrerin und Läuferin, startet für den SRL Triathlon Koblenz und hatte beim Ötztaler Radmarathon, ein Rennen über 240 km mit 5500 Höhenmetern, bei einem Kälteeinbruch ganz andere Wetterkapriolen erlebt und gefroren wie noch nie. Nach 3:06:11 h kam sie als Zweite ins Ziel mit neuer persönlicher Bestzeit. Abgelöst sind die 3:13h, die sie vor zwei Jahren beim Hunsrück-Marathon gelaufen war. Auf Kandel hatte sie extra hintrainiert, wollte 3:10h laufen. "Ich bin begeistert. Dass es so gut laufen würde, hätte ich nie gedacht", so die 33jährige, die macht, was ihr Spaß macht, mal Triathlon, mal Radrennen oder mal laufen.

Für Vorjahressiegerin Nina Vabic (Run & More) lief es von Anfang an nicht. "Ich bin dann alleine meinen Stiefel gelaufen und nun froh im Ziel zu sein, denn jetzt wird es richtig ungemütlich", so die W35-Siegerin und Dritte nach 3:10:34 h. Als Run & More GbR bietet sie eine Anlaufstelle für optimale Trainingsergebnisse im Main-Kinzig-Kreis an und hat ihren Startpass bei der TSG Kleinostheim. "Heute war ein Formtest, mir fehlen noch komplett die schnellen Einheiten." Claudia Hille ist ihre Partnerin bei Swimrun Wettbewerben, wo sie auch keine Wassertemperaturen unter 10 Grad abschrecken. Gestartet sind sie u.a. beim Engadiner Swimrun. "Die Wassertemperaturen verlangen da auch einiges ab", räumt sie ein, immerhin summieren sich die Schwimmstrecken im Engadin auf 6,5 Kilometer und werden durch 46,5 km Trails komplettiert. Vielleicht startet sie beim Trail-Marathon in Heidelberg, der interessiert sie. Aber bis zum Oktober werden wir sicher noch des Öfteren von ihr berichten können.

Der sehbehinderten Radsportler und Triathlet Ralf Arnold (1024) von der MTG Mannheim Triathlon erreicht nach 1:26:34 das Halbmarathonziel. Damit war er trotzt teilweise heftigem Gegenwind knapp 3 Minuten schneller als bei seiner letztjährigen Teilnahme Letztes Jahr noch beim Halbmarathon dabei (1:38:48) erreicht Jochen Wier vom SRH Campus-Sport Heidelberg ohne Unterschenkel und mit nur einem Arm nun das Ziel über Marathon in 3:44:33. Chapeau! Der Australier Alistair Kealty hat für seinen 10. von 52 angestrebten Marathonläufen in einem Jahr den Bienwald Marathon auserkoren. Diverse Kostümierungen je Lauf sind für seinen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde Pflicht, heute lief er als Rugbyspieler mit unrundem Leder im Arm

Die Rumänin Maria Magdalena Veliscu (Running Frenzy) erlitt noch einen weitaus heftigeren Einbruch und rettete sich in 3:22:00 als Vierte vor der aufkommenden Pia Winkelblech ins Ziel, die für die Landau Running Company in 3:22:31 h Vizemeisterin der Pfalz und 2. der W40 wurde. Die weiteren Top Ten Plätze gingen an Petra Friedrich (W35 -Kern-Haus Team RSG Montabau) in 3:23:29 h, Malvine Bläßer von PST Trier (3:23:32), Yvonne Jung (RC Vorwärts Speyer) 3:23:52 h, Daniela Unger von Triathlon Lauingen (3:27:07) und W45-Pfalzmeisterin Sandra Fätsch (3:27:12h) vom ausrichtenden TSV Kandel.

Aufgrund des Sturms gab es auch eine Störung der Datenübertragung vom Bienwald-Stadion zur Halle. Roland Schmidt teilte schließlich den Wartenden mit, es sei nach 41 Jahren nun erstmals passiert, dass sie die Altersklassen-Siegerehrungen des Halbmarathons nicht durchführen können. Doch noch während der Ansage wurde er informiert, es sei nicht aussichtslos, aber man brauche noch eine halbe Stunde. Währenddessen hatte man etwa die letzten auf der Strecke befindlichen Marathonis eingesammelt und den Marathon unfallfrei abgebrochen. Was für ein Glück, denn tatsächlich waren drei mächtige Kiefern vom Sturm entwurzelt auf die Strecke gefallen.

Einmal mehr konnte der Bienwald Marathon mit interessanten Athleten aufwarten: die Zweitplatzierte im Halbmarathon Aoife Quigly (2389) ist stolz darauf von keiner geringeren als der zigfachen Deutschen Meisterin und mehrfachen Olympiateilnehmerin Sabrina Mockenhaupt besiegt worden zu sein Ebenfalls zahlreiche deutsche Meistertitel hat die Mutter des Drittplatzierten über Halbmarathon Dustin Karsch, Jutta Karsch gesammelt. Ihre persönliche Marathon Bestzeit 2:38:07 ist sie 1989 in Osaka (JPN) gelaufen Und übrigens ...... mit einer Zeit von 3:14:53 h konnte Alistair Kealty den bestehenden Rekord eines Laufs im Rugby Outfit unterbieten. Christopher Greenaway bestätigt Alistair Kealty den Erfolg für das Guinnessbuch der Rekorde. Unter https://42point2.com kann man seine Läufe verfolgen
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Noch vor dem 45. Bienwald-Marathon schreibt der TSV Kandel, der zweimal Deutsche Marathonmeisterschaften ausgerichtet hat, erneut Geschichte. Für den Herbst hat man die Aufgabe angenommen, die Deutschen 100km Meisterschaften zu organisieren. Josef Vollmer, Stadtrat und 1. Vereinsvorsitzender hofft weiterhin auf die große Erfahrung von Roland Schmidt, wenngleich der OK-Chef sicher etwas kürzer treten wird. Mit dem geplanten neuen Hallenanbau wird man sich zumindest des Festzeltes für die Marathonmesse entledigen können. Weiter steht eine umfassende Renovierung der Leichtathletikanlagen samt Laufbahn im Stadion an, die rund 5 Millionen Euro verschlingen wird. Der TSV Kandel rechnet dann wieder auf die Vergabe von Leichtathletikmeisterschaften ins Bienwald-Stadion. Nur, wie es mit der Nutzung der Sporthalle weitergehen wird, die die Brandschutzbestimmungen nicht mehr erfüllt, dafür zeichnet sich keine Lösung ab.

Hoffen wir darauf, dass der Klimawandel oder was auch immer die Stürme auslöst, den Bienwald nicht zur No-Entry-Zone macht und die nächsten Jahre keine herabfallenden Äste und Kieferbrüche den Lauf gefährden. Die größte Gefahr sollte im Bienwald von der Wildkatze ausgehen, wenn sie sich doch nur mal beim Kandel-Marathon zeigen würde.

Warum die "schnellste Strecke der Welt" etwas langsamer geworden ist -
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Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

unter

go4it-foto.de
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