31.3.18 - 72. Paderborner Osterlauf

Neue Jahresweltbestleistung über 10 km

Kenianer dominieren - Achtungserfolge für deutsche Läufer

Tendenz zur kürzeren Strecke - HM macht Sorgen

von Michael Schardt

Informationen zum Lauf 2019 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Der Paderborner Osterlauf ist und bleibt eine der wichtigsten Laufveranstaltungen auf deutschem Boden und erste Standortbestimmung in der noch jungen Straßenlaufsaison. Nicht ohne Grund kann Paderborn fast jährlich neue Jahresweltbestzeiten verkünden und ebenso regelmäßig Spitzenwerte für deutsche Läuferinnen und Läufer.

Der Paderborner Osterlauf ist so etwas wie die Stunde Null der bundesrepublikanischen Laufszene. Denn schon zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in der Paderstadt der erste Straßenlauf durchgeführt.

 
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Inzwischen hat der älteste deutsche Straßenlauf das Rentenalter längst erreicht und um sieben Jahre überschritten. Auf zweiundsiebzig Austragungen bringt es die Veranstaltung nun und gibt sich jung und unverbraucht wie eh und je.

Ob Hobbyläufer oder Spitzenathlet, zum Paderborner Osterlauf kommen sie alle in Scharen. Über 11.500 Anmeldungen hatte es gegeben und wohl mehr als 10.000 Zieleinläufe
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Fast 11.600 Anmeldungen gab es für die diesjährige Auflage und damit kaum weniger als im Vorjahr. Im Bereich der Finisher allerdings sieht es vergleichsweise etwas ungünstiger aus, denn 2017 waren in den Hauptwettbewerben Halbmarathon, 10km, 5km, Inliner und Walking 8391 Zieleinläufe gezählt worden, diesmal aber rund 500 weniger, nämlich 7915. Dies ist um so bemerkenswerter, als dass es heuer beste Witterungsbedingungen gab, während es im Vorjahr regnete und stürmte, was das Zeug hergab. Ernsthafte Sorgen dürfte die Entwicklung der einstigen Hauptstrecke, des Halbmarathons, machen. Hier nehmen die Finisherzahlen seit einigen Jahren immer weiter ab.

Waren 2016 noch über 2000 Zieleinläufe gezählt worden, sanken diese 2017 dramatisch auf 1580 ab und 2018 weiter auf nur noch 1444. Auch im Spitzenbereich geht es beim Halbmarathon leicht abwärts.

Längst sind die Zeiten vorbei, als bei den Männern ein Dutzend afrikanische Eliteläufer um Sieg und Ehre kämpften oder ein halbes Dutzend Frauen aus dem schwarzen Kontinent die Szene dominierten. 2018 war das Feld bei den Männern auf vier Akteure aus Kenia geschrumpft, bei den Frauen war lediglich noch eine Frontfrau verblieben.

 
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Zwei Bambiniläufe für Kindergartenkinder und Grundschüler stehen auf dem Programm. Viele Eltern dürfen mitlaufen und das neue Maskottchen des Osterlaufs ebenso. Das Osterfest inspirierte viele Kinder zur motivgerechten Verkleidung. Der bekannte Fernsehmoderator Wolf-Dieter Poschmann geizte nicht mit Anspielungen auf die Kostümierung der jungen und auch älteren Läufer

Zehner ungebremst

Im Gegensatz dazu sind die beiden Unterdistanzen im Aufwind, besonders die Zehn-Kilometer-Distanz. Immer mehr Läufer möchten über fünf oder zehn Kilometer an den Start gehen und scheuen die Strapazen des Halbmarathons. Während beim Jedermannslauf regelmäßig noch Startplätze übrig bleiben, muss der Zehner seit Jahren gedeckelt werden.

Irgendwann, so hieß es von Veranstalterseite, ist die Kapazitätsgrenze erreicht, die irgendwo bei 4400 Startplätzen liege. Man hatte den Start schon vor Jahren in zwei, später sogar in drei Wellen vollzogen und die Teilnehmerbegrenzung immer weiter erhöht, doch regelmäßig hieß es: "Ausgebucht". Dass es zwei Tage vor dem diesjährigen Start plötzlich doch noch hundert Startplätze gab, war einer Tendenz zu verdanken, wonach besonders viele Läufer auf eine kürzere Strecke umgemeldet hatten, vor allem die Zehner zum Jedermannslauf. Dafür wurde die schlechte Wetterlage der vergangenen Wochen verantwortlich gemacht, die viele Hobbyläufer am regelmäßigen Training gehindert habe.

Die unterschiedliche Entwicklung der beiden Hauptstrecken spiegelte sich zuletzt auch in den Leistungen wieder. Während beim Zehner neue Streckenrekorde und Weltjahresbestleistungen fast schon die Regel waren, waren die Werte im Halbmarathon zwar durchaus beachtlich, aber kaum mehr als herausragend zu bezeichnen. Das Management scheint mehr und mehr darauf bedacht, die Spitzenleute über zehn Kilometer zu verpflichten, eingeschränkt aber nur noch für den HM.

Start des Schülerlaufs mit fernsehgerechter Inszenesetzung und des Jedermannslaufs über fünf Kilometer, dem zweitgrößten Wettbewerbs des Nachmittags

Ungünstiger Wettkampfkalender

Eine Sondersituation gab es in diesem Jahr für die deutschen Starter, die mit dem frühen Osterfest eher kalendarische Gründe hatte. Mit dem Berliner Halbmarathon und den deutschen Halbmarathonmeisterschaften in Hannover am kommenden Wochenende hatten viele Kräfte auf einen Start in Paderborn verzichtet. Außerdem waren einige der deutschen Laufasse in einer präzis geplanten Vorbereitung auf die deutsche Marathonmeisterschaft in Düsseldorf am letzten Aprilwochenende, die einen Start in Paderborn nicht vorsah. Von daher kamen diesmal weit weniger schnelle deutsche Läuferinnen und Läufer in die Paderstadt. Selbst die regelmäßig anwesende Katharina Heinig, die vor vielen Jahren schon den Schülerinnenlauf hier gewonnen hatte, fehlte. Um so erfreulicher dennoch, dass diejenigen, die da waren, sehr gute Zeiten erreichten und Qualifikationsnormen erfüllten. Dies waren durchweg Männer. Vor allem überzeugten Jens Nerkamp über 10 km und Frank Schauer beim Halbmarathon.

Sechs Stunden Laufspaß für die ganze Familie

Zwischen dem ersten Start um elf Uhr und den letzten Zieleinläufen gegen siebzehn Uhr liegen sechs Stunden Laufspaß für die ganze Familie. Die Organisatoren des Paderborner Osterlauf um Christian Stork schaffen Jahr für Jahr den gewaltigen Spagat zwischen Elite- und Breitensportveranstaltung. Und Jahr für Jahr gelingt es, sowohl die Läufer wie Zuschauer in großem Maße zu aktivieren und zu begeistern. Zur Familienbespaßung dienen sportlich insbesondere die Bambini und Schülerläufe, bei denen über 2000 Kinder mitmachen, (die nicht in die offizielle Finisherliste eingehen). Außerdem wird auf der großen Bühne vor der Paderhalle ein breites Unterhaltungsprogramm mit Tanz, Moderation und Spielen geboten. Großen Anklang findet auch die Läufermesse in der Turnhalle, wo knapp fünfzig Aussteller neue Produkte feilbieten.

Gleich nach der zweiten Brückenpassage liegt die Zeitmessmatte (5km) Eine neue Idee hatten die Organisatoren, was die Zuschauerannimation anbelangt. Die beste Vorgartenparty wurde prämiert, was deutlich mehr Stimmung im Stadtteil Stadtheide brachte, zudem waren einige Combos an der Strecke verantwortlich für noch mehr Stimmung

Zwei Neuerungen wurden 2018 geboten, die eine noch größere Identifikation mit dem Osterlauf befördern sollen. Zum einen war es der Premiereauftritt eines neuen Maskottchens, des Osterlaufhasen. Das passte nicht nur, weil der Hase das Symboltier des Osterfestes ist. Auch ist der Hase so etwas wie das Wappentier der Paderborner. Denn der Besuch des Hasenfensters am Dom gehört zu den touristischen Attraktionen der ostwestfälischen Metropole. Die zweite Neuerung betraf die Zuschaueraktivierung. Man hatte einen Preis ausgeschrieben für die beste Vorgartenparty des Osterlaufs, weshalb sich eigens eine Jury auf den Weg machte, die Strecke abzulaufen. Und tatsächlich ließen sich viele Paderborner insbesondere in Stadtheide inspirieren, groß Stimmung zu machen mit Musik, Beifall und guter Laune.

Jedermannslauf an Marius Güths und Kim Franziska Lassen

Die Paderborner Strecken wären absolut flach, wenn die Nordbrücke nicht im Weg stünde. Nach knapp 1000 Metern müssen die Jedermänner einmal drüber weg, später die Zehner gleich zweimal und die Halbmarthonis sogar viermal. An den jährlich erreichten tollen Endzeiten scheint die Brücke nicht wirklich knabbern zu können, sonst hätten sich die Veranstalter des Grün-Weiß Paderborn sicher schon nach einer alternativen Wegführung umgesehen.

Traditionell nehmen am Jedermanslauf keine starken Läufer aus dem Ausland teil, so dass sich die besten regionalen Kräfte um Sieg und Ehre streiten dürfen. Rund 2400 Aktive kamen über fünf Kilometer ins Ziels, dazu noch gut zweihundert Walker und Nordic Walker, die sich fünf Minuten später als die Läufer auf die Strecke begeben. Außerdem sind auch größere Gruppen von Läufern mit Behinderung dabei, die eine eigene Kategorie bilden. Etwa ebenso viele Männer wie Frauen waren dabei.

 
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Über 5 km siegte Marius Güths Hendrik Pohle ( links) wird 4., Jonas Kresse ( mitte) holt Rang 3 und Marco Rehmeier (5875) wird 2. Kim Franziska Lassen gewinnt den Fünfer bei den Frauen Kiara Nahen wird 2.

Bei den Frauen war das Ergebnis in der Spitze besser als in den vergangenen Jahren. Sechs Läuferinnen blieben unter zwanzig Minuten, eine sogar unter neunzehn Minuten. Siegerin wurde die Vorjahreszweite Kim Franziska Lassen vom Hamburg-Running-Team, die die lange Reise aus der Elbmetropole nicht gescheut hatte. Sie gewann klar in 18:21min mit annähernd einer Minute Vorsprung. Zweite wurde die B-Jugendliche Kiara Nahen vom LC Paderborn. Sie brauchte 19:15min. Auch die dritte im Bunde war aus Hamburg gekommen. Sina Günther vom TSG Bergedorf brachte es auf eine Zeit von 19:38min, womit sie Lucienne Cramer (W45) vom Laufladen Endspurt auf den undankbaren vierten Rang (19:46min) verwies.

Hendrik Pohle heißt der Dominator der letzten Jahre beim Jedermannslauf. Schon mehrfach war er der schnellste auf der kürzesten Paderborner Erwachsenenstrecke. Allein im Vorjahr musste er sich im Spurt knapp geschlagen geben und wurde "nur" zweiter. Sehr ungünstig verlief das Rennen in diesem Jahr für den Mann vom SV Brackwede Bielefeld. Bei einem überaus engen Einlauf eines Quartetts, das durchweg unter sechzehn Minuten blieb, hatte er das Nachsehen.

 

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Es siegte sein Vereinskollege Marius Güths mit verhältnismäßig "großem" Vorsprung von vier Sekunden in 15:41min. Dahinter kamen die drei anderen Läufer im Sekundentakt über die Ziellinie. Als zweiter Marco Rehmeier von der LG Lage-Detmold-Bad Salzuflen in 15:45min vor dem zeitgleichen Jonas Kresse vom Hamburg-Runningteam. Vierter wurde Pohle in 15:47min. 45 Männer blieben unter zwanzig Minuten.

Der Start für die Zehner erfolgte in drei Wellen. Der beliebteste Wettbewerb war wieder einmal ausgebucht Die Steigung an der Nordbrücke ist die einzige Erhebung, die allerdings zweimal überlaufen werden muss, im HM sogar viermal

Dorcas Tuitoek markiert den Höhepunkt der Veranstaltung

Als um 12:40 Uhr rund 3900 Läufer und Läuferinnen über zehn Kilometer an der Startlinie standen, da war der Zeitpunkt für den Höhepunkt der Veranstaltung gekommen. Exakt 2561 Männer und 1300 Frauen (Anteil knapp 36 Prozent) sollten das Ziel erreichen und einer davon die alte Jahresweltbestzeit auslöschen. Bei hervorragenden äußeren Bedingungen sollte es zu zwei spektakulären Soloritten kommen, der eine dargeboten von der Kenianerin Dorcas Tuitoek, der andere von Landsmann Emmanuel Kiprono. Die Temperaturen waren bei etwa zwölf Grad überaus läuferfreundlich, und der Wind, der später beim Halbmarathon merklich auffrischen sollte, konnte man bestenfalls ein laues, aber kühlendes Lüftchen nennen. Regen, den man für den Samstag noch befürchtet hatte, war während des gesamten Laufnachmittags kein Thema, der günstige Rahmen für Topleistungen also gestellt.

Bei den Frauen hatte die spätere Siegerin Dorcas Tuitoek bei fünf Kilometern einen Vorsprung von 56 Sekunden (15:21min) auf Naumi Ndolo (16:15min) und Lilian Jelagat (16:17min) herausgelaufen, der sich im Ziel auf über achtzig Sekunden ausdehnen sollte. Mit exakt 31 Minuten Laufzeit (netto 30:59min) verbesserte sich Tuitoek gegenüber ihren Vorleistungen erheblich. Bedeutender aber ist, dass sie den alten Streckenrekord von Gladys Kimaina aus dem Vorjahr (31:15min) um fünfzehn Sekunden verbesserte. Mit großem Rückstand folgten vier weitere Landsfrauen, von denen Naumi Ndolo die schnellste (32:22min) war und zweite wurde. Es folgten Lilian Jelagat (32:40min) und Maryanne Wanjiru (33:15min).

Kein Osterlauf ohne neuen Streckenrekord: diesmal war es die Kenianerin Dorcas Tuitoek, die die erst ein Jahr alte Marke auslöschte und netto sogar unter 31 Minuten blieb Rang 2 für Naumi Ndolo in 32:22 (KEN) Rang 3 an Lilian Jegalat in 32:40 (KEN) Einen Top-ten-Platz mit 36:02 gab es für den couragierten Auftritt von Michelle Rannacher aus Gütersloh

Schnellste Deutsche wurde Deborah Schöneborn (LG Nord Berlin) als 7. in 34:01min vor Victoria Brand (9. in 34:54min, LAC Olympia 88) und Michelle Rannacher (DJK Gütersloh) als 10., die in 35:58min (netto) eine neue PB aufstellte. Schöneborns Hoffnung, ebenfalls einen neuen persönlichen Bestwert aufzustellen, erfüllte sich nicht. Deshalb war sie nach dem Rennen etwas enttäuscht. Rannacher hingegen hatte sich ihren Lauf gut eingeteilt und sich am Schluss noch unter die besten zehn Läuferinnen gekämpft.

Nicht ganz so riesig wie bei den Frauen fiel der Vorsprung nach fünf Kilometern bei den Männern aus. Emmanuel Kiprono hatte für die Hälfte 13:48min gebracht, womit er 18 Sekunden vor Landsmann Douglas Kipserem lag. Die zweite Hälfte, die etwas schneller als die erste einzuschätzen ist, konnte Kiprono noch flotter absolvieren. Seine Endzeit von 27:26min bedeuten neue Jahresweltbestzeit und auch die Unterbietung der legendären früheren Streckenbestzeit von Carsten Eich (1993, 27:47min), die erst im letzten Jahr von Kipronos Landsmann Benard Kimeli (27:18min) geknackt worden war. Kipserem wurde in 28:19min zweiter, gefolgt von Ezra Kering (29:02min). Ein hervorragendes Rennen absolvierte der Schwede David Nilsson, der nur um eine Sekunde das Stockerl verpasste (29:03min). Er hatte ab Halbzeit noch einige Plätze gutgemacht.

Sieger über 10 km mit neuer Jahresweltbestzeit (27:26) Emmanuel Kiprono aus Kenia Landsmann Douglas Kipserem wird 2. in 28:19 Der starke Schwede David Nilsson verpasst nur um eine Sekunde einen Podestplatz und wird in starken 29:03min 4. Prächtiger Auftritt von Jens Nerkamp. Er wird mit neuer PB von 29:20 Neunter

Schnellster Deutscher wurde Jens Nerkamp, der 9. wurde und in 29:20min eine bemerkenswerte neue persönliche Bestzeit erreichte. Auch er konnte sich nach der 5-km-Marke noch um ein paar Plätze verbessern. Im Gegensatz zu anderen deutschen Läufern hatte der Mann von Grün-Weiß Kassel den Osterlauf in seine Vorbereitung auf die beiden deutschen Meisterschaften (HM in Hannover und Marathon in Düsseldorf) eingebaut. Bei seinem Marathondebüt in der Rheinmetropole will er unter 2:20h bleiben. Philipp Reinhardt (LC Jena, 29:45min) wurde 13.

Unerklärlich bei aller Freude über die guten Leistungen in Paderborn ist, wieso die Netto- und Bruttozeiten bei den Spitzenleuten manchmal bis zu drei Sekunden voneinander abweichen, so bei Sieger Kiprono, oder identisch sind, wie bei Nerkamp. Das sollte doch einer Überprüfung als Wert erachtet werden, zumal das Phänomen nicht zum ersten Mal auftrat.

Start des Halbmarathons, der deutlich im Schatten des Zehners stand

Zweimal Kenia im Halbmarathon

Fest in kenianischer Hand befand sich auch der Halbmarathon, aber die Leistungen waren nicht so spektakulär wie beim Zehner. Bei den Männern hatte sich zunächst eine schwarzafrikanische Vierergruppe an der Spitze etabliert, die die erste von zwei Runden zusammengeblieben war und sich erst danach auseinanderdividierte. Am Ziel wurde während des Rennens mehrfach über Mikrophon die telefonisch berichtete Nachricht verbreitet, dass Elias Sansar von der LG Lage dieses Quartett aus Kenia anführe und die Führungsarbeit leiste. Der Moderator schickte aber sogleich seine Zweifel an der Echtheit dieser Mitteilung hinterher: eigentlich könne das gar nicht sein und Sansar sei so erfahren, dass er sich richtig einschätzen könne, mutmaßte Wolf-Dieter Poschmann.

Wie berechtigt diese Zweifel waren, zeigt ein Blick auf die Zwischenzeiten, die nach 5,5 und 15,5km genommen wurden. Sansar hatte nie geführt und sein Rennen vollkommen richtig eingeteilt. Er war gleich zu Anfang auf Rang acht gelegen, den er bis ins Ziel in 69:02min verteidigte. Bei der Führungsgruppe kam zwischen km 11 und 13 Bewegung ins Geschehen, als Kacherian das Tempo verschärfte und den Abstand bis auf knapp eine Minute ausbaute. Er siegte schließlich in 61:54min vor Charles Maina (62:49min) und Bethwel Chemweno (62:54min).

Die ersten vier Plätze machten die Kenianer unter sich aus: v. l.: Charles Maina (2.), Bethwel Chemweno (3.), Sieger Philemon Kacherian (107) sowie Patrick Kimeli (4.) dahinter Neue Bestzeit, bester Europäer und Erfüllung des Leistungsnachweises für den EM-Marathon in Berlin für Frank Schauer, Platz 5 in 1:04:50 Als einzige Eliteläuferin aus Afrika hatte Cynthia Jerop keinerlei Probleme, den HM-Sieg sicherzustellen (1:12:53) Karen van Proyen aus Belgien wird Zweite Ilka Wienstroth aus Bielefeld läuft auf Rang 3

Frank Schauer vom Tangermünder Elbdeichmarathon kam als 5. ins Ziel und erbrachte den Leistungsnachweis für die Teilnahme am EU-Marathon in Berlin mit 64:50min. Gleichzeitig war es eine neue Bestzeit für ihn. Auch auf den Plätzen sechs und sieben landeten deutsche Läufer: Nic Ihlow vom SC DHFK Leipzig wurde in 66:01min sechster vor Triathlet Patrick Dirksmeier von LSF Münster in 68:52min.

Bei den Frauen war nur eine Kenianerin, Cynthia Jerop, dabei, die ein einsames Rennen absolvieren musste und klar in 72:53min gewann. Vielleicht wäre eine noch schnellere Zeit möglich gewesen, wenn sie wenigstens eine Männergruppe gefunden hätte, in der sich die zierliche Läuferin vor dem inzwischen aufgefrischten Wind hätte schützen können. Dahinter sicherte sich die Belgierin Karen van Proyen (78:16min) und die Deutsche Ilka Wienstroth (87:31min) die Plätze.

Bei dem Inliner-HM waren rund 250 Akteure am Start. Das Siegertrio bei den Männern v.l.: Jan Struwe (2.), Sieger Sören Lindner sowie Markus Pape (3.) Bei den Frauen wurde Karolina Kessler (links) 2. vor Silke Zimmermann. Bei der Ehrung nicht anwesend: Siegerin Claudia Maria Henneken aus Köln

Wieder einmal spektakuläre Bilder und ein böse aussehender Sturz, der glücklicherweise glimpflich ausging, lieferte der Inliner-Halbmarathon, der vor dem Halbmarathon angeschossen wird. Hier siegte Claudia Maria Henneken vom SCC Köln in 39:04min mit nur zwei Sekunden Vorsprung vor Karolina Kessler (39:06min) und Silke Zimmermann vom VfR Büttgen (40:21min). Das war auch die Reihenfolge bei der zugleich ausgeschriebenen NRW-Landesmeisterschaft. Bei den Männern siegte Sören Lindner (SCC Skating Berlin) in 36:01min vor den zeitgleichen Jan Struwe (Halstenbeker TS) und Markus Pape (LC Solbad Ravensberg). Letzterer ist gleichzeitig auch neuer NRW-Meister.

Der Zieleinlauf vor dem Maspernbad Optimale Witterungsbedingungen unter bunten Flaggen am Ostersamstag beim ältesten deutschen Straßenlauf
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Fazit

Paderborn ist Osterlauf, und Osterlauf ist Paderborn. Auch wenn das wie eine Plattitüde klingt, so ist doch viel Wahres daran. Denn man wird nur schwerlich eine Laufveranstaltung in der Republik finden, mit der sich die Einwohner so identifizieren wie mit dieser. Viele Zuschauer, große Begeisterung und ein unermüdliches Helferteam zeigen das überdeutlich. Es ist eine über viele Jahrzehnte organisch gewachsene Tradition, die ihre Anfänge - in anderer Form freilich - sogar noch vor dem Zweiten Weltkrieg und damit vor der offiziellen Zählung hatte. Für denjenigen, der mehr über den Paderborner Osterlauf wissen will, stehen zahllose Überblicksartikel und Netzeinträge zur Verfügung, sogar Bücher sind über die Veranstaltung schon geschrieben worden. Am besten aber lernt man den ältesten deutschen Straßenlauf durch die Teilnahme an einem der Rennen kennen, oder wenigstens durch zuschauerliche Präsens. Denn: der nächste Osterlauf kommt bestimmt …

Thomas Linnemann

Bericht von Michael Schardt - Fotos von Thomas Linnemann

Michael Schardt
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Informationen und Ergebnisse www.paderborner-osterlauf.de

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