25.3.17 - 41. Springe Deister Marathon

So viele Finisher wie noch nie in Springe

Favoritensiege im Marathon; starke Leistungen über 10 km

Bestes Wetter und einige Neuerungen

von Michael Schardt

"Frühling lässt sein blaues Band wieder Flattern durch die Lüfte" - wann hätte die erste Zeile des bekannten Mörike-Gedichts "Er ist's" je besser als Motto einer Laufveranstaltung fungieren können, als beim 41. Springe Deister Marathon am letzten Samstag im März. So günstige Witterungsbedingungen hatte man schon lange nicht mehr am Rande des Deistergebirges, wenn überhaupt schon einmal. Strahlend blauer Himmel, viel Sonne, läuferfreundliche siebzehn Grad und eine leichte Brise, die etwas kühlte, aber nirgendwo hinderlich war. Vor Jahren hatte es Wolkenbrüche geregnet, erinnert sich der Moderator. Oder man musste Schnee schippen und Eis von der Straße kratzen. Einmal sogar, da sei es so kalt gewesen, dass das Wasser in den Trinkbechern gefroren und fast keine Verpflegung möglich gewesen sei.

Feld und Wald bietet der Rundkurs in Springe, der von Marathonis vier mal zu durchmessen ist Der einzige nennenswerte Hügel hat 35 Höhenmeter, in der Summe also 140 Höhenmeter für Marathonis
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Kein Wunder bei so schönem Wetter in diesem Jahr, dass sich am Nachmeldeschalter lange Schlangen bildeten und dem Organisationsteam ein fetter Teilnehmerzuwachs von rund zehn Prozent und mit 1144 Läufern im Ziel ein neuer Finisherrekord beschert wurde. Mit Rückenwind also ging der zweitälteste und kontinuierlich durchgeführte Marathon in Niedersachsen in sein fünftes Jahrzehnt.

Neuerungen

Vorsorglich des erwarteten Andrangs hatte man den Zielbereich, der bisher vor dem Eingang der Turnhalle und direkt neben einem Versorgungsstand lag, wo es schon in den letzten Jahren zu Gedrängel und Behinderungen der Läufer kam, die in eine weitere Runde einbiegen wollten, vor den Sportplatz verlegt. Etwa fünfzig Meter vor dem Ziel liefen nun die noch im Wettbewerb befindlichen Läufer wie bisher nach rechts ab in die nächste Runde, während die Finisher nach links abbogen ins Ziel, wo für sie ein zweiter Stand mit der Zielverpflegung aufgebaut war. Diese Maßnahme brachte eine spürbare Entspannung der Situation, vor allem für den Zeitraum, wenn die großen Felder des Zehners und Halbmarathons ins Ziel kommen, während viele Marathonis noch im Rennen sind. Eine Streckenneuvermessung war aber insofern nicht vonnöten, weil der Zielbogen exakt so viele Meter nach links verlegt wurde, wie er früher nach rechts führte.

Mit 1144 Finishern wurde ein neuer Finisherrekord aufgestellt

Eine weitere Maßnahme, um das mit acht Wettbewerben prall gefüllte Programm zu entzerren, betraf die Änderung der Startzeiten. Die Marathonläufer starteten um elf Uhr als erste, während die Halbmarathonis zwei Stunden später auf die Strecke gingen - eine Stunde später als bisher. Das hat den Vorteil, dass die Marathonis in ihrer letzten Runde nicht mehr so einsam unterwegs sind. Denn der 10,5 km lange Rundkurs ist für beide Langstrecken (und auch für den Zehner) identisch und ist zwei- beziehungsweise viermal zu durchlaufen. Zwischen den beiden langen Kanten werden zwei Jugendläufe sowie der Zehner und Fünfer durchgezogen. Der Fünfer ist gleichfalls eine Neuerung, wurde erst im Vorjahr probeweise eingeführt und dank der guten Resonanz beibehalte.

Favoritensiege beim Marathon

Der Rundkurs führt als reiner Landschaftslauf teilweise über die Ausläufer des kleinen Deistergebirges und ist phasenweise leicht wellig. Los geht es am Schulzentrum Süd, wo der Verein SV Springe seine Sportanlagen hat. Es folgt ein kleines Stück durch die Stadt und an einer Ausfallstraße vorbei. Dann biegt man auf einen Landschaftsweg nach Alvesrode ein, wo die höchste Erhebung auf die Läufer wartet.Hat man dieses Dorf hinter sich gelassen, geht es zum Wisentgehege, einer Touristenattraktion der Gegend. Nach einem sehr schönen Waldstück folgt auf den letzten drei Kilometern die Rückkehr zum Schulzentrum auf dem Radweg einer Verkehrsstraße, wobei das schöne Jagdschloss, in dem ein Restaurant betrieben wird, passiert wird.

Insgesamt kann der Lauf durch einen hübschen, abwechslungsreichen Kurs überzeugen, der zu achtzig Prozent auf Asphalt und zu zwanzig Prozent auf Schotter oder steinigen Naturwegen verläuft. Der Höhenunterschied zwischen dem niedrigsten und höchsten Punkt des Rundkurses macht fünfunddreißig Meter aus. Insgesamt aber hat die 10,5-km-Runde etwa fünfzig Höhenmeter und damit der Marathon zweihundert und der Halbmarathon hundert Meter.

Gewinnt den Marathon: Favorit Frank Balzer Rang zwei für Felix Kerlikowsky Rang drei für Stephan Walter Bianca Stanieda gewinnt den Marathon mit fast 20 Minuten Vorsprung. Mit der Nr. 1083 ist Jens Scheffler zu erkennen, der 5. wird

Gemessen an den bestehenden Streckenrekorden (Andrea Krajenski, 1999, 3:09:14h) sowie Volker Krajenski (1999, 2:34:09h), beide vom SV Germania Helmstedt, ist die diesjährige Leistung der Frauensiegerin höher einzuschätzen als die des schnellsten Mannes. Denn Bianca Stanieda vom SVE Hiddestorf lag mit ihrer Zeit von 3:16:04h einerseits nicht so sehr weit von der Streckenbestzeit entfernt, andererseits war ihr Sieg mit 18 Minuten Vorsprung mehr als deutlich. Der schnellste Mann, Frank Balzer vom VfB Fallersleben, siegte mit zwei Minuten Vorsprung in 3:02:32h, blieb aber mehr als eine halbe Stunde hinter der Leistung Krajenski zurück.

Beide, Balzer und Stanieda, galten als Favoriten und legten je einen Start-Ziel-Sieg hin. Auf den Plätzen bei den Frauen landeten Ines Roessler (VfB Fallersleben, 3:34:36h) und Jenny Weinmann (LTV Genthin, 3:43:05h); und bei den Männern Felix Kerlikowsky (Hannöversche Tafel, 3:04:35h) und der vereinslose Stephan Walter (3:08:36h). Am Teilnehmeraufschwung, von dem alle Wettbewerbe profitierten, konnte der Marathon nicht partizipieren. Nur 110 Läufer kamen ins Ziel, davon 17 Frauen (16 Prozent), eine durchaus übliche Quote in Springe. 140 Finisher sind bisher in der rund 30.000 Einwohner zählenden Stadt der Rekord über die Königsdistanz. Zielschluss ist nach 5:30 Stunden.

 

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Die kürzeste Strecke von 600 Meter legen die Bambini zurück, die Jahrgang 2010 und jünger sind Start für nur 110 Marathonis. Hier war die Beteiligung nicht angestiegen wie in den anderen Wettbewerben

Rahmenwettbewerbe

Zwei Schüler und zwei Walkingwettbewerbe gehören zum in enger Taktung durchgeführten Mammutprogramm. Da sind zum einen die Bambini im Alter von zwei bis sechs Jahren, die eine Runde auf der Aschenbahn drehen und um die Ecke ins Ziel laufen, das außerhalb des Sportplatzes liegt - zusammen sechshundert Meter. Für diese Strecke brauchen die schnellsten Kids, für die die Uhr mitläuft, rund zweieinhalb Minuten. Zum anderen gibt es den Schülerleistungslauf über 2000 Meter, in dem Mädchen und Jungen im Alter von sieben bis vierzehn Jahren gemeinsam an den Start gehen.

Die Reihenfolge bei den Mädchen lautet: Melanie Spieß (8:09min), Madeleine Schenker (8:34min) und Leni Linschmann (9:00min). Die der Jungs: Theo Schlaphoff (6:55min), Paul Matthesius (6:59min) und Florian Zang (7:19min). Die Zeit der beiden ersten Jungs ist durchaus bemerkenswert, bedenkt man, dass hier jemand den Streckenrekord von 6:40min hält, der heute zur erweiterten deutschen Männerspitze zu zählen ist: Geronimo von Wartburg. Er war vor 14 Jahren als Schüler hier und gewann.

Die Schüler gehen nach den Marathonis als zweite ins Rennen. Über 2 km wird Florian Zang (links in blau) dritter, Theo Schlaphoff (rechts daneben in weiß) gewinnt, und Paul Matthesius (rechts daneben, auch in weiß) wird zweiter

Eine recht große Zahl von Walkern mit und ohne Stöcke fand sich für einen 10-km-Bewerb in Springe ein, welcher erst nach allen Starts der Läufe nach 14 Uhr angeschossen wird. Beim Walking gewannen Marion Knoop-Wente in 1:12h und Ingo Daseler-Schluer in beachtlichen 1:05h sowie bei den Nordic-Walkern Monika Montag in 1:20h und Frank Bachler in 1:16h. Die Walker absolvieren die gleiche Runde wie die 10-km-Läufer.

Starke Leistungen über 10-km und zwei Spurtentscheidungen

Die stärksten Leistungen des Nachmittags gab es über zehn Kilometer, und die spannendsten dazu. Das gilt sowohl für die Frauen als auch für die Männer.

Die A-Jugendliche Antonia Schiel vom TSV Wennigsen und die W30erin Gwendolyn Mewes vom LAC Langenhagen bogen gemeinsam auf die dreihundert Meter lange Gerade ein, die vor den letzten kurvigen und verwinkelten Metern vor dem Ziel liegt. Die erfahrene Mewes ließ Schiel die Führungsarbeit leisten und machte sich deren Windschutz zu nutze. Kurz vor dem Ziel ging Mewes dann unwiderstehlich vorbei und siegte in für die Strecke sehr ordentlichen 36:58min. Schiel brauchte vier Sekunden länger. Auf den Plätzen folgten Rebekka Raphael (W35) von Hannover 96 Triathlon in 40:41min und knapp dahinter Aida Stahlhut (W35) vom TuS Niedernwöhren in 40:47min.

Start des 10-km-Lauf, wohl der Wettbewerb mit den besten Leistungen. Sieger wird Haftom Weldaj (ganz links) vor Timo Kuhlmann (856) und Emanuel Schoppe (831) 300 Meter vor dem Ziel ist das Frauenrennen über 10 km noch nicht entschieden. Im Spurt gewinnt die 32-jährige Gwendolyn Mewes (in schwarz) in einer 36er Zeit vor der 18-jährigen Antonia Schiel

Noch um eine Sekunde knapper verlief der Einlauf der Männer. Da führte Haftom Weldaj (MHK) vom TSV Pattensen vierhundert Meter vor dem Ziel noch mit einem recht komfortablen Vorsprung, schwächelte aber sichtbar, bzw. trat merkwürdig auf, als ob er verletzt sein könnte. Timo Kuhlmann (MHK) von Hannover Athletics spurtete mächtig, kam dem Führenden bedrohlich nahe, konnte ihn aber nicht mehr stellen. So siegte Weldaj in 32:38min vor Kuhlmann in 32:41min sowie dem früheren Sieger Emanuel Schoppe (M30) von Dets RaceTeam in 33:35min. Die Streckenrekorde von Markus Pingpank (31:30min) und Doris Grossert (35:03) aus den frühen 90er Jahren haben weiterhin Bestand.

Der Halbmarathon

Viele Jahre war der Halbmarathon in Springe die beliebteste Distanz, bis sich 2011 erstmals der 10-km-Lauf nach vorne schob. Ab da meldeten sich jährlich mehr Läuferinnen und Läufer für die kürzere Distanz an. So war es auch 2017. Rund 320 Halbmarathonis kamen ins Ziel gegenüber über 400 Teilnehmern beim 10-Kilometer-Lauf. Für die Läufer des Halbmarathons ist Springe, das nur gut dreißig Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt liegt, zwei Wochen vor dem Hannover Marathon die ideale Vorbereitung auf diesen.

Den Halbmarathon gewinnt Christian Schlamelcher Halbmarathonis kommen mit den Marathonis gemeinsam ins Ziel, da die Halben zwei Stunden später starten Das siegreiche Frauentrio im HM: v.l.: Andrea Süßmann (2.), Siegerin Julia Viering, Karola Ilse (3.)

Entsprechend hatten sich Christian Schlamelcher von Det's Race Team und Jan Rutsch von Hannover Athletics vorgenommen, in ihrem Marathontempo den Halbmarathon durchzuziehen. Sie blieben den Lauf über zusammen und finishten in 1:16:01h bzw. 1:16:02h gemeinsam. Der 28-jährige Schlamelcher wurde dabei als Sieger rubriziert vor dem fünf Jahre älteren Rutsch. Nur kurz hinter dem siegreichen Duo schob sich der 42-jährige Spanier Jose Antonio Hernando Navarro (The Spanish Corredores) in 1:16:55h auf den Bronzerang.

Bei den Frauen waren die Abstände zwischen den ersten drei recht deutlich. Da siegte Julia Viering (WHK) vom Delligser SC in 1:32:31h recht klar vor Andrea Süßmann (W45) vom Garbsener SC, die 1:34:52h benötigte. Als dritte kam Karola Ilse, ebenfalls W45, ins Ziel. Ihre Zeit: 1:37:21h. Die Streckenrekorde über den Halbmarathon datieren, wie alle Bestleistungen der Hauptstrecken, aus dem alten Jahrtausend. Doris Koslowski von der LG Lage Detmold war 1994 1:22:16h gelaufen; Paul Wilson von der LG Seesen 1996 1:09:07h.

Streckenrekord beim Fünfer

Dass man beim Lauf über fünf Kilometer auf einen oder sogar zwei neue Streckenrekorde hoffen durfte, lag in der Tatsache begründet, dass der Lauf erst einmal, nämlich 2016, stattgefunden hatte und die Werte nicht unantastbar schienen. Bei den Männern gelang dann das Unterfangen gleich dreifach, den vorjährigen Bestwert von Marvin Stanczyk von den Hannover Athletics (17:37min) zu toppen. Am besten gelang das dem Titelverteidiger selbst, denn er ließ sich auch jetzt nicht die Butter vom Brot nehmen. Der 24-Jährige siegte in 17:23min vor dem ein Jahr jüngeren Lauritz Grote von ESV Eintracht Hameln in 17:35min und dem zeitgleichen Julian Hey (MHK) von SV Germania Helsdorf.

Start des 5-km-Laufs, der den einzigen Streckenrekord bringt, aufgestellt von Marvin Stanczyk (halblinks in rot). Auch Lauritz Grote (ganz links) blieb als zweiter noch unter der Bestmarke. Ebenso der dritte, Julian Hey (mitte in blau) Die 5-km-Läufer laufen unter einem blauen Himmelsdach. So schönes Frühlingswetter sah der Marathon schon lange nicht mehr. Spring in Springe - sozusagen
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Bei den Frauen blieb der Wert von Martina Günter aus 2016 unangetastet, der auf 19:49min lautet, denn keiner Läuferin gelang eine Zeit von unter zwanzig Minuten. Am schnellsten war die B-Jugendliche Jana Schlusche vom FSV Sarstedt (20:55min) vor Saskia Müller (WHK) von lauftalente.de (21:06min) und Anja Hägermann (W35) vom LT SC Bad Münder (21:39min).

Insgesamt hat die LLG Springe unter Federführung der Organisationsleiter Fred Neumann und Heike Heinemeyer wieder eine tadellose, routiniert durchgeführte Veranstaltung hingelegt, bei der es auch bei der Siegerehrung zu keinerlei Verzögerungen kam. Denn die ersten drei Läufer und Läuferinnen werden schon kurz nach dem Einlauf geehrt, noch während die großen Felder auf der Strecke sind. Eine AK-Ehrung gibt es hingegen nicht. Unbedingt erwähnenswert ist das geringe Startgeld von nur 15 Euro für den Marathon, in dem zwar keine Medaille, aber freier Eintritt ins Schwimmbad inkludiert ist. Eine rundherum gelungene Veranstaltung.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.llg-springe.de

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