26.3.17 - 100km di Seregno (Italien)

Internationale Sieger bei italienischen Meisterschaften

von Heiko Krause

Traditionell treffen sich Ende März die italienischen 100-Kilometerläuferinnen und -läufer mit internationalen Gästen in der Lombardei, genauer gesagt in Seregno. Die etwa 43.000 Einwohner zählende Stadt am Fuß der Alpen liegt im Einzugsgebiet der bekannteren Städte Mailand und Monza. Die Altstadt versprüht italienisches Flair und Charme, überall sitzen die Menschen vor den Cafés und auch in diesem Jahr wurden die Sportler und Sportlerinnen von ihnen angefeuert.

Bei den 100 Kilometer di Seregno verläuft ein Teil der Strecke auch durch die Fußgängerzone
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Gelaufen wird auf einer 20-Kilometerrunde, die teils durch die Altstadt Seregnos, durch Industriegebiete und angrenzende Gemeinden verläuft. Sie ist meist flach bis auf einige Unterführungen und so für gute Zeiten gut. 2012 fanden hier die Weltmeisterschaften statt und die alte 50-Kilometerrunde wurde aufgegeben. In diesem Jahr wurde die Strecke dann noch einmal optimiert, wurden im Rahmen der Veranstaltung doch die italienischen Meisterschaften über 100 Kilometer ausgerichtet. Die Gesamtsieger kamen aber aus dem Ausland.

Am Anfang gab es bei den Männern noch eine Spitzengruppe
Gruppe um die italienische Meisterin Chiara Milanesi

Die Bedingungen waren optimal. Leichter Nieselregen zum Start verzog sich schnell und es blieb bei kühlen Temperaturen bedeckt. Erst in den letzten zwei Stunden zeigte sich die Sonne, es wurde aber nicht heiß. Die Deutsche Antje Krause vom Ultra Sport Club Marburg hatte das Rennen bereits in den vergangenen zwei Jahren für sich entschieden, 2016 bei heißen Temperaturen in 9:09:35 Stunden. Dass das diesmal nicht reichen würde, war wegen der nationalen Titelkämpfe klar. Ziel von Antje Krause war in diesem Jahr die Norm für die Nationalmannschaft von 8:30 Stunden zu knacken. Im vergangenen Jahr lief sie bei den Weltmeisterschaften in Spanien 8:32:37 Stunden, das hätte gereicht, die Norm wurde jedoch danach um fünf Minuten erhöht.

Massimo Bignotti kurz vor der Überrundung des in Führung liegenden Schweden André Rangelind Antje Krause auf Kurs zur persönlichen Bestleistung Silber bei den italienischen Meisterschaften holt sich die drittplatzierte Frau Cristina Pitonzo

Entsprechend motiviert, wenn auch etwas zu schnell ging sie an, setzte sich sofort an die Spitze, die sie nicht mehr abgab. Knapp unter vier Stunden hatte sie nach der Hälfte des Rennens. Obwohl auch Antje Krause gegen Ende etwas langsamer wurde, überholte sie in einem perfekten Rennen noch zahlreiche schneller angelaufene Männer und lief auf Gesamtrang zehn ein. 8:09:38 Stunden bedeuteten persönliche Bestzeit und zudem derzeit Platz eins in der Weltjahresbestenliste.

"Was ein Tag! Da muss ich erst in der W45 laufen um meine Bestzeit noch einmal zu unterbieten", freute sich die 44-Jährige. Sieben Jahre ist es her, dass sie ihre bisherige Bestmarke aufstellte, die sie nun um acht Minuten unterbot. "Daran habe ich im Traum nicht gedacht. Die Bedingungen waren perfekt und sonst hat eben auch einfach alles gestimmt", so Antje Krause nach dem Rennen.

Dritte der italienischen Meisterschaften wird Torre Italia Dalla Der zweite Platz im Männerrennen geht an den italienischen Meister Marco Menegardi Meisterschafts- Bronze gewinnt Stefano Velatta

Zweite und italienische Meisterin wurde in 8:34:37 Stunden W40-Siegerin Chiara Milanesi. Auch sie steigerte ihre persönliche Bestzeit um fast eine Stunde im Vergleich zu 2016, als sie ebenfalls als Zweite die Ziellinie in Seregno überquerte. Lange war Cristina Pitonzo auf Titelkurs, lag nach den ersten Runden nur knapp hinter Antje Krause, musste dem Anfangstempo aber gegen Ende Tribut zollen und kurz vor Kilometer 80 die spätere Meisterin passieren lassen. Am Ende wurde sie in 8:49:16 Dritte und entschädigte sich bei den Italienischen mit Silber.

Bronze bei der Meisterschaft sicherte sich in 9:35:14 Stunden Torre Italia Dalla. Dazwischen schob sich im Frauenfeld aber noch die deutsche 24-Stundenspezialistin Julia Fatton in 9:09:20 Stunden. Für sie war es eine schnelle Trainingseinheit für die Weltmeisterschaft im 24-Stundenlauf Ende Juni in Belfast, wo sie zusammen mit der fünffachen deutschen Meisterin in dieser Disziplin Antje Krause die Farben der Bundesrepublik vertreten wird.

Silvia Caraffa Braga freute sich über eine Zeit unter zehn Stunden Giovanni Maria Ramponi gewinnt die M55 in 8:23:03 Ilaria Maria Fossati in Richtung Innenstadt und auf Platz 2 in der W45 bei den italienischen Meisterschaften

Bei den Männern bildete sich zunächst eine größere Spitzengruppe, aus der jedoch im Verlauf der ersten Runden ein Läufer nach dem anderen herausfiel. Ganz vorne ließ der Schwede André Rangelind keinen Zweifel an seinem Sieg aufkommen, bereits nach der ersten Runde hatte er einen deutlichen Vorsprung und siegte letztlich in 6:54:26 Stunden, Platz zwei der aktuellen Weltjahresbestenliste.

Den italienischen Meistertitel holte sich als Zweiter Marco Menegardi nach 7:06:42 Stunden. Anfang der letzten Runde hatte er seinen Landsmann Gianluca Tonetti ein- und überholt, der in 7:15:14 Stunden noch knapp zu Silber rettete. Viele Plätze gut machte im Verlauf des Laufs Stefano Veletta und belohnte sich am Ende mit Bronze. 7:17:30 Stunden wurden für ihn gestoppt.

Der Schwede André Rangelind gewinnt mit deutlichem Vorsprung Antje Krause freute sich im Ziel über ihren dritten Sieg in Folge in der Lombardei. Sie unterbot mit ihrer Zeit die Norm für internationale Aufgaben um 20 Minuten
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Der Ultra-Lauf in der Lombardei ist in jedem Fall eine Reise wert. Neben den 100 Kilometern gibt es noch einen 60er und einen Halbmarathon. Alles ist liebevoll und perfekt organisiert. Angefangen von der lombardischen Hymne zum Start bis zum stimmungsvollen Zieleinlauf und der schnellen und angemessenen Siegerehrung mit Bürgermeister. Bemerkenswert ist auch, welchen Stellenwert der Ultralauf dort hat. Anders als in Deutschland, wo selbst Meisterschaften fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, ist in Italien das Medieninteresse groß. Und dass nicht nur, wenn italienische Meisterschaften sind. Auch in den letzten Jahren wurden etwa die Läuferinnen und Läufer von Fernsehmotorrädern begleitet.

Bericht und Fotos von Heiko Krause

Ergebnisse unter www.mysdam.net Info www.centokmseregno.it

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