11.3.17 - 8. Münster 6-Stunden-Lauf

Rekordbeteiligung und höchster Frauenanteil bei Deutscher Meisterschaft

Nele Alder-Baerens läuft sensationellen Weltrekord

Christof Marquardt siegt erneut und wird überraschend Deutscher Meister

von Michael Schardt

Die neuen Deutschen Meister im Sechs-Stunden-Lauf heißen Christof Marquardt und Nele Alder-Baerens. Während der Sieg von Alder-Baerens allgemein erwartet wurde, kam der Erfolg von Marquardt überraschend.

Zwar hatte Marquardt schon 2016 den 6-h-Lauf von Münster gewonnen, dass er aber auch dieses Jahr die Nase vorne haben würde, schien unwahrscheinlich, da eine deutlich stärkere Konkurrenz anlässlich der Deutschen Meisterschaft zu erwarten war. So tauchte sein Name der Favoriten in der Vorschau der Deutschen Ultramarathon Vereinigung (DUV) erst gar nicht auf. Alder-Baerens hingegen war Verteidigerin des Deutschen Meistertitels und hatte im Vorjahr in Nürnberg die zweitbeste je von einer Frau gelaufene Weite erreicht.

 

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Der 8. Sechs-Stunden-Lauf von Münster brachte ein Rekordmeldeergebnis von annähernd 1000 Startern Um Gedränge zu vermeiden, wurde eine für 6-h-Läufe ungewöhnlich lange Rundstrecke von exakt 5085 Metern abgesteckt
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Der 48-jährige Marquardt von der LG Deiringsen siegte mit gelaufenen 82.067 Metern, womit er sich gegenüber seinem Vorjahressieg in Münster leicht steigerte. Nele Alder-Baerens vom Ultra Sport Club Marburg, 38 Jahre alt, gewann mit herausragenden 85.492 Metern, womit sie den bisherigen Weltrekord der Japanerin Norimi Sakurai um 2,3 Kilometer verbesserte. Einen zweiten Weltrekord wurde durch die Anzahl der Finisher bei einem 6-h-Lauf aufgestellt, die wenigstens 45 Kilometer gelaufen sind. Das waren 525 Läufer. Die alte Bestmarke war vor einem Jahr auch in Münster aufgestellt worden; damals waren 402 Ultraergebnisse erzielt worden.

Lauf in unberührter Natur

Dass der achte Sechs-Stunden-Lauf eine außerordentliche Veranstaltung werden würde, deutete sich schon Wochen vor dem Termin an. Denn die Anzahl der Anmeldungen stieg beständig weiter an und erreichte zuletzt mit 976 Läuferinnen und Läufern fast einen vierstelligen Wert. Das hatte es weltweit bisher nicht annähernd gegeben. Für Veranstaltungsleiter Christian Pflügler bedeutete es zusätzlichen Stress, denn die ursprünglich vorgesehene und schon vermessene Strecke von knapp vier Kilometern würde nicht mehr ausreichen und das Gedränge für die Meisterschaftsteilnehmer wohl zu groß werden. Deshalb wurde der Rundkurs neu geplant und auf die für 6-h-Läufe ungewöhnliche Länge von exakt 5085 Meter erweitert. Ohne Probleme möglich war das nur, weil der Lauf auf einem Truppenübungsplatz im Osten von Münster stattfinden würde, das groß genug ist, um solch lange Runden abstecken zu können. Normalerweise sind die Runden bei einem 6-h-Lauf eher 1500m bis 2,5 km lang.

Wie in Münster üblich, wurde auf einem Truppenübungsplatz innerhalb eines Kasernengeländes gelaufen Über optimale äußere Bedingungen durften sich Läufer, Zuschauer und das Helferteam freuen

Der Truppenübungsplatz Handorf-Ost war schon einmal, vor zwei Jahren, Schauplatz des 6-h-Laufs, damals aber auf einer kleineren Runde im militärisch abgesperrten Bezirk. Diesmal wurde ein frei zugängliches Areal mitten in der fast unberührten Natur ausgewählt, wo sich besonders am Wochenende Hunde- und Pferdebesitzer gerne aufhalten. Der Vorteil dabei für eine Großveranstaltung dieser Art ist, dass es dort rund 600 Parkplätze für Läufer und Besucher gibt.

Die Erfahrung von 2015 hatte zudem gezeigt, dass das Kasino und die anderen Räumlichkeiten der Bundeswehr für die umfangreiche Logistik nicht genügend Platz bieten würden. Deshalb wählte man das gleich nebenan liegende Hotel Haus Münsterland für die Startnummernausgabe und andere Dinge aus. Das hatte den Vorteil, dass das Hotel mit dem Läuferfrühstück und der Pastaparty beauftragt werden konnte, die in Wirklichkeit eine Möhren-Ingwer-Suppenparty in veganem Stil war. Außerdem hatte die DUV hier ideale Räumlichkeiten für ihre Jahreshauptversammlung und zahlreiche auswärtige Läufer die Möglichkeit, gleich neben dem Schauplatz zu nächtigen.

Orgachef Christian Pflügler durfte sich über einen neuen Teilnehmerrekord freuen sowie einen globalen Bestwert, denn 525 Läufer und Läuferinnen schafften die Ultadistanz von mindestens 45 km, 621 die Marathondistanz Das Start-Ziel Areal mit den Verpflegungsständen Kultmoderator Heino Krüger aus Ostfriesland bewies während der Veranstaltung ähnlich gute Ausdauer wie die Läufer

Ideal: Strecke und Witterung

Dass der Münsteraner 6-h-Lauf innerhalb von Kasernen oder in ihrer Nähe stattfindet, ist so etwas wie sein Markenzeichen. Bereits sechs der acht Läufe wurden auf unterschiedlichen militärischen Arealen in und um Münster ausgetragen. Das ist insofern kein Wunder, als dass Orgachef und Erfinder Christian Pflügler im Hauptberuf Oberst beim Deutsch-Niederländischen Korbs ist und damit über die notwendigen Kontakte verfügt. Diesmal allerdings ist die Laufstrecke zwar ein früheres Truppenübungsgelände, liegt aber auf dem Gebiet der Stadt Münster, weshalb er dort um die Genehmigungen anfragen musste.

Nachdem 2016 die Laufstrecke in der Speicherstadt zu einem erheblichen Teil auf grobem Kopfsteinpflaster verlief, war die in Handorf wesentlich besser zu belaufen. Rund vier Fünftel des Kurses war asphaltiert oder betoniert, nur ein Fünftel bestand aus feinem Schotter. Die Strecke kann man sich in etwa wie ein langgezogenes Rechteck vorstellen, das überwiegend lange Geraden und nur wenige weitläufige Kurven aufweist. Sie ist absolut flach und sehr schnell.

Der Start für etwa 800 Ultralaufsportfreunde wurde 850 Meter nach vorne verlegt, um eine 50-km-Zwischenzeit nach zehn Runden anbieten zu können Unmittelbar nach dem Start ging es auf der Laufstrecke noch eng zu. Später zog sich das Feld auseinander, so dass die Spitzenläufer bei den Überholvorgängen recht gut durchkamen

Auch das Wetter spielte in fast idealer Weise mit. Es gab viel Sonne, nur wenige Wolken, ein strahlend blauer Himmel und läuferfreundliche Temperaturen zwischen zwölf und fünfzehn Grad. Eine leichte Brise stellte gleichfalls kein Problem dar, sondern kühlte, wenn sie von vorne kam, auf angenehme Weise.

Zahlen

2016 war Pflügler angetreten, um mit seinem "Baby" einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde zu bekommen. Er hatte die Finishershirts bereits mit einem entsprechenden Aufdruck versehen lassen. Wie es die Regularien verlangen, hatte er die damalige Finisherzahl der Läufer (402), die mehr als 45 Kilometer geschafft hatten, gemeldet, doch ihm wurde der Eintrag verweigert, vermutlich weil er die Gebühr dafür nicht überwiesen hatte.

 

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Jetzt, mit dem neuen Finisherrekord von 525 Ultraläufern in der Tasche, will er einen zweiten Anlauf wagen. Man könne ihm jetzt den Eintrag nicht mehr verwehren, ist sich der Orgachef sicher, zumal die DUV die Finisherzahl mit den dazugehörigen gelaufenen Kilometern auf ihrer Statistikseite bestätigt.

Eine Stunde ist vorbei. Rechts ist Rainer Leyendecker zu sehen, der Sieger des Senftenberger Hallenultras über 50 km. Er wird in Münster 2. in M60 Niko Adam gewinnt die M60 Links im gelben Trikot ist Wüstenläufer Frank Pachura zu erkennen, der einer derjenigen Läufer war, der in Afrika gegen Joey Kelly antrat und den Kürzeren zog

525 Ultras erreichten also das Ziel, und zwar 390 Männer und 135 Frauen, was einem weiblichen Anteil von fast 26 Prozent entspricht. Noch deutlich höher war der Frauenanteil, wenn man alle Läufer zusammennimmt, die die Marathondistanz absolvierten. Das waren immerhin 621 Sportler von angetretenen 776. Von diesen 621 Läufern waren 451 männlich und 170 weiblich, was einem Frauenanteil von 27,5 Prozent entspricht. Bedenkt man, dass der deutsche Marathonlauf, der die meisten Frauen im Ziel sieht, Berlin ist und zwar mit gut 25 Prozent, dann ist der Wert von Münster ein beeindruckender Nachweis dafür, dass der Frauenanteil im Langlaufbereich hierzulande sehr gut steigerbar ist.

Das Rennen

Im Vorfeld des Laufs dürfte sich das Organisationsteam mit einer Frage beschäftigt haben, nachdem feststand, dass die Laufrunde genau 5085 Meter lang sein würde. Soll Start und Ziel identisch sein, oder soll der Start verlegt werden? Würde man sich für ein identisches Start-Ziel-Areal entscheiden, dann käme es zur unbefriedigenden Situation, dass nach acht Runden "nur" 40.680 Meter gelaufen wären und sich die Läufer für die Marathondistanz noch tief in die neunte Runde hätten begeben müssen. Für Marathonsammler vielleicht nicht so günstig. Von einer Lösung, den Start um das fehlende Stück rückzuverlegen und damit eine Marathon(zwischen)zeit anbieten zu können, sah der Veranstalter zugunsten einer anderen Idee ab.

Man bot stattdessen eine (bestenlistenfähige) Zwischenzeit für fünfzig Kilometer nach Vollendung der zehnten Runde an. Dies wurde erreicht, indem der Start um 850 Meter nach vorne gelegt wurde, um jene Meter also, die nach zehn vollen Runden zu viel gewesen wären. Vater des Gedankens dürfte auch gewesen sein, möglichst viele Ultralaufdebütanten zu motivieren, sich an der 50-km-Ultrastrecke zu versuchen.

 
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Etwa 1000m gab es feinen Schotter als Untergrund ... ... 4/5 der Strecke aber war asphaltiert und gut zu belaufen

Dieses Verfahren brachte es mit sich, dass die Läufer vom Zielbereich mit den Verpflegungsständen zunächst einen 850 Meter langen Fußmarsch zum Start zurücklegen mussten. Orgachef Pflügler und Moderator Krüger wurden daher nicht müde, die noch am Ziel verweilenden Läufer aufzufordern, sich rechtzeitig zum Start zu begeben. Irgendwann setzte sich der fast 1000 Menschen umfassende Tross auch in Bewegung und erreichte noch rechtzeitig die Startlinie, wo Handorfs Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek die Grußworte sprach. Pünktlich um zehn Uhr gab Christian Pflügler dann mitten im Niemandsland das Startsignal, nicht ohne launig darauf hinzuweisen, dass sich möglicherweise noch ein paar Spaziergänger mit frei laufenden Hunden auf oder neben der Strecke aufhalten könnten.

Frauenrennen mit überragender Nele Alder-Baerens

Ganz abgekoppelt vom Männerrennen lässt sich der Lauf der Frauen nur unzulänglich kommentieren. Das lag an der überragenden Leistung der 38-jährigen Berlinerin Nele Alder-Baerens, die am Ende nicht nur vor allen Männern liegen sollte, sondern bis auf einen auch alle überrundet haben würde, also über fünf Kilometer mehr Strecke gemacht haben würde als diese.

Zuweilen einsam ins Gelände drapiert, waren einige Privatverpflegungssets zu entdecken... ... obwohl es zwei sehr gut bestückte offizielle Versorgungsstände auf der Runde gab

Gleich nach dem Start schlug Vorjahressieger Christof Marquardt (M45, LG Deiringsen) ein sehr hohes Tempo an und lag schon nach wenigen hundert Metern deutlich sichtbar in Führung. Ihm folgten im eher verhaltenen Modus einzig nur Manuel Tuna (M50) von der TSG Helberhausen und Benjamin Brade (M35) von der LG Nord Berlin Ultrateam.

Der war mit der Empfehlung eines Sieges beim Senftenberger Hallen-Ultra im Januar angereist, wo er (inoffiziell) einen neuen deutschen Hallenrekord über 100 km lief. Dahinter bildeten sich auf den ersten Kilometern im männlichen Favoritenkreis einige Grüppchen, die noch das richtige Tempo suchten. Und dazwischen, aber sehr weit vorne, hielt sich Alder-Baerens, die Titelverteidigerin und amtierende Deutsche Meisterin im 6-h-Lauf, auf.

 
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Was sich im Laufe der nächsten zwei, drei Stunden ereignete, dürfte seinesgleichen suchen. Alder-Baerens setzte sich mit einem gleichmäßig hohen Tempo auf Gesamtrang drei fest, sehr weit vor den nächsten Frauen. Recht bald wurde sichtbar, dass Brade nicht seinen besten Tag erwischt hatte und der Abstand zu Marquardt größer wurde. In gleichem Maße konnte Alder-Baerens ihren Abstand auf den Berliner verkürzen, so dass sich die DUV-Fachleute am Ziel einig waren, dass sie noch vor Ablauf der zweiten Stunde an die zweite Stelle laufen würde. Auch Marquardt, der sehr schnell angegangen war, wirkte zunehmend müder, während Alder-Baerens keine Schwächen erkennen ließ. Noch vor Halbzeit war es dann soweit, dass sich der 45 kg leichte Lauffloh unwiderstehlich an die Spitze gebracht hatte.

Wenn nicht der Mann mit dem orangenen Trikot (Marcel Leuze) im Bild wäre, könnte man annehmen, es sei ein Frauenlauf gewesen. Der Frauenanteil unter denjenigen, die 45 km und mehr liefen, war mit über 25 Prozent extrem hoch. Marathonlänge erreichten gar 27,5 Prozent der Frauen, das ist mehr als bei jedem deutschen Marathon Junggesellinnenabschied bei einem 6-h-Lauf - auch nicht alltäglich

Auf Weltrekordkurs

Langsam begannen die Spekulationen, ob die promovierte Biophysikerin, die an der Berliner Charité arbeitet, vielleicht sogar ihre Vorjahresleistung (82.998m) überbieten und den damals knapp verpassten Weltrekord der Japanerin Norimi Sakurai (83.200m, 2003) knacken können würde. Nach der vierten Laufstunde wurde die seit der Geburt stark sehbehinderte und seit dem 13. Lebensjahr vollständig taube Läuferin zwar etwas langsamer, war aber weiterhin auf Rekordkurs. Lange schon vor Ende des Rennens traute sich Moderator Krüger, die Zuschauer von dem möglichen Rekordlauf zu informieren und motivierte diese, bei Alder-Baerens' Durchläufen in besonderer Weise zu applaudieren, die die Gehörlose als Anfeuerung erkennen könne.

Schon vor Ablauf ihrer vermutet letzten Runde stand für den obersten Wettkampfrichter Norbert Madry, seines Zeichens Vorstandsmitglied der DUV, fest, dass man hier Zeuge eines denkwürdigen Ereignisse sein würde. Die Läuferin, die erst seit wenigen Jahren für den Ultra Sport Club Marburg läuft, wurde auf der letzten Runde offiziell von zwei Fahrradfahrer begleitet. Einer davon hatte u. a. die Aufgabe, das grüne Säckchen für die Restmetervermessung bei der Schlusssirene fallen zu lassen, da Alder-Baerens diese nicht hören kann. Das war nur hundert Meter vor Vollendung ihrer 17. Runde der Fall, weshalb gleich viele Offizielle, Fotografen und zahlreiche Zuschauer auf die erschöpfte, aber glückliche neue Weltrekordhalterin zustürmten. Der neue Fabelwert: 85.492 Meter, womit sie die alte Bestleistung um annähernd 2,3 km überbot.

Ausnahmekönnerin Nele Alder-Baerens auf dem Weg zum Sieg und neuen Weltrekord
Zwei Wochen nach ihrem Sieg beim Marathon in Bad Salzuflen wird Birgit Schönherr-Hölscher Vizemeisterin in Münster Freute sich über die Bronzemedaille bei der DM: Barbara Mallmann Antje Krause wird 4.

Angesichts dieses Spitzenergebnisses verblassen die hervorragenden Leistungen der anderen Favoritinnen zwar etwas, sind aber unbedingt zu würdigen, zumal der Kampf um die Silbermedaille extrem spannend war. Lange hatte nämlich Birgit Schönherr-Hölscher (W45, PV Triathlon Witten), die dieses Jahr schon die Marathonläufe von Kevelaer und Bad Salzuflen gewonnen hatte, wie die sichere zweite ausgesehen. In der letzten Stunde rückte ihr jedoch Barbara Mallmann (W45, SpVgg Höhenkirchen) gefährlich dicht auf die Pelle. Am Ende fehlte Mallmann nur die Winzigkeit von 25 Metern für die Vizemeisterschaft. Schönherr-Hölscher erreichte 73.633 Meter, Mallmann 73.608. Auf einen guten vierten Rang lief Alder-Baerens Clubkameradin Antje Krause (W45) mit 71.992m, gefolgt von Cornelia Dauben (W40, TriTeam TSG Sprockhövel, 70.186m), Katrin Grigalat (W40, LG Nord Berlin Ultrateam, 68.258m) und Ricarda Bethke (W50, WSG 81 Königs Wusterhausen, 67975m).

Christof Marquardt neuer Deutscher Meister

Dass er, Christof Marquardt, ganz oben auf dem Treppchen stehen würde, hatten wohl die wenigsten auf der Rechnung. Norbert Madry, Sportwart bei der DUV, jedenfalls konnte zwar auch keinen eindeutigen Favoriten ausmachen, nachdem Titelverteidiger Adam Zahoran kurzfristig wegen einer Fußverletzung absagen musste, nannte aber andere Namen für die Anwartschaft eines deutschen Meisters. Benjamin Brade etwa, oder Niels Bubel, Volker Greis, Jan-Hendrik Hans, Christian Jakob, Bernd Vöhringer und Enrico Wiessner. Nicht alle der Genannten traten tatsächlich an (unter den Verhinderten auch Volker Greis, der in Münster schon einmal gewann), die übrigen allerdings konnten sich mehr oder weniger in erwartetem Maße im Vorderfeld in Szene setzen.

Wald und Heide prägen die Landschaft im Ortsteil Handorf im Osten Münsters, wo sonst viele Spaziergänger ihre Hunde ausführen Die Kontrollmatte mit großer Uhr und individueller Anzeige für jeden Lauf

Marquardts Sieg war, obwohl er hinten heraus arg schwächelte, zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Sein in der starken ersten Hälfte herausgelaufener Vorsprung einerseits genügte, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten.

Andererseits hatten zwei seiner ärgsten Widersacher ebenfalls große Probleme, so dass Marquardt mit 82.067m mit über einem Kilometer Vorsprung gewann und seine Vorjahresleistung noch etwas steigern konnte.

 

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Zu denjenigen, die ab der vierten Stunde schwächelten, gehörten in erster Linie Benjamin Brade und Manuel Tuna. Brade, lange auf Rang zwei liegend, klagte gegen Ende des Rennens darüber, dass ein Oberschenkel "zu gemacht" habe; Tuna schien mit einer über seinem Niveau liegenden Pace losgelaufen zu sein, wenn man seinen starken Leistungsabfall nach der vierten Stunde interpretieren mag. Während Tuna über Rang 14 (73.626m) nicht hinaus kam, musste Brade zuletzt sogar noch Christian Jakob (M40, SV Schwindegg) vorbeiziehen lassen. Jakob wurde Vizemeister mit 80.960m vor Brade (80082m) sowie dem stark aufkommenden Enrico Wiessner (LG Nord Berlin Ultrateam, 79343m). Die weitere Reihenfolge lautet 5. Falko Gallenkamp (M30, Runningteam Grafenberg, 77.896m), 6. Frank Wiegand (M50, LG Bad Soden, 77.425m) und 7. Marcel Leuze (M30, Laufwerk Hamburg, 76.602m).

Faustdicke Überraschung: Christof Marquardt heißt der neue Deutsche Meister. Ihn hatten selbst die DUV-Experten nicht auf der Rechnung Hielt sich lange zurück, kam dann immer besser auf und sicherte sich auf den letzten Kilometern noch die Vizemeisterschaft: Christian Jakob Im Januar siegte er noch beim Hallen-Ultra in Senftenberg über 100 km. Diesmal lief es für Benjamin Brade nicht optimal. Er wurde 3., nachdem er fast die ganze Zeit auf Rang 2 gelegen hatte Besonderer Gast beim 6-h-Lauf. Der extremste aller Extremsportler: Achim Heukemes, der 2. in M65 wird

Die Mannschaften

Um eine möglichst zeitnahe Siegerehrung im Hotel Haus Münsterland durchführen zu können, waren fünf Teams mit der Restmetervermessung beschäftigt, für jeden Kilometer eins. Zu ehren waren nicht nur die neuen Deutschen Einzelmeister und Platzierten, sondern auch alle Altersklassenbesten. Das war freilich nicht in wenigen Minuten zu erledigen, zumal die Deutsche Meisterschaft auch für Dreierteams in der Hauptklasse und für die Senioren (ab 50 Jahre) ausgeschrieben war. Erschwerend kam hinzu, dass für einige hundert Meter zunächst keine Restmeterermittlung möglich war, was die Siegerehrung verzögerte und zu Beschwerden einiger Teilnehmer führte.

Im Mannschaftswettbewerb der Hauptklasse setzten sich bei den Männern und Frauen je die Teams von der LG Berlin Nord Berlin Ultrateam durch. Für die Männer erreichten Benjamin Brade, Enrico Wiessner und Niels Bubel 233 km, womit sie vor dem SV Schwindegg mit 216 km und dem LC BlueLiner mit 214 km siegten. Bei den Frauen machten Katrin Grigalat, Maria Blauth und Ullika Schulz mit 200 km alles klar vor der LG Ultralauf (177 km) und dem LC Duisburg (172 km). Bei den Senioren siegte die LG Ultralauf mit Walter Hösch, Hans-Dieter Jancker und Stephan Finster (204 km) sowie bei den Seniorinnen die LG Nord Berlin mit Ullika Schulz, Heike Bergmann und Marie Balley-Schmidt (177 km).

Etwa eine Stunde vor Ende werden die grünen Sandsäckchen für die Restmeterzählung aufgereiht. Der Läufer lässt es fallen, sobald die Schlusssirene ertönt Eine halbe Stunde vor dem Ende befinden sich wesentlich weniger Läufer in der Runde, als noch zu Beginn. Viele Läufer verzichteten auf Restmeter und blieben schon vor der Zeit am Ziel stehen Wenige Meter vor dem Ende ihrer 17. Runde kann die alte und neue Deutsche Meisterin ihre Leistung mit neuem Weltrekord (85.492 Meter) noch gar nicht fassen
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Ehre wem Ehre gebührt

In diesem Zusammenhang kam auch die älteste Teilnehmerin zu einer Meisterschaftsmedaille in Silber, die fleißigste Marathonsammlerin der Welt, Sigrid Eichner. Sie hatte ihr LG-Mauerweg-Team auf Rang zwei der Seniorinnenteamwertung geführt mit 39.839 Metern. Mit dieser Weite hatte sie auch die W75-Einzelwertung für sich entschieden. Einen Marathon kann sich die rüstige Seniorin damit zwar nicht gutschreiben, aber welchen Respekt Eichner selbst bei den nüchternen Statistikern der DUV genießt, lässt sich an dem Umstand ablesen, dass sie mit weniger als 40 gelaufenen Kilometern noch in deren Ultrastatistik für den 6-h-Lauf in Münster rubriziert wird, obwohl man dort eigentlich 45 km zugrunde legt und zahlreiche andere Läufer, die Strecken von 40 bis 45 km erreichten, in der Liste fehlen. Mehr Ehrbezeugung geht kaum.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Deutschen Meisterschaften im 6-h-Lauf in Münster einen würdigen Rahmen fanden, weshalb der Veranstaltung das IAU-Bronzelabel als Qualitätssigel verliehen wurde. Interessant ist vielleicht auch, dass an der (offenen) Veranstaltung noch etwa dreißig weitere Läufer teilnahmen, die nicht für die DM gemeldet hatten, weil sie nur eine, oder zwei Runden zu laufen beabsichtigten, darunter einige Kinder, die läuferisch Papa oder Mama ein Stück begleiten wollten.

Auch das gehört zu dieser sehr schönen, angenehmen Veranstaltung.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.6h-lauf-muenster.de

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