19.3.17 - 43. Königsforst-Marathon

Verändertes Konzept ging voll auf

Dominik Fabianowski und Susanne Schulze im Trainingsmodus zum Sieg

Ältester Marathon im Kölner Raum mit Finisherrekord

von Michael Schardt

Beide Sieger des 43. Königsforst Marathons, Susanne Schulze und Dominik Fabianowski, hatten den schönen Landschaftslauf vor den Toren Kölns als anspruchsvollen Trainingstest für den Düsseldorf Marathon Ende April ausgesucht, wo sie jeweils ihre persönliche Bestzeit angreifen wollen. Schulze hatte eine Zeit von etwa 3:06h bis 3:08h angepeilt, Fabianowski wollte um die 2:50h laufen.

Dass es für beide deutlich schneller wurde, hatte sich quasi wie von selbst ergeben. Schulze meinte, dass sich der Lauf auch nach der Hälfte noch so gut angefühlt habe, dass sie die HM-Pace von 1:28h (geplant war eigentlich 1:34h) weiter beibehalten habe; Fabianowski wollte ursprünglich am Anfang einfach mitlaufen und nur die letzten 10 km beschleunigen.

 
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Doch hatte sich der Rennverlauf für den ehemaligen deutschen Marathonvizemeister am Anfang deutlich forcierter ergeben, wodurch eine viel bessere Endzeit herauskam als geplant. Dafür wurde es nichts mehr mit der Beschleunigung am Schluss. Da waren die Beine schon reichlich müde geworden.

Der Königsforst Marathon hatte mit fast 1700 Finishern eines seiner besten Ergebnisse in der über 40-jährigen Geschichte Nur ein geringer Teil des zweimal zu durchlaufenden Rundkurses verläuft auf der Straße. Größtenteils wird das ausgedehnte Waldgebiet "Königsforst" durchstreift, was dem Lauf seinen Namen gibt
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Streckenverlegung ein Risiko

Für Cheforganisator Jochen Baumhof und sein rund achtzig Köpfe starkes Team vom TV Refrath Running Team waren die letzten Monate vor dem Termin ziemlich aufregend und stressig gewesen. Denn man hatte sich zu einer großen Veränderung entschieden. Das logistische Zentrum sollte nicht mehr in und an der kalten LKW-Halle BASt liegen, sondern zurückkehren zur Kaule in Bensberg, wo schon von 1973 bis 1983 der Start- und Zielbereich lag. Das neue "Hauptquartier" sollte das Albertus-Magnus-Gymnasium sein, wo sich ideale Bedingungen auftäten, wie es in der Veranstaltungsbroschüre beschrieben wird: "Die Schule bietet alles, was das Läufer- und Orgaherz begehrt: Ein großes Foyer für Anmeldung, Catering ... und für einige Promo- und Verkaufsstände, ... eine großzügige Aula für die Siegerehrung sowie Klassenräume für Massageservice, Taschenabgabe sowie Duschen und Umkleiden."

Was im Vorfeld auch und insbesondere für einen Ortswechsel sprach, war die ideale Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, denn die Straßenbahnlinie 1 hält an der Kaule, nur dreihundert Meter vom Gymnasium entfernt. Das kam dem Gedanken, einen umweltfreundlichen, nachhaltigen Marathon zu organisieren, sehr entgegen.

Die Halbmarathon-Läufer laufen eine, Marathonis zwei Runden Cheforganisator Jochen Baumhof ist umweltbewusst, gibt keine Plastikbeutel mehr aus und möchte schon in naher Zukunft den ersten energieneutralen Marathon Deutschlands veranstalten. 2019 könnte es so weit sein Der Marathonveranstalter unterstützt jedes Jahr aus dem erwirtschafteten Überschuss und Spenden die Bergische Greifvogel-Auffangstation Rösrath. Nicht nur Kinder erfreuten sich an der Präsentation von Eulen und Greifvögeln während des Marathons. Der Uhu ist das Maskottchen der Veranstaltung

Das alles, so Cheforganisator Jochen Baumhof, sei aber keinesfalls ohne Risiko gewesen. Es war fraglich, ob alles wie geplant klappen würde, ob sein Helferteam vollständig mitziehen und ob die Läufer das alles mittragen würden. Denn nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für den Veranstalter sei das alles neu, gibt Baumhof zu bedenken. Die Frage war auch, wie es die Anwohner in der Kaule sehen würden und ob es zu Beginn der neuen Streckenführung zu Engpässen kommen könnte, angesichts der Tatsache, dass mit über 1600 Teilnehmern ein neuer Melderekord vorlag.

Doppelte Neuvermessung

Stress machte Baumhof vor allem die Neuvermessung der verschiedenen Strecken. Er hatte sich im Sommer schon wochenlang damit befasst und mit Streckenvermesser Detlev Ackermann für die Distanzen von 1, 5, 10 und 21,1 km neue Kurse exakt abgesteckt. Dann stellte sich aber heraus, dass die alte Bahntrasse, die als Route vorgesehen war, nun doch nicht zu belaufen war. So begann sechs Wochen vor dem Termin die aufwändige Prozedur von vorn, gelang jedoch, trotz des zeitlichen Drucks.

Sorgen machte am Tag vor der Veranstaltung schließlich auch das Wetter. Denn über den Königsforst war am Samstag ein Tiefdruckgebiet gezogen und hatte nicht nur ergiebigen Regen gebracht, sondern auch einen stürmischen Wind, der die mobilen Klo-Häuschen umgeworfen hatte. Außerdem war bei solchen Verhältnissen zu befürchten, dass viele angemeldete Läufer nicht kommen und erhoffte Nachmeldungen nicht zustande kommen würden. Entsprechend enttäuscht zeigte man sich an der Startnummernausgabe am Vortag, dass man bis dahin noch keinen einzigen Nachmelder für die Königsdistanz hätte registrieren können. Aufatmen konnte der Veranstalter erst am Lauftag selbst.

 

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Zwar war die Witterung ungemütlich feucht geblieben, aber der Regen hatte sich verzogen und der Sturm hatte sich auf einen kräftigen Wind reduziert. Unter einer dichten Wolkendecke hatte sich das Quecksilber auf kühle zehn Grad eingependelt und damit für annehmbare Bedingungen gesorgt.

Der erste Start des Tages gehört den 10-km-Läufern
Während die Zehner unterwegs waren, wurden die getrennten Läufe für Mädchen und Jungs über 1 km durchgeführt. Schnellstes Girl war Eva Leifeld (vorne) Sieger der Jungs: Felix Hoberg

Voreilige Jugend

Zu einer lustigen Situation kam es beim ersten Start des Tages. Pünktlich um 9:30 Uhr waren exakt dreihundert Läufer auf die zehn Kilometer lange Strecke geschickt worden, während sich dahinter bereits die männlichen Schüler für ihren Lauf aufgestellt hatten. Kaum war das Zehnerfeld dreißig Meter enteilt, hielt es einige Schüler nicht mehr im Startareal. Sie stürmten unaufgefordert den Zehnern hinterher. Alles Hinterherrufen des Moderators Andreas Menz, doch bitte wieder zurückzukommen, half nichts. Ganz im Gegenteil: die Jungs waren eifrig bemüht, das Feld der Erwachsenen zu erreichen. Erst das beherzte Eingreifen des für den Schülerlauf vorgesehenen Führungsradfahrers verhinderte Schlimmeres. Mit etwas Mühe konnte dieser die Schüler einholen und zur Umkehr bewegen.

Beim anschließenden Lauf der Jungs (Jahrgang 2002 und jünger) über 1000m spielte dann keiner der "Ausreißer" beim Kampf um die Podiumsplätze noch eine Rolle, denn die hatten sich - wie geschildert - bereits verausgabt. Es siegte hier Felix Hoberg vom VFL Engelskirchen in 3:33min vor Paul Keilen von der LSG Saarbrücken in 3:58min. Bei den Mädchen hatte Eva Leifeld vom TV Herkenrath in 3:41min die Nase vorn vor Kira Kanditt vom OSC Waldniel in 4:02min.

 
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Daniel Singbeil gewinnt den anspruchsvollen Zehner Martin Worring wird 2. Wilke Rohde läuft auf Platz 3
Swen Scholz durfte als 4. noch mit aufs Treppchen

10 km: Favoritensiege

Für den Zehn-Kilometer-Lauf hatten sich zwei Favoriten herauskristallisiert. Bei den Männern Daniel Singbeil, der unlängst im Kölner Raum zwei 5-km-Läufe mit 15er Zeiten für sich entschieden hatte, und Julia Kümpers, die als Covergirl die aktuelle Veranstaltungsbroschüre des Königsforst Marathons ziert. Auf dem mit rund 130 Höhenmetern anspruchsvollen Rundkurs, der auf den ersten sechs Kilometern mit dem Halbmarathonkurs identisch ist, gaben sich beide Titelanwärter keine Blöße. Singbeil (MHK) vom Kölner Laufladen Bunert, setzte sich gleich nach dem Start an die Spitze und gab die Führungsposition bis ins Ziel nicht mehr ab. Der Mann, der laut Moderator nie nach Plan, sondern unsystematisch nach Lust und Laune trainiere, bog als erster in die Zielgerade der Kaule ein, wo nach einer ohnehin kräftezehrenden Aufwärtsphase ab km sechs noch ein langer Anstieg zum Ziel wartet. Singbeil siegte in guten 33:41min mit deutlichem Vorsprung vor Martin Worring (MHK) vom SG Tri Powerteam Rhein-Sieg in 34:53, Wilke Rohde (M30) vom LAZ Puma Rhein-Sieg in 37:36min und Swen Scholz (MHK) vom Team Kohlscheid Running in 38:43min.

Julia Kümpers ist das Covergirl der Veranstaltungsbroschüre des Königsforst Marathons. Sie gewinnt standesgemäß den Zehner Starker zweiter Platz für Claudia Schneider 17 Jahre alt ist die 3.: Madita Tautz Rang 4 für Laura Benkenstein

Bereits als Gesamtfünfte lief dann die 24 Jahre alte Julia Kümpers von der Aachener Turngemeinschaft ein. Sie sollte als einzige Frau unter vierzig Minuten bleiben. In 38:43min erreichte sie ein achtbares Ergebnis auf dem teils matschigen Landschaftskurs. Fast vier Minuten vergingen, bis mit Claudia Schneider (W35) vom Kölner Laufladen Bunert die zweite Frau ins Ziel kam.

Ihre Zeit: 42:28min. Es folgten mit der erst 17 Jahre alten Madita Tautz in 44:32min und Laura Benkenstein (WHK) in 44:47min zwei vereinslose Läuferinnen auf Rang drei und vier. Insgesamt werden in allen Hauptläufen die ersten sechs Einlaufschnellsten zur Ehrung auf die Bühne geholt und mit Sachpreisen versehen.

 
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Neue Strecke mit ähnlichem Profil

Nachdem alle Schüler und Zehner sicher das Ziel erreicht haben, wird um elf Uhr der gemeinsame Start für Halb- und Vollmarathon durchgeführt. Da kann es schon mal etwas eng in den Räumen der Schule werden, wenn die nun Startwilligen sich im Gebäude bis auf den letzten Moment vor den kühlen Temperaturen schützen wollen, während die Zehner zu ihren Kleiderbeuteln drängen. Außerdem wollten plötzlich noch zahlreiche Nachzügler auf den letzten Drücker für den Halbmarathon nachmelden. Deshalb und weil es bei der Kleiderbeutelabgabe lange Schlangen gab musste der Start um rund zehn Minuten nach hinten verlegt werden.

Massenauflauf vor dem Albertus-Magnus-Gymnasium für den gemeinsamen Start für Halbmarathon und Marathon Rund 1100 Läuferinnen und Läufer nehmen den Marathon und den Halbmarathon unter die Füße

Die neue Strecke, ein Halbmarathonkurs, der von den Marathonis zweimal zu durchlaufen ist, ist im Grunde der früheren Runde recht ähnlich. Wirklich neu sind nur die ersten ein, zwei Kilometer durch das Wohngebiet. Später erreichen die Läufer wie früher die Straße von Bensberg hinauf nach Forsbach, wo unbedingt auf dem Radweg gelaufen werden muss, da die Straße stark befahren wird. Nach 4,5 km biegen die Läufer wieder in den Wald ein, wo es zunächst abwärts geht und zwischen km 7 und 8 auf dem Wolfsweg etwas profilierter zugeht. Zwischen km 12 und 13 gibt es ein kurzes Wendepunktstück, dann eine lange, flache Passage, bevor die letzten fünf Kilometer immer leicht aufwärts führen. Auf ihrem Weg "erklettern" die Läufer auch den höchsten Punkt der Stadt Köln, den im Königsforst liegenden Monte Troodelöh (118 über NN). Insgesamt handelt es sich um einen Landschaftslauf in schöner Natur, der fast stetig leicht wellig ist und für HM-Läufer rund 260 Höhenmeter aufweisen soll und für Marathonis 520. Gefühlt schienen es etwas weniger Höhenmeter zu sein.

Zunächst geht es einige hundert Meter durch eine Wohnsiedlung bevor das Feld in den Königsforst eintaucht
Auch einige Zuschauer zieht es an die Strecke

HM: Silke Schneider und Maciek Miereczko

Auch beim Halbmarathonwettbewerb, dem bestfrequentierten Rennen des Tages, gab es Favoritensiege. Bei den Männern ließ Maciek Miereczko (M35) vom VFB Erftstadt nichts anbrennen, bei den Frauen konnte Silke Schneider (W40) vom Siegburger Laufladen Bunert alle Konkurrentinnen auf Distanz halten. Der gebürtige Pole Miereczko, der durchaus Zeiten im Bereich von 1:07h laufen kann, siegte in guten 1:11:41h. Bei der Siegerehrung nach seinen nächsten Plänen befragt, antwortete er, dass er die Teilnahme an den Deutsche Halbmarathonmeisterschaft in Hannover am 9. April anstrebe. Das war noch bis zuletzt fraglich gewesen, da es dem DLV in seinen neuen Richtlinien für die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften nicht mehr genügt, wenn der Athlet einem deutschen Verein angehört. Er verlangt dezidiert dessen deutsche Staatsbürgerschaft - eine durchaus umstrittene Entscheidung. Um so glücklicher durfte sich Miereczko nun fühlen, denn seit kurzem besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Silke Schneider sicherte sich ihren Sieg mit der Zeit von 1:28:47h und wurde befragt, ob sich ein Vergleich der neuen Strecke mit der der Vorjahre herstellen lässt. Denn Schneider kennt beide. Nun, antwortet sie, es könne schon sein, dass die neue Strecke etwas schwerer sei. Aber sicher war sie sich nicht.

 

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Mehrere Verpflegungspunkte liegen mitten im Wald
Begegnungsverkehr zwischen km 12 und 13 an einem Wendepunkt. Die Halbmarathon-Runde hat 260 Höhenmeter

Hinter dem Sieger kam der vereinslose Marian Bunte (MHK) in 1:13:12h zur Vizemeisterschaft, vor dem ebenfalls vereinslosen Thomas Ryba (M40) in 1:19:39h. Der zweite Platz bei den Frauen ging an Jana Cornelius. Die W30erin startet für Mach3 Köln und erzielte 1:31:58h. Dritte wurde die Triathletin Kristina Roth (W30) vom ASV Köln in 1:32:44h. Insgesamt kamen 879 Halbmarathonis ins Ziel, darunter 251 Frauen. Das ist mehr als die Hälfte aller Finisher (1567).

 
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Da die Strecken aller Wettbewerbe im Laufe der Jahre schon öfters ihren Verlauf geändert hatten, spricht der Veranstalter auch nicht von Streckenrekorden, sondern eher von Veranstaltungsrekorden. Dieser wurde bei den Frauen von Petra Sander in 1993 (1:17:57h) aufgestellt. Bei den Männern ist aus 1984 eine Zeit von 1:06:40h vermerkt. Daneben steht in der Spalte der Läufer ein etwas rätselhafter Eintrag: "M. LONGTHORN / CH + K. Stenzel". Gab es 1984 einen Doppelsieg? Hat K(urt) Stenzel einen unbekannten Schweizer begleitet? Warum ist der Schweizer groß geschrieben, Stenzel aber nicht? Ist Stenzel vielleicht sogar unter Pseudonym gelaufen? Auf die Schnelle ließ sich das nicht klären.

Das Siegerinnentrio im Halbmarathon v.l.: 1. Silke Schneider, 2. Jana Cornelius, 3. Kristina Roth Das Siegertrio im HM v.l.: 2. Marian Bunte, 1. Maciek Miereczko, 3. Thomas Ryba

5-km-Lauf

Während der HM lief, wurde der 5-km-Lauf durchgeführt. Es siegten Florian Jüsten (M35, Kölner Laufladen Bunert) in 17:30min vor Marcus Raatz (M30, LG Gummersbach) in 18:33min, und Marianne Froning (W35, Kölner Laufladen Bunert) in 21:11min vor Lokalmatadorin Tanja Causemann (W35) vom TV Refrath in 23:13min.

Der Marathon

Vom Ansinnen der beiden Sieger, den Königsforst Marathon als Trainingslauf zu nutzen, der dann doch etwas flotter ausfiel als gewollt, wurde schon eingangs berichtet. Topmann Dominik Fabianowski finishte zwölf Minuten unter Plan in 2:38:41h, Spitzenfrau Susanne Schulze war mit 2:56:23h rund acht Minuten schneller als avisiert. In beiden Fällen war der Vorsprung deutlich. Fabianowski hatte neun Minuten Vorsprung vor dem härtesten Konkurrenten Bodo Banischewski (M35, 2:47:27h) aus Gierath; Susanne Schulze sogar 23 Minuten vor Carmen Otto (W40, Sport Schneider Trail Team, 3:19:49h).

Dominik Fabianowski läuft auf seiner Heimtrainingsstrecke zum Marathonsieg Platz 2 für Bodo Banischewski Robert Wilms wird 3. Vierter Mann auf dem Treppchen ist Viktor Horch

Zu Protokoll gab Fabianowski, der seit seinem Auftritt beim Silvesterlauf von Werl nach Soest und der unglücklichen Niederlage gegen Leif Gunkel sichtbar schmaler geworden ist, dass der Lauf hinten heraus doch sehr schwer geworden sei. Marathon könne man nicht immer planen, er brauche jetzt unbedingt einige Tage Ruhe. Beim Düsseldorf Marathon, das sei inzwischen sicher, gehöre er zum Elitefeld, wo die 2:20h unbedingt fallen sollen. Bis dahin, so der ASV-Köln-Läufer mit polnischen Wurzeln, fliege er mit seinem Vater und Trainer noch ins Höhentrainingslager in die USA (Flagstaff), um sich den letzten Schliff zu geben. Susanne Schulze, die aus dem letzten Jahr eine Marathonzeit von 2:45h stehen hat, bedauerte, dass sie in der zweiten Runde fast die ganze Zeit habe alleine laufen müssen, nachdem die HM-Läufer im Ziel waren. Da habe sie sich ein Begleitfahrrad gewünscht, wie es dem führenden Mann zur Verfügung stand. Orgachef Baumhof versprach, dies im nächsten Jahr auf die To-do-Liste zu setzen. Im Nachgang äußerte er aber auch Sicherheitsbedenken. Wenn eine so starke Läuferin dabei sei, die unter drei Stunden laufen könne, dann ginge das mit dem Fahrrad wohl. Wenn die schnellste Frau aber nach 3:20h ins Ziel komme wie in den letzten Jahren, dann sei eine Fahrradbegleitung im Pulk der vielen Marathonis und Halbmarathonläufer recht gefährlich. Vielleicht sei ein Kompromiss machbar, einen Fahrradbegleiter für die beste Frau in der zweiten Hälfte einzusetzen.

Trainingslauf unter drei Stunden und Sieg beim Königsforst Marathon für Susanne Schulze Carmen Otto wird 2. Platz 3 für Kerstin Hötte Vierte Marathonfrau: Silke Kaliner

Das Siegertreppchen im Marathon vervollständigten bei den Männern Robert Wilms (M30) von der SG Wenden in 2:49:50h als dritter und Viktor Horch (M35, vereinslos) in 2:50:20h als vierter. Bei den Frauen platzierten sich hinter dem Siegerduo als dritte Kerstin Hötte (WHK) von "Schildkröten versus Achilles" in 3:25:50h und als vierte Silke Kaliner (W45, vereinslos) in 3:29:36h. Insgesamt war der Marathon, vor allem der der Frauen, deutlich besser besetzt als in den letzten Jahren. Susanne Schulze lief im Trainingsmodus die zweitbeste Zeit in der Historie. Nur Birgit Lennartz war bei ihrem Sieg in Streckenrekordzeit 1994 schneller unterwegs gewesen (2:54:32h). Der Streckenrekord der Männer durch Helmut Urbach, datierend noch aus dem Premierenjahr 1973 (2:25:46h), wäre vor einem Angriff von Fabianowski in Bestform keinesfalls sicher, zumal der Rundkurs seine Heimtrainingsstrecke ist. Ins Ziel kamen (nur) 229 Läufer, darunter ein überdurchschnittlicher Anteil von 48 Frauen (21 Prozent).

Fazit

Als Fazit kann man ziehen, dass all die vom Veranstalter befürchteten Probleme erst gar nicht auftraten, oder in routinierten Weise ausbalanciert werden konnten. Es lief alles gut, so wie man es im Königsforst seit vielen Jahrzehnten gewohnt ist. Erwähnenswerte Vorfälle gab es keine, kleinerer Verbesserungsbedarf, etwa bei der Kleiderbeutelabgabe, wird sicher in der Zukunft umgesetzt. Wenn überhaupt eine Panne zu verbuchen war, so lag dies nicht im Verantwortungsbereich des Veranstalters. Dessen Ansinnen, den anfallenden Müll umweltfreundlich zu trennen, scheiterte daran, dass der Containerlieferant es versäumt hatte, die Behälter anzuliefern. In ein, zwei Jahren will man in Bergisch Gladbach den ersten energieneutralen Marathon Deutschlands durchführen. Das sei das Ziel, meinte Baumhof gegenüber LaufReport. Es seien zwar noch einige Gespräche mit Behörden und Unternehmungen zu führen, aber man erziele gute Fortschritte.

Diese fünf Girls eines Kölner Hockeyclubs freuten sich über den gemeinsamen HM-Zieleinlauf nach rund zwei Stunden Der Zieleinlauf ist eine lange Gerade bergauf
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Besondere Aufmerksamkeit während des Lauftags wurde der Präsentation von zahmen Wildvögeln der Auffangstation Rösrath zuteil, wo kranke und verletzte Greifvögel und Eulen in ehrenamtlicher Arbeit wieder aufgepäppelt werden. Das unterstreicht auch die Naturnähe der Veranstaltung, die unter "Run green" firmiert, einen Uhu als Maskottchen im Logo führt und sogar die Finishermedaille mit dem Bild des Nachtvogels prägen ließ.

Ein größerer Spendenbetrag und je 50 Cent vom Startgeld eines jeden Finishers werden auch in diesem Jahr an die Bergische Greifvogelhilfe überwiesen, der es unter anderem zu verdanken ist, dass sich nach langer Abstinenz Eulen, da wo gelaufen wird, im Königsforst nämlich, wieder heimisch gemacht haben.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse koenigsforst-marathon.de

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