26.3.17 - 42. IAAF World Cross Country Championships

Begeistertes Publikum in Ekstase

Geoffrey Kamworor prolongiert Titel in Kampala / Uganda

von René van Zee

Zum fünften Mal in der Geschichte der Weltmeisterschaften des Cross Country (seit 1973) fanden die Weltmeisterschaften im Crosslauf in Afrika statt. Austragungsorte waren:1975 Rabat (Marokko), 1996 Kapstadt (Südafrika),1998 Marrakech (Marokko). 2007 Mombasa (Kenia) und nun 2017 Kampala (Uganda). 557 Athleten aus 59 Länder waren am Start. Eine Steigerung in den letzten Jahren. Seit 2007 waren nicht mehr so viele Cross-Läufer dabei.

Seit 2011 in Punta Umbria (Spanien) finden die Weltmeisterschaften im Cross Country nur noch jedes zweite Jahr statt, abwechselnd mit den Weltmeisterschaften im Halbmarathon.

Die IAAF wollte in dem Jahr, in dem es keine Cross-WM gibt, dass die Regionen (Europa, Ozeanien, Afrika usw.) ihre Meisterschaften organisieren. In Europa macht man das schon seit vielen Jahren, aber jedes Jahr, 2016 Chia (Sardinien).

Kampala in Uganda lud 2017 zu den IAAF Cross Weltmeisterschaften ein
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Bei der Pressekonferenz betonte IAAF Präsident Sebastian Coe, dass der Cross ein wichtiger Bestandteil für die Entwickelung der Mittel- und Langstreckler ist. Er hatte in seiner Karriere, den Cross gebraucht um seine starken Leistungen zu bringen. Er will die jungen Trainer davon überzeugen, sich mehr um den Crosslauf zu kümmern. Er forderte die Länder, die nicht in Kampala dabei sind (vor allem die europäischen Länder) auf, sich wieder dahin zu bewegen an die Crossweltmeisterschaften teilzunehmen. "Die Teilnahme an Cross-Weltmeisterschaften ist für alle Mittel- und Langstreckenläufer als Vorbereitung für die Bahn- und Straßenlaufsaison notwendig und wichtig für die weitere Entwickelung." Er ist der Überzeugung, dass Crosstraining und Crossrennen zum Trainingspaket aller Mittel-und Langstreckenathleten gehören sollten.

Bei der Pressekonferenz in Kampala waren auch die beiden Legenden Tegla Loroupe und Botschafter Paul Tergat anwesend. Tergat: "Der Cross sitzt in meinem Blut. Der Cross war für meine Karriere sehr wichtig." Tergat war fünf Mal hintereinander Cross-Weltmeister (1995-2000). Tegla Loroupe wurde vom IAAF-Präsidenten Coe gelobt wegen der Arbeit in ihrer Tegla Loroupe Foundation. Die Foundation betreut auch Trainings Center für Refugee Athletes. Leider konnten wegen Visaproblemen keine Flüchtlinge in Kampala starten.

Freuten sich auf ihren Start: 1500m Olympiasiegerin von Rio de Janeiro 2016 Faith Chepngetich Kipyegon aus Kenia (sie gewann 2013 die Cross Weltmeisterschaften, in Kampala wurde sie 6. im Frauenrennen) und Ugandas Laufstar Stephen Kiprotich, Marathon Olympiasieger von London 2012 (er lief auf Rang 17 im Männerrennen)

Es gibt europäische Länder, die immer bei den Cross Weltmeisterschaften vertreten sind: Spanien, Portugal, Frankreich, Großbritannien und Italien. Neben diesen Ländern waren dieses Jahr auch Dänemark, Belgien, die Türkei und Rumänien dabei. Leider war auch dieses Mal Deutschland wieder nicht vertreten. Otto Klappert, langjähriger deutscher Vertreter in der IAAF-Cross-Kommission ist empört: "Es kann nicht sein, dass ein wichtiges Leichtathletik-Land wie Deutschland nicht bei dieser Cross-WM vertreten ist. Unverständlich." Offenbar ist der Crosslauf für den DLV nur Nebensache.

IAAF Präsident Seb Coe hat beim IAAF-Kongress im Dezember angekündigt, dass er in die Zukunft mehr bei internationalen Meisterschaften auf die Leichtathleten zugehen will. Das passierte am Vortag dieser Weltmeisterschaften und sein Ziel war, mehr Rückmeldungen von den Leichtathleten zu bekommen. Viele Athleten hatten sich auf der Tribüne versammelt. Coe wurde begleitet von der ehemaligen Crossweltmeisterin Lornah Kiplagat.

Spannendes Männerrennen

Die Rennen

Im warmen und sonnigen Kampala fand heute den 42e WM Cross statt. Es war nicht so heiß wie beim WM Cross 2007, aber es war doch anstrengend für die Läufer.

Super Rennen der Männer

Das Rennen der Männer wurde anfangs von den Kenianer dominiert, bis Joshua Cheptegei aus Uganda das Tempo verschärfte und alleine in Führung ging, gefolgt vom Favoriten Geoffrey Kamworor. Zwei Athleten von Global Sports Communication in Nijmegen. Das Publikum war begeistert und es sah aus, als ob Cheptegei der neue Weltmeister werden würde. Auf dem letzten Kilometer war Joshua Cheptegei leer. Er konnte nicht mehr, hatte keine Energie mehr, er musste wandern und wurde am Ende nur Dreißigster.

Geoffrey Kipsang Kamworor aus Kenia gewinnt Gold bei den 42. IAAF World Cross Country Championships in Kampala/Uganda

Das Publikum wurde ruhig… Geoffrey Kamworor gewann für 1000 begeisterte kenianische Fans, die die lange Reise nach Kampala gemacht hatten. Kamworor trainiert gemeinsam mit Eliud Kipchoge, sein nächstes Ziel ist die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London (10.000m). Kamworor gewann nach der Cross-WM in Guiyang 2015 nun zum zweiten Mal den Titel. Zwei Mal holte er sich auch den Weltmeistertitel im Halbmarathon (Kopenhagen und Cardiff). Kamworor lief in Kampala mit den Cross-Spikes vom des Marathon Olympiasiegers von 2016, Eluid Kipchoge. Kipchoge läuft selbst keine Crossrennen mehr.

IAAF World Cross Country Championships Kampala/Uganda 2017
Senior Men - 10 km
Pl. Name Land Zeit
1
Geoffrey Kipsang Kamworor
KEN 28:24
2
Leonard Kiplimo Barsoton
KEN 28:36
3
Abadi Hadis
ETH 28:43
4
Jemal Yimer
ETH 28:46
5
Aron Kifle
ERI 28:49
6
Muktar Edris
ETH 28:56
7
Vincent Kipsang Rono
KEN 29:00
8
Ibrahim Jeilan ETH 29:07
...50 Sergio Sánchez ESP 31:00
...70 Freddy Guimard FRA 31:45
...83 Peter Glans DEN 32:13
Pl. Team
1
Ethiopia
2
Kenya
3
Uganda

Frauen:

Bei den Frauen waren die Kenianerinnen sehr stark. Sie belegten die ersten sechs Plätze. Weltmeisterin wurde Irene Cheptai, die in dieser Saison noch kein Rennen verloren hat. Zweite wurde Alice Nawowuna und Dritte Lilian Rengeruk. Lange Zeit lag eine große Gruppe in Führung. Cheptai, Nawowuna und Rengeruk gingen mit 14 Sekunden Vorsprung auf die letzte Runde. Cheptai dominierte das Rennen auf dem letzten Kilometer und wurde Weltmeisterin. Sie hatte eine interessante Karriere mit ‚Ups and Downs'. Schon 2007 war sie für die Cross-WM in Mombasa nominiert, aber sie war noch zu jung und durfte nicht starten. 2008 bei der Cross-WM in Edinburgh wurde sie hinter Genzebe Dibaba Zweite. Zwischen 2009 und 2011 passierte nichts in ihrer Karriere.

Irene Chepet Cheptai, hier an 2. Stelle liegend, holt die Goldmedaille im Frauenrennen für Kenia

Alles änderte sich 2012, als der Holländer Michel Boeting ihr Manager wurde. 2013 erreichte sie in Bydgoszcz den 10. Platz bei der Cross-WM. Nach einem wegen Krankheit verlorenen Jahr 2014 ging es 2015 viel besser: zwei siebte Plätze, bei der Cross-WM in Guiyang und bei der Leichtathletik-WM in Beijing (5000m). Sie qualifizierte sich nicht für die Olympischen Spielen 2016. Sie wird trainiert von ihrem Ehemann, seit einem Jahr aber zudem bei der Trainerlegende Renate Canova. Ihr Ziel ist die WM in London: "Ich bin sehr froh. Wir haben als Team sehr gut zusammen gearbeitet. Das Tempo war hoch und es war auf dieser ziemlich schwierigen Strecke und bei diesen Temperaturen (26°) nicht einfach."

IAAF World Cross Country Championships Kampala/Uganda 2017
Senior Women - 10km
Pl. Name Land Zeit
1
Irene Chepet Cheptai
KEN 31:57
2
Alice Aprot Nawowuna
KEN 32:01
3
Lilian Kasait Rengeruk
KEN 32:11
4
Hyvin Kiyeng Jepkemoi
KEN 32:32
5
Agnes Jebet Tirop
KEN 32:32
6
Faith Chepngetich Kipyegon
KEN 32:49
7
Ruth Jebet
BRN 32:49
8
Belaynesh Oljira ETH 32:53
...20 Trihas Gebre ESP 34:37
...39 Louise Small GBR 35:51
...70 Anna Emilie Møller DEN 37:36
Pl. Team
1
Kenya
2
Ethiopia
3
Bahrain
...7 Spain

U20 Frauen

Bei den Frauen U20 wurde die talentvolle Äthiopierin Letesenbet Gidey (19 Jahre) Weltmeisterin. Sie war zu stark für di Konkurrenz und gewann mit einem großen Vorsprung von 23 Sekunden auf ihre Landsfrau Hawi Feysa. Gidey prolongierte ihren Titel aus 2015 und gehört jetzt mit Genzebe Dibaba (Äthiopien) Viola Kibiwott und Faith Kipyegon (Kenia) zu den vier Athletinnen, die es schafften ihre U20-Titel bei der Cross-WM zu verteidigen.

Das Rennen der W U20 gewinnt die Äthiopierin Letesenbet Gidey

"Es war nicht einfach mit den Hindernissen und dem ziemlich hohen Rasen. Mein nächstes Ziel ist dieses Jahr die Bahn-WM in London", sagte Gidey. Sie lebt in Tigray im Norden von Äthiopien und kann dort bei ihrem Heimtrainer sehr gut trainieren. Sie will nicht nach Addis Abeba übersiedeln um dort zu trainieren. Ihr Manager Valentijn Trouw (Global Sports): "Wir als Management unterstützen das und stimulieren andere Leichtathleten, das auch zu tun. Sie kann sich in ihrer vertrauten Umgebung sportlich weiter entwickeln. Sie hat viel Potential…"

IAAF World Cross Country Championships Kampala/Uganda 2017
U20 Women - 6km
Pl. Name Land Zeit
1
Letesenbet Gidey
ETH 18:34
2
Hawi Feysa
ETH 18:57
3
Celliphine Chepteek Chespol
KEN 19:02
4
Sheila Chelangat
KEN 19:12
5
Hellen Ekalale Lobun
KEN 19:16
6
Fotyen Tesfay
ETH 19:24
7
Peruth Chemutai
UGA 19:29
8
Joyline Cherotich KEN 19:31
...34 Nadia Battocletti ITA 21:27
...40 Victoria Weir GBR 21:43
...47 Lucía Rodríguez ESP 22:00
Pl. Team
1
Ethiopia
2
Kenya
3
Uganda
.....9 Great Britain & N.I.
...14 Spain
...16 Italy

U20 Männer

Es gab für das Heimpublikum in Uganda eine Sensation als ihr Landsmann Jacob Kiplimo mit drei Sekunden Vorsprung auf den Äthiopier Amdework Waleleon Weltmeister wurde. Das "Stadion" mit 10.000 begeisterten Fans explodierte.

Heimsieg im U20-Rennen für Jacob Kiplimo aus Uganda

Eine Spitzengruppe mit den Favoriten lag lange in Führung, aber als dann in der letzten Runde Jacob Kiplimo attackierte, bekam er große Unterstützung vom heimischen Publikum und wurde förmlich Richtung Ziel getragen. Er wurde für seinen Mut belohnt und wurde Weltmeister. Nach dem Rennen brachte man ihn sofort zur Ehrentribüne, wo ihm der Präsident von Uganda gratulierte. Es war die erste Goldmedaille für Uganda in der Geschichte der Cross-Weltmeisterschaften.

IAAF World Cross Country Championships Kampala/Uganda 2017
U20 Men - 8km
Pl. Name Land Zeit
1
Jacob Kiplimo
UGA 22:40
2
Amdework Walelegn
ETH 22:43
3
Richard Yator Kimunyan
KEN 22:52
4
Betesfa Getahun
ETH 22:58
5
Selemon Barega
ETH 23:03
6
Tefera Mosisa
ETH 23:04
7
Amos Kirui
KEN 23:04
8
Edwin Kiplangat Bett KEN 23:10
...31 Mario García ESP 25:26
...43 Sam Stevens GBR 25:52
...71 Alexis Phelut FRA 27:07
Pl. Team
1
Ethiopia
2
Kenya
3
Eritrea
...10 Great Britain & N.I.
...13 Spain

Mixed Race

Neu war bei dieser Crossweltmeisterschaft das Mixed Race. Mixed Teams, zwei Männer und zwei Frauen, bildeten die Staffeln, wobei jeder Athlet eine Runde von zwei Kilometern laufen musste. Dieser neue Wettbewerb wurde ein großer Erfolg. Es macht die Cross-Weltmeisterschaften interessanter und ist eine gute Ergänzung der Titelkämpfe. Kenia mit u.a..Asbel Kiprop gewann vor Äthiopien mit u.a. Genzebe Dibaba.

Ein begeistertes Publikum begleitete die Crossrennen in Kampala Asbel Kiprop startete in der gemischten Staffel und gewann mit seinem Team für Kenia den ersten Wettbewerb dieser Art bei einer Cross WM

IAAF World Cross Country Championships Kampala/Uganda 2017
Mixed Relay - 8km
Teams mit je zwei Frauen und Männern teilen sich die 8 km Distanz. Jede Runde ist 2 km lang
Pl. Land Athleten Zeit
1
Kenya Asbel Kiprop
Winfred Nzisa Mbithe
Bernard Kipkorir Koros
Beatrice Chepkoech
22:22
2
Ethiopia Welde Tufa
Bone Cheluke
Yomif Kejelcha
Genzebe Dibaba
22:30
3
Turkey Aras Kaya
Meryem Akdag
Ali Kaya
Yasemin Can
22:37
4
Bahrain Sadik Mikhou
Dalila Abdulkadir
Benson Kiplagat Seurei
Tigist Gashaw
23:20
5
Morocco Mohamed Tindouft
Oumaima Saoud
Sanae El Otmani
Brahim Kaazouzi
24:02
6
United States Cory Leslie
Eleanor Fulton
Marisa Howard
Paul Kipkemoi Chelimo
24:08
7
Tanzania Faraja Damas Lazaro
Sicilia Ginoka Panga
Jackline Sakilu
Marco Silvester Monko
24:13
8
Spain Marc Alcalá
Solange Pereira
Jesús Ramos
Blanca Fernández
24:29
9
Eritrea Netsanet Negasi
Berhane Tesfay
Helen Gebru
Awet Habte
24:47
10
Italy Soufiane El Kabbouri
Margherita Magnani
Giulia Aprile
Joao Bussotti Neves
25:14
11
Sudan Hossny Eisa
Sounia Faroog Hamdan
Amna Bakhit
Adam Fadl Alla Musa
25:53
12
South Sudan Suzan Bumanga
Kamusu Muskan
Stella Ohiri
Majook Riak
29:30
  Uganda Winnie Nanyondo
Geofrey Ruto
Dorcus Ajok
Ronald Musagala
DQ

Resümee

Uganda hat sich sehr bemüht die Cross-WM zu einem Erfolg zu machen. Das war nicht so einfach für einen Land mit wenig Organisationserfahrung. Es ist gelungen, ein echtes Cross- Volksfest auf der Beine zu stellen, sportlich, aber auch kulturell. Das Publikum sorgte für eine Riesenstimmung. Die nächste WM 2019 findet im dänischen Aarhus statt. Hoffentlich sind Deutschland und viele weitere Länder aus Europa dabei. 15 Prozent Athleten aus Europa wie in Kampala ist natürlich viel zu wenig!!!

Bericht und Fotos von René van Zee

Ergebnisse www.iaaf.org

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